Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem Erhebungsinstrument der Unterrichtsqualität (EMU) der systematischen Unterrichtsbeobachtung und -diagnostik, welches in einer sechsten Klasse eines Gymnasiums in Wuppertal durchgeführt wurde. EMU ist eine Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung. Es ist ein Instrument zur Beobachtung von Unterricht aus den Perspektiven der Lehrkraft selbst, der Lernenden und einer fremden Lehrkraft. Es ermöglicht Analysen und Beurteilungen von Teilen des Unterrichts oder dem gesamten Unterricht mit Bezug auf verschiedene Dimensionen der Unterrichtsqualität. Es kann individuell um Items und Inhalte erweitert werden.
Zu den regulären Dimensionen, welche die allgemeine Unterrichtsqualität messen, gehören I. Klassenmanagement, II. Lernförderliches Klima und Motivierung, III. Klarheit und Strukturiertheit, IV. Aktivierung und Förderung und eine abschließende V. Bilanzierung. Ziele dieses Instruments sind die Stärkung der empirischen Orientierung im Lehrberuf, die Steigerung der Unterrichtsqualität durch begleitetes Feedback und die Visualisierung von Handlungsoptionen. Des Weiteren kann durch EMU ein datenbasierter kollegialer Austausch über Unterricht im bewertungsfreien Raum als Grundlage für die gezielte Weiterentwicklung des Unterrichts genutzt werden. Es kann eine Verständigung über ein gemeinsames Bild von Unterricht im Team oder im Kollegium entwickelt werden. Zusätzlich kann das Lehren und Lernen durch das Schülerfeedback sichtbargemacht werden. Zudem kann eine Erweiterung des eigenen Handlungsrepertoires durch kriteriengeleitete Beobachtung stattfinden. Außerdem sensibilisiert das Instrument für die Vielfalt von Lernvoraussetzungen innerhalb der Klasse. Erhoben wurde die Unterrichtsqualität des eigenen Unterrichts in einer sechsten Klasse im Fach Deutsch. Die eigentliche Deutschlehrerin, die SuS sowie ich selbst haben jeweils einen Fragebogen von EMU ausgefüllt.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Erste Erhebung
2.1 Einleitung
2.2 Ergebnisse
2.3 Diskussion
2.3.1 Bezug auf den theoretischen und empirischen Hintergrund
Attributionstheorie
Motivation
2.3.2 Bezug auf eigene pädagogische Praxis
3. Zweite Erhebung
3.1 Einleitung
3.2 Ergebnisse
3.3 Diskussion
3.3.1 Bezug auf den theoretischen und empirischen Hintergrund
3.3.2 Bezug auf eigene pädagogische Praxis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die eigene Unterrichtsqualität durch den Einsatz des EMU-Instruments (Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik) systematisch zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Dabei wird untersucht, wie Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkraft den Unterricht hinsichtlich verschiedener Qualitätsdimensionen wahrnehmen, um daraus Erkenntnisse für das eigene pädagogische Handeln im Rahmen des Praxissemesters zu gewinnen.
- Systematische Unterrichtsbeobachtung mittels standardisierter Fragebögen
- Analyse der Unterrichtsqualität in Dimensionen wie Klassenmanagement und Lernklima
- Reflexion der Ergebnisse auf Basis von Motivationstheorien und Attributionsmodellen
- Vergleich der Fremd- und Selbsteinschätzung zur Optimierung des pädagogischen Handelns
- Weiterentwicklung des eigenen Repertoires durch gezieltes Feedback
Auszug aus dem Buch
Attributionstheorie
Der Begriff der Attribution beschreibt die soziale wie auch subjektive Zuschreibung von Eigenschaften, Fähigkeiten wie auch die vermuteten Ursachen dafür. Im Lernkontext sind Attributionen also Ursachen für bestimmte Leistungen. SuS neigen dazu, schnell und unreflektiert Ursachen für ihre Leistung zu suchen. Insbesondere bei Misserfolgen treten oft spontane Attributionen auf, wie z.B. „ich bin zu doof“, „die Aufgaben waren zu schwer“, „die Lehrerin hat voll doofe Fragen gestellt“ usw. (vgl. Möller, Köller 1996, S. 126-128)
Ein Problem, welches sich aus häufigen Misserfolgen ergibt, beschreibt die Teufelskreis der Misserfolgsorientierung. Häufige Misserfolge führen bei SuS schnell zu einem problematischen Attributionsmuster. Das heißt, dass SuS für ihren Misserfolg oft internale Faktoren als Ursache sehen. Besonders problematisch wird es, wenn dies internal stabile Ursachen sind. SuS zweifeln dann an ihrem Können, was zu einem geringen Selbstkonzept führen kann. (vgl. Möller, Köller 1996, S. 128-130)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Die Einleitung stellt das EMU-Instrument als evidenzbasierte Methode zur Unterrichtsdiagnostik und -entwicklung vor und erläutert die Ziele sowie den Einsatz im Praxissemester.
2. Erste Erhebung: Dieses Kapitel dokumentiert die erste Durchführung des Instruments in einer sechsten Klasse, präsentiert die erhobenen Daten in Grafiken und diskutiert diese anhand theoretischer Ansätze zur Motivation und Attribution sowie der eigenen pädagogischen Praxis.
3. Zweite Erhebung: Das Kapitel beschreibt eine zweite Erhebungsphase, bei der um Zusatzitems ergänzte Fragebögen genutzt wurden, um vertiefende Einblicke in das Lernklima und die Aktivierung der Schülerinnen und Schüler zu gewinnen und diese Ergebnisse erneut kritisch zu reflektieren.
Schlüsselwörter
Unterrichtsbeobachtung, Unterrichtsdiagnostik, EMU-Instrument, Praxissemester, Unterrichtsqualität, Attributionstheorie, Motivation, Klassenmanagement, Lernklima, Selbstkonzept, Schülerfeedback, Lehrerreflexion, pädagogische Praxis, Evidenzbasierung, Lernvoraussetzungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Untersuchung und Reflexion der eigenen Unterrichtsqualität während eines Praxissemesters unter Verwendung des EMU-Instruments.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Unterrichtsdiagnostik, der Zusammenhang von Motivation und Lernerfolg sowie die professionelle Selbstreflexion des eigenen Lehrerhandelns.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, durch eine strukturierte Erhebung von Schüler- und Fremdeinschätzungen die Qualität des eigenen Unterrichts datenbasiert zu bewerten und konkrete Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung des eigenen pädagogischen Stils zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt das standardisierte EMU-Instrument (Evidenzbasierte Methoden der Unterrichtsdiagnostik), das in zwei Erhebungsphasen durch Fragebögen sowohl von der Lehrkraft selbst als auch von der begleitenden Lehrkraft und den Schülerinnen und Schülern ausgefüllt wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ergebnisse der zwei Erhebungen detailliert dargestellt, grafisch aufbereitet und sowohl theoretisch (Attributionstheorie, Motivation) als auch praktisch durch eine Selbstreflexion der Lehrperson analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Unterrichtsdiagnostik, EMU-Instrument, Selbstreflexion, Lernklima, Klassenmanagement, Motivation und Attribution.
Inwiefern beeinflusst der Teufelskreis der Misserfolgsorientierung die Schüler?
Häufige Misserfolge bei Schülerinnen und Schülern können dazu führen, dass diese internale, stabile Faktoren für ihr Scheitern verantwortlich machen, was das Selbstkonzept schwächt und die weitere Lernmotivation negativ beeinträchtigen kann.
Warum wurde in der zweiten Erhebung das Instrument um Zusatzitems erweitert?
Die Autorin entschied sich für Zusatzitems, da sie aus der ersten Erhebung spezifische Bereiche wie das Lernklima und die Aktivierung der Schülerschaft als besonders spannend empfand und diese vertiefend untersuchen wollte.
Welche Diskrepanz wurde zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung festgestellt?
Die Autorin stellt fest, dass ihre eigene Einschätzung der Unterrichtsgestaltung teilweise von den Wahrnehmungen der Schülerinnen und Schüler abweicht, was sie dazu anregt, kritischer und bewusster auf die Signale im Unterrichtsgeschehen zu achten.
- Arbeit zitieren
- Ronja Bastian (Autor:in), 2020, Systematische Unterrichtsbeobachtung und –diagnostik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975454