Internationale Wanderung Hochqualifizierter am Beispiel Indien. Ursachen und Folgen


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

1 Einleitung

In den letzten Jahrzehnten gewann die Forschung über die Migration Hochqualifizierter weltweit stark an Bedeutung. Das ist mit der Lockerung von Einwanderungsgesetzen vieler Länder, wie beispielsweise der EU-weite Binnenmarkt, vor allem für Hochqualifizierte verbunden. Nicht selten ist es der Fall, dass Aufnahmeländer in Folgejahren zur neuen Heimat erklärt werden. Die Auswirkungen auf Abgabeländer, die viele Steuergelder in die Bildung und Förderung dieser Hochqualifizierten investiert haben, werden nicht mehr einseitig positiv oder negativ aufgefasst, sondern im Gegenteil. Die Wanderung von den hellsten Köpfen wird aktuell seit neustem als beidseitiger Austausch betrachtet, bei der sich nicht nur eine Partei einseitig bereichert und Profit erzielt, während die andere Partei nur Verluste aufweist. Denn auch Abgabeländer können einen Nutzen daraus ziehen. Dieses Phänomen nennt man auch Brain Circulation. Nach dem Ansatz der Brain Circulation soll Migration nun als zirkulärer Prozess betrachtet werden. Die Nachfrage nach Hochqualifizierten am globalen Markt steigt konstant an. Der globale Wettbewerb um Hochqualifizierte ist, unter dem Stichwort Brain Gain, schon längst im Gange und Deutschland schlägt sich nicht äußerst gut. Laut Recherchen der Bertelsmann Stiftung haben im Durchschnitt rund 40 000 Hochqualifizierte Deutschland zwischen 2005 und 2009 jährlich verlassen und nur 38 500 sind eingewandert, Deutschland hatte also ein Defizit von 1500 zu verzeichnen. Das Ziel einer Wissensgesellschaft soll den wirtschaftlichen Fortschritt und die technische Innovation ankurbeln. Die vorliegende Arbeit soll die Auswirkungen der globalen Migration Hochqualifizierter auf Aufnahme- und Abgabeländer, im Zusammenhang mit den Brain Drain, Brain Gain und Brain Waste Phänomenen, am Beispiel von Indien darstellen und bewerten.

Die Arbeit ist in 5 Kapitel unterteilt. Nach der Einleitung sollen alle relevanten Begriffe geklärt werden. Danach geht es um die Gründe und Ursachen, weshalb Hochqualifizierte aus- bzw. abwandern. Im 4. Kapitel gibt es zunächst eine Einführung in das Indien. Dann sollen die Folgen des Brain Drain am Beispiel Indien dargestellt werden. Es soll klar werden, ob Indien als Verlierer des Brain Drain ihrer Hochqualifizierten gilt. Abschließend sollen im 5. Kapitel die Ergebnisse kurz zusammengefasst und ein Fazit abgegeben werden.

2 Begriffserklärungen

In diesem Teil der Arbeit sollen relevante Begriffe definiert werden.

2.1 Wanderung

Der Begriff Wanderung beschreibt die Migration von Personen bzw. Personengruppen über einen längeren Zeitraum. Ein Wechsel des Wohnsitzes, nicht nur des Aufenthaltsortes. Die an den Wanderungen beteiligten Personen sind also Einwanderer, Auswanderer, Zuwanderer oder Abwanderer.

2.2 Hochqualifizierte

Es gibt keine einheitliche Definition von Hochqualifizierten. Der Begriff kann also auf verschiedene Weise definiert werden. Ein Hochqualifizierter kann ein Hochschulabsolvent sein. Aber auch Führungskräfte ohne hohen akademischen Grad, in Spitzen- oder Schlüsselpositionen können mit den nötigen Kenntnissen als hochqualifiziert gelten. Führungskräfte sind im Aufenthaltsgesetz folgendermaßen definiert: " Führungskraft im Sinne dieses Gesetzes ist eine in einer Schlüsselposition beschäftigte Person, die in erster Linie die aufnehmende Niederlassung leitet und die hauptsächlich unter der allgemeinen Aufsicht des Leitungsorgans oder der Anteilseigner oder gleichwertiger Personen steht oder von ihnen allgemeine Weisungen erhält.“ (§19).

2.3 Brain Drain

Der Ansatz Brain Drain, wörtlich aus dem Englischen übersetzt „Gehirn-Abfluss“, beschreibt den Verlust von Humankapital und Innovationspotenzial eines Landes bei Abgabe ihrer Hochqualifizierten. Die Wettbewerbsfähigkeit der Abgabeländer auf dem internationalen Markt wird beispielsweise durch die wegfallenden Steuern und dem Personalmangel etc. gesenkt.

2.4 Brain Gain

Der Ansatz Brain Gain, wörtlich aus dem Englischem übersetzt „Gehirn-Zunahme“ bzw. „Gehirn-Gewinn“, beschreibt den positiven Fall der Migration Hochqualifizierter. So soll sich das Innovationspotenzial und Humankapital durch die Zuwanderung Hochqualifizierter erhöhen. Die Ein- bzw. Zuwanderer können sich in den Aufnahmeländern, meist Industrieländern, entfalten und weiterentwickeln. Es besteht auch die Möglichkeit, dass hochqualifizierte Wanderer erfahrener, weiterentwickelt und mit nützlichen Netzwerken in Folgejahren in Ihre Heimat zurückkehren und die dortige Wirtschaft ankurbeln.

2.5 Brain Waste

Unter dem Begriff Brain Waste ist von der Vergeudung bzw. Verschwendung des Potenzials die Rede. Diese Talentverschwendung wird durch Hindernisse für die Anerkennung ausländischer akademischer und beruflicher Qualifikationen verursacht. Daraus folgt Arbeitslosigkeit oder, dass Hochqualifizierte gezwungen sind einen Beruf auszuüben, in dem sie ungelernt sind und ihr Potenzial weder gefördert, noch entfaltet wird. Der Brain Waste stellt einen Verlust für die Innovation, Arbeitgeber, Unternehmen und die Migranten selbst dar.

3 Ursachen für die Wanderung Hochqualifizierter (Brain Drain)

Im Zeitalter der Globalisierung ist Migration ein wesentlicher Bestandteil unser aller Leben. Menschen wandern aus verschiedenen Gründen über internationale Grenzen. Laut Wissenschaftlern entsteht Migration durch eine Kombination aus subjektiven Push- und Pull- Faktoren. Das heißt Gründe, weshalb sie ihr Land verlassen möchten (Push- Faktoren) und attraktive Angebote bzw. Bedingungen in Aufnahmeländern, die sie anziehen (Pull- Faktoren). Push- Pull- Faktoren können wirtschaftlicher, demografischer, soziopolitischer, ökologischer oder persönlicher Natur sein.

Klassische Push-Faktoren sind beispielsweise schlechte Bildungsmöglichkeiten, hohe Arbeitslosigkeit, (religiöse, politische, soziale oder sonstige) Konflikte, Umweltfaktoren oder Krieg. Der Bevölkerungszuwachs ist in diesen Ländern oft sehr groß, was dazu führt, dass vor allem junge Menschen sich im Stich gelassen fühlen und unzufrieden sind.

Typische Pull-Faktoren können gute Bildungschancen, (religiöse, politische, soziale oder sonstige) Sicherheit, ein hohes Wohlstandsniveau oder ein Fachkräftemangel, der für gute Einkommens- und Arbeitsmöglichkeiten sorgt, sein.

Die Mehrheit der Migranten sind hochqualifiziert und jung. Sie werden in ihren Heimatländern benötigt. Wandern sie aus, stellt das einen großen Schaden für die Abgabeländer dar (Brain Gain). Studien zeigen, dass Hochqualifizierte ihr Land nur selten aus einem einzigen Grund verlassen. Wenn schon, dann um in den meisten Fällen dem Krieg zu entkommen. In den meisten Fällen sind es mehrere Gründe in Kombination, die Hochqualifizierten dazu bringen, ihre Heimat zu verlassen.

4 Beispiel Indien

Der folgende Hauptteil der Arbeit soll die Folgen der Migration hochqualifizierter Inder und Inderinnen für Aufnahmeländer und Indien analysieren.

Mit 1,35 Mrd. Einwohnern, hat Indien die zweitgrößte Bevölkerung der Welt. Das soll sich aber relativ zeitnah ändern. Das Bevölkerungswachstum Indiens ist nämlich so stark, dass Experten sich sicher sind, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Indien Chinas Einwohnerzahl von 1,39 Mrd. einholt.

Laut Prognosen soll es schon 2030 soweit sein. Neben dem starken Bevölkerungswachstum weist Indien starke wirtschaftliche Disparitäten zwischen ländlichen und städtischen Räumen auf. Der Human Development Index (HDI), der den Entwicklungsstand verschiedener Länder darstellt und vergleicht, zeigt jedoch bei Indien eine konstante Besserung in der Lebenserwartung, Ausbildung und Kaufkraft. Es ist allerdings wichtig zu vermerken, dass der HDI nicht zwischen städtischen und ländlichen Gebieten unterscheidet. Denn noch immer wohnen fast 70% der Inder auf dem Land und leben von der Feldarbeit. Indien hat sein Potenzial noch nicht entfaltet, dem Land wird schon ein Aufstieg wie China vorhergesagt.

4.1 Brain Drain in Indien

Indien stellt ein klassisches Beispiel für das Phänomen Brain Drain dar. Denn Indien gehört zu den Entwicklungsländern, die am stärksten von Brain Drain betroffen waren und sind. Internationale Konferenzen, wie die „Brain Drain“ (Schweiz) oder „The International Migration of Talents and Skills“ (USA), haben ergeben, dass Indien neben anderen asiatischen, südamerikanischen und afrikanischen Staaten als Hauptabgabeland galt und gilt (vgl. Hunger, U. 2003; S.10). In den 1990er Jahren wurde die indische Auslandspopulation (Non-Resident-Indians, NRI) auf insgesamt 20-25 Millionen geschätzt (vgl. Hunger, U. 2003; S.22). Diese beachtliche Zahl entspricht jedoch lediglich 3% der 850 Millionen großen Gesamtbevölkerung. Heute wird die indische Auslandspopulation auf 30-35 Millionen geschätzt, d.h. ein Anstieg von 10 Millionen in ca. 15 Jahren ist zu vermerken. Hauptziel der indischen Migranten war aufgrund der kolonialen Verbindungen zunächst Großbritannien. Aufgrund der Nachfrage in Großbritannien, waren die Einwanderer meist Wissenschaftler und Ärzte. Mitte der 1960er Jahre verschob sich der Fokus der Inder nach Nordamerika, wo allein in den USA heute, mit rund 4,5 Millionen Menschen, die meisten NRI und PIO (Person of Indian Origin) leben.Die Abwanderung Hochqualifizierter wird in Indien heiß diskutiert. Laut einem Bericht der UNDP verliert Indien rund 100.000 Fachkräfte jährlich, die den Staat durchschnittlich jeweils 20.000 USD für ein vierjähriges Studium gekostet haben. So bleibt Indien jährlich auf Ausbildungskosten in Höhe von 2 Mrd. USD sitzen, Aufnahmeländer beteiligen sich nicht an den Kosten. Indien leistet somit den Aufnahmeländern „Entwicklungshilfen“, da Indien zukünftige amerikanische Steuerzahler ausbildet, ohne etwas davon zu haben (vgl. Hunger, U. 2003; S.23). Fachkräfte, mit dem nötigen Potenzial ihr Land weiterzuentwickeln, verlassen ihr Land

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Details

Titel
Internationale Wanderung Hochqualifizierter am Beispiel Indien. Ursachen und Folgen
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V976476
ISBN (eBook)
9783346329134
Sprache
Deutsch
Schlagworte
internationale, wanderung, hochqualifizierter, beispiel, indien, ursachen, folgen
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Internationale Wanderung Hochqualifizierter am Beispiel Indien. Ursachen und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976476

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