GIB MIR EINEN KUß, LARISSA LARUSS: Hexen in der Realität und in der Literatur


Hausarbeit, 1999

20 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Buchvorstellung

2. Buchanalyse
2.1. »Larissa Laruss« als Name für eine Hexe
2.2. Wie überzeugt der Autor seine Leser?
2.3 Zwischen Realität und Phantasie
2.4 Über das kindliche Verhalten bzw. Lügen
2.5 Aktuelles Thema in Bezug auf phantastische Erzählung
2.6. Aktuelles Thema über die Hexen
2.7. Fragestellung: ist Larissa eine Hexe?
2.8. Hexen in der Realität
2.9. Beschreibung von Larissa als einer Hexe
2.10. Beschreibung einer typischen Hexe in der Realität
2.11. Was Vera sich über Hexen ausdenkt, aber keinen Beweis dafür hat
2.12. Was die Menschen sich über Hexen ausgedacht haben
2.13. Larissas Verhalten
2.14. Verhalten der Hexen in der Realität
2.15. Veras neue »Stiefmutter« als Hexe
2.16. Stiefmütter als »Hexen« in der Realität
2.17. Larissa als verjagte Hexe
2.18. Hat die Bevölkerung Hexen in der Realität verjagt?
2.19. War Larissa eine Hexe oder eine Besessene Frau?

3. Schlußfolgerung

4. Literaturverzeichnis

1. Buchvorstellung

Lukas Hartmann: Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss

Sie ist eine Hexe, echt!

»Sie hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, eisgraue Augen, aschblonde Haare, und am Mundwinkel eine Warze mit drei Härchen drauf« (S.7), sagt Vera, eine 11 jährige Schülerin über Larissa Laruss. Sie wird überrascht, als sie in der Küche sieht, daß diese Kreatur die neue Freundin ihres Vaters Theo ist.

Fredi, ein Schulkamerad und sehr guter Freund von Vera, wird schnell über diese Neuigkeit informiert. Ohne zu zögern schlägt er in seinem Hexenlexikon nach. Er stellt fest, daß Larissa eine sogenannte Berghexe ist, weil sie wie die beschriebene Hexenart sehr einsam ist und deshalb die Gesellschaft für sich sucht (S.7). »Auch haben wir dafür Beweise« sagen die Kinder (S.6). Vera erinnert sich daran, »daß als das Küchenfenster sehr lange aufgesperrt geblieben war, und Paps es schließen wollte, Larissa gesagt hatte, kälte mache ihr gar nichts aus« und (S.19), daß sie einmal den Kühlschrank so eingestellt hat, daß man die Butter kaum schneiden konnte (S.19).

Es ist kein Zweifel: diese neue Freundin kann nur einen negativen Einfluß auf den Paps ausüben. Nun beschließ Vera und Fredi Larissa zu verjagen. »Mit Knoblauch vertreibt man Vampire« hat Vera Erinnerung (S.22). Ohne zu zögern entscheiden sie sich, eine Pizza mit extra viel Knoblauch für Larissa zu backen. Schlechtes Ergebnis, denn Larissa liebt Knoblauch... Die Schnur auf dem Plattenweg hat auch nicht funktioniert. Statt Larissa ist Veras Vater zum Opfer geworden.

Vera wird wütend, als Larissa sagt, daß der Papa jetzt ihr gehört. Dann denken sich die Kinder neue Systeme aus, Larissa zu vernichten, was wieder nicht wirklich funktioniert. Das Haus wo der Paps und Larissa Abend essen, geht in Flammen auf. Das Ergebnis ist bloß, daß Vera im Krankenhaus aufwacht.

Sie muß unbedingt Larissa wieder treffen und endlich kämpfen. Da sie sich noch unter Beobachtung im Krankenhaus befindet, flieht sie. Sie trifft Fredi und die beiden fahren mit seinem Rad zu Larissa. Fredi bleibt draußen, während Vera in Larissas Wohnung ihren Vater sucht. Hha! Er ist so weit geschrumpft, daß er in einen Vögelkäfig paßt. Wütend greift Vera Larissa an. Plötzlich fängt Larissa an zu weinen, sie entschuldigt sich, da sie akzeptiert, daß sie eine Hexe ist, aber ihre Fähigkeiten nicht kontrollieren kann. Solch ein Geständnis berührt Vera sehr und in ihrem Kopf entsteht ein Reim: »Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss« .

Wird Larissa sich ändern?

2. Buchanalyse

2.1 »Larissa Laruss« als Name für eine Hexe

In dem Handbuch »Religiöse Gemeinschaften« wird das Wort »Hexe« als eine Abstammung von dem Mittelhochdeutschen »hagazussa« (wörtlich: Zaunreiterin) erklärt.1 In dem großen Wörterbuch der deutschen Sprache »Duden« steht, daß das Wort »Hexe« nicht nur aus »hagazussa«, sondern auch aus »hagzissa« entsteht.2 Auf den Internet - Seiten »learn-line« ist notiert, daß man in der Bibel eine Hexe mit »bacularia« (Besenreiterin) oder »lamia« (Nachtungeheuer) bezeichnet. Aus diesen verschiedenen Abstammungen kann man besser sehen, wie der Name Larissa Laruss entstanden ist.

2.2 Wie überzeugt der Autor seine Leser?

Mit dem Zweck Leser zu überzeugen, wird im Buch alles so dargestellt, als sei das in der Realität geschehen.

Der beste Beweis dafür ist die Ich-Erzählerin selbst, kleine Vera, die ihrem lieben Hampel, »einem uralten Stoffhasen«, die ganze Geschichte erzählt.3 Auch für sie selbst gibt es keinen Zweifel, daß die neue Freundin ihres Vaters eine Hexe ist, −sie sagt: »Schließlich bin ich beinahe elf, und da glaubt man nicht mehr an jeden Quatsch«.4

Andere Realitätsfaktoren und alles, was normalerweise in der Realität üblich ist, werden respektiert: Orte, Personen, Namen, Alltagsleben etc. Der Autor verleiht Larissa Charakteristiken einer Berghexe. Solche Faktoren sind in diesem Buch sehr wichtig, sie helfen dem Leser (Kind), sich zu identifizieren, hier z.B. wenn Vera mit solcher Überzeugung alles, was passiert, erzählt und alle Details erklärt, bleibt für Kinder kein Zweifel, daß es Hexen gibt, und sie fühlen sich in der Geschichte sehr wohl.

Sehr wichtig finde ich auch die Technik der Anekdoten. Wenn Vera sich selbst überzeugt, daß die neue Freundin ihres Vaters eine Hexe ist, erinnert sie sich, daß ihre Lehrerin, Frau Grolimund, einmal gesagt hat, daß es Hexen nur in Märchen und bösen Träumen gibt. Aber Frau Grolimund hat sich schon so oft geirrt: Auf der Schulreise behauptete sie, daß wenn man ganz ruhig ist, man von Bienen nicht gestochen wird. Aber doch wurde Fredi von vier Bienen gestochen und Vera selbst von einer, −»und zwar in den Hals, wo’s am gefährlichsten ist«.5

2.3 Zwischen Realität und Phantasie

Es gibt für Veras Vater kein Thema über seine neue Freundin: »Ich fürchte, du Vera, wirst dich an sie gewöhnen müssen. Larissa ist in meinen Augen eine sehr sympathische Frau«.6 Für Vera und Fredi wird es aber zu Realität eine Hexe zu verjagen. Ich sehe in den langen Gesprächen der Kinder, daß die Mittel, die sie benutzen, um eine Hexe umzubringen, aus dem Gebiet der Phantasie kommen.

Ob Larissa eine Hexe oder ein normaler Mensch ist, spielt für Vera kaum eine Rolle, sie ist erst eine neue Freundin ihres Vaters, und Vera fühlt sich von ihm vernachlässigt. Schließlich ist, wer hätte das gedacht, die Lehrerin von Vera, Frau Grolimund, mit Erkenntnissen und brauchbaren Ratschlägen zur Hand: »Alle Mädchen und Frauen sind Hexen und besitzen magische Kräfte«.7

Sich für schuldig erklärt, sagt Larissa zu Vera: »Du kannst dir nicht vorstellen, wie einsam es war auf meinem Berg. Diese endlosen Winter! In meiner Höhle bin ich gesessen, habe geschlottert und auf den Frühling gewartet«.8 Sie hatte viele Fähigkeiten das Böse zu tun, aber sie wollte immer ein normaler Mensch werden. Sie wurde nicht mehr von den anderen Hexen ihrer Sorte akzeptiert, weil sie nicht böse genug war.9 Vera hat wirklich Angst, daß diese Hexe ihren Vater schaden kann. Sie schlägt dem Vater vor, Larissa nicht mehr zu besuchen. Die Antwort von Paps ist: »Aber ich brauche eine erwachsene Frau in meinem Leben«.10

Nach einem der Konflikte nimmt der Vater Veras Hand und sagt: »Vera, es tut mir leid. Du hast dich in gefährliche Phantasien hineingeflüchtet. Du verwechselst die Wirklichkeit mit deinen Angsträumen. Das geschieht manchmal, wenn man unter starkem Druck steht und etwas unbedingt anders haben möchte, als es ist. Ich kann dir nur sagen: Larissa ist eine ganz normale Frau. Und deine angeblichen Beweise sind lauter Einbildungen«.11

2.4 Über das kindliche Verhalten bzw. Lügen

Alle Lügen, die von Kindern in diesem Buch erzählt werden, verstehe ich als Not-Lüge, die Kinder einsetzen, um ihr Ziel zu erreichen.

Vera sieht, daß diese Hexe −Larissa− ihren Vater schon so eingewickelt hat, daß er ans Heiraten denkt, und das bedeutet, daß ihm egal ist, was mit seiner Tochter geschehen wird. »Da hilft es nur noch, notfalls zu lügen und betrügen, um das Schlimmste zu verhindern«.12 Wie die Lügen von den Kindern interpretiert werden, und ob es eine mögliche Auswirkung gibt, weiß ich nicht, aber es ist festzustellen, daß in dieser Geschichte die Erwachsenen an alles glauben, was die Kinder ihnen erzählen. Der Glaube an solche Lügen ist für mich aus dem Gebiet der Phantasie.

Um Larissa einen schlechten Streich zu spielen, wollen die Kinder eine Schlange kaufen. Da sie mit dem Geld knapp waren, haben sie sich Gedanken gemacht: »Stehlen wollen wir auch nicht erstens, wegen dem schlechten Gewissen und zweitens, weil ’s auf jeden Fall großen Ärger gäbe und sie uns, würden wir erwischt, ausquetschen würden, bis sie die Wahrheit wüßten«.13 Abgesehen davon, daß das Stehlen nicht gut ist, klauen sie in der Kirche Weihrauchstücke um den Plan, Larissa zu vernichten, durchzusetzen.

Bei einem der vielen Streiche vergißt Vera ihre ganz blauen Hände zu waschen. Wenn der Vater sie fragt, warum ihre Hände blau sind, antwortet Vera, daß sie in der Schule für ein Theaterstück einen bösen Geist spielen sollte...

Als sie von Larissas Haus spät in der Nacht rennt, wird sie von einem Polizisten gefragt, wohin sie geht. Sie antwortet, daß sie für ihren Vater schnell Zigaretten holen muß, weil er jetzt zu Hause mit einem Gips sitzt...

An einem Samstag entscheiden sich Vera und Fredi in der Kirche Weihrauchstücke zu finden. Vera muß eigentlich diesen Tag mit ihrem Vater die Küche putzen helfen. Sie sagt, daß sie Lust hätte gern mit Fredi Papierberge für die elektrische Eisenbahn zu machen. Wenn sie bei Fredi sind, fragen sie Fredis Mutter, ob sie in den Zoo gehen dürfen. Die Mutter, Frau Koller, gibt auch Geld für den Bus und den Eintritt. Da sie mit dem Klauen in der Kirche schneller sind, als der Zoo-Besuch dauern sollte, spielen die Kinder ein bißchen Fangen, so daß Frau Koller an ihre Lüge glauben kann. Als die Kinder zu Hause sind, erzählen sie, daß die Schlangen gefährlich ausgesehen hätten, und Klapperschlange sogar geklappert hätte.14

2.5 Aktuelles Thema in Bezug auf phantastische Erzählung

Oft steht Vera als kleine Hausfrau in der Küche und bereitet für sich und ihren Vater das Essen zu.15

Vera erzählt: »Mama ist in London und arbeitet in einer Bank, sie ruft mich einmal pro Monat an, wir treffen uns zu Weihnachten, und an meinem Geburtstag fliegt sie extra zu mir. Aber Paps und sie wollen einander nicht mehr sehen oder nur noch ganz selten. »So ist es eben«.16

Fredi sieht seine Eltern nicht so oft, weil beide arbeiten. Die Mutter ist den ganzen Tag im Laden und sein Vater als Reiseverkäufer schläft nur am Wochenende zu Hause. Wenn Fredi den Weihrauch sucht, um Larissa zu vernichten, weiß Vera nicht, was Weihrauch ist. »Fredi wußte es, denn er ist katholisch, und ich bin nichts, weder katholisch noch protestantisch. Ich müsse selber mal wissen, was ich sein wolle, hat Paps mir erklärt«.17

2.6. Aktuelles Thema über die Hexen

Die Hexengeschichten werden sehr oft den Kindern erzählt, sie üben eine Faszinationen auf die Kleinen aus. Aus dem Glauben und Imaginationen der Leute in der Realität sind dann die Hexenmärchen und die phantastischen Erzählungen entstanden. Die Unsicherheit der Leute bezüglich der Existenz von Hexen läuft noch heutzutage den Kindern eiskalt den Rücken runter.

Wer kann sich hinter der Maske einer Hexe (Larissa Laruss) verstecken? »Zu neuer Aktualität gelingt das Hexenthema im Zusammenhang mit der neuen Frauenbewegung, die sich intensiv mit der Erforschung der Hexenverfolgung befaßt und die in den Hexen sowohl ein Symbol der Unterdrückung von Frauen als auch ein Symbol des Widerstandes der Frauen sieht«.18

So hätte Larissa Laruss in der Realität existierten können, sie hätte wegen der Verfolgung der Kinder bloß keine Gelegenheit finden können, um zu zeigen, daß sie nicht so schlecht war.

Der Begriff der Hexe wurde von der feministischen Bewegung Anfang der 70er Jahre für die heutige Zeit neu entdeckt und von einem Teil der Feministinnen zur positiven Selbstbeschreibung benutzt. Die betreffenden Frauen wollten damit provozieren, sich als »Verfolgte« darstellen und vom Staat und der Kirche abgrenzen. Die »Neuen Hexen« verstehen sich als weibliche Kritik an einer von ihnen so empfundenen patriarchalischen Gesellschaft. In der Reaktion der Männer auf solch eine Infragestellung durch die »freien Frauen« sehen diese wiederum nur »Verteufelung« und »Verfolgung«.19

Das Handbuch »Religiöse Gemeinschaften« erklärt, daß es heute verschiedene »Hexen«Gruppierungen bzw. Traditionen, im Besonderen den »Wicca-Kult« gibt, der sich in vielen Ländern verbreitet hat. Die Mitglieder, die teils aus dem bürgerlichen Mittelstand, teils aus feministischen Kreisen kommen, distanzieren sich von der bösen, schwarzen Magie. Sie betreiben ausschließlich weiße Magie, die sie als natürliche menschliche Fähigkeit verstehen, die in unserer Gesellschaft brachliegt.20

Ob es wirklich Hexen oder nur Frauen gab, die zu der Definition einer Hexe korrespondierten, wußten nur die Leute, die sie verfolgt haben. Es ist aber sicher, daß der Hexenglaube während des Mittelalters eine sehr große Rolle spielte. Die mittelalterlichen Massenvernichtungen von Frauen dienten als Basis für die Gründung der Neuen Frauenbewegung, die sich heute als Feminismus bezeichnet läßt. Er meint einerseits, daß Frauen ihre Interessen und Rechte entdecken, um sie in Forderungen umsetzen zu können, aber auch daß sie das gegen die Interessen und Rechte der Männer tun.21

2.7. Fragestellung: ist Larissa eine Hexe?

Vera sagt: »Ich kann’s fast nicht glauben, und doch bin ich sicher, daß es stimmt. Heute abend hat Paps eine Hexe mit nach Hause gebracht!«22

In dieser phantastischen Erzählung gibt es viele Passagen, die der Realität entsprechen, z.B. die Beschreibung des Familienlebens der handelnden Personen. Wenn aber Vera, entdeckt, daß die neue Freundin ihres Vaters eine Hexe ist, wird diese Geschichte abenteuerlich und die Phantasie geht los. Kann man sich vorstellen, daß Larissa wirklich eine Hexe ist? Es gibt nun keinen Zweifel, denn Vera hat dafür Beweise. Und Larissa bekennt sich als Hexe, bevor sie ein normaler Mensch wird.

In dem Buch wird erzählt, daß Larissa in den Bergen wohnte und sehr einsam war. Vera fragt: » Und dann bist du gekommen, um einen Mann zu suchen«? Larissa antwortet: »Ich hab’ manchmal Liebespaare an Rastplätzen miteinander reden gehört, von allerliebsten Babys, wie unglaublich schön es sein werde, abends gemeinsam vor Fernseher zu sitzen. Dazu haben sie sich an der Hand gehalten und einander angelächelt. Eines Tages wollte ich das alles auch. Ich wollte einen Mann, ein Haus, ein Kind und einen Fernseher. Auch Berghexen haben ein Recht darauf, glücklich zu sein. Oder findest du nicht?«23

Vera denkt am Anfang, daß Larissa ihren Vater schaden kann, weil sie eine Hexe ist, aber wenn sie einsieht, daß Larissa erlöst werden und ein menschliches Leben haben will, sieht sie keine Gefahr mehr für den Paps.

2.8. Hexen in der Realität

Die mittelalterliche Bevölkerung war sehr verängstigt den Hexen gegenüber. Die Leute haben sich deswegen keine großen Gedanken über das Schicksal der Hexen gemacht. Es war ihnen irgendwie egal, ob diese Frauen einsam oder nicht leben.

Ein in 30 Verlagen veröffentlichtes Buch »Hexenhammer« enthielt Beschreibungsmerkmale, die eine »Hexe« erkennen ließen, z.B. Hurerei und Ehebruch, Männer impotent machen, Kastration und Sterilisation, Sodomie und Homosexualität, Schwangerschaftsabbruch, Kindesmord etc.24 250 Jahre lang diente es als ein Handbuch für diejenigen, die oft unschuldige Frauen in den Tod geschickt hatten.25

Evelyn Heinemann erklärt, warum diese Frauen (Hexen) sehr einsam waren und die Gesellschaft suchten. Sehr oft im Mittelalter machten schwere Wirtschaftskrisen des 16. Jahrhunderts viele Frauen arbeitslos. Die Lebensbedingungen des 16. Und 17. Jahrhunderts boten den Frauen wenig soziale Sicherheit. Nur schätzungsweise 40% aller Frauen waren verheiratet. Kriege, Unruhen und die Pest konnten auch verheiratete Frauen zu Witwen und Bettlerinnen machen. Sie waren meist von Freunden verlassen, von den Jahren gebeugt und voller Gebrechen. Frauen zählten zu den bedürftigsten Mitgliedern der Gesellschaft.26 Diese Frauen, meist alleinstehend und oft nur durch Bettelei in der Lage, sich das Existenzminimum zu beschaffen, stellten eine Randgruppe dar, ohne jeden Einfluß zwar, aber zahlenmäßig überproportional vertreten.27 Nach Evelyn Heinemann waren auch Menschen mit körperlichen Defekten hexereiverdächtig.28

Wer waren diese Frauen in der Wirklichkeit? Waren sie zauberkundige, kräuterkundige, weise Frauen? Waren sie Teufelsanbeterinnen? Oder waren sie bloß Frauen? Das Buch »Ketzer, Zauberer, Hexen« gibt uns eine mögliche Beschreibung der zu Hexen erklärten Frauen: »Sie waren weder reich noch hatten sie Ehre oder Ruhm. Noch weniger hatten sie politische Macht. Sehr wohl waren sie reich an Wissen, Weisheit, reich an dem, was ihre Fähigkeiten und Kenntnisse anging. Ihre Eigenmacht stellten sie anderen zur Verfügung. Als Ärztinnen des Volkes , als Hebammen waren sie sozial im Sinne des Geheimniswohls mächtig. Sie waren Heilerinnen auf vielerlei Ebenen und praktizierten eine qualifizierte Nachbarschaftshilfe. Von der hoch bezahlten männlichen Ärzteschaft unterschieden sie sich wesentlich.29 So scheint es, daß viele der angeblichen Hexen normale Frauen waren, die als Opfer in die Mühlen der Justiz gerieten, weil viele Menschen in einer kollektiven Vorstellung, genährt u.a. durch latent vorhandene Frauenverachtung, dem Phantom »Hexe« nachjagten.30

2.9. Beschreibung von Larissa als einer Hexe

In dieser Geschichte wird Larissa vom Autor als eine junge Hexe dargestellt. »Sie hat eine spitze Nase und ein spitzes Kinn, eisgraue Augen, aschblonde Haare, und am Mundwinkel eine Warze mit drei Härchen drauf«31 oder »Als Larissa zurückkam, hatte sie sich die Lippen feuerrot geschminkt, und das sah zur Warze am Mundwinkel und ihrer bleichen Haut noch schrecklicher aus als vorher«.32

Ein anderes Mal trug sie nicht mehr Lederhosen, sondern einen schwarzen Maxirock, eine blaue Jacke und einen violetten Fransenschal, und mit all dem sah sie noch hexenhafter aus als beim ersten Mal.33 Letztes Mal, daß Vera sie noch als Hexe getroffen hat, trug sie einen blauen Morgenmantel und darunter einen Pyjama. Sie hatte nackte Füße mit roten Zehennägeln, ihre Haare waren zerwühlt. Sie sah bleich und ungesund aus, mit dunklen Ringen unter den Augen, und die Warze leuchtete am Mundwinkel wie ein Glutpunkt.34 Nach Fredis Hexenlexikon wird eine Berghexe folgenderweise dargestellt: »Berghexen sind die einsamsten von allen Hexen, deshalb suchen sie die Gesellschaft. Berghexen ernähren sich hauptsächlich von Eiszapfen und Gletschermilch, essen aber auch anderes. Sie haben silberne Haare, und je kälter es ist, desto gemütlicher finden sie‘s. Berghexen können es schneien lassen, und sie können Dinge, die nicht größer sind als ein Kohlkopf, mit einem einzigen Spruch einfrieren oder auftauen. Und manchmal haben sie auch die Kraft, Menschen schrumpfen zu lassen, zum Beispiel einsame Bergwanderer, die sie dann in ihre Hütte tragen und in einem Vogelkäfig einsperren, damit sie jemanden zum Plaudern haben. In Vollmondnächten können Berghexen auf einem Besen fliegen, aber sie müssen vorher zerkrümelte Lärchenbartflechte über den Besen streuen.

Seit über zweihundert Jahren, stand im Lexikon, habe man unter Menschen keine Berghexe mehr gesichtet, wahrscheinlich seien sie ausgestorben«.35 Wenn Larissa sich als Hexe bekennt, sagt sie: »Zur Walpurgisnacht die gehe ich schon lange nicht mehr, dort prahlen alle nur mit ihren Schandtaten, und das meiste ist erstunken und erlogen, denn die Menschen glauben ja nicht mehr an uns, und das schwächt uns von Jahr zu Jahr mehr«.36

2.10. Beschreibung einer typischen Hexe in der Realität

Das große Wörterbuch der deutschen Sprache beschreibt eine typische Hexe nach dem Volksglauben als »eine Sage auftretendes weibliches dämonisches Wesen, meist in Gestalt einer häßlichen, buckligen alten Frau mit langer, krummer Nase, die mit ihren Zauberkräften den Menschen Schaden zufügt und oft mit im Bunde mit dem Teufel ist.37 Die Phänomenologie der Religion erklärt, daß »bei vielen Völkern nur eine Frau mit den Dämonen in Verbindung treten kann«.38

2.11. Was Vera über Hexen ausdenkt, aber keinen Beweis dafür hat

Lukas Hartman zeigt uns, daß Vera sich über die Hexen viel ausdenkt. Sie sagt z.B.: »Hexen sind an Rauch und Feuer gewöhnt, und gerade das Allerscheußlichste essen sie am liebsten39 oder »Sie hatte Paps also geküßt, und das bedeute höchste Gefahr für ihn«. Überzeugt von Schäden, die ein Hexenkuß zufügen kann, hat sie blitzschnell den Fleck von Lippenstift geputzt.40 Als das Mädchen die Schlüssel von Larissa stehlt, stellt sie fest, daß auch Hexen zum Glück nicht alles merken.41 Alles, was Larissa gehört, sieht das Mädchen verdreht: »Ein Besen mit langem Stiel und einem gelben Strohwisch. Furchtbar borstig sah er aus, lieber Hampel, und weißt du ja wohl, was ich für einen Verdacht hatte«.42 Andere Worte von Vera sind: »Vielleicht ist Larissa ja durch Fenster weggeflogen, bevor es hell wurde«.43

2.12. Was die Menschen über Hexen ausgedacht haben

Evelyn Heinemann beschreibt die im Mittelalter herrschenden Stereotype einer Hexe: sie verfügt über magische Kräfte, sie kann Krankheiten bei Mensch und Tier hervorrufen, Unfruchtbarkeit erzeugen, Wetter machen und jegliche Art von Schadenzauber betreiben. Sie steht mit dem Teufel im Bund, fliegt zum Sabbat und ist den Menschen böse gesinnt. Sie verspeist Kinder, bereitet aus Neugeborenen ihre Hexensalbe und weiht die Neugeborenen dem Teufel. Äußert beliebt war bei der Hexe der Milchdiebstahl bei Kühen.44

Aus dem »Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens« stammt, daß die Hexen von den übrigen Menschen als Katzen gesehen wurden, denn der Teufel bewirkte das durch eine optische Täuschung.45

In der »Geschichte der religiösen Ideen« steht geschrieben, daß Hexen sich in Elefanten und Affen verwandeln können oder wie Vögel fliegen, die in der Nacht als Feuer- und Lichtformen wiederzuerkennen sind.46

2.13. Larissas Verhalten

Vera erzählt: »Als Larissa das erste Mal bei uns eingeladen war, merkte ich, daß ihr Verhalten besonders aussah: Sie hat uralte Kapern und ein halbes Joghurt mit einem blauen Schimmelschicht aus dem Kühlschrank gegessen« .47 Wenn die Pizza aus dem Ofen genommen wird, ist sie halb verkohlt. Larissa erwidert darauf, daß »ein angebrannter Teig ihr gar nichts ausmacht« .48 Wenn Theo sich auf dem Plattenweg verletzt, will Vera ihrem Vater helfen, aber Larissa läßt sich nicht wegdrängen, sie wirft Schachteln und Tuben auf den Boden, und schüttet den halben Inhalt des Fläschens über Paps Wunde. Auch das Pflaster darf Vera nicht kleben, denn Larissa macht ja alles selber, aber so roh, daß Paps bei jeder Berührung zusammenzuckt. Vera will diese Hexe in der Luft zerreißen, aber fühlt sich selbst wie gelähmt.49

Die Geschichte mit der Knoblauchpizza liefert weitere Beweise gegen Larissa als eine Hexe. Nachdem sie ein Stück davon gegessen hat, kommt Rauch aus ihren Ohren, sie lacht noch lauter, spießt die kleine Vera beinahe mit ihren Blicken auf, und es züngelt eine Flamme aus ihrem Mund. Larissa greift Vera an: »Du hast gedacht, du seist mir über, du verdammte Göre, wie? Aber da hast du dich gewaltig getäuscht!«50

2.14. Verhalten der Hexen in der Realität

Die frühneuzeitliche Gesellschaft hat sich die Hexenexistenz, ihre Verhaltensweisen, hier z.B. Hexensabbate in Form einer mächtigen kollektiven Imagination gebildet. Nach Volksglauben wird die Walpurgisnacht als die Nacht zum 1. Mai beschrieben, in der sich die Hexen zu ihren Tanzplätzen begeben (Hexensabbat).51

Weitere Informationen über das Thema siehe im Kapitel »Erklärung über die Hexen in der Realität«.

2.15. Veras neue »Stiefmutter« als Hexe

Obwohl Vera darunter sehr leidet, daß ihre Mutter und Paps nicht mehr einander sehen wollen oder nur noch ganz selten, gibt sie sich Mühe ihren Vater zu verstehen: »Wenn er sich eine Freundin nimmt, das ist bei andern in der Klasse auch so. Die haben, sagen sie, zwei Väter oder zwei Mütter, echte und andere, und das kann ganz nett sein, aber eine Hexe kommt absolut nicht in Frage, da rennt Paps ja ins eigene Unglück... Und plötzlich bin ich allein auf der Welt. Wer wird die Miete bezahlen?«52

Als Larissa in Veras Familie auftaucht, die aus Vera selbst und ihrem Vater besteht, wird das kleine Mädchen auf ihre »Stiefmutter« eifersüchtig. Sie will mit niemandem Aufmerksamkeit ihres Vaters teilen!53

Vera fühlt, daß ihr Vater keine Anteilnahme zeigt, wenn Larissa mit ihr so flapsig spricht: »Paps überhört es jedesmal« .54 Wenn der Paps und Vera zusammen bei Larissa sind, muß die kleine Vera mal aufs Klo, worauf die Wirtin frech reagiert: »Ach ja, Mädchen in deinem Alter haben oft eine schwache Blase« .55 Vera wird wütend, als Larissa sagt, daß der Papa jetzt ihr gehört.56

Das Mädchen ist allein in Larissas Wohnung, sie bemerkt eine Schachtel in der Tischschublade. Darin waren Fotos von Männern, und ihre Gesichter waren zerkratzt oder zerbrochen. Zuunterst im Stapel war ein Foto von Paps, noch unzerkratzt, auf der Hinterseite stand: »Für Larissa, in Liebe Theo« . Ohne zu überlegen, steckt Vera das Foto in die Innentasche ihrer Jacke. »Wer weiß, was sie damit sonst alles anstellen würde!«57

2.16. Stiefmütter als »Hexen« in der Realität

Ingrid Friedl erklärt in ihrem Buch, daß die Rolle der Stiefmutter historisch als grausam beschrieben wird.58

2.17. Larissa als verjagte Hexe

Vera und Fredi wollen Larissa verjagen. Um ihr Ziel zu erreichen, probieren sie verschiedene Tricks aus.

Ich habe den Eindruck, daß abgesehen von der Eifrigkeit, mit der die kleine Vera Larissa zu vernichten versucht, sie sich vor ihrer neuen Stiefmutter fürchtet, denn alle früher gelesenen Grauengeschichten über die Hexen kommen auf einmal in der Kopf des kleinen Mädchens.

Es gibt aber kein »zurück« mehr, denn es geht um das Leben und den Tod Veras Vaters. Sie und Fredi werden diese Hexe verjagen, bis sie nicht mehr können. Leider sind die Tricks, die sich die Kinder ausdenken, losgelöst von der Wirklichkeit und von der praktischen Tätigkeit. Die erste Idee, die Fredi einfällt, ist die, an Larissa einen Drohbrief mit folgendem Inhalt zu schicken: »Verschwinde von hier, du Miststück, sonst geht’s dir an den Kragen«. Eine andere Möglichkeit ist ein Zeichen vor die Tür zu malen, das die Hexen fernhalten muß. Noch besser: Fredi schlägt vor, Larissa aufzulauern, mit einem Lasso einzufangen, dann zu verschnüren in ein großes Paket zu stecken und aufs Jungfraujoch zu schicken, »wo’s genug Eis und Eiszapfen gebe«.59

»Wir müßten der Hexe siedendheißen Eistee zu trinken geben, das würde sie innerlich verbrennen«, denken sich Vera und Fredi. Aber nach vielen Überlegungen halten die Kinder diese Ideen für unsicher... Es gibt noch weitere Beispiele, wo Vera und Fredi mit ihren Versuchen, Larissa zu vernichten, Pech haben. »Mit Knoblauch vertreibt man Vampire« hat Vera Erinnerung.60 Ohne zu zögern entscheiden die Kinder sich, eine Pizza mit extra viel Knoblauch für Larissa zu backen. Schlechtes Ergebnis, denn Larissa liebt Knoblauch... Fredi prüft sein Hexenlexikon und findet, warum der Knoblauch nicht funktioniert hat:

»Der Knoblauch nützt bei Hexen nur, wenn man die Knollen in Krötenspucke tunkt und an die Haustür nagelt«.61 Die Schnur auf dem Plattenweg funktioniert auch nicht. Statt Larissa wird Veras Vater zum Opfer.62 Fredi erklärt, warum der Trick nicht geklappt hat: »Im Hexenlexikon steht, daß Hexen im Dunkeln sehen können wie Katzen«. Darum habe Larissa die Schnur entdeckt und Paps von hinten einen Stoß gegeben.63 Mit der Zeit stellt sich heraus, daß Hexen unter allen Tieren Katzen und Raben am meisten mögen und Schlangen am wenigsten. Wenn eine Hexe, gleich welcher Art, von einer Giftschlange in den großen Zeh gebissen wird, verwandelt sie sich in Stein und zerfällt nach hundert Jahren zu Staub.64 Da die Kinder aber zu wenig Geld haben um eine giftige Schlange zu kaufen, bastelt Vera eine Teigschlange.

»Mit Teig und Tinte hast du mich besiegen wollen! Aber falsche Schlangen haben keinen Glitzerblick, und daran erkennt man sie sogleich«,65 bemerkt Larissa, daß Vera probiert, sie zu vernichten. »Jetzt ist Schluß Larissa Laruss« und danach »Friß Asche und Ruß, Larissa Laruss«, spricht das Mädchen aus. Und das scheint zu wirken, denn Larissa stöhnt: »Nein! Nein! Welche Pein!« und »O je, o je, Reimen tut weh!« Vera hofft Reime würde diese Hexe vernichten. Aber sehr bald merkt sie, daß sie nicht genug Reime kennt.

Die Kinder wollen nicht aufgeben und denken sich immer neue Systeme aus, Larissa zu vernichten, was wieder nicht wirklich funktioniert. Das Haus, wo der Paps und Larissa Abend essen, geht in Flammen auf als Fredi und Vera die Harzklümpchen aus Weihrauch anzünden. Das Ergebnis ist bloß, daß die beiden Kinder im Krankenhaus aufwachen.66

Die letzte Erfahrung ist die beste: Fredi bleibt draußen, während Vera in Larissas Wohnung ihren Vater sucht. Der Paps ist so weit geschrumpft, daß er in einen Vögelkäfig paßt. Wütend greift Vera Larissa an, die sie mit ihren Zaubersprüchen einzufrieren versucht.67 Plötzlich fängt Larissa an zu weinen, sie entschuldigt sich, da sie akzeptiert, daß sie eine Hexe ist, aber ihre Fähigkeiten nicht kontrollieren kann. Solch ein Geständnis berührt Vera sehr und in ihrem Kopf entsteht ein Reim, den sie gleich laut sagt: »Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss«. Larissa zuckt zusammen, ein Strahlen geht ihr über das Gesicht, sie beugt sich vor und küßt Vera auf beide Wangen, Vera küßt Larissa zurück. Das macht ein Wunder: Larissa springt auf die Füße und ruft: »Du hast mich erlöst! Du hast mich erlöst. Ich habe darauf gewartet, daß ein Kind mich von sich aus küßt. Aber durfte ich ja nicht sagen«.68

2.18. Hat die Bevölkerung Hexen in der Realität verjagt?

Am stärksten betroffen von der institutionalisierten Hexenjagd waren Frankreich, Süd- und Westdeutschland, die Schweiz, allgemein die Alpenregionen, die Beneluxländer und Schottland.69

Hexenverfolgung und ihre Verurteilung gab es bereits im 11. Jahrhundert.70 Der Höhepunkt der Hexenverfolgung in Europa liegt zwischen 1560 und 1630.71 Der Historiker Schormann schreibt, daß diese Prozesse mit Ausnahme der Judenverfolgung die größte nicht kriegbedingte Massentötung von Menschen durch Menschen in Europa bewirkt haben.72 Die Internet Seiten »Learn-Line« beschreiben die zur Bestimmung einer Hexe, - ohne Unterscheidung zwischen guter und schädigender Zauberei73 - angewandten Methoden: Wasserprobe, Wägeprobe, Feuerprobe, etc. Durch die Wasserprobe wurden die als Hexen verdächtigten Frauen, mit den Daumen an die gegenüberliegenden Zehen gefesselt und, an ein Seil gebunden, ins Wasser hinabgelassen, z.B. in einen Fluß oder Teich. Schwimmen war das Zeichen der Schuld und damit die Hexerei erwiesen. Sank der Körper ins Wasser, so galt die Angeklagte als unschuldig (meistens ertrank sie dann aber). Insgesamt konnte die Probe bis zu 3 Mal wiederholt werden. Die als Hexe angeklagte Frau, wurde meistens verbrannt.74

Die letzten Hexenprozesse fanden 1782 in Glarus/Schweiz und 1783 in Posen/Polen statt.75

2.19. War Larissa eine Hexe oder eine Besessene Frau?

Es gibt im letzten Paragraphen reichlich Faktoren, die Larissa mehr als eine Besessene Frau als eine richtige Hexe beschreiben: sie ist so zufrieden erlöst zu werden. In der Realität unterschiedet man zwischen einer richtigen Hexe und einer Besessenen Frau. In dem Buch »Hexen und Hexenglauben« wird erklärt, daß in der Realität Hexe meistens (alte Frau) und Besessene (junge Frau) völlig verschiedene Personen waren, wobei die Besessenen häufig Hexen für ihren Zustand verantwortlich machten. Besessene gaben häufig Fremdkörper von sich und verfügten teilweise über außergewöhnliche Kräfte. Bei den Besessenen galten die Symptome als vom Teufel erzeugt. Im Mittelalter hat man versucht die Frauen, die als Besessene Frauen galten, zu heilen.76

Was die Beschreibung der neuen Freundin Veras Vaters, ihres Verhaltens angeht, sehe ich hier starke Beweise dafür, daß sie unter »Besessenheit« leidet. Viele Momente im Buch sprechen dafür, daß diese Frau eher einen Besessene als ein Hexe ist. Sie ist jung. Sie akzeptiert, ihre Fähigkeiten nicht kontrollieren zu können. Und durch die kleine Tochter ihres Freunds Theo wird sie am Ende von bösen Kräften erlöst, also geheilt.

3. Schlußfolgerung

Wie man das in der historischen Literatur sieht, hat die Gesellschaft im Laufe der Jahrhunderte, einen festen Begriff über die Hexen gebildet, der besagt: Das sind scheußliche Wesen und es ist angemessen, vor denen Angst zu haben. Dem entsprechend verhält sich auch die kleine Vera ihres Vaters neuer Freundin gegenüber: sie fürchtet sich vor ihr und unternimmt mit ihrem Freund Fredi alles mögliche um Larissa zu vernichten. Als ich mich noch beim Lesen der von mir in dieser Arbeit analysierten Kindererzählung »Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss« befand, teilte ich völlig Veras Meinung bezüglich ihrer neuen Stiefmutter Larissa: sie soll verjagt werden, dann sie kann Veras Vater schaden.

Ich habe für mich einiges klar gemacht: Wenn man eine neue Beziehung gründet, muß man immer mit dem Partner aufpassen, daß er kein Schäden verursacht. Die Finalszene der Erzählung bringt mich aber auf eine Gedanken direkt gegenübergesetzt ist: Bevor man anfängt, jemanden zu kritisieren, der Schäden zu verursachen scheint, muß man sich erst Mühe geben, die Person näher kennenzulernen.

4. Literaturverzeichnis

Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen, die Anfänge der europäischen Hexenverfolgung. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1990

Brockhaus-Enzyklopädie. Band 10. F.A. Brockaus GmbH, Mannheim, 1989

Dose, Maria. Duden » Das große Wörterbuch der deutschen Sprache «, Band 4. Hex-Lef. Dudenverlag, Mannheim; Leipzig; Wien; Zürich, 1994

Eliade, Mircea. Geschichte der religiösen Ideen. Band 3. Verlag Herder Freiburg im Breisgau. 1991

Friedl, Ingrid. Stieffamilien. DJI Verlag Deutsches Jugendinstitut e. V., München, 1988

Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. Verlag Nagel & Kimche AG, Zürich: Frauenfeld, 1997

Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. Campus Verlag, Frankfurt, New York, 1986

Hoffmann, E. Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Walter de Gruyter & Co. Vormals G. j. Göschen´sche Verlagshandlung. Berlin und Leipzig, 1931 Internetquelle: Was ist eine Hexe? Internetseite, learn-line.nrw.de. Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 1988 Perper, Timothy A Descriptive Dictionary and Atlas of Sexology. Greenwood Press, Conneticut, 1991

Reller, Horst. Handbuch Religiöse Gemeinschaften. Gütersloher Verlagshaus, Güterslöh, 1978

Van der Leeuw, G. Die Phänomenologie der Religion. Tübingen, 1956

[...]


1 Reller, Horst. (S.555)

2 Dose, Maria. (S.1569)

3 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.1)

4 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.5)

5 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.5)

6 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.13)

7 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.104)

8 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.126)

9 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss (S.128)

10 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss (S.75)

11 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss (S.97)

12 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss (S.40,41)

13 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss (S.43)

14 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.87)

15 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.11)

16 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.14)

17 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.81)

18 Brockhaus-Enzyklopädie (S.56)

19 Reller, Horst. Handbuch Religiöse Gemeinschaften. (S.554)

20 Reller, Horst. (S.555)

21 Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen. (S.241)

22 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.5)

23 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.128)

24 Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen. (S.252,253)

25 Perper, Timothy. A descriptive Dictionary and Atlas of Sexology (S.713)

26 Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. (S.101, 105)

27 Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. (S.81)

28 Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. (S.101)

29 Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen. (S.250)

30 Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen. (S.245)

31 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.7)

32 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.11)

33 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.30)

34 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.117,118)

35 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S. 18)

36 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.127,128)

37 (S.1569)

38 Eliade, Mircea. Geschichte der religiösen Ideen. (S.269)

39 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.9)

40 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.12)

41 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.57)

42 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.64)

43 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.42)

44 Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. (S.105)

45 (S.1840)

46 (S.229)

47 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.8)

48 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.9)

49 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.28,29)

50 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S. 31,32)

51 Blauert, Andreas. Ketzer, Zauberer, Hexen. (S:243)

52 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.14,15)

53 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.40,41)

54 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.55)

55 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.54)

56 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.65)

57 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.63)

58 Friedl, Ingrid. Stieffamilien. (S.39)

59 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.21)

60 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.22)

61 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.36)

62 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.28)

63 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.36)

64 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.37)

65 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.65)

66 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.91)

67 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.120,121)

68 Hartmann, Lukas. Gib mir einen Kuß, Larissa Laruss. (S.130)

69 Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. (S.495)

70 »Learn-Line« Was ist eine Hexe?

71 Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. (S.495)

72 Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. (S.497)

73 Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. (S.495)

74 »Learn-Line« Was ist eine Hexe?

75 Lissner, Anneliese. Frauen Lexikon. (S.495)

76 Heinemann, Evelyn. Hexen und Hexenglauben. (S.93,99) 19

20 von 20 Seiten

Details

Titel
GIB MIR EINEN KUß, LARISSA LARUSS: Hexen in der Realität und in der Literatur
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Proseminar Phantastik im Kinderbuch
Autor
Jahr
1999
Seiten
20
Katalognummer
V97640
Dateigröße
395 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Check out: Jugendserver.spinnenwerk.de/~daniel.sciboz
Schlagworte
EINEN, LARISSA, LARUSS, Hexen, Realität, Literatur, Proseminar, Phantastik, Kinderbuch
Arbeit zitieren
Daniel Sciboz (Autor), 1999, GIB MIR EINEN KUß, LARISSA LARUSS: Hexen in der Realität und in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97640

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