Diese Forschungsarbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der bürgerlichen Frau in Theodor Fontanes "Effi Briest" im Vergleich mit "Madame Bovary" und "Anna Karenina". Die vergleichende Analyse der drei bedeutenden realistischen Ehebruchromane versucht, die folgenden Fragen zu beantworten: Wie sahen die gesellschaftliche Situation und die weibliche Position im 19. Jahrhundert aus? Was war charakteristisch für das patriarchalische Gesellschaftssystem dieser Zeit? Wurde die Frau von einem solchen System unterdrückt? War sie sich ihrer Schuld bewusst oder wurde sie als Gesellschaftsopfer betrachtet? Welche moralische und religiöse Deutung der Begriffe Ehe und Ehebruch konnte man bemerken?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Patriarchalisches Gesellschaftssystem im 19. Jahrhundert
2.1 Gesellschaftsveränderung
2.2 Frauen- und Männerrollen
2.3 Frauenemanzipation
3 Frauenfiguren
3.1 Effi Briest
3.2 Emma Bovary
3.3 Anna Karenina
4 Frau als Gesellschaftsopfer
4.1 Frauenschuld
4.2 Männerschuld
4.3 Gesellschaftsschuld
4.4 Schicksal oder Schuld
5 Moral und Religion
6 Zusammenfassung
7 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Forschungsarbeit untersucht die Darstellung der bürgerlichen Frau in den realistischen Ehebruchromanen "Effi Briest", "Madame Bovary" und "Anna Karenina". Dabei analysiert sie die patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen des 19. Jahrhunderts, die unterdrückte weibliche Position sowie die moralischen und religiösen Deutungen von Ehe und Ehebruch.
- Analyse des patriarchalischen Gesellschaftssystems im 19. Jahrhundert
- Vergleichende Untersuchung der weiblichen Protagonistinnen
- Deutung der Frau als Gesellschaftsopfer in der Literatur
- Diskussion der moralischen und religiösen Bewertung von Ehebruch
- Identitätsfindung und weibliche Emanzipation im Kontext der Literatur des Realismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Effi Briest
Effis Persönlichkeit ließ sich am besten in Hohen-Cremmen sehen: Der 17-jährige temperamentvolle „Backfisch" war die einzige Tochter ihrer Eltern, ihr Stolz und Liebe (Van Rinsum 1994: 136). Sie war „jung und hübsch, aber dennoch ein unreifes Gör, verwöhnt, kokett, altklug" (Matz 2015: 48). Sie interessierten keine weiblichen Handarbeiten („Diese langweilige Stickerei."), sondern das Schaukeln und Spiel mit ihren Freundinnen (Fontane 2005: 9). Sie war ein wirkliches Naturkind, das in Hohen-Cremmen seine Freiheit genoss.
Schon am Anfang bemerkte ihre Mutter ihre Wildheit: „Nicht so wild, Effi, nicht so leidenschaftlich." (vgl. ebd.) Die Schaukel bedeutete mehr als ein Ausdruck der Jugendlichkeit. Sie war eine Art Leitmotiv des Romans. „Ich klettre lieber und schaukle mich lieber, und am liebsten immer in der Furcht, dass es irgendwo reißen oder brechen und ich niederstürzen könnte. Den Kopf wird es ja nicht gleich kosten." (vgl. ebd.: 31) Effi empfand das ambivalente Gefühl dabei: Es hatte die unterschiedliche Bedeutung für sie am Ende und am Anfang des Romans, weil später ihr Geist gebrochen wurde (vgl. Grawe 1991: 237). Diese Symbolik konnte man indirekt mit ihrem Lebenskonzept verknüpfen. Effi war keine Dame und kein Gesellschaftsmensch. Sie fand ihre Freiheit nur in der Luft und nicht auf dieser Erde. Sie wollte riskieren, aber die Prinzipien und Grundsätze (auch Innstetten als ihr Stellvertreter) beängstigten sie und hielten sie nieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definition des Forschungsgegenstandes und der Fragestellungen bezüglich der Darstellung der bürgerlichen Frau im 19. Jahrhundert.
2 Patriarchalisches Gesellschaftssystem im 19. Jahrhundert: Analyse der gesellschaftlichen Hierarchien und geschlechtsspezifischen Rollenverteilungen als Folge der Industrialisierung.
3 Frauenfiguren: Charakterisierung und Vergleich der Protagonistinnen Effi Briest, Emma Bovary und Anna Karenina.
4 Frau als Gesellschaftsopfer: Untersuchung der Schuldzuschreibungen und der gesellschaftlichen Zwänge, denen die Frauenfiguren ausgesetzt waren.
5 Moral und Religion: Analyse der gesellschaftlichen Tabus sowie der Rolle von Kirche und Ehegesetzgebung in den behandelten Werken.
6 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse über die Rolle der Frau in den drei Ehebruchromanen des Realismus.
7 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Madame Bovary, Anna Karenina, 19. Jahrhundert, Patriarchat, Ehebruch, bürgerliche Frau, Gesellschaftsopfer, Realismus, Ehe, Moral, Religion, Geschlechterrollen, Literaturanalyse, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Forschungsarbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der bürgerlichen Frau in den Ehebruchromanen des Realismus, speziell von Theodor Fontane, Gustave Flaubert und Leo Tolstoi.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die patriarchalischen Strukturen des 19. Jahrhunderts, die Rolle der Frau als Gesellschaftsopfer sowie die moralischen Konflikte, die aus dem Ehebruch resultieren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die gesellschaftliche Situation und weibliche Position der damaligen Zeit zu beleuchten und zu klären, wie die Ehe und der Ehebruch in den Werken gedeutet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es wird eine vergleichende Analyse der literarischen Werke im Kontext ihrer sozio-ökonomischen und kulturellen Entstehungszeit durchgeführt.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Im Hauptteil werden die Frauenfiguren, die patriarchalen Gesellschaftsbedingungen, Schuldfragen und die religiöse sowie moralische Bewertung der Ehe detailliert untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselbegriffe sind Realismus, Patriarchat, Ehebruch, gesellschaftliches Opfer und bürgerliche Moral.
Warum wird Effi Briest oft als "Tochter der Luft" bezeichnet?
Diese Bezeichnung symbolisiert ihre lebensbejahende, wilde Natur und ihren Freiheitsdrang, der im starken Kontrast zu den starren gesellschaftlichen Konventionen steht.
Wie bewerten die Autoren die moralische Doppelmoral ihrer Zeit?
Die Autoren stellen dar, dass Ehebruch bei Männern oft ignoriert oder toleriert, bei Frauen jedoch als moralisches Verbrechen geahndet wurde, was die Diskrepanz der Geschlechterrollen verdeutlicht.
- Arbeit zitieren
- Paloma Vuk (Autor:in), Boris Dudaš (Autor:in), 2020, Die Darstellung der bürgerlichen Frau in Theodor Fontanes "Effi Briest" im Vergleich mit "Madame Bovary" und "Anna Karenina", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974712