Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, empfinden Kinder eine Trauer, die sich von der eines Erwachsenen fundamental unterscheidet. Vor allem bei der ersten Konfrontation mit dem Tod eines Angehörigen benötigen Kinder besondere Unterstützung. Bilderbücher können dabei eine nicht zu unterschätzende Hilfe sein.
Welche Grundbedürfnisse müssen erfüllt sein, um dem Kind den Umgang mit Trauer zu ermöglichen? Wie können aufkommende Fragen angemessen beantwortet werden? Und welche Kinderbücher eignen sich am besten für diese sensible Situation?
Chantal Wellens liefert mit ihrer Publikation einen Wegweiser dafür, was trauernde Kinder benötigen und wie Erwachsene diesen Wünschen bestmöglich nachkommen können. Den Grundstein hierfür legt die Auseinandersetzung mit dem Umgang mit Tod in der deutschen Vergangenheit und die Auswirkungen von Massenmedien auf die Kindheit. Die Erläuterung von Trauermodellen und entwicklungspsychologischen Aspekten wird ebenfalls nicht außer Acht gelassen. Das Ergebnis ist für pädagogisches Fachpersonal ebenso hilfreich wie für alle Betroffenen.
Inhaltsverzeichnis
I. PROBLEMSTELLUNG
1. ZIELSETZUNG
2. VORGEHENSWEISE
II. HAUPTTEIL
1. DEFINITION DER GRUNDBEGRIFFE
1.1 Trauer
1.2 Tod
1.3 Todesvorstellungen
1.4 Emotionen
1.5 Bindung
2. THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND GRUNDANNAHMEN ZUM TOD BEI KINDERN
2.1 Tod und Vergänglichkeit im Naturkreislauf
2.2 Tod und Vergangenheit in der abendländischen Kultur
2.3 Wie erlebten Kinder den Tod in den letzten 100 Jahren?
2.4 Veränderte Kindheit
2.5 Todesverständnis bei Kindern
2.6 Wie erleben Kinder den Tod in der heutigen Gesellschaft?
2.7 Wie erleben Kinder den Tod durch audiovisuelle Medien?
2.8 Zusammenfassung
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND GRUNDANNAHMEN ZUR TRAUER BEI KINDERN
3.1 Wie erleben Kinder Trauer?
3.2 Welche Erfahrungen machen Kinder heute mit Trauer?
3.3 Trauermodelle
3.4 Trauer um einen nahestehenden Menschen
3.5 Trauerreaktionen
3.6 Traueraufgaben
3.7 Auffälligkeiten bei der Trauerverarbeitung
3.8 Kinder trauern anders als Erwachsene
3.9 Zusammenfassung
4. ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE ASPEKTE ZU TOD UND TRAUER
4.1 Grundbedürfnisse bei Kindern
4.2 Bindung
4.3 Entwicklungsmodell nach Jean Piaget
4.4 Entwicklung des Todesverständnisses bei Kindern
4.5 Zusammenfassung
5. TOD UND TRAUER IN DEN FÜNF WELTRELIGIONEN
5.1 Warum glauben Menschen?
5.2 Vielfalt der Kulturen
5.3 Grundannahmen zum Tod in den Weltreligionen
5.4 Zusammenfassung
6. MIT KINDERN ABSCHIED NEHMEN
6.1 Formen des Abschieds
6.2 Soziale, religiöse und kulturelle Rituale
6.3 Trauerrituale
6.4 Abschiedsrituale
6.5 Erinnerungsrituale
6.6 Trauer,- Abschieds- und Erinnerungsrituale in den Weltreligionen
6.7 Zusammenfassung
III. FORSCHUNGSTEIL
1. THEORETISCHER HINTERGRUND
1.1 Forschungsstand „Bilderbücher über Tod und Trauer“
1.2 Forschungsmethode „Hermeneutik“
2. TOD UND TRAUER ALS THEMA IN BILDERBÜCHERN
2.1 Die Geschichte des Bilderbuches
2.2 Grundlagen zum Bilderbuch
2.3 Bedeutung problembewusster Bilderbücher
2.4 Problembewusste Bilderbücher zum Thema „Tod und Trauer“
2.5 Einsatz von Bilderbüchern zu „Tod und Trauer“ in der pädagogischen Praxis
2.6 Zusammenfassung
3. QUALITÄTSKRITERIEN FÜR BILDERBÜCHER ÜBER TOD UND TRAUER
3.1 Darstellung des Todes von Familienmitgliedern oder im Tierreich
3.2 Bildliche Darstellung der Gefühle
3.3 Erzählstile
3.4 Bild-Text-Verhältnis
3.5 Präsentation und Layout
3.6 Kindgerechte Darstellung
3.7 Zusammenfassung
4. EMPIRISCHE ANALYSE UND BEWERTUNG ANHAND VON ZWEI BILDERBÜCHERN
4.1 Begründung der Bilderbücherauswahl und des Analyseverfahrens
4.2 Analyse: „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley
4.2.1 Wiedergabe des Inhalts
4.2.2 Inhaltsanalyse
4.2.3 Darstellung, Gefühle, Farbe
4.2.4 Erzählstil
4.2.5 Bild-Text-Verhältnis
4.2.6 Präsentation und Layout
4.2.7 Abschließende Bewertung
4.2.8 Praktischer Einsatz des Bilderbuchs in der pädagogischen Praxis
4.3 Analyse: „Abschied von Rune“ von Marit Kaldhol und Wenke Oyen
4.3.1 Wiedergabe des Inhalts
4.3.2 Inhaltsanalyse
4.3.3 Darstellung, Gefühle, Farbe
4.3.4 Erzählstile
4.3.5 Bild-Text-Verhältnis
4.3.6 Präsentation und Layout
4.3.7 Abschließende Bewertung
4.3.8 Einsatz des Bilderbuchs in der pädagogischen Praxis
5. VERGLEICH VON „LEB WOHL, LIEBER DACHS“ UND „ABSCHIED VON RUNE“
5.1 Wiedergabe des Inhalts
5.2 Inhaltsanalyse
5.3 Darstellung, Gefühle, Farbe
5.4 Erzählstile
5.5 Bild-Text-Verhältnis
5.6 Präsentation und Layout
5.7 Zusammenfassung
6. SCHLUSSBETRACHTUNG
6.1 Bedeutung der Masterarbeit für die Praxis
6.2 Mein eigener Lerngewinn
6.3 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit untersucht grundlegende Annahmen zum Umgang von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren mit Tod und Trauer. Ziel der Arbeit ist es, auf Basis entwicklungspsychologischer Theorien und pädagogischer Erkenntnisse einen Kriterienkatalog zu entwickeln, der Fachkräften bei der Auswahl und dem sinnvollen Einsatz problembewusster Bilderbücher als Unterstützung für Kinder in Trauersituationen dient.
- Theoretische Grundlagen zur kindlichen Trauer und psychologische Entwicklungsmodelle (z. B. nach Piaget und Bowlby)
- Einfluss soziokultureller Faktoren und Weltreligionen auf den Umgang mit Tod und Abschied
- Bedeutung der Bindungssicherheit für die Bewältigung von Verlusterfahrungen
- Analytische Bewertung von Bilderbuchklassikern und deren Einsatzmöglichkeiten in der pädagogischen Praxis
Auszug aus dem Buch
2.3 Bedeutung problembewusster Bilderbücher
Marqaurdt benutzt den Begriff „Bilderbücher mit problemorientierten Inhalten“ und definiert „problemorientierte Inhalte oder gesellschaftskritischen Themen“ als Vorbereitung auf die gegenwärtigen oder zukünftigen Probleme des Lebens oder in der Gesellschaft. Das Ziel dieser Bilderbücher ist, Kinder im Vorschulalter anzuregen, sich mit den Problemen des Lebens zu beschäftigen (vgl. Marqaurdt, 1995, S. 20). Nach Marqaurdt sind das Themen über den Tod, menschliche Vorurteile, Einsamkeit, Sexualität oder Krankheit und deren Bewältigung (vgl. ebd., S. 20-21).
„Problemorientierte Bilderbücher thematisieren soziale oder personale Konflikte und Probleme, die primär Kinder betreffen und stellen diese, meist im Rahmen eines fiktiven Geschehens, idealerweise kindgemäß in Wort und Bild dar.“ (Hollstein, Sonnenmoser, 2017, S. 68). Die Themenkreise der problemorientierten Bilderbücher sind vielfältig, z.B. Tod und Trauer, Krieg, Geschwisterrivalität, sexueller Missbrauch, Trennung der Eltern, Krankheit und Behinderung oder Ausländerfeindlichkeit (vgl. ebd., S. 68).
Cramer benutzt in ihrem Handbuch „Bist du jetzt ein Engel?“ (2012) den Begriff „Problembewusste Bilderbücher“, den ich persönlich konkreter finde und daher im weiteren Verlauf der Masterarbeit verwenden werde. Problembewusste Bilderbücher, z.B. zum Thema „Tod und Trauer“ sind nicht nur für den Kindergarten geeignet, sondern können in Schulfächern wie Deutsch, Ethik, Philosophie, Religion oder für Gesprächskreise in Hospiz- oder Trauergruppen eingesetzt werden (vgl. Cramer, 2012, S. 117). Für den Einsatz im Kindergarten sind problembewusste Bilderbücher sehr gut geeignet, da Bilderbücher den Kindern meistens schon vertraut sind. Laut Alberts greifen Kinder, die sich noch nicht in Sprache ausdrücken können, gerne auf Bilderbücher zurück, weil sie als Übersetzer für ihre komplexe Gedankenwelt fungieren. Sie beschäftigen sich mit Bilderbüchern, die ihre eigenen Gefühle wiedergeben, z.B. bei der Trennung von der Mutter, der Angst verlassen zu werden oder besonderen Erlebnissen in ihrer Umgebung (vgl. Alberts, 2015, S. 7-8).
Zusammenfassung der Kapitel
DEFINITION DER GRUNDBEGRIFFE: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe Trauer, Tod, Todesvorstellung, Emotion und Bindung auf Basis psychologischer und lexikalischer Definitionen.
THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND GRUNDANNAHMEN ZUM TOD BEI KINDERN: Der Fokus liegt auf historischen Veränderungen des Todesverständnisses, dem Einfluss des Naturkreislaufs und der Bedeutung von Medien für die kindliche Wahrnehmung von Sterblichkeit.
THEORETISCHE GRUNDLAGEN UND GRUNDANNAHMEN ZUR TRAUER BEI KINDERN: Es werden verschiedene Trauermodelle vorgestellt und analysiert, wie Kinder – abhängig von ihrer Bindungserfahrung – den Verlust nahestehender Personen erleben und verarbeiten.
ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGISCHE ASPEKTE ZU TOD UND TRAUER: Dieses Kapitel behandelt die Grundbedürfnisse von Kindern, die Bindungstheorie und Jean Piagets Stufenmodell als Rahmenbedingungen für ein gesundes Aufwachsen auch in Krisenzeiten.
TOD UND TRAUER IN DEN FÜNF WELTRELIGIONEN: Hier wird untersucht, welche unterschiedlichen kulturellen und religiösen Grundannahmen über den Tod existieren und wie Pädagogen kultursensibel damit umgehen können.
MIT KINDERN ABSCHIED NEHMEN: Dieses Kapitel thematisiert die Bedeutung von Ritualen und die aktive Einbeziehung von Kindern in Bestattungsabläufe zur Förderung einer gesunden Trauerbewältigung.
Schlüsselwörter
Tod, Trauer, Kindheit, Bilderbücher, Bindung, Trauerbewältigung, Pädagogik, Entwicklungspsychologie, Abschied, Verlust, Emotionen, Trauerrituale, Weltreligionen, Sterbebegleitung, Krisen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren Tod und Trauer wahrnehmen und welche Rolle professionelle pädagogische Begleitung dabei spielt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die psychologischen Grundlagen kindlicher Trauer, die Bedeutung von Bindungssicherheit, der Einfluss von Religion und Kultur auf Sterberituale sowie die Analyse geeigneter Kinderliteratur.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Welche Grundannahmen existieren zu Tod und Trauer bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren und wie können Bilderbücher sinnvoll zur Unterstützung eingesetzt werden?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf der hermeneutischen Methode, um literarische Quellen und Bilderbücher systematisch zu interpretieren und einen qualitativen Kriterienkatalog zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Trauer- und Bindungsforschung, entwicklungspsychologische Aspekte, religiöse Perspektiven auf das Sterben sowie die praxisorientierte Analyse von Bilderbüchern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den Kernthemen Tod und Trauer stehen Begriffe wie Bindung, kindgerechte Kommunikation, Trauerbewältigung und die pädagogische Funktion des Mediums Bilderbuch im Mittelpunkt.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „warenhaus-“ und „anspruchsvollen“ Bilderbüchern wichtig?
Die Autorin stellt diese Unterscheidung auf, um zu verdeutlichen, welche Bücher sich tatsächlich für eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit sensiblen Themen wie Tod und Trauer eignen und welche eher oberflächliche „Heile-Welt-Szenarien“ abbilden.
Welche Rolle spielt die „Feinfühligkeit“ der Bezugsperson bei der Trauerarbeit?
Feinfühligkeit ist laut der Arbeit essenziell, da Kinder die Signale und Ängste der Erwachsenen spiegeln; ein feinfühliger Umgang der Fachkraft hilft dem Kind, sich trotz Verlusts sicher und angenommen zu fühlen.
- Quote paper
- Chantal Wellens (Author), 2020, Der Umgang von Kindern mit Tod und Trauer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975412