NEPAL-EXKURSION 1999 - Darstellung der Interviews unserer Trekkingcrew


Praktikumsbericht / -arbeit, 1999
13 Seiten

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Gliederung

1. Einleitung (Problemstellung)

2. Methoden und Ziel der Befragung

3. Ergebnisse

4. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse

5. Allgemeiner Eindruck der Berfrager/innen

6. Verbesserungsvorschläge: Versuch einer konstruktiven Kritik unserer Arbeit

Anhang

Literatur

1. Einleitung (Problemstellung)

Eine wissenschaftlich fundierte Befragung sollte zunächst eine definierte Zielrichtung verfolgen, um die Ergebnisse aus den Interviews danach quantitativ und qualitativ zu überprüfen.

Das Ziel unserer Befragung war nach unserem Verständnis zunächst die Absicht unsere Trekkingcrew, also als erstes die Menschen kennenzulernen. Über ihre Aussagen zu Fragen bezüglich ihrer sozialen und ökonomischen Konstitution, wollten wir zunächst ein Bild ihrer Existenzgrundlage, nämlich der Erwerbstätigkeit erhalten. Im Hintergrund sollten einige theoretische Fragestellungen stehen, wie sie die im folgenden zitierte Literatur bisher verfolgt hat. Antworten auf diese Fragen sollen in Kap. 3 gegeben werden.

Eine wichtige Fragestellung hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus in Nepal ist, inwieweit die Bevölkerung an den von den Touristen mitgebrachten Devisen partizipieren kann. Gibt es nennenswerte sozio-ökonomische Veränderungen durch den Trekkingtourismus ? Sind die Auswirkungen in irgendeiner Weise raumbezogen ausgeprägt, d.h. kommt es zu räumlich differenzierten sozio-ökonomischen Veränderungen (z.B. besteht nachwievor eine Diskrepanz zwischen Haupttrekkingorten, wie Kathmandu oder Pokhara und den ländlichen Regionen)? Kann der Verdienst im Trekkingtourismus eine Einkommensalternative bieten, bzw. zeigen sich hier monetäre Verschiebungen, so daß z.B. der Tourismus zur Haupterwerbsquelle wird ?

Die bisherige Datenlage, also die Forschungsergebnisse sind bislang eher als lückenhaft zu kennzeichnen, zumindest soweit wir das überschauen können. So gesehen gibt es für einzelne, lokal beschränkte Regionen Untersuchungsergebnisse oder aber die Forschungsinteressen richten sich nach konkreten Berufssparten für zusammenhängende Trekkingrouten. Eine Gesamtdarstellung für Nepal ist nicht möglich.

In unserer Befragung sollte speziell auf die sozio-ökonomische Situation unserer TrekkingCrew eingegangen werden.

FISHER konnte nachweisen, daß es aufgrund einer Hierarchisierung der Anstellungsmöglichkeiten im Trekkingbusiness unterschiedliche Verdienstmöglichkeiten gibt (FISHER, 1990, S.116). Anstellungen in einer Trekking-Crew sind als Koch (cook), Küchenhilfe (kitchen-staff ) , Träger (porter), Führer (guide) und als Crewobman (sardar) möglich.

BAUMGARTNER hat für das Rolwaling aufgezeigt, daß eine solche Hierarchisierung einen wesentlichen Faktor bei der Partizipation darstellt. Je höher man in der Karriereleiter steht, um so größer wird die Möglichkeit monetäre Zuwächse zu erzielen und um so wichtiger wird der Tourismus als Haupterwerbszweig, wobei der Fremdenverkehrssektor nicht als alleinige Alternative zur Lebenssicherung ausreicht. Demnach stellt die Landwirtschaft eine nachwievor essentielle Erwerbsmöglichkeit dar (BAUMGARTNER, 1980, S.107). Entscheidendes Kriterium ist jedoch die Saisonalität der Beschäftigung, die STEVENS wie folgt zusammenfaßt:" Some are strictly day-labor wage work. Others are careers for which men receive year-round monthly salaries and benefits" (STEVENS, S.F., 1993, S.371). Von weiterem Einfluß auf die sozio-ökonomische Situation der Trekking-Crew dürfte die Organisationsform des Trekkingtourismus haben, wie sie HAUCK beschreibt: Demnach werden die meisten organisierten Trekking-Crews in einer der zahlreichen Trekkingagenturen in Kathmandu rekrutiert. So werden beispielsweise die Träger nach Arbeitstage und Lastgewicht entlohnt, wobei sie normalerweise Abzüge (Nahrung, Vermittlungsgebühr) in Kauf nehmen müssen (HAUCK, 1996, S.46-53).

2. Methoden und Ziele der Befragung

Als Grundlage unserer Untersuchung verwendeten wir den Fragebogen einer niederländischen Soziologiestudentin, die diesen im Zusammenhang mit Ihrer Diplomarbeit erstellt hatte. Das Ziel Ihrer Arbeit war, die Einkommensverhältnisse der einheimischen Beschäftigten im Trekkingbusiness darzustellen. Wir modifizierten den vorhandenen Fragebogen, ließen Fragen weg und fügten eigene hinzu, da Fragen zu weiteren sozio- ökonomischen Hintergründen fehlten. So wollten wir beispielsweise etwas über den Besitz von Land und Tieren erfahren um damit Rückschlüsse auf mögliche Erwerbsalternativen und der gesellschaftlichen Stellung zu ziehen. Für ein face-to-face - Interview indem die Befragten nicht vorzeitig ermüden sollten, empfanden wir zu viele Fragen die nicht direkt mit der Tätigkeit im Trekkingbusiness zu tun hatten für nicht evident. Der von uns verwendete Fragebogen ist im Anhang aufgeführt.

Tabelle 1: Umfang der Trekking-Crew

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*einschließlich sardar und Trägerführer Eigene Erhebung 1999

Zuerst befragten wir die Führer, welche alle Englisch sprachen, in Einzelgesprächen. Etwas schwieriger gestaltete es sich bei den Trägern sowie den Küchengehilfen, welche kein oder nur sehr schlechtes Englisch sprachen und wo jeweils einer der Führer als Übersetzer anwesend sein mußte. Hier befragten wir zu zweit jeweils zwei Nepali mit einem Übersetzer, so das wir ein strukturiertes, offenes, standardisiertes und mündliches Interview führten. Da wir unsere Trekkingcrew nur in den Pausen, bzw. in der zur Regeneration zur Verfügung stehenden Zeit durchführen konnten und die Zeitbemessung für ein Interview bei mindestens 30 Minuten lag (Übersetzungs- und Verständigungsprobleme) konnten wir nicht die Gesamtheit unserer Begleiter befragen. Allerdings läßt sich aus der Tabelle 1 ein durchaus repräsentatives Gesamtbild der Trekkingcrew ablesen.

3. Ergebnisse

In der gesamten Trekkingcrew waren nur zwei Frauen, die als Trägerinnen arbeiteten. Sie waren 17 und 19 Jahre alt, die Jüngere war die Tochter des Trägerführers und die Ältere ihre Freundin. Sie trugen ähnliche Lasten wie die Männer und erhielten auch das gleiche Gehalt. Wie uns gesagt wurde, arbeiten meist mehr Frauen als Trägerinnen in Trekkingscrews und sehr selten als Führerinnen.

Das Durchschnittsalter der Männer lag bei den Trägern und den Küchengehilfen bei ungefähr 23, bei den Führern bei 30 Jahren. 19 der 33 männlichen Befragten lagen im Altersintervall von 20 bis 30 Jahren (s. Tabelle 2).

Tabelle 2: Altersverteilung der männlichen Trekkingcrew

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Erhebung 1999

Abb.1: Hauptherkunftsgebiet unserer Trekkingcrewmitglieder in NEPAL

Die Träger stammten fast alle aus der gleichen Region (Rasua; siehe Abb.1) und hatten keine Kontakte in Kathmandu, da sie vom Trägerführer direkt Vorort rekrutiert wurden. Nur sehr wenige Träger hatten ihre Arbeit über eine Trekkingagentur gefunden. Der größte Teil der Träger gab an, daß sie den Trägerführer kannten oder einige auch Kontakte zu einem der Führer oder dem sardar. Damit ist auch zu erklären, warum die meisten von Ihnen aus dem gleichen Gebiet stammen und keine Kontakte in Kathmandu benötigten. Die Führer und die Küchengehilfen hingegen kamen aus verschieden Ortschaften. Fast alle hatten eine Trekkingagentur in Kathmandu kontaktiert, nur wenige gaben an, daß sie die Arbeit über Beziehungen gefunden hatten.

1/3 dieser beiden Gruppen kommen aus dem Solu Khumbu und gehören zur Volksgruppe der Tamang. Alle gaben an, daß das verdiente Geld der gesamten Familie als zusätzliche Einnahme zugute kommt. Mit sehr wenigen Ausnahmen besaßen alle Familien Vieh und Land, auf dem vorwiegend Reis, Mais und Kartoffeln angebaut werden. In der Nebensaison, während des Monsuns und im Winter, geht die Mehrzahl der Beschäftigten der Trekkingcrew nach Hause um einem Erwerb in der Landwirtschaft nachzukommen.

Träger erhielten 300 Nepal Rupees (NR) (35 NR = 1 DM) am Tag und waren für ihr eigenes Essen verantwortlich. So kamen sie am frühen Mittag und abends in Gruppen zusammen und kochten sich ihr Essen über einem Holzfeuer. Ihr verdientes Geld erhalten sie nach dem Trek vom sardar. Die Küchengehilfen erhielten 200 - 350 NR am Tag, sowie Essen von der Küche. Diese Spannbreite erscheint uns ungewöhnlich, da uns keine Hierarchie innerhalb der Küchenangestellten aufgefallen ist. Die Führer erhielten $US 10 am Tag und ihr Essen wurde von der Küche gestellt. Das Gehalt erhalten sie nach dem erfolgreich abgeschlossenem Trek von der Trekkingagentur. Die meisten Träger gaben an, daß sie die Bezahlung als zu gering empfinden, die Führer hingegen bezeichneten ihr Gehalt als ausreichend. Das Gehalt hängt laut der Aussage eines der Köche auch von der Schwierigkeit des Treks ab. Zum Beispiel erhält ein Koch in den Gebieten Mustang, Dolpo und Solu Khumbu 300 NR, in Tibet 500 NR, und im Annapurna Gebiet nur 200 NR Tag. Das Tagesentgelt von 200 NR scheint uns im Vergleich zu den anderen Gehältern als unangemessen niedrig. Die Frage wäre auch in diesem Fall, ob es sich nicht um ein Übersetzungs- oder Verständnisproblem handelt.

Auf unserem Trek wurde den Trägern und Führern keine Ausrüstung, wie Jacken, Schuhe und Schneebrillen zur Verfügung gestellt. Dies erfolgt je nach Trekkingagentur erst ab einer bestimmten Höhe (nach Auskunft der Trägerführer ab 5000 mNN).

Hinsichtlich einer gewissen Berufserfahrung als Träger in einer Trekkingcrew, zeigte sich insbesondere bei den jüngeren Trägern, daß sie über wenig Erfahrung im Trekkinggeschäft verfügten. Für rund 1/3 der gesamten Befragten war unser Trek die erste Beschäftigung im Trekkingbusiness 1999. D.h. die Mehrzahl unserer Trekkingcrew hatte bereits mindestens eine Anstellung für 1999 durch den Tourismus.

In diesem Zusammenhang ist bezüglich der Partizipationsmöglichkeiten weiterer Familienmitglieder unserer Trekkingcrewmitglieder interessanterweise festzuhalten, daß bei 60% der Befragten kein weiteres Familienmitglied im Tourismus tätig ist. Somit ist die Mehrzahl unserer Interviewten innerhalb einer Familie alleiniger Nutznießer von Erwerbsmöglichkeiten im Fremdenverkehr, wobei die meisten der 60% keine weiteren Erwerbsalternativen aufwiesen, außer die eines Lastenträgers außerhalb des Trekkingtourismus.

Tabelle 3: Familienstruktur der Befragten (n=35)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Erhebung 1999

Bei Betrachtung der Familienstruktur der Befragten (siehe Tab. 3) schlägt sich das eingangs erwähnte niedrige Durchschnittsalter von 23 Jahren darin nieder, das knapp 2/3 unserer befragten Trekkingcrewmitglieder unverheiratet sind. Wobei die Frage gestellt werden darf, ob eine ortsgebundene Tätigkeit den Familienstatus anders beeinflussen würde ? Da die meisten Befragten jedoch nicht mehr als drei Monate im Trekkinggeschäft arbeiten, ist das zu bezweifeln.

Die traditionsverbundene Lebensweise scheint sich in der sich entsprechenden Anzahl der Befragten widerzuspiegeln, welche keine Kinder haben. Ferner zeigt die hohe Anzahl derer, die mehr als vier Geschwister haben diese These zu bestätigen. Wesentliche Akkulturationseffekte sind also hier weitestgehend auszuschließen.

Tabelle 4: Ethnische Herkunft unserer Trekkingcrewmitglieder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Erhebung 1999

Anhand der Tabelle 4 läßt sich nach der ethnischen Herkunft bestätigen, daß die überwiegende Anzahl der Träger über den Trägerführer rekrutiert aus einem Distrikt kommen, da es sich mehrheitlich um die Volksgruppe der Tamang handelt.

Um näher auf den sozio-ökonomischen Hintergrund unserer Trekkingcrew zu schließen, sollen die Besitzverhältnisse anhand des Nutztierbestandes dargelegt werden (siehe Tab.5).

Tabelle 5: Nutztierbestand unserer Trekkingcrewmitglieder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Erhebung 1999

Neben dem Anbau von Feldfrüchten zeigt der insgesamt hohe Anteil derer die Nutztiere besitzen, die wichtige Rolle der landwirtschaftlichen Erwerbsalternativen. Scheinbar kann die Mehrzahl unserer Befragten nicht ausschließlich vom Trekkingtourismus leben, bzw. wäre die Existenzgrundlage ohne agrarbezogene Lebenssicherung nicht zu realisieren. Da fast alle Trekkingcrewmitglieder welche Tiere besitzen, auf die Frage nach ihren Tieren sehr schnell und ohne große Überlegungen geantwortet haben, ist daraus zu schließen, wie bedeutend für sie der Besitz von Nutztieren ist. Die uns genannten wichtigsten Nutztiere sind Hühner, Kühe, Wasserbüffel und Ziegen, wobei ein Befragter auch ein Pferd besaß. Die Streuung innerhalb der einzelnen Nutztierarten ist allerdings zum Teil recht groß. Am weitesten stehen die Angaben bei den Ziegen auseinander, da uns zwischen 50 und 2 Tieren angegeben wurden. Bei den Wasserbüffeln liegen die Angaben am engsten zusammen (1 und 6 Tiere). In der Gegenüberstellung von den o.g. Besitzverhältnissen und der Betrachtung der Beschäftigungsdauer der befragten Trekkingcrewmitglieder pro Jahr (siehe Abb.2) wird zudem ersichtlich, daß die Mehrzahl der Beschäftigten den Trekkingtourismus als Nebenerwerb nutzen, d.h. der Haupterwerb liegt nachwievor in der Landwirtschaft.

Der geringste Anteil unserer Befragten arbeitet demnach mehr als 5 Monate, d.h. die meiste Zeit der Hauptsaison im Trekkingbusiness. Außerdem gaben 2 der insgesamt 35 Befragten an, daß sie das erstemal auf einem Trek arbeiten.

Ferner legten uns die meisten aus der Crew nahe, daß sie ausschließlich wegen des Geldes die Tätigkeit im Trekkinggeschäft ausüben und froh sind überhaupt Arbeit zu haben. Äußerungen das die Arbeit auf dem Feld körperlich sehr schwer ist und man deswegen versucht im Trekkingbusiness Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden, wurden uns ebenfalls gemacht. Die Küchengehilfen und die Köche gaben schlichtweg an, daß sie gerne kochen und Spaß an der Speisenzubereitung haben. Lediglich die Führer sagten uns, daß sie durch ihren Beruf einen hohen sozialen Status besitzen und deswegen gerne im Trekkingtourismus arbeiten. Ferner gaben die Führer ihre Vorstellungen an, daß sie irgendwann einmal auch sardar sein wollen. Dahingegen meinten die Träger überwiegend, mit ihrem jetzigen Berufsstatus zufrieden zu sein. Lediglich drei der befragten Träger konnten sich vorstellen, einmal Führer in einer Trekkingmannschaft zu sein.

Angabe zu Verbesserungsvorschlägen oder zu der Gefährlichkeit in Bezug auf die Berufsausübung wurden uns nicht in ausreichender Fülle gegeben. Unfälle hatten die Träger, nach deren Aussagen, selbst nie. Allerdings gaben fast aller Träger an, daß sie Unfälle anderer Träger beobachtet haben, die jedoch ohne körperliche Folgekrankheiten verliefen.

Auf die Frage, ob sie am Verhalten der Touristen irgend etwas stört, antworteten alle Befragten praktisch unisono, daß sie alles "okay" finden. Nur sehr selten hörten wir eine Äußerung der Kritik, die sich aber nach weiterem Hinterfragen als eigentlich nicht so wichtig herausstellte und somit keine Angaben bei der Beantwortung des Fragebogens ergab.

4. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse

Recht schnell mußten wir feststellen, daß sich die Befragung nicht so einfach und unkompliziert durchführen ließ. Die Gründe dafür und die vielfältigen Probleme, die bei den Interviews auftraten werden im weiteren etwas genauer dargestellt.

Die Situation, in welcher wir die Interviews durchführten, war ungünstig, da wir die Geldgeber für die Befragten waren und diese entsprechend nicht unbefangen antworteten. So waren sie meist schüchtern und befangen, und es war auffällig, daß einige der Führer und des Küchengehilfe fast verstummten, wenn ihr Vorgesetzter, der sardar, in Hörweite kam. Diesbezüglich schienen die Träger unbefangener zu sein. Vielleicht weil sie weniger zu verlieren hatten. Es war eine deutliche Hierarchie auszumachen: sardar, Führer, Küchengehilfe, Träger. So wäre es wenig sinnvoll gewesen, wenn der sardar für uns übersetzt hätte, obwohl es vom sprachlichen her die bestmögliche Variante gewesen wäre. Aber auch mit den Führer schien es nicht problemlos zu sein, da auch sie in der Hierarchie höher standen. Wie ein Führer uns mitteilte, kamen zu den Übersetzungsschwierigkeiten Englisch- Nepali noch Verständigungschwierigkeiten aufgrund der verschiedenen Dialekte hinzu. So konnten wir uns nie sicher sein, ob eine Frage vom Übersetzer richtig verstanden wurde und auch beim Befragten richtig ankam. Öfters war auch die Antwort aufgrund des schlechten Englisch mehr zu erahnen als wirklich zu verstehen. Da nur wenige der Mannschaft gut Englisch sprachen, und der sardar aus zuvor genannten Gründen nicht als Übersetzer in Frage kam, hatten wir nur zwei der Führers die uns beim Übersetzen halfen.

Für alle Befragten, vor allem aber für die Träger, war es eine sehr ungewöhnliche und sicher auch etwas unangenehme Situation, von uns befragt zu werden. Wir merkten, daß es vielen etwas peinlich war, im Mittelpunkt zu stehen und nach ihrer eigenen Meinung und Situation befragt zu werden. Aber es gaben alle bereitwillig Auskunft und waren neugierig, was wir da machten. Einige unserer Fragen waren oft nicht verständlich zu machen, und wurden von uns schließlich herausgelassen, was zu lückenhaften Ergebnissen führte. Zum Teil lag dies daran, was für Fragen wir stellten und wie wir sie stellten. Einige uns interessant und wichtig erscheinende Fragen waren für die Nepali schlichtweg unverständlich, z.B. Fragen nach Vorschlägen wie ihre Situation verbessert werden könnte, was ihnen am Verhalten der Touristen gefällt oder nicht gefällt, oder warum sie gerade diese Arbeit machen. Dies kann sicher mit den unterschiedlichen Kulturen begründet werden. Die Fragen sind von unserem europäischen Denken geprägt und waren nicht auf die nepalesischen Verhältnisse abgestimmt. Die Menschen scheinen zufriedener zu sein mit dem was sie machen, haben weniger Wahlmöglichkeiten und nehmen ihre Situation eher als gegeben hin. Zum Teil lag es sicher auch hier daran, daß wir zu diesem Zeitpunkt ihre Geldgeber waren und teilweise Vorgesetzte die Antworten mitbekamen.

5. Allgemeiner Eindruck der Befrager/innen

Hier sollen kurz ein paar subjektive Eindrücke dargestellt werden. Das wir die Befragung durchführten, war für die Nepali und auch für uns eine ungewöhnliche Situation und für diese sicher auch eine kleine Attraktion. Alle waren etwas schüchtern und befangen, doch auch neugierig. Unsere Fragen kamen ihnen teilweise seltsam und ungewöhnlich vor, sowie wir ihre Reaktionen interpretieren. Bei den Führern, die uns als Übersetzer halfen hatten wir den Eindruck, daß sie es gerne taten und es ihnen angenehm war uns zu helfen und eine wichtige Position zu haben. Zuerst befragten wir die Nepali einzeln, gingen dann aber bei den Trägern dazu über immer zwei zusammen zu befragen, da wir den Eindruck hatten, daß sie sich dann etwas sicherer fühlen. Bei den meisten Interviews standen Träger um uns herum. Manchmal entstand nach einer Frage eine längere Diskussion mit viel Gelächter unter den Nepali, ohne daß wir wußten worum es ging und auch ohne daß wir eine Antwort auf unsere Frage erhalten hätten. Wir waren uns oft nicht sicher, ob die Frage richtig verstanden wurden. Einige Fragen namen wir im Laufe der Befragung heraus, wenn es nach mehrmaligen Erklären nicht verständlich wurde. Zum Beispiel die Frage nach der Größe des Landbesitzes. Dort erhielten wir Angaben wie „von der einen Seite des Hügels bis zur anderen".

Die Arbeit als Träger scheint in der Gesellschaft nicht hoch geschätzt. Nach Angaben einzelner Führers ist es schwierig mit den Träger zu arbeiten, da sie meist keine Bildung haben und auf dem Trek an nicht viel mehr als den täglichen Ausgangsort und Zielort denken. Es war auch ein deutlicher Unterschied in der Kleidung auszumachen. Die Führer und der Küchengehilfe/Koch waren nach unseren Maßstäben zum größten Teil gut ausgestattet mit westlicher Kleidung und festes Schuhwerk. Die Träger hingegen liefen barfuß oder mit Flipflop Sandalen und verschlissener Kleidung.

Auf jeden Fall zeigten uns die Interviews was für vielfältige Probleme auftreten können, und wie schwierig es ist, auf diese Weise genügend Daten zu erhalten.

6. Verbesserungsvorschläge: Versuch einer konstruktiven Kritik unserer Arbeit

Um bei einer Befragung wie der von uns durchgeführten bessere Ergebnisse zu erhalten, scheinen bei der Durchführung der Befragung einige Veränderungen notwendig. Die Befragung sollte in einer unabhängigeren Situation, d.h. in einer möglichst ungezwungeneren Atmosphäre stattfinden. Menschen zu befragen die auf unserer Geld existentiell angewiesen sind, welches wir als devisenbringende Touristen geben und vor Ort lassen, können aufgrund dieser Abhängigkeitsbeziehung nicht unbefangen sein, auch wenn sie vielleicht auf kritische Hinterfragungen eingegangen wären. Um hier Ergebnisse zu verbessern müßte diese Situation durchbrochen werden, zumindest aufgelockert werden, indem die Befrager nicht in unmittelbar direkter wirtschaftlicher Beziehung mit den Befragten stehen. Sicherlich wird man selbst als wissenschaftlich tätiger Mensch in einem Drittweltland als potentieller Geldbringer betrachtet werden und niemals frei von solchen ökonomischen Gebundenheiten oder Angewiesenheit sein. Doch die Beziehung der Interviewpartner (Befrager - Befragte) müßten nicht so drastisch ausgerichtet sein, vielleicht wenn man an einem vereinbarten Ort auf einen organisierten Trek stößt und dort die Zeit findet eine Trekkingmannschaft zu befragen, also als kurzfristig und offensichtlich dazugekommener, finanziell Aussenstehender. Wenn eine solche umfangreiche Befragung durchgeführt werden soll, ist ferner zu überlegen, ob an der Interviewmethode etwas zu ändern ist, sollen oder lassen sich die Fragen nur während eines Treks durchführen. Die Schaffung einer „künstlichen" Situation, also das durch die Trägerführer zelebrierte offizielle „Ritual" ein paar Träger auszusuchen, die gerade Zeit haben und die sich dann zu einem strukturierten Interview nach ablesen eines Fragebogens einfinden sollte aufgelockert werden. Mit sicherlich mehr Aufwand sollten die Fragen "im Kopf" der Interviewer sein, um dann vielmehr ein nicht strukturiertes, also praktisch als „normales plaudern getarntes" Gespräch zu führen. Von wesentlichem Vorteil dabei wäre, wenn der Fragende Nepali spricht, da die Methode sonst bei nicht Englisch sprechenden Trägern nicht funktioniert. Gute Gelegenheiten hätten sich in den jeweiligen Abendlagern in einer ruhigeren Situation genügend ergeben (konnten von uns halt nur „mit Händen und Füßen" praktiziert werden).

Vielleicht hätten auch bessere Ergebnisse erzielt werden können, wenn der Fragebogen in seinem Umfang noch weiter gekürzt worden wäre. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, daß die Geduld der Befragten während der Interviews nach unseren Maßstäben schnell erschöpft war. Ein Fragebogen der sich in 10-15 Minuten beantworten ließe, schien oftmals sinnvoller, bzw. fruchtbarer für den Ergebnisgewinn.

Außerdem ist zu diskutieren, ob einige unserer Fragen nicht zu persönlich waren, d.h. bei den Befragten eine Intimitätsgrenze überschritten wurde. Vielleicht läßt sich die vorgefundene Befangenheit auch in diese Richtung interpretieren.

Erheblich erleichtern würde die Befragung auch, wenn ein ausgewiesener Dolmetscher mitarbeiten würde.

Unsere Ausführungen zu unseren Erfahrungen während der durchgeführten Interviews sollen nicht demoralisieren oder gar die Durchführung einer von unserer niederländischen Kommilitonin angestrebten Diplomarbeit verwerfen, sondern konsequenterweise unsere möglichen Fehler hinterleuchten um ein erkenntnisreicheres, weil optimierteres Arbeiten ermöglichen.

ANHANG

Fragebogen

1. Name, age, district
2. What is your job on this trek?
3. How many times a year are you on a trek?
4. How long ago was your last trek?
5. Family: are you married; do you have children; How many sisters and brothers; cast
6. Do you own land / livestock?
7. How many members of your family are working in the Trekking business?
8. For whom do you have to earn money?
9. When and for how long do you go home?
10. Do you know anybody in Kathmandu?
11. Why did you want to be Treking Träger / staff member?
12. Do you also work as Träger outside the Trekking business?
13. Do you also do other jobs?
14. How did you find your job (through trekking agency)?
15. Do you think it is hard to find a job?
16. How could it be easier to find a job?
17. Can you tell a story about a happy event on a trek?
18. Can you tell a story about something you didn’t like on a trek?
19. Did you ever have an accident ? If yes, what happened ?
20. Salary: how much money per day/ including food/ who pays them and when/ do you think it is enough/ do you have an insurance?
21. Do you get gear provided from the trekking agency?
22. Where do you sleep while you are on a trek? What do you think about it?
23. What would you like to be improved? (What would make the job more enjoyable?)
24. Is there anything you don’t like about the behavior of tourists?

LITERATUR

BAUMGARTNER, R. (1980): Trekking und Entwicklung im Himalaya. Die RolwalingSherpa in Ost-Nepal im Dilemma zwischen Tourismus und Tradition. Verlag Rüegger: Diessenhofen (Schweiz). (= Konkrete Fremde, 2)

FISHER, J.F. (1990): Sherpas. Reflections on change in Himalayan Nepal. University of California Press: Berkeley, Los Angeles, Oxford.

HAUCK, D. (1996): Trekkingtourismus in Nepal. Kulturgeographische Auswirkungen entlang der Trekkingrouten im vergleichenden Überblick. In: Eichstätter Geographische Arbeiten, Bd.8. Geobuch: München

STEVENS, S.F. (1993): Claiming the high ground. Sherpas, subsistence, and environmental change in the highest Himalaya. University of California Press: Berkeley, Los Angeles, Oxford.

13 von 13 Seiten

Details

Titel
NEPAL-EXKURSION 1999 - Darstellung der Interviews unserer Trekkingcrew
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Autor
Jahr
1999
Seiten
13
Katalognummer
V97583
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nepal, Trekkingtourismus, Interview
Arbeit zitieren
Martin Reiss (Autor), 1999, NEPAL-EXKURSION 1999 - Darstellung der Interviews unserer Trekkingcrew, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97583

Kommentare

  • Gast am 13.5.2002

    fragen zur exkursion.

    hallo martin,

    ich hab mal ein paar fragen über eure exkursion, ich bin selbst auch geographie-student und reise diese jahr nach nepal um eine arbeit über den tourismus zu schreiben.
    schick mir mal deine e-mail adresse

    danke jan

  • Gast am 12.6.2002

    Re: fragen zur exkursion.

    |
    |jan schrieb:
    ||hallo martin,
    |
    |ich hab mal ein paar fragen über eure exkursion, ich bin selbst auch geographie-student und reise diese jahr nach nepal um eine arbeit über den tourismus zu schreiben.
    |schick mir mal deine e-mail adresse
    |
    |danke jan

    meine email: mreiss2@web.de

    p.s.: sorry, aber ich habe durch zufall von deiner anfrage erfahren.

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