Psychological Skill Training im Sport. Wie mentale Fähigkeiten von Sportlern gestärkt werden können und wozu sie wichtig sind


Hausarbeit (Hauptseminar), 2020

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. PST für Athleten

2. Aufbau PST Programme

3. PST für den Psychologen

4. Selbstregulationsfertigkeiten und Techniken

5. Aktueller Forschungsstand – Beispielstudie

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: 5-Stufen-Modell der Selbstregulation nach Kirschbaum (Weinberg & Gould, 2011, p. 257) 7

Abb. 2: Selbsteinschätzung (Weinberg & Gould, 2011, p. 261) …8

Einleitung

Sportliche Wettkämpfe werden, vor allem im professionellen Sport, durch kleinste Differenzen in den Ergebnissen entschieden. Zwischen der Gold- und Silbermedaille lag so 2008, bei den Olympischen Spielen in Peking, nur eine hundertstel Sekunde, die Michael Phelps bei den 100 Meter Schmetterling vor seinem Gegner am Zielbrett anschlug (tagesspiegel.de, 2008). Physisch sind die Athleten, die in einem solchen Wettkampf antreten, ungefähr gleich stark aufgestellt. Aber auch auf kleineren Wettkämpfen ist das der Fall, da die Athleten innerhalb einer gewissen Leistungsklasse konkurrieren (Weinberg & Gould, 2011). Wenn nun die physische Leistung etwa gleich groß ist, wodurch wird der Wettkampf dann entschieden? Durch die psychologischen Faktoren, denn die mentale Stärke gilt als primäre Ursache für tagesabhängige Unterschiede, sogenannte Leistungsfluktuationen. Sie können den technischen und physischen Anteil einer sportlichen Leistung überschatten, so beeinträchtigen beispielsweise Konzentrationsverluste oder Versagensängste die sportliche Leistung negativ. Diese Arbeit beschäftigt sich also im Folgenden mit den Fragen wie und ob die mentale Stärke verbessert werden kann, warum Athleten und Trainer das psychologische Training oft vernachlässigen und wie solche Programme aufgebaut sind.

1. PST für Athleten

1.1 Was ist PST?

Das Training psychologischer Fertigkeiten (Psychological Skills Training = PST) „bezieht sich auf die systematische und konsequente Ausübung mentaler oder psychologischer Fertigkeiten um die Leistung zu verbessern, den Genuss zu steigern oder eine größere Selbstzufriedenheit durch Sport und körperliche Aktivität zu erreichen.“ (vgl. Weinberg & Gould, 2011, p. 248). Es ist also darauf ausgerichtet die physische Leistung von Athleten zu stabilisieren und zu verbessern, indem der psychische bzw. mentale Techniken und Strategien erlernt werden, um die Gedanken und das Verhalten zu steuern, sich beispielsweise in Drucksituationen zu entspannen und auf die Aufgabe zu fokussieren. Trainern und Athleten ist natürlich bewusst, das physische Fertigkeiten regelmäßig geübt und tausende Male wiederholt werden müssen, um die körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten aber auch weiterzuentwickeln. Das psychische Fertigkeiten ebenfalls ein systematisches und konsequentes Training benötigen, ist oft nicht bekannt oder wird nicht akzeptiert, obwohl die mentale Stärke in der Praxis anerkannt ist und als „(n)atürliche oder erworbene Fähigkeit, die einen Athleten in die Lage versetzt, konsistent besser mit den Anforderungen und dem Druck umzugehen, die aus den Belastungen von Training, Wettkampf und dem Leben außerhalb des Sports resultieren“ (Gerber, 2011, S. 285) definiert wird. Dementsprechend besteht mentale Stärke aus mehreren Aspekten, wie zum Beispiel Motivation, Zuversicht und Konzentration. Ein anderer Ansatz mentale Stärke zu definieren wäre das 4C-Modell nach Clough, Earle und Sewell, das aus den Schlüsselbegriffen „Control“, „Commitment“, „Challenge“ und „Confidence“ (Weinberg & Gould, 2011, p. 249) besteht. Dahinter stecken Handlungsempfehlungen an den Athleten, nämlich zu handeln, als könnte man Situationen kontrollieren oder sie beeinflussen (control), aktive Positionen einzunehmen, die Initiative zu ergreifen (commitment), Veränderungen als Möglichkeit zu wachsen zu sehen und nicht als Bedrohung (challenge), sowie der Glaube an sich selbst (confidence) (Weinberg & Gould, 2011).

1.2 Warum wird PST oft vernachlässigt?

Warum wird also das Training psychologischer Faktoren und somit der mentalen Stärke vernachlässigt? Zunächst aufgrund der Annahme das Athleten Entspannungs- und Konzentrationsmethoden kennen und sie anwenden können ohne sie zuvor geübt zu haben.

So wird Sportlern, in entscheidenden Situationen, oft von Trainern gesagt, sie sollen sich konzentrieren, entspannen oder einfach ruhig bleiben. Der Trainer setzt also voraus das psychologische Fertigkeiten angeboren sind und nicht erlernt werden können. Jedoch gilt: es gibt mögliche psychische Veranlagungen, trotzdem können psychologische Fertigkeiten erlernt und weiterentwickelt werden. Der meist genannte Grund von Trainern und Athleten ist allerdings die fehlende Zeit. Obwohl die Ursache für Fehler in Wettkämpfen oft auf psychische Ursachen zurückzuführen sind, wie Unkonzentriertheit oder zu große Anspannung, werden als Konsequenz die Trainingszeiten für die Technikausbildung erhöht, nicht aber für die psychische Ausbildung. Der Glaube an einige Mythen um PST dient den Beteiligten meist auch ein als Grund PST abzulehnen: so glauben viele PST sei nur für Problemathleten. Jedoch ist hier zwischen der bildenden Sportpsychologie, die sich mit der Verbesserung von Fertigkeiten wie der Zielsetzung, Vorstellungskraft oder Konzentration beschäftigt und der klinischen der Sportpsychologie, die dagegen an Problemen wie Ess- oder Persönlichkeitsstörungen, aber auch an Starken Depressionen arbeitet, zu unterscheiden. PST bietet auch, wie oft angenommen, keine schnellen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung. Um das maximale Potenzial eines Athleten auszuschöpfen, wird ein langfristiges psychologisches Training benötigt. Die fehlende Überzeugung und die daraus folgende mangelnde Fortführung führt zu Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Umsetzung von PST und führt oft zum Aufgeben (Weinberg & Gould, 2011).

2. Aufbau PST Programme

2.1 Phasen des PST-Programms

PST Programme bestehen aus drei Phasen. Beginnend mit der Bildungsphase in welcher versucht wird, den Athleten die Bedeutung von PST und den Anteil psychologischer Fertigkeiten an ihrer sportlichen Leistung zu verdeutlichen. Der Athlet wird mit den Fragen konfrontiert wie groß er den psychischen Anteil an der sportlichen Leistung einschätzt und wie viel Zeit er investiert um seine psychischen Fertigkeiten weiterzuentwickeln. Bereits hier ist auffällig, dass der Anteil von vielen Athleten als groß eingeschätzt wird, jedoch die zweite Frage meist mir wenig oder gar keine Zeit beantwortet wird. Der Athlet erkennt hier den Widerspruch. Aufgabe des Sportpsychologe ist es nun zu erklären, dass psychologische Fertigkeiten wie physische zunächst erlernt, geübt und dann weiterentwickelt werden können. Dies erfolgt in der Erwerbsphase, es werden Strategien und Techniken verschiedener psychologischer Fertigkeiten vermittelt. Diese sollen dann in der Übungsphase angewandt werden. Zunächst ist das Ziel eine Automatisierung der erlernten Fertigkeiten zu erreichen, durch regelmäßiges und konstantes Üben. Daraufhin wird das Erlernte systematisch in das sportartspezifische Training integriert. Im letzten Schritt sollen die Athleten eine konkrete Wettkampfsituation vorstellen und das Erlernte dann darauf anwenden, bevor sie es letztendlich auf den realen Wettkampf übertragen (Weinberg & Gould, 2011).

2.2 5-Stufen-Modell der Selbstregulation

PST zielt somit auf die Selbstregulation des Athleten ab, sie ist die Fähigkeit auf kurzfristige und langfristige Ziele hinzuarbeiten und dabei die eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu überwachen und zu kontrollieren. Die Athleten sollen also selbstständig, ohne dauerhafte Hilfe, das eigene Verhalten regulieren und sich an Veränderungen anpassen (Weinberg & Gould, 2011, p. 257), das ist vor allem im Wettkampf von großer Bedeutung. Kirschbaum hat dazu das 5-Stufen-Modell der Selbstregulation entwickelt.

Abb. 1: Kirschbaums 5-Stufen-Modell der Selbstregulation (Weinberg & Gould, 2001, p. 257)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beginnend mit der Stufe der Problemidentifikation, das heißt ein Athlet muss ein Problem identifizieren und es anerkennen, indem er akzeptiert, dass Verbesserungen durch Training möglich sind. Dazu gehört vor allem die Hingabe (Commitment), also das Anstreben von Veränderungen und Herausforderungen zu trotzdem. Eine Herausforderung ist zum Beispiel. dass der Entwicklungsprozess sehr langwierig ist und regelmäßiges Training erfordert um Erfolge zu erzielen. Bei der Ausführung (Stufe 3) erlernter Methoden und Techniken hat der Athlet verschiedene Aufgaben: die Selbstregulation und -überwachung, angemessene Erwartungen entwickeln und sich selbst bekräftigen, sowie zu motivieren.

Teil der Selbstregulation ist auch das Umgebungsmanagement, d. h. der Athlet soll lernen mit seinem sozialen und physischen Umfeld umzugehen und dieses gegebenenfalls an seine Bedürfnisse anzupassen, dazu zählt auch sicherzustellen, dass er einen ruhigen Ort hat an dem er seine Entspannungstechniken üben kann oder eigenständig die Sitzungen mit seinem Sportpsychologen zu planen. Letztendlich folgt die Generalisierung. Wenn das PST Programm langfristig verfolgt wird, kann das Gelernte auf andere Situationen übertragen werden. Vom Training auf den Wettkampf, aber auch vom Sport im Allgemeinen auf eine Prüfung im Studium oder der Ausbildung (Weinberg & Gould, 2011).

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Details

Titel
Psychological Skill Training im Sport. Wie mentale Fähigkeiten von Sportlern gestärkt werden können und wozu sie wichtig sind
Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)  (Institut für Sport und Sportwissenschaften)
Note
1,0
Autoren
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V975624
ISBN (eBook)
9783346326737
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychological, skill, training, sport, fähigkeiten, sportlern
Arbeit zitieren
Michèle Arndt (Autor)Sandra Zeller (Autor), 2020, Psychological Skill Training im Sport. Wie mentale Fähigkeiten von Sportlern gestärkt werden können und wozu sie wichtig sind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975624

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