In dieser Hausarbeit sollen die Fragen behandelt werden, welche Bedeutung die Religion im politischen Denken Machiavellis einnimmt und wie für ihn ihre Rolle in der Gesellschaft und in der Politik aussieht. Ist sie ein reines Instrument zur Herrschaft? Wofür genau soll Religion instrumentalisiert werden und welche Bedeutung hat sie für Machiavelli persönlich? Diese Fragen behandele ich anhand von Textstellen aus dem Gesamtwerk Machiavellis, aus dem Il Principe, den Discorsi, der Geschichte von Florenz, Die Kunst des Krieges sowie aus weiteren kleineren Texten wie Komödien oder Denkschriften zeigen. Bei der Beantwortung meiner Fragen halte ich mich an den Texten Machiavellis und führe nur wenig Sekundärliteratur an, um einzelne Stellen ausführlicher zu betrachten und einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fortuna und virtu
3 Der Schein und die Herrschaft
3.1 Die Religion als Mittel für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Staate
3.2 Die Religion und das Kriegswesen
4 Das Schicksal Italiens und die Kritik an der Kirche
5 Lernen, nicht gut zu handeln
6 Glaubt Machiavelli an Gott?
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die facettenreiche Bedeutung der Religion im politischen Denken von Niccolò Machiavelli. Dabei steht insbesondere die Frage im Fokus, ob und wie Machiavelli die Religion als strategisches Instrument zur Herrschaftssicherung und zur Aufrechterhaltung staatlicher Ordnung einsetzt, ohne dabei den persönlichen Glauben des Autors aus den Augen zu verlieren.
- Instrumentalisierung der Religion für staatliche Zwecke
- Verhältnis zwischen den Begriffen fortuna und virtu
- Kritik an der Kirche und deren Rolle bei der Zersplitterung Italiens
- Die Notwendigkeit des Scheins für den Erhalt der Macht
- Das Spannungsfeld zwischen christlicher Moral und politischer Notwendigkeit
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Religion als Mittel für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Staate
"Der Fürst sei also nur darauf bedacht, zu siegen und den Staat zu erhalten: die Mittel werden immer für ehrenvoll gelten und von jedermann gelobt werden, denn der große Haufe hält es immer mit dem Scheine und mit dem Ausgange."(Machiavelli 2013, S. 101)
Diese Sicht des Principe, welcher Machiavelli grundlegend negative Anthropologie zugrunde liegt, wird in den Discorsi jedoch weiter ausgeführt. So nennt er das dreizehnte Kapitel in dem ersten Buch der Discorsi „Wie die Römer die Religion benutzten, um den Staat zu ordnen, ihre Unternehmungen zu fördern und Aufstände zu unterdrücken.“ (Machiavel und Oppeln-Bronikowski 2000, S. 59) So beschreibt Machiavelli ohne Umschweife, in welcher Rolle er die Religion in der Gesellschaft sieht: als ein Ordnung stiftendes Mittel. Als Beleg für seine These legt Machiavelli ein Beispiel aus dem antiken Rom dar: die Auslegung der Auspizien durch die Römer:
"Die Augurien bildeten nicht nur, wie oben gesagt, die Hauptgrundlage der altheidnischen Religion, sondern waren auch die Ursache des Gedeihens der römischen Republik. [...] Sie bedienten sich ihrer bei den Konsulwahlen, beim Beginn der Feldzüge, beim Auszuge der Heere, vor den Schlachten und bei jeder wichtigen bürgerlichen oder kriegerischen Handlung. Nie hätten sie einen Feldzug unternommen, ohne die Soldaten zu überzeugen, daß ihnen die Götter den Sieg verhießen. Unter den übrigen Wahrsagungen hatten sie bei den Heeren gewisse Auspizien, die sie Pullarien nannten. Sooft sie dem Feind eine Schlacht liefern wollte, mußten die Pullarier ihre Auspizien anstellen. Fraßen die Hühner, so focht man mit guten Vorzeichen, fraßen sie nicht, so gab man den Kampf auf. Gebot jedoch die Vernunft, etwas auszuführen, so wurde es auch bei ungünstigen Auspizien unter allen Umständen ausgeführt; nur wandte und deutete man die Sache so geschickt, daß sie nicht unter Mißachtung der Religion zu geschehen schien." (Machiavel und Oppeln-Bronikowski 2000, S. 62)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Fokus auf die Aktualität von Machiavellis Werk und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Rolle der Religion in seinem politischen Denken.
2 Fortuna und virtu: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen der Begriffe fortuna und virtu und zeigt deren fundamentale Bedeutung für Machiavellis Verständnis politischer Handlungsfähigkeit.
3 Der Schein und die Herrschaft: Das Kapitel analysiert die Notwendigkeit des Scheins für den Machterhalt und führt die zentrale Rolle der Religion hierbei ein.
3.1 Die Religion als Mittel für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Staate: Hier wird anhand der römischen Antike illustriert, wie Religion als Ordnungsinstrument und zur Disziplinierung der Bürgerschaft genutzt wurde.
3.2 Die Religion und das Kriegswesen: Dieses Kapitel verdeutlicht die enge Verbindung zwischen religiöser Überzeugung, militärischer Schlagkraft und der Stabilität eines Staates.
4 Das Schicksal Italiens und die Kritik an der Kirche: Der Autor untersucht Machiavellis scharfe Kritik an der Kirche, die er als Hauptverantwortliche für die Zersplitterung und Schwäche Italiens sieht.
5 Lernen, nicht gut zu handeln: Dieses Kapitel behandelt das Spannungsfeld zwischen moralischem Anspruch und politischer Realität bzw. der Notwendigkeit des Fürsten, zum Wohl des Staates auch moralische Grenzen zu überschreiten.
6 Glaubt Machiavelli an Gott?: Der Autor reflektiert über das Weltbild Machiavellis und kommt zu dem Schluss, dass dieser ein religiöses Fundament anerkennt, auch wenn er politische Amoralität im Sinne der Staatsräson für notwendig erachtet.
7 Fazit: Das Fazit führt die gewonnenen Erkenntnisse zusammen und bekräftigt, dass Religion für Machiavelli eine essenzielle Grundlage für stabile staatliche Strukturen bildet.
Schlüsselwörter
Machiavelli, Religion, Politik, Fortuna, Virtu, Herrschaft, Staatsräson, Kirche, Moral, Schein, Kriegswesen, Discorsi, Principe, Ordnung, Macht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Religion in der politischen Philosophie von Niccolò Machiavelli und analysiert, inwiefern Religion als Werkzeug staatlicher Stabilisierung dient.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Instrumentalisierung von Glauben, das Spannungsfeld zwischen Moral und politischem Handeln sowie die Kritik Machiavellis am Einfluss der Kirche auf die italienische Politik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob Religion für Machiavelli lediglich ein rein pragmatisches Instrument zur Herrschaftssicherung ist oder ob sie eine tiefere, ordnungsstiftende Funktion erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse der Primärquellen Machiavellis, insbesondere der Werke 'Il Principe', 'Discorsi', 'Geschichte von Florenz' und 'Die Kunst des Krieges'.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Begriffe wie fortuna und virtu, die Bedeutung von Religion für Ordnung und Kriegswesen sowie Machiavellis Haltung gegenüber der Kirche und der Moral des Fürsten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Macht, Religion, Staatsräson, Moral, Fortuna, Virtu und das politische Schicksal Italiens.
Warum spielt das antike Rom eine so wichtige Rolle für Machiavellis Argumentation?
Rom dient Machiavelli als historisches Referenzmodell, um aufzuzeigen, wie Religion erfolgreich zur Integration der Gesellschaft und zur Sicherung staatlicher Stabilität genutzt werden konnte.
Wie bewertet die Arbeit Machiavellis Verhältnis zur Kirche?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Machiavelli die Institution der Kirche kritisiert, da sie durch ihre weltliche Machtpolitik zur Zersplitterung Italiens beigetragen habe, während er das religiöse Fundament an sich als staatstragend ansieht.
- Quote paper
- Timon Sautter (Author), 2019, Die Bedeutung der Religion bei Machiavelli, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974393