Psychometrische Verfahren in der Entwicklungsdiagnostik: PAC - SPAC1, Vademecum und HKI


Ausarbeitung, 2000

5 Seiten


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Tobias Herrmann

Psychometrische Verfahren in der Entwicklungsdiagnostik: PAC - SPAC1, Vademecum und HKI

 
Pädagogische Analyse und Curriculum der sozialen und persönlichen Entwicklung des geistig behinderten Menschen, PAC - S/PAC1

Testart

Systematisches Beobachtungsverfahren mit dem Schwerpunkt der Förderung Geistig- bzw. Schwerstbehinderter

Konzept

- Konzeption beruht auf der Überlegung, dass ein Mindestmass an sozialem Wissen für angemessenes Sozialverhalten notwendig ist > zunächst Bestandsaufnahme des bereits erreichten Lernstandes und die Überprüfung des Transfers in den Alltag

Einsatz/Durchführung

- PAC: 1. - 3. Lebensjahr (kann auch bei anderen Altersgruppen eingesetzt werden)
- PAC1: 6. - 15. Lebensjahr (auch für Erwachsene mit niedriger Entwicklungsstufe)
- PAC2: 16. - 25. Lebensjahr (erwachsene geistig behinderte)
- S/PAC1: enthält Fertigkeiten, die normalerweise während der ersten 5 Jahre erlangt werden, anwendbar für alle Altersstufen
- geeignet zur Verlaufskontrolle über mehrere Jahre

Normen

- es gibt PEI-Mappen (PEI - Pädagogischer Einschätzungs-Index), die einen Vergleich mit dem durchschnittlichen Leistungsniveau von geistig behinderten Kindern und Erwachsenen der entsprechenden Altersklasse ermöglichen
- es kann ein Index des sozialen Könnens und das Erwartungsniveau bestimmt werden

Testaufbau

- PAC beschreibt die ersten Stadien der Sozialentwicklung bis zum 3. Lebensjahr; Gliederung in Selbsthilfe, Bewegungsfähigkeit, Toiletten und Waschen, Anziehen, Verständigungsvermögen, ausgehend von außen, Sozialanpassung, Beschäftigung, Behendigkeit (Grobmotorik)
- PAC 1 enthält eine Auswahl derjenigen Fertigkeiten, die für die Entwicklung des Schulkindes besonders wichtig sind + Erhebung eines Sozialbildes (Gliederung in Selbsthilfe, Verständigungsvermögen, Sozialanpassung, Beschäftigung) und eines Persönlichkeitsbildes (zB. Selbständigkeit in persönlicher Pflege, Anpassung, Temperament, etc.)
- PAC 2 enthält ebenfalls das Persönlichkeitsbild (siehe Gliederung PAC 1); beschreibt Kombinationen von verschiedenen Fertigkeiten, die das soziale Funktionieren in unterschiedlichen Umgebungen ermöglichen + Interview mit dem Kind über Themen wie Fahrten und kleine Reisen, Einkaufen, etc.
- S/PAC 1 ist für den schwer behinderten Menschen entwickelt; misst die sozialen Fertigkeiten, die normalerweise innerhalb der ersten 5 Jahre bewältigt werden müssen > daher enthält die S/PAC1 dieselben Fertigkeiten wie die PAC, nur in detaillierterer Abstufung + Bereiche rezeptive und expressive Kommunikation

Gütekriterien

- Objektivität: Beobachtungsinstrument; Interraterreliabilitäten r=.87 - .97 sind zufriedenstellend
- Reliabilität: keine Angaben
- Validität: keine Angaben

Bewertungen

Die PAC-Formulare ermöglichen eine detaillierte qualitative Analyse sozialer Fertigkeiten und das Erstellen von indiv. Förderplänen sowie deren Verlaufskontrolle; Beurteilungsbögen sollten nicht ausschließlich in der Diagnostik und Förderung eingesetzt werden > zu grob in der Kategorisierung, erfassen Stimmungen und Problemverhalten der Behinderten nicht (Müller 1982)

 
Vademecum (Begleite-mich) für die Entwicklung des Säuglings und Kleinkindes

Testart

Entwicklungstest

Konzept

- Grobsiebverfahren (Screening-Test) zur Früherkennung von Behinderungen, zur Beobachtung des Entwicklungsprozesses bei Kleinkindern mit Verdacht auf Entwicklungsverzögerung und zur Verlaufskontrolle von pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen
- bietet eine Übersicht über die grob- und feinmotorische, kommunikative, soziale und emotionale Entwicklung des Kindes von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr
- Ziel ist es, die Handlungs- und Verhaltensweise eines Kindes in einer dem Kind vertrauten Umgebung festzuhalten

Einsatz/Durchführung

- Dauer: mehrmalige Beobachtung der Kinder in 2 - 6 monatigen Abständen

Normen

Entwicklungsnormen und Profilanalysen werden genannt

Testaufbau

kindliche Entwicklung ist in 5 Funktionsbereiche gegliedert (und wird in getrennten Skalen dargestellt, so dass Handlungen und Verhaltensweisen eines Kindes differenziert festgehalten werden):
1. körperliche Entwicklung (körperliches Wachstum und Kontrolle der Körperbewegungen)
2. Entwicklung des Sehens und Greifens (feinmotorische, sensumotorische und kognitive Fähigkeiten)
3. Entwicklung des Hörens und Sprechens (Lauschen und Reagieren auf Töne, Entdeckung der Lautsprache)
4. Entwicklung der Selbständigkeit (Fortschritte in der Selbständigkeit und Orientierung in der Umwelt)
5. Entwicklung der Gefühle und der Gemeinschaftsfähigkeit (Entwicklung der Beziehungen des Kindes zur näheren und weiteren Umwelt [Eltern, Geschwister, Nachbarn] sowie seine psychische Differenzierung)

Gütekriterien

Objektivität: hohe Auswertungs-, geringe Durchführungs- und Interpretationsobjektivität
Reliabilität: rho=.99; Skalenhomogenitätskoeffizient H=.95-.97 für die Entwicklungsskalen
Validität: hohe ökologische Validität, die interne Validität gemessen an den Denver-Entwicklungsskalen ist mäßig

Bewertungen

Das Grobsiebverfahren zur Früherkennung von Behinderungen und zur Beobachtung von Entwicklungsverläufen hat sich durchgesetzt; der Entwicklungsprozess wird durch mehrmalige Beobachtung eines Kindes in zeitlichen Abständen erfasst > so erhöht sich die prognostische Aussagekraft der Beobachtung; dadurch, dass sich die Eltern aktiv beteiligen, wird die Kooperation zwischen ihnen und den Fachleuten gefördert (hierzu Schlienger 1990)

 
Heidelberger Kompetenz Inventar, HKI

Testart

Fähigkeitstestbatterie für geistig Behinderte

Konzept

- misst Fähigkeiten in den drei Bereichen praktische, kognitive und soziale Kompetenz
- erfasst die für die Integration Behinderter bedeutsamen und erzieherisch beeinflussbaren Verhaltensmuster

Einsatz/Durchführung

- 7. - 16. Lebensjahr, befragt werden die Betreuer/Bezugspersonen
- Dauer: ca. 6 Wochen Beobachtungszeitraum

Normen

Es liegen Prozentränge vor, getrennt nach Alter, Unter- und Großbereichen der Kompetenz sowie Gesamtkompetenzwert

Testaufbau

besteht aus 152 Items, verteilt auf 19 Unterbereiche:
- praktische Kompetenz: 1. Nahrungsaufnahme, 2. Hygiene, 3. Sicherheitsverhalten, 4. praktische Fertigkeiten
- kognitive Kompetenz: 5. Verkehr und Aktionsradius, 6. Geld/Einkaufen, 7. Inanspruchnahme von Dienstleistungen und öffentlichen Einrichtungen, 8. zeitliche Orientierung, 9. geometrische Grundbegriffe, 10. Rechnen, 11. Lesen/Schreiben, 12. Sprachverstehen, 13. Sprachproduktion
- soziale Kompetenz: 14. Lern- und Arbeitsverhalten, 15. Identitätsfindung/Selbstkonzept, 16. Selbstkontrolle, 17. Selbstbehauptung, 18. Perspektivenübernahme/ Sozialkontakt, 19. Kooperation/soziale Regeln

Gütekriterien

- Objektivität: für Durchführung, Auswertung und Interpretation gesichert
- Reliabilität: Testwiederholung r=.76 - .92 für die Unterbereiche (N=126), innere Konsistenz r=.36 - .89 (N=59)
- Validität: Inhaltsgültigkeit vorhanden, Kriteriumsgültigkeit: Korrelationen mit verschiedenen Intelligenztests und Lehrerurteil liegen vor; faktorielle Gültigkeit für praktische, kognitive und soziale Kompetenz vorhanden

Bewertungen

Die Autoren sind der Ansicht, man könne das HKI auch bei weiteren Altersgruppen anwenden, ebenso bei Behinderten im Grenzbereich zwischen geistiger und Lernbehinderung. Allerdings liegen hierzu noch keine empirischen Daten vor

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Details

Titel
Psychometrische Verfahren in der Entwicklungsdiagnostik: PAC - SPAC1, Vademecum und HKI
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V97620
Dateigröße
339 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Referatsauszuege
Schlagworte
Psychometrische, Verfahren, Entwicklungsdiagnostik, SPAC1, Vademecum
Arbeit zitieren
Tobias Herrmann (Autor), 2000, Psychometrische Verfahren in der Entwicklungsdiagnostik: PAC - SPAC1, Vademecum und HKI, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97620

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