Objektivität - Wirklichkeit oder Illusion ?


Seminararbeit, 1999

11 Seiten, Note: 1,3


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Inhult

1 Einleitung

2. Definitionen von Armut

3. Einkommensarmut

3.1. Der Lebenslagenansatz

4. Armut trotz Arbeit 5. Schluß

1. Einleitung

In meinem Referat im Seminar ,,Probleme des Kindes- und Jugendalters" das Thema ,,Armut" als einen zentralen Punkt in unserer Gesellschaftsordnung dar. Mit der vorliegenden Ausarbeitung und Zusammenfassung möchte ich nocheinmal verstärkt auf die Thematik Einkommensarmut eingehen, weil diese mit die größte Zahl der Betroffenen vorweist.

2.Definition von ARMUT

,,Armut ist eine Lebenslage, in der Einzelne, Gruppen oder ganze Bevölkerungen nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um sich ihren Lebensbedarf (Existenzminimum) zu sichern." Brockhaus Enzyklopädie 1996

Als Absolute Armut bezeichnet man die Unfähigkeit zur längerfristigen Sicherung der körperlichen Selbsterhaltung. In unserer Gesellschaft wird davon ausgegangen, dass diese Form der Armut in den Industrieländern nicht mehr vorzufinden ist, was mit der sozialen Absicherung in unserem politischen System zusammenhängt . Deshalb siedelt man die Definition von Armut überhalb der sogenannten Armutslinie an und spricht bei uns von relativer Armut. Das physische Existenzminimum wird hierbei durch ein notwendiges Einkommen garantiert und damit die Grndbedingung des menschlichen Lebens befriedigt. Einen wesentlichen Punkt stellt also die Armut aus Mangel an Einkommen dar.

3. Die Einkommensarmut

In der Armutsforschung ist die "relative Einkommensarmut" die Schlüsselkategorie bei der Beschäftigung mit Armut. Sie orientiert sich an der zu Beginn der 1980er Jahre von der EU-Kommission festgelegten Grenze von 50 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens im jeweiligen Mitgliedsland. Es handelt sich dabei um ein Ressourcenkonzept von Armut, weil in der Regel auf die Ausstattung mit Einkommen als einzige Ressource abgestellt wird. Man spricht daher auch von einem "materiellen Einkommensbegriff" mit einem "eindimensionalem" Indikator, nämlich dem Einkommen. Ebenfalls häufig wird ersatzweise auf die Sozialhilfestatistik zurückgegriffen. Der Bezug von Sozialhilfe als laufende Hilfe zum Lebensunterhalt ist hier der Indikator für Einkommensarmut. Der Mindestbedarf, den das Bundessozialhilfegesetz garantiert, gilt daher als quasi-offizielle Armutsgrenze und firmiert als strenge Armut. Er liegt mit geringfügig über 40 Prozent des gewichteten verfügbaren Haushaltseinkommens pro Person mithin unter der oben genannten 50-Prozent-Grenze der Europäischen Union. Längst nicht alle, die sozialhilfeberechtigt sind, nehmen die Leistungen der Sozialhilfe auch in Anspruch (Dunkelziffer). Die Ursachen für diese verdeckte Armutsind hierbei vielschichtig. Über die fehlenden Informationen hinaus besteht aber auch Angst und Unsicherheit vor einer Stigmatisierung als Sozialhilfeempfänger. Vielfach wird auch befürchtet, Kinder oder Eltern könnten zur Kostenerstattung verpflichtet werden.

3.1. Der Lebenslagenansatz

In der Fachdiskussion ist unstrittig, dass die Einkommensarmut die zentrale Dimension darstellt. Allerdings wird die ausschließliche Betrachtung des Einkommens nicht der Tatsache gerecht, dass Armut ein mehrdimensionales Problem mit sich wechselseitig bedingenden Facetten ist. Es werden daher weitere Indikatoren wie Arbeitslosigkeit, Bildung, Wohnen und Gesundheit einbezogen, die Aufschluß auf - neben der Einkommensarmut - weitere Unterversorgungslagen geben können. Der Lebenslagenansatz unternimmt den Versuch, eine Häufung bestimmter Unterversorgungslagen (z. B. die Kombination schlechte Wohnsituation/niedriger Bildungsabschluß) herauszufinden und so neben der rein materiellen Kategorie des Einkommens weitere nicht-materielle, kulturelle Indikatoren zu berücksichtigen und in Beziehung zueinander zu setzen. Insofern kann der Lebenslagenansatz auch als "mehrdimensional" gekennzeichnet werden.

Beispiele für Einkommensarmut

Tabelle: Betroffenheit von Armut in West- und Ostdeutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Angaben in Prozent

In den alten Ländern leben 1993 etwa 6 Prozent der Haushalte in strenger Einkommensarmut und müssen mit 40 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen. Setzt man die Armutsschwelle bei 50 Prozent dieses Durchschnittseinkommens an, zählen mehr als ein Zehntel aller Haushalte zu den Armen. Beide Armutsraten haben sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre erhöht und erreichten 1995 einen Höchststand. In den neuen Ländern ist das Ausmaß der Einkommensungleichheit insgesamt noch weit geringer ausgeprägt als im Westen. Aber auch hier haben sich die Einkommensunterschiede zwischenzeitlich vergrößert. Sowohl die relativ strenge Armut wie auch die 50-Prozent-Armutsschwelle steigen kontinuierlich an auf jeweils gut die Hälfte des westdeutschen Niveaus. Konnte man auf der Basis der Zahlen von 1992 noch konstatieren, der Anstieg der Zahl der Menschen in Armut sei wenig dramatisch, kann auf der Basis oben genannten aktuelleren Zahlen geschlußfolgert werden, dass die Einkommensarmut in Deutschland nicht sinkt oder stagniert, sondern im Gegenteil zunimmt. Diese Aussage wird auch gestützt durch die Entwicklung der Anzahl der Sozialhilfeempfänger jeweils am Jahresende (Laufende Hilfe zum Lebensunterhalt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

* Gerundet auf 100.000

1997 waren erstmals deutlich über 4 Millionen Menschen ohne Arbeit. Allerdings verhindern die sozialen Sicherungssysteme (Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe) heute ein Abrutschen der Betroffenen unter das Existenzminimum. Nichtsdestotrotz kann aufgrund der vorliegenden parallel steigenen Arbeitslosen- und Sozialhilfezahlen konstatiert werden, dass hier ein Zusammenhang besteht. Es sind gerade die politischen Vertreter der Städte und Gemeinden, die wiederholt darauf hingewiesen haben, dass das Bundessozialhilfegesetz sie dazu zwingt, aus ihren Gemeindehaushalten die aus der Arbeitslosenhilfe herausfallenden Menschen mit Sozialhilfe zu alimentieren. Der Verlust der eigenen Wohnung ist eine der schlimmsten Auswirkungen von Armut. Zur Zeit leben etwa 150.000 Menschen auf der Straße: Die Zahl der Obdachlosen, die amtlich untergebracht sind, wird auf mindestens 250.000 bis 300.000 geschätzt. Insgesamt leben in der Bundesrepublik nach Berechnungen der "Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe" 866.000 Obdachlose.

4. Armut trotz Arbeit

"Working poor" werden in den USA diejenigen Menschen genannt, deren Löhne nicht einmal mehr reichen, für das Lebensnotwendige aufzukommen. Der Begriff deutet darauf hin, dass Einkommensarmut nicht unbedingt Folge des Ausschlusses von Erwerbsarbeit sein muß.

Tabelle: Bruttoeinkommen vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer 1995

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1995 gab es ca. 83.000 vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, die weniger als 2.000 DM brutto verdienten. Hinzu kommen jeweils gut 100.000 Arbeitnehmer mit einem Vollzeit-Brutto-Einkommen von 2.000 bis 2.400 DM. Insgesamt erzielten im Westen 7,5 Prozent der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer ein Bruttoeinkommen von weniger als 3.000 DM; im Osten waren es gar 37,2 Prozent. Die amtliche Statistik von 1995 weist 100.000 Menschen aus, deren Erwerbseinkommen so niedrig war, dass es durch ergänzende Sozialhilfe aufgestockt werden mußte. Die Quote der Teilzeitkräfte liege dabei bei über 50 Prozent. Armut und Erwerbsarbeit schließen sich also nicht aus. Vor dem Hintergrund der Debatte um die Einführung von "Niedriglöhnen" in den Tarifverträgen ist hier tendenziell mit einer weiteren Ausweitung zu rechnen.

5. Schlußbemerkung

Unter dem Strich stelle ich fest: Armut ist ein vielschichtiges gesellschaftliches Phänomen, dessen Erscheinungsformen zunehmen. Immer mehr Menschen als früher sind von Armut - sei es nur temporär - betroffen. Hinter Zahlen verbergen sich Einzelschicksale mit im Einzelfall höchst unterschiedlichen Biographien. Die Anzahl derjenigen Menschen, die (aufgrund welcher Definition auch immer) als arm gelten müssen, steigt. Ebenso steigt die Zahl derjenigen Menschen, die dauerhaft von Erwerbasarbeit ausgeschlossen werden. Beide Feststellungen sind Sprengsätze für die soziale Stabiltät dieser Gesellschaft insgesamt. Die Bundesregierung hat vor ihrer Wahl im letzten Jahr angekündigt diese Schieflage bei der Verteilung von Reichtum und Arbeit beseitigen zu wollen. Es bleibt späteren Untersuchungen vorbehalten, festzustellen, inwieweit ihr dieses Unterfangen gelungen ist.

Literaturverzeichnis

Adamy, Wilhelm und Steffen, Johannes, Abseits des Wohlstands, Darmstadt 1998

Brühl, Albrecht, Mein Recht auf Sozialhilfe, Darmstadt/Wiesbaden 1993

Bundessozialhilfegesetz, Bundesgesetzblatt I S. 646

Gillen, Gabi und Möller, Michael, Armut in Deutschland, Bonn 1992

Gottschild, Hartmut, Wirtschafts- und Armutsprozeß in der Bundesrepublik, Braunschweig 1991

Hanesch, Walter u. a., Armut in Deutschland - Der Armutsbericht des DGB und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Reinbek bei Hamburg 1994

Iben, G. (HG.): Kindheit und Armut, Münster 1998

Müller/Otto: Armut im Sozialstaat, (Luchterhand) Neuwied 1997

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Objektivität - Wirklichkeit oder Illusion ?
Note
1,3
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V97463
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Mir ging es in der Arbeit in Anlehnung an das Referat "Sozialpsychologie pädagogischer Entscheidungen" darum, die Risiken von Bewertungsmaßstäben darzustellen.
Schlagworte
Objektivität, Wirklichkeit, Illusion
Arbeit zitieren
Stephanie Böhm (Autor:in), 1999, Objektivität - Wirklichkeit oder Illusion ?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97463

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