Das Familienmitglied Fernseher


Ausarbeitung, 1998
14 Seiten

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INHALT

1.0 Einleitung
1.1 G. Fürst: Familiäre Lebensbedingungen und die subjektive Bedeutsamkeit der Medien Fernsehen und Videospiel für 12- bis 14jährige Kinder

2.0 Empirische Felduntersuchung
2.1 Forschungsfragen, Fragestellungen und Vorgehen
2.2 Stichprobenbeschreibung
2.3 Familienklima und Erziehungseinstellungen und ihre Skalen
2.4 IPC-Fragebogen zu Kontrollüberzeugungen
2.5 Zehn Fernsehnutzungsmotive
2.6 Hypothesen und Untersuchungsergebnisse

3.0 Schluß
3.1 Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse

4.0 Literatur

1.0 Einleitung

1.1 G. Fürst: Familiäre Lebensbedingungen und die subjektive Bedeut-samkeit der Medien Fernsehen und Videospiel für 12- bis 14jährige Kinder

Industriell produzierte ,,Unterhaltung" ist in unserem Jahrhundert zu einem wichtigen Bestandteil des Alltags für viele Menschen geworden. Das Massenkommunikations-medium Fernsehen hat Einzug in die Familien erhalten und erfüllt für jedes Familien-mitglied ganz besondere Funktionen.

Gabriele Fürst untersucht empirisch die Gründe, warum Kinder das Medium Fernsehen benutzen. Die Kinder werden nach ihrer subjektiven Sichtweise befragt, um eine qualitative Aussage über die Mediennutzungsmotive zu erhalten. Des weiteren wird auf die Anzahl der im Interview genannten Motive zum Medienkonsum geachtet, um etwas über die Höhe der subjektiven Bedeutsamkeit der Medien für die Kinder zu erfahren. Über die quantitative Aussage wird dann von Fürst erforscht, ob und inwiefern die subjektive Bedeutsamkeit der Medien im Zusammenhang mit der Qualität ihrer familiären Lebensbedingungen zu sehen ist - also welcher Zusammenhang zwischen familiären Lebensbedingungen und dem Medium Fernsehen besteht.1

2.0 Empirische Felduntersuchung

2.1 Forschungsfragen, Fragestellungen und Vorgehen

Die Hauptfragestellung ist, ob psychosoziale Faktoren wie das Familienklima und die Erziehungseinstellung der Eltern und die Kontrollüberzeugung der Mutter Kinder in der Wahl und der Anzahl der Mediennutzungsmotive sowie der -stunden beeinflussen. Weiterhin wurden die Medienausstattung und das Geschlecht des Kindes in die Untersuchung miteinbezogen.

In der Hypothesenuntersuchung werden Familienmerkmale, Erziehungsmerkmale und Merkmale zur Kontrollüberzeugung der Mutter als unabhängig angenommen. Abhängige Variablen sind die Anzahl der Mediennutzungsmotive und die Anzahl der Mediennutzungsstunden. Die unabhängigen Variablen führen zu einer jeweiligen Klassifizierung in eine der drei Gruppen ,,gering", ,,mittelmäßig" und ,,hoch", während diese Gruppen dann auf signifikante Mittelwertsunterschiede in den abhängigen Variablen untersucht werden.

Die wichtigsten Fragen, die sich Fürst stellt, sind, ob das Medium Fernsehen für Kinder aus Familiensystemen mit gewissen Defiziten einen besonders hohen Stellenwert einnimmt bzw. eine besonders hohe subjektive Bedeutsamkeit hat (über den ,,Normal-verbrauch" hinaus, z.B. zur Problembewältigung, Erhaltung des individuellen und/oder familienbezogenen Systemgleichgewichts) und welche Merkmale des Familiensystems für die Intensität der kindlichen Mediennutzung von Bedeutung sind.2

Erforscht werden:

- Merkmale zum Familienklima
- Qualität der Eltern-Kind Beziehung
- Anzahl der Mediennutzungsmotive
- Qualität der Mediennutzungsmotive (subjektive Bedeutsamkeit)3

Die Untersuchung wurde schrittweise begangen.

1. Schritt: theoretische Grundlage, Erstellen von Modell und Hypothesen
2. Schritt: Qualitative Interviews zur Erkundung der Motive
3. Schritt: Frequenzanalyse zur Erfassung der Anzahl der Motive
4. Schritt: halbstandardisierte Interviews zur Erkundung des Umfangs und der Medienausstattung
5. Schritt: Familienklimaskalen und Erziehungseinstellungsskalen, IPC-Fragebogen
6. Schritt: Gruppenunterteilung in gering, mittelmäßig und hoch in den unabh. Var.
7. Schritt: Nach Auswertungen konkrete Hypothesen
8. Schritt: Signifikanzprüfungen

2.2 Stichprobenbeschreibung

An der Untersuchung nahmen 50 Kinder aus der Landbevölkerung von Niederösterreich teil.

25 Jungs, 25 Mädchen, 19 im Alter von 12, 15 im Alter von 13 und 16 im Alter von 14 Jahren. Sie fand September 1991 bis April 1992 statt.

Die Mütter nahmen hinsichtlich ihrer Kontrollüberzeugung ebenfalls teil. 17 waren nicht berufstätig, 14 halbtags und 19 ganztags.

In 30 der 50 Haushalte gab es zusätzlich einen Videorecorder, in 12 Kabelfernsehen, in 9 Satellitenempfang.4

2.3 Familienklima und Erziehungseinstellungen und ihre Skalen

Um das innerfamiliäre System bestimmen zu können, werden aus Kindessicht das Familienklima und die elterlichen Erziehungseinstellungen untersucht.

Merkmale hierfür sind:

- positiv-emotionales Klima
- autoritativ-normatives Familienklima
- anregendes Familienklima
- warmherzige Akzeptanz der kindlichen Autonomie
- Dichte des Rapports zwischen Eltern und Kind

Familienklimaskalen:

1) Zusammenhalt
2) Offenheit (bei Gefühlen, Kritik, Spontaneität)
3) Konfliktneigung (Streit, Bemühen um sachliche Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten)
4) Selbständigkeit (keine Einengung, alleine sein dürfen)
5) Leistungsorientierung
6) Kulturelle Orientierung (Aufgeschlossenheit für intellektuelle und kulturelle Inhalte)
7) Aktive Freizeitgestaltung (Zahl der Hobbys und Unternehmungen, Umfang der sozialen Kontakte, Aktivitätsbereitschaft)
8) Religiöse Orientierung (kirchliche Verhaltensnormen, Gläubigkeit)
9) Organisation (Gegenpol: Unordnung, fehlende Zeiteinteilung, Improvisation)
10) Kontrolle (Gegenpol: Großzügigkeit und Toleranz)

Die Primärskalen Zusammenhalt, Offenheit, Organisation und Konfliktneigung sind Indikatoren für die Bestimmung des positiv-emotionalen Klimas in der Familie. Bei gering positiv-emotionalem Klima herrscht geringe Familiensolidarität, geringe Akzeptanz der gemeinschaftlichen Familienregeln und ein hohes Konfliktpotential. Eine Familie mit hohem positiv-emotionalem Klima weist Merkmale auf wie: Harmonie, wechselseitiges Verständnis, Einsatzbereitschaft des Einzelnen für die Familie, reibungslose Abwicklung der familiären Alltagsroutinen.

Die Primärskalen Kontrolle, Organisation, Leistungs- und kirchlich-religiöse Orientierung sind Indikatoren für die Bestimmung des normativ-autoritativen Klimas in der Familie.

Bei gering normativ-autoritativem Klima werden die Familienregeln flexibel gestaltet, wenig Organisation. Geringe Orientierung an Leistung und Erfolg.

Ist dieses Klima hoch, so zeigt sich dies in starrer Einhaltung der familieninternen Regeln und in Leistungsanforderungen der Eltern.

Die Primärskalen kulturelle Orientierung und aktive Freizeitgestaltung sind Indikatoren für die Bestimmung des anregenden Klimas in der Familie.

Bei einem gering anregendem Klima handelt es sich um ein wenig stimulierendes, eintöniges und passives Familienleben.

Ist es hoch, zeigt es vielgestaltige Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten für das Kind.

Skalen für elterliche Erziehungseinstellungen:

1) Permissivität (Handlungsspielraum und Ausmaß der kindlichen Autonomie)
2) Nachsicht (Gegenpol: verständnislose Haltung)
3) Manipulation und Appell an das kindliche Mitgefühl (Taktik der Eltern zur Durchsetzung der Wünsche)
4) Einfühlungsvermögen (Wahrnehmung und Verhaltensausrichtung der Eltern nach den aktuellen kindlichen Befindlichkeiten)
5) Unterstützung und Vorhersagbarkeit elterlicher Zuwendung (Gegenpol: desinteressierte Haltung)
6) Kontakt (Dichte der Beziehung unter dem Aspekt von zeitlicher und räumlicher Nähe)

Als Indikatoren zur Bestimmung der Ausprägung der väterlichen bzw. mütterlichen warmherzigen Akzeptanz der kindlichen Autonomie werden die Primärskalen Permissivität, Nachsicht, Unterstützung und Manipulation herangezogen.

Ist die warmherzige Akzeptanz der kindlichen Autonomie gering, so ist die elterliche Toleranz ebenfalls eher gering. Das Kind wird eher eingeschränkt als unterstützt und auch im Sinne der elterlichen Wünsche manipuliert.

Die hohe warmherzige Akzeptanz der kindlichen Autonomie ist klar.

Als Indikatoren zur Bestimmung der Dichte des Rapports zwischen Eltern und Kind werden die Primärskalen Einfühlungsvermögen und Kontakt herangezogen.

Bei geringer Dichte ist der jeweilige Elternteil wenig rücksichtsvoll und einfühlsam dem Kind gegenüber.

Bei hoher Dichte wird der Kontakt zu den Eltern als belohnend erlebt und deshalb auch immer wieder gesucht.5

2.4 IPC-Fragebogen zu Kontrollüberzeugungen

Die Ausprägung der internen und der externen Kontrollüberzeugung der Mutter wird untersucht, weil darin ebenso wie bei den psychosozialen Faktoren Familienmerkmale und Erziehungseinstellung eine signifikante Beeinflussung der Kinder in ihrem Fernsehkonsum vermutet wird. Die externe wird unterteilt in ,,aufgrund des subjektiven Gefühls von Machtlosigkeit" und ,,aufgrund von Fatalismus".

Die Untersuchung der Kontrollüberzeugung findet auf allen drei Dimensionen statt.

Eine externale Kontrollüberzeugung aufgrund des subjektiven Gefühls von Macht-losigkeit liegt vor, wenn man nicht daran glaubt, durch sein eigenes Verhalten Ereignisse beeinflussen zu können, sondern sich in einer sozialen Abhängigkeit von anderen mächtigeren Personen sieht. (gering - unabhängig; hoch - eher machtlos gegenüber anderen)

Eine externale Kontrollüberzeugung aufgrund von Fatalismus besteht, wenn man Lebensereignisse als Ergebnis der Komplexität der Umwelt oder von Glück, Pech, Zufall oder Schicksal wahrnimmt und interpretiert.

Eine internale Kontrollüberzeugung liegt vor, wenn man an die Wirkungen des eigenen Verhaltens und Persönlichkeit auf das eigene Leben und über Ereignisse glaubt.6

2.5 Zehn Fernsehnutzungsmotive

Es wurden von Fürst Interviews mit den Kindern geführt. Diese haben qualitative und quantitative Aussagekraft über die Motive fürs Fernsehen. Aussagen, die ausgewertet werden, sind z.B.: ,,Wir haben zwei Fernseher. Wenn meine Eltern zum Streiten anfangen, weil mein Vater immer sagt, daß meine Mutter nicht immer einschlafen soll beim Fernsehen, geh' ich eben zum anderen Fernseher. Dann reicht's mir."7 und ,,Bei manchen Filmen glaub' ich wirklich dabei zu sein!"8

1. Fernsehnutzung zur Beseitigung von Langeweile

Reizarme Situationen mit einer gewissen ,,Leere des Lebensgefühls" werden als veränderungsbedürftig empfunden. Zur Anregung der inneren Erlebniswelt und zur Belebung des Handlungsfeldes wird ferngesehen. Es wird angenommen, daß bei sowohl hohem als auch bei niedrigem Aktivierungsniveau diese reizvolle und physisch passive Verlockung groß ist, besonders dann, wenn im übrigen Handlungsraum die Möglich-keiten zur Belebung der inneren Erlebniswelt nur unzureichend vorhanden sind.

2. Fernsehnutzung zwecks Interaktion mit den Eltern

Während die kommunikative Komponente auch über Massenmedien erfolgen kann, versteht man unter sozialer Interaktion die gegenseitige Beeinflussung von Individuen.

In diese Kategorie werden die Kinder zusammengefaßt, die über öfter stattfindende positive Gemeinschaftserlebnisse mit den Eltern während der Fernsehnutzung erzählen. In Familien können Gewohnheiten und Regeln darüber entstehen, wer gemeinsam mit wem bestimmte Sendungen zu bestimmten Zeiten rezipiert. Dadurch wird eine Interaktion mit den Eltern vorhersehbar und die Befriedigung kommunikativer sozialer Bedürfnisse kontrollierbar. Der Medienkonsum der Kinder wird hier als ihr Mittel zum Zweck interpretiert, mit den Eltern zu interagieren, die das eigentliche Ziel des Medienhandelns sind.

Ein Merkmal von den Gesprächen, die sich auf Fernsehinhalte beziehen, ist, daß aktuelle emotional belastende Alltagsprobleme der Rezipienten dadurch eher weniger angesprochen werden. Diese über den Fernsehkonsum initiierten Gesprächsinhalte betreffen thematisch eher fremde Probleme als die eigenen. Sie können von den eigenen ablenken und bieten zudem die Möglichkeit einer Kommunikation mit den Eltern, mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, daß für sie erziehungsinhaltlich heikle Themen Gesprächsstoff werden könnten. Durch den gemeinsamen Fernsehkonsum können neben dem Geselligkeitsbedürfnis also auch hedonistische Bedürfnisse (unter Ablenkung von der Alltagswirklichkeit) befriedigt werden.

An diesem Nutzungsmotiv möchte ich beispielhaft aufzeigen, unter welchen Aspekten der Inhaltsanalyse die Kinder den Kategorien zugeordnet werden bzw. nicht:

Zu ,, kommt vor" kommen jene Kinder, die positive Aussagen über das Gemeinschaftserlebnis Fernsehen mit den Eltern machen und/oder wenn sie von oft emotional positiver verbaler Kommunikation während des Fernsehens reden und/oder wenn sie sich öfter abgebrochene Filme von den Eltern fertig erzählen lassen. Ebenfalls jene Kinder, deren Aussagen den Versuch zur Interaktion mit den Eltern aufweisen (darauf wird durch Aussagen geschlossen wie, bestimmte Sendungen oder in bestimmten Situationen deswegen fernzusehen, weil es mindestens ein Elternteil auch tut oder denjenigen Fernseher von mehreren zu wählen, den und der gerade auch von mindestens einem Elternteil benutzt wird).

Zu ,, kommt nicht vor" kommen jene Kinder, die nicht das Ziel sozialen Interaktion angeben und/oder selten gemeinsam mit den Eltern fernsehen und/oder wenn das gemeinsame Fernsehen für sie nicht von Bedeutung ist.

3. Fernsehnutzung zur Strukturierung der Freizeit

Über die Programmvorschau werden zukünftige Ereignisse der Freizeit durch Planung und Strukturierung vorhergesehen und somit kontrolliert.

4. Fernsehnutzung, um intensive Gefühle zu erleben

Auf Bewertungen von besonders spannenden Inhalten und auf angegebene Emotionen während des Konsums wird in dem Interview für diese Kategorie geachtet. Filminhalte werden von Kindern als unterschiedlich spannend bzw. emotionsinitiierend bewertet.

5. Fernsehnutzung zwecks Anregung logischer Denkoperationen

Angesichts der durch den Fernseher initiierten und präsentierten Problemdarstellungen fühlen sich (z.B.) Kinder dazu motiviert, diese anhand logischer Schlußfolgerungen zu lösen (z.B. in Kriminalfilmen mitzuraten).

Mit der aktiven Auseinandersetzung mit Problemstellungen, die durch das Medium Fernsehen aufkommen, kann formales Denken geschult werden (Kriminalfilme).

6. Fernsehnutzung, um am Modell zu lernen

Am Modell lernen bedeutet, über das Beobachten von Fernsehakteuren bzw. durch das Sichhineinversetzen in deren Rollen bestimmte Handlungen besser ausführen zu lernen. Fernsehakteure werden zu Vorbildpersonen, die beobachtet und imitiert werden. Dadurch kann das eigene Verhalten und die Einstellung geformt werden; es kann zu sozialen Lernprozessen kommen.

7. Fernsehnutzung, um mit Freunden zu interagieren

Dieses Nutzungsmotiv bezieht sich zum einen auf die gemeinsame Nutzung mit Gleichaltrigen, zum anderen auf den Erhalt von Gesprächsstoffen, um zu einem späteren Zeitpunkt mit Gleichaltrigen darüber reden zu können. Durch den Informationstransfer über das Massenmedium Fernsehen erhält eine große Anzahl von Rezipienten ein und dieselbe Information. Durch den verbalen Austausch dieser Informationen entsteht das Gefühl von Gemeinsamkeit.

8. Fernsehnutzung zwecks Abgrenzung von der Familie

Es zeigt sich, daß sich Kinder über die Mediennutzung aus ihrem übrigen nahen Handlungsraum zurückziehen und diesen für eine bestimmte Zeit vermeiden können. Die Gründe werden verstärkt bei aversiven Reizen des Handlungsfeldes (z.B. Schule) oder der Eltern gesehen und stellt somit eine Art Flucht dar.

9. Fernsehnutzung, um Informationen über das Weltgeschehen zu erhalten

Die niedrige Plazierung dieses Motivs liegt nach Angaben der Kinder daran, daß sie entweder Nachrichtensendungen langweilig finden oder das Wissen um den Realitätsgehalt der Information ihnen Angst macht. Nachrichtensendungen bleiben bei Kindern nur schwer in der Erinnerung, da emotionale Bilder mit sachlicher Textierung zusammentreffen, das Kind durch die Komplexität überfordert ist.

10. Fernsehnutzung zur vorteilhaften Selbstdarstellung

Durch ungefragte Nennung des Besitzes von und des Wissens über Medien (Fernseher, Videorecorder, Videos, Computerspiele, ...) versucht sich ein Kind dem Interviewer positiv darzustellen. Hinter diesem Motiv können sich auch andere verstecken wie etwa Selbstwerterhaltung oder -erhöhung und symbolische Selbstergänzung.9

2.6 Hypothesen und Untersuchungsergebnisse

Die Hypothesen entspringen entsprechenden Fragestellungen.

Hypothesen zum Familienklima

1) Die drei Gruppen des positiv-emotionalen Familienklimas (gering/mittelmäßig/hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe ,,geringes pos.-emot. Familienklima" eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven aufweist. (sehr)

2) Die drei Gruppen des positiv-emotionalen Familienklimas (gering/mittelmäßig/hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe ,,geringes pos.-emot. Familienklima" eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden aufweist. (sehr)

3) Es bestehen signifikante Zusammenhänge zwischen den Ausprägungen der Variable ,,positiv-emotionales Klima" und der Nennung des Nutzungsmotivs ,,Fernsehnutzung, um am Modell zu lernen". (nein)

Die Hypothesen 1, 2 werden als sehr signifikant bestätigt. Hypothese 3 wird nicht als signifikant bestätigt.

6) Die drei Gruppen des normativ-autoritativen Familienklimas (gering/mittelmäßig/ hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe mit hoch normativ-autoritativen Familienklima eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven aufweist. (nein)

7) Die drei Gruppen des normativ-autoritativen Familienklimas (gering/mittelmäßig/ hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe mit hoch normativ-autoritativen Familienklima eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden aufweist. (nein)

8) Die drei Gruppen des anregenden Familienklimas (gering/mittelmäßig/hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe ,,gering anregendes Familienklima" eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven aufweist. (sehr)

9) Die drei Gruppen des anregenden Familienklimas (gering/mittelmäßig/hoch) unterscheiden sich insofern im Vergleich, als die Gruppe ,,gering anregendes Familienklima" eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden aufweist. (sehr)

10) Es bestehen signifikante Zusammenhänge zwischen den Ausprägungen der Variable ,,anregendes Familienklima" und der Nennung des Nutzungsmotivs ,,Fernsehnutzung, um am Modell zu lernen". (nein)

Hypothesen zu den Erziehungsmerkmalen

13) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer väterlicher warmherziger Akzeptanz der kindlichen Autonomie eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen zeigt. (nein)

14) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer väterlicher warmherziger Akzeptanz der kindlichen Autonomie eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden als die beiden anderen Gruppen zeigt. (nein)

15) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer Dichte des Rapports zwischen Vater und Kind eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungs-motiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

16) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer Dichte des Rapports zwischen Vater und Kind eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungs-stunden als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

17) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer mütterlicher warmherziger Akzeptanz der kindlichen Autonomie eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen zeigt. (nein)

18) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer mütterlicher warmherziger Akzeptanz der kindlichen Autonomie eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden als die beiden anderen Gruppen zeigt. (nein)

19) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer Dichte des Rapports zwischen Mutter und Kind eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungs-motiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (ja)

20) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe mit geringer Dichte des Rapports zwischen Mutter und Kind eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungs-stunden als die beiden anderen Gruppen aufweist. (ja)

Hypothesen zur Kontrollüberzeugung der Mutter

21) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit geringer interner Kontrollüberzeugung der Mutter eine höhere Anzahl an Fernseh-nutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

22) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit geringer interner Kontrollüberzeugung der Mutter eine höhere Anzahl an Fernseh-nutzungsstunden als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

23) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit hoher externer Kontrollüberzeugung der Mutter (Machtlosigkeitsgefühle) eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

24) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit hoher externer Kontrollüberzeugung der Mutter (Machtlosigkeitsgefühle) eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

25) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit hoher externer Kontrollüberzeugung der Mutter (Fatalismus) eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (ja)

26) Die drei Gruppen unterscheiden sich insofern, als die Gruppe der Kinder mit hoher externer Kontrollüberzeugung der Mutter (Fatalismus) eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven als die beiden anderen Gruppen aufweist. (nein)

Hypothesen zum Geschlecht

35) Es besteht ein Unterschied zwischen den Kindern in bezug auf ihr Geschlecht insofern, als Jungs eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsmotiven nennen als Mädchen. (ja)

36) Es besteht ein Unterschied zwischen den Kindern in bezug auf ihr Geschlecht insofern, als Jungs eine höhere Anzahl an Fernsehnutzungsstunden nennen als Mädchen. (ja)

38) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zur Beseitigung von Langeweile. (nein)

39) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zwecks Interaktion mit den Eltern. (nein)

40) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zur Strukturierung der Freizeit. (nein)

41) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung, um intensive Gefühle zu erleben. (nein)

42) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zwecks Anregungen logischer Denkoperationen. (nein)

43) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung, um am Modell zu lernen. (ja)

44) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung, um mit Freunden zu interagieren. (nein)

45) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zwecks Abgrenzung von der Familie. (nein)

46) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung, um Informationen über das Weltgeschehen zu erhalten. (nein)

47) Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Ausprägungen der Variable ,,Geschlecht" und der Nennung der Fernsehnutzung zur vorteilhaften Selbstdarstellung. (nein)10

3.0 Schluß

3.1 Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse

- 50 Kinder sind zuwenig!
- der Anzahl der Motive: 4.8
- Stunden des Fernsehens und Videospielens: 13
- pos. emot. Klima: gering, dann mehr Motive und Stunden (da auszugleich. Defizite)
- Rückzug aus der Familie über Fernsehen, wenn hohes Konfliktpotential (möglich)
- anreg. Klima: gering, dann mehr Motive und Stunden
- Bz.dichte (Rapport) mit Mutter: gering, dann mehr Motive und Stunden

Es läßt sich anhand der Untersuchungsergebnisse annehmen, daß ein gering stimulierendes, eintöniges und passives Familienleben und eine eher distanzierte Beziehung mit der Mutter bei Kindern die subjektive Bedeutsamkeit der Medien erhöhen. (Kontakt zur Mutter nicht sehr befriedigend, Verschiebung von realen auf imaginäre Personen)

- externe, fatalisch orientierte K.Ü. der Mutter: hoch, dann mehr Motive und Stunden Das Gefühl von Sicherheit in bezug auf die Kinder ist bei diesen Müttern größer, wenn diese kontrollierbar vor dem Fernseher sitzen.
- Jungs machen eine höhere Angabe von Motiven und Stunden.
- Mehr Jungs geben die Fernsehnutzung an, um am Modell zu lernen.
- Tendenziell identifizieren sich Kinder mit pos.-emot. Familienklima weniger mit Fernsehmodellen (lernen am Modell).
- Tendenziell identifizieren sich Kinder mit anregendem Familienklima weniger mit Fernsehmodellen (lernen am Modell).

Sind die Erfahrungen durch die Angebote der realen Welt nicht ausreichend, um sich ein realistisches Bild von sich selbst zu machen, kann ein Kind durch Beobachtung von Fernsehmodellen Erfahrungen sammeln.11

Literatur

FÜRST, G.: Familiäre Lebensbedingungen und die subjektive Bedeutsamkeit der Medien

Fernsehen und Videospiel für 12- bis 14jährige Kinder, Peter Lang Verlag, Frankfurt, 1994

[...]


1 Nach: FÜRST, 1994, S.15

2 Nach: FÜRST, 1994, S.336, S.337, S.456

3 Nach: FÜRST, 1994, S.266

4 Nach: FÜRST, 1994, S.278

5 Nach: FÜRST, 1994, S.279 - S.291

6 Nach: FÜRST, 1994, S.292 - S.296

7 Nach: FÜRST, 1994, S.328

8 Nach: FÜRST, 1994, S.325

9 Nach: FÜRST, 1994, S.312 - S.332

10 Nach: FÜRST, 1994, S.372 - S.455

11 Nach: FÜRST, 1994, S.461 - S.466

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Das Familienmitglied Fernseher
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Sozioemotionale Entwicklung
Autor
Jahr
1998
Seiten
14
Katalognummer
V97576
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familienmitglied, Fernseher, Sozioemotionale, Entwicklung
Arbeit zitieren
Emil Franzinelli (Autor), 1998, Das Familienmitglied Fernseher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97576

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