Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Linguistics

Das Konfliktpotential sprachlicher Perspektivierungen von Wirklichkeit

Eine linguistische Analyse agonaler Zentren anhand von agrégations

Title: Das Konfliktpotential sprachlicher Perspektivierungen von Wirklichkeit

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Miriam Kohl (Author)

German Studies - Linguistics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Über Sprache entwickeln wir eine Vorstellung davon, was für uns „wahr“ ist.“ Hinter dieser unproblematisch wirkenden Aussage von Brosda verbirgt sich die Thematik einer komplexen Verwicklung von Sprache und Wirklichkeit, die Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit bildet.

Indem der Mensch in erster Linie mit sprachlichen Zeichen auf seine Umgebung referiert, kommt dem Medium Sprache eine zentrale Rolle bei unserer Wahrnehmung sowie Wissenskonstitution zu. Bedenkt man darüber hinaus, dass Sachverhalte vor allem durch allgemeingesellschaftliche Diskurse und somit durch Sprache vermittelt werden, erscheint eine Analyse der Bedeutung von Sprache für die Konstitution der Wirklichkeit von besonderer Relevanz. Aus diesem Grund ist das Ziel linguistischer Untersuchungen in erster Linie, den Prozess der Wissenskonstitution unter Betrachtung von sprachlichen Oberflächen in Teilen offen zu legen.

Vor diesem Hintergrund bieten sprachliche Auseinandersetzungen mit dem Werk „Der Einzige und sein Eigentum“ von Max Stirner wegen der enthaltenen radikalen Thesen Stirners reichlich Konfliktpotential und können somit eine produktive Untersuchung fundieren. Anhand von „agrégations“, die sich mit dem Werk beschäftigen, sollen Themengebiete mit Konfliktpotential eruiert und konträre Perspektivierungen auf Sachverhalte in Form von agonalen Zentren definiert werden.

In diesem Sinne wird in einem ersten Teil der Arbeit eine Definition von agonalen Zentren nach Felder vor dem Hintergrund der Verwicklung von Sprache und Wirklichkeit erarbeitet. Zur Nachvollziehbarkeit der Analyse wird anschließend die Vorgehensweise bei der Eruierung von agonalen Zentren sowie der Untersuchungsgegenstand der agrégations expliziert. Die darauffolgende Analyse legt den Schwerpunkt auf vier agonal verhandelte Konzepte, die einerseits das Konfliktpotential der Thematik und andererseits Varianten der sprachlichen Manifestation von Agonalität aufzeigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Agonalität und agonale Zentren

2.2 Vorgehen der Analyse und Untersuchungsgegenstand

3 Analyse

3.1 Agonale Thematisierung von Heteronomie: >Heteronomie ist notwendig< vs.>Heteronomie muss überwunden werden<

3.2 Agonale Thematisierung von Politik: >Politik als Form von Unterdrückung< vs. >Politik als Form von Freiheit<

3.3 Agonale Thematisierung von Moral: >Moral ist unverzichtbar < vs. >Moral ist entbehrlich<

3.4 Agonale Thematisierung von Egoismus: >Egoismus hat negative Konsequenzen< vs. >Egoismus hat positive Konsequenzen<

4 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Prozess der Wissenskonstitution durch Sprache zu untersuchen und dabei agonalen Zentren als Mittel zur Aufdeckung konkurrierender Perspektiven auf die Wirklichkeit zu analysieren. Anhand von agrégations, die sich mit Max Stirners Werk "Der Einzige und sein Eigentum" befassen, wird erforscht, wie sprachliche Mittel in diskursiven Auseinandersetzungen genutzt werden, um gesellschaftlich strittige Sachverhalte zu manifestieren und Konfliktpotentiale zu verdeutlichen.

  • Die theoretische Fundierung agonaler Zentren und deren Bedeutung für die Wirklichkeitskonstitution.
  • Die Analyse von Sprachmitteln zur Eruierung agonaler Zentren in Klausurtexten.
  • Untersuchung von Konfliktpotentialen rund um die Konzepte Freiheit, Zwänge, Gesellschaft und Individuum.
  • Systematische Einteilung von Kontrastierungen in die Kategorien Heteronomie, Politik, Moral und Egoismus.
  • Aufzeigen der sprachlichen Manifestation von Agonalität durch explizite Gegenüberstellung, lexikalische Kontraste und Negation.

Auszug aus dem Buch

3.1 Agonale Thematisierung von Heteronomie: >Heteronomie ist notwendig< vs.>Heteronomie muss überwunden werden<

Das Konzept der Heteronomie wird bereits in der Aufgabenstellung benannt und aus diesem Grund in den agrégations verstärkt diskutiert. Max Stirner plädiert in seinem Werk Der Einzige und sein Eigentum für die Überwindung von Zwängen, die sich beispielsweise in Moralvorstellungen oder gesellschaftlichen Pflichten äußern, und suggeriert somit, dass der Mensch nicht fremdbestimmt leben soll. Die Frage nach der Rolle von Heteronomie wird folglich vor dem Hintergrund der handlungsleitenden Konzepte Individuum und Gesellschaft sowie Freiheit und Zwänge besprochen. Deutlich wird die agonale Thematisierung beispielsweise in den folgenden Aussagen:

Man kann also behaupten, dass es Stirner um die Befreigung [sic] des Menschen von äusseren und inneren Zwänge ging, damit auch um eine Überwindung jeglicher Form von Heteronomie. Doch die Tatsache, dass die Konsequenz für Stirner nicht Unmenschlichkeit und Chaos bedeutete, weist darauf hin, dass doch noch, auch wenn Stirner es nicht explizit sagt, in der Gemeinschaft der Eigner eine gewisse Form von Heteronomie entstehen müsste. (A000075314)

Hier führt die zweifache Verwendung des konzessiven Adverbkonnektors doch zu einer expliziten Gegenüberstellung der Sachverhalte >Heteronomie muss überwunden werden< und >Heteronomie ist notwendig< und verweist somit auf die agonale Perspektivierung von Heteronomie. Der Einschub „auch wenn Stirner es nicht explizit sagt“ verstärkt in Form einer Negation das agonale Verhältnis, indem ausgedrückt wird, dass der Sachverhalt >Heteronomie ist notwendig< auch ohne Explizieren des Autors gilt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Verwicklung von Sprache und Wirklichkeit als Ausgangspunkt der Arbeit und definiert die Untersuchung von agonalen Zentren als Methode zur Aufdeckung konkurrierender Perspektiven.

2 Theoretische Grundlagen: Hier wird die Theorie der agonalen Zentren vor dem Hintergrund der Wirklichkeitskonstitution hergeleitet und das methodische Vorgehen sowie der Untersuchungsgegenstand (agrégations) expliziert.

3 Analyse: Das Hauptkapitel untersucht anhand von vier Kategorien – Heteronomie, Politik, Moral und Egoismus – wie in den analysierten Texten Konfliktpotential durch sprachliche Indikatoren wie Konnektoren und Negationen manifestiert wird.

4 Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert über die Rolle der untersuchten Konzepte für die Textproduktion sowie die Grenzen und Möglichkeiten einer Erweiterung der Untersuchung.

Schlüsselwörter

Agonalität, agonale Zentren, Wirklichkeitskonstitution, Max Stirner, agrégations, Heteronomie, Politik, Moral, Egoismus, sprachliche Perspektivierung, Diskursanalyse, Textlinguistik, Freiheit, Zwänge, handlungsleitende Konzepte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von Konfliktpotentialen in sprachlichen Äußerungen, wobei agonalen Zentren als zentrale Analyseschlüssel dienen, um konkurrierende Weltanschauungen in Diskursen sichtbar zu machen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themenfelder sind die vier Kategorien Heteronomie, Politik, Moral und Egoismus, die als Teilbedeutungen der übergeordneten Konzepte Freiheit, Zwänge, Gesellschaft und Individuum betrachtet werden.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, durch die Untersuchung von lexikalischen und grammatischen Mitteln in agrégations (Klausurtexten) den Prozess der Wirklichkeitskonstitution und die agonalen Aushandlungsprozesse zu explizieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine linguistische Diskursanalyse durchgeführt, die auf der Theorie agonaler Zentren nach Felder basiert und diese mittels dreier Dimensionen der Agonalität (explizite Gegenüberstellung, lexikalische Kontrastierung, Negation) operationalisiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert konkret, wie in den Texten Kontraste zu Stirners Thesen durch sprachliche Indikatoren wie Konnektoren (z.B. "doch", "sondern") und Negationen erzeugt werden, um die oben genannten vier Themenbereiche agonal zu verhandeln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Agonalität, Wirklichkeitskonstitution, Diskursanalyse, handlungsleitende Konzepte und die zentralen Themenbereiche um Stirners Philosophie charakterisiert.

Inwiefern beeinflusst das Format "agrégation" die Analyse?

Da es sich bei den agrégations um von einem Ministerium gestellte Klausuraufgaben handelt, sind die Texte stark durch die vorgegebene Aufgabenstellung zu Stirners "Der Einzige und sein Eigentum" gerahmt, was die Themenwahl und Argumentationsstruktur der Verfasser lenkt.

Warum ist die Analyse von Stirners Werk für agonale Zentren besonders ergiebig?

Stirners radikale Thesen, die den Bruch mit konventionellen Moralvorstellungen und gesellschaftlichen Strukturen fordern, provozieren starke, in Sprache manifestierbare Kontraste zu gesellschaftlich anerkannten Normen und bieten daher ein hohes Potential für agonale Zentren.

Welche Rolle spielen die Konnektoren in dieser Untersuchung?

Konnektoren, insbesondere adversative und konzessive wie "doch" oder "sondern", sind essenzielle Indikatoren, da sie explizite Gegenüberstellungen von Sachverhalten schaffen und somit den Wettkampf um Ereignisdeutungen sprachlich greifbar machen.

Excerpt out of 26 pages  - scroll top

Details

Title
Das Konfliktpotential sprachlicher Perspektivierungen von Wirklichkeit
Subtitle
Eine linguistische Analyse agonaler Zentren anhand von agrégations
College
University of Heidelberg
Grade
1,0
Author
Miriam Kohl (Author)
Publication Year
2019
Pages
26
Catalog Number
V975830
ISBN (eBook)
9783346320797
ISBN (Book)
9783346320803
Language
German
Tags
konfliktpotential perspektivierungen wirklichkeit eine analyse zentren
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Miriam Kohl (Author), 2019, Das Konfliktpotential sprachlicher Perspektivierungen von Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975830
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  26  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint