In der Hausarbeit werden zwei Reiseangebote, eins aus Deutschland, eins aus Frankreich, analysiert und verglichen. Dabei wird nach der Textanalysestrategie von Christiane Nord vorgegangen.
Übersetzer kennen und nutzen viele verschiedene Hilfsmittel. Laien denken dabei oft nur an Wörterbücher, automatische Übersetzungstools und andere elektronische Hilfsmittel. Doch es gibt auch einige nicht-elektronische Informationsquellen für Übersetzer. Dazu zählen auch sogenannte Paralleltexte. Es handelt sich dabei um Originaltexte derselben Textsorte in verschiedenen Sprachen, also keine Übersetzungen. Sie geben beim Übersetzen eine gute Orientierung hinsichtlich Terminologie oder Makro- und Mikrostrukturen von Fachtexten, welche innerhalb der kulturellen Kontexte eines Sprachenpaares sehr unterschiedlich sein können. Mithilfe von Paralleltexten kann sich ein Übersetzer beispielsweise über Unterschiede im Aufbau von Rechtstexten informieren oder die korrekte Terminologie für einen technischen Text wählen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Text, Textsorte, Texttyp
2.2 Charakteristika der Textsorte Reiseprospekt
2.3 Rechtlicher Hintergrund
2.4 Analysemethoden
3 Analyse
3.1 Textexterne Faktoren
3.2 Textinterne Faktoren
3.2.1 Makrostruktur
3.2.2 Mikrostruktur
4 Zusammenfassung und Ausblick
5 Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen kontrastiven Vergleich zwischen einem deutschen und einem französischen Reiseprospekt durchzuführen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der textlinguistischen Gestaltung zu identifizieren. Dabei wird untersucht, wie textexterne Faktoren und textinterne Strukturen (Makro- und Mikrostruktur) die persuasive Funktion dieser operativen Textsorte in den jeweiligen kulturellen Kontexten beeinflussen.
- Vergleichende Analyse von Reiseprospekten auf Basis von Modellen der Fachtextlinguistik
- Untersuchung textexterner Faktoren wie Kommunikationsfunktion und Zielgruppenansprache
- Kontrastive Analyse der Makrostruktur und typografischer Gestaltungselemente
- Analyse der Mikrostruktur unter Berücksichtigung von Syntax, Lexik und emotionalen Ausdrucksmitteln
- Evaluation der Relevanz für eine funktionskonstante Übersetzung in der Übersetzungspraxis
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Mikrostruktur
Beide Angebote unterscheiden sich deutlich in ihrer sprachlichen Gestaltung. Typisch für den deutschen Text ist, dass der Rezipient fast in jedem Satz direkt angesprochen wird. Der Kunde bekommt dadurch das Gefühl, dass die Reise direkt für ihn bestimmt ist. Er kann sich die gesamten Reise im Vorfeld auch besser vorstellen. Im Verbalstil wird er an die Hand genommen und in Gedanken durch die Reise geführt, bevor sie überhaupt begonnen hat (dazu trägt im Übrigen auch das durchgängig verwendete Präsens bei). Beispiele dafür sind Sätze wie „Sie fahren nach Kiel und gehen an Bord der Colour Line“ oder „Nach dem Frühstück auf der Fähre werden Sie in Oslo bereits von Ihrem Stadtführer erwartet“.
Auffällig sind auf lexikalischer Ebene die unzähligen anschaulichen und emotionalen Adjektive: „vielfältig“, „zerklüftet“, „gewaltig“, „karg“, „steil“, „traumhaft“, „prachtvoll“, „idyllisch“, „exklusiv“, „wild“ etc. Die Liste könnte noch beliebig fortgeführt werden. Im Text finden sich auch einige signalbehaftete Nomen, die starke Bilder und positive Emotionen hervorrufen, wie z. B. „Erlebnis“, „Abendshow“, „Aussicht“, „Höhepunkt“ und „Panoramablick“. Superlative („spektakulärste Eisenbahnstrecke“, „höchstgelegener Bahnhof“, „größtes Hochgebirgsplateau“, „längste Hängebrücke des Landes“) sorgen für Spannung und Interesse seitens des Rezipienten und geben ihm das Gefühl, dass er diese Orte unbedingt besuchen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, eine kontrastive Analyse zweier Reiseprospekte durchzuführen, und führt in die theoretische Relevanz von Paralleltexten ein.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die fachlinguistischen Begriffe Text, Textsorte und Texttyp sowie spezifische Merkmale und den rechtlichen Rahmen von Reiseprospekten.
2.1 Text, Textsorte, Texttyp: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Textlinguistik und Texttypologien, unter anderem nach de Beaugrande/Dressler und Katharina Reiß, dargelegt.
2.2 Charakteristika der Textsorte Reiseprospekt: Dieser Abschnitt beschreibt den Reiseprospekt als operativen Werbetext innerhalb eines Textverbundes und beleuchtet das Reiseverhalten in Deutschland und Frankreich.
2.3 Rechtlicher Hintergrund: Es wird die EU-Pauschalreiserichtlinie als regulatorischer Rahmen für Informationspflichten in Reiseprospekten thematisiert.
2.4 Analysemethoden: Das Kapitel begründet die Wahl des Top-Down-Ansatzes nach Christiane Nord für die kontrastive Untersuchung.
3 Analyse: Hier erfolgt die eigentliche Untersuchung der beiden ausgewählten Reiseprospekte anhand der Kriterien der textexternen und textinternen Faktoren.
3.1 Textexterne Faktoren: Analyse der Rahmenbedingungen wie Emittenten, Rezipienten, Kommunikationsmedium und Zeitfaktor der untersuchten Angebote.
3.2 Textinterne Faktoren: Detaillierte Untersuchung der sprachlichen und gestalterischen Umsetzung der Reiseprospekte.
3.2.1 Makrostruktur: Analyse des Layouts, der typografischen Besonderheiten und der optischen Gliederung der Werbematerialien.
3.2.2 Mikrostruktur: Kontrastive Betrachtung von Syntax, Lexik und rhetorischen Stilmitteln beider Texte.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses Kapitel resümiert die Analyseergebnisse und diskutiert die Möglichkeiten einer funktionskonstanten Übersetzung in der Praxis.
5 Anhang: Enthält ergänzende Informationen wie das Abbildungsverzeichnis und die tabellarische Zusammenfassung der Faktoren.
Schlüsselwörter
Kontrastive Analyse, Reiseprospekt, Textsorte, Fachtextlinguistik, Textanalyse, Christiane Nord, Operativer Texttyp, Makrostruktur, Mikrostruktur, Werbetext, Übersetzungsrelevanz, Sprachvergleich, Deutsch, Französisch, Reisemarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kontrastiven linguistischen Analyse von einem deutschen und einem französischen Reiseprospekt, um deren Aufbau, Sprache und Werbewirkung zu vergleichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Fachtextlinguistik, der Vergleich von Textsortenmerkmalen und die Übersetzungswissenschaft, angewandt auf die operative Textsorte "Reiseprospekt".
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Gestaltung und Struktur der Prospekte zu identifizieren und die Anwendbarkeit für eine funktionskonstante Übersetzung zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet einen Top-Down-Ansatz nach Christiane Nord, bei dem zunächst die textexternen Faktoren und anschließend die textinternen Aspekte (Makro- und Mikrostruktur) kontrastiv untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Analyseschritte vollzogen: Erst die Untersuchung der Kommunikationsbedingungen (Emittent, Rezipient, Ziel), gefolgt von einer detaillierten Analyse von Layout, Typografie, Syntax und Wortwahl.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Textsortenanalyse, operative Texte, Kontrastive Linguistik, Werbesprache und die Übersetzung von Fachtexten.
Welche Rolle spielen Farben und nicht-verbale Elemente in den analysierten Prospekten?
Die Arbeit zeigt, dass visuelle Elemente wie Firmenfarben, Karten oder spezifische grafische Hervorhebungen nicht nur illustrativ sind, sondern eine konstitutive Funktion bei der Überzeugung des Kunden zur Buchung einnehmen.
Warum ist das Thema "Pauschalreiserichtlinie" für die Analyse relevant?
Die Richtlinie (EU) 2015/2302 schreibt verbindliche Informationsinhalte für Reiseanbieter vor, was die Makrostruktur der untersuchten Texte maßgeblich beeinflusst und eine Vergleichsbasis schafft.
Welche Unterschiede in der direkten Kundenansprache wurden festgestellt?
Der deutsche Text zeichnet sich durch eine durchgängige, direkte Ansprache des Kunden und eine hypotaktische Struktur aus, während der französische Text stärker elliptisch formuliert ist und den Nominalstil bevorzugt.
Gibt es laut der Analyse eine ideale Form der Übersetzung für Reiseprospekte?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Invariante bei einer Übersetzung immer die kommunikative Funktion sein muss, wobei eine Lokalisierung an den Zielmarkt (z.B. Währung, Orthografie) oft sinnvoller ist als eine wortwörtliche Übersetzung.
- Arbeit zitieren
- Alena Zwiener (Autor:in), 2020, Kontrastive Paralleltextanalyse. Textsorte: Reiseprospekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974154