Gestaltpädagogik


Seminararbeit, 2000

10 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

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Inhaltsverzeichnis

Teil A: Matthias Heller

1. Gestaltpädagogik: Entwicklung und Begriff

2. Grundlegendes zur Gestaltpädagogik

3. Was charakterisiert die Gestaltpädagogik? - Was macht sie aus?

4. Gestaltpädagogik als Teil der Humanistischen Pädagogik

5. Einbettung der Gestaltpädagogik innerhalb der Humanistischen Psychologie

6. Die Kriterien der Gestaltpädagogik

Teil A: Matthias Heller

1. Gestaltpädagogik: Entwicklung und Begriff

Der Begriff Gestaltpädagogik tauchte erstmals in den siebziger Jahren auf. Er wurde geprägt durch die Verbreitung und Entwicklung der Gestalttherapie.

Petzold und Brown schrieben 1977 das erste Buch zur Gestalttherapie und im Jahr darauf das Zweite. Die Gestaltpädagogik dreht sich vor allem um die Entwicklung von Lern- und Lehrkonzepten, die in besonderer Weise ein Zusammenfließen emotionaler und kognitiver Aspekte des Lernens und des Lehrens beinhalten soll.

Bislang war es so, dass die mangelnde Berücksichtigung des ganzheitlichen Charakters von Lehr- und Lernprozessen, die ungenügende Beachtung der individuell unterschiedlichen Potentiale von Schülern und Pädagogen, sowie die damit verbundene Fragmentierung der Person und ihrer Bedürfnisse, innerhalb der hierarchisch gegliederten und nach äußerlichen Gesichtspunkten strukturierten Zwangsinstitution ,Regelschule', stark von den Gestaltpädagogen kritisiert wurde (Bürmann, Jörg 1992).

In Anlehnung an die Gestalttherapie wurden Mitte der 70`er Jahre die ersten Workshops in diversen Universitäten angeboten, da viele Pädagogen gute Erfahrungen mit der Gestalttherapie in der Praxis gemacht hatten.

Durch die Entwicklung neuer Konzepte und Methoden konzipierte sich nach und nach die Gestaltpädagogik.

Da sich die Gestaltpädagogen immer mehr von den Gestalttherapeuten lossagten, gründeten sie 1988 in Weilburg, bei einem großem Treffen der Gestaltpädagogen, die ,gestaltpädagogische Vereinigung'. Diese Vereinigung fungiert bis heute als Netzwerk für Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie informiert und organisiert Tagungen, sie verfasst regionale Fortbildungen zur Verbreitung und Weiterentwicklung des Gestaltungsansatzes (Burow, Olaf-Axel / Gudjons, Herbert; 1994).

2. Grundlegendes zur Gestaltpädagogik

Gestaltpädagogik ist ein umfassendes Konzept ganzheitlicher Pädagogik, welches die persönlichkeitsfördernden Ansätze und Methoden verschiedener Richtungen der Humanistischen Psychologie und Pädagogik (vor allem Gestalttherapie, Psychodrama, TZI, Gruppendynamik, personenzentriertes Lernen und systemische Konzepte) mit den europäischen Traditionen der Reformpädagogik verbindet.

Die besondere Aufmerksamkeit gestaltpädagogischen Arbeitens gilt der Persönlichkeit des Pädagogen selbst sowie der kreativen Gestaltung des Kontakts zu Kindern, Schülern, Jugendlichen und Erwachsenen. Lernen wird vorrangig als Persönlichkeitsentwicklung verstanden. Der wohlwollende und kritische Kontakt zu sich selbst begleitet alle gestaltpädagogischen Arbeitsschritte. Dieser Kontakt zu sich selbst gestaltet sich in der Bezogenheit zu anderen, zu Aufgaben und Zielen. Und das alles lernt niemand in einem

Schnellsiedekurs, All das erfordert die unwägbare und spannende Arbeit an sich selbst. Und so trägt die gestaltpädagogische Fortbildung auch den Untertitel "berufsbezogene Selbsterfahrung". Die Arbeit an der Mitgestaltung des organisatorischen Rahmens ist in den letzten Jahren als weiterer Schwerpunkt gestaltpädagogischen Vorgehens dazugekommen. Daraus ergibt sich insgesamt eine deutliche Berührung und Verknüpfung von Gestaltpädagogik und Supervision.

Die wichtigsten didaktischen Prinzipien und Ziele der Gestaltpädagogik sind:

- Wahrnehmung, Kontakt-, Begegnungs- und Beziehungsfähigkeit werden als Grundlage des Selbstbewusstseins gefördert.

- Ausdruck, Experimentierfreude und kreative Vielfalt werden ermöglicht und angeregt.

- Der Mensch wird als ganzheitlich lernendes Wesen aus Körper, Seele und Geist in seiner vielfältigen Bezogenheit ernst genommen und gefördert. · Persönlich bedeutsames Lernen vollzieht sich in einer jeweils einmaligen Situation, im Kontext persönlicher und gemeinsamer Geschichte, die im Hier und Jetzt berücksichtigt und für das Lernen fruchtbar gemacht werden (prozessorientiertes Lernen).

- Die Lernenden werden ermutigt, sich ihrer eigenen Ziele bewusst zu werden, sie durch Handlungen zu verwirklichen und Ergebnisse selbst zu beurteilen (projektorientierte Didaktik).

- Lernen und Erziehung finden immer in einem institutionellen Rahmen statt, der die jeweiligen Ziele und Methoden mitprägt. Daher ist auch der organisatorische Kontext und seine Gestaltbarkeit immer wieder ein Thema der Gestaltpädagogik.

- Diese didaktischen Prinzipien basieren auf der Annahme, dass der Mensch wohl beeinflussbar, aber nicht formbar ist. Er ist ein sich selbst regulierendes System, er ist nicht machbar. Das zeigt der Pädagogik ihre Grenzen, und macht sie erst wirklich interessant und persönlich wertvoll.

3. Was charakterisiert die Gestaltpädagogik? - Was macht sie aus?

Wichtig für die Gestaltpädagogik ist, dass ,(...) der Ansatz von Lehre und Lernen vor allem unter dem Gesichtspunkt eines Kontaktprozesses zu betrachten und sich hierbei der aus der Gestaltpädagogik bekannten phanomenologischen Einstellung, sowie der daraus resultierenden Konzepte und Methoden zu bedienen (vgl. Perl/ Heffeline/ Goodman 1979/ 1981; Polster/ Polster 1977)'.

Der wichtigste Aspekt ist jedoch, dass das Ziel, bzw. der Zweck der Gestaltpädagogik folgender ist, nämlich, dass eine ganzheitlichen Betrachtung der erlebenden Person und der Versuch, die drei Ebenen, Denken - Fühlen - Handeln, integrativ zu berücksichtigen. Dies wiederum bedeutet, dass durch geeignete Strukturierung unterrichtlicher Situationen in angemessener Weise genug Beachtung geschenkt wird (vgl. Burow). Des weiteren ist die Beachtung und Förderung persönlich bedeutsamer Lehr- und Lernprozesse, die sich durch das Beteiligt sein der ,,ganzen" Person, durch persönlichen Einsatz und Interessen kennzeichnen. Die Gestaltpädagogik ist eine personenorientierte Pädagogik, der wichtig ist, dass Inhalte sinnvoll vermittelt werden und zwar im Hinblick auf persönliche Bezüge und Bedeutungen für die erlebende Person.

Bevor jedoch personenorientiert und damit bedeutsam gelernt werden kann, ist es notwendig, dass ein Gleichgewicht zwischen dem Einzelnen (Ich), der Gruppe (Wir), dem Thema (Es) und dem sozialen Handlungsfeld (Globe/ Universum) hergestellt wird ( ,TZI - Dreieck in Beziehung zur Umwelt' nach Cohn, R. 1984).

Diese Aufgabe muß der Lehrer übernehmen und mit gestaltpädagogischen Wissen, sowie Feingefühl und ein Gespür der Interessen seiner Schüler, das benötigte Gleichgewicht herstellen.

Die Gestaltpädagogik zeichnet sich durch die Vermittlung von Bildungsinhalten, das

Erschließen von Wissen aus. Dies nimmt die primäre Funktion ein, während die zwischenmenschlichen Handlungsabläufe und die intrapersonalen Lernprozesse, auf dem sich die Bildungsprozesse abspielen, die sekundäre Funktion zugeschrieben wird. Durch die Interaktion der persönlichen Bezüge und der Bedeutung der erlebenden Person, wird der Lehrstoff wesentlich interessanter. Sie kann sich durch Identifikation leichter mit dem jeweiligen Thema beschäftigen. Hierdurch werden die Lehrinhalte transparenter und somit auch leicht verständlicher. Es wird eine Beziehung zum Lehrstoff gebildet und dies hilft der lernenden Person, sich im vermittelten Stoff wiederzufinden. Sie wird so eher verstehen, warum gewisse Kontexte so sind, wie sie sind.

4. Gestaltpädagogik als Teil der Humanistischen Pädagogik

Gestaltpädagogik ist eine Richtung der Humanistischen Pädagogik (vgl. Dauber 1997), die in einer besonderen Akzentuierung Ansätze der europäischen Reformpädagogik mit angloamerikanischen Konzepten der Humanistischen Psychologie verbindet. Philosophisch gründet sie in Humanismus und Existentialismus. Grundlegende Konzepte bezieht die

Gestaltpädagogik aus Perls und Goodmans Entwurf einer "Gestalt-Therapy" (1951), in der Auffassungen des Existentialismus, der Phänomenologie, der Gestaltpsychologie und der Psychoanalyse zu einer neuartigen Synthese verschmolzen sind. Im Zentrum stehen ursprünglich die Konzepte von Kontakt und Begegnung, die zunehmend durch reformpädagogische Konzepte ergänzt werden. Lehren und Lernen wird demnach vor allem unter dem Aspekt eines ganzheitlichen Kontakt- und Begegnungsprozesses auf den Ebenen Denken, Fühlen und Handeln begriffen. Der Schüler wird als aktives, zu freier Entscheidung fähiges Individuum gesehen, das mithilfe der bewussten Gestaltung eines dialogischen Bildungs- bzw. Erziehungsverhältnisses, dazu befähigt werden soll, seine "awareness" (die Bewusstheit dessen, was in mir, mit mir und um mich herum ist) zu steigern, um in die Lage zu kommen, weitgehend selbstverantwortlich zu handeln.

Theoretischer Kern der Gestaltpädagogik sind das Kontaktmodell und das Begegnungskonzept von Perls & Goodman, das den optimalen Verlauf von persönlich bedeutsamen Lernprozessen beschreibt (Lernen im "flow", im "fruchtbaren Moment" etc.) und dessen Umsetzung mithilfe einer Reihe handlungsleitender Prinzipien wirkungsvoll unterstützt werden kann (vgl. Burow 1988). Diese handlungsleitenden Prinzipien beschreiben günstige Rahmenbedingungen für optimales Lernen und geben dem Pädagogen eine wichtige Orientierung für entwicklungsförderndes pädagogisches Handeln (z.B. Konzentration auf den Kontakt, Hier-und-Jetzt-Prinzip, Lernen durch Erfahrung etc.). Im Zentrum der Bemühungen steht die phänomenologische Aufarbeitung subjektiver Lernerpraxen von Lehrern und Schülern, mit dem Ziel, die Selbstkompetenz zu stärken und diejenigen Lernstile herauszuarbeiten und zu unterstützen, die zu der jeweiligen Person optimal passen. In der Gestaltpädagogik finden eine Reihe von kreativen Verfahren und Medien Verwendung (Phantasiereisen, Visualisierungsverfahren, Bewusstheitsübungen etc.), die dabei helfen sollen, persönlich bedeutsames Lehren und Lernen zu ermöglichen sowie die selbstunterstützenden Fähigkeiten (Prinzip des Self-Supports) von Lehrern und Schülern zu fördern. Wenngleich der Fokus auf Kontakt und Begegnung sowie persönlich bedeutsames Lernen (Bürmann 1992) ein Charakteriskum der Gestaltpädagogik beschreibt, so zeigt sich hier doch gleichzeitig die Verankerung in gemeinsamen Auffassungen einer sich konturierenden Humanistischen Pädagogik. Mit der Gründung einer AG in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGFE) ist ein Rahmen gegeben, in dem die wissenschaftlichen Grundlagen einer Humanistischen Pädagogik erarbeitet werden (vgl. Buddrus 1995; Dauber 1997).

Insbesondere das sich aus der Gesprächspsychotherapie ableitende "Personenzentrierte Lehren und Lernen" Carl Rogers (1984) sowie das Modell der "Themenzentrierten Interaktion" Ruth Cohns (1975/1984) haben einen wichtigen Einfluss auf die Ausdifferenzierung der Gestaltpädagogik. Optimales persönlich bedeutsames Lehren und Lernen in der Schulklasse ist demnach unter dem Gesichtspunkt gelingender oder scheiternder Kontaktprozesse erst dann möglich, wenn eine Balance zwischen den Bedürfnissen auf den Ebenen Ich (der Einzelne), Wir (die Gruppe), Es (das Thema) und Globe (das soziale und ökologische Umfeld) angezielt wird. Hierbei gilt gemäß Cohns Modell der Themenzentrierten Interaktion, dass Störungen Vorrang haben.

Die Aufgabe des Lehrers als eines "Wächters" der Balance zwischen den verschiedenen Ebenen besteht vor allem darin, dass er dafür sorgt, dass die in den Vordergrund tretenden individuellen und kollektiven Bedürfnisse personengemäß und situationsadäquat berücksichtigt und synergetisch zur gemeinsamen Erarbeitung einer passenden Lernstrategie genutzt werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe wird LehrerInnen in dem Maß gelingen, indem sie analog der Aufgabe eines Gestalttherapeuten in der Lage sind, sich als "ihr eigenes Instrument" zu nutzen, d.h. indem sie in Kontakt mit sich, mit ihren inneren und äußeren Wahrnehmungen sind, denn diese geben ihnen wichtige Rückmeldung über die Lernsituation. Das, was also ein Lehrer in der gestaltpädagogischen Fortbildung vor allem lernt, ist die Schärfung seiner Wahrnehmung ("awareness"), die es ihm ermöglichen soll, prozessorientiert zu unterrichten. Lernen und Lehren werden nicht so sehr als Ausdruck spezieller didaktischer Arrangements gesehen, sondern als Ergebnis eines personenzentrierten Dialogs. Insofern ist ein gestaltpädagogischer Lehrer weniger Belehrer und Unterrichter, sondern eher ein "facilitator", ein Dialogpartner, Unterstützer und "Katalysator".

5. Einbettung der Gestaltpädagogik innerhalb der Humanistischen Psychologie

Die Humanistische Psychologie , die sich als 3. Kraft neben der Psychoanalyse und dem Behaviorismus ursprünglich v.a. in den USA etablierte - Carl Rogers war die prägendste Persönlichkeit dieser Richtung - hat entscheidenden Einfluss auf die Pädagogik genommen. Schon Rogers selbst hat vielfältig pädagogisch experimentiert ("Lernen in Freiheit"). Das ist kein Zufall, sondern hängt mit den Grundannahmen dieses psychologischen Konzepts zusammen, das ein erzieherisches ist. So spricht die Humanistische Psychologie von Entwicklungsstörungen, nicht von Krankheit. Für den Gestalttherapeuten Fritz Perls ist die "Förderung von Wachstumsprozessen" das Ziel von Therapie. Er fordert auch, die Trennung zwischen dem Philosophen, Pädagogen und Psychotherapeuten aufzuheben, denn in allen diesen Disziplinen stehen Wachstum, Lernen und Integration im Mittelpunkt. Von der

Gestalttherapie, deren wesentlicher Begründer Fritz Perls ist, hat die Gestaltpädagogik auch ihren Namen und nicht zufällig war der zweite Gestalttheoretiker der ersten Stunde - Paul Goodman - auch pädagogisch als Schulgründer tätig.

Wenn die Förderung von Wachstumsprozessen gleichermaßen Ziel von Gestalttherapie und Gestaltpädagogik ist, ist die Schwerpunktsetzung allerdings verschieden. Ruth Cohn drückt den Unterschied so aus: "Psychotherapie dient der Auflösung fehlgeleiteter und fixierter Strebungen oder dem Erwecken verkümmerter Möglichkeiten; Pädagogik bezieht sich auf die Erfüllung und Erweiterung des freien Potentials." Die Wichtigkeit, die dem Thema, dem Lerngegenstand in der pädagogischen Begegnung zukommt und die Tatsache, dass z.B. der schulische Rahmen keinen freiwilligen Kontrakt darstellt, machen weitere entscheidende Unterschiede zwischen Therapie und Pädagogik aus. Lernsituationen haben auch häufig als zweiten Aspekt den der Selektion, was ebenfalls eine Differenz zu therapeutischen Situationen bedeutet.

Wenn schon ein Bezug hergestellt werden kann, dann höchstens in dem Sinn, dass sich die Gestaltpädagogik als Instrument zur Prävention psychischer Verformungen begreift. Ein akzeptierendes, kontaktförderndes Klima wirkt an sich schon heilend und ein sensibler Pädagoge kann durch angemessene Interventionen dazu beitragen, dass Freude und Zuversicht und nicht Angst und Widerwillen das Lernen begleiten.

6. Die Kriterien der Gestaltpädagogik

Ein Lehrer, der im Sinne der Gestaltpädagogik arbeiten möchte, muss über folgende Kompetenzen verfügen. Kompetenzen, die unter anderem durch Fortbildungsprogramme und mehrjährigem Lehrtraining erworben werden können. Ich werde diese Kompetenzen im folgenden Text nach Olaf Axel Burow beschreiben:

Praxisrelevanz

Wichtig für pädagogische Konzeptionen sind u. a. ihre Umsetzung in der momentanen schulischen Alltagsrealität. Oftmals werden viele akzeptable Erziehungsziele konzipiert, jedoch wird dabei häufig vergessen, dass diese auch in der Realität durchführbar sein müssen. Praxisrelevanz zeigt sich also darin, inwieweit ein durchführbarer und überprüfbarer sowie vermittelbarer Weg zur Förderung sozialer Kompetenzen beeinflussen, berücksichtig ist. Die Forderung nach Praxisrelevanz beinhaltet nicht nur die Orientierung auf die strenge Vorlage der möglichen Praxis in Hinblick auf die temporäre Gesellschaft, sondern auch Spielraum, indem nötige Utopien verfasst werden können. `Zwischen der utopischen Vorstellung einer Gesellschaft von sozial kompetenten Personen und der Hier-und-Jetzt-Situation müssen aber Verbindungsglieder bestehen, die einen konkreten, messbaren Ergebnissen führendes Eingreifen, im Sinne der Utopie ermöglichen' (Burow, A.O. 1988).

Trainingskonzeption

Wenn eine Förderung des persönlichen Entwickelns einer Person im Zentrum gestaltpädagogischer Absichten steht, dann sollte zu einem aus theoretischen und zu anderem aus praktischen Konzepten fundierte Begründungen und eindeutige Wege zum Erlangen des Zieles manifestiert werden können. Die Frage muß also lauten, ob es eine sogenannte entwickelte Trainingskonzeption gibt und wie verständlich deren Begründungszusammenhang im Hinblick auf die Förderung Sozialer Kompetenzen der Lehrers ist. ,Dies bedeutet konkret zu fragen, wie die Einzelbereiche Lehren, Erziehen, Beurteilen, Beraten und Innovieren als berufsbezogene Kompetenzen mit der Entwicklung der Person, die davon nicht zu trennen ist' (Burow, A.O. 1988). Das Ineinanderfließen dieser beiden Punkte ist ein Kriterium dafür, ob die gestaltpädagogischen Trainingskonzepte ihren Anforderungen genüge tun.

Unterrichtskonzept

Der Lehrer soll die sozialen Kompetenzen unter Berücksichtigung der Gestaltpädagogik nicht nur zum Eigennutzen verwenden, sondern vielmehr seinen Unterricht damit gestalten. Es kommt also die Frage auf, ob es ein geeignetes Unterrichtskonzept gibt und wie es vom Lehrer vermittelt werden kann. Bei ausreichender Kompetenz des Lehrers könnte ein solches Konzept unter Berücksichtigung der vorangegangenen Kriterien entwickelt werden. Dies bedeutet jedoch ein hohes Maß an sozialer Kompetenz.

Konzept zur Organisationsentwicklung

Der Rahmen für die Förderung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen sind die institutionellen und gesellschaftlichen Bedingungen. Gerade die nicht ausreichende Berücksichtigung dieser Bedingung wirft Burow den Konzepten sozialen Lernens vor und sieht diese als Ursache ihres Scheiterns (Burow, 1988). ,Gestaltpädagogik beruft sich - jedenfalls in weiten Teilen (vgl. Prengel 1983) - auf die gesellschaftskritischen Positionen Paul Goodmans. Von daher stellt sich die Frage, inwieweit im Rahmen der Gestaltpädagogik ein Konzept der Organisationsentwicklung vorhanden ist, das Wege zu einer Weiterentwicklung der Institution Schule aufzeigen kann. Darüber hinaus ist zu fragen, inwieweit der ,,heimliche Lehrplan" der Institution Schule, gestaltpädagogischen Unterrichtens und gestaltpädagogischer Fortbildung Bestandteil kritischer Reflektion im Rahmen der Kompetenzförderung ist. Es geht also um die Frage nach ,,Organisationskompetenz" als notwendiger Bestandteil sozialer Kompetenz' (Burow, A.O. 1988).

Emanzipation

Als Fragment der Bewegung der Humanistischen Psychologie versteht sich die Gestaltpädagogik nicht nur als pädagogisches Konzept, sondern auch als ein Anreiz auf eine extensive Lebensumorientierung (vgl. Roszak 1986). Eine Personenzentrierung bedeutet hier, dass für die Rechte einer Person eingetreten werden muss, damit sie sich aus ihrer ,selbstverschuldeten Unmündigkeit', wie Kant sie betitelt, befreien kann. In der Konzeption nach Burow stellt der Grad, in dem emanzipatives Verhalten verwirklicht wird, ein Kriterium für soziale Kompetenz dar. Burow wirft die Frage auf, inwiefern die Gestaltpädagogik in diesem Bereich einen Beitrag leisten kann.

Integration

Burow beschriebene Gestaltpädagogik wird oft als ,,integrativer Unterricht" betitelt. So beschreibt das Strukturmodell der TZI (Cohn, R. 1984) auf die integrative Berücksichtigung der am Unterricht beteiligten Levels ab und versucht auf diesem Wege gestaltpädagogische Vorgehensweisen, Denken, fühlen, Handeln zum Zug kommen zu lassen. Bisher fanden affektive Aspekt kaum Berücksichtigung im Unterricht und deshalb zeichnet sich die Gestaltpädagogik momentan durch eine Überbetonung dieser Aspekte aus. Wie Burow herausgefunden hat, ist es wichtig weitere pädagogische Konzepte mit einzubeziehen. Wie er weiter herausgefunden hat, (...) 'zielt der Aspekt der Integration aber auch im umfassenden Sinne auf eine vertiefte Erfahrung der existentiellen Ebene des Seins und der Verbundenheit mit dem sozialen und ökologischen Umfeld ab' (Burow, A.O. 1988). Dieser Aspekt wird in der Theorie durch das Prinzip der Synergie - der Energie zur gemeinsamen Erfüllung von Aufgaben und zugleich das elfte Prinzip der Gestaltpädagogik nach Burow (vgl. Burow 1988; S. 97ff)- und der Ebene des Globe als grundlegender Bestandteil jeden Unterrichts Rechnung getragen. In der Weiterentwicklung der Gestaltpädagogik, kommt es Burow darauf an, dass methodische Wege gefunden werden, die über die Integration von Denken, Fühlen und Handeln im Unterricht hinaus das Prinzip Synergie und die Ebene des Globe ausreichend berücksichtigt.

Originalität

Die Originalität ist nach Burow der Kern, der die Gestaltpädagogik ausmacht. Sie beinhaltet den Prozess der dialogischen, personenzentrierten Kompetenzförderung unter Verwendung kreativer Methoden und Prinzipien, in dem der Lehrer die Rolle des Begleiters und ,,facilitators" einnimmt.

Literaturverzeichnis

Für den ersten Teil dieser Hausarbeit (Seite 3 bis 11) wurde folgende Literatur verwendet:

Burow, Axel Olaf (1988). Grundlagen der Gestaltpädagogik. Verlag Modernes Lernen Borgmann Kg Dortmund

Burow, Axel Olaf; Gudjons, Herbert (1994). Gestaltpädagogik in der Schule. Bergman & Helbig Verlag Hamburg

Burow, Axel Olaf (1993). Gestaltpädagogik - Trainingskonzepte und Wirkungen. Junfermann Verlag Paderborn

Bürmann, Jörg (1992). Gestaltpädagogik und Persönlichkeitsentwicklung. Verlag Julius Klinkhardt bad Heilbrunn/ OBB.

Bünting, Karl - Dieter; Ader, Dorothea (1992). Fremdwörterlexikon. Isis Verlagsgesellschaft AG Chur, Schweiz

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Gestaltpädagogik
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Didaktische Modelle zur Förderung von Schülern
Autoren
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V97690
Dateigröße
404 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gestaltpädagogik, Didaktische, Modelle, Förderung, Schülern
Arbeit zitieren
Matthias Heller (Autor)Stephan Bogs (Autor), 2000, Gestaltpädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97690

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Titel: Gestaltpädagogik



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