Übergänge in die Verselbstständigung. Unterscheidung vom Übergang der Jugendhilfe in die Verselbstständigung im Fall der "Care Leaver" von Age Mates


Hausarbeit, 2020

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Care Leaver und Age Mates
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Care Leaver
2.1.2 Age Mates
2.2 Zentrale Lebensphasen
2.2.1 Jugendalter
2.2.2 junges Erwachsenenalter
2.3 Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede
2.3.1 Gemeinsamkeiten
2.3.2 Unterschiede
2.3.3 Zusammenfassung

3. Übergang in die Verselbstständigung
3.1 Begriffsklärung
3.1.1 Übergänge
3.1.2 Verselbstständigung
3.2 Vergleich der Übergänge
3.2.1 Motivation
3.2.2 Durchführung
3.2.3 Ausblick auf die Zukunft

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn man Übergänge betrachtet, erscheinen sie wie eine Brücke zwischen zwei Phasen – man geht von einer in die andere über. Das ist der zentrale Themenpunkt, der in dieser Arbeit behandelt wird. Es gibt eine Vielzahl an Übergängen in den verschiedensten Lebensbereichen und -phasen. Auf den folgenden Seiten soll es sich jedoch um einen bestimmten Übergang handeln: den Übergang in die Verselbstständigung. Dieser wird im Hinblick auf zwei Gruppen betrachtet, das sind die Care Leaver und ihre Age Mates. Somit wird deutlich, dass dieser Übergang zum Teil die Jugendhilfe miteinbezieht. Im Zentrum steht die Frage, inwiefern sich die Gruppen bei dem Übergang in die Verselbstständigung voneinander unterscheiden.

Um diese Frage beantworten zu können, werden zunächst die Begriffe „Care Leaver“ und „Age Mates“ definiert. Dem folgt die Darstellung der beiden vom Übergang betroffenen Lebensphasen, der Jugend und dem jungen Erwachsenenalter. Daraufhin werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gruppen, bezogen auf die Phasen, herausgearbeitet und zusammengefasst. Somit wird ein Überblick über die Entwicklungsaufgaben und besondere Schwierigkeiten bzw. Unterschiede der beiden Gruppen geschaffen. Dem folgt die Thematisierung der Übergänge. Hierbei werden zunächst die beiden zentralen Begriffe „Übergang“ und „Verselbstständigung“ definiert. Der Vergleich der Übergänge beider Gruppen wird als Nächstes ausgearbeitet. Dabei werden drei Aspekte, die wichtige Unterschiede aufweisen, genauer betrachtet: die Motivation, die Durchführung und der Ausblick auf die Zukunft. Als Letztes werden im Fazit die Ergebnisse zusammengefasst und die Ausgangsfrage dieser Hausarbeit beantwortet.

2. Care Leaver und Age Mates

Die Begriffe „Care Leaver“ und „Age Mates“ stehen in direktem Zusammenhang zu- und beziehen sich aufeinander. Es handelt sich hierbei und Jugendliche bzw. junge Erwachsene und welche Voraussetzungen sie von ihrer Umwelt erhalten haben. Davon handeln die folgenden Abschnitte, zunächst erfolgt eine genaue Begriffsklärung, gefolgt von einer detaillierten Aufstellung der Lebensverläufe der beiden „Untergruppen“. Diese werden dann auch auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede unterteilt, um einen genaueren Überblick über die einzelnen Situationen und ihre Beschaffenheit ermöglichen zu können.

2.1 Begriffsklärung

Um die Thematik bestmöglich darzustellen, werden zunächst die beiden Begriffe „Care Leaver“ und „Age Mates“ erläutert. Dabei wird auch die Verbindung zwischen diesen beiden Gruppen dargestellt.

2.1.1 Care Leaver

Im Artikel 6 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wird die Pflege und Erziehung von Kindern als das natürliche Recht und gleichzeitig die Pflicht der Eltern definiert (vgl. GG). Wird dem nicht nachgegangen, muss der Staat in diesen Prozess eingreifen und Unterstützung leisten. Diese kann unterschiedliche Formen annehmen, unter anderem ist die Fremderziehung und Fremdunterbringung möglich (vgl. Schäfer/Thole 2018: S. 11). Dies ist der Ausgangspunkt für die genaue Definition des Begriffes „Care Leaver“.

Bei Care Leavers handelt es sich um Jugendliche und junge Erwachsene, die die Jugendhilfe in Anspruch genommen haben. Diese sind an einem besonderen Punkt in ihrem Lebensverlauf: sie lösen sich von der Jugendhilfe und übergehen in die Verselbstständigung (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller 2012: S. 262). Das SGB VIII ist für Kinder, Jugendliche und junge Menschen zuständig, wenn ihre Integration in die Gesellschaft als gefährdet erachtet wird, bis zum 27. Lebensjahr kann der Anspruch auf Jugendhilfe generell bestehen (vgl. Böllert 2018: S. 417). Der Prozess des Übergangs / der Verselbstständigung ist nicht einfach und erfolgt nicht immer auf Wunsch und Bereitschaft der Betroffenen, sondern wird unter anderem auch von der Jugendhilfe eingeleitet (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller 2012: S. 264). Es handelt sich also um Menschen in einer sensiblen Phase, die in das „Erwachsenenleben“ entlassen werden, sich, ebenso wie die Age Mates, mit den kritischen Punkten in Bezug auf die Entwicklungsaufgaben beschäftigen und dabei auch mit ihren biografischen Gegebenheiten bzw. traumatischen Erlebnissen auseinandersetzen müssen (vgl. ebenda: S. 273). Was sie noch von den Age Mates unterscheidet und ihre Situation gegebenenfalls erschwert, wird im Punkt 2.3 deutlich gemacht.

2.1.2 Age Mates

„Age Mate(-s)“ ist ein Begriff, der direkt vom Begriff „Care Leaver“ abhängt. Es handelt sich hierbei um Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die in ihrer Herkunftsfamilie aufwachsen (vgl. Schäfer/Thole 2018: S. 195). Im Vergleich zu Care Leavers haben sie die Möglichkeit Unterstützung seitens der Familie zu erhalten (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller 2012: S. 261). Sie sind nicht von der Jugendhilfe abhängig und können die Verselbstständigung überwiegend auf eigenen Wunsch einleiten. Weitere Unterschiede in den Lebensphasen und beim Übergang werden in den Punkten 2.3 und 3.2 benannt und genauer bestimmt.

2.2 Betreffende Lebensphasen

Unter dem Punkt 2.1 wurden schon einige Unterschiede zwischen den beiden Gruppen erwähnt, diese und weitere Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, werden im weiteren Verlauf genauer beleuchtet und erklärt. Zunächst erfolgt eine Gesamtdarstellung der betreffenden Lebensphasen, dabei werden die Entwicklungsaufgaben der Lebensabschnitte genauer beleuchtet. Im Anschluss daran wird ein Überblick über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Gruppen dargelegt. Die Übergänge werden hierbei erwähnt, jedoch wird erst im Punkt 3.2 genauer auf diese Thematik eingegangen.

2.2.1 Jugendalter

Abhängig von der Literatur findet man unterschiedliche Altersangaben in Bezug auf das Jugendalter. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jugend mit dem Erscheinen der sekundären Geschlechtsmerkmale beginnt und sich etwa bis zum 20. Lebensjahr erstreckt (vgl. Hobmair 2013: S. 331). Bis zum 19. Jahrhundert war diese Lebensphase nicht als fester Abschnitt angesehen, der Übergang vom Kind zum Erwachsenen erfolgte ohne „Zwischenschritt“. Erst später wurde dieser Phase ein Stellenwert zugewiesen (vgl. ebenda: S. 332). Die Jugend ist eine Phase, in der der Mensch kein Kind mehr ist, aber auch noch kein Erwachsener. In dieser Zeit geschehen viele körperliche, aber auch soziokulturelle Veränderungen, die letzteren stehen in diesem Abschnitt im Vordergrund (vgl. Böllert 2018: S. 382). Hormonelle Prozesse haben die körperlichen Veränderungen, sowie die Geschlechtsreife zur Folge. Soziokulturelle Veränderungen werden im Vergleich dazu durch die Kultur und Gesellschaft geprägt. So ist die Dauer der Jugendphase beispielsweise auch stark kulturabhängig: die westliche Industriegesellschaft neigt beispielsweise dazu, eine längere Zeitspanne für diesen Lebensabschnitt einzuräumen (vgl. Hobmair 2013, S. 332f). Die Entwicklungsaufgaben in dieser Phase sind zahlreich und komplex, im Vergleich zu den bisherigen Lebensabschnitten. Es gilt die körperlichen Veränderungen anzunehmen und eine Geschlechtsrolle zu entwickeln, dabei formt sich die sexuelle Identität (vgl. ebenda: S. 334). Neben diesen wichtigen und sensiblen Aufgaben erfolgt auch die emotionale Ablösung von den erwachsenen Bezugspersonen, Jugendliche finden sich in dieser Zeit in Gruppen zusammen, weil sie sich untereinander geborgener und „verstandener“ fühlen. Des Weiteren findet in dieser Zeit auch die Vorbereitung auf den beruflichen Werdegang statt, diese Aufgabe wird von vielen weiteren Akteuren begleitet: Familie, Freunde, aber auch Medien können großen Einfluss auf die Berufswahl haben. Ebenso bereiten sich Jugendliche auch auf ihre angestrebte Lebensform vor, erleben erste Liebesbeziehungen und befassen sich mit ihren Vorstellungen im Bereich des Privatlebens. Es wird in dieser Zeit auch das eigene Wertesystem geschaffen, die jungen Menschen setzen sich mit den anerzogenen Werten auseinander und entwickeln ihre eigenen (vgl. Lohaus 2018: S. 26ff).

Ein weiterer wichtiger und umfangreicher Punkt ist die Suche und Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. Es gilt in dieser Zeit herauszufinden, wer man ist und wer man sein möchte, aber auch, was andere Menschen von einem halten und welche Anforderungen sie haben. Daraus erschließt sich ein sehr facettenreiches Gesamtbild, das mit den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut wird. Da haben die Personen auch die Möglichkeit aktiv in die eigene Persönlichkeitsentwicklung einzugreifen, bestimmte Eigenschaften auszubauen und andere zu verändern. Das alles erfordert sehr viel Arbeit und Reflexion. Der Übergang vom Jugendalter in das junge Erwachsenenalter erfolgt dabei sehr sanft, es ist kein klarer Bruch zu bemerken (vgl. Hobmair 2013: S. 338, Ratschinski/Steuber 2012: S. 125f). Einige Entwicklungsaufgaben aus der Jugend bleiben auch im nächsten Lebensabschnitt bestehen.

2.2.2 junges Erwachsenenalter

Wie in Punkt 2.2.1 erwähnt, erfolgt der Übergang von der Jugend zum jungen Erwachsenenalter eher unbemerkt und wird in der Regel von der Herkunftsfamilie begleitet. Mit dem Erreichen eines bestimmten Alters entfällt die Unterstützung nicht, sondern bleibt beibehalten (vgl. Böllert 2018: S. 416).

Das junge Erwachsenenalter erstreckt sich ungefähr vom 20. bis zum 35. Lebensjahr. Eine große Zeitspanne, die im Verhältnis zur Jugend, weniger Entwicklungsaufgaben mit sich bringt (vgl. Hobmair 2013: S. 339f). Hier stehen vor allem drei Bereiche im Vordergrund: das Privatleben, die berufliche Entwicklung und die Weiterentwicklung der Identität. In dieser Zeitspanne entwickelt sich natürlich auch die Persönlichkeit weiterhin. Im Bereich des Privatlebens geht es weiterhin darum, eine Lebensform zu wählen bzw. sich in den Lebensformen auszuprobieren. Single sein, Beziehungen führen, eine eigene Familie gründen. Das Alleine- bzw. Zusammenleben wird in diesem Lebensabschnitt ebenso ausprobiert und organisiert. Mit dem Übergang in das mittlere Erwachsenenalter sollte die Lebensform klar und gefestigt sein. Genauso, wie die berufliche Situation. In diesem Lebensabschnitt probiert sich die Person beruflich aus, es erfolgen Ausbildungen und/oder Studien, der Einstieg in den Beruf, möglicherweise auch Umschulungen und Arbeitsplatzwechsel. Hierbei ist die Identifikation mit der Tätigkeit sehr bedeutsam, denn die berufliche Situation hat Auswirkungen auf das Zufriedenheitserlebnis der Person. Mit dem Berufsleben werden nicht nur die Karriereabsichten abgedeckt, sondern auch eine Vielzahl an sozialen Kontakten, welche für die Entwicklung der Persönlichkeit ebenso eine große Rolle spielen (vgl. ebenda: S. 340f).

Die materielle Versorgung ist in diesem Bereich ebenso wichtig und soll durch den Beruf abgedeckt werden. Zum mittleren Alter hin soll diese gefestigt sein und keinen großen Schwankungen unterliegen (vgl. ebenda: S. 341).

Im jungen Erwachsenenalter spielt die Identitätsausbildung weiterhin eine Rolle, der Mensch untersteht immer noch dem Wandel. Dieser Punkt bleibt auch in den weiteren Lebensabschnitten aktuell (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller 2012: S. 263).

2.3 Überblick über Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Auf Grundlage der Erkenntnisse zu den zwei Lebensabschnitten, die die Care Leaver und ihre Age Mates unmittelbar betreffen, erfolgt im Folgenden eine Aufteilung auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den beiden Untergruppen. Es wurde bisher der Norm-Lebensverlauf vorgestellt. Die Situation der Care Leaver zählt nicht zur Norm, sondern bildet eine Ausnahme und bringt somit neue Herausforderungen mit sich. Der vorgestellte Lebensverlauf bezieht sich größtenteils auf die Age Mates. Nach der Aufteilung erfolgt eine Zusammenfassung, in der ein Teilfazit aus den bisherigen Erkenntnissen gezogen wird.

2.3.1 Gemeinsamkeiten

Die Darstellung der beiden Lebensabschnitte bezieht sich sowohl auf die Age Mates, als auch auf die Care Leaver. Alle Entwicklungsaufgaben gelten für beide Gruppen. Deutlich wird, dass Menschen in diesen Lebensabschnitten mit vielen Veränderungen umgehen müssen, es finden Umbrüche statt, sie entwickeln eine Identität und arbeiten an dieser. Die Entwicklungsaufgaben sind dabei für beide Gruppen sehr fordernd, teilweise auch überfordernd, und benötigen mitunter Begleitung (vgl. Böllert 2018: S. 418).

2.3.2 Unterschiede

Was die Unterschiede betrifft, so gibt es einige Punkte, die die Care Leaver von ihren Age Mates unterscheiden. Neben all den Entwicklungsaufgaben, die im Punkt 2.2 dargelegt wurden, haben sie mitunter weitere Aufgaben zu bewältigen (vgl. Ratschinski/Steuber 2012: S. 121). Es handelt sich da beispielsweise um die Auseinandersetzung mit dem System und die Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe. Obwohl Jugendliche sich in dieser Phase von ihren erwachsenen Bezugspersonen distanzieren, haben Care Leaver hierbei die Schwierigkeit, dass sie viele organisatorische Aspekte genau mit der Jugendhilfe abstimmen müssen. Ebenso müssen sie sich mit ihrer familiären Situation auseinandersetzen, was, bezogen auf ihre psychische Gesundheit, kompliziert werden kann (vgl. Schäfer/Thole 2018: S. 195). Die Familie ist in diesem Lebensabschnitt selten unterstützend (vgl. Ratschinski/Steuber 2012: S. 121). Die Identitätsfindung bzw. -arbeit und Reflexion sind besonders sensible Bereiche, die in diesem Abschnitt eventuell auch therapeutisch begleitet werden müssen (vgl. Sozialpädagogisches Institut des SOS-Kinderdorf e.V. 2011: S. 67f).

Außerdem sind Übergänge in die Verselbstständigung ein komplexeres Thema, als im Falle der Age Mates. Care Leaver haben die Problematik, dass Übergänge von Rechtswegen initiiert werden und an ein bestimmtes Alter gebunden sein können. Somit ist es nicht immer der Fall, dass die Verselbstständigung auf Grundlage der Bereitschaft der Jugendlichen stattfindet, obwohl bei Care Leavers die Problematik besteht, dass sie eine psychische Vorbelastung haben können, was wiederum eine besondere Situation darstellt und einen anderen Umgang erfordert (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller: S. 264f). Damit in Verbindung steht auch die Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft, die bei Care Leavers ausgeprägter sein kann, da sie nicht auf die Unterstützung der Herkunftsfamilie zurückgreifen können (vgl. ebenda: S. 266). Somit werden sie ohne „Absicherung“ bzw. eine Rückkehroption in das „Erwachsenenleben“ entlassen. Es besteht zwar die Möglichkeit, weiterhin Hilfe zu erhalten, der Zugang ist jedoch nicht immer gewährleistet (vgl. ebenda 267f).

2.3.3 Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich aus den Erkenntnissen herauslesen, dass Care Leaver durchaus mehr Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihrer Entwicklungsaufgaben haben können, da sie keinen familiären Rückhalt haben und an das Jugendhilfesystem gekoppelt sind. Sie haben keine „Rückversicherung“ und können auf ihre Herkunftsfamilien nicht zurückgreifen, wenn sie einen Rat oder Hilfe benötigen. Wie genau sich dieser Umstand auf den Übergang in die Verselbstständigung auswirkt und welchen Einfluss das auf die Zukunft haben kann, wird im Punkt 3 genauer erörtert.

3. Übergang in die Verselbstständigung

Auf Grundlage der dargelegten Erkenntnisse werden im Weiteren die Übergänge der beiden Gruppen betrachtet und verglichen. Zunächst erfolgt jedoch eine kurze Begriffsklärung. Danach wird der Vergleich der Übergänge in drei Schwerpunkten, die sich aus den theoretischen Grundlagen ergeben haben, genauer dargelegt.

3.1 Begriffsklärung

Was genau sind Übergänge und was bedeutet Selbstständigkeit? Bevor die genauen Mechanismen und Bestandteile geklärt werden, müssen diese beiden Begriffe betrachtet werden. Dies erfolgt in den folgenden Punkten.

3.1.1 Übergänge

Der Begriff „Übergang“ ist ziemlich facettenreich. Es handelt sich um eine Entwicklung, ein Zustand wird durch einen anderen abgelöst. Das ist im Grunde auch die simpelste Erklärung für diesen Vorgang. Übergänge sind jedoch stark diskutiert. So werden sie als normative Veränderungen beschrieben, aber auch als Entwicklungsaufgaben, stressreiche Phasen und kritische Lebensereignisse, die bewältigt werden müssen (vgl. Irion/Kucharz/Reinhoffer 2011: S. 21; Böllert 2018: S. 410). Die meisten dieser Definitionen sind eher negativ konnotiert und strahlen eine große Verbindung zum Stress aus. Die Thematik „Übergang“ wurde genauer untersucht und in verschiedene Teilbereiche untergliedert, die ein besseres Verständnis und einen Einblick in deren Aufbau und Funktion ermöglichen (vgl. Stauber 2014: S. 15ff).

Biographische Übergänge haben fünf Hauptkriterien, die nun genauer beschrieben werden.

- Betrachtet man die Entwicklungsaufgaben, die Jugendliche zu bewältigen haben, erkennt man, dass es viele komplexe und auch sehr bedeutsame Aufgaben sind, diese finden zeitgleich statt. Manchmal geraten einige in den Hintergrund, aber sie werden nicht nacheinander erledigt, sondern wechseln sich in ihrer Priorität ab (vgl. ebenda: S. 15).
- Die Übergänge erfolgen nicht linear, was zur Folge hat, dass sie an ein Yoyo angeglichen werden. Dabei lassen sie sich durch drei Aspekte charakterisieren:

- Reversibilität (einzelne Schritte können rückgängig gemacht werden)
- Fragmentierung (Aufteilung in Teilübergänge)
- Diversifizierung (die Teilübergänge sind nicht standardisiert und können unterschiedliche Konstellationen bilden) (vgl. ebenda: S. 15f)

- Die Übergänge werden von den betroffenen Menschen als sehr komplex wahrgenommen, da sie nicht nur den Übergang meistern müssen, sondern auch unterschiedliche Rollen in unterschiedlichen Settings einnehmen müssen (beispielsweise Freundin/Freund, Tochter/Sohn, Auszubildende/Auszubildender usw.) (vgl. ebenda: S. 17).
- Im Hinblick auf die sozialen und kulturellen Umstände, sind die Übergänge mehrfach auslegbar. Hierbei wird im Hinblick auf bestimmte Rollen bzw. Merkmale differenziert, wie beispielsweise das Geschlecht. (vgl. ebenda: S. 17)
- Die betroffenen Personen sind nicht als Opfer der Situation anzusehen, sondern vielmehr als mitwirkende Akteure, denn sie gestalten die Übergänge von innen heraus massiv mit (vgl. ebenda: S. 18).

Somit wird deutlich, dass Übergänge keine simplen Strukturen haben, sondern verschiedene Aspekte eng miteinander verflechten. Sie sind komplex und können einen langen Zeitraum einnehmen (vgl. Wiethoff 2011: S. 45).

Vor allem der Übergang in die Verselbstständigung stellt eine große Herausforderung dar, die auf Begleitung angewiesen ist (vgl. Köngeter/Schröer/Zeller: S. 262f).

3.1.2 Verselbstständigung

Verselbstständigung ist ein Begriff, der relativ klar erscheint. Es handelt sich hierbei darum, selbst für sich und seine Taten verantwortlich sein zu können. Welche Bestandteile genau dazugehören, wird klar, sobald man die drei Ebenen der Verselbstständigung betrachtet: praktische, soziale und kognitive V. (vgl. Sozialpädagogisches Institut des SOS-Kinderdorf e.V. 2011: S. 66f).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Übergänge in die Verselbstständigung. Unterscheidung vom Übergang der Jugendhilfe in die Verselbstständigung im Fall der "Care Leaver" von Age Mates
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V976054
ISBN (eBook)
9783346333933
ISBN (Buch)
9783346333940
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Care Leaver, Verselbstständigung, Selbstständigkeit, Jungedliche, Erwachsene, Jugendhilfe, Familie, Kinder, Age Mates, Herkunftsfamilie
Arbeit zitieren
Margarita Hildebrandt (Autor), 2020, Übergänge in die Verselbstständigung. Unterscheidung vom Übergang der Jugendhilfe in die Verselbstständigung im Fall der "Care Leaver" von Age Mates, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976054

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