Lucius Annaeus Seneca. Stationen seines Lebens


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 1


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Autorin: Nicole Müller

Seneca

Seneca (ca. 4 v.Chr. - 65 n.Chr.)

Römischer Schriftsteller und Dichter, Staatsmann, Philosoph und außerdem einer der zentralen Stoiker Roms

Stoa: Höchstes Ziel der stoischen Philosophie ist es, einen best. inneren Zustand zu erreichen, den man als Glück (beata vita) bezeichnen kann. Damit ist die Stoa in erster Linie praktisch orientiert. Diese Orientierung hat nicht allein ein moralisches Handeln zum Gegenstand, sondern eine grundsätzliche Änderung des ganzen Menschen. An erster Stelle steht die Sorge um sich selbst (cura nostri), das Bemühen also, einen Zustand zu erreichen, in dem der einzelne sich selbst gehört und damit frei wird. Die Leidenschaften werden als Krankheit bezeichnet und es gilt, sie ganz auszurotten, damit die geistige Unabhängigkeit erreicht werden kann. Also kann man das höchste Ziel der Stoa als innere Ruhe bezeichnen.

Im spanischen Cordoba wurde Lucius Annaeus Seneca (der Jüngere) um das Jahr 4 v.Chr. geboren. Seneca, der noch zwei weitere Brüder hatte, ging aus der Ehe Senecas des Älteren mit Helvia hervor. Der Vater hatte genügend Reichtum, um dem Ritterstand angehören zu können. Er hatte sich hochgearbeitet zu einem begüterten Mann, der sich schließlich leisten konnte, mit seinem jungen Sohn nach Rom zu gehen. Der gebildete Vater ließ seinen Kindern eine strenge Erziehung angedeihen. Er legte Wert auf eine gründliche Schulung seiner Kinder in Grammatik und Rhetorik. Denn er, der selbst im Staatsdienst stand, strebte für seine Kinder die Ämterlaufbahn an, wofür eben eine gute Ausbildung unabdingbare Voraussetzung war.

Ämterlaufbahn: 1. Quaestor - Steuerverwalter

2. Aedilis - Innenminister (richtet Spiele aus; oberster Polizist)

3. Praetor - Justizminister (oberster Richter)

4. Consul - Kanzler (alleiniger Beschluß über Krieg und Frieden)

Der junge Seneca konnte seine Schulzeit in Rom absolvieren. Bei berühmten Lehrern ging er in die Lehre. Sein besonderes Interesse galt schon bald der Philosophie: Selbsterkenntnis und Selbstkontrolle waren zwei wichtige Anstöße, die er dem Unterricht seiner Lehrer entnahm und die er in die Gestaltung seines Lebens einfügte. Ebenso beschäftigte sich Seneca gern mit den großen, antiken Dichtern und der Verfeinerung seiner rhetorischen Kenntnisse. Der erhoffte einstieg in die Ämterlaufbahn verzögerte sich aber, da Seneca keine besonders robuste Gesundheit besaß. Seit seiner Kindheit litt er an Erkältungen und fiebrigen Katarrhen, die ihm immer wieder und ungewöhnlich heftig zu schaffen machten. Im Alter von etwa zwanzig Jahren setzten ihm die Krankheiten so zu, daß er nach einer weiteren Verschlechterung seines Zustands in erschreckendem Ausmaß abmagerte. Er fühlte sich kraftlos, niedergeschlagen und ausgezehrt, so daß er in seiner Verzweiflung sogar mehrfach an Selbstmord dachte. Für die Ämterlaufbahn schienen seine Kräfte nicht zu reichen, obwohl er das vorgeschriebene Mindestalter schon längst erreicht hatte. Die Aussichten für den kränklichen Seneca waren düster, seine Gedanken selbstquälerisch. Auch die Ärzte konnten dem entkräfteten Jüngling nicht helfen. Sie gaben ihm schließlich den Rat, nach Ägypten zu reisen, um durch die Klimaveränderung seinen Körper gesunden zu lassen. Mehr als fünf Jahre verbrachte Seneca in diesem Land und widmete sich dort weiteren Studien, besonders der Religion. Seine Gesundheit festigte sich dem heißen, trockenen Klima Ägyptens und durch die Einhaltung einer strengen Disziplin, die er vom Vater übernommen hatte: Er verlangte sich aus eigenem Antrieb Entbehrungen ab; er erforschte jeweils abends gründlichst sein Gewissen, ob all sein Verhalten am ganzen Tag richtig gewesen war. Aus Ägypten etwa 31 n.Chr. zurückgekehrt, fühlte sich Seneca kräftig genug, endlich die angestrebte Ämterlaufbahn zu beginnen. Er stellte sich als Quaestor, als Finanzverwaltungsbeamter, zur Wahl. Dabei wußte er genau, daß er allein aus eigenem Antrieb die erste Stufe seiner Laufbahn nicht erklimmen konnte. Eine Tante, die Halbschwester seiner Mutter, stellte die fehlenden Verbindungen und die nötigen Beziehungen für Seneca her. Von diesem Einfluß getragen, gelang Seneca der einstieg in die Karriere. Vermutlich im Jahr 33/34 n.Chr. hatte er das begehrte Amt inne, und damit nun auch Anspruch auf einen Platz im Senat. Als versierter, rhetorisch geschickter Verteidiger und Anwalt konnte Seneca bald beeindrucken und als Redner wuchs sein Ruhm in so bedeutendem Ausmaß, daß Kaiser Caligula auf ihn aufmerksam wurde.

Caligula hatte es geärgert, daß Seneca im Senat eine Rede gehalten hatte, die so brillant war, wie Caligula selbst es niemals konnte. Der Kaiser befahl deshalb kurz entschlossen, Seneca hinzurichten. Doch eine von den Geliebten des Kaisers brach eine Lanze für den vom Tod bedrohten Mann, der aufgrund seiner körperlichen Schwäche und seiner geistreichen Vorzüge ihr Mitleid erregte. Sie setzte sich auf eine sehr seltsame Art, aber sehr wirkungsvoll für Seneca ein, indem sie darauf hinwies, daß Caligula sich diesen Mord sparen könne, denn das von ihm auserkorene Opfer würde sowieso nicht mehr lange zu leben haben, Seneca sei ohnehin todkrank.

Seneca war völlig überraschend mit dem Kaiserhaus in Kontakt gekommen und dieses Ereignis bestimmte sein ganzes weiteres Leben: Schon im ersten Regierungsjahr des Kaisers Claudius, der Caligula auf den Thron folgte, 41 n.Chr., mußte sich Seneca wegen Ehebruchs mit Julia Livilla, der Schwester Caligulas vor Gericht verantworten: Es war eine politisch motivierte Anklage, hinter der Messalina, die Frau des Claudius, stand. Claudius hatte sich von Freigelassenen und Frauen die Zügel aus der Hand nehmen lassen und Livilla war bei Messalina in Ungnade gefallen. Sie suchte für die Anklage gegen die ungeliebte Livilla noch einen männliche Gegenpart, der sich zum Sündenbock stempeln ließ und ihre Wahl fiel dabei auf Seneca, der ihr von früher her nicht gerade als Freund des Caligula im Gedächtnis war und der auch sonst im Senat noch immer viel zu sehr eine führende Rolle in der Opposition einnahm. Sie sorgte dafür, daß Seneca in die Verbannung nach Korsika geschickt wurde, wo er bis 49 n.Chr. bleiben mußte.

Seiner Mutter Helvia sandte Seneca schon bald eine Trostschrift, in der er sich auch selbst Mut zusprach. Eine Verbannung, erklärte er ihr, sei ,,nichts anderes als ein Ortswechsel", der allerdings sehr bedrückende Folgen: Armut, Schande, Verachtung nach sich zieht. Seneca bediente sich auch des Beispiels der anderen, denen es noch schlechter ergangen war und er versucht sich daran aufzubauen: ,,Wie wenig braucht doch der Mensch wirklich notwendig zu seinem Unterhalt! Und das kann einem einigermaßen tugendhaften Menschen doch nicht fehlen!" Etwas anderes bereitete ihm mehr Sorgen: ,,Was mich persönlich betrifft, so sehe ich ein: Nicht meine Schätze fehlen mir, sondern mein gewohnter Pflichtenkreis. Der Körper braucht ja nur wenig. Er möchte nicht frieren, möchte durch Nahrungsmittel Hunger und Durst stillen können, alle sonstigen Bedürfnisse dienen nur den Lastern." Seneca schärfte sich selbst ein: ,,Die notwendigen Dinge gibt es auch an den Verbannungsorten in ausreichender Menge, die überflüssigen nicht einmal in Königreichen. Die innere Einstellung ist es, die den reichen Mann ausmacht und die eben behält man an den Verbannungsorten wie in den unwirtlichen Wüstengegenden." Für einen freien Geist, redete sich Seneca ein, kann es im Grunde genommen gar keine Verbannung geben.

Die lange Zeit von sieben Jahren mußte Seneca zwangsweise auf der Insel verbringen, denn seine einmal sogar sehr aufdringlich vorgetragene Bitte um die Erlaubnis zur Rückkehr wurde ihm abgeschlagen. In dieser Zeit übte sich Seneca im Philosophieren, das ihn dem erstrebten Ziel der innerlichen Ausgeglichenheit näherbringen sollte. Mit hoher Selbstdisziplin versuchte er, sich diese Seelenruhe zu verschaffen.

Sein Blatt wandte sich erst wieder zum besseren, als Claudius seine vierte Ehe schloss. Er heiratete seine herrschsüchtige und vom Ehrgeiz getriebene Nichte Aggripina, für die es die dritte Ehe war: Aus ihrer ersten Ehe stammte der zwölfjährige Sohn Nero, den sie über alles liebte und für den sie die höchsten Ämter des Römischen Reiches beanspruchen wollte.

Aggripina entschloß sich zu einem wichtigen Schritt: Sie erkor Seneca als Lehrer für ihren Sohn, weil der in ihren Augen einen guten Ruf besaß und ihr als Erzieher von Nero als äußerst vertrauenswürdig erschien. Außerdem, so mutmaßte die vom Herrschaftsehrgeiz durchdrungene Frau, konnte ihr Seneca bei den Plänen, die sie mit Nero hatte, nützlich sein. Sie war daher die treibende Kraft, die Senecas Rückberufung aus der Verbannung durchsetzte. Schließlich lag ihr viel an der möglichst schnellen Ausbildung ihres Sohnes, denn mit ihm im ,,Wettbewerb" stand Britannicus, nur drei Jahre jünger, der Sohn des Claudius mit Messalina, der Nero den begehrten Thron einmal streitig machen konnte. Gleichzeitig besorgte Aggripina dem Seneca als annehmbare Gegenleistung die Praetur für das Jahr 50 n.Chr., dem gleichen Jahr in dem Claudius dann Nero adoptierte.

Sein Schüler Nero, dem Seneca sich widmete, zeigte mehr künstlerische Neigungen als Staatsmännische Eigenschaften. Nero pflegte die Bildhauerei, malte und sang gern. Seneca entwickelte trotzdem eine enge Beziehung zu dem Jungen, der von Rhetorik nicht allzuviel verstand. Der Philosoph und Schriftsteller wurde zum Wegbegleiter des jungen Nero und seine Macht und sein Einfluß wuchsen durch die intensive Beziehung zu Nero. Aggripina hatte es geschickt verstanden sich in der Öffentlichkeit als Gattin des Kaisers in Szene zu setzen. Immer offener steuerte sie das Ziel an, ihrem Sohn den Kaiserthron zu sichern und betrieb eine gezielte Personalpolitik. Wo sie ihrem Mann nur die Zügel aus der Hand nehmen konnte, ergriff sie selbst die Initiative: Bei der Besetzung von Ämtern wählte sie ausschließlich Männer, von denen sie wußte, daß sie ihr treu ergeben sein würden. Im Jahr 54 n.Chr. hielt sie den Zeitpunkt für gekommen, ihren sechzehnjährigen Sohn Nero zum Kaiser zu machen.

Nun plagte sie die Befürchtung, daß womöglich doch noch Britannicus zum Zuge kommen könnte. So ließ Aggripina kurzerhand ihren Ehegatten Claudius ermorden, vermutlich mit giftigen Pilzen. Seneca übersah das geflissentlich, obwohl er zumindest theoretisch so hohe Ansprüche an die Sittlichkeit stellte. Auch er selbst verhielt sich offensichtlich völlig widersprüchlich. Während er vor Jahren noch dem ermordeten Kaiser Claudius die höchsten Schmeicheleien angedeihen ließ, nur um ihn zum Rückruf aus der Verbannung zu bewegen, hielt er es jetzt ganz anders mit dem Opfer. Er dichtete eine Verspottung für den Toten, die er als ,,Verkürbissung" bezeichnete.

In den folgenden fünf Jahren hatte Seneca größten Anteil an der Macht. Er amtierte unter dem jugendlichen Nero als engster Ratgeber, als ein Minister des Herrschers, den er vor dessen ,,Auftritten" im Senat beriet. Neros Politik der ersten Jahre war von Senecas Handschrift geprägt und so verlief die Herrschaft durchaus positiv und wohlgelitten.

Im Jahr 59 n.Chr. Ließ Nero seine Mutter ermorden, Zeichen seines Wahns, Zeichen auch der letzten Endes gescheiterten pädagogischen Bemühungen Senecas, der daraufhin aus dem politischem Leben ausschied. Das Unheil nach ruhiger Zeit, in der sich Seneca verstärkt seiner schriftstellerischen Tätigkeit und philosophischen Betrachtungen widmete, brachte das Jahr 65 n.Chr. mit sich. Um Piso, den derzeitigen Konsul, hatte sich eine Verschwörergruppe gebildet, die den sich zunehmend als Tyrannen gebärdenden Nero umbringen wollte, zumal der Unmut durch den von Nero wahrscheinlich absichtlich verschuldeten Großbrand Roms im Vorjahr immer stärker angewachsen war. Seneca soll angeblich von dem Komplott gewußt haben, weshalb Nero den Tod seines Lehrers verfügte. So zum Selbstmord gezwungen, starb Seneca ohne Furcht und Angst, ganz in stoischer Gelassenheit.

- vorhin gesagt, widmete sich verstärkt schriftstellerischen Tätigkeiten Er nahm nämlich in Briefform zu politischen und ethischen Fragen Stellung. Er wählte deshalb die Briefform, weil sich so der Leser bei der Belehrung nicht direkt angesprochen fühlt und damit nur indirekt belehrt wird, fast ohne es selbst zu merken. Ein wichtiges Thema seiner Briefe war die Sklaverei, wobei er sie immer verabscheute. Seneca gehört in Prosa und Poesie zu den prominentesten röm. Autoren der Kaiserzeit. Er beeindruckt durch seine stilistische Vielseitigkeit, denn zu seinen Werken gehören Briefe, Dialoge, naturwissenschaftliche Abhandlungen, Tragödien sowie eine Satire, nämlich die ,,Verkürbissung".

Seneca war zu seiner Zeit ein Modeautor. Das literarische Interesse an seinen Werken blieb bis heute erhalten: - Seine Moralphilosophie blieb lange wirksam und ist geeignet auch den Menschen von heute anzusprechen.

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Lucius Annaeus Seneca. Stationen seines Lebens
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V97626
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seneca
Arbeit zitieren
Nicole Müller (Autor), 2000, Lucius Annaeus Seneca. Stationen seines Lebens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97626

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