Wie wirkt sich Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit aus?


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theorie
2.1 Das Konstrukt „Arbeitslosigkeit“
2.2. Das Konstrukt „psychische Gesundheit“
2.3 Die Thesen

3. Methode

4. Ergebnisse
4.1 Morbidität
4.2 Mortalität
4.3 Soziodemographischer Vergleich
4.4 Burnout und Depression

5. Diskussion

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Arbeitslosigkeit ist heute ein Thema, das die Allgemeinheit betrifft. Erfahrungen von Zeiten der Arbeitslosigkeit bei Freunden, Bekannten, Familienangehörigen oder bei sich selbst hat die Mehrheit der deutschen Bevölkerung bereits gemacht“ (Berth et al., 2003, S.556).

Dieses Zitat macht deutlich, dass Arbeitslosigkeit ein sehr relevantes Thema in der Gesellschaft ist. „Insgesamt gibt es mittlerweile allein im deutschsprachigen Raum mehr als 500 Publikationen“ (Friedel, 2000, S.11). Arbeitslosigkeit ist zudem ein Thema, das bereits jahrzehntelang erforscht wird. Die erste Studie zu dem Thema Arbeitslosigkeit und seine Folgen geht bis in das Jahr 1933 zurück. Jahoda et al. (1933) dokumentierten und analysierten die Folgen von Arbeitslosigkeit an dem Beispiel einer Stadt, die durch die Schließung eines Betriebes, komplett von Arbeitslosigkeit betroffen war.

Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in den letzten 15 Jahren zeigt, dass seit 2007 die Anzahl an Arbeitslosen in Deutschland sinkt. Die Arbeitslosenquote wird berechnet, indem die Anzahl der Arbeitslosen durch die Anzahl der Erwerbsfähigen Personen dividiert wird (Bundesagentur für Arbeit, 2020). Im Jahr 2019 lag die Arbeitslosenquote erstmalig bei 5 %. Doch durch die Corona Pandemie stieg die Arbeitslosenquote im Juli 2020 wieder auf 6,3 %. Der Trend geht dahin, dass die Arbeitslosenquote weiter steigt (Bundesagentur für Arbeit, 2020). Das Thema Arbeitslosigkeit wird nun häufiger diskutiert und ist somit einmal mehr ein relevantes Thema in der Gesellschaft.

Während die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren gesunken ist, ist die Anzahl von Arbeitsunfähigkeitsfällen aufgrund psychischer Erkrankungen seit 2013 gestiegen. Insgesamt ist die Anzahl dieser Fälle innerhalb von zehn Jahren um 40 % gestiegen. (Wissenschaftliches Institut der AOK, 2019). Diese Zahl macht besonders deutlich, dass ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und psychischen Erkrankungen besteht.

Arbeitslosigkeit ist zudem ein relevantes Thema in der Gesellschaft. Durch den Verlust von Arbeit gehen wichtige Funktionen zur Sicherung einer Existenz verloren. Die wichtigste Funktion von Arbeit ist die Sicherung einer materiellen Existenzgrundlage. In einzelnen Fällen kann es dazu kommen, dass Grundbedürfnisse wie Essen nicht mehr befriedigt werden können Schumacher, 1986).

Zudem hilft Arbeit bei der Formung einer eigenen Persönlichkeit, indem man eine individuelle Handlungskompetenz entwickelt. Dadurch wird ein Selbstwertgefühl entwickelt, das bei einem Verlust verschiedene psychische Folgen verursachen kann, wie Depression (Schumacher, 1986).

Für viele Erwerbstätigen stellt die Arbeit das Hauptinteraktionsfeld für soziale Kontakte dar. Gerade wenn soziale Kontakte im Privatleben nicht vorhanden sind, kann das Fehlen von sozialen Kontakten durch die Arbeit schwerwiegende Folgen haben (Schumacher, 1986).

Für Arbeitslose wird es zudem schwierig neue Kontakte zu knüpfen, da Arbeitslosigkeit in der Gesellschaft zu sehr stigmatisiert wird. Arbeitslose werden mit Vorurteilen konfrontiert, wie Faulheit. Zudem sind Sozialkontakte mit Mobilität verbunden, was einen Kostenfaktor darstellt, der oft nicht zu bewältigen ist (Mühlpfordt et al., 2011).

Arbeit hat somit eine übergeordnete Funktion für unseren Alltag. Bei Verlust des Arbeitsplatzes gehen alle die Funktionen verloren. Der Ergebnisteil zeigt, welche psychischen Folgen bei dem Verlust eines Arbeitsplatzes entstehen. Zudem gibt der Diskussionsteil einen Einblick, wie man zukünftig mit Arbeitslosigkeit umgehen kann zur Milderung der negativen Folgen.

2. Theorie

2.1 Das Konstrukt „Arbeitslosigkeit“

Man unterscheidet bei Arbeitslosigkeit zwischen Kurzzeitarbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit. Arbeitslose, die weniger als 12 Monate arbeitslos sind, werden als Kurzzeitarbeitslose definiert. Langzeitarbeitslose werden als Arbeitslose, die mindestens 12 Monate arbeitslos sind, definiert. (Mühlpfordt et al., 2011).

Berth et al. (2003) fassten das Erleben von Arbeitslosigkeit in einem Modell zusammen. In diesem Modell definieren sie das Erleben von Arbeitslosigkeit als Zerfallsprozess. Folgende Phasen umfasst das Modell:

- Antizipationsphase
- Schock unmittelbar nach dem Eintreten der Arbeitslosigkeit
- Erholungsphase (1.-2. Monat)
- Latenzphase (3.-6. Monat)
- Pessimistische Reaktionen (7.-12. Monat)
- Phase der fatalistischen Anpassung

Das Modell zeigt, dass die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit in Abhängigkeit zu der Dauer der Arbeitslosigkeit stehen.

Arbeitslosigkeit ist zudem ein Thema, vor dem viele nicht geschützt sind. Es besteht häufig die Gefahr, dass man im späteren Berufsleben seinen Job verlieren kann. Dabei kann es jede Bevölkerungsschicht treffen. Ein Akademiker kann genauso seinen Job verlieren, wie ein ungelernter Arbeiter.

Die Ursachen für den Verlust eines Jobs sind vielfältig. Bei der Insolvenz eines Betriebes ist meistens die komplette Belegschaft von Arbeitslosigkeit betroffen. In diesem Fall verlieren sowohl die Arbeiter in der Produktion als auch die hochrangigen Manager ihren Job. Eine weitere Ursache kann eine altersbedingte Kündigung sein. In diesem Fall kann ein älterer Erwerbstätiger nicht die Qualifikationen mitbringen, die ein jüngerer Erwerbstätiger mitbringen kann. Allgemein kann man aufgrund fehlender Qualifikationen gekündigt werden. Zudem kann eine ausstehende Übernahme nach der Berufsausbildung, zu einer Arbeitslosigkeit bereits im frühen Alter führen. Des Weiteren kann eine Krankheit, wegen der die berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeführt werden kann, ursächlich für eine Arbeitslosigkeit sein (Schumacher, 1986).

2.2. Das Konstrukt „psychische Gesundheit“

Psychische Gesundheit ist ein Konstrukt, für das es viele Definitionen gibt. Die WHO definierte den Begriff Gesundheit im Jahr 1948 folgendermaßen: „Gesundheit ist ein Zustand völligen psychischen, physischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung“ (The Preamble of the Constitution of the World Health Organisation, 1948, zitiert nach Schlipfenbacher & Jacobi, 2014, S. 2.e1).

Psychische Gesundheit wird auch als Ausbleiben von Krankheiten verstanden. Dabei bezeichnet man psychische Gesundheit nicht als Normalzustand, sondern als psychischen Idealzustand (Schulte 1998, zitiert nach Schlipfenbacher & Jacobi, 2014, S. 2.e2).

2.3 Die Thesen

Psychische Gesundheit ist ein wichtiger Faktor im Arbeitsleben. Ohne psychische Gesundheit fällt es schwer, den gesellschaftlichen Anforderungen und den Anforderungen des Arbeitgebers zu bestehen. Doch durch die Globalisierung werden die Anforderungen an einen Erwerbstätigen immer höher und somit ist das Risiko höher an einer Krankheit wie Burnout zu leiden (Schlipfenbacher & Jacobi, 2014).

Daher haben Grobe et al. die Selektionshypothese aufgestellt: „Krankheiten führen zu einem erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiko“ (Grobe et al., 2003, S. 5).

Aufgrund der veränderten wirtschaftlichen und sozialen Lage geht man auch davon aus, dass „Arbeitslosigkeit zu einem erhöhten Krankheitsrisiko führt“ (Grobe et al., 2003, S. 5). Diese Hypothese stellt die Kausalitätshypothese dar und auch die Hypothese für diese Hausarbeit.

3. Methode

Der erste Schritt zur Beschaffung der Literatur stellt die Auswahl der Primärliteratur dar. Der Online Katalog der SRH Bibliothek besitz zu den Stichwörtern „Arbeitslosigkeit“ und „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ keinen Bestand. Deshalb stammt der Großteil der verwendeten Literatur aus den Bücherbeständen der Öffentlichen Bibliotheken Berlins. Die Öffentlichen Bibliotheken Berlins haben ein breites Sortiment an Büchern, die sowohl das Thema „Arbeitslosigkeit“ als auch das Thema „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ betreffen, wie „Arbeitslosigkeit und Krankheit eine gesundheitsökonomische Studie“ (2000) von Heiko Friedel.

Die Hausarbeit basiert hauptsächlich auf Informationen aus den Büchern und Studien, die sich auf die psychischen Folgen von Arbeitslosigkeit beziehen, weniger auf die allgemeinen gesundheitlichen Folgen.

Die psychischen Krankheiten, herausgestellt aus den Ergebnissen der Studien der Primärliteratur, stellen die Suchkriterien für die Beschaffung der Sekundärliteratur dar. Die Hauptkrankheiten sind Depression und Burnout. Die Sekundärliteratur stammt von den Suchplattformen für Literatur „Google Scholar“ und „researchgate“. Dort gibt es zahlreiche Peer-Review-Artikel und Buchkapitel, die zusammen mit den Büchern der Öffentlichen Bibliotheken Berlins die Literaturbasis dieser Hausarbeit darstellen. Die Hausarbeit basiert zudem auf einem englischsprachigen Artikel. Die Auswahl war gering, da viele Peer-Review-Artikel und Bücher nicht unentgeltlich verfügbar sind.

Ein weiteres Problem ist, dass viele Autoren sich auf Fremdliteratur bezogen haben. Viele Autoren bezogen sich auf das Buch „Die Arbeitslosen von Marienthal“ (1933) von Jahoda et al.. Deshalb gehört das Buch auch zu der Literaturauswahl für diese Hausarbeit.

Ein weiteres Problem ist das Alter der Studien und Bücher. Der Großteil der Literatur wurde nicht im 21. Jahrhundert verfasst, da das Thema „Arbeitslosigkeit“ schon seit Jahrzehnten relevant ist. Ein gutes Beispiel ist dafür das Buch „Die Arbeitslosen von Marienthal“ von Jahoda et al. aus dem Jahr 1933. Vor über 80 Jahren gab es noch keine Globalisierung und es gab auch ganz andere Anforderungen an die Erwerbstätigen als heute, wodurch die psychischen Folgen im Gegensatz zu heute variieren können. Zudem gibt es in keinem Buch eine Übersicht über die aktuellen Arbeitslosenzahlen, die einen Überblick über die aktuelle Situation schaffen.

Aus dem Grund basiert die Hausarbeit zusätzlich auf aktuelle Statistiken zur Arbeitslosenquote von der Internetseite statista.de. Um die Gewissheit zu haben, dass heute die gleichen psychischen Krankheiten durch Arbeitslosigkeit resultieren wie früher, habe ich ältere Studien mit dem „BKK Gesundheitsreport“ und einigen jüngeren Studien verglichen. Das Ergebnis ist, dass die Folgen gleich sind, somit basiert die Hausarbeit sowohl auf ältere als auch jüngere Studien. Mit dieser Auswahl an Literatur ist die Forschungsfrage beantwortet.

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Wie wirkt sich Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit aus?
Hochschule
SRH Hochschule Berlin (früher OTA)
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V977838
ISBN (eBook)
9783346330901
ISBN (Buch)
9783346330918
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arbeitslosigkeit
Arbeit zitieren
Lisa Freßmann (Autor:in), 2020, Wie wirkt sich Arbeitslosigkeit auf die psychische Gesundheit aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/977838

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