Soziale Medien als politische Waffe. Donald Trump und Twitter


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rolle der sozialen Medien

3. Hautwahlkampf: das Kommunikationsinstrument Twitter

4. Motivationspsychologische Aspekte zur Theorie der Macht Donald Trumps

5. Aktuell

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Mit einer sich immer weiter ausbreitenden digital existierenden Welt sind nicht nur Mode und Models Online vertreten, sondern auch der Staat. Unsere Bundespolizei hat Instagram, Feuerwehren führen Snapchat Accounts und auch die Politik ist online vertreten. Das bekannteste Beispiel für politische Äußerungen in sozialen Netzwerken stellt eine auf der ganzen Welt popularisierende Person da, dessen Name so allgegenwärtig ist wie kaum ein anderer.

Nicht nur in der vergangenen Präsidentschaftswahl der Vereinigten Staaten von 2016 sondern auch in der aktuellen Wahl 2020 spielt er die Hauptrolle, das Phänomen Donald Trump. Durch ihn als Person macht auch ein bekanntes Netzwerk immer wieder Schlagzeilen. Wie es dazu kam und warum Donald Trump seinen Erfolg einem Online-Ökosystem aus sozialen Netzwerken verdankt, damit beschäftigt sich ein Artikel der Zeit Online genauer. Das dort veröffentlichte Interview mit der Forscherin Whitney M. Phillips der Syracuse University im Staat New York beleuchtet die ökonomischen, politischen, kulturellen und medialen Bedingungen, die den Aufstieg Donald Trumps erst ermöglichten und was das für unsere Zukunft bedeutet.1

2. Die Rolle der sozialen Medien

Donald Trumps Politik hängt ganz wesentlich von der Nutzbarmachung der Medien ab. Die Schnelligkeit und Unmittelbarkeit der Social Media Plattformen, die Möglichkeit, gezielt Falschmeldungen und Gerüchte zu streuen, wird wesentlich verstärkt durch das Bedienen der .Sensationslust' aufseiten der traditionellen Nachrichtenmedien (Presse und Fernsehen). Whitney M. Phillips vergleicht dies in ihrem Interview mit einem Konzept aus der Biologie, der Biomassenpyramide. Sie bezeichnet Donald Trump als eine Art Raubtier, das ohne kleine Tiere, die Journalisten, nicht überleben würde. Sie schenken ihm Aufmerksamkeit, geben seinen Lügen Raum und schaffen die mediale Präsenz, die ihn zu dem macht, was er ist.

Whitney M. Phillips benannte diesen Prozess in Ihrem Buch „You Are Here: A Field Guide for Navigating Polluted Information“ als Informationsverschmutzung2.

3. Hauptwahlkampf: Das Kommunikationsinstrument Twitter

Wesentlich für Trumps Politik ist die Geschwindigkeit, in dieser Hinsicht das Echtzeitmedium Twitter, durch das es ihm gelingt, seine über 88,9 Mio. Follower jederzeit in Sekundenschnelle zu erreichen.

Seit seiner Amtseinführung im Januar 2017 hat Trump ca. 7000 Tweets abgesetzt, das entspricht einer Rate von annähernd neun Tweets pro Tag, Tendenz steigend (vgl. Anhang 1).

Er selbst antwortete auf die Frage über seinen frühmorgendlichen „Tweetstorm“ während seiner zweiten Präsidentschaftsdebatte im Oktober 2016: „Tweeting happens to be a modern-day form of communication. I mean, you can like it or not like it... I am not unproud of it, to be honest.“3

Jeher eröffnet jeder seiner Tweets potenziell einen neuen Schauplatz im medialen Diskurs oder führt zu einer Umformung der öffentlichen Aufmerksamkeitsökonomie. Diese Art der kalkulierten Überrumpelung ist wesentlicher Bestandteil seiner Präsidentschaft.

Etwa kann ein Beitrag des konservativen Fernsehsenders Fox News unmittelbar zu einem Tweet animieren, der unter Umständen eine internationale Krise auslösen kann, zugleich aber Trumps Anhänger/ innen in Ekstase versetzt. So dient Twitter dem Präsidenten nicht bloß dazu, seine vermeintliche Authentizität, Nahbarkeit und Impulsivität zu unterstreichen, sondern stellt auch ein perfektes Instrument zur affektiven Mobilisierung seiner Anhänger/ innen dar und dient immer wieder der Beschäftigung, aber auch Ablenkung, der kritischen Medien.

So ist das vielleicht größte Paradox Trumps, dass einerseits zwar seine gesamte politische Existenz medial bedingt ist, das heißt ohne ausgeprägte Medienaffinität gar nicht denkbar wäre, dass andererseits aber die Verachtung ,der Medien' zum Grundrepertoire seines Populismus gehört. Hier einige beispielhafte Äußerungen aus dem Twitter Achive Donald Trumps: er schrieb über die Huffington Post am 24.02.2015 „the dishonest media“, „totally biased and a disgusting report“ über Fox News am 14.02.2016, „failing... has become a newspaper of fiction... very dishonest“ und “truly one of the worst newspapers. knowingly write lies. really bad people” über die New York Times am 13.08. und 13.06.2016, und viele mehr (vgl. Anhang 2).4 Mehr als 7000 Mal soll Trump im Amt laut der „Washington Post“ falsche oder irreführende Behauptungen aufgestellt haben - das wären etwa zehn solcher Äußerungen pro Tag.

4. Motivationspsychologische Aspekte zur Theorie der Macht Donald Trumps

1. Machtmotivation

Um Weber von 1992 zu zitieren: „Wer Politik treibt, erstrebt Macht - Macht entweder als Mittel im Dienst anderer Ziele - idealer oder egoistischer - oder Macht um ihrer selbst willen: um das Prestigegefühl, das sie gibt, zu genießen“. Donald Trumps Narzissmus, auf den von verschiedensten Fachleuten, unter anderem Philip Zimbardo hingewiesen wurde, unterstützt eben diese Machtmotivation.5 Die Erklärung, nur ein Wahlergebnis anzuerkennen, in dem er der Sieger ist, die Herabwertung anderer als seiner Auffassungen („Fake News“) und die wiederholte Ausladung kritischer Journalisten verdeutlichen sein Geltungsbedürfnis, sein Streben nach entsprechendem Raum und Gehör, nach Anerkennung, Resonanz und Applaus.

2. Widerstand seitens der Machtunterworfenen

Während Trump für die Republikanern zur Wahl antrat, kam Widerstand zunächst vor allem von gegnerischen Parteianhängern, den Demokraten. Aufgrund Trumps immer wieder aneckenden, öffentlichen Äußerungen über verschiedene Völkergruppen stoß er zusätzlich auf Widerstand seitens der Bevölkerung, auch aus eigenen Reihen. Was folgte, waren von ihm veranlasste Entlassungen (z.B. des FBI-Direktors James Comey, seines ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon oder des Justizministers Jeff Sessions) und die völlige Negation eigenen Fehlverhaltens. Hier einige beispielhafte Äußerungen seinerseits: „I have so many fabulous friends who happen to be gay, but I am a traditionalist.“, „I will build a great, great wall on our southern border, and I will make Mexico pay for that wall.”, “It's freezing and snowing in New York - we need global warning.” , über schöne Frauen: “Just kiss. I don't even wait. And when you are a star, they let you do it. You can do anything you want. Grab them by the pussy.”6 (vgl. Anhang 3).

3. Machtquellen

Donald Trumps Machtquellen liegen sicherlich in der Zusammenwirkung zwischen seiner Selbstdarstellung und der Aufmerksamkeitsökonomie unseres Internets. Er setzt auf den Verlust des Vertrauens und das damit verbundene Infrage stellen von Informationen und die geringe vorhandene Medienkompetenz.

Die Menschen wählen aufgrund von Sympathie, Zugehörigkeitsgefühl und Gemeinsamkeiten, die sie vermittelt bekommen und das passiert größtenteils durch die Medien und zwar nicht nur durch Massenmedien, die journalistischen Richtlinien befolgen, sondern auch immer mehr online ohne Regeln. Hier kommt dann wieder die Herabwertung anderer als seiner Auffassungen („Fake News“) zum Einsatz, um bestmöglich dar zu stehen. Ein Teil seiner Wähler steht offen zu seinen, teils feindlichen, Äußerungen, befürworten sie. Ein anderer Teil seiner Wählerschaft beruft sich auf Trumps Offenheit, sie assoziieren sie mit Wahrheit. Trumps Vorteil ist, dass viele im Internet Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Entmenschlichung mit einem ironischen Augenzwinkern begegnen. Das extrem freiheitliche Verständnis von Meinungsfreiheit und die wirtschaftlichen Interessen der Plattformen schaffen hierbei einen Ort, wie geschaffen für Trumps Persönlichkeit und sein Machtstreben.

Er realisiert eine Politik der Herabsetzungen, in der er negative Emotionen wie Angst und Wut hortet. Er nutzt dies, um eine politische Vergemeinschaftung negativer Solidarität zu schaffen. Gegen etwas zu sein ist immer einfach und es hält zusammen. Zwar nicht lange, denn wenn man gemeinsame Ziele finden muss zerfällt es oft, um eine Wahl zu gewinnen, ist es jedoch genug. Während der Präsidentschaft kommt es dann darauf an, ob sich solche Ziele finden oder ob differenzierte Meinungen entstehen. Während der Wahl sind es jedoch die Wechselwähler, auf die es ankommt und um die sich gekümmert werden muss. Nicht umsonst tritt Donald Trump vermehrt in den sogenannten Swing-States auf und versendet sogar persönliche Einladungen, um mächtige Verbündete mit großer Reichweite zu gewinnen.

4. Hemmungen zum Einsatz der Macht

Wenn in der Wahl und Präsidentschaft von einer Sache weit und breit nichts zu erkennen war, dann sind es wohl die Hemmungen von Donald Trump. Kein Präsident in der Geschichte Amerikas hat für so viel Aufsehen gesorgt wie er, und das weltweit. Seine Politik des autoritären Populismus spaltet die Gesellschaft. Er ist anti-liberal, denn er stellt die Mehrheitskultur und Mehrheitsmeinung über die Individualrechte und Minderheitenrechte, bestes Beispiel ist wohl die angekündigte Mauer zu Mexiko, welche die Einfuhr von Drogen und illegale Einwandere stoppen soll, in Trumps Worten: „The Mexican legal system is corrupt, as is much of Mexico. Pay me the money that is owed me now - and stop sending criminals over our border.7 ” (vgl. Anhang 4). Noch absurder machte dies nur seine Einladung zur Unterzeichnung des Erlasses zum Mauerbau von Eltern, deren Kinder von illegalen Einwanderern ermordet wurden. Trump ist anti-multilateral, weil er die nationale Souveränität auch dann gegen internationale Institutionen stellt, wenn nationale Politiken offensichtliche negative Externalitäten in anderen Ländern der Welt produzieren. Sein Slogan „make America great again“ verdeutlicht das besser als alles anderes.

Er verspricht damit eine Rückkehr zu drei zusammenhängenden Konstellationen: Erstens ist damit die ,gute alte Zeit' des industriellen Aufschwungs im 20. Jahrhundert gemeint, in der US-Amerikanischer Stahl noch benötigt wurde, unter anderem für die enormen Rüstungsanstrengungen des Kalten Krieges. Donald Trump erhöht die Einfuhrzölle und stärkt somit die Inlandsprodukte.

Zweitens hatte dieser den Vorzug, dass es eine klare Freund/Feindunterscheidung vorgab, die zwar gelegentlich unterlaufen wurde und von unterschiedlichen Intensitäten geprägt war, gleichwohl aber Handlungsorientierung und Identitätsangebote bereitstellte8. Trump bezieht klare Stellung, zu Putin und Kim Jong- Un, gegen Chinas Präsidenten Xi Jinping und Mexiko. Er tritt aus dem UN­Klimaabkommen und dem UN-Menschenrechtsrat aus, verlässt die WHO und die Kultur- und Bildungsorganisation UNESCO9.

Drittens ist damit vor allem auch eine Rückkehr zur alten Geschlechterhierarchie gemeint, in der der Mann als Oberhaupt der Familie die politischen, moralischen und sexuellen Spielregeln vorgeben und durchsetzen konnte. Gleichzeitig steht Trump nicht einseitig für ein Entsexualisierungsprogramm, dass Frauen wieder an Heim und Herd bindet, sondern vielmehr für eine Relegitimierung des männlichen Verfüg­barkeitsanspruchs über den weiblichen Körper. Einer seiner Tweets verdeutlich diese Meinung stark, er schrieb 2013: „26,000 unreported sexual assults in the military-only 238 convictions. What did these geniuses expect when they put men & women together?10 “ über den sexuellen Übergriff Deklar im US-amerikanischen Militär (vgl. Anhang 5).

5. Machtressourcen

Der Zugang zur Ebene politischer Macht ist im gegenwärtigen Amerika maßgeblich von ökonomischen Ressourcen und organisationaler Macht abhängig. Die politischen Präferenzen der unteren und mittleren Einkommensschichten haben, wie die Studie von Martin Gilens11 zeigt, kaum Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse.

Im amerikanischen Wahlsystem müssen und werden Wahlkämpfe und politische Kampagnen privat finanziert. Donald Trumps Ressourcen sind dementsprechend sehr geldbezogen. Nicht nur sein eigenes Vermögen von rund 3,1 Milliarden Dollar und dem damit verbundenen Platz unter den reichsten 300 Amerikanern12 bieten Ressourcen in Bezug auf Finanzierung und Kontakte.

Eine weitere sehr große Ressource seiner Macht ist die einer der mächtigsten US- Lobbygruppen, die NRA. Durch Donald Trumps offene Unterstützung des privaten Waffenbesitzes in den USA und sein Entgegenwirken gegen Verschärfungen des Waffenrechts sichern ihm deren Unterstützung. Mit einem Jahresumsatz von mehr als 430 Millionen US-Dollar und rund fünf Millionen Mitgliedern13 hat sie großen Einfluss auf die Wahlen in Washington. Allein im Jahr 2016 gaben sie über 10 Millionen Dollar zu Unterstützung Donald Trumps aus und fast 20 Millionen Dollar gegen Hillary Clinton. Organisierter lobbyistischer Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse ist allgegenwärtig.

6. Reaktionen der Machtunterworfenen

Die Amerikanische Bevölkerung reagierte in vieler Hinsicht auf das Phänomen Donald Trump. Während zu Beginn seiner Wahlen viele Unterstützer eher unerkannt bleiben wollten, da auch zu diesem Zeitpunkt schon seine Aussagen für Diskrepanz und Diskussion sorgten, so wendete sich das Blatt im Laufe seiner Präsidentschaft. Kaum etwas verdeutlicht das so gut, wie die Ausschreitungen im Zuge der Black Lives Matter Bewegung 2020.

Die Protestkundgebungen begannen zunächst als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd am 25.06.2020 der durch eine brutale Festnahme verstarb. Während den zunächst friedlichen Demonstrationen kam es, angefacht durch immer mehr publik werdende Fälle von Polizeigewalt gegen Afroamerikaner, immer wieder zu Plünderungen, gewaltsamen Auseinandersetzungen, Einsatz von Tränengas, schließlich auch zu Schüssen und Toten. Behörden in insgesamt 25 Städten in 16 US-Bundesstaaten erließen demnach Ausgangssperren.

[...]


1 von Lindern, Jakob / Whitney M. Phillips (2020): 'Trump ist absolut symptomatisch für das Internet’, in: ZEIT Online

2 Phillips, Whitney M. (o. J.): You Are Here eBook by Whitney Phillips, in: Rakuten Kobo

3 Kafka, Peter (2016): Donald Trump is 'not unproud of' his early morning tweetstorms, in: Vox

4 Media Disdain (o. J.): in: Trump Twitter Archive

5 Drach, Markus Schulte (2017): Narzissmus - Trumps Psyche und das Dilemma der Experten, in: Süddeutsche.de

6 The words of Donald Trump (2020): in: Instagram Account @feminist

7 Trump, Donald J. (2015): The Mexican legal system is corrupt, in: Twitter

8 Brendebach, Jonas/Sonja Dolinsek/Anina Falasca/Leonie Kathmann (2011): Cold War Studies - Kommentar - Cold War Studies, transnationale Geschichte und internationale Organisationen, in: Docupedia-Zeitgeschichte

9 DeThier, Peter (2020): US-Wahl 2020: Diese Organisationen haben die USA unter Donald Trump verlassen, in: Südwest Presse

10 Trump, Donald Jr. (2013): 26,000 unreported sexual assorts, in: Twitter, [online]

11 Elsässer, Lea (2015): Studie zu Einfluss und Ungleichheit in den USA: Macht Geld Politik?, in: Verteilungsfrage. org

12 Beutelsbacher, Stefan (2019): Forbes-Ranking: Trump stürzt in der Liste der Reichen dramatisch ab, in: DIE WELT

13 Schröder, Torsten (2017): Mehr Tote, mehr Macht für die NRA, in: Die ZEIT, [online]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Soziale Medien als politische Waffe. Donald Trump und Twitter
Hochschule
EBC Hochschule Hamburg
Note
1,3
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V977428
ISBN (eBook)
9783346330093
ISBN (Buch)
9783346330109
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienwirkung, Twitter, Donald Trump, Psychologie
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Soziale Medien als politische Waffe. Donald Trump und Twitter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/977428

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