Ein Rehabilitationssportkonzept für Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2. Vorgehensweise und Möglichkeiten


Bachelorarbeit, 2020

47 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG UND PROBLEMSTELLUNG

2 ZIELSETZUNG

3 GEGENWÄRTIGER KENNTNISSTAND
3.1 Diabetes mellitus Typ 2
3.1.1 Definition
3.1.2 Epidemiologie
3.1.3 Auswirkungen und Folgen
3.1.4 Handlungsempfehlungen
3.2 Verhaltensänderung
3.2.1 Motivation und Volition
3.2.2 Modelle der Verhaltensänderung
3.3 Rehabilitationssport
3.3.1 Beschreibung
3.3.2 Gesetzliche Rahmenbedingungen

4 METHODIK
4.1 Zielgruppenbeschreibung
4.2 Ziele
4.3 Analyse der Rahmenbedingungen des §64 SGB IX in Bezug auf das Gesundheitszentrum Physiologisch Vohrer & Eißler GbR
4.4 Notwendige Ressourcen zur Umsetzung
4.5 Konzeptkosten
4.5.1 Break-Even-Analyse

5 ERGEBNISSE

6 DISKUSSION

7 ZUSAMMENFASSUNG

8 LITERATURVERZEICHNIS

9 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

10 ABBILDUNGS- UND TABELLENVERZEICHNIS
10.1 Abbildungsverzeichnis
10.2 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

Diabetes mellitus, eine Stoffwechselkrankheit, die die ganze Welt betrifft. Allein in Deutschland sind laut dem Robert-Koch-Institut Ende 2007 9% der erwachsenen Bevölkerung an Diabetes mellitus erkrankt (Heidemann, Du & Scheidt-Nave, 2011). Das entspricht 5,98 Millionen Menschen, jedoch steigt die Zahl der Erkrankten jährlich. Es gibt zwei Formen des Krankheitsbildes Diabetes mellitus. Typ-1-Diabetes, auch jugendlicher Diabetes genannt, ist eine Autoimmunstörung, die meist schon im Kindesalter beginnt. Hierbei kann die Bauchspeicheldrüse das lebenswichtige Hormon Insulin nicht selbst produzieren und die Betroffenen sind auf die tägliche Insulinspritze angewiesen. Wohingegen beim Typ-2-Dia- betes von einer Insulinresistenz die Rede ist und die Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin produzieren kann. Was wiederum zur Folge hat, dass der Blutzuckerspiegel im Körper dauerhaft erhöht ist. Faktoren, die bei der Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 eine Rolle spielen können, sind unter anderem Übergewicht, mangelnde Bewegung, ungesunder Lebensstil der Ernährung, sowie Rauchen (Fröhlich, B. & Weber, K., 2020). Jedoch kann es auch genetischer Abstammung sein (Heidemann et al., 2011). Diabetes mellitus Typ 2 kann jeden treffen. Die Zahl der Betroffenen, die an Diabetes mellitus erkranken steigt jährlich. 2018 leiden von allen Erkrankten weltweit rund 90% an Diabetes mellitus Typ 2 (Siegel, Erhard G. & Siegel, Eberhard G., 2018, S. 41).

Ist der Diabetes mellitus bei den Betroffenen nicht richtig eingestellt, so führt es zu einer chronischen Hyperglykämie, die Organe und Blutgefäße auf lange Sicht beeinträchtigen können oder sogar zum Versagen führen kann (American Diabetes Association, 2007).

Ein Ansatz, um dem Altersdiabetes (Typ 2) entgegenzuwirken, ist die mangelnde Bewegung zu reduzieren. Ausreichende alltägliche Bewegung, sowie die Teilnahme an wöchentlichen Rehabilitationssporteinheiten, können den Betroffenen helfen, mit Ihrer Krankheit leichter umzugehen und sogar Veränderungen zu schaffen.

Die Umstellung der Ernährung und Bewegung fällt uns auf lange Sicht sehr schwer. Das zeigt eine Studie aus dem Jahr 1990, die im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde. Sie untersuchte sechs Monate lang Menschen, die an Übergewicht leiden und einen nahen Verwandten haben, der an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt ist. Die Trainer entwickelten ein Bewegungs- und Ernährungsprogramm, das viele Teilnehmer zu erheblichem Körpergewichtsverlust führte, ihren allgemeinen Gesundheitszustand verbesserte und dadurch eine Diabeteserkrankung abwehren konnte. Die Probanden, die sich nach einem Jahr immer noch an die erlernte Bewegungs- und Ernährungsumstellung hielten, erkrankten am seltensten an Diabetes mellitus Typ 2 (Rubin, 2013, S. 65). Somit ist die Erhöhung der sportlichen Aktivität durch ein Rehabilitationsprogramm, abgestimmt auf Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, ein erster Angriffspunkt, um Veränderungen zu schaffen.

2 Zielsetzung

Das Ziel der Arbeit besteht darin, für das Gesundheitszentrum Physiologisch Vohrer & Eiß- ler GbR ein Rehabilitationssportkonzept für Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2 nach den Vorgaben des §64 SGB IX zu erstellen.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

3.1 Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes Mellitus ist umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bekannt. Die Krankheit entwickelt sich nur langsam. Sie führt über das Metabolisch Syndrom, sowie Bluthochdruck und erhöhten Blutfettwerten letztendlich zu Diabetes mellitus Typ 2 (Jahn, 2011, S. 37). Für den menschlichen Körper ist Glukose ein lebenswichtiger Energieträger für alle Zellen (Wormer, 2017, S. 7). Beim Typ 2 Diabetes liegt meist eine Insulinresistenz der Körperzellen vor, die durch die Störung der Insulinwirkung gekennzeichnet ist (Roden, 2004). Es ist zwar genügend Insulin im Blut vorhanden, jedoch reagieren die Zellen nicht mehr darauf. Durch eine Überproduktion an Insulin kann die Resistenz auf kurze Dauer ausgeglichen werden. Reicht das Insulin jedoch nicht aus, entsteht Diabetes mellitus Typ 2. Desweiteren ist die Veranlagung zur Krankheit häufig genetisch bedingt, kann aber auch, wie in Kapitel 1 erklärt, durch die risikohafte Kombination aus Bewegungsmangel, Alter, Übergewicht und ungesunder Ernährung entstehen (Wormer, 2017, S. 12). Der Körper sendet gewisse Warnsignale, die auf einen erhöhten Blutzucker und somit auf Diabetes hindeuten können. Anzeichen dafür können Müdigkeit, starkes Durstgefühl, Mundtrockenheit, häufiger Drang zum Wasserlassen, Anfälligkeit für Infektionen, Verschlechterung der Sehfähigkeit und Taubheitsgefühl in den Beinen sein. Bestenfalls sollte dies genauer mit dem behandelnden Arzt besprochen und abgeklärt werden (Jahn, 2011, S. 38).

3.1.1 Definition

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, welche sich durch die Blutzuckererhöhung bemerkbar macht (Roden, 2004). Das notwendige Stoffwechselhormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse produziert und dient als Schlüssel im Zuckerstoffwechsel. Es wird von der Bauchspeicheldrüse sofort in die Blutbahnen abgegeben, sobald der Blutzucker steigt, und übernimmt die Rolle der Verteilung, Verwertung und Speicherung von Zucker im Körper (Jahn, 2011, S. 10). Bei Diabetes mellitus Type 2 liegt die Insulinresistenz vor, die oftmals mit Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten gekennzeichnet ist. Hierbei produziert die Bauchspeicheldrüse zwar noch ausreichend Insulin, jedoch können die Körperzellen dieses nicht genügend aufnehmen und reagieren zunehmend unempfindlich darauf, solange, bis sie letztendlich gar nicht mehr auf das Hormon reagieren. Der Blutzuckerspiegel steigt, da die Glukose aufgrund der Insulinresistenz nur unzureichend zu den Zellen gelangt. Nun wird die Produktion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse angeregt, um die Glukose wieder aus dem Blut in die Zellen zu bringen. Bleibt die Insulinresistenz gleich, so kommt es zu Diabetes mellitus Typ 2 (Wormer, 2017, S. 12).

3.1.2 Epidemiologie

Die Zunahme der Erkrankungen an Diabetes mellitus ist weltweit zu beobachten. Ende der 80er Jahre waren in Deutschland vier bis fünf Prozent der Bevölkerung an Diabetes mellitus erkrankt. Das entspricht 3,5-4 Millionen Menschen (Giani et al.). Bei der GEDA-Studie 2009 lag die Zahl, der an Diabetes mellitus Erkrankten über 18 Jahren, bei 8,8% in Deutschland. Das bedeutet, in knapp 20 Jahren stieg die Zahl der Diabetiker auf fast doppelt so viel an (Heidemann et al., 2011, S. 2). Das liegt unter anderem daran, dass die Welt in ihrem technischen Fortschritt so weit ist, dass nicht nur Beruf und Haushalt, sondern auch die Freizeit leichter und angenehmer gestaltet werden können. Somit besteht die Gefahr des Übergewichts, mit mangelnder Bewegung, die letztendlich die Zahl der Diabetiker steigen lässt. Aufgrund der deutlich steigenden Prävalenz an Diabetes mellitus veröffentlicht die International Diabetes Federation 2019 die Abb. 1 mit der Anzahl an Diabetikern nach Weltregionen im Jahr 2019 und Prognose bis ins Jahr 2045. Die Prognose zeigt einen deutlichen Anstieg der Anzahl der Diabetiker weltweit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anzahl der Diabetiker nach Weltregion im Jahr 2019 und Prognose bis zum Jahr 2045 (International Diabetes Federation, 2019)

2019 liegt Deutschland mit Brasilien und Indien auf dem fünften Platz der Erkrankten zwischen 20- und 79-jährigen weltweit. Tendenz steigend (International Diabetes Federation, 2019).

Die Statistik der Gesundheitsberichterstattung des Bundes stellt dar, dass die Prävalenz in Deutschland zudem geschlechtsspezifisch und in Bildungsschichten unterschiedlich ist. Anhand der Abb. 2 ist deutlich zu erkennen, dass die untere Bildungsschicht, egal welchen Alters, in Deutschland am häufigsten von Diabetes betroffen ist. Das liegt vermutlich daran, dass die finanziellen Mittel und ärztliche Versorgung in der untersten Schicht deutlich geringer ausfällt als in den darüberliegenden Schichten. Desweiteren ist zu erkennen, dass die Altersgruppe 60+ sowohl bei Frauen als auch bei Männern am häufigsten von Diabetes mellitus betroffen sind. Liegt unter anderem an der zunehmenden mangelnden Bewegung im Alter, oftmals bedingt durch Schmerzen oder Operationen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Geschlechtsspezifische Prävalenz des diagnostizierten Diabetes, nach Bildungsstatus und Altersgruppen (Heidemann et al., 2011, S. 2)

3.1.3 Auswirkungen und Folgen

Liegt die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 noch nicht vor, produziert der Körper dauerhaft zu viel Insulin. Dadurch wird der Anstieg des schlechten Cholesterins (LDL) gefordert und das Sinken des guten Cholesterins (HDL) und die Entstehung der Ablagerungen an den Gefäßwänden durch die dichten LDL-Partikel begünstigt (Schmeisl, 2014, S. 14). Folgeschäden an großen Gefäßen können unter anderem Bluthochdruck (Hypertonie), HerzKreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt und periphere arterielle Verschlusskrankheit sein (Schmeisl, 2014, S. 59). Die Ablagerung in den Gefäßen werden durch erhöhte Blutfettwerte, Hypertonie und diabetischer Stoffwechsellage gefördert und lösen somit die Durchblutungsstörungen aus (Wormer, 2017, S. 62-63). Auch die kleinen Gefäße können betroffen sein. Hierbei handelt es sich um Nierenschäden, Schäden an der Netzhaut der Augen und die kleinen Gefäße an den Nerven, wie z.B. der Füße oder des Magens (Schmeisl, 2014). 25% der Typ 2 Diabetiker leiden zehn Jahre nach ihrer Diabetesdiagnose unter Nierenfunktionsstörungen. Etwa 1% davon leiden hier schon unter einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung (Wormer, 2017, S. 59). Die Augen sind bei Diabetikern häufig von grauem Star betroffen. Schädigungen, wie Sehstörungen können im schlimmsten Fall zu Erblindung führen (Wormer, 2017, S. 63). Nervenschäden, wie Neuropathien werden oftmals erst sehr spät festgestellt, können jedoch mit Hilfe spezieller Nervenuntersuchungen früh erkannt werden. Der peripheren Neuropathie werden Nervenschädigungen der Beine und Füße zugeordnet. Sie sind geprägt von dumpfen, stechenden oder bohrenden Schmerzen und treten meistens auf, wenn der Körper sich in Ruhe befindet. Die autonome Neuropathie kennzeichnet sich durch Funktionsstörungen der inneren Organe. Es kann der Magen-Darm- Trakt durch Übelkeit, das Herz durch eine Verringerung der Herzfrequenzvariabilität, die Sexualorgane durch Impotenz und die Blase durch Entleerungsstörungen betroffen sein. Auch Fußprobleme zählen zu Nervenerkrankungen durch Diabetes. Eine Fußamputation, aufgrund von Geschwüren, kann durch frühzeitige Kontrollen entgangen werden. Trotzdem sind Sensibilitätsstörungen und schlechte Wundheilung an den Füßen häufige Begleiterscheinungen (Wormer, 2017, S. 66-67).

Sollte eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) häufiger auftreten, so kann es später zu Demenz führen. Dabei werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet, die den Blutdruck und Puls steigen lassen und bei Patienten mit Herzerkrankungen auch zu Herzrhythmusstörungen oder Herzinfarkt führen können. Akute Auswirkungen einer Unterzuckerung im Gehirn können unter anderem Müdigkeit, Verwirrung, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Konzentrationsschwäche und Krampfanfälle sein. Sollte der Unterzucker nicht schnellstens ausgeglichen werden, kann es sogar zur Bewusstlosigkeit führen. Schwitzen, innere Unruhe, Zittern, Angst, Hungergefühl und Herzrasen können Symptome sein, die durch Hormone ausgelöst werden (Wormer, 2017, S. 51-52).

3.1.4 Handlungsempfehlungen

Um Diabetes mellitus Typ 2 schon vor der Diagnose entgegenzuwirken, können als aller erstes die familiären Umstände geklärt werden. Sollte eine verwandte Person an Diabetes mellitus Typ 2 leiden, so ist bekannt, dass es genetisch übertragen werden kann und die Wahrscheinlichkeit besteht, selbst zu erkranken. Es ist möglich, dadurch die Krankheit zu verzögern oder gar nicht erst zum Ausbrechen zu bringen. Zur Prävention sollte zudem auf ausreichende Bewegung und das Vermeiden von Übergewicht geachtet werden. Mit dem BMI (Body-Mass-Index) in Tab. 1 lässt sich das Verhältnis von Größe zu Körpergewicht darstellen und in Kategorien einteilen und klassifizieren.

Tab. 1: Einstufung der Body-Mass-Index-Normwerte (modifiziert nach WHO Consultation, 1999, S. 9)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine weitere Rolle spielt das allgemeine Essverhalten, dieses sollte im sich im gesunden Maße bewegen. Ein weiterer Schritt zur Vorbeugung von Diabetes mellitus Typ 2 liegt in der Medikamentation, Diese soll nicht die Insulinresistenz fördern und sollte in jedem Fall mit dem zuständigen Arzt abgeklärt werden. Desweiteren ist die Einstellung von Blutzucker und Blutdruck ein wichtiger Punkt zur Vorbeugung von Augen- und Nierenschäden. (Rubin, 2013, S. 65).

Steht die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 fest, erfolgt die Behandlung mit einen Diabetologen. Bei vielen Typ 2 Diabetikern reicht die Ernährungsumstellung, sowie die Erhöhung der sportlichen Aktivität aus, um die Krankheit weitestgehend unter Kontrolle zu haben. Es gibt die Möglichkeit bei Typ 2 Diabetikern die Therapie mit Tabletten (orales Antidiabetikum) zu unterstützen, reicht dieses aber nicht aus, kann mit einer Insulintherapie gestartet werden. Alle Therapien sollen den Blutzuckerwert des Betroffenen regulieren (Schmeisl, 2014, S. 29).

Die täglich aufgenommenen Kohlenhydrate bewirken einen ansteigenden Blutzuckerwert. Betroffene, die an Diabetes mellitus Typ 2 leiden und ihre Ernährung umgestellt haben und/oder durch blutzuckersenkende Medikamente behandelt werden, messen ihren Blutzuckerwert meist nur ein- bis zweimal pro Woche beim Arzt oder zuhause und führen ein Diabetestagebuch. Der HbAlc-Wert gibt an, wie hoch der prozentuale Anteil des Hämoglobins im Blut ist, der mit Glucose verbunden ist. Die Messung erfolgt alle drei bis 6 Monate beim zuständigen Arzt. Sollte der HbAlc-Wert erhöht sein, spricht das für eine falsche Blutzuckereinstellung der letzten sechs bis acht Wochen (Schmeisl, 2014, S. 17-18). Nachfolgende Tab. 2 zeigt die Einstufung des HbAlc-Werts, sowie die Qualität der Blutzuckereinstellung.

Tab. 2: HbA1c-Wert und die Qualität der Blutzuckereinstellung (modifiziert nach Schmeisl, 2014, S. 19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Blutzuckerwert eines gesunden Menschen liegt morgens nüchtern zwischen 3,9-5,6 mmol/l. Der HbAlc-Wert liegt zwischen 4,5 und 6%. Bei Diabetikern wäre ein HbAlc-Wert zwischen 6,5 und 7,5% optimal, sollte jedoch eine schwere Erkrankung vorliegen, sind alle Werte unter 8,0% noch akzeptabel. Folgeschäden und Bluthochdruck drohen, wenn der Wert über 9% liegt (Jahn, 2019, S. 55-56).

Die Empfehlung der Bewegungsintensität für Typ 2 Diabetiker, bei einer Belastungsdauer von 20-45 Minuten, sollte ca. 60% des Maximalen betragen (Schmeisl, 2014, S. 25).

Für die Ausdauereinheiten wird mit 60% der maximalen Herzfrequenz gerechnet, bei Krafteinheiten mit 60% des 1-RM.

Tab. 3: Formel zur Berechnung der maximalen Herzfrequenz für Ausdauergeräte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die individuell genaue maximale Herzfrequenz der Teilnehmer zu ermitteln wäre eine Laktatbestimmung durch den behandelnden Arzt notwendig. Sollte das nicht möglich sein, reicht zur genaueren Bestimmung die Karvonen-Formel (Whaley, Brubaker & Otto, 2006, S. 324):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um den Körper vom Ruhezustand in eine körperliche Aktivität oder Bewegung zu bringen dauert es ca. fünf Minuten (Schmeisl, 2014, S. 26). Für Diabetiker empfiehlt sich ein Ganzkörper-Kraftausdauertraining mit jeweils 2-3 Sätzen pro Muskelgruppe. Die Wiederholungszahl pro Satz sollte im Kraftausdauerbereich, zwischen 15 und 20, liegen. Die Intensität der Übungen sollte nicht unter 50% und nicht über 60% des 1-RM liegen. Fortgeschrittene Patienten sollten jedoch im Muskelaufbaubereich trainieren. Das heißt bei einer Wiederholungszahl von 8-12 und einer Intensität von 70-80% des 1-RM (Yang, Scott, Mao, Tang & Farmer, 2014).

Durch Ausdauertraining, Krafttraining und kombinierte Trainingseinheiten kann der HbAlc- Wert um ca. 0,5-0,8% verbessert werden. Deutliche Verbesserung, im Vergleich zum Krafttraining, zeigt ein Ausdauertraining im Hinblick auf die kardiorespiratorische Fitness mit zusätzlichem großem Erfolg auf die Senkung des Bluthochdrucks. Kombinierte Trainingseinheiten liefern hingegen bessere Effekte in Bezug auf Körpergewicht, HDL-Cholesterin und Blutdruck (Geidl & Pfeifer, 2011).

3.2 Verhaltensänderung

3.2.1 Motivation und Volition

Unter dem Begriff Motivation versteht man „eine aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerteten Zielzustand“ (Rheinberg, 2002, S. 13). Was so viel bedeutet, wie die Orientierung des aktuellen Verhaltens auf ein bestimmtes, positiv bewertetes Ziel (Rheinberg, 2004). Ist der Zielzustand z.B. nach einer guten Trainingseinheit positiv, so ist die aktivierende Ausrichtung aufsuchend. Sollte jedoch der Zielzustand nach einer Trainingseinheit negativ sein (Muskelkater, Schmerzen, Muskelkrämpfe), so ist die aktivierende Ausrichtung meidend (Schüler, Wegner & Plessner, 2020, S. 149).

Unter extrinsischer Motivation versteht man die äußeren Anreizungen z.B. durch Belohnungen und Bestrafungen, die zur Verhaltenssteuerung führen. Die intrinsische Motivation ist nicht abhängig von externen Faktoren, sondern entsteht aus der Person heraus. Sie entscheidet die Verhaltensänderung der Person (Schüler et al., 2020, S. 173).

Der Begriff Volition beschreibt selbstregulatorische Funktionen, die trotz Hindernissen und Handlungsbarrieren die Initiierung und Aufrechterhaltung einer Zielintension ermöglichen (Schüler et al., 2020, S. 213).

Motivation ist alles, was bis zur Bildung einer Intention geschieht. Diese Intensionsbildung führt zur Überschreitung des imaginären Rubikon (kleiner Fluss in Italien) und somit in die Volitionsphase. In der Volitionsphase werden die Intensionen in Taten umgesetzt (Heckhausen, 1989).

Motivation und Volition sind im Sport von großer Bedeutung. Sportler, die ihr Hobby zum Beruf machen, neigen eher zur Leistungsmotivation. Freizeitsportler hingegen zur Motivation der Zugehörigkeit (Motivation and Volition in Sports, 2018).

3.2.2 Modelle der Verhaltensänderung

Es gibt einige Modelle zur Verhaltensänderung. Eines davon ist das Health Belief-Modell. Das Health Belief-Modell wurde am häufigsten angewendet, um das Gesundheitsverhalten zu erklären. Erst wenn eine Person dem hohen persönlichen Risiko ausgesetzt ist, eine Krankheit diagnostiziert zu bekommen, dann ist sie bereit ihr Gesundheitsverhalten zu ändern. Der Grad der Bedrohung ist in dem Fall von der eingeschätzten Abfälligkeit und dem eingeschätzten Schweregrad der Krankheit geprägt. Daraus entsteht die Motivation, die zu präventivem Verhalten anregt. Die Entscheidung für oder gegen eine präventive Verhaltensänderung ist abhängig von dem Nutzen undden Barrieren des Veraltens. Wird der Bewegungsmangel als Bedrohung der eigenen Gesundheit eingestuft, erst dann wird sich die Person zum sportlich aktiven Lebensstil leiten lassen. Dabei muss der Nutzen der Verhaltensänderung die Barrieren deutlich übersteigen. In den 1980er Jahren galt das Health Belief- Modell als das Untersuchungskonzept der Motivationsforschung. Heute hingegen wird auf andere Modelle zurückgegriffen, die auf dem neusten Stand der Entwicklung sind (Pfeffer, 2010, S. 15-16).

Ein weiteres Modell ist das HAPA-Modell (Health Action Process Approach), besser bekannt als Prozessmodell gesundheitlichen Handelns. Das HAPA-Modell als Stadienmodell wird in die motivationale und volitionale Phase untergliedert. In der motivationalen Phase werden die Konstrukte Selbstwirksamkeitserwartungen, Handlungsergebniserwartungen und Risikowahrnehmung herangezogen. Die volitionale Phase tritt nach der motivationalen Phase ein und ist untergliedert in eine postintensionale-präaktionale Phase (im Anschluss an die Intensionsbildung, aber vor dem Handeln), in die postintensionale-aktionale Phase (die Handlung wird ausgeführt und aufrechterhalten) und in die postintensionale-postaktionale Phase (nach eventuellem Rückfall kommt es zur Wiederherstellung des Verhaltens) (Schwarzer, 2008).

[...]

Ende der Leseprobe aus 47 Seiten

Details

Titel
Ein Rehabilitationssportkonzept für Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2. Vorgehensweise und Möglichkeiten
Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,4
Autor
Jahr
2020
Seiten
47
Katalognummer
V976564
ISBN (eBook)
9783346364333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rehabilitationssportkonzept, erwachsene, diabetes, vorgehensweise, möglichkeiten
Arbeit zitieren
Sandra Rebholz (Autor), 2020, Ein Rehabilitationssportkonzept für Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2. Vorgehensweise und Möglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976564

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