Diese wissenschaftliche Arbeit befasst sich mit dem Themenbereich der digitalen Geschäftsmodelle bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. Besonders KMU haben spezielle Eigenschaften bezüglich Kultur, Strategie und Unternehmensstruktur, die eine Anpassung von bereits bestehenden Frameworks und Vorgehensweisen im Umgang mit digitalen Geschäftsmodellen notwendig machen.
Einerseits ist deshalb ein Ziel dieser Arbeit anhand von aktuellen theoretischen Erkenntnissen digitale Veränderungen durch Industrie 4.0 Technologien zu identifizieren und diese hinsichtlich deren Komplexität im Rahmen des Designs und der Einführung von digitalen Geschäftsmodellen einzuordnen.
Entsprechend werden diese Optionen anschließend in einem ganzheitlichen Framework zusammengefasst, um einem KMU eine Übersicht von Leitlelementen und einen methodischen Rahmen zur Berücksichtigung von bedeutsamen Gegebenheiten innerhalb einer digitalen Innovation des Geschäftsmodells zu geben.
Durch die hohe Komplexität des Frameworks ist eine praktische Anwendung mit großem Aufwand verbunden. Deshalb sind anschließend zwei Teile des Frameworks von einer übergeordneten Sichtweise auf eine konkrete Anwendung reduziert und für ein Musterunternehmen der Anlagen- und Maschinenbaubranche exerziert.
Zum Abschluss der Arbeit wird das erarbeitete Ergebnis diskutiert sowie insbesondere die Implikationen und Limitationen des Frameworks gezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Forschungsdesign und Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Konventionelle und digitale Geschäftsmodelle
2.1.1 Definition und Zusammenhang der Begrifflichkeit Geschäftsmodell
2.1.2 Definition und Kontext von digitalen Geschäftsmodellen
2.1.3 Konzept zur Entwicklung und Modellierung von Geschäftsmodellen
2.2 Kleine und mittelständische Unternehmen im Maschinenbau
2.2.1 Definition der Begrifflichkeiten
2.2.2 Besonderheiten in Strategie, Unternehmensstruktur und Kultur
2.2.3 Digitalisierung und digitale Transformation in Maschinenbau-KMU
3 Digitale Geschäftsmodelle in KMU – Eine systematische Bestandsaufnahme
3.1 Konzept des Reviews
3.2 Literatursuche
3.3 Literaturauswertung und Synthese
3.3.1 Veränderungen der Geschäftsmodell-Dimensionen
3.3.2 Digitale Geschäftsmodell-Archetypes
4 Framework für digitale Geschäftsmodelle in KMUs
4.1 Aufnahme der aktuellen Gegebenheiten - Ist-Analyse
4.2 Konzeptionierung der Innovation - Soll-Konzept
4.3 Realisierung
5 Reduktion des Frameworks
5.1 Systematisierung der Ist-Analyse
5.2 Konkretisierung der Soll-Konzeption
6 Diskussion der zentralen Ergebnisse
7 Schlussfolgerung
8 Literaturverzeichnis
Anhang
Anhang 1: Theoretischer Hintergrund
Anhang 2: Systematische Literaturrecherche
Anhang 3: Framework
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis adressiert die Herausforderung der digitalen Transformation in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) des Anlagen- und Maschinenbaus. Ziel der Arbeit ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Frameworks, das KMU bei der strategischen Konzeption, dem Design und der praktischen Implementierung digitaler Geschäftsmodelle unterstützt, um langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern.
- Analyse der Auswirkungen von Industrie 4.0 Technologien auf konventionelle Geschäftsmodelle.
- Identifikation spezifischer Merkmale von KMU (Strategie, Struktur, Kultur) im Kontext der Digitalisierung.
- Synthese digitaler Geschäftsmodell-Archetypen basierend auf einer systematischen Literaturanalyse.
- Entwicklung eines skalierbaren Frameworks für die digitale Geschäftsmodell-Innovation (GMI).
- Reduktion des Frameworks zur praktischen Anwendbarkeit für KMU mittels Leitfragen und morphologischem Kasten.
Auszug aus dem Buch
Nutzendimension
Eine Steigerung des Wertversprechens, also der formulierte Nutzen für den Kunden durch eine Steigerung des digitalen Angebotes (Produkte & Services) sowie des digitalen Erlebnisses ist für jede Art von Unternehmen zu erwarten. Beispielsweise werden durch IoT dem Kunden ein Real-Time Wartungsalarm und ein persönliches, schnelles Feedback ermöglicht. Verbunden mit einem Predictive Maintanance, also der Vorhersage wann und weshalb Anlagen- und Maschinenteile ausgetauscht werden müssen und der additiven Fertigungstechnologie, können in Zukunft außerdem Ersatzteile zum idealen Zeitpunkt bereitgestellt werden. Weiterhin ermöglicht die Analyse und Integration von Kunden- und Nutzungsdaten ein zusätzliches virtuelles Angebot und eine Erweiterung des Nutzenversprechens, wie beispielsweise eine Garantie von Performance und einem Risikotransfer von Geschäftsprozessen beim Kunden, die mit dem Produkt verbunden sind (Hartmann et al. 2016; Ebi et al. 2019).
In jedem Fall verschiebt sich der Fokus in digitalen GM typischerweise von einer Produkt-Leistungsorientierung, in der maximal grundlegende Services, wie beispielsweise vertraglich festgehaltene Wartung & Reperatur sowie Garantieverlängerungen, beinhaltet sind, hin zu einem Nutzungs- bzw. Lösungsorientiertem GM. Diese Entwicklung hat wiederum sogenannte „nonownership“ Verträge zur Folge, bei denen die eigentlichen Eigentumsverhältnisse von Anlagen und Maschinen bei dem Hersteller verbleiben. Derartige Verträge ermöglichen flexible und individuelle Serviceangebote, innovative Werterfassungsmodelle und verringern Unsicherheiten für den Nutzer, da dieser kein finanzielles Risiko eingehen muss und im Grunde nur den Output als Service bezahlt. Gleichzeitig kann ein erweiterter Service, wie beispielsweise Real Time Monitoring und kontinuierliche Add-Ons vom Hersteller bereitgestellt werden. Die Effektivität dieser Hersteller-Kunden Beziehung hängt jedoch stark von der Kalkulationsfähigkeit zukünftiger Events beider Vertragspartner ab. Hier könnte in Zukunft beispielsweise die Ausarbeitung eines blockchainbasierten Non-Ownership-Konzeptes zur Automatisierung von Vertragsbedingungen innerhalb eines Produkt-Service GM sinnvoll sein (Bock und Wiener 2017; Bressanelli et al. 2018; Ehret und Wirtz 2017; Michalik et al. 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Notwendigkeit digitaler Geschäftsmodelle für KMU im Maschinenbau und definiert das Forschungsziel sowie den Design Science Research Ansatz der Arbeit.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden Grundlagen zu konventionellen und digitalen Geschäftsmodellen sowie die spezifischen Rahmenbedingungen von KMU im Maschinenbau erarbeitet.
3 Digitale Geschäftsmodelle in KMU – Eine systematische Bestandsaufnahme: Auf Basis einer systematischen Literaturanalyse werden Veränderungen in Geschäftsmodell-Dimensionen identifiziert und digitale Archetypen abgeleitet.
4 Framework für digitale Geschäftsmodelle in KMUs: In diesem Kapitel wird ein holistisches Framework entworfen, das den Prozess von der Ist-Analyse über das Soll-Konzept bis zur Realisierung strukturiert.
5 Reduktion des Frameworks: Zur Erhöhung der Praxistauglichkeit wird das abstrakte Framework durch Leitfragen und einen morphologischen Kasten für KMU im Anlagen- und Maschinenbau konkretisiert.
6 Diskussion der zentralen Ergebnisse: Die Ergebnisse der Arbeit, insbesondere das Framework und dessen Limitationen, werden kritisch reflektiert und diskutiert.
7 Schlussfolgerung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und schließt die Arbeit mit einem Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe ab.
Schlüsselwörter
Digitale Geschäftsmodelle, KMU, Maschinenbau, Industrie 4.0, Geschäftsmodell-Innovation, Digitale Transformation, IoT, Framework, Wertschöpfung, Servitization, Datengetriebene Geschäftsmodelle, Cloud Computing, Blockchain, Künstliche Intelligenz, Additive Fertigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Bereich Anlagen- und Maschinenbau erfolgreich digitale Geschäftsmodelle entwickeln und implementieren können, um im Zuge der digitalen Transformation wettbewerbsfähig zu bleiben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Felder sind die technologischen Enabler von Industrie 4.0 (wie IoT, Big Data, KI), die spezifischen organisatorischen Gegebenheiten von KMU sowie die systematische Modellierung von digitalen Geschäftsmodellen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, Optionen digitaler Technologien für KMU zu identifizieren und ein anwendungsorientiertes Framework zu erstellen, das als Leitfaden für den Umgang mit digitalen Geschäftsmodell-Innovationen dient.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erreichung des Ziels verwendet?
Die Arbeit folgt dem Design Science Research Ansatz. Die Entwicklung basiert auf einer systematischen Literaturrecherche, einer qualitativen Inhaltsanalyse sowie der anschließenden Synthese und Reduktion zu einem praxisnahen Framework.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine systematische Bestandsaufnahme mittels Literaturanalyse, die Konstruktion eines Frameworks und dessen Reduktion auf eine konkrete, anwendbare Form für die Maschinenbaubranche.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Digitale Geschäftsmodelle (DGM), KMU, Servitization, digitale Transformation, Industrie 4.0 und das speziell entwickelte Framework für digitale Geschäftsmodell-Innovationen.
Wie wird das Framework für die praktische Anwendung in KMU angepasst?
Das theoretische Framework wird durch die Definition von spezifischen Leitfragen für jeden Prozessschritt und die Anwendung eines morphologischen Kastens, der Entscheidungsoptionen für KMU visualisiert, handhabbar gemacht.
Warum ist der Fokus auf KMU im Maschinenbau besonders relevant?
KMU bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Da sie oft über spezialisiertes Nischenwissen verfügen, aber begrenzte Budgets und konservative Strukturen haben, erfordern sie einen spezifischen, weniger komplexen Zugang zur digitalen Geschäftsmodell-Innovation.
- Arbeit zitieren
- Timothy Todd (Autor:in), 2020, Digitale Geschäftsmodelle in in kleinen und mittelständischen Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974117