Media Celebrities: Die Rolle der Prominenz in der modernen Öffentlichkeit


Seminararbeit, 2000

12 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsdefinitionen
2.1. Elite
2.1.1 Der Elitebegriff von H.P. Dreitzel
2.2. Prominenz
2.3.öffentlichkeit

3. Prominenz als Ö ffentlichkeitselite
3.1. Methode
3.2. Fragestellungen und empirische Ergebnisse
3.2.1. Gesellschaftliche Repräsentation der Prominenz
3.2.2. Ein Modell zur Erklärung des Prozesses des Prominentwerdens
3.2.3. Die Beziehung von Medien und Prominenz
3.2.4. Die meinungsbildende Wirkung der Prominenz auf dieöffentlichkeit

4. Zusammenfasssung

1. Einleitung

Der Begriff der Prominenz stammt aus den zwanziger Jahren, als Filmschauspieler aus Hollywood zum Objektöffentlichen Interesses wurden. Die sogenannten "picture-personalities" waren zunächst durch ihre Rolle auf der Leinwand populär, erst später sprach man von "stars", und nach 1945 sind diese "stars" auch als eigenständige Personen Teil desöffentlichen Interesses.

Eine neue Schicht von Personen, die sich allein über die Medien kommunizierte, hatte eine herausragende Stellung in deröffentlichkeit eingenommen. Es ist die Publizität, die nach C.Wright Mills die vererbbare Herrschaft der alten Eliten zerstört hat: "Printer´s ink has replaced blue-blood" Aktuelle Phänomene, wie beispielsweise die plötzliche Prominenz von Zlatko Trpkovski, ExKandidat aus der umstrittenen Fernsehsendung "Big Brother", der noch vor 3 Monaten keineöffentliche Rolle gespielt hat, scheinen zu belegen, dass einzig die Publizität einer Person ausreicht, ihr einen Prominentenstatus zuzuschreiben.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob man bei Prominenz von einer Elite sprechen kann, und wodurch sich diese prominenten Personen auszeichnen. Hierzu muss zunächst der Elitebegriff, die Prominenz und letztlich der Begriff deröffentlichkeit definiert und eingegrenzt werden. Vor dem Hintergrund dieser Definitionen und auf der Basis von Birgit Peters Untersuchung über Prominenz in der Bundesrepublik soll der Zusammenhang zwischen Prominenz, Medien und Publikum und die gegenseitigen Einflussmöglichkeiten beschrieben werden.

2. Begriffsdefinitionen

2.1. Elite

Der Begriff der Elite ist in seiner Geschichte und in seiner Bedeutung uneinheitlich verwendet worden. Besonders durch seine Verwendung in ideologischen Programmen, beispielsweise in faschistischer oder marxistisch-leninistischer Variante, ist der Elitebegriff kontrovers verwandt worden. Für die einen bildet er den Schlüssel zum gesellschaftlichen Glück, für die anderen gehört er zum Vokabular der Unfreiheit und der gesellschaftlichen Restauration. Da es in der Diskussion über Eliten immer auch um gesellschaftlichen Einfluss, um Macht und Ungleichheit geht, darf der Versuch der neueren Soziologie, den Elitebegriff zur deskriptiven Beschreibung wertfrei zu halten, nicht über seine Kontroversität hinwegtäuschen.

Als empirische Kategorie bezeichnet er zunächst den faktisch Herrschenden. Eine Elite ist ein Personenkreis innerhalb eines gesellschaftlichen Systems oder Sektors, bspw. Politik, Wirtschaft oder Recht, der Zugang zu Macht hat und Einfluss auf gesellschaftliche Werte und Normen besitzt. Dieser Anspruch ist durch gewisse Eigenschaften oder Leistungen legetimiert. Die Maßstäbe für die Zurechnung zu diesem Personenkreis sind unterschiedlich und geben Auskunft über die jeweiligen gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Gesellschaftsformen.

In der modernen Industriegesellschaft sind insbesonders Fähigkeiten zur Massenbeeinflussung wie der Zugang zu den Medien von zentraler Bedeutung.

2.1.1 Der Elitebegriff von H.P. Dreitzel

Dreitzel beschreibt utopische, ideologische und qualifikatorische Elemente des Elitebegriffs. Der Anspruch, dass es sich bei einer Elite um eine qualifizierte Minderheit handelt, liegt zwar auch dem utopischen und dem ideologischen Elitebegriff zugrunde, doch ist die Qualifikation gewissermaßen das "objektive" Element des Elitebegriffs, dem auf der "subjektiven" Seite eine utopisch-metaphysische oder eine ideologisch-politische oder auch eine sozial-normative Interpretation entspricht.

Die Qualifikation, die in ihrer Art jedoch nicht bestimmt ist, hebt die Elite von den anderen gesellschaftlichen Gruppen ab. Denn letztendlich muss eine Elite gesellschaftlich legetimiert sein.

Wenn man zudem annimmt, dass Elite immer die "Besten" meint, dann gilt für ihre Mitglieder immer der höchste Grad der Qualifikation, also die höchste Bewertung nach den Normen des Auslesekriteriums.

"Elitäre Qualifizierung findet regelmäßig über Auslesemechanismen, deren Bewertungsnormen im "evaluative system" (Parsons), dem Wertesystem der Gesellschaft, verankert sind statt und hat in aller Regel die Besetzung von Spitzenpositionen in der Sozialstruktur zur Folge."

Eliten können durch ein vorhandenes, möglichst messbares Kriterium der Qualifizierung, das den elitären Status legitimiert unterschieden werden. Dreitzel spricht hier vom rationalen Element der Qualifizierung.

Weiterhin kann man die gesellschaftlichen Bereiche oder Systeme, in denen es Eliten gibt unterscheiden. Aufgrund der Notwendigkeit der Legetimation von Eliten, sind diese Bereiche all jene, die für die Gesellschaft von Interesse und Bedeutung sind.

Was die Qualifikation durch persönliche Leistung angeht, führt Dreitzel die Einschränkung an: Diese persönliche Leistung sei zwar ein notwendiges aber noch kein hinreichendes Kriterium der Elitezugehörigkeit. Damit Eliten im soziologischen Sinn entstehen können,muss "Erfolg" hinzukommen. Erfolg alsöffentliche Anerkennung ihrer jeweiligen Leistung. Dieser wird ausschlaggebend, wenn mehr Höchstqualifizierte als Spitzenpositionen in einem System vorhanden sind.

Unterschieden werden könne Eliten nach der Quelle ihrer Macht sowie nach der Reichweite ihres Einflusses und dem Grad des Interesses, den die Gesellschaft ihnen entgegenbringt. Die "endgültige" Definition des Elitebegriffs von Dreitzel lautet:

"Eine Elite bilden diejenigen Inhaber der Spitzenpositionen in einer Gruppe, Organisation oder Institution, die auf Grund einer sich wesentlich an dem (persönlichen) Leistungswissen orientierenden Auslese in diese Position gelangt sind, und die kraft ihrer Positions-Rolle die Macht oder den Einfluss haben, über ihre Gruppenbelange hinaus zur Erhaltung oder Veränderung der Sozialstruktur und der sie tragenden Normen unmittelbar beizutragen oder die auf Grund ihres Prestiges eine Vorbildrolle spielen können, die über ihre Gruppe hinaus das Verhalten anderer normativ mitbestimmt."

2.2. Prominenz

Wenn Eliten also die Inhaber der Spitzenpositionen von gesellschaftlichen Institutionen, Gruppen oder Systemen sind, stellt sich Frage, ob man bei der Prominenz, den celebrities, überhaupt von einer Elite sprechen kann.

Wenn dies so ist, wer gehört dann zur Gruppe der Prominenten? Was zeichnet eine prominente Person aus? Wo haben Personen in ihrer Rolle als Prominente herausragende Positionen? Haben Prominente Einfluss auf Werte und Normen der Gesellschaft? Die Prominenz als die Inhaber von Spitzenpositionen im kulturellen Sektor zu beschreiben, scheint aufgrund ihrer geschichtlichen Herkunft plausibel, da die ersten Prominenten aus der Filmbranche stammten. Doch betrachtet man die gegenwärtige Situation, indem man beispielsweise durch eine Zeitschrift blättert, die sich der Darstellung prominenten Lebens gewidmet hat, so handelt es sich bei den Prominenten mittlerweile um Personen aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen, wie Politik, Wirtschaft, Sport oder Wissenschaft. Dabei ist auffällig, dass ihr Status in den jeweiligen Teilbereichen und ihr Status alsöffentliche, womöglich prominente Person, nur teilweise zusammmenhängen.

Eliten einzelner gesellschaftlicher Systeme werden von Fachausschüssen oder Gremien, also Experten ihres Bereichs, ausgewählt, während der Prominentenstatus von einer großen Laienöffentlichkeit zugeschrieben wird.

Es kommt also darauf an, in welchem System man eine elitäre Spizenposition innehat und durch welches im System anerkannte Merkmal man sich von der Mehrheit unterscheidet. Das Merkmal der Prominenz ist sicherlich das Bekanntsein, die Publizität, durch die sich diese im System deröffentlichkeit von der Masse unterscheidet.

Will man Prominenz als eine Art Elite deröffentlichkeit betrachten, wie Peters es tut, muss der Begriff deröffentlichkeit genauer betrachtet werden.

Die Frage nach Macht oder Einfluss der Prominenz auf das Systemöffentlichkeit, kann deswegen erst nachfolgend behandelt werden.

2.3.öffentlichkeit

Birgit Peters übernimmt in ihrer Studie die Definition des Systems deröffentlichkeit von Jürgen Friedrichs und Friedhelm Neidhart.öffentlichkeit ist ein offenes Kommunikationssystem, das in drei hierarchische Ebenen aufgeteilt ist. An unterster Stelle steht die interpersonelle Kommunikation oder Encounter-Ebene. Auf Kommunikatorenseite bietet sie die größte Zugangsmöglichkeit. Jedoch erreicht diese Kommunikationsebene am wenigsten Rezipienten.

Die Veranstaltungsebene bildet in Hinsicht auf Zugangsmöglichkeiten und Reichweite eine Zwischenebene, während die massenmedialen Kommunikation (massenmediale Ebene) die herausragende Ebene darstellt. Zu ihr herrscht auf der Kommuniaktorenseite der beschränkteste Zugang und sie hat auf Rezipientenseite die größte Reichweite. Auf der obersten Ebene dieses Kommunikationssystems gibt es also wenige Kommunikatoren und viele Rezipienten. Es ergibt sich die Frage. "...wer sich als Kommunikator Zugang zu den Medien verschaffen kann, vor allem aber, welche dieser Personen dort im Rahmenöffentlicher Darbietung auch Aufmerksamkeit und Gehör im breiten Publikum finden." Es ist nachvollziehbar, dass sich der Prominentenstatus auf die Zugangschancen zu den Medien als großer Vorteil erweist. Theoretisch spiegelt sich dies darin wieder, dass in der Theorie der Nachrichtenfaktoren, "Prominenz" eine wichtige Rolle einnimmt. Was bedeutet dies nun für die Enstehung von Prominenz und die Mechanismen, die den Prozess des Prominentwerdens beeinflussen? Zudem stellt sich die Frage, welche Rolle die celebrities in den Medien spielen, besonders ob und wie sie Einfluss auf das Publikum ausüben.

3. Prominenz alsöffentlichkeitselite

Peters versucht in ihrer Studie theoretisch und empirisch zu erklären, wie sich der Entstehungsprozess von Prominenz gestaltet und was für Funktionen und Wirkungen mit Prominenz einhergehen. Besonders berücksichtigt wird ihr Einfluss in Hinsicht auf Meinungsführerschaft und Themensetzung, also dem Einflusspotential der Prominenz auf dieöffentlichkeit.

3.1. Methode

Wer zu den Prominenten zählt, ist wie beschrieben von deröffentlichkeit bzw. vom Publikum abhängig. Es ist dieses "Laienpublikum", welches den Prominentenstatus zuschreibt. Daher muss das breite Publikum und nicht etwa die Expertenmeinung befragt werden, wenn herausgefunden werden soll, wer zu den Prominenten zählt und wer nicht. Der Fragenkatalog, der in den "Sozialwissenschaften-Bus" vom Herbst 1990 integriert wurde, wurde von 2029 Westdeutschen über 18 Jahren beantwortet. Die Frage lautete, welche drei Prominente Personen die Befragten für eine Talkshow vorschlagen würden. Es handelt sich also bei allen Ergebnissen um "Talkshow-Prominente", was nach Peters Meinung eine Erleichterung für die Befragten darstellt.

3.2. Fragestellungen und empirische Ergebnisse

Folgende Fragen sollen in der empirischen Untersuchung überprüft werden:

1. Wird Prominenz als "Öffentlichkeitselite" bestimmt, so ist danach zu fragen, wie sich die Prominenz zusammensetzt, bzw. in welcher Weise sich die Gesellschaft in denöffentlichen Protagonisten repräsentiert.
2. Aufgrund welcher Mechanismen und unter Beteiligung welcher Instanzen entsteht Prominenz? Da Entstehung und Verbreitung des Prominenzphänomens in jedem Fall durch die Massenmedien forciert wird, ist vor allem deren Rolle für die Konstitution von Prominenz zu diskutieren
3. Der Prominentenstatus stellt ein "Beziehungskapital" imöffentlichkeitssystems dar, da er sowohl den Zugang zu den Medien erlaubt, sowie Aufmerksamkeit im breiten Publikum sichert. Unklar ist, wie weit dieses Kapital reicht. Kommt den Prominenten vorrangig Unterhaltungsfunktion zu und wenn ja, trifft diese auf alle Arten von Prominenz zu? In diesem Fall ist Prominenz vor allem den Medien dienlich.
4. Übernimmt die Prominenz neben oder anstatt ihrer unterhaltenden Qualitäten bereits aufgrund ihres Status auch meinungsbildende Funktion, oder müssen Zusatzqualifikationen hinzukommen, die die Meinungsbildner von den NichtMeinungsbildnern innerhalb der Prominenz unterscheiden?

3.2.1. Gesellschaftliche Repräsentation der Prominenz

Die Ergebnisse der Umfrage wurden in 3 Bezugsgrößen gegliedert:

1. Die Anzahl der genannten Prominenten (n=722)
2. Die Anzahl der Nennungen von Vertretern einzelner Bereiche (n=3693)
3. Der Aufmerksamkeitswert, der besagt, von wievielen Befragten einzelne Personen genannt wurden

Bei 90% der einzelnen prominenten Personen handelt es sich allein um Kulturprominenz, Politiker oder Sportler. Kulturbereich liegt bei über 50%, trennt man innerhalb dieses Bereiches jedoch zwischen Kunst (46%) und Medien(12%). Politiker werden mit einem Anteil von 22% genannt. Sportler mit 10%.

Der Prominenzbegriff, der aus den 20er Jahren stammt, hat sich also weit über das Filmmilieu hinaus auf andere gesellschaftliche Bereiche gedehnt. Es gibt Prominente in Politik, Kunst, Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft. Zudem kommt ein neuer Typus, der der Medienprominenz, die sowohl von als auch in den Medien leben.

Bei der Anzahl der Nennungen rücken Kultur (46%) und Politik (43%) näher zusammen. Es wurden zwar mehr individuelle Prominente aus dem Kunstbereich genannt, prozentual jedoch fast genauso oft Politiker. Bei der Trennung von Medien und Kunst, führen die Politiker (43% von 3700) die Nennungsliste sogar an.

Betrachtet man den Aufmerksamkeitswert der Prominenten, so ist auffällig, dass 29 der am häufigsten genannten Personen (29 von 722) allein 50% der Nennungen ausmachen. Allein 10% liegen bei Helmut Kohl. Man könnte kritisieren, ob diese Übergewichtung des damaligen Bundeskanzlers den Bereich Politik nicht überbewertet. Da es keinen vergleichbaren Posten innerhalb des Kulturbereichs gibt, sehe ich hier die Gefahr einer Verzerrung zugunsten des Politikbereichs.

Die Ergebnisse der Befragung lassen laut Peters folgende Aussagen zu:

a. Die Politiker haben sich neben den klassischen Prominenten aus der
Unterhaltungsbranche etabliert und die Aufmerksamkeit des Publikums erreicht.
b. Das Geschlechterverhältnis ist nicht repräsentativ verteilt. 80% aller genannten
Prominenten sind männlich.
c. Gesellschaftliche Gruppen sind nicht repräsentativ verteilt. Es handelt sich vor allem um Personen aus künstlerischen Bereichen, Politik, Medien und Sport.

Schauspieler sind zwar quantitativ stark vertreten, jedoch bei der Aufmerksamkeit, die die prominente Person auf sich zieht, liegen andere Gruppen, besonders Spitzenpolitiker weit vor ihnen.

3.2.2. Ein Modell zur Erklärung des Prozesses des Prominentwerdens

Die beiden Annahmen, dass ausschließlich die Medien Prominente selektieren, und sie präsentieren und der Ansatz, einzig das Publikum würde entscheiden, wer prominent wird, und wer nicht, reichen laut Peters für eine adäquate Erklärung des Prozesses des Prominentwerdens nicht aus. Wie so oft liegt der Einfluss nicht ausschließlich auf der Rezipienten- oder der Kommunikatorenseite.

Berücksichtigt werden sollen drei Einflussgrößen: Die einzelnen Gesellschaftsbereiche, denen die Personen angehören, die Massenmedien und das Publikum. (Siehe Abbildung, S. 11) In den gesellschaftlichen Teilbereichen werden Personen aufgrund von Zuschreibungen durch Gremien oder Experten Spitzenpositionen zugeschrieben. Diese Eliten haben aufgrund ihres herausragenden Teilbereich-Status einen Vorteil, in Bezug auf Medienzugang,öffentliches Interesse und Publikumsaufmerksamkeit. Der Bereich aus dem sie kommen ist dabei jedoch ebenfalls von Bedeutung. So sind nicht alle Teilbereich einer Gesellschaft von gleichem Interesse, haben deswegen auch nicht die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Medien. Eine weitere Einflussgröße diese Vorselektion ist das Interesse der Akteure an ihrer Publizität, aber auch individuelle finanzielle und soziale Faktoren können auf dieser Ebene einflussreich sein. Bei einem Vergleich zwischen Politiksystem und Wissenschaftssystem wird dies deutlich: Das System Politik hat in Deutschland einen höheren Status, wasöffentliches Interesse angeht. Zudem sind die Politiker verstärkt an ihrer Publizität interessiert, da hiervon ihre Wahlchancen beeinflusst werden. Bei der Wissenschaft und den individuellen Wissenschaftlern ist das Interesse auf beiden Seiten normalerweise niedriger. aus: Peters, Birgit. Prominenz in der Bundesrepublik. Bedingungen und Bedeutungen eines Phänomens. Discussion Paper FS III 93-103, Wissenschaftszentrum Berlin, 1993, S.18

Die weiteren Selektionsmechanismen sind im Kommunikatoren- und Rezipientenbereich angesiedelt.

Die Medien selektieren, welche Inhalte kommuniziert werden. Besonders einflussreich sind die bereits erwähnten Nachrichtenwertfaktoren, von denen erhöhte Publikumsaufmerksamkeit erwartet wird:

1. Personalisierung (personenzentrierte Informationen sind besser als abstrakte Sachverhalte
2. Prominenz
3. persönlicher Einfluss (Einfluss der Personen innerhalb der Bereichseliten)
4. kulturelle Nähe
5. Reichweite (Hang zu Informationen für breites Publikum)Interessant ist, dass zum einen personenzentrierte Informationen bevorzugt werden, wodurch einige Personen durch die Publikumsaufmerksamkeit zu Prominenten werden. Da aber andererseits Prominenz ebenfalls ein Nachrichtenfaktor ist, bilden diese beiden Faktoren einen Kreislauf der zu erhöhter Prominenz führt.

Ausnahme der Prominenzierung gibt es bei der Medienprominenz: Bei ihnen stellen die Stufen der Nominierung und Publizität keine Rolle dar, da diese bereits gegeben ist.

Unter Medienformat können sich Selektionsunterschiede von bspw. Print- oder Bildmedien niederschlagen.

Peters weist darauf hin, dass diese Stufen keinen linearen Prozess darstellen, vielmehr nehmen die einzelnen Selektionsschritte auf die jeweils anderen Instanzen bereits Bezug, wodurch ein Beziehungsgeflecht zwischen den einzelnen Schritten entsteht. Um aber von Prominenz sprechen zu können, müssen die "vermittelten" Personen schließlich noch vom Publikum wahrgenommen und akzeptiert werden

3. Die Beziehung von Medien und Prominenz

Der Prominentenstatus stellt ein "Beziehungskapital" imöffentlichkeitssystems dar, da er sowohl den Zugang zu den Medien erlaubt, sowie Aufmerksamkeit im breiten Publikum sichert. Unklar ist, wie weit dieses Kapital reicht. Kommt den Prominenten vorrangig eine Unterhaltungsfunktion zu und wenn ja, trifft diese auf alle Arten von Prominenz zu? In diesem Fall wäre Prominenz vor allem den Medien dienlich.

Den Prominenten wurden durch verschiedene Eigenschaftsvariablen von den Befragten bewertet, worauf die Ergebnisse in drei Faktoren zusammengefasst werden konnten. Expressive, instrumentelle und moralische Eigenschaften. Insgesamt galt für die Prominenten, dass alle 3 Faktoren positiv ausfielen.

Rezipienten schenken denjenigen Prominenten die meiste Aufmerksamkeit, denen sie positive Eigenschaften zuschreiben. Unter den Dimensionen der Eigenschaften, expressive, instrumentelle und moralische Kompetenzen, ist die expressive Kompetenz, das heißt die Unterhaltungsfunktion von Prominenz am stärksten, aber eben nicht die einzige.

Die Prominenz dient insofern den Medien, wie diese ihnen auch dient. Medien und Prominente gehen also eine gegenseitige Nutzensbeziehung ein.

4. Die meinungsbildende Wirkung der Prominenz auf dieöffentlichkeit

Es stellt sich die Frage, ob die Prominenz neben oder anstatt ihrer unterhaltenden Qualitäten bereits aufgrund ihres Status auch meinungsbildende Funktion übernimmt, oder ob Zusatzqualifikationen hinzukommen müssen, die die Meinungsbildner von den Nicht- Meinungsbildnern innerhalb der Prominenz unterscheiden, ?

Die moralische Kompetenz deutet auf eine gewisse Vorbild- oder Orientierungsfunktion der Prominenten hin, die über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht.

Peters stellte zur Untersuchung dieser Frage folgende Frage:

"Sagen Sie mir bitte für jede der genannten prominenten Personen, für wie wahrscheinlich Sie es halten, daßdiese Person Einflußauf ihre

Meinungsbildung hat".

Im Ergebnis zeigte sich, dass gut ein Drittel der Befragten hält einen Einfluss auf ihre politische Meinungsbildung durch mindestens eine der von ihnen genannten Personen für wahrscheinlich hält Der reine Prominentenstatus reicht insofern nicht zur sicheren Meinungsbeeinflussung aus.

Für den Fall von Meinungsführerschaft stellen sich positive Bewertungen auf moralischer Ebene und ein unterstelltes Expertentum als einflussreich heraus. In diesem Fall handelt es sich um eine moralisch integre Prominenz. Die Meinungsbeeinflussungswahrscheinlichkeit innerhalb dieser Gruppe liegt laut Peters Datensatz bei 70%.

Während Expertentum allein nicht zur Meinungsführerschaft ausreicht, kommt moralische Integrität auch allein als Orientierungsgröße für das Publikum aus.

Negative Bewertungen auf den drei Ebenen schließen Meinungsführerschaft quasi aus (über 80% der Fälle).

Es konnten also Beeinflussungen festgestellt werden, die den Prominenten teilweise eine meinungsführende Rolle zukommen lässt. Das Publikum orientiert sich jedoch nur zum Teil an den Prominenten, nicht an jeder Prominenz zu jedem Thema. Wichtiger oder zumindest genauso wichtig wären dann wiederum die anderen Kommunikationsebenen deröffentlichkeit, wie die individuelle Diskussion mit Freunden, Kollegen oder der Familie.

4. Zusammenfasssung

Die Annahme, die Prominenz würde quasi ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen muss abgelehnt werden, da die gesellschaftlichen Gruppen aus denen Prominente stammen und das Geschlechterverhältnis nicht repräsentativ verteilt sind.

Zudem muss der Prominenz ein gewisser Einfluss auf dieöffentliche Meinung zugesprochen werden, da viele Menschen sich an Meinungen von moralisch integren und bekannten Personen orientieren.

Die Prominenten selber können als herausragende Gruppe innerhalb des Systems deröffentlichkeit betrachtet werden. Im Gegensatz zu ihren Rollen innerhalb speziellerer Systeme, wird ihre Rolle als Prominenz nur durch das Qualifikationsmerkmal der Publizität zugeschrieben.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Prominenz, die durch ihre hohe Publizität eine Spitzenposition in deröffentlichkeit einnimmt, insofern als Elite bezeichnet werden kann, wenn sie zudem Einfluss auf dieöfentliche Meinung und gesellschaftliche Werte und Normen ausübt: In diesem Fall ist die Prominenz tatsächlich eineöffentlichkeitselite.

Literatur

Dreitzel, H.P. Elitebegriff und Sozialstruktur. Stuttgart, 1962

Gerhards, Jürgen und Friedhelm Neidhardt. Strukturen und Funktion moderneröffentlichkeit. Discussion Paper FS III 90-101. Wissenschaftszentrum Berli, 1990

Keller, Suzanne.Celebrities and Politics, a new Alliance. 1986 Mills, C. Wright. The Power Elite., 1956

Peters, Birgit. Prominenz in der Bundesrepublik. Bedingungen und Bedeutungen eines Phänomens. Discussion Paper FS III 93-103, Wissenschaftszentrum Berlin, 1993

12 von 12 Seiten

Details

Titel
Media Celebrities: Die Rolle der Prominenz in der modernen Öffentlichkeit
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V97440
ISBN (eBook)
9783638958929
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Media, Celebrities, Rolle, Prominenz
Arbeit zitieren
Kasimir Druscher (Autor:in), 2000, Media Celebrities: Die Rolle der Prominenz in der modernen Öffentlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97440

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