Das Ziel dieser Arbeit ist es, das Recht auf Stadt sowie die Bedeutungen des öffentlichen und des privaten Raumes mit der Privatisierung des öffentlichen Raumes in Verbindung zu setzen. Dafür werden im ersten Teil die Standpunkte von Henri Lefebvre, Don Mitchell und Andy Merrifield aufgezeigt. Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit der Privatisierung des öffentlichen Raumes mit dem Fokus auf Public Private Partnerships, Business Improvement Districts und Gated Communities. Im dritten Teil, der Diskussion, wird die Verknüpfung zwischen den Thesen von Lefebvre, Mitchell und Merrifield zu den eben genannten Beispielen der Privatisierung hergestellt. Hierbei wird den Fragen nachgegangen, inwiefern ein Recht auf Stadt in Städten mit zunehmender Privatisierung existieren kann und welche Auswirkungen eine zunehmende Privatisierung auf den städtischen Raum und seine Bevölkerung hat.
Städte sind Orte, die über ein sehr hohes Konfliktpotenzial verfügen. Hier sind, zusammen mit der wirtschaftlichen und politischen Macht, viele unterschiedliche Menschen mit ebenso unterschiedlichen Interessen, Meinungen und Lebensstilen auf engstem Raum konzentriert. Darüber hinaus stellen wirtschaftliche sowie demografische Schrumpfungsprozesse die moderne Stadt vor großen ökonomischen, kulturellen, sozialen und ökologischen Herausforderungen. Seit Ende der 1990er Jahre sind diese Konflikte zunehmend mit dem „Recht auf Stadt“ verknüpft worden.
Diese Privatisierung des öffentlichen Raumes bietet weiteres enormes Konfliktpotenzial für die Stadt. Eine radikale Privatisierung und die damit einhergehende Befestigung von urbanen Lebensräumen ist seit einiger Zeit in den USA sowie anderen westlichen Industrienationen zu verzeichnen. Im deutschsprachigen Raum wird dieser Entwicklung momentan noch sehr wenig Aufmerksamkeit beigemessen, obwohl erste Anzeichen einer allmählichen Abschottung auch in europäischen Großstädten zu sehen sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Der städtische Raum und das Recht auf Stadt
Henri Lefebvre
Don Mitchell
Andy Merrifield
Die Privatisierung öffentlicher Räume
Private-Public-Partnerships
Business Improvement Districts
Gated Communities
Diskussion
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Konzept des „Rechts auf Stadt“ und der zunehmenden Privatisierung urbaner Räume. Dabei wird analysiert, inwieweit private Finanzierungsmodelle und exklusive Wohnformen den demokratischen Charakter öffentlicher Räume untergraben und die Teilhabe marginalisierter Bevölkerungsgruppen einschränken.
- Theoretische Fundierung des „Rechts auf Stadt“ durch Lefebvre, Mitchell und Merrifield
- Analyse von Privatisierungsformen wie Public-Private-Partnerships (PPPs)
- Untersuchung von Business Improvement Districts (BIDs) als Steuerungsinstrument
- Soziale Konsequenzen von Gated Communities und räumlicher Segregation
- Diskussion über den Verlust öffentlicher Räume als Orte demokratischer Repräsentation
Auszug aus dem Buch
Die Privatisierung öffentlicher Räume
Die Begriffe „öffentlicher“, „halböffentlicher“ und „privater“ Raum sind keineswegs festgeschrieben. Vielmehr ist ihr Verständnis stark von den verschiedenen politischen Systemen und Orten abhängig, an denen sie genutzt werden (Lichtenberger 1998, 185). Öffentlicher Raum ist aber grundlegend dadurch gekennzeichnet, dass er ein Ort des sozialen Lebens außerhalb von Freunden und Familie ermöglicht und hier Interaktionen mit Bekannten und auch Fremden stattfinden (Goheen 1998, 479). Eine Vielzahl von Gruppen mit unterschiedlichen Lebensstilen, politischen Einstellungen und Meinungen treffen in öffentlichen Räumen aufeinander. Die Privatisierung des öffentlichen Raumes jedoch, führt zur Übertragung von Zugang-, Nutzungs- oder Überwachungsrechten an private Akteure (Gaebe 2004, 99). Kollektiver und traditionell öffentlich genutzter Raum wird durch die Privatisierung zu einem limitiert zugänglichen Raum umgewandelt (Litz 2000, 535). Hauptziel der Privatisierung ist es, den Zugang denjenigen zu verwehren, die an diesen Orten unerwünscht sind (ibid.). Obwohl die Privatisierung im starken Kontrast zum Streben nach offenen und grünen Räumen ganz im Sinne von Corbusier stand, haben sich, insbesondere durch die steigende Furcht vor Kriminalität, vor allem in amerikanischen Großstädten bauliche und stadtplanerische Konzepte entwickelt, die die zunehmende Privatisierung des öffentlichen Raumes als Ziel haben (Litz 2000, 536).
Seit Ende der 80er Jahre findet diese Einschränkung des öffentlichen Raumes durch Investoren und Institutionen verstärkt statt, was die soziale und politische Mitwirkung der Stadtbewohner zunehmend limitiert (Gaebe 2004, 99). Durch die Privatisierung des öffentlichen Raumes besteht die Gefahr des Verlusts des urbanen Bewusstseins der Stadtbevölkerung, die Loslösung vom Kollektiv sowie die vollständige Zersetzung des sozialen Raumes (Illigens 2017, 43). Problematisch ist auch, dass die Exklusion etwa nicht im Verdeckten stattfindet, sondern ganz bewusst signalisiert und durchgeführt wird (Litz 2000, 541). Formen der Privatisierung des öffentlichen Raumes werden unter anderem von Business Improvement Districts (BIDs), Public Private Partnerships (PPPs) und Gated Communities verkörpert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, dass Städte zunehmend unter ökonomischem Druck stehen und der öffentliche Raum durch Privatisierung an demokratischem Potenzial verliert, was das „Recht auf Stadt“ gefährdet.
Der städtische Raum und das Recht auf Stadt: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze von Henri Lefebvre, Don Mitchell und Andy Merrifield, die den öffentlichen Raum als zentralen Ort für gesellschaftliche Interaktion und politische Partizipation definieren.
Die Privatisierung öffentlicher Räume: Hier werden Formen der Privatisierung wie Public-Private-Partnerships, Business Improvement Districts und Gated Communities detailliert untersucht und deren Auswirkungen auf die Zugänglichkeit städtischer Räume dargestellt.
Diskussion: Die Diskussion verknüpft die theoretischen Anforderungen an eine demokratische Stadt mit der gelebten Realität der Privatisierung und verdeutlicht den daraus resultierenden Konflikt.
Fazit: Das Fazit resümiert, dass das „Recht auf Stadt“ kein bloßer Slogan ist, sondern als essenzielles Menschenrecht verstanden werden muss, das durch die Privatisierung untergraben wird.
Schlüsselwörter
Recht auf Stadt, Privatisierung, öffentlicher Raum, Stadtentwicklung, Segregation, Public-Private-Partnerships, Business Improvement Districts, Gated Communities, Stadtsoziologie, urbane Demokratie, soziale Inklusion, Exklusion, Kapitalisierung, Henri Lefebvre, Stadtforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der Privatisierung öffentlicher Räume auf das städtische Leben und das theoretische Konzept des „Rechts auf Stadt“.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Stadtforschung, verschiedene Formen der Privatisierung wie BIDs oder Gated Communities und die damit einhergehende soziale Exklusion.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Privatisierung öffentlicher Räume die demokratische Teilhabe und das Zusammenleben in Städten negativ beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, basierend auf den Konzepten renommierter Stadtforscher wie Henri Lefebvre, Don Mitchell und Andy Merrifield.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Positionen zum städtischen Raum und die Analyse konkreter Privatisierungsphänomene und deren Auswirkungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie „Recht auf Stadt“, „Privatisierung“, „Segregation“ und „urbane Demokratie“ zusammenfassen.
Wie beeinflussen Gated Communities die städtische Gemeinschaft?
Gated Communities führen laut der Arbeit zu einer Fragmentierung der Stadtgesellschaft, schwächen das Zusammengehörigkeitsgefühl und entziehen der öffentlichen Hand die Planungs- und Verwaltungshoheit.
Warum gelten öffentliche Plätze als so wichtig für die Demokratie?
Öffentliche Plätze sind essenziell, da sie Orte der freien Begegnung und Interaktion zwischen Fremden bieten, die notwendig sind, um politische Anliegen sichtbar zu machen und eine pluralistische Gesellschaft zu bilden.
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- Jasmin Haddad (Author), 2020, Die Privatisierung des öffentlichen Raums. Konsequenzen für das Recht auf Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976078