Mythen des Alltags


Seminararbeit, 2000

21 Seiten, Note: sehr gut


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Inhalt

I. Einleitung

II. Der Mythos
1. Tantalus
2. Mythentheorien

III. Roland Barthes: Mythen des Alltags

1. Semiologische Begriffsklärung

2. Erstes semiologisches System
Signifikat
Signifikant
3. Zweites semiologisches System
Signifikant
Signifikat
Die mythische Aussage Drei Lesarten

IV. Analyse einer Zeichnung

1. Erstes semiologisches System
Signifikat
Signifikant
2. Zweites semiologisches System
Signifikat
Signifikant

V. Schlußfolgerung

Literatur

I. Einleitung

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts überfluten Zeichensysteme unsere Welt. Zu keiner Zeit vor uns wurden den Menschen so viele Medien und Kommunikationsformen geboten wie heute. Es entwickeln sich laufend neue Anordnungen und Ausdrucksweisen, beispielsweise im Internet oder durch bisher ungewohnte und vielseitige Nutzungsmöglichkeiten von Mobiltelephonen.

Um diese Bedeutungsträger zu entziffern, braucht man Modelle, mit deren Hilfe man sich die Botschaften entschlüsseln und gegebenenfalls bewerten kann. Dabei besitzt auch der Kontext eine Signifikanz, in welchen diese Zeichen erscheinen. Werbebotschaften auf einer Internetseite haben eine andere Wirkungsweise als die in einem Anzeigenblatt. Zum Kontext gehört gleichfalls das gesellschaftliche Umfeld und der damit verbundene Diskurs, denn ein solcher bringt stets eigene Wertvorstellungen und Ideologien hervor, welche auf die Gestalt und Botschaft der von ihnen produzierten Zeichen einen Einfluß ausüben. Ein solcher öffentlicher Diskurs ist zum Beispiel in unserer Gesellschaft die Rede über eine Gleichberechtigung von Mann und Frau. Dieser zieht sich durch alle Instanzen des öffentlichen und privaten Lebens, vom Bundestag bis zu den Diskussionen zwischen Ehemann und Ehefrau, und findet die unterschiedlichsten Ausdrucksformen. Es existieren darin - und natürlich nicht allein in diesem besonderen Diskurs - Zeichen, welche ideologisch geprägte Aussagen transportieren, ohne sie bewußt offenzulegen.

Ich möchte hier ein Modell vorstellen, welches zwar schon fast ein halbes Jahrhundert alt ist, mir aber in seiner Funktionsweise so aktuell wie zur Zeit seiner Entstehung erscheint. Mit Hilfe dieses Modells kann man die Zeichen hinter den Zeichen erkennen, und somit die von Ideen gestiftete Manipulation entlarven. Es ist die semiologische Annäherung an die modernen Mythen des Alltags von Roland Barthes. Diese läßt sich für die unterschiedlichsten Ausdrucksweisen und in nahezu jedem beliebigen diskursiven Kontext anwenden. Anhand des Diskurses um die Geschlechter möchte ich dann seine Aktualität herausstellen.

II. Der Mythos

1. Tantalus

Tantalus, ein Sohn des Zeus und ein reicher und berühmter Mann, stand in der Gunst der olympischen Götter und durfte gar mit an der Tafel des Zeus speisen. Doch er hatte einen eitlen Geist und begann zu freveln, indem er die Götter belog und bestahl. In seinem Übermut lud er, um deren Allwissenheit auf die Probe zu stellen, die Götter zu sich ein und setzte ihnen seinen eigenen Sohn Pelops geschlachtet und bereitet zum Mahle vor. Außer Demeter, die in kummervolle Gedanken versunken war und vom Schulterblatt aß, rührte keiner das gräßliche Gericht an. Die Götter warfen die Glieder in einen Kessel, und die Parze Klotho hob den Knaben daraus in neuer Schönheit hervor, mit einem elfenbeinernen Schulterblatt versehen. Tantalus verbannten sie in die Hölle, wo er von schrecklichen Leiden gepeinigt wurde. Trotz Wasser und Früchten um ihn herum mußte er Hunger und Durst leiden, weil das Wasser sich jedesmal zurückzog, wollte er davon trinken, und der Sturm riß die Zweige der Bäume hoch, wollte er Obst pflücken. Zudem hing über ihm in der Luft ein großer Felsbrocken, welcher fortwährend auf ihn herabzustürzen drohte, so daß er von steter Todesangst bedroht war. Auf diese Weise war dem Tantalus eine niemals endende dreifache Qual in der Unterwelt zuteil.1

2. Mythentheorien

Dies ist eine Beispielgeschichte, mit welcher man gemeinhin die Bezeichnung ,,Mythos" assoziiert. Das Wort im Griechischen (m ý thos) bedeutet ,,Erzählung, Fabel, Sage". Man versteht darunter also ,,meist mündlich tradierte Erzählungen, die im Dienste einer vorwissenschaftlichen Erklärung und Beschreibung der Lebenswelt stehen und sich üblicherweise von der Folie eines kosmischen oder übernatürlichen Bezugsrahmens abspielen. Mythentraditionen finden sich vor allem bei den antiken Hochkulturen und den sog[enannten] Naturvölkern."2 Diese vage Umschreibung entspricht dem indefiniten Charakter des Begriffs.3 Bereits ihren Anfängen in der Antike war die Diskussion um den Mythos eng mit einer Kritik an ihm verbunden und stieß besonders in der christlichen Tradition auf inhaltlichen Widerstand. Nach Herder und Karl Philipp Moritz wertete allerdings verstärkt Friedrich Schlegel die abendländische Mythenkultur wieder programmatisch auf, indem er in der Beziehung zwischen Poesie und Mythos eine ästhetische Kategorie sah, welche zur Vermittlung zwischen Kunst und Natur beitragen konnte. Der Begriff des Mythos selber erfuhr aber in den verschiedenen Debatten dennoch nie eine einheitliche Definition. Im 20. Jahrhundert prägte vor allem Claude Lévi-Strauss eine strukturalistische Mythentheorie durch einen systematischen Ansatz, mit dem mythisches Denken erfaßt werden kann. Andere Philosophen stuften diese Denkweise, geprägt vom Mißbrauch mythischer Figuren durch den Nationalsozialismus weit weniger positiv ein. Erst in der neueren Forschung erfuhr der Mythos wieder ein ungetrübtes Interesse auf dem Gebiet der Ethnologie und der Kulturanthropologie.

Ich möchte hier im Folgenden allerdings einen Mythosbegriff erläutern, welcher sich deutlich von allen anderen - wie unscharf auch immer definierten - oben gemeinten abhebt und mir in keiner ihm vorausgegangenen Tradition zu stehen scheint. Wichtig dabei ist also, den Begriff des Mythos nicht in einer seiner althergebrachten Bedeutungen verstehen zu wollen. Es handelt sich um den Ansatz Roland Barthes`.

III. Roland Barthes: Mythen des Alltags

Zwischen den Jahren 1954 und 1956 veröffentlichte Roland Barthes monatlich kleine Essays mit sehr unterschiedlicher Themenwahl zu Mythen des französischen Alltagslebens. Einige davon faßte er darauf in einem Band zusammen und ergänzte sie mit einer längeren theoretischen Arbeit über den Mythos als solchen, Der Mythos heute. In seiner Vorbemerkung dazu schickt er voraus, daß er den Begriff ,,Mythos" zunächst selber in einem traditionellen Sinn verstanden und erst später methodisch in einem zeitgenössischen Sinn definiert hat. Im bartheschen Konzept kann alles innerhalb eines Diskurses Mythos werden, da es dafür zwar formale aber keine inhaltlichen Grenzen gibt. Mythenträger in einem nicht-mündlichen Diskurs wären also beispielsweise Film, Bilder, Reklame, Sport, Photographien, Texte und vieles mehr. Es unterscheiden sich die verschiedenen Mythen allerdings in ihrer zeitlichen Dimension, manche sind nur momentan präsent, andere wiederum von langer Dauer. Das wichtigste Merkmal des bartheschen Mythos ist seine Geschichtlichkeit: Ob weit zurückliegend oder nicht, die Mythologie kann nur eine geschichtliche Grundlage haben, denn der Mythos ist eine von der Geschichte gewählte Aussage; aus der ,,Natur" der Dinge vermöchte er nicht hervorzugehen (S.86).

1. Semiologische Begriffsklärung

Wenn er von ,,Mythologie" spricht, meint Barthes damit ebenfalls nicht die Gesamtheit eines Mythenkreises (also beispielsweise mehrerer stofflich oder gemäß ihrer Tradierung in Zusammenhang stehender Erzählungen), wie man analog eines herkömmlichen Mythosbegriffs vermuten könnte, sondern er bezeichnet damit die wissenschaftliche Disziplin, welche es sich zur Aufgabe macht, Mythen zu entziffern. Von dieser sagt er, daß sie aus zwei Spezialwissenschaften besteht, sie gehört als formale Wissenschaft zur Semiologie und zugleich zur Ideologie als historische Wissenschaft, sie untersucht Ideen - in Form (S.90).

Barthes baut in seinem Essay ein semiologisches Modell auf, mit dessen Hilfe der Mythos in seiner Bedeutung und Ausdrucksweise entschlüsselt werden kann. Deshalb möchte ich hier zunächst noch einige Begriffe aus der Semiologie klären, die für das Verständnis dieser Analysemethode essentiell sind, während ich mich an die von Barthes verwendete Terminologie halte (welcher sich wiederum weitgehend an der saussureschen Terminologie orientiert, die dieser für das semiologische System der Sprache aufgestellt hat). Ein semiologisches System besteht aus drei Teilen, nämlich einem Bedeutenden (Signifikanten), einem Bedeuteten (Signifikat) und einem Zeichen, wobei sich das Zeichen aus den ersten beiden Elementen zusammensetzt. Das Bedeutete oder das Signifikat ist ,,eine psychische Darstellung von einem `Ding'"4, und wird von Saussure auch mit ,,Begriff" bezeichnet. Es meint also nicht eine Sache selber sondern ihr psychisches Bild, jedoch, ,,weder Akt des Bewußtseins noch Realität, läßt sich das Signifikat nur innerhalb des Signifikationsprozesses definieren, quasi tautologisch: es ist jenes `Etwas', das derjenige, der das Zeichen gebraucht, darunter versteht."5 Das Signifikat ist demzufolge die inhaltliche Ebene eines Zeichens. Das Bedeutende oder der Signifikant hingegen ist die Vermittlungsinstanz (das Bedeutende ist leer (S.91)), welche eine (materielle) Veräußerlichung braucht, also zum Beispiel Bilder oder Gegenstände, oder im Fall der Sprache Laute. Das Zeichen ist die Vereinigung von Bedeutetem und Bedeutendem, die Bedeutung (das Zeichen ist erfüllt, es ist ein Sinn (ebd.)). ,,Die Bedeutung [signification] läßt sich als Prozeß auffassen; sie ist der Akt, der Signifikant und Signifikat miteinander vereint, ein Akt, dessen Produkt das Zeichen ist."6 Zum Wesen dieses Prozesses gibt es eine Reihe von Vorstellungen, zum Beispiel die saussuresche, nämlich daß die Beziehung der beiden Elemente arbiträr sei. Für die Linguistik hat sich weitgehend eingebürgert, die Bedeutung nicht als arbiträr sondern ,,unmotiviert" (und dies in manchen Fällen, wie beispielsweise den Onomatopöien, auch nur eingeschränkt) zu bezeichnen. Barthes resümiert für die Diskussion über die Eigenart des semiologischen Systems, daß es dann arbiträr ist, wenn es auf einer einseitigen Entscheidung basiert, also seine Form in keiner Weise in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem auszudrückenden inhaltlichen Konzept steht. In der Sprache ist dies nicht der Fall, da die Bindung zwischen Signifikat und Signifikant in einer kollektiven und lange tradierten sprachhistorischen Motivation fußt. Ein völlig arbiträres System ist für Barthes beispielsweise die Mode. ,,Motiviert" nennt er ein System, wenn die Beziehung des Bedeutenden und des Bedeuteten analogisch ist, sie also jeweils einen miteinander verwandten Charakter aufweisen. Der barthesche Mythos ist nun also ein solches semiologisches System. Was ihn allerdings auszeichnet, ist die Tatsachen, daß es sich dabei um ein sekundäres semiologischen System handelt, welches demzufolge ein primäres voraussetzt. Der Mythos nimmt sich als Bedeutendes das Endprodukt der ersten Kette, also dessen Zeichen. Man mußhier daran erinnern, daßdie Materialien der mythischen Aussage (Sprache, Photographie, Gemälde, Plakat, Ritus, Objekt usw.), so verschieden sie auch zunächst sein mögen, sich auf die reine Funktion des Bedeutens reduzieren, sobald der Mythos sie erfaßt. Der Mythos sieht in ihnen ein und denselben Rohstoff (S.93) . Barthes stellt das schematisch in einem Schaubild dar. In diesem Fall wählt er als das primäre exemplarisch das semiologische System der Sprache, wie Saussure es entworfen hat. Grundsätzlich könnte das primäre aber auch einem Bild zugeordnet sein, einem Musikstück, einem Gebrauchsgegenstand und vielem mehr. Die erste

Ebene stellt hier nun die Sprache dar mit einem Bedeutenden (dem akustischen Bild), einem Bedeuteten (dem Begriff) und dem Zeichen als dem Beziehungsträger der ersten beiden. Darauf baut das mythische als ein Metasystem auf.

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1. Bedeutendes 2. Bedeutetes

Bild Begriff

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Sprache

3. Zeichen Sinn

I. BEDEUTENDES FORM II. BEDEUTETES BEGRIFF

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MYTHOS

III. ZEICHEN

BEDEUTUNG

In dieser räumlichen Darstellung (hier noch etwas erweitert nach Barthes, vgl. S.93) wird sichtbar, wie der Mythos das Endprodukt der rein linguistischen Ebene, ein assoziatives Ganzes eines Begriffs und eines Bildes (S.92), als Ausgangspunkt des Metasystems benutzt. Dieses erste System nennt Barthes folglich ,,Objektsprache", das darauf aufbauende ,,Metasprache".

Dieser Ausgangspunkt der Metasprache, das Zeichen der Objektsprache, trägt im ersten System den Sinn. Um das Schema anschaulicher zu gestalten, sei hier ein Beispiel angeführt, welches von Barthes selber stammt. Wie noch genauer erläutert werden wird, ist es nur im Kontext des Frankreichs der 50er Jahre zu verstehen. Auf dem Titelblatt einer Ausgabe des Magazins ,,Paris-Match"erweist ein junger Neger in französischer Uniform den militärischen Gruß, den Blick erhoben auf eine Falte der Trikolore gerichtet. Das ist der Sinn des Bildes (S.95). Das Bild hat aber eigentlich eine ganz andere Wirkung auf den Betrachter, nämlich die Bedeutung auf der mythischen Ebene. Die Bedeutung, welche das Photo transportieren soll, ist, daßFrankreich ein großes Imperium ist, daßalle seine Söhne, ohne Unterschied der Hautfarbe, treu unter seiner Fahne dienen (sic!) und daßes kein besseres Argument gegen die Widersacher eines angeblichen Kolonialismus gibt als den Eifer dieses jungen Negers, seinen angeblichen Unterdrückern zu dienen (ebd.). Wie läßt sich diese Bedeutung ideologisch entlarven?

2. Erstes semiologisches System

Um Barthes` Ausführungen zu verdeutlichen, möchte ich hier nun die einzelnen Elemente der beiden semiologischen Ebenen versuchen zu analysieren. Leider steht mir das Bild, über welches Barthes spricht, nicht als Material zur Verfügung, deshalb muß ich von einer reinen Darstellung des Photos ausgehen, so wie es sich mir als ,,inneres Bild" nach Barthes` kurzer Beschreibung darbietet, somit meiner Vorstellung davon. Ich werde allerdings so verfahren, als ob ich es tatsächlich in Händen hielte. Möchte man über dieses Titelblatt sprechen, muß man sich klar darüber sein, worüber man eigentlich redet. Denn das Photo auf der Titelseite eines Magazins verweist auf mehrere Schichten, die jeweils ein bedeutungsvolles semiologisches System konstituieren. Da gibt es zum einen das Magazin Paris-Match selber als System mit dem materiellen Träger der Bedeutung, dem bedruckten Papier und mit einer bestimmten Anzahl von Seiten und eben auch einem Photo auf der Titelseite. Das ist seine ihm eigene Form, zu der nun der Begriff des Magazins stößt, die Idee vom lesbaren Heft. Die Bedeutung dieses Systems ist also das Heft als solches. Dann könnte man weiter ein System nennen, dessen Bedeutung diese spezielle Ausgabe des Hefts Paris-Match ist, mit genau diesem besonderen Titelphoto. Das Photo bildet noch ein System in seiner Eigenschaft als Titelphoto. Das verlangt, daß man in diesem System seine Plazierung, seinen Ort in Betracht ziehen muß. Schließlich, läßt man das Magazin außer Acht und berücksichtigt nur das Photo, gelangt man zu weiteren Ebenen, die jeweils Systeme formen. Das Photo als Medium, was seine technische Entstehung miteinbezieht, das heißt, die Photooptik beispielsweise, der chemische Entwicklungsprozeß des Negativs, die Projektion bei der Vergrößerung und so fort. Das führt einen auch gleich weiter zum System des gedruckten Photos (auf dem Magazin), wo ja wiederum ein anderes materielles Verfahren, sowie ein anderer Zweck, eine andere Idee zugrunde liegt. Nun kann man sich diesem einen Photo mit dem farbigen Soldaten zuwenden. Hier ist wieder das materielle System zu erwähnen, nämlich die Art des Papiers, der Farben und ihre Anordnung. Weiter existiert eines der photographischen Sprache, Bedeutungen von Unschärfen oder einer bestimmten Wahl eines Objektivs, Licht, Schatten,

Farben, Effekten etc. Und letztendlich erreicht man dann die Ebene, auf welcher ich operieren möchte, nämlich die des Gehalts, der inhaltlichen Aussage dieses Bildes. Wie Barthes in oben stehendem Zitat darlegt, ist die Bedeutung dieses System, daß ein schwarzer französischer Soldat einen militärischen Gruß erweist und dabei den Blick auf die französische Trikolore gerichtet hat. Die Frage ist also, was sind Bedeutetes und Bedeutendes dieses bestimmten Titelphotos?

Diese beiden Komponenten lassen sich am sinnvollsten beschreiben, indem man sie dagegen absetzt, was sie nicht sind, da es keine erschöpfende Aufzählung aller sie konstituierenden Eigenschaften geben kann. Das heißt, man muß, besonders für das Signifikat, eine negative Bestimmung vornehmen. Beim Bedeuteten handelt es sich um einen sehr weitläufigen Begriff, eine Vorstellung, welche viel an assoziativem Wissen beinhaltet und voraussetzt. Genau aus diesem Grund ist es nicht möglich, eine für jeden Rezipienten des Zeichens gleiche Begriffsbestimmung durchführen. Auch wenn innerhalb eines Kulturkreises viele Zeichen von den Teilnehmern auf die gleiche Art verstanden werden, gibt es für andere große Abweichung, man denke beispielsweise nur an eine einzelne Geste eines Menschen, welche in dem Sinne keine Eindeutigkeit besitzen kann, als daß sie jeder gleich verstünde. Nun aber zum konkreten Signifikat des Titelphotos von Paris-Match.

Signifikat

Zum ersten die Idee der Situation, ein Mann - ein Soldat. Das heißt, es handelt sich um einen männlichen Mensch, nicht um einen weiblichen, was man an bestimmten Körpermerkmalen festmacht, die eine Frau nicht aufweist. Ferner muß man sich dessen bewußt sein, daß es eine Institution Militär gibt, welche einen nationalen Charakter besitzt - anders als die Organisation des roten Kreuzes - und in welcher bestimmte hierarchische Strukturen herrschen. Die Idee faßt also das Konzept ,,Soldat" im Gegensatz zu einem Offizier beispielsweise. Daran geknüpft ist die Repräsentation eines Soldaten nach außen hin in Abgrenzung zu einem Zivilisten, nämlich durch eine Uniform. Man muß also zwischen ziviler und militärischer Kleidung differenzieren. Diese Uniform nun kann man, verfügt man über die notwendige Kenntnis dafür, als die der französischen Armee identifizieren, aber spätestens hier trifft man auf ein Element des Signifikats, wo man die Eindeutigkeit des Zeichens hinterfragen darf. Ein finnischer Betrachter des Photos zum Beispiel (um immerhin noch im ,,gleichen Kulturkreis" Europa zu bleiben, auch wenn ich mir hier des diffusen Ausdrucks bewußt bin), welcher möglicherweise nicht mit dem Aussehen französischer Uniformen vertraut ist, mag durchaus an anderen Elementen des Bildes erkennen, daß es sich um einen französischen Soldaten handelt, nicht notwendigerweise aber a priori eine Vorstellung davon besitzen. Wenn man weiter die Gestik des Soldaten ansieht, muß man eine Idee davon haben, was ein militärischer Gruß ist. Die gestreckte rechte Hand zum Kopf geführt, dazu eine steife, aufrechte Körperhaltung, wird gemeinhin als nicht-zivile Gebärde gedeutet. Einen weiteren Bestandteil des Bildes formt die Trikolore, auf welche der Soldat seinen Blick gerichtet hat. Abgesehen davon, daß man zunächst natürlich wissen muß, was eine Fahne ist im Unterschied zu irgendeinem farbigen Stück Stoff in rechteckiger Form, welches rein zufälligerweise an einer prominenten Stelle an einem Mast hängen könnte, spielt hier eine Rolle, was daran das Merkmal ,,französisch" ausmacht. Es sind demnach die drei Farben Blau, Weiß, Rot, die das Zeichen für Frankreich stellen, unter welchem man eine Repräsentation von etwas Französischem, Nationalen versteht. Sieht man den Soldaten in unmittelbarer Nähe dieser Trikolore stehen, kann man davon ausgehen, daß er sich auf französischem Boden befindet, oder zumindest in einem Terrain, wo die Eigenschaft ,,französisch" momentan eine Rolle spielt. Das ließe auch, wenn man die Uniform nicht als eine französische erkennen würde, Rückschlüsse darauf zu, daß der Soldat französisch ist. Hinzukommend vermittelt das Bild, das Zeichen noch eine Persönlichkeit des Mannes. Die allermeisten Betrachter des Photos werden ihn nicht kennen, wissen also nichts über seine Biographie, was nicht aus dem Bild selber herauszulesen wäre. Ein Merkmal ist aber offensichtlich in seinem Sinn enthalten, nämlich die Farbigkeit des Soldaten. Er ist also ein Franzose afrikanischer Abstammung und nicht etwa bretonischer. Weiteres Biographisches aus dem Photo zu deuten, wäre rein assoziativ beziehungsweise spekulativ. Höchstens über das Alter des Mannes könnte man noch sagen, daß er jung ist in Abgrenzung zu einem alten Mann. Das sind also die wesentlichen Bestandteile des Signifikats dieses Bildes. Signifikant

Der Signifikant ist in wenigen Sätzen beschrieben: Es handelt sich um ein rechteckiges zweidimensionales Bild. Der Aspekt des Materials, also des bedruckten Papiers und der dabei verwendeten Farbe und Technik sei hier beiseite gelassen. Auf diesem Bild existieren zum einen bestimmte Formen, also die Umrisse, welche gemeinhin als menschlich erkannt werden und eine bestimmte Gestik erkennen lassen, und die der Fahne. Zum anderen ist dieser Signifikant von Farben gekennzeichnet, von denen für die Bedeutung des Bildes wohl die Uniformfarbe, die Hautfarbe und das Rot, Weiß und Blau der Trikolore wichtig sind. Das sind die Hauptbestandteile des Bedeutenden. Zusammen mit dem Bedeuteten ergibt sich also der einfache Sinn, wie er oben beschrieben ist.

Dies ist also das primäre semiologische System, auf welchem das sekundäre, das des Mythos aufbaut.

3. Zweites semiologisches System

Hierbei verkompliziert sich die Funktionsweise. Der Mythos - die Aussage - ist, wie bereits erwähnt, daß es kein besseres Gegenargument für mögliche Widersacher eines französischen Kolonialismus gibt als diesen eifrig dienenden jungen Schwarzen.

Signifikant

Zunächst kann man vom Sinn des ersten semiologischen Systems sagen, daß er bereits eine Geschichte enthält, nämlich eine Vergangenheit, ein Wissen und Ideen. Um bei dem Beispiel zu bleiben, also die persönliche Biographie des Schwarzen, das Wissen um das französische Militär und so weiter. Auf der mythischen Ebene nun aber wird dieser Sinn zum Bedeutenden und damit zur reinen Form reduziert. Im Sinn ist bereits eine Bedeutung geschaffen, die sich sehr wohl selbst genügen könnte, wenn sich der Mythos nicht ihrer bemächtigte und eine parasitäre leere Form machte (S.96). Das heißt, die Geschichte eben dieses Soldaten verliert an Bedeutung, und nur sein Bild wird als Zeichen zum Träger des Mythos. Zu dieser Form stößt ein Begriff, das Bedeutete des Mythos, welcher fordert, daß der Leser des Mythos dessen Bedeutendes in seiner Funktion für das Verständnis zwischen Form und Sinn hin und her wechseln läßt. Das Bedeutende ist also doppelseitig.

Um diesen komplexen Schritt besser verständlich zu machen, bleibe ich hier bei dem Beispiel, mit dessen Hilfe sich der Vorgang anschaulicher machen läßt. Der Sinn des Bildes ist also als Bedeutendes vom Begriff des Mythos erst einmal zur Form geschmälert. Es handelt sich dabei um eine rein linguistische Form, nämlich die Aussage: ,,Ein junger, schwarzer französischer Soldat erweist den militärischen Gruß mit Blick auf die Trikolore."Indem er Form wird, verliert der Sinn seine Beliebigkeit; er leert sich, verarmt, die Geschichte verflüchtigt sich, es bleibt nur noch der Buchstabe (S.97). Im Zusammenhang mit dem Sinn ist es auch wichtig zu erinnern, daß das Bild, die Form des Mythos keineswegs ein Symbol ist (Barthes verwendet diesen problematischen Begriff selber, ohne weiter darauf zu verweisen, was er darunter versteht. Um ihn einzugrenzen, sei hier ein Symbolbegriff nach Peirce angenommen, welcher, im Gegensatz zum indexikalischen oder ikonischen Zeichen keine physische Verwandtschaft zwischen Signifikat und Signifikant voraussetzt sondern sich auf einen erlernten oder vereinbarten Zusammenhang beruft7.), beispielsweise für das französische Imperium, vielmehr seine (erweiterte) Aussage erst mittels des Begriffs erhält. Allerdings enthebt der Begriff das Zeichen nicht völlig seines Sinns sondern trans- und deformiert diesen nur. Nun entsteht ein ständiges Wechselspiel innerhalb des Bedeutenden zwischen der reinen Form und dem Sinn, welcher aus dem primären System darin enthalten ist, als dieser vom Mythos ebenso benötigt wird. Denn der Sinn, ebenso wie die Geschichte, die aus der Form fließt, wird ganz vom Begriff aufgesaugt (S.98).

Signifikat

Der Begriff des Mythos steht in Verbindung mit einer konkreten Situation, welche nur in einem historischen beziehungsweise politischen (Barthes verwendet den Ausdruck politisch im Sinne von Gesamtheit der menschlichen Beziehungen in ihrer wirklichen, sozialen Struktur, in ihrer Macht der Herstellung der Welt (S.131).) Zusammenhang zu verstehen ist. Für das Beispiel des Titelblattes von Paris-Match benennt Barthes ihn mit ,,Imperialität". Der Begriff, so Barthes, antwortet sehr eng auf eine Funktion, er hat eine Tendenz (S.99), was meint, daß der Mythos mittels seines Begriffs nur eine bestimmte Gruppe von Lesern, Zuschauern oder Hörern anspricht, nämlich die, welche das Wissen haben und den Bezug zu eben diesem Begriff herstellen können, wenn sie die Form, das Bedeutende wahrnehmen. Das Wissen, welches im Begriff enthalten ist, kann nicht bestimmt werden, es ist aus Assoziationen gebildet. Es ist eine Situation, die den Begriff anfüllt, im Gegensatz zur reinen Form, welche abstrakt daherkommt. Charakteristikum für den mythischen Begriff ist zum einen seine Intentionalität und zum anderen seine Geschichtlichkeit, sowohl auf seine Qualität als auch auf seine Dauer bezogen. Er kann ein Phänomen von kurzer Aktualität sein, und aus diesem Grunde ermißt Barthes Neologismen für die zumeist treffendsten Begriffe des Mythos. Der Begriff verknüpft das sinnentleerte Bild des schwarzen Soldaten mit der politischen Welt, also der französischen Geschichte und den (damals) gegenwärtigen Schwierigkeiten mit den nach Unabhängigkeit strebenden afrikanischen Staaten auf kolonialpolitischer Ebene. Wer den Mythos auf dem Titelblatt lesen, ihn also richtig verstehen möchte, muß dazu einige grundlegende Dinge über die Situation Frankreichs zu der Zeit wissen. Es genügt für einen heutigen Betrachter strenggenommen schon eine Ahnung darüber, daß Frankreich jemals Kolonien zum Beispiel in Afrika besessen hat. Der Mythos liest sich jedoch um so deutlicher, je mehr konkretes und dann auch assoziatives Wissen sich seinem Leser bietet. Wichtige Information hierfür ist, daß sich für Frankreich in den 50er Jahren massive Auseinandersetzungen mit den nordafrikanischen Maghreb-Staaten ergaben, welche es lange Zeit kolonialisiert hatte. Was nun genau für Assoziationen in Verbindung mit dem Begriff für jeden einzelnen Leser auftauchen, vermag niemand zu sagen. Das liegt in der Geschichtlichkeit des Begriffs begründet, welche niemals eine fixierte Form haben kann. Die mythische Aussage Es kommt nun also zu der mythischen Aussage, indem sich erst einmal die reine Form des Bedeuteten als harmloser Satz darbietet. Wenn nun der mythische Begriff, die Imperialität mit all ihren Vorstellungen von französischen Kolonialangelegenheiten, darauf trifft, und sich dazu noch der Sinn aus dem ersten semiologischen System beimischt, nämlich die Persönlichkeit des schwarzen Soldaten, impliziert das eben jene Aussage vom treu dienenden farbigen Sohn Frankreichs, mit dessen Hilfe ein Argument gegen den Kolonialismus entkräftet werden könnte. Die Beziehung, die den Begriff des Mythos mit seinem Sinn verbindet, ist eine Beziehung der Deformierung. [...] Natürlich ist diese Deformation nur möglich, weil die Form des Mythos schon durch einen linguistischen Sinn gebildet wird. In einem einfachen System wie der Sprache kann das Bedeutete nichts deformieren, weil das Leere und willkürlich Bedeutende ihm keinerlei Widerstand entgegensetzt (S.103). Das heißt, der Begriff entfremdet den Sinn.

Hier führt Barthes den Begriff des (fortwährenden) Alibis ein, dessen Mechanik er im Bedeutenden erkennt. Das Bedeutende mit seinem Wechselspiel zwischen leerem und erfülltem Wesen gleicht dem eines beispielsweise kriminalistischem Alibis, welches ebenfalls durch einen leeren und einen erfüllten Ort charakterisiert ist. Im Unterschied zum Alibi ist das Wechselspiel beim Mythos jedoch andauernd, beim Alibi wird der Kreislauf an einem bestimmten Punkt von den wirklichen Tatsachen durchbrochen. Der Mythos ist ein Wert und nicht die Wirklichkeit, deshalb kann er als fortwährendes Alibi bestehen bleiben. Der Sinn ist immer da, um die Form präsent zu machen, die Form ist immer da, um den Sinn zu entfernen (S.104f.).

Drei Lesarten

Barthes zählt drei Lesarten auf, wie man an den Mythos herantreten kann. Erstens: Der schwarze Soldat, um es durch das Beispiel zu erklären, bildet mit dem Begriff ein einfaches System und dient als Exempel (Barthes nennt es sogar Symbol, also eine arbiträre Verbindung zwischen Signifikat und Signifikant) für die französische Imperialität. Hier füllt der Begriff die Form ohne Doppeldeutigkeit an, und so findet kein Alternieren zwischen Form und Sinn (aus dem ersten semiologischen System) statt.

Die zweite Lesart: Im Bild des Soldaten wird unter Form und Sinn unterschieden und das Wechselspiel unterbrochen, der Mythos ist somit entziffert (vom Mythologen) und als Deformation des Sinns verstanden. Dies erfordert die Erkenntnis, daß der Mythos Geschichte in Natur (S.113) verwandelt, er sich somit natürlich gibt, obwohl er ein Produkt der Geschichtlichkeit ist.

Und als dritte Möglichkeit: Sinn und Form des Bedeutenden werden gleichermaßen aufgenommen, der schwarze Soldat ist die Präsenz der französischen Imperialität (S.111), der Mythos macht seine Aussage, ohne dabei entlarvt zu werden.

Es geschieht also im Fall der zweiten Lesart, daß der Mythos als solcher demaskiert und damit wirkungslos wird. Der Mythologe ist bei Barthes also nicht derjenige, welcher sich mit beispielsweise stofflichen Gegebenheiten des Mythos im Sinne eines klassischen

Mythosbegriffs auseinandersetzt, sondern derjenige, welcher den Mantel der Natürlichkeit abhebt, mit der sich der Mythos präsentiert, und der seine Geschichtlichkeit bloßstellt.

IV. Analyse einer Zeichnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie man einen Mythos entziffern kann, möchte ich hier noch einmal anhand eines Beispiels aus der aktuellen Presse darlegen. Dabei soll deutlich werden, daß der Mythos im bartheschen Sinne ein auch heute noch sehr präsentes Phänomen ist, und keineswegs nur in bezug auf die von Barthes in seinem Essay kritisierte kleinbürgerliche Gesellschaft des Frankreichs der 50er Jahre verstanden werden muß. Auf diesen dem Marxismus nahestehenden Aspekt der Ideologiekritik in seiner Arbeit werde ich hier auch nicht näher eingehen können. Das gewählte Beispiel entstammt der ersten Seite des Buches ,,Chancen" aus der Wochenzeitung ,,Die Zeit" vom 10.2.2000. Es handelt sich um einen Cartoon des Zeichners Tex Rubinowitz8, welcher damit einen Artikel (,,Karriere in der Kaserne") über Frauen in der Bundeswehr kommentiert. Im Artikel selber geht es - aufgehängt an dem vor nicht zu langer Zeit gefällten Urteil des Europäischen Gerichtshofes, daß Frauen nicht pauschal vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen werden dürfen - um die konkrete Situation von Frauen in der deutschen Bundeswehr und ihre beruflichen Chancen. In den letzten Jahren, so der Artikel, hat die Zahl der Frauen, welche eine Karriere in der Bundeswehr anstreben, stark zugenommen.

Es erscheint mir sinnvoll, die Zeichnung detailliert in ihren einzelnen strukturalen Komponenten zu beschreiben und somit den Mythos Schritt für Schritt zu entkleiden.

Abgebildet ist hier zwar mehr als nur der Cartoon selber, aber die Analyse wird sich ausschließlich auf die Zeichnung beziehen. Als Orientierung sei die Aussage dieses Mythos hier kurz dargestellt: Eigentlich will die Zeichnung bedeuten, daß in der deutschen Bundeswehr trotz einer nach außen hin getragenen Offenheit gegenüber Frauen patriarchalische Strukturen herrschen, welche mit dem Ignorieren eines Bestrebens nach Gleichberechtigung einherkommen.

1. Erstes semiologisches System

Betrachtet man diesen Cartoon zunächst auf der ersten semiologischen Ebene, so bedeutet er Folgendes: Es ist die gezeichnete Wiedergabe eines ranghöheren männlichen Angehörigen der Bundeswehr und einer Frau, welche sich gegenüber stehen. Er sagt: ,,Wir haben nichts gegen Frauen bei uns. Sie müssen sich nur gut tarnen können." Das ist der Sinn. Signifikat Das Signifikat dieses ersten Systems beinhaltet also ein ranghöheres männliches Mitglied des deutschen Heeres, eine Frau und das von dem Mann Gesagte. Wenn man die einzelnen Komponenten beschreiben möchte, dann sinnvollerweise wiederum in Abgrenzung dazu, was sie nicht sind.

Die eine Figur, das männliche Armeemitglied, beinhaltet also die Konzepte Mann, deutsche Bundeswehr und Rang. Es ist wohl der Oberlippenbart, welcher in diesem Fall ein eindeutig männliches Attribut darstellt. Im Gegensatz zur Frau besitzt die Gestalt auch keine weibliche Brust. Man könnte noch sagen, die sehr kurzen oder gar nicht vorhandenen Haare sind ein Indiz, daß es sich nicht um eine Frau handelt oder um ein Kind. Das Alter der Figur ist nicht eindeutig festzumachen, aber es handelt sich nicht um einen sehr jungen Menschen, da dieser im Zusammenhang mit einer Armee charakteristisch wohl eher als sportlich trainiert dargestellt würde. Hier hat der Mann die Züge einer schon etwas älteren Person, also der nahezu fehlende Hals, an dessen Stelle ein ausgeprägtes Doppelkinn steht, der etwas beleibtere Körper und auch hier die nicht zu sehenden Haare, die auch auf eine natürliche Altersglatze zurückzuführen sein könnten.

Daß sich um ein Militärmitglied handelt, ist wiederum an den sehr kurzen (beziehungsweise gar nicht vorhandenen) Haaren und der Kleidung mit den Schulterstücken, dem Kragenaufschlag, dem Bruststück sowie der Form der Mütze und der aufrechten Haltung abzulesen, die in unserem Kulturkreis wohl von jedem sofort als militärisch erkannt wird. In das Signifikat muß man also das Konzept deutsche Bundeswehr, beziehungsweise Armee generell mit einbeziehen. Hier spielt eine Rolle, was im zweiten semiologischen System zum Tagen kommen wird, nämlich die historische Komponente des Sinns, durch das Bedeutete gestiftet. Hinter dem Begriff der Armee steht ein große Fülle von Erfahrung und assoziativem Wissen. Die wichtigsten Komponenten sind erst einmal die Aufgabe der Armee, also die Verteidigung des Landes oder Regimes, von welchem sie unterstützt wird. Das beinhaltet den Besitz und Gebrauch von Waffen, zu Friedenszeiten nur unter Übungsbedingungen, technische Ausrüstung und vieles mehr. Im Kriegsfall bedeutet das die Bereitschaft zum Töten und das Bewußtsein, getötet werden zu können. Dazu kommt die Struktur innerhalb der Armee, also eine Hierarchie mit verschiedenen Offiziersgraden, einfachen Soldaten und verschiedenen Einheiten wie Sanitätern, Luftwaffe, Marine, Musikcorps etc., folglich keine demokratische Organisation. In diesem Zusammenhang kann man auch das Attribut ,,ranghöher" herauslesen, was meint, daß es sich bei der Figur nicht mehr um einen einfachen Soldaten handelt sondern um einen Offizier. Seinen genauen Grad vermag man hier nicht zu bestimmen, aber es ist in erster Linie sein Alter, welches eine Berufskarriere und damit eine bereits avancierte Stellung innerhalb der Armee zu verstehen gibt. Zudem impliziert es die Situation als solche, denn der Mann befindet sich offenbar in einer Position, wo er mit Außenstehenden (der Frau) als repräsentative Instanz verhandeln darf. Noch von Gewicht ist bei dem Konzept Armee das äußere eines Mitglieds, welches es vom Zivilisten unterscheidet, also die bereits beschriebene Uniform. Was das Konzept zudem prägt, ist die weitgehende Dominanz männlicher Mitglieder, Frauen sind eine Ausnahme zumindest in der deutschen Bundeswehr. Daß es sich eben um diese handelt, ist eigentlich nur aus dem Kontext zu ersehen, in welchem die Zeichnung steht, also dem Artikel, der sich explizit damit auseinandersetzt. Da diese Tatsache für den Mythos von Wichtigkeit ist, sei sie hier erwähnt. Bei einer Betrachtung außerhalb des Kontextes würde man lediglich das Konzept Armee als solches mit einbeziehen. Hier kommt nun also noch einmal die Geschichte und Eigenart der deutschen Bundeswehr zum Tragen, also beispielsweise ihre Gründung und die damit verbundenen Aufgaben und Funktionen nach dem zweiten Weltkrieg. Wesentlich sind dabei natürlich auch Faktoren wie die Tatsache, daß es sich in Deutschland nicht um ein Militärregime handelt.

Die andere Figur ist weniger von Geschichtlichkeit beladen wie die erste. Sie ist außer als Frau in ihrer Eigenschaft nicht näher bezeichnet. Also solche versteht man sie hauptsächlich durch ihre Oberweite, eventuell noch durch die längeren Haare, Attribute, welche man einem Mann nicht zuschreibt (Die langen Haare sind im Unterschied zu den extrem kurzen des Mannes hier jedenfalls als charakteristisch weiblich zu verstehen.), einem Kind zumindest das erste nicht.

Die dritte Komponente des Bedeuteten ist das von dem Offizier Gesagte: Wir haben nichts gegen Frauen bei uns. Sie müssen sich nur gut tarnen können. Hinter diesen beiden Sätzen steht bereits ein semiologisches System, das der (deutschen) Sprache, auf welches ich hier jedoch aus Gründen des begrenztem Rahmens nicht weiter eingehen möchte. Wichtig ist in erster Linie, daß mit dem wir die deutsche Bundeswehr gemeint ist und sich der erste Satz darauf bezieht, daß es nur sehr wenige Frauen darin gibt. Für das Verständnis des zweiten Satzes ist da Wort tarnen signifikant, denn dahinter steckt ein Wissen über militärische Techniken. Das Tarnen in der Armee ist das unauffällig-Machen vor dem Feind, um nicht erkannt und damit angreifbar zu werden.

Signifikant

Beim Signifikanten dieses Systems müßte man eigentlich zunächst wieder weiter ausholen und erst einmal die materiellen Umstände der Zeitung klären. Denn es stellt sich beim Betrachten der Zeichnung die Frage, wo diese eigentlich anfängt und aufhört, denn klare Trennlinien gibt es eigentlich nicht. Am oberen Rand überschneidet sich die äußere Linie der Sprechblase mit dem Abtrennungsstrich des Buchtitels ,,Chancen". Das bedeutet, man müßte unter Umständen die Überschriften des Artikels und sogar den Text mit in die Analyse ziehen. Wie bereits schon bei dem Beispiel Barthes` erläutert, ist auch diese Zeichnung in andere semiologische Systeme eingebettet, zu welchem sie in einem Abhängigkeitsverhältnis steht. Wie beim Signifikat, bei dem die Komponente ,,deutsche Bundeswehr" erst aus dem Kontext des Artikels ersichtlich wird, besteht hier ebenfalls ein materieller Zusammenhang mit der Umgebung. Diese Ebenen seien an dieser Stelle jedoch vernachlässigt. Ich möchte mich ausschließlich auf den Cartoon beschränken, welcher sich wie folgt präsentiert: Es handelt sich auch hier um eine zweidimensionale Darstellung. Schwarze Linien auf einem nahezu weißen Hintergrund. Seine Abgrenzung findet der Gegenstand in diesem Fall zu den geometrischen Formen des Seitenlayouts der Zeit, also den geraden Linien des Druckschriftsatzes, der Linie zum Titel ,,Chancen" sowie dem rechten Seitenrand. Betrachtungsobjekt ist somit das offenbar von freier Hand Gezeichnete und Geschriebene, und schon den Namen Tex Rubinowitz am rechten Seitenrand kann man als Zusatz und für die Betrachtung hier nicht relevant erachten. Die Darstellung der beiden Figuren hat, um den Begriff von Peirce zu verwenden, ikonischen9 Charakter. Das heißt, der Signifikant geht hier mit dem Signifikat eine Verbindung ein, welche auf faktische Ähnlichkeiten beruht (image). Lediglich für die Sprechblase könnte man diesen Signifikanten als einen indexalischen10 bewerten. Das heißt, die Linie um die beiden geschriebenen Sätze verweist darauf, daß der Offizier diese ausspricht. Die Sprechblase als ein gängiges Mittel zur Darstellung von Gesprochenem in gezeichneten Witzen und Geschichten vermittelt dem Betrachter, wem das Gesprochene zuzuordnen ist, indem die Linie unten zugespitzt in die Richtung des Mannes weist.

2. Zweites semiologisches System

Um sie in Erinnerung zu rufen, noch einmal die mythische Aussage der Zeichnung: Es herrschen in der deutschen Bundeswehr patriarchalische Strukturen, ob derer trotz einer vermeintlichen Offenheit den Frauen gegenüber Bestrebungen nach einer Gleichberechtigung ignoriert werden.

Auf welche Weise erreicht dieser Mythos hier seine Aussagekraft? Man muß sich verdeutlichen, wie der Offizier eigentlich genau das Gegenteil von dem meint, was er sagt, nämlich daß er nichts von Frauen in der Bundeswehr hält. Es ist bei der ihm Gegenüberstehenden offensichtlich, daß sie sich mit ihrem weiblichen Äußeren nicht gut tarnen kann. Mit tarnen ist eher das Nicht-Auffallen innerhalb der eigenen Reihen der Männer gemeint als das Tarnen vor dem Feind. Dies pauschalisiert der Mythos und bezieht es auf die Einstellung der von Männern geprägten Bundeswehr gegenüber Frauen im Allgemeinen. Signifikat Den mythischen Begriff zu benennen, welcher sich hier mit der Form, dem Sinn aus dem ersten semiologischen System verbindet, ist nicht einfach. ,,Männerherrschaft" scheint mir noch am zutreffendsten.

Zunächst meint der Begriff erst einmal die männlich Dominanz in Zahlen, also eine verschwindend geringe Anzahl Frauen in der deutschen Bundeswehr. Er impliziert auch mittels der Zeichnung, daß dies von den Männern darin so gewollt ist, es sich also um eine bewußte Männerherrschaft handelt. Herrschaft ist etwas aktives, das sich auch so verstanden wissen will.

Der Offizier in der Zeichnung sagt, daß wir; das sind er und Seinesgleichen in der Institution, nichts gegen Frauen in den eigenen Reihen haben. Der Begriff aber macht diese Aussage zur Unwahrheit. Auf seinem Hintergrund gerät der Satz zur Lächerlichkeit (Letztendlich muß man über die Zeichnung ja auch lachen, sie ist als kritischer Witz gemeint.), vor allem in Verbindung mit dem Darauffolgenden. Sie (ist hier doppeldeutig. Es kann sich einerseits auf die spezielle Frau beziehen, welche vor dem Offizier steht, andererseits auf die Frauen im Allgemeineren. Für den Mythos besitzt dieser Unterschied allerdings keine Signifikanz.) müssen sich nur gut tarnen können. Diese Aussage reißt der Begriff aus seinem ursprünglichen Zusammenhang heraus, nämlich dem militärisch-technischen. Statt dessen stellt er den Bezug zum Verhältnis zwischen Männern und Frauen her. Die Frauen sollen sich also nicht in erster Linie im Feld tarnen, um nicht vom Feind erblickt zu werden, sondern vor allem innerhalb der Bundeswehr selber. Denn dort sollen sie nicht auffallen, weil sie eigentlich gar nicht akzeptiert sind.

Daß das Tarnen für die Frauen in den eigenen Reihen aber nicht so einfach ist, verdeutlicht die Zeichnung unmißverständlich. Denn was die Frau vom Mann unterscheidet, ist ihre Brust, welche sie nicht tarnen kann. Um in den Reihen der männlichen Kollegen nicht herauszustehen und somit als gleichwertig erachtet zu sein, müßte sie eigentlich das, was sie ausmacht, also ihre Weiblichkeit, aufgeben. Das ist aber nicht möglich. Folglich kann sie niemals in der deutschen Bundeswehr anerkannt werden. So dreht der Begriff den eigentlichen Sinn des Gesprochenen herum.

Um seine Wirkung zu entfalten, braucht der Begriff ein gewisses Publikum. Hier kommt zum Tragen, was Barthes damit meint, wenn er von der Geschichtlichkeit des mythischen Begriffs spricht. Wer sich auf den Mythos einlassen will, muß die erforderliche Assoziationskette produzieren können, welche die ,,Männerherrschaft" nach sich zieht. Der Mythos kann nur von dem verstanden werden, der über gewisse Gegebenheiten in der deutschen Bundeswehr Bescheid weiß. Beispielsweise muß man darüber informiert sein, welche Positionen Frauen dort bislang einnehmen können oder eher nicht können. Daß sie also bis dato keinen Waffengebrauch machen durften. Das kann man in Abgrenzung zu anderen Militärstrukturen betrachten, etwa wie der israelitischen Armee, in welcher Frauen schon lange Dienst an der Waffe tun. Seine Aktualität erlangt der Begriff um so mehr durch das kürzlich gefällte Urteil, daß Frauen nun nicht mehr vom Dienst an der Waffe ausgeschlossen sind. Gleichermaßen verallgemeinert er. Denn aus den beiden Einzelfiguren macht er Repräsentanten von Werten und Einstellungen. Sie erscheinen nun auch nicht mehr als einzelne Individuen, von denen persönliche Meinungen vertreten werden, sondern sie stehen für ihre gesellschaftliche Gruppe, ihre sozialen Kreise. Der Mann ist in befehlshabender Instanz bei der deutschen Bundeswehr als Exponent oder gar als Prototyp eines Mitglieds gedacht und steht somit für eine den Vertretern des deutschen Heers zugesprochenen Ideologie. Die Figuren erscheinen durch den Begriff als Gruppenvertreter, nämlich für eine Attitüde innerhalb der Bundeswehr und für ein davon betroffenes Opfer. Das impliziert, Frauen hätten generell Interesse daran, Dienst beim Militär zu verrichten, und dies würde von allen männlichen Mitgliedern nicht gebilligt. Die Frau, welche durch ihre fehlenden Attribute - sie besitzt noch nicht mal soviel Individualität, Augen zu haben - keinerlei andere Qualitäten aufweist, als Frau zu sein, steht für diese (vom Begriff zur solchen gemachten) Randgruppe im Allgemeinen. Damit ist die Frau als benachteiligt und bevormundet, ohne tatsächliches Recht auf Gleichberechtigung dargestellt, auch wenn ihr im öffentlichen Diskurs das Gegenteil bescheinigt werden will. Das Wissen um diesen Diskurs ist ebenfalls vonnöten, will man die Aussage dieses Mythos richtig verstehen. Der Betrachter muß in Verbindung mit dem Begriff so auch darüber informiert sein, daß das Thema Gleichberechtigung von Frau und Mann in der deutschen Gesellschaft aktuell ist und in vielen Bereichen außerhalb der Bundeswehr diskutiert wird, und daß die Gleichberechtigung von Mann und Frau bei weitem nicht vollständig in die Realität umgesetzt ist, auch dort, wo sie de facto auf dem Papier steht. In diesem Bewußtsein kann der Leser des Mythos Parallelen ziehen und eine Natürlichkeit der Tatsachen herauslesen, welche erst der Begriff mit sich bringt.

Signifikant

In dieser Instanz findet das Wechselspiel zwischen dem erfüllten Sinn aus dem erstem semiologischen System und der reinen Form aus dem zweiten, mythischen statt. Der Sinn wird vom Begriff der Männerherrschaft deformiert. Dabei spielt die Form ihre Rolle. Sieht man sich einmal die beiden Figuren genauer an, so fallen im Zusammenhang mit dem Begriff Dinge ins Auge, welche außerhalb des Mythos keine oder eine andere Rolle spielen würden. Zum Beispiel in der Größe und den Posen der Figuren: Der Mann, ranghoch und damit auf der Karriereleiter höherstehend als die Frau - als Anwärterin bei der Bundeswehr hat sie noch überhaupt keine Position inne - nimmt räumlich mehr Platz ein, er ist dicker, hat einen größeren Kopf und blickt ob seiner dominanten Körpergröße auf die Frau herab. Weiter könnte man sagen, daß der Oberlippenbart hier - erst durch den Begriff der Männerherrschaft - für eine gewisse konservative, wenn nicht unintellektuelle Auffassung steht, die progressiven Ideen wie der Gleichberechtigung von Mann und Frau oder konkreter, der Integration weiblicher Mitglieder in der Bundeswehr entgegensteht.

Auf der anderen Seite nimmt die Figur der Frau eine sehr passive Rolle ein. Durch den mythischen Begriff zur Form reduziert, erhält sie ein fragendes Äußeres. Ihre Hände sind auf dem Rücken verschränkt, und die Haltung ist krumm und unsicher. Der Mund bleibt geschlossen und somit inaktiv in bezug auf einen möglichen eigenen Sprechakt. Die Nase und damit den ganzen Kopf leicht nach oben gerichtet blickt sie in fragender Haltung zu dem Offizier auf. Die Frage, welche durch die Antwort in der Sprechblase impliziert wird, ist eine, welche mit ,,Dürfte ich vielleicht...?" beginnen könnte, also die Frage nach einer möglichen Mitgliedschaft bei der Bundeswehr.

Die Darstellung der beiden Figuren mag zwar eine konventionelle (im Sinne des Größenverhältnisses und der Machtverteilung) sein, aber naturgegeben ist sie nicht. Erst der geschichtliche Begriff täuscht das vor, indem er sich an den richtigen Adressaten wendet und ihm die Natur vorgaukelt. Diese Form, also diese spezielle Wiedergabe einer Situation macht die mythische Idee der Männerherrschaft sich zunutze, um sie mit Hilfe des Sinns für sich zu interpretieren.

V. Schlußfolgerung

Diese hier präsentierte Analysemethode entlarvt also die Oberflächenstruktur öffentlicher Aussagen und eignet sich in der Form vor allem für die Untersuchung populärkultureller Gegenstände. Barthes selber führt das exemplarisch in seinen Essays vor, in welchen er beispielsweise anhand von Beefsteak und Pommes frites oder dem Gesicht der Garbo die kleinbürgerlichen Kulturmechanismen der französischen Gesellschaft in den fünfziger Jahren entblößt. Er macht es sich zu seiner Aufgabe, die strukturalen Relationen zwischen seinen Objekten darzulegen und demgemäß die Codes und Werte zu rekonstruieren, welche die Kommunikationskultur um ihn herum hervorbringt. Hierbei bezieht er sich besonders auf die Ideen und Güter, welche einem bourgeoisen Wertesystem entstammen. Sinn dieser analytischen Methode ist es, die Welt verständlich zu machen und gegebenenfalls an den gängigen Praktiken etwas zu ändern (Worin genau diese Veränderungen bestehen könnten, bleibt jedoch unbenannt.).11

Wie hier deutlich wurde, hat dieser Ansatz keinesfalls an Aktualität eingebüßt. Man kann anhand des Beispiels von Tex Rubinowitz erkennen, inwiefern die Produkte eines öffentlichen Diskurses heute bei uns genauso wie in den 1950er Jahren Frankreichs durch ideologische Wertvorstellungen geprägt sind und auf subtile eine Art Meinung vertreten können. Die Zeichnung würde nicht verstanden, wäre im öffentlichen Diskurs nicht eine weitläufige Ansicht über die Einstellung innerhalb der Bundeswehr gegenüber Frauen verbreitet (Ob diese so akzeptiert und vertreten ist, wäre eine andere Frage, für deren Beantwortung man den Diskurs über die Geschlechter genau untersuchen müßte.). In diesem Fall handelt es sich ja um einen Witz, der im Kontext des Artikels, mit welchem zusammen er veröffentlicht ist, gleichermaßen Kritik an der ,,Männerherrschaft" übt. Eine interessante Aufgabe wäre es nun, solche Mythen für andere mediale Präsentationsformen nachzuweisen, also beispielsweise an Objekten im Internet. Denn hier müßten zunächst einmal die semiologischen Voraussetzungen des ersten Systems geklärt werden. Daß die Mythen des Alltags aber auch in diesen Formen existieren, nehme ich mit großer Sicherheit an.

Literatur

Quellen

- Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964 · DIE ZEIT Nr.7 vom 10. Februar 2000

Texte

- Barthes, Roland: Elemente der Semiologie. Frankfurt a. M. 1979
- Gross, David: Lowenthal, Adorno, Barthes: Three Perspectives on popular Culture. In: Telos 45 / 1982
- Nünning, Ansgar (Hg.): Metzler-Lexikon Literatur- und Kulturtheorie. Stuttgart 1998
- Pierce, Charles Sanders: "Logic as Semiotic: the Theory of Signs", in: Bucher, Justus (ed.) 1955 Philosophical Writings of Peirce, Dove Publications, New York · Schiwy, Günther: Strukturalismus und Zeichensysteme. München 1973 · Schwab, Gustav: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums. Bayreuth 1974

[...]


1 nach Schwab, S.46f.

2 Nünning, S.390

3 für Folgendes vgl. Nünning, S.388f.

4 Barthes 1979, S.37

5 ebd.

6 Barthes 1979, S.41

7 vgl. Peirce, S.112ff.

8 Der Deutsche Tex Rubinowitz (Künstlername) lebt in Wien und zeichnet unter anderem auch für die wöchentliche Wiener Stadtzeitung ,,Falter", das deutsche Satiremagazin ,,Titanic" und die Wiener Tageszeitung ,,Standard"

9 vgl. Peirce, S.104ff.

10 vgl. Peirce, S.107ff.

11 Vgl. Gross, S.135

21 von 21 Seiten

Details

Titel
Mythen des Alltags
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
21
Katalognummer
V97471
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythen, Alltags
Arbeit zitieren
Evamarie Pitz (Autor), 2000, Mythen des Alltags, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97471

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