Kommunikationspsychologie - Ein Gespräch in der Analyse


Hausarbeit, 2000
7 Seiten, Note: 12 Punkte

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Kommunikationspsychologie - Ein Gespräch in der Analyse

1a)

Ein Streitgespräch zwischen Mutter und Sohn:

Mutter: ,,Du mußt dein Zimmer noch aufräumen, morgen kommen die Großeltern!"

Sohn: ,,Mach ich morgen noch!" Mutter: ,,Und warum nicht heute?"

Sohn: ,,Weil ich heute noch WL lernen muß und anschließend zum Training fahre und somit gar keine Zeit zum aufräumen habe."

Mutter: ,,Du solltest dein Zimmer ja auch schon am Wochenende aufgeräumt haben!"

Sohn (genervt): ,,Ja, ich weiß!"

Mutter: ,,Und morgen kommst du wieder nicht zu Potte!"

Sohn: ,,Ich denke die kommen erst um 17:00 Uhr! Da hab ich doch noch 2 Stunden Zeit wenn ich aus der Schule komme, oder?"

Mutter: ,,Na hoffentlich wir das auch was, weil in den Saustall kannst du ja wohl keinen rein lassen!"

Sohn: ,,Und deshalb will ich ja auch morgen noch aufräumen, klar?" Mutter: ,,Ja, mein Kind."

Sohn: ,,Also, dann ist doch alles in bester Ordnung." Mutter: ,,Na, wenn du meinst!"

Sohn: ,,Ich mach´s doch morgen." Mutter: ,,Ja, ist ja gut!"

Sohn: ,,Dann fang doch nicht schon wieder an!"

Mutter: ,,Hab ich doch gar nicht, du meckerst doch gleich wieder zurück."

Sohn: ,,Ich habe nicht gemeckert sondern lediglich begründet warum ich mein Zimmer morgen aufräumen will!"

Mutter: ,,Ja, aber der Ton macht die Musik." Sohn: ,,Ach komm, laß mich doch in Ruhe."

Mutter: Sobald du dein Zimmer aufgeräumt hast!"

Sohn: ,,Ja, ja."

1b)

In dem Gespräch fordert die Mutter ihren Sohn auf sein Zimmer aufzuräumen, da es unordentlich ist und die Großeltern am nächsten Tag zu Besuch kommen. Der Sohn will aber erst am nächsten Tag nach der Schule aufräumen, da er danach ja auch noch genug Zeit habe. Die Mutter sagt das er sein Zimmer auch schon am Wochenende hätte aufräumen sollen. Nach dem der Sohn der Meinung ist der Streit wäre beendet, kommt er aber bereits erneut auf, da er der Meinung ist das seine Mutter trotzdem weiter auf im ,,herum hackt". Schließlich wendet der Sohn sich ab und signalisiert, dass er nicht mehr bereit ist weiter zu streiten. Bei diesem Gespräch handelt es sich um eine ,,Interaktion". Die Mutter sendet eine Botschaft an ihren Sohn und dieser reagiert auf diese. Im Verlaufe des Gesprächs kommt es zum Streit. Es darf hier aber weder der Sohn noch die Mutter als Täter bzw. Opfer gesehen werden. Die Mutter beginnt zwar das Gespräch in dem es zum Streit kommt, hätte der Sohn aber ihre Anweisung eingehalten, sein Zimmer am Wochenende aufzuräumen, wäre es gar nicht zum Streit gekommen. So ist der Sohn einerseits Täter, aber gleichzeitig auch Opfer, da die Mutter nicht auf seine Begründungen eingeht und so ,,scheinbar" einen Streit vom Zaun bricht. Ebenso verhält es sich mit der Mutter. Sie ist Täter, eben weil sie es mit dem angefangen Gespräch zum offenen Streit kommen läßt, aber auch Opfer da sie, wegen des Verhalten des Sohnes beleidigt ist und/oder unzufrieden mit ihm ist. Es scheint sich auch um eine Interpunktion zu handeln, da beide vom anderen denken, er hätte angefangen. Der Sohn vermittelt, dass die Mutter viel zu oft unzufrieden mit ihm ist und er deshalb, aus Trotz, sein Zimmer nicht bereit ist aufzuräumen. Die Mutter glaubt daher wiederum, dass der Sohn durch sein Verhalten es immer wieder zum offenen Streit kommen läßt. Man kann also die Frage ,,Wer ist Schuld ?" nicht beantworten.

2a)

Wie jedes Gespräch kann man auch dieses mit kommunikationspsychologischen Mitteln analysieren. So lassen sich zuerst die vier Seiten einer Nachricht aufzeigen. So sagt die Mutter gleich im ersten Satz: ,,Du mußt dein Zimmer noch aufräumen, morgen kommen die Großeltern!". Die Sachseite dieser Botschaft sagt, aus dass der Angesprochene sein Zimmer aufräumen soll, da die Großeltern zu Besuch kommen. Die Appellseite sagt aus, dass der Sohn sein Zimmer aufräumen soll, also fast genau das gleiche wie die Sachseite. Die Beziehungsseite ist nun nicht mehr so eindeutig. Sie könnte sagen: ,,Ich finde du bist ein unordentlicher Mensch!". Die Seite der Selbstkundgabe sagt: ,,Ich schäme mich vor anderen Personen für dein unordentliches Zimmer.".

Der Sohn ,,versteht" die Botschaft und antwortet: ,,Mach ich morgen noch!". Auch diese Botschaft besitzt wieder vier Seiten, so sagt die Sachseite aus, dass er sein Zimmer morgen aufräumt, der Appell könnte heißen: ,,Laß mich in Ruhe!". Die Beziehungsseite sagt: ,,Ich nehme keine Befehle von dir entgegen.", und die Selbstkundgabe ist: ,,Ich hab keine Lust mein Zimmer aufzuräumen" oder aber auch, ,,Ich hab noch andere Sachen zu tun.". Die Seite der Selbstkundgabe scheint die Mutter aber nicht zu verstehen, so fragt sie nach dem Grund warum der Sohn sein Zimmer erst morgen aufräumen will. In dessen Antwort spiegelt sich die Seite der Selbstkundgabe der voran gegangenen Botschaft wieder, nämlich: ,,Ich habe noch andere Sachen zu tun.". Die Mutter gibt sich mit dieser Begründung nicht zufrieden, da er sein ,,Zimmer ja eigentlich schon am Wochenende aufräumen" sollte. Sie sagt damit auf der Beziehungsseite aus, dass sie unzufrieden ist. So und ähnlich ist auch der weitere Verlauf des Gespräches. Richtig interessant wird es erst wieder als der Streit plötzlich gar nichts mehr mit der Sache zu tun hat. Der Sohn versteht in der Äußerung ,,Na, wenn du meinst." den Appell ,,Es ist gar nichts in Ordnung, du sollst dein Zimmer aufräumen." Er fühlt sich angegriffen und wiederholt noch einmal, dass er sein Zimmer morgen aufräumt. Er schickt damit den Appell los ,,Las mich endlich in Ruhe!". Die Mutter scheint diesen Appell zu verstehen, denn sie sagt: ,,Ja, ist ja gut." Sie scheint mit diesem Satz auf der Appellseite sagen zu wollen: ,,Nun, mecker doch nicht gleich wieder" oder ,,Dann geh doch dein Zimmer aufräumen.". Man merkt an diesem ganzen Verlauf das beide, sowohl Sohn als auch Mutter, viel mit impliziten Botschaften ,,arbeiten". Sie sagen nicht das was sie meinen sondern sagen etwas und wollen das der Gesprächspartner ,,herausliest" was der Sender wirklich damit gemeint hat. Ein Beispiel: Mutter: ,,Du solltest dein Zimmer ja auch am Wochenende aufräumen!", darauf entgegnet der Sohn ein genervtes ,,Ja, ich weiß." In der Nachricht der Mutter steckt die explizite Botschaft ,,Du solltest dein Zimmer letztes Wochenende aufräumen!" Implizit heißt sie aber: ,,Dann räum es bitte jetzt auf!". Der Sohn versteht diese auch und sagt explizit: ,,Das weiß ich!". Implizit sagt er aber: ,,Las mich endlich in Ruhe!", was er durch den genervten Unterton noch unterstreicht. Diese implizite Botschaft versteht die Mutter aber nicht, sie schimpft weiter: ,,Und morgen kommst du wieder nicht zu Potte". Damit meint sie implizit das der Sohn doch sein Zimmer am selben Tag aufräumen soll. An diesem Beispiel lassen sich die impliziten und expliziten Botschaften, die sich in dem Gespräch teilweise wiederholen, sehr schön verdeutlichen.

Über Non - Verbale Äußerungen und damit über Kongruenz zwischen diesen und den verbalen Äußerungen läßt sich keine Aussage machen.

2b)

Im folgenden möchte ich nun versuchen, die beiden Gesprächspartner einem Persönlichkeitsstil zuzuordnen. Hierbei beginne ich mit dem Sohn.

Ich denke man muß den Sohn dem aggressiv - entwertenden Stil zuordnen. Er versucht seine Mutter davon zu überzeugen, dass er weiß das er sein Zimmer aufräumen muß. Dieses will er aber erst am nächsten Tag tun. Davon versucht er seine Mutter auch zuerst mit einigen Argumenten, wie Zeitmangel, zu überzeugen. Er merkt aber, dass die Mutter von diesen nicht überzeugt wird und geht dann zum Angriff über. Er beschuldigt die Mutter schon wieder einen Streit anzufangen. Dies ist auch der grundsätzliche Appell beim aggressiv - entwertenden Stil, nämlich: ,,Gib klein bei!" Hier taucht auch die Beziehungsseite dieses Stiles auf: ,,Du bist Schuld!" er beschuldigt die Mutter, wie schon gesagt den Streit erst angefangen zu haben oder Streitsüchtig zu sein. Die Selbstkundgabe einer Person die diesem Stil zuzuordnen ist sagt: ,,Ich bin obenauf, mir kann keiner!" Auch beim Sohn tritt diese Botschaft auf. Er sagt am Ende des Streits: ,,Ach komm, las mich doch in Ruhe!" Mit diesem Satz will er zum Ausdruck bringen, dass seine Mutter sich auch ,,auf den Kopf stellen" könnte, er würde sein Zimmer trotzdem nicht aufräumen. Er glaubt, dass ihm ,,keiner etwas kann", schon gar nicht die Mutter. Dahinter verstecken sich aber nur Minderwertigkeitskomplexe. Das Grundaxiom des aggressiv - entwertenden Stil heißt: ,,Ich bin nicht in Ordnung, mache erbärmlich alles falsch. Wehe, jemand merkt es! Dann werde ich unter gebuttert und gnadenlos verachtet!" So ist es auch beim Sohn. Er denkt sich: ,,Mein Gott, ich hab´s schon wieder falsch gemacht!", als die Mutter ihn auf sein unordentliches Zimmer anspricht und ihn auffordert es zu säubern. Daher wird er aggressiv, damit die Mutter nicht merkt, dass er weiß oder denkt, dass es ein Fehler von ihm war.

Auch die Oberhandtechnik des aggressiv - entwertenden Stils kommt zum Einsatz.

Der Sohn versucht immer die ,,Oberhand" in dem Gespräch zu behalten. Egal was die Mutter sagt, er legt es ihr negativ aus und auch als sie versucht aus dem Gespräch auszusteigen, fühlt sich der Sohn angegriffen und gibt gleich wieder einen aggressiven Kommentar zurück.

Die Mutter ist meines Erachtens nur sehr schwer einem Persönlichkeitsstil zuzuordnen. Ich denke sie ist am ehesten noch dem bestimmend - kontrollierenden Stil zuzuordnen. Ihr Appell ist: ,,Räum dein Zimmer auf!" also: ,,Mach es so und nicht anders!". Dieses ist auch der Appell des besagten Stiles. Ihre Beziehungsseite sagt: ,,Ich muß meinem Sohn sagen wie man es richtig macht!" und die Seite der Selbstkundgabe: ,,Ich bin ordentlich, ich weiß wie es richtig ist!". Auch diese beiden Seiten finden sich beim bestimmend - kontrollierenden Stil wieder. Dieser Stil zeigt sich auch im Zorn, den sie hat weil ihr Sohn ihre Anweisungen nicht befolgt und unordentlich ist. Sie sagt: ,,Und morgen kommst du wieder nicht zu Potte!". Darin ist die implizite Botschaft ,,Ich bin wütend auf dich!" enthalten.

3a)

Im folgenden möchte ich nun eine Wertung des Gesprächsverlaufs vornehmen. Hierzu werde ich nun zuerst die Empfangsresultate der einzelnen Personen darstellen (Feedback).

Der Sohn empfängt die Botschaften der Mutter und nimmt sie wahr. Anschließend interpretiert er sie und daraus entwickelt sich ein Gefühl. Daraufhin kommt eine Rückmeldung, das Feedback. Dasselbe passiert natürlich auch bei der Mutter. So sagt der Sohn: ,,Na, dann ist doch alles in bester Ordnung.". Die Mutter interpretiert diese Äußerung als: ,,Von dir lasse ich mir nichts sagen, ich weiß wie ich es zu tun habe!". Daraufhin entwickelt sich bei ihr ein Gefühl der Enttäuschung, da sie glaubt, dass sie gegenüber ihrem Sohn an Autorität verloren hat. Ihr Feedback ist deshalb: ,,Na, wenn du meinst!". Sie meint damit, dass sie sein Verhalten nicht gut findet, aber daran nichts ändern kann. Der Sohn interpretiert diese Aussage aber falsch. Er denkt sie meint: ,,Du liegst falsch mit deinem Verhalten!". Er fühlt sich beleidigt und dies ruft ein Gefühl der Wut bei ihm hervor. Daher ist seine Rückmeldung: ,,Ich mach´s doch morgen!". Auch im weiteren Verlauf bestätigen seine Äußerungen diese Wut. Allerdings interpretiert die Mutter seine Aussagen richtig, nämlich: ,,Du mußt mich nicht bevormunden, tust du aber und deshalb bin ich wütend auf dich.!" Sie akzeptiert dies (,,Ja, ist ja gut!"), will sich aber deshalb noch lange nicht beleidigen lassen (,,Hab ich doch gar nicht, du meckerst doch gleich wieder zurück."). An all dem merkt man das Feedbacks vor allem Ich-Botschaften sind. Auch scheint es sich bei diesem Gespräch um ein sogenanntes ,,Pilz - Gespräch" zu handeln. Die Mutter bemängelt die Unordnung des Sohnes, eigentlich etwas was sicherlich gerechtfertigt ist, dieser fühlt sich aber dadurch angegriffen und es kommt zu einem Streit. Dieser hat letztenendes sogar gar nichts mehr mit dem Zimmer zu tun, sondern es scheint so als wollten beide zum Ausdruck bringen, dass sie den jeweils anderen nicht mögen. Sie scheinen eine gestörte Beziehung zu haben.

3b)

Ich denke beide sollten sich über die ,,Wahrheit der Situation" unterhalten, in der beide stecken (Metakommunikation). Denn beide verfehlen mit ihrem Erscheinungsbild (Ausdrucksaspekt) die Wirkungsabsicht. Die Mutter sollte ihrem Sohn klar sagen, dass sie enttäuscht ist, dass der Sohn ihre Anweisung nicht befolgt. Vielleicht würde dies beim Sohn ein Überdenken seines Verhaltens bewirken. Der Sohn hingegen sollte der Mutter sagen, dass sie ihm nicht ständig Anweisungen geben braucht, da er sein Leben selber in den Griff kriegen will. Sie sollten sich also auf einen sogenannten ,,Feldherrenhügel" begeben. Damit wäre die Gesamtsituation zumindest zum Teil geklärt. Sie sollten auch über das reden, was man vom jeweils anderen denkt. So könnte der Sohn der Mutter zum Beispiel sagen: ,,Ich glaube du hältst mich noch für ein kleines Kind!". Die Mutter müßte darauf natürlich reagieren und sagen ob er mit dieser Interpretation richtig oder falsch liegt. Sie könnte dem Sohn sagen: ,,Du glaubst ich hätte dir gar nichts mehr zu sagen!". Erst wenn diese Gefühle und Phantasien ausgesprochen worden sind, können Streitgespräche wie dieses in Zukunft vermieden werden. Es würde dem Sohn und der Mutter vermutlich leichter fallen, von vornherein über ihre Gefühle zu reden.

Auch die Entwicklung eines Wertequadrat wäre denkbar für den Sohn würde es so aussehen:

Kritisch>>>>>>>>>>>>>>>> Offenheit

Aggressiv>>>>>>>>>>>>>> Gleichgültig

Der Sohn sollte sich aus seiner Aggressivität zu mehr Offenheit entwickeln, das heißt also möglichst in die Mitte des Wertequadrats gelangen.

Das Wertequadrat für die Mutter:

Ordnung>>>>>>>>>>>>>>> Flexibel Pingelig>>>>>>>>>>>>>>> Planlos

Auch sie sollte versuchen in die Mitte zu gelangen, sich also zu mehr Flexibilität entwickeln.

Wenn beide versuchen sich in diese Richtung zu entwickeln wäre beiden in ihrer Situation geholfen und es das zusammenleben der beiden könnte erheblich erleichtert werden.

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Kommunikationspsychologie - Ein Gespräch in der Analyse
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V97725
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunikationspsychologie, Gespräch, Analyse
Arbeit zitieren
Jan Lorbach (Autor), 2000, Kommunikationspsychologie - Ein Gespräch in der Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97725

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