Zum Wandel der Kindheit vom Ausgang des Mittelalters bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts


Ausarbeitung, 1997

7 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Die Entdeckung der Kindheit
2.1.1. Die ,,Entstehung" der Kindheit
2.1.2. Entwicklung und Wandel des Familiensinns
2.1.3. Die Entstehung der Pädiatrie
2.1.4. Entstehung der familialen und institutionellen Erziehung
2.2. Kindheit und soziale Schicht
2.2.1. Die ,,erziehenden" Pädagogen
2.2.2. Die bürgerliche Kindheit
2.2.3. Emotionale Zuwendung mit doppelten Gesicht
2.2.4. Von der Familie zur staatlichen Institution
2.2.5. Die unbehütete Kindheit
2.2.6. Die verlorene Kindheit
2.3. Zum Wandel von Kindheitskonzepten
2.3.1. Das Kind zwischen Göttlichkeit und Verdorbenheit
2.3.2. Das Kind als Objekt der Wissenschaften
2.3.3. Zwischen Forschungsdesign und Sozialisationsforschung

3. Fazit
3.1. Die Frage nach der ,,richtigen" Forschung
3.2. Das ,,Hausfrauen-Kind"
3.3. Die ,,Erziehung"

1. Einleitung

Karl Neumann versucht in seinem Text ,,Zum Wandel der Kindheit..." zum einen historiographisch die Kindheitsforschung, zum anderen die Kindheiten vergangener Epochen darzustellen.

Dazu zitiert Neumann Aussagen aus ca. 90 Textquellen, die er verarbeitet und aneinander abgeschätzt hat, weshalb dann auch teilweise widersprüchliche Thesen in seinem Text vorkommen.

Ein Problem bei der Wiedergabe seines Textes in Form eines Referates ist es, nicht allzusehr auf einzelne, erwähnte Thesen einzugehen (weil dies nicht das Ziel des Referates ist), und trotzdem möglichst nicht die Argumentationen fremder, eingebrachter Autoren unbeachtet zu lassen.

2.1. Die Entdeckung der Kindheit

2.1.1. Die ,,Entstehung" der Kindheit

- These: ,,Das Kind ist Kind geworden"; zu Beginn des industriellen Zeitalters
- die ,,Erwachsenheit" der modernen Gesellschaften ist für Kinder abstrakt und unverständlich, daher muß das Kind kindlich sein. (These)
- die Einstellung gegenüber Kindern und ihren Lebensbedingungen gewandelte sich vor allem im Bürgertum
- im Mittelalter gab es die keine ,,Kindheit" als eigenständigen Lebensabschnitt

2.1.2. Entwicklung und Wandel des Familiensinns

- Entstehen des Familiensinns ist erst für das 16. JH nachweisbar
- im 17. JH entstand eine neue Form der ,,bürgerlichen Familie", die ihren Alltag zunehmend um das Kind zentrierte.
- Aufforderung zur Erziehung nach Pädagogen, Medizinern und Moralisten
- Rückschritt gegenüber der mittelalterlichen Offenheit, Indifferenz (These)
- Entwicklung einer familialen Privatsphäre
- das Leben in der Großfamilie und der Sozialität wich der Kernfamilie
- der Individualismus wurde wichtiger, ebenso wie auch die Förderung der kindlichen Entfaltung
- die Familie entwickelte sich von einem Ort des Zwanges und der Unterjochung des Individuums zu einem Zufluchtsort, an dem man sich vor der Umwelt verbergen konnte
- neue ökonomische Strukturen führten zu neuem Verhältnis zwischen Individuum und Gruppe; Kind konnte um seiner selbst willen geliebt werden
- seit dem Ende des 14. JH.: Verlangen in den wohlhabenderen städtischen Schichten, die Kinder vor Krankheit und Unglück bewahren zu müssen

2.1.3. Die Entstehung der Pädiatrie

- Einstellung zum individuellen Körper - so auch des Kindes - änderte sich
- medizinisch-pädagogische Ratgeberliteratur entstand erste Hälfte des 16. JH

2.1.4. Entstehung der familialen und institutionellen Erziehung

Durch die Erziehung sollte kontrolliert auf die Kinder eingewirkt werden:

1) Erwachsenenverhalten ist eine Konsequenz der Entwicklung in der Kindheit
2) die Familie allein konnte keine ausreichend gute Bildung gewährleisten

Es vollzog sich historisch ein doppelter Übergang:

1) von der Groß- zur Kernfamilie
2) von gemeinschaftlicher Sozialisation zu einer öffentlichen Erziehung in der Schule, die in die Gesellschaft integrieren soll (Eingliederung zu Integration)

2.2. Kindheit und soziale Schicht

2.2.1. Die ,,erziehenden" Pädagogen

- im 18. Jahrhundert gelangt das Kind zu einer eigenständigen Lebensform, wobei es der Verfügungsgewalt der Pädagogen unterstellt ist, welche sich als Anwälte der Autonomie der Kindheit und der Erziehung verstehen
- Erziehung ein Mittel, mit dem Kinder dem jeweils für gut befundenen Verhalten angepaßt werden können
- selbst Rousseau stellte sich eine naturgemäße wie vernunftgeleitete Erziehung vor, wobei er antiständisch dachte

2.2.2. Die bürgerliche Kindheit

- neues Leitbild von Kindheit im 19. JH durch gesellschaftliche, politisch-ökonomische und kulturelle Veränderungsprozesse
- schichtspezifische Kindheit mit unterschiedlichen Sozialisations- und Erziehungspraktiken und Erziehungszielen, dadurch verschiedene Khen
- für die, die sich den Idealtypus bürgerlicher ,,Familienkindheit" leisten konnten, entstand eine eigene Kinderkultur, eine eigene Kinderwelt, die vor dem Eintritt in die Erwachsenenwelt durchlaufen werden sollte
- entsprechende familialen und instutionellen Voraussetzungen wurden geschaffen (,,Familien"- und ,,Schulkindheit")
- eigenes Sozialisations- und Erziehungsfeld geschaffen, in dem das Kind die mütterliche Liebe, die väterliche Autorität, kontinuierliche emotionale Zuwendung und pädagogische Aufmerksamkeit erfuhr
- von Arbeit freigestellt; konnte behütet spielen
- Literatur für und über Kinder entstand; Kinderstuben wurden eingerichtet

2.2.2.1. Emotionale Zuwendung mit doppeltem Gesicht

- emotionale Zuwendung mit doppeltem Gesicht, weil im Vordergrund stand, die Kinder für den wirtschaftlich-gesellschaftlichen Erfolg auszurüsten
- seit 16. JH Erziehung zur Individualität des Kindes durch Zwang und Freiheit
- Erziehung mit Liebe und Dressur

2.2.2.2. Von der Familie zur staatlichen Institution

- im 19. JH: bürgerlich-privatisierte ,,Familienkindheit" zur ,,Schulkindheit"
- Erziehungsprinzipien wie Pünktlichkeit, Gehorsam, Frömmigkeit und Selbstdisziplin wurden für die Bildung des Bürgers unbedingt erwartet
- Tabuiesierung der Sexualität

2.2.3. Die unbehütete Kindheit

- ,,Straßen"- und ,,Kinder-Kindheit" mit Familienorganisation, in der jedes Mitglied durch Arbeit zum Existenzminimum der Familie beisteuern mußte
- die ,,Schule" war das Leben selbst
- ihr Sozialisationsumfeld war die Gasse, Straße, Hof, Feld oder Garten
- häufig sich selbst überlassene Kinder (Elternteile arbeiteten)
- lebten eine an kollektiven Gruppennormen ausgerichtete ,,Kinder-Kindheit"
- im Sinne bürgerlicher Kindheitskriterien Kinderzeit eine Zeit ohne Kindheit; im schlimmsten Fall eine Aufzehrung der Kinderjahre unter Arbeitszwang

2.2.1. Die verlorene Kindheit

- Kinder des bäuerlichen und städtischen Proletariats: um ihre Kindheit betrogen
- rücksichtslose Ausbeutung in Manufakturen, in Handel und Gewerbe, in der Heimindustrie und der aufstrebenden frühkapitalistischen Industrie
- von der frühkapitalistisch-bürgerlichen Gesellschaft als moralisch gerechtfertigt angesehen
- erst Mitte des 19. JH Einschränkungen und Ende des JH generelles Verbot

2.3. Zum Wandel von Kindheitskonzepten

2.3.1. Das Kind zwischen Göttlichkeit und Verdorbenheit

- Kindheitskonzept-Wandlung von religiös-anthropologischen Leitvorstellungen zu immer differenzierterem Wissenschaftswissen
- in der religiösen Anthropologie entwickelten sich Utopien vom Kind: Das Kind als Friedensund Freiheitsbringer; der Erlöser als Kind
- andere Seite: Kindsein als Zeit, die möglichst rasch zu überbrücken sei
- Perfektionsvorstellungen und Mystifikation - radikale Sündenverderbtheit
- natürlicher Eigenwille: nach der pietistischen Pädagogik zu brechen

2.3.2. Das Kind als Objekt der Wissenschaften

- Gesetzmäßigkeiten des physischen und psychischen Wachstums, die Kinder-krankheiten, Ernährung, etc. wurden Gegenstand wissenschaftlicher Unter-suchungen, die sich zu wissenschaftlichen Spezialdisziplinen erweiterten
- im 19. JH gewann die Kindermedizin stark an Bedeutung; wissenschaftliches Wissen wurde stärker in der kindlichen Sozialisation berücksichtigt
- kindermedizinisches Expertenwissen in Familienleben und Schule integriert

2.3.3. Zwischen Forschungsdesign und Sozialisationsforschung

- trotz Fortschritte in der Kindheitsforschung wurde der Gedanke der ,,Natur des Kindes" (aus der Aufklärungspädagogik) übernommen
- in der Aufklärungspädagogik: Kind bei der Geburt schwach und hilflos, aber auch gesund und unschuldig; von Natur aus heiter, lebhaft, wißbegierig und voller Bewegungsdrang · Krankheit, Bosheit, Faulheit, Traurigkeit und Sexualität werden nicht der kindlichen Natur zugesprochen, sondern sind Resultate äußerer Einflüsse, schlechter Erziehung und mangelnder Aufsicht (Kontrolle) über das Kind
- methodischer Versuch, die kindliche Entwicklung in Entwicklungsständen meßbar zu machen (Kind als meßbarer Gegenstand...)

3. Fazit

Die Frage nach der ,,richtigen" Forschung

Zusammenfassend möchte ich eine zusammenfassende Zusammenfassung davon zusammenfassen, was der Autor mit seinem Text bewirken wollte:

Neumann wollte die Ergebnisse von verschiedenen Autoren, die sich mit der historischen Kindheit befaßten, in einem Text zusammenfassen und widersprüchliche Thesen aneinander abwägen, wobei er manch eine Gegensätzlichkeit offen ließ.

Das ,,Hausfrauen-Kind"

Rousseau wird in dem Text erwähnt, als ,,Pädagoge der Aufklärung", antiständisch, etc

Was Neumann allerdings nicht erwähnt, ist die andere Seite der rousseau'schen Schriften, nämlich, daß das weibliche Kind anders erzogen werden sollte, als ,,DAS KIND", von dem in Neumanns Text die ganze Zeit die Rede ist. Das Mädchen in der Zeit der Aufklärung (und auch später) sollte zur Hausfrau erzogen werden.

Was meiner Meinung nach zumindest zu erwähnen wäre, ist, daß mit ,,Kind" in erster Linie der Junge gemeint ist.

Die ,,Erziehung"

Unabhängig vom Text möchte ich den Leser dazu auffordern, sich Gedanken zum Wort ,,Erziehung" zu machen.

Historisch gesehen (seit der Entdeckung der Notwendigkeit von Erziehung) war (ist?) sie immer Mittel zum Zweck.

Man wollte (will?) Kinder in die bestehende Gesellschaft integrieren (bzw. einordnen).

Die Erziehung bestand (besteht?) aus einem Kompromiß von ,,Zwang und Freiheit", ,,Liebe und Dressur".

,,Erziehung" kann auch verstanden werden als jemanden ,,zurecht erziehen".

Jemanden formen, aus seiner natürlichen, individuellen, groben Form herauslösen und zu einem gesellschaftsfähigen Individuum zurechtmeißeln.

Hier mal etwas abschneiden, dort mal etwas ankleben...

Solange ,,ziehen", bis dem Erzieher das Kind ,,recht" ist.

Es stellt sich die Frage, ob die heutige Pädagogik so gut ist, und ob es überhaupt eine ,,gute Pädagogik" gibt.

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Details

Titel
Zum Wandel der Kindheit vom Ausgang des Mittelalters bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Autor
Jahr
1997
Seiten
7
Katalognummer
V97599
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begriff der Kindheit im Wandel
Arbeit zitieren
Emil Franzinelli (Autor), 1997, Zum Wandel der Kindheit vom Ausgang des Mittelalters bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97599

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