In der vorliegenden Arbeit wird der militärische Widerstand in Deutschland gegen Hitler und dessen Regime im Deutschen Reich in der Zeit von der Machtübergabe an Adolf Hitler 1933 bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 dargestellt.
Die Darstellung eines Zeitraumes von sechs Jahren ist in vier Kapitel aufgeteilt. Den Schwerpunkt der Betrachtung bildet das Jahr 1938 aufgrund der historischen Bedeutung der Ereignisse. Daher lautet der Titel der vorliegenden Arbeit auch: „Das Jahr 1938 im Spiegel des militärischen Widerstandes.'‘ Zur Beleuchtung der Vorgeschichte dieses Jahres und seiner Geschehnisse wird im ersten Kapitel das Verhalten der militärischen Führung seit der Machtübergabe 1933 bis 1937 kurz dargelegt. Einen weiteren Schwerpunkt nimmt die so genannte „Fritsch– Blomberg Krise‘‘ Anfang des Jahres 1938 ein. Die Sudetenkrise und die daraus resultierenden Umsturzpläne von einem Teil des Militärs werden außerdem dargestellt. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit der Zeit bis zum Kriegsausbruch.
Die Quellenlage zu diesem Thema ist einseitig. Aus verständlichen und nachvollziehbaren Gründen sind die Widerstandskontakte und Umsturzpläne geheim und konspirativ gehalten. Die Gefahr einer Entdeckung durch die Gestapo, Spitzel oder Verräter war schließlich immer gegeben. Auch die Befragung von Zeitzeugen und unmittelbar an Widerstandsaktionen und Plänen beteiligter Personen ist nach dem Krieg nur minimal möglich gewesen. Daher sind schriftliche Dokumente der Widerständler nur in einer geringen Anzahl vorhanden. Ausnahmen stellen die Denkschriften General Becks dar. Die Dokumentation findet man somit aufseiten der Verfolger, also der Gestapo und deren angeschlossenen Dienststellen.
Die Literaturlage zu diesem Thema ist hingegen qualitativ wie auch quantitativ als sehr gut zu bezeichnen. Weitere neue, grundlegende Erkenntnisse sind aber nicht mehr zu erwarten. Die Quellen wurden in der Vergangenheit bereits umfangreich ausgewertet. Nur Literatur, welche sich mit Detailfragen beschäftigt, könnte noch neue Erkenntnisse oder Sichtweisen aufbringen. Insgesamt zählt dieser Themenbereich der NS – Herrschaft zu den am besten dokumentierten dieser Epoche der deutschen Geschichte.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Zeit der Anpassung des Militärs und der Akzeptanz des Nationalsozialistischen Regimes 1933 – 1938
2.1.Das Verhältnis Reichswehr – Hitler
2.2 Die Reichswehr und die SA
2.3 Neugestaltung der Reichswehrspitze
2.4 Erste Kritik am Regime
3. Die Blomberg - Fritsch Krise 1938
3.1 Verlauf der Fritsch - Blomberg Krise
3.2 Geheimhaltung der Affäre
3.3 Die Herausbildung einer militärischen Opposition
4. Die Sudetenkrise und der geplante Staatsstreich 1938
4.1 Die deutsche Außenpolitik
4.2 Die Antikriegspolitik des Generalstabs während der Sudetenkrise
4.3 Der geplante Staatsstreich
4.4 Die Pläne für die Zeit nach dem Staatsstreich
5. Der Widerstand des Militärs bis zum Kriegsausbruch
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Haltung und das Agieren des militärischen Widerstands in Deutschland gegen das NS-Regime im Zeitraum von 1933 bis 1939, wobei das Jahr 1938 als historischer Wendepunkt im Zentrum der Betrachtung steht.
- Analyse der Beziehung zwischen Reichswehr bzw. Wehrmacht und dem NS-Regime seit 1933.
- Untersuchung der Hintergründe und Auswirkungen der Fritsch-Blomberg-Krise von 1938.
- Darstellung der militärischen Umsturzpläne im Kontext der Sudetenkrise.
- Bewertung der Konspirationsmöglichkeiten und Grenzen des Widerstands innerhalb des Offizierskorps.
Auszug aus dem Buch
3.1 Verlauf der Blomberg – Fritsch Krise
Die Ursache für die sogenannte Blomberg - Fritsch Krise, welche für das NS – Regime zur zweiten großen Krise des Dritten Reiches werden sollte, lag im November 1937.
Durch seine seit der Machtübernahme betriebene Aufrüstungspolitik sah sich Hitler nun in der Lage, seine Expansionspläne voran zu treiben. Dies teilte er die von dieser neuen Politikrichtung des NS – Regimes betroffenen Politiker und Generälen mit. In einer Rede am 5. November 1937 in der Berliner Reichskanzlei dozierte er vier Stunden über seine beabsichtigten Expansionspläne. Über diese Besprechung liegt die sogenannte Hoßbach – Niederschrift vor, welche nach dem Schriftführer Oberst Hoßbach benannt wurde. Bei dieser Besprechung waren Adolf Hitler, Reichskriegsminister Generalfeldmarschall von Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Generaladmiral Dr. h. c. Raeder, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe Generaloberst Göring, Außenminister von Neurath und Oberst Hoßbach anwesend.
Die Anfertigung dieser Niederschrift erfolgte einige Tage nach der Besprechung und wurde mit dem Datum 10. November 1937 versehen. Einsicht hatten in dieses Schriftstück nur v. Blomberg und anschließend General Beck. Hitler verkündete den Anwesenden nun seine weiteren außenpolitischen Pläne. Nach der erfolgreichen Wehr– und Aufrüstungspolitik der letzten Jahre sollte in der nächsten Zeit militärisch gegen Österreich und die Tschechoslowakei vorgegangen werden. Dies begründete Hitler mit dem technologischen Stand der bis zu dieser Zeit vorangetriebenen Aufrüstung. Schließlich gewährleiste diese dem Deutschen Reich einen Rüstungsvorsprung vor den Westmächten Frankreich und Großbritannien. Hitler befürchtete, dass bei zu langem Zögern die Westmächte Deutschland militärisch erneut überlegen werden könnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einführender Überblick über den Untersuchungszeitraum, die zentralen Schwerpunkte wie die Fritsch-Blomberg-Krise sowie eine Erörterung der Quellen- und Literaturlage.
2. Die Zeit der Anpassung des Militärs und der Akzeptanz des Nationalsozialistischen Regimes 1933 – 1938: Untersuchung des Verhältnisses der Reichswehr zum NS-Regime, der Rolle bei der Ausschaltung der SA und der personellen Neuordnung der militärischen Führung.
3. Die Blomberg - Fritsch Krise 1938: Analyse der Ursachen, des Verlaufs und der weitreichenden Folgen dieser Krise, die zur Übernahme des Oberbefehls durch Hitler führte.
4. Die Sudetenkrise und der geplante Staatsstreich 1938: Erörterung der deutschen Expansionspolitik, der Antikriegsbemühungen des Generalstabs unter Beck und der konkreten, letztlich gescheiterten Umsturzpläne.
5. Der Widerstand des Militärs bis zum Kriegsausbruch: Darstellung der Resignation und Schwächung des militärischen Widerstands nach der Sudetenkrise und dem Scheitern des Putsches.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der begrenzten Möglichkeiten und der Konsequenzen des militärischen Widerstands im Jahr 1938.
Schlüsselwörter
Militärischer Widerstand, Fritsch-Blomberg-Krise, Nationalsozialismus, Wehrmacht, Reichswehr, Ludwig Beck, Franz Halder, Sudetenkrise, Staatsstreich, Aufrüstung, Adolf Hitler, Hans Oster, Generale, Außenpolitik, Umsturzpläne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Verhalten des militärischen Widerstands in Deutschland gegenüber Hitler und dem nationalsozialistischen Regime zwischen 1933 und 1939.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Anpassung der Reichswehr an das Regime, die Blomberg-Fritsch-Krise sowie die konspirativen Umsturzversuche während der Sudetenkrise.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum sich militärische Widerstandspläne formierten, welche Ziele sie verfolgten und warum sie angesichts der historischen Ereignisse von 1938 scheiterten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung zeitgenössischer Dokumente sowie einer detaillierten Auseinandersetzung mit der einschlägigen Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verhältnisses von Militär und NS-Staat, den Ablauf der Blomberg-Fritsch-Krise, die detaillierte Planung eines Staatsstreichs während der Sudetenkrise sowie die anschließende Lähmung der Widerstandsaktivitäten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Militärischer Widerstand, Fritsch-Blomberg-Krise, Wehrmacht, Umsturzpläne, Sudetenkrise, Ludwig Beck, NS-Regime.
Warum galt das Jahr 1938 als besonders bedeutend für den militärischen Widerstand?
Das Jahr 1938 war durch die Zuspitzung der Expansionspläne Hitlers, die Entmachtung der alten Generalsriege und die konkreten, aber schließlich durch das Münchener Abkommen hinfällig gewordenen Putschpläne, der entscheidende Zeitraum für das militärische Agieren gegen das Regime.
Welche Rolle spielte General Ludwig Beck bei den Umsturzplänen?
Beck entwickelte sich vom anfänglichen Befürworter der Aufrüstung zum zentralen Kopf des militärischen Widerstands, der den drohenden Weltkrieg verhindern wollte, letztlich aber an der mangelnden Unterstützung durch das Offizierskorps scheiterte.
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- Uwe Daniels (Author), 2002, Das Jahr 1938 im Spiegel des militärischen Widerstandes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9769