Gott und die Wissenschaft


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
11 Seiten, Note: 1

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Olaf Roeder

Jean Guitton, Grichka und Igor Bogdanov - Gott und die Wissenschaft

Dieses Buch versucht die seit Menschengedenken ungeklärten Fragen der Philosophie und der Wissenschaft zu beantworten. Jedoch nicht auf den bereits bekannten Wegen, sondern auf einem Mittelweg. Jean Guitton ist ein französischer Philosoph, der die Fragen der Menschheit erstmals von einer anderen Seite betrachtet. Er diskutiert mit zwei russischen Wissenschaftlern, Grichka und Igor Bogdanov. Guitton hat es erstmals gewagt, den Zwist zwischen Religion und Wissenschaft nicht für eine Seite zu entscheiden, sondern beide Seiten an der Lösung zu beteiligen.

Seine Hauptfragen sind im Wesentlichen:

- Warum gibt es "Etwas" und nicht "Nichts"?
- Was war vor dem Urknall?
- Was ist das Leben?
- Wie entstand es?
- Warum entstand es?
- Aus was bestehen die kleinsten Teilchen?

Wie bereits gesagt diskutiert er mit den beiden Wissenschaftlern über dieses Thema. Sie versuchen gemeinsam den Fragen durch überlegtes Herantasten auf den Grund zu gehen. Das Buch ist in Dialogform aufgebaut, so dass man direkt die Meinungen und Erfahrungen der Beteiligten erfährt. Sie reden in einem Stil, der es auch Laien erlaubt, ihre Diskussion zu verfolgen. Die verwendeten Sachbegriffe werden kurz, aber verständlich erläutert.

Das Buch versucht nicht nur Antworten zu geben, sondern es bringt einen auch dazu, selbst zu überlegen. Vor allem die scheinbare Unendlichkeit oder das scheinbare Nichts sind Tatsachen, die unser Geist nur schwer begreifen kann, die deshalb aber um so interessanter sind.

Im ersten Kapitel <Der Urknall> erfahren wir etwas über den selben. Nach den Überlegungen der drei, die auf Erkenntnissen der Philosophie und der Wissenschaft aufbauen, erfahren wir, das der Urknall vor etwa 15 Milliarden Jahren stattgefunden hat. Doch bevor ich zum Urknall selbst komme, was war vor dem Urknall? Die drei beschäftigen sich ebenfalls mit der Frage. Bisher sieht es so aus, als ob es ein <riesiges Meer aus Energie> gegeben hätte. Es war auf einen unvorstellbar kleinen Raum beschränkt, kleiner als das Milliardstel eines Stecknadelkopfes. Doch wo kam dieses Etwas her? Guitton versucht zu erklären, das dieses Etwas Gott sein könne, der schon immer war und ewig sein wird. Letztendlich bleibt diese Frage jedoch ungeklärt.

Nun zum Urknall selbst: Der Urknall war eine Explosion des Nichts, dieses Meeres aus Energie, das vor dem Urknall war. Die drei erläutern, dass selbst aus dem nichts unter Zuhilfenahme großer Energien Materie entstehen kann. Eben diese Energie stellt das <Meer aus Energie> dar. Es war anfangs in einem Zustand der absoluten Symmetrie, bis es durch einen <Unfall des Nichts> zu der Urknall genannten Explosion kam. Zwischen jenem Urknall und der tatsächlichen Entstehung des Universums verstrich eine bekannte Zeitspanne, die sogenannte <Planksche Zeit>. Dies ist die kleinste mögliche Zeiteinheit (sie mißt 1-34 sec). Verglichen zu einer Sekunde ist die Planksche Zeit noch kleiner, als die Dauer eines Blitzes im Vergleich zu 15 Milliarden Jahren. Erst nach verstreichen dieser Zeit entwickelte sich das Universum wie wir es heute kennen. Es entwickelten sich die kleinsten Teilchen, die in vier Gruppen eingeteilt werden: Gravitation, elektromagnetische Kraft, starke Kernkraft und Zerfallskraft. (Leider werden die Kräfte nicht näher erläutert.) Diese vier Kräfte waren auf besagtem unvorstellbar kleinen Raum vereinigt. Durch den Urknall expandierten sie jedoch in einer nicht vorstellbaren Geschwindigkeit. Die drei differenzieren sogar diesen Vorgang noch bis ins Detail.

Kapitel 2 <Das Geheimnis des Lebens>

In diesem Kapitel gehen die drei näher auf die Erde und ihre Evolution ein. Anfangs beschreiben sie die weitere Entstehung der Erde, allerdings weniger ausführlich als beim Universum. Jetzt kommt Guitton zu einer seiner nächsten Fragen: Wie und warum entstand das Leben?

Bisher ging man davon aus, dass das Leben durch Zufall entstanden ist. Die schon in den Ozeanen der Erde vorhandenen Atome haben sich durch Zufall zu Molekülen zusammengeschlossen, diese wiederum durch Zufall zu Aminosäuren, den wichtigsten Bausteinen des Lebens. Diese Aminosäuren haben sich dann durch Zufall zu weiteren, komplexeren Verbindungen zusammengetan, aus denen dann das Leben entstand. Diese These jedoch haben die drei widerlegt. Es ist zu unwahrscheinlich, das alles auf einem Zufall beruht (die Wahrscheinlichkeit dafür ist 10 1000 zu 1). Doch wie entstand nun das Leben? Die drei bauen nun auf den Erkenntnissen von Ilya Prigogine, einem Biochemiker und Nobelpreisträger für Chemie, auf, die die Theorie widerlegen, das sich die Ordnung zum Chaos entwickelt, sondern das Chaos zur Ordnung wird. Doch wie das? Prigogine begründet seine Theorie nicht nur auf Vermutungen, sondern auf einem einfachen Experiment: Er erhitze Wasser. Dabei beobachtete er, dass sich die Wassermoleküle nicht, wie bisher angenommen, zerstreuten, sondern sich zu Sechsecken zusammenschlossen. Diese verwirrende Beobachtung liegt Prigogines These zugrunde. Wir gehen jetzt also davon aus, dass das Leben nicht durch Zufall, sondern durch einen geplanten Prozeß entstand.

Doch wer oder was steckt dahinter? Warum entsteht Ordnung aus dem Chaos? Die drei stellen nun die These auf, dass es eine Intelligenz gibt, die dem ganzen zugrunde liegt. Tatsächlich gibt es dokumentierte Experimente, dass Moleküle sich untereinander verständigen können. Beim entstehen des Lebens vor Milliarden Jahren, wußte also jedes Molekül was ein anderes machte, selbst über die großen Entfernungen des Makrokosmos.

Doch was genau diese Intelligenz ist, können die drei noch nicht sagen. Bevor sie genauer auf all diese Phänomene eingehen, wollen sie klären, was genau wir uns unter einem <Zufall> vorstellen.

Kapitel 3 <Zufall oder Notwendigkeit>

Wie schon gesagt, versuchen die drei jetzt, deutlich zu machen, was der Zufall eigentlich ist und ob es ihn überhaupt gibt. Sie untersuchen dies anhand von einigen einfachen und sehr einleuchtenden Beispielen, von denen ich hier nur einige darstellen möchte. Das erste ist der Zerfall von Radium. Radium hat eine Halbwertszeit (die Zeit, in der genau die Hälfte des Radiums zerfällt) von 1600 Jahren. Nach dieser Zeit sind also genau die Hälfte der Radiumatome zerfallen. Das können wir exakt vorhersagen.

Was wir jedoch nicht können, ist, vorherzusagen, welche der Atome zerfallen werden. Alle sind sie absolut gleich, es gibt keinen Unterschied zwischen ihnen und doch zerfallen die einen eher als die anderen. Vor allem Guitton glaubt nicht an den Zufall.

Er meint, dass es ein System höherer Ordnung gibt, das wir nicht verstehen können. Diese höhere Ordnung gibt an, welche Atome zerfallen und welche noch nicht.

Ein anderes Experiment, welches meiner Meinung nach diese höhere Ordnung zumindest ein bißchen veranschaulichen kann, ist folgendes: Man nehme eine Barriere, in der zwei senkrechte, zueinander parallel stehende Schlitze sind. Vor dieser Barriere wird eine Lichtquelle aufgebaut, hinter der Barriere ein lichtempfindlicher Schirm. Wenn man nun einzelne Lichteilchen (Photonen) <abschießt>, kann man nicht vorhersagen, durch welchen der beiden Schlitze er gehen wird, ebensowenig seinen genauen Auftreffpunkt auf den Schirm. Aber nach etwa 1000 Abschüssen ist ein deutliches Muster auf dem Schirm zu erkennen. Dieses Muster ist präzise vorhersagbar, nicht aber die einzelnen Bestandteile desselben. Ein sehr einfaches Beispiel für diese höhere Ordnung (das Muster) welche Ordnung in das Chaos (einzelne Photonen) bringt. Diese Ordnung steckt, nach der Meinung von Guitton, auch hinter der Entstehung des Universums, nur ist die Ordnung in dieser Größenordnung für uns nicht vorstellbar.

Die drei wollen damit sagen, das jede einzelne der fünfzehn Konstanten des Universums (Lichtgeschwindigkeit, Gravitation, Planksche Konstante) zur Zeit des Urknalls nicht zufällig so waren wie sie waren, sondern von einer höheren, für uns nicht faßbaren, Ordnung vorherbestimmt waren.

Kapitel 4 <Auf der Suche nach der Materie>

In diesem Kapitel machen die drei wirklich verwirrende Feststellungen. Außerdem bringt Guitton, der bisher auf fast rein physikalischen Wegen wandelte, nun auch philosophische Aspekte mit ein.

Zunächst betrachtet Guitton den Urknall erneut von einer anderen Seite. Die höhere Ordnung, die dahinter steckt (siehe Kapitel 3) vergleicht er mit dem Gedanken Gottes. Mit dem Urknall breitete sich auch dieser Gedanke aus. Dann <fiel> dieser Gedanke für kurze Zeit und daraus entstand dann Materie. Weiterhin baut Guitton darauf auf, dass Materie aus <Geist> gemacht sei. Die Materie ist also aus dem Gedanken Gottes entstanden, sie ist etwas rein geistliches, daher ist die Materie der Weg zur Anschauung Gottes.

Weiterhin werden in diesem Kapitel wirklich faszinierende Thesen aufgestellt. Auch hierzu sind wieder einige interessante, bildhafte Beispiele aufgeführt.

Wir stellen uns wieder ein Molekül vor. Dieses ist jedoch zu klein, um es zu untersuchen.

Nehmen wir nun an, das Molekül wäre so groß wie die Erde. Dann wäre eines seiner Atome so groß wie eine Kirsche. Jedoch ist auch dies noch zu klein. Stellen wir uns nun vor, dieses kirschgroße Atom wäre so groß wie eine 200m hohe Kugel. Der Kern dieses Atoms wäre dann immer noch kleiner als ein Staubkorn.

Ein dazu aufbauendes Beispiel ist folgendes: Man stelle sich ein Proton so groß wie einen Stecknadelkopf vor. Das Elektron, das ihn umkreist, würde dann seine Bahn durch Holland, Deutschland und Spanien ziehen, so groß ist der Abstand vom Elektron zum Proton. Was die drei mit diesen Metaphern sagen wollen ist ebenso verwirrend wie faszinierend. Denkt man intensiver über diese Phänomene nach, so kommt man zu dem Schluß, dass das ganze Universum aus einem großen Nichts besteht. Die Vergrößerung des Moleküls auf Erdgröße und die Vergrößerung des Atoms auf 200m sollen zeigen, wieviel Abstand zwischen diesen unvorstellbar kleinen Objekten liegt, wieviel Nichts dazwischen liegt. Ebenso das Modell des Protons als Stecknadelkopf mit dem umkreisenden Elektron. Es liegt sehr viel Nichts dazwischen. Aufgrund dieser Basis lassen sich weitere Schlüssen ziehen. Das Atom besteht also aus sehr viel Nichts. Jetzt stellen wir uns vor, man würde alle Atome, die sich in einem ausgewachsenen Menschen befinden, so zusammenrücken, dass zwischen ihnen kein Freiraum mehr wäre, dann würde man diesen Menschen mit bloßem Auge nicht mehr erkennen können. Noch ein wenig weiter gedacht, erkennt man, dass selbst das Universum aus Leere besteht. Denn selbst alle Atome des Universums zusammen würden komprimiert keine große Masse ausmachen.

Diese unvorstellbare Kleinheit ist es, die momentan fasziniert. Wir waren beim Atomkern, dem Elektron und dem Proton. Aber das sind noch lange nicht die kleinsten Bausteine der Materie. Geht man noch weiter, dann landet man bei weiteren Bauteilen, die die Protonen etc. darstellen und schließlich bei den kleinsten bekannten Elementen, den Quarks. Letztendlich besteht scheinbar alles nur aus diesen ca. 10-18 Meter <großen> Quarks. Außerdem stellen sie eine Dimensionsmauer dar, denn es gibt keine physikalische Größe, die kleiner ist als 10- 18 Meter. Diese Quarks konnten bisher in keinem Versuch beobachtet oder sonstwie sichtbar gemacht werden, die Annahme über ihre Existenz beruht allein auf Berechnungen. Die Quarks sind also eine abstrakte Transzendenz.

Da ja das ganze Universum letztendlich nur aus diesen Quarks besteht, ist es selbst berechenbar, also abstrakt, nicht wirklich anwesend, sondern nur eine Illusion. So ähnlich beschreibt auch Guitton das Etwas <hinter> dem Universum: Als eine mathematische, kalkulierende, abstrakte und geistige Intelligenz. Sie lenkt, reguliert und beseelt den Kosmos. Sie ist die Macht, die Ordnung in das Chaos des Universums bringt.

Kapitel 5 <Die Felder des Realen>

In diesem Kapitel machen die drei wieder einige Feststellungen, die zum Teil wirklich unglaublich sind. Wie schon in vorigen Kapiteln angedeutet, besteht das Reale letztendlich nicht aus Materie, sondern aus Feldern aller Art (Gravitations-, elektromagnetischen Feldern etc.). Diese Felder sind nichts wirklich greifbares, sie enthalten keine Materie. Sämtliche Vorgänge im Universum, vom Urknall bis zum Leben, sind nur die Auswirkungen der Wechselwirkungen eben dieser Felder. Das, was wir seit Menschengedenken wahrnehmen, ist nichts weiter als eine Illusion. Am Anfang, beim Urknall, gab es ein einziges, symmetrisches Feld, ein perfektes Dasein. Guitton vergleicht diese Perfektion mit Gott. Nach dem Urknall, das <Superfeld> ist durch irgend etwas gestört worden und hat sich in mehrere Felder geteilt, vergleicht Guitton diese Felder mit einem <Fenster zu Gott>. Es gibt also keinerlei Materie, alles ist nur eine Illusion, alles sind Wechselwirkungen zwischen den Feldern.

Die Leere, die im vorigen Kapitel erkannt wurde, wird nun verworfen. Selbst diese Leere scheint aus den Feldern zu bestehen.

Noch einmal werden die Entdeckungen umbenannt, die Felder werden nun als reine Information beschrieben. Rückblickend auf das Ganze ergibt sich damit folgendes: Alles was wir kennen, die scheinbare Existenz von Materie, das Universum, das Leben; all das sind lediglich Informationen. Edward Fredkin, ein Theoretiker, stellt sich das Universum so vor: Da alles nur aus Informationen besteht, ist für ihn das Universum <nichts weiter>, als ein riesiges Schaltwerk. In diesem Schaltwerk stehen alle Möglichkeiten offen, die das Universum und das Leben und alles andere geschaffen haben.

Kapitel 6 <Der Geist in der Materie>

In diesem Kapitel machen die drei einen weiteren Schritt in ihren unglaublichen Entdeckungen. In diesem Kapitel beschreiben die drei nun, was ich bisher nicht niederzuschreiben wagte: Die Beseelung der Materie. Sie gehen dazu über, zu glauben (auch schon in vorangegangenen Kapiteln), dass das, was mir Materie nennen, eine Seele, ein Bewußtsein hat. Die sogenannte Materie verhält sich scheinbar nicht immer nach den uns bekannten physikalischen Gesetzen, sondern hat <ihren eigenen Willen>.

Die drei veranschaulichen das an einem Experiment, das erstmals 1801 von Thomas Young, einem englischen Physiker, durchgeführt wurde. Es ist das Doppelspaltexperiment, das schon erwähnt wurde (zur Erinnerung: ein Hindernis mit zwei Spalten A und B, davor eine Lichtquelle, dahinter ein Schirm). Spalt B ist geschlossen, Spalt A offen. Schießt man nun ein Photon ab, von dem wir die Startposition, die Geschwindigkeit und die Richtung kennen, so müßten wir nach den Newtonschen Gesetzen seinen Auftreffpunkt auf dem Schirm genau berechnen können. Dies ist aber nicht der Fall. Folgendes geschieht: Das Photon trifft auf einer Stelle des Schirms auf, nachdem es den Spalt A passiert hat. Wir öffnen nun den Spalt B und schießen ein weiteres Photon ab, mit der gleichen Startposition, der gleichen Geschwindigkeit und der gleichen Richtung. Theoretisch müßte es auf der selben Stelle auftreffen, auf die auch schon das erste Photon getroffen ist. Dies passiert aber nicht. Das zweite Photon trifft irgendwo auf dem Schirm auf, in einer völlig anderen Zone, als das erste Photon. Dieses Phänomen geht aber noch weiter. Schießt man nun noch einige tausend Photonen ab, so erhält man auf dem Schirm ein Muster, genauer, ein Interferenzmuster, wie es bei Wellen entsteht, passieren sie einen solchen Spalt. Etwa 10% der Photonen treffen in einer bestimmten Zone auf, die restlichen 90% in einer anderen. Und doch haben alle Photonen dieselben, physikalischen Eigenschaften.

Wie ist das nun zu erklären? Die Wissenschaft kann es mit ihren Worten nicht, also versucht sich die Philosophie daran. Die Tatsache, das die scheinbar identischen Photonen verschiedene Wege gehen, hängt von ihrem Bewußtsein ab. Die drei gehen die riskante Spekulation ein, dass Materie ein Bewußtsein hat. Irgendwie wissen die Teilchen, ob beide Spalten A und B geöffnet sind, oder nicht und dadurch beeinflußt sich der Weg, den die Photonen nehmen. Ebenso wissen die Photonen um den Zustand der Wahrscheinlichkeiten. Was wir bei dem Doppelspaltexperiment vorhersagen können, ist dass 10% in einer und 90% in einer anderen Zone landen. Wen wir den Versuch beobachten, bemerken wir, dass sobald 10% der benutzten Photonen den für sie bestimmten Bereich eingenommen haben, der Rest der Photonen diesen Bereich meidet. Die Photonen wissen also, das sie dort nicht mehr hin sollen. Dies läßt scheinbar tatsächlich den Schluß zu, dass die Materie, wie wir sie wahrnehmen, beseelt ist.

Kapitel 7 <Die divergierenden Universen>

In diesem Kapitel werden zum Teil Spekulationen behandelt, die nicht ganz neu sind. Im Besonderen die der divergierenden, d.h., auseinanderstrebenden Universen. Hierzu wird der Versuch von Erwin Schrödinger herangezogen (der Versuch ist rein hypothetisch, er wurde nicht durchgeführt). Die Versuchsanordnung besagte folgendes: In einer Kiste soll eine Katze eingesperrt werden. Zusätzlich soll in die Kiste eine Flasche mit Zyanid, ein Hammer und eine radioaktive Substanz. Sobald ein Atom der Substanz zerfällt, soll der Hammer die Flasche mit Zyanid zerschlagen, das dann die Katze tötet. Soweit nichts Erstaunliches. Aber - Wie wissen wir, ob die Katze tot oder lebendig ist, ohne die Kiste zu öffnen? Denn wir können nicht vorhersagen, wann das Atom zerfällt, um die Reaktion auszulösen. Nun besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass die Katze lebendig ist. Ebenso ist die Katze mit einer Chance von 50% tot. D.h., in der Kiste sind zwei Katzen, eine tote und eine lebendige. Erst wenn man die Kiste öffnet, weiß man, ob die Katze tot oder lebendig ist.

Auf dieser Basis bauen die drei nun auf. Denn um solche Phänomene bei Quantenereignissen (leider wird auf diesen Begriff im Buch nicht weiter eingegangen) zu erklären, gibt es die Theorie der parallelen Universen. Wie schon gesagt, besteht unser Universum, weil einige Konstanten mit einer unvorstellbaren, präzisen Genauigkeit festgelegt sind. Wäre auch nur eine dieser Konstanten um einen Bruchteil anders gewesen, gäbe es unser Universum nicht so, wie wir es kennen. Was aber, wenn unser Universum nur eines von unendlich vielen, verschiedenen, parallelen Universen ist? Die drei gehen zunächst davon aus, das es unendlich viele Universen gibt und zwar wegen folgender Theorie:

Bei jedem Quantenereignis, bei dem es verschiedene Möglichkeiten der Weiterführung gibt, wie bei Schrödingers Katze, teilt sich das Universum in zwei neue. In unserem Beispiel hieße dies: Das Ursprungsuniversum teilt sich in zwei neue: In einem lebt die Katze, in dem anderen ist sie tot. Ansonsten sind die beiden Universen absolut identisch. Ebenso beim Urknall: Die Konstanten haben nur in unserem Universum die Werte, die sie haben. In anderen Universen, haben diese Konstanten völlig andere Werte. Das heißt also im Klartext: Jedesmal, wenn ein Ereignis ansteht, bei dem eine Entscheidung getroffen wird, teilt sich das Universum. Jede Möglichkeit der Entscheidung wird realisiert, jedoch jede in einem parallelen Universum. Das heißt auch, dass der Prozeß der Verdoppelung nicht abgeschlossen ist, sondern sogar niemals abgeschlossen sein wird.

Diese Theorie sieht in ihren Ansätzen sehr vielversprechend aus, jedoch entfernen sich viele bald wieder von ihr, selbst einige ihrer ersten Befürworter.

Wie bei Schrödingers Katze, manifestiert sich die Realität erst, wenn man sie beobachtet. Die Möglichkeiten erscheinen also zuerst in einer Wellenfunktion (leider wird auch dies nicht näher erläutert). Sobald ein Beobachter auftritt, verschwindet diese Funktion und nur ein Element ihrer bleibt übrig. Dieses Element wird dann Realität. Für Guitton ist das der Beweis, dass der Geist über der Materie steht, denn nach diesen Erkenntnissen, manifestiert sich die Materie erst, wenn ein bewußter Beobachter sie beobachtet. Das gilt natürlich nicht nur für Schrödingers Katze, sondern auch für alle anderen im Universum ablaufenden Quantenereignisse. Und der Beobachter, der durch seine bewußte Beobachtung der Wellenfunktionen, diejenige Realität werden läßt, die wir kennen, ist für Guitton niemand anderes als Gott.

Kapitel 8 <Nach dem Ebenbild Gottes>

Dieses Kapitel wirft wieder eine neue, unglaubliche Theorie auf.

Zunächst mit Hilfe des Pendels von Foucault. Im Jahre 1851, die Kugelgestalt der Erde war noch nicht wissenschaftlich bewiesen, startete Foucault folgenden Versuch: Er nahm ein langes Seil, befestigte daran einen schweren Stein und hängte das ganze frei schwebend auf. Damit hatte er ein genügend großes Pendel. Dieses ließ er nun in Ost-West-Richtung pendeln. Erstaunt stellte er fest, dass die Pendelebene nicht fix (unveränderbar, fest) ist, sondern das das Pendel mit der Zeit seine Richtung änderte.

Schließlich hat es seine Richtung von Ost-West auf Nord-Süd verlagert. Diese Beobachtung veranlaßte Foucault zu der Annahme, dass die Erde rund sei und sich drehe. Denn nicht das Pendel verändert seine Richtung, sondern die Erde dreht sich, deshalb scheint das Pendel seine Pendelebene zu ändern.

Die tiefere Dimension dieses Versuchs ist jedoch eine ganz andere. Foucault hat also festgestellt, dass das Pendel von der Drehung der Erde abhängig ist. Nun greifen die drei ein noch ganz anderes Beispiel auf.

Ein Hologramm stellt ein Objekt so dar, wie es auch in der Realität erscheint. Die Dreidimensionalität des Hologramms erlaubt es dem Betrachter, es von allen Seiten und aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Doch das Hologramm hat noch eine andere, frappierende Eigenschaft. Angenommen, man fotografiert ein Objekt, zerreißt dann das Negativ und läßt eine Hälfte davon Entwickeln. Das Foto zeigt dann auch nur die Hälfte des Objektes. Ein Hologramm entsteht jedoch anders als ein Foto. Beim Hologramm wird ein Laserstrahl durch eine Platte geschickt, die das darzustellende Objekt enthält. Teilt man jedoch diese Fotoplatte in mehrere Stücke und wirft dann den Laser durch eines der Stücke, so erhält man nicht, wie man vermutet, einen Teil des Bildes, sondern das Ganze. Selbst wenn die Photoplatte in beliebig viele Teile geteilt wird, so enthält doch jedes dieser Teile die Information für das ganze Bild. David Bohm kam so zu folgender Erkenntnis: Wie beim Hologramm bewiesen, ist jedes Teil nicht ein Teil für sich, sondern ein Stück eines ganzen. Dieses Ganze läßt sich auch nicht voneinander trennen. Ein anderer Versuch:

Zwei Photonen werden dazu gebracht, sich in entgegengesetzter Richtung voneinander zu entfernen. Wird nun bei einem der Photonen die Polarität geändert, so ändert augenblicklich auch das andere Photon seine Polarität, ohne jedoch von uns beeinflußt worden zu sein.

Auch diese Photonen sind ein Teil eines Ganzen, das sich nicht in einzelne Stücke trennen läßt.

Ich möchte noch ein eigenes Beispiel einbringen, das den Gedanken des Ganzen anschaulicher machen soll.

Die DNS des Menschen ist sozusagen der Bauplan für den menschlichen Körper. Diese DNS ist in jeder einzelnen Zelle unseres Körpers gespeichert, egal, ob es eine Haarzelle oder eine Gewebezelle etc. ist. Jede einzelne Zelle beherbergt die Information, die das Ganze, unseren Körper, darstellt. So ähnlich ist es auch mit dem Universum. Jeder Teil des Universums, sei es eine Galaxie, ein Planet, ein Stein oder ein einzelnes Atom, spiegelt nicht einen Teil, sondern das Ganze in seiner Totalität wieder. Jedes Teil des Universums ist damit untrennbar mit allen anderen verbunden. Eigentlich ist sogar der Ausdruck <Teil> falsch, denn es gibt keine

Einzelteile, sondern nur das Ganze.

Kapitel 9 <Auf dem Weg zum Metarealismus>

Dieses Kapitel ist das letzte des Dialogs zwischen dem Philosophen und den Wissenschaftlern. Sie haben nun ihr vorläufiges Ziel, den Metarealismus, erreicht.

Der Metarealismus versucht, einen Mittelweg zwischen Spiritualismus und Materialismus, zwischen Idealismus und Realismus zu finden. Auf diesem Wege kommt Jean Guitton schließlich zu folgendem Ergebnis:

Der Metarealismus ist der Weg zwischen den bisherigen Weltanschauungen. Der Rahmen des Metarealismus gliedert sich wie folgt:

- Geist und Materie bilden ein und dieselbe Realität.
- Der Schöpfer dieses Universums aus Geist und Materie ist transzendent.
- Die Realität dieses Universums <an sich> ist nicht erkennbar.

11 von 11 Seiten

Details

Titel
Gott und die Wissenschaft
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
11
Katalognummer
V97624
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Referat mit Hilfe des gleichnamigen Buches - hochinteressant!
Schlagworte
Gott, Wissenschaft
Arbeit zitieren
Olaf Roeder (Autor), 1999, Gott und die Wissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97624

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