Planung, Durchführung und Evaluation der Videotutorial-Serie "Notenlesen leicht gemacht". Reflektierende Dokumentation


Hausarbeit, 2018

29 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Praktikumsreflexion
2.1 Praktikumsstelle
2.2 Planung: Das Decision Oriented Instructional Design Model (DO-ID)
2.2.1 Ziele
2.2.2 Analysen
2.2.3 Design
2.2.4 Usability-Testing
2.2.5 Evaluation
2.3 Theoretische Fundierung der Durchführung
2.4 Professionelles Handeln und der Theorie-Praxis Transfer
2.5 Evaluation und Qualitätsmanagement

3 Blog - Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Anhang A:

Anhang B:

Anhang C: Auszüge aus dem Storyboard

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: SOI–Modell nach Mayer

Abb. 2: Das DO-ID-Modell

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Lehrziele und ihre Relevanz in der praktischen Umsetzung

Tab. 2: Wissensarten und ihre Anwendung beim Notenlesen

Tab. 3: Ablaufplan für das Storyboard zu den einzelnen Videosequenzen

Tab. 4: Prozessfragen und ihre praktische Umsetzung

Tab. 5: Medieneinsatz

1 Einleitung

Im Rahmen des Studiengangs Bachelor Bildungswissenschaften an der FernUniversität Hagen ist ein Praktikumssemester vorgesehen (FernUniversität Hagen, 2017b, S.5), das den Studierenden Einstiege in die Berufswelt bieten und ihnen im Rahmen eines eigenständig durchgeführten bildungswissenschaftlichen Projektes die Möglichkeit zum Transfer der bisher erarbeiteten theoretischen Inhalte geben soll (FernUniversität Hagen, 2017a, S.21). Die vorliegende Arbeit befasst sich als reflektierende Dokumentation mit der Planung und Durchführung des Praktikumsprojektes „Videotutorial-Serie Notenlesen leicht gemacht“ (siehe Abb. A1, Anhang A, S.22) sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den Ergebnissen und Erfahrungen daraus. Dabei wird nach einer kurzen Beschreibung der Praktikumsstelle die zu absolvierende Aufgabe vorgestellt und theoretisch im Rahmen der Bildungswissenschaft verortet (Kapitel 2.1). Für den Praktikumsablauf war das Projektmanagementmodell DO-ID und seine Phasen nach Niegemann und Kollegen (Niegemann, Schatta & Müller, 2016, S.82) handlungsleitend (Kapitel 2.2), das für die motivationale Komponente durch das zusätzlich eingebundenen ARCS-Model nach Keller (2010, S.24) ergänzt wurde. Die Erstellung und Bearbeitung der Videoserie als OER-Bildungsmaterialien folgte dabei auf theoretischer Basis einerseits den pragmatischen Ansätzen von „Low Coast“ (Klebl, 2016, S.166) und „Low Tec“ (Klebl, 2016, S.171-173), andererseits den sechs Prinzipien multimedialen Gestaltens nach Mayer (in Niegemann 2016 et al., S.75); beides wird in Kapitel 2.3 dargelegt. Anschließend wird das eigene professionelle Handeln im Kontext des Projektes und in Bezug zu pädagogischer Kompetenz betrachtet und die Umsetzung der Theorie in die Praktikumsaufgabe kritisch bewertet (Kapitel 2.4). Kapitel 2.5 thematisiert Qualitätsmanagement in Abgrenzung zu Evaluation sowie die abschließende Beurteilung des Projektes. Der zur Praktikumsreflexion geführte studentische Blog über die ePortfolio-Software Mahara (FernUniversität Hagen, 2017a, S.22) und das gegenseitige Feedback innerhalb der Gemeinschaft der Mitstudierenden sind Gegenstand des vorletzten Kapitels, während am Ende noch einmal die Ergebnisse der Dokumentation zusammengefasst werden und ein Ausblick auf zukünftige Vorhaben erfolgt.

2 Praktikumsreflexion

Das in dieser Arbeit reflektierte Praktikum befasste sich mit der Erstellung von Bildungsmaterial als Open Educational Ressources (OER) in Form von kurzen Videotutorials, die das Thema „Notenlesen leicht gemacht“ behandeln. Bildungstheoretisch korrespondiert das Praktikumsthema mit den kognitivistische Ansätzen der Cognitive Load Theory (Chandler & Sweller, 1991, S.293) und dem SOI-Modell nach Mayer (Mayer & Moreno, 2003, S.44), worauf im Folgenden noch eingegangen wird (Kapitel 2.1).

2.1 Praktikumsstelle

Die Praktikumsleistung wurde zusätzlich zu einer regulären Lehrtätigkeit an der praktikumsgebenden Musikerziehungsstätte über einen Zeitraum von fünfzehn Arbeitstagen, verteilt auf den Zeitraum zwischen 30. April und 30. September 2017, erbracht, und ist dem Bildungsbereich des non-formellen Lernens zuzuordnen (Kommission der EU, 2000, S.9). Im zeitlich begrenzten wöchentlichen Einzel- oder Gruppenunterricht kann auf Schüler mit Notenleseproblemen oftmals nicht hinreichend eingegangen werden. So wurde in Übereinstimmung mit dem Kollegium der als Verein organisierten Musikschuleinrichtung vereinbart, Materialien zu erstellen, die das Lesen von Tonhöhen in der Notenschrift bildhaft umsetzen und erläutern sowie Gelegenheit zum Vertiefen und Üben bieten sollen. Diese Kurzanleitungen in Videoform sollten mit eigenen technischen Mitteln produziert und über die Plattform YouTube kostenfrei zur Verfügung gestellt werden; eine Verlinkung über die Homepage des Praktikumsgebers sollte den Musizierenden die Inhalte zugänglich machen und zugleich als „Werbung in eigener Sache“ dienen. Der Produktion der Videos ging eine Auseinandersetzung mit Phänomenen menschlicher audiovisueller Wahrnehmung voraus. Die dazu herangezogene kognitive Theorie der Informationsverarbeitung nach Mayer (in Mayer & Moreno, 2003, S.44) soll hier kurz vorgestellt werden.

In der kognitionspsychologischen Forschung beschäftigt sich Mayer mit der Informationsverarbeitung im menschlichen Gedächtnis unter Rückgriff auf die Theorie der Dualen Codierung nach Paivio, die Cognitive Load Theory nach Chandler und Sweller und die Working Memory Theory nach Baddeley (Mayer & Moreno, 2003, S.44). Dabei geht er davon aus, dass wahrgenommene Informationen getrennt im sogenannten Arbeitsgedächtnis verarbeitet werden: Durch Hören aufgenommene im auditiven, durch Sehen aufgenommene im visuellen Kanal (Mayer & Moreno, 2003, S.44). Diese Annahme wird nun der Analyse von Lehr- und Lernprozessen im Multimediabereich zugrunde gelegt und mit den dabei ablaufenden Wahrnehmungsprozessen verknüpft:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: SOI–Modell nach Mayer (2001). In: Niegemann et al. (2016), S. 72

In seinem Modell unterteilt Mayer den Prozess der Verarbeitung von sensuell aufgenommener Information innerhalb des Arbeitsgedächtnisses in die drei Stufen Selektion, Organisation und Integration (SOI). Die getrennte Verarbeitung auditiver und visueller Signale erfolgt über zwei unterschiedliche Kanäle, die in ihrer Verarbeitungsleistung begrenzt sind (Mayer & Moreno, 2003, S.44; Niegemann, et al., 2016, S.72-73); gleichzeitig sind also nur eine bestimmte Anzahl von Verarbeitungsschritten möglich, bevor eine Überlastung (engl. Cognitive Overload, Sweller & Chandler, 1991, S.296) auftritt. Die Informationsverarbeitung umfasst fünf Typen von Gedächtnisleistungen: Die Auswahl von als relevant eingestuften Wörtern (1) und Bildern (2), die Modellierung der verbalen (3) und visuellen (4) Inhalte sowie die Verknüpfung beider Modellstrukturen und der Einbindung bereits im Langzeitgedächtnis gespeicherter Informationen (5). Um eine kognitive Überlastung und damit die Blockierung von Lernprozessen zu verhindern, ist bei der Konzeption von multimedialen Lernmaterialien auf die Trennung von verbalen und visuellen Inhalten zu achten. Ebenso darf die Aufmerksamkeit nicht durch für den Lernprozess unwesentliche Signale (Animationen, Hintergrundmusik etc.) überbeansprucht werden (Niegemann et al., 2016, S.73-74). Aus diesen Erkenntnissen leitet Mayer seine sechs Prinzipien multimedialen Lernens ab (Niegemann et al., 2016, S.75-76), die in der didaktischen Umsetzung bei der Videoreihe „Notenlesen leicht gemacht“ zur Anwendung kamen und in Kapitel 2.3 erläutert werden.

2.2 Planung: Das Decision Oriented Instructional Design Model (DO-ID)

Nach Chandler und Sweller (1991, S.296) ist gerade bei der Entwicklung von Lernmaterialien ein geordnetes Vorgehen bei der Gestaltung und Umsetzung bzw. Durchführung wesentlich (Niegemann 2004, S.19-20), um kognitiver Überlastung vorzubeugen. Darauf nehmen verschiedene Modelle des Instruktionsdesigns (ID) besondere Rücksicht (Mayer & Moreno, 2003, S.43-44); weswegen im Kontext dieser Arbeit auch ein ID-Modell zur Begleitung der einzelnen Projektphasen gewählt wurde.

Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelten sich vor allem im englischsprachigen Raum verschiedene ID-Modelle. Dabei verbinden diese Modelle lerntheoretische Ansätze aus der Psychologie und didaktische Vorgehensweisen aus den Erziehungswissenschaften, die zur systematischen Gestaltung von mediengestützten Lernumgebungen herangezogen werden. Instruktion bedeutet, die jeweilige Gestaltung der Lernangebote zum Einen an die Art von Lernaufgaben und –zielen, zum Anderen an die Lernenden inklusive ihrer Lernvoraussetzungen anzupassen; somit ist nicht eine bestimmte Methodik, sondern jener Prozess der Anpassung der Lerneinheiten an die jeweilige Lernsituation und ihre grundlegenden Rahmenbedingungen gemeint (Niegemann, 2004, S.19-22).

Um Entscheidungen im ID-Prozess nach wissenschaftlich fundierten und empirisch gestützten Kriterien durchzuführen sowie ihre Abfolgen und Rückbezüge in Beziehung zu setzen, entwickelten Niegemann und Kollegen an der Universität Erfurt ein „Entscheidungsorientiertes Instruktionsmodell“ (Amann et al., 2015, S.4). Das sogenannte „Decision Oriented Instructional Desing Model“ (DO-ID) greift dabei ein Muster von verschiedenen Designebenen auf, wie es sich z.B. in der Architektur, aber auch in der Software-Entwicklung als hilfreich erwiesen hat – stets ist die Grundlage der Konzeption eine Entscheidungsstruktur (Niegemann, et al., 2016, S.82). Dabei stehen die über- und untergeordneten Ebenen im Designprozess in einer wechselseitigen Beziehung; daraus folgt, dass jede Entscheidung die nachfolgenden Prozesse und Entscheidungen der darunterliegenden Ebenen beeinflusst und einschränkt, ebenso aber auch wieder Rückwirkungen auf die übergeordneten Entscheidungsfelder zeitigt (Amann et al., 2015, S.5). Aufgrund dieser logisch-systematischen Entscheidungsstruktur, die eine laufende Anpassung an technische und gestalterische Prozesse möglich macht, wurde das DO-ID-Modell für die Begleitung des Praktikums und die Umsetzung der Videotuorials ausgewählt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das DO-ID-Modell, eigene Darstellung nach Niegemann et al., 2008, S. 85

Das DO-ID-Modell lehnt sich an die fünf namensgebenden Kategorien (Analyse, Design, Development, Implementation, Evaluation) des ADDIE-Modells von Gagné (1985) an (Niegemann, 2004, S.22-25), wobei bei multimedialen Entwicklungsprozessen die Schritte Design, Development und Implementation nicht trennscharf sind, sondern miteinander wechselwirken. Daher sind sie im DO-ID-Modell auch dem großen Bereich des Design eingegliedert, wobei Teile der Implementation im Schritt „Usability-Testing“ vollzogen werden. Hier können Fehler beseitigt und Optimierungsmöglichkeiten erkannt und ausgeschöpft werden. Ein Evaluationsprozess ist im Anschluss vorgesehen. Allerdings verzichtet dass DO-ID-Modell auf eine detailliertere Vorgehensweise; hier müssen zusätzliche Verfahren der Evaluation oder des Qualitätsmanagement herangezogen werden (Amann et al. S.5-7). Die Abbildung zeigt die Abfolge der Entscheidungen und ihre wechselseitigen Abhängigkeiten; in den folgenden Unterkapiteln wird der praktische Bezug zum Praktikumsprojekt in den einzelnen Schritten des DO-ID-Modells hergestellt.

2.2.1 Ziele

Durch die Vorgaben der Praktikumsstelle waren die Ziele der Bildungsmaßnahme klar vorgegeben: erkennbare Defizite von Musizierenden bei der grafischen Erkennung von Tonstufen in gedruckten Noten sollten abgebaut werden. Mittels OER-Materialien in Form von Videotutorials sollte die Darstellung von Tonhöhen in der Notenschrift veranschaulicht und erklärt sowie das Erkennen und Lesen geübt und vertieft werden. Die Videosequenzen sollten dabei auf ein kostenfrei zugängliches Portal hochgeladen und über die hauseigene Website verlinkt werden (siehe Kapitel 2.1).

2.2.2 Analysen

Die im zweiten Schritt erfolgenden Analysen befassen sich mit der Zielgruppe, dem Lernumfeld und den Lernerwartungen (Niegemann et al., 2008, S.87-88). In diesem Fall sind die Zielpersonen der Praktikumsmaßnahme Laienmusizierende, die ihre Kenntnisse im Notenlesen vertiefen wollen. Die Beschäftigung mit der Musik erfolgt in der Freizeit; es geht hier nicht um ein Erlangen von Expertenwissen, sondern um eine freiwillige, von Interesse geleitete Auseinandersetzung mit der Musiktheorie, in dem das von den Musiklehrkräften identifizierte Defizit der mangelnden Tonhöhenvorstellung und Notenlesefähigkeit behoben werden sollte. Die Videosequenzen sollen Anleitung zur Selbsthilfe und zum vertiefenden Üben bieten. Da die Materialien als OER offen zugänglich sind, kann die Gruppe der Lernenden nicht näher bestimmt werden; die Zusammensetzung ist hinsichtlich der Altersstruktur, des Vorwissens und der instrumentalen Fähigkeiten heterogen. Auch spielt die Art des Instruments und der Grad der Spielfertigkeit in diesem Kontext keine Rolle. Deswegen wird bei den Lernvoraussetzungen nur von einem Grundwissen über die Musik und ihre theoretischen Grundlagen ausgegangen, wie es im instrumentalen Anfangsunterricht erworben wird.

Die Bedarfsermittlung (Niegemann et al., 2016, S.20) erfolgte einerseits durch Beobachtung durch die Lehrkräfte des Praktikumsgebers, andererseits durch Anfragen vonseiten der Musizierenden, die ihre Notenlesefähigkeit verbessern wollten (subjektiver Bedarf). Ebenso wurden diesbezüglich Defizite festgestellt, die beim Musizieren im Ensemble oder Schulorchester im Vergleich mit Mitspielenden auffielen (relativer Bedarf).

Um die verschiedenartigen Anforderungen beim Vorgang des Notenlesens zu analysieren, wurden zunächst Lehrziele gemäß den Dimensionen von Bloom, Krathwohl und Kollegen 1975 (in Niegemann et al. 2016, S. 23.24) herangezogen, wie in Tabelle 1 beschrieben:

Tab. 1: Lehrziele und ihre Relevanz in der praktischen Umsetzung; eigene Darstellung, 2017

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Planung, Durchführung und Evaluation der Videotutorial-Serie "Notenlesen leicht gemacht". Reflektierende Dokumentation
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Praxis der Mediendidaktik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V973994
ISBN (eBook)
9783346321237
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Projektmanagement, Evaluation, Reflektierende Dokumentation, Video, Tutorial, Notenlesen
Arbeit zitieren
Petra Amasreiter (Autor), 2018, Planung, Durchführung und Evaluation der Videotutorial-Serie "Notenlesen leicht gemacht". Reflektierende Dokumentation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/973994

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