Bewässerung am Aralsee und im Negev


Ausarbeitung, 2000
19 Seiten

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Gliederung:

1 Einleitung

2 Der Aralsee
2.1 Gebietscharakteristik
2.2 Das Komplexe Drama
2.3 Wie geht es weiter mit dem Aralsee?
2.4 Zusammenfassung

3 Der Negev - ein Extremraum
3.1 Gebietscharakteristik
3.2 Wasserwirtschaft und Bewässerungstechniken
3.3 Auswirkungen
3.4 Zusammenfassung

Literatur:

- Létolle, M.Mainguet: Der Aralsee - Eine ökologische Katastrophe. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 1996 · Y. Karmon: Israel - Eine geographische Landeskunde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1983 · Diverse Internetadressen

1 Einleitung

Im folgenden Referat soll auf die Qualität von Bewässerungswasser anhand von zwei Beispielen eingegangen werden. In Eigenverantwortung habe ich das Thema etwas modifiziert. Ich werde nicht darstellen, wie gut oder schlecht ein bestimmtes Wasser für die Bewässerung geeignet ist, sondern ich werde auf die Gefahren falscher und auf Vorzüge richtiger Methoden eingehen. Die Beispiele ,,Aralsee" und ,,Negev" erscheinen mir dabei als sehr sinnvoll.

Die Besiedlung des Negev war eine der größten Leistungen des Staates Israel. Ohne sinnvolle Wasserbereitstellung und die anschließende optimale Nutzung des Wassers hätte eine Katastrophe, wie sie am Aralsee geschehen ist, leicht ebenso passieren können. Am Aralsee hat die Menschheit einen der größten Fehler in ihrer Geschichte gemacht. Sie hat ein einzigartiges, artenreiches Ökosystem vollständig und unwiederbringbar zerstört. Die Auswirkungen dieses verantwortungslosen Verhaltens werden im Folgenden recht eindrucksvoll dargestellt. Die Ausführungen sollen zum Nachdenken anregen. Die Menschheit muss sich über die Gefahren einer falschen Nutzung von Ökosystemen klar werden und diese verhindern - denn ist die Natur einmal zerstört, ist sie für alle verloren.

2 Der Aralsee

,,Willkommen in Muinak, der Stadt der Fischer". Die verrostete Inschrift an einer Fischfabrik in dem ehemaligen Badeort und Hafen in http://www.geowissenschaften.de/kap3/3azab019.htmKarakalpakien/Usbekistan irritiert inmitten der wüstenartigen Landschaft ringsherum. Wo vor 30 Jahren noch ein Hafen war, kann man heute nur noch rostige Schiffswracks finden. Der ehemals blühende Fischfang, der nicht nur der Versorgung der heimischen Bevölkerung diente, sondern auch eine wichtige Einnahmequelle war, ist vollständig zusammengebrochen. Der frühere Fischreichtum des Aralsees ist durch die großen Schadstoffbelastungen und den hohen aktuellen Salzgehalt des Restsees fast vollständig verschwunden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Schiffswracks am Aralsee (Bild: NASA EarthKAM)

Was ist aus dem ehemals tierreichen Gebiet um den Aralsee, der um 1960 mit einer Größe von 69000 km2der viertgrößte See der Welt war, geworden?

2.1 Gebietscharakteristik

- Geographie:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Geographische Lage des Aralsees

Geographisch liegt der Aralsee im Turan. Dies ist der Name der Senke zwischen Sibirien, dem Kaspischen Meer und der chinesischen Senke mit dem Aralsee in der Mitte (Létolle/ Mainguet, 1996). Der See wird im Norden von Kasachstan und im Süden von Usbekistan begrenzt. 700 km westlich befindet sich das Kaspische Meer. Seine maximale Ausdehnung hatte der Aralsee zu Beginn des Holozäns (10.000 v.Chr.). In der Folgezeit veränderte sich das Seevolumen in Abhängigkeit von den jeweils herrschenden klimatischen und hydrologischen Bedingungen mehrmals stark. Die Zuflüsse Amu-Darja und Syr-Darja transportierten seit jeher große Wassermengen aus den umliegenden Gebirgen in den Aralsee. Noch vor ca. 100 Jahren waren dies ca. 67 km3Wasser pro Jahr. Die Flüsse mündeten in ausgedehnten Deltas mit einer reichen Fauna und Flora. Aufgrund großer fluvialer und äolischer Sedimentablagerungen und künstlicher Eingriffe gibt es seit der letzten Eiszeit keinen Abfluss mehr aus dem Aralsee ins Kaspische Meer.

- Klima:

Der Turan stellt ein semiarides Ökosystem dar. Der Aralsee als Teil dieses Systems spiegelt die klimatischen Bedingungen recht deutlich wieder. Es herrschen Temperaturen von etwa 30°C tagsüber, die bis auf -5°C in der Nacht fallen können. Jährlich fallen selten mehr als 150mm Niederschlag (Létolle/ Mainguet, 1996). Bei einer Verdunstung von durchschnittlich 1000mm/Jahr können in diesem trockenen Gebiet aufgrund der extremen klimatischen Bedingungen normalerweise allenfalls Xerophythen gedeihen. Durch Bewässerungsmaßnahmen können die extremen Temperaturschwankungen etwas abgemildert werden. Das Aralbecken steht im Winter unter dem Einfluss des sibirischen Hochdruckgebietes, im Sommer trägt die feuchtkalte Luft vom Nordatlantik und dem europäischen Festland Feuchtigkeit in den Westen der Region. Die mittlere Frostdauer beträgt im Süden der Kara-Kum 140 Tage, im Norden 210 Tage.

- Zuflüsse:

Die Eckpfeiler des hydrologischen Systems sind der Amu-Darja und der Syr-Darja. Der Amu- Darja entspringt im Pamir in Afghanistan. Mit einer Gesamtlänge von 2540km durchfließt er sein 309000km2großes Einzugsgebiet. Dabei bewegt der Fluss beachtliche Partikelmengen (1-3,5kg/m3). Das Wasser ist durch den ,,Kalkreichtum" sehr hart. Durch die Einleitung von Drainage- und städtischen Abwässern hat der Gehalt an gelösten Salzen in den letzten Jahren stark zugenommen. Aufgrund des Kara-Kum-Kanals, der den Aralseezufluss Amu-Darja mit dem Kaspischen Meer verbindet, gelangt nur noch ein Drittel des natürlich zufließenden Wassers in den See.

Der Syr-Darja durchfließt das 219000km2große Einzugsgebiet mit einer Gesamtlänge von 3019km. Die Bauern aus dieser Gegend beschäftigen sich überwiegend mit den sehr viel wasserverbrauchenden Baumwollplantagen. Dem Syr-Darja wird mittlerweile so viel Wasser entnommen, daß der Fluss seit 1976 nicht mehr in den Aralsee mündet. Seit 1988 wird Wasser aus der Entwässerung in den trockenen Teil des Flusses geleitet, um so den ,,Kleinen Aralsee" mit Wasser zu versorgen. Dieser liegt morphologisch höher als der ,,Große See" und wurde durch das Absinken des Seespiegels isoliert.

Der Syr-Darja wird hauptsächlich von der Landwirtschaft verschmutzt und unterliegt starken Verdunstungsverlusten.

Durch den Wasserentzug wird der Aralsee derart ausgetrocknet, daß er in 30 Jahren höchstwahrscheinlich nicht mehr existieren wird.

- Baumwollanbau:

Früher lagen die Baumwollfelder nach der Ernte für drei Jahre brach und wurden danach mit Luzerne bzw. Getreide oder Gemüse bestellt. Dieser Fruchtwechsel diente dem Schutz des Bodens und dem Erhalt der Produktivität. Später wurde der Fruchtwechsel durch massiven Einsatz von Düngemitteln ersetzt.

Die Baumwolle warder,,Exportschlager" der UdSSR. Verschiedene Fünfjahrespläne forderten die drastische Erhöhung der Erträge. Die Bauern mussten die Ackerflächen verändern. Um dies nicht zu Lasten der Anbauflächen für Futtermittel und Getreide zu schaffen, war die Erschließung neuer Flächen notwendig. In einem Land mit trockenem Klima und Wüstenboden ist dies eine große Herausforderung. Die Lösung lag in der Bewässerung. Die Einführung des Anbaus hatte zwei Folgen:

- Systematische Bewässerung

- Anpassung an die kurze Vegetationsperiode

Die Baumwolle ist eine sehr anspruchsvolle Pflanze. Sie benötigt während der Wachstums- und Blütezeit eine Mindesttemperatur von 18°C und 800-1900mm Wasser. Zuviel Wasser kann der Pflanze jedoch auch schaden. Die Baumwolle ist nicht in der Lage, mit den Spaltöffnungen ihrer Blätter die Transpiration zu regulieren. Wasserüberschuss läßt die Kapseln faulen. Ein großes Problem stellt die Unverträglichkeit der Baumwolle mit zufällig verbreiteten Pflanzen dar. Dieses wurde durch tiefes Pflügen und starken Einsatz von Herbiziden gelöst. Tierische Schädlinge (Pilze, Insekten, Würmer) beseitigte man massiv mit Pestiziden.

2.2 Das komplexe Drama

Vor 1960 wurde die Vegetationsdecke durch die umherziehenden Nomaden geschädigt. Die Baumbestände sanken durch die Nutzung als Brennholz und den Bau der Schiffsflotte. Diese Abholzung und die Umwandlung der Flussdeltas in Ackerland störte das ökologische Gleichgewicht erheblich. Um den Ertrag der Fischerei zu erhöhen, wurden fremde Arten in den Aralsee eingesetzt. Diese rotteten jedoch die einheimischen Arten durch Verbrauch des ohnehin wenig vorhandenen Plankton und Übertragung von Parasiten aus. Aus dem ,,Fischereiboom" traten zwei Städte besonders hervor: Aralsk im Norden und Muinak im Süden.

Bis 1960 war eine Austrocknung des Aralsees nicht bemerkt worden, da die jährlichen Schwankungen bei Zufluss (Hochwasser) und Verdunstung und die Oberfläche des Sees zu groß waren. Die Austrocknung fand jedoch unaufhaltsam statt. Zunächst zog sich das Wasser von den Häfen (v.a. Aralsk und Muinak) zurück. Der Fischfang ging bis auf Null zurück. Von den 30.000 Arbeiter in der Fischerei sind nur noch eine Handvoll übrig, die ihrer Arbeit am ,,Kleinen See" vorwiegend im zeitigen Frühjahr nachgehen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Fische noch in Ufernähe und für die kleinen Fischerboote erreichbar. Später ziehen sich die wenigen Fische in die Seemitte zurück, wo es für die Boote wegen der Stürme kein Hinkommen gibt. Der ,,Große See" ist seit 1975 praktisch fischfrei, v.a. durch die extrem hohe Pestizidbelastung. Nicht zu vergessen ist der zunehmende Salzgehalt. Die Fischkonservenfabrik in Muinak wurde teilweise mit Fisch aus der Ostsee beliefert. Die Absenkung des Seespiegels hatte auch die Absenkung des Grundwassers zur Folge. Der Wasserstand der Trinkwasserbrunnen sank teilweise um bis zu 10m. Die Sümpfe sind verschwunden - aus ihnen wurden Steppen.

Der natürliche Wasserhaushalt wurde v.a. durch den Bau der Bewässerungskanäle völlig verändert. Den etwa 3000km natürlichen Stromrinnen stehen ca. 200.000km Kanäle und Gräben gegenüber. Die oberflächennahen Grundwasserschichten im Schwemmland der Deltas wurden im wesentlichen von den Flüssen bzw. den Bewässerungskanälen gespeist. Die Umleitung der Gewässer und die zunehmende Versalzung hatten sehr schwere Folgen:

- Zusammenbruch der Ökosysteme
- Verschlechterung der Trinkwasserressourcen mit fatalen Folgen für die menschliche Gesundheit
- Versalzung der Böden durch Wasserüberschuss

Die Bewässerungsstruktur zeigt eine starke Verzweigung des eigentlichen Flussverlaufes:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Erfassung der Bewässerungsstruktur des Amu-Darja

Durch diese Aufsplittung und die Verwendung als Bewässerungswasser wird dem Aralsee ein potentieller Zufluss ,,abgegraben".

Befürchtungen werden laut, daß der See in spätestens 30 Jahren ausgetrocknet sein wird. Die nachfolgende Abbildung 4 zeigt recht eindrucksvoll, wie das Gewässer zunehmend verlandet bzw. eintrocknet. Dabei geht die Prognose für das Jahr 2010 davon aus, dass sich der derzeitige Zustand des Zuflussvolumens im Rahmen der natürlichen Schwankungen kaum verändert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4: Die Entwicklung von 1960 bis 2010 (Prognose)

Die Austrocknung des Aralsees wirkt sich nicht nur direkt auf die Organismen im Einzugsbereich aus, sie führt auch zu mesoklimatischen Veränderungen in der Großregion. So zeigt nachfolgende Abbildung die Temperaturentwicklung ab 1960.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.5: Temperaturentwicklung im Gebiet des Aralsees von 1960-1990

Die durch die verminderte Wassermasse reduzierte thermische Ausgleichswirkung des Binnengewässers resultiert in einer zunehmenden Kontinentalität im Katastrophengebiet. Vor allem hinsichtlich der thermischen Kontinentalität sind seit einiger Zeit deutliche Veränderungen festzustellen. Die täglichen und jährlichen Temperaturschwankungen werden größer. Betroffen sind dabei vor allem die maximalen Temperatur-Amplituden und nicht die langjährigen Mittel. Im Mittel kann man diesen Trend zumindest für die Wintermonate nicht nachweisen, wie die nachfolgenden Isothermendarstellungen zeigen. Früher hatte die hohe Verdunstung im Gebiet des Aralsees die Winde über der zentralasiatischen Steppe gebremst, heute sind die Stürme heftiger geworden.

Durch die starken Nordost-Winde wird in den trockengelegten, wüstenartigen ehemaligen Seegebieten ein stark belastetes Salz-Sandgemisch aufgewirbelt, das durch äolische Prozesse vielfach hunderte Kilometer weit transportiert wird. Diese Salz- und Staubstürme erreichen gelegentlich sogar das Pamirgebirge und schädigen überall Mensch und Natur. Die mit der steigenden Kontinentalität einhergehende Verkürzung der Vegetationsperiode - im Bereich des Amu-Darja hat sich die frostfreie Zeit von früher ca. 200 Tagen pro Jahr auf 170 Tage reduziert - bringt für die Landwirtschaft negative Folgen und verschlechtert die Ernährungs- und Wirtschaftssituation der ohnehin meist armen Bevölkerung weiter. Durch die Ablagerung der Salze auf den bewässerten Feldern (in einigen Gebieten bis zu einer Tonne pro Jahr und Hektar) aus den häufig auftretenden Salz- und Sandstürmen ging der Ertrag der landwirtschaftlichen Anbauprodukte deutlich zurück. So ist beispielsweise die Reisproduktion im Amu-Darja- und Syr-Darja-Delta zusammengebrochen, der Reis verträgt salzhaltiges Wasser nur mäßig. Zudem ist der Ertrag des Gemüse- und Getreideanbaus sowie der Baumwollproduktion deutlich gesunken. Die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte ist durch den übermäßigen Pestizideinsatz und die damit verbundene Verseuchung des Grundwassers und der Böden gering. Die Grenzwerte für Pestizidrückstände in Früchten und anderen Lebensmitteln werden in vielen Gebieten häufig überschritten.

2.3 Wie geht es weiter mit dem Aralsee?

Eine echte Rückführung des Gebiets um den Aralsee auf den Zustand von 1960 halten fast alle Wissenschaftler für ausgeschlossen. Es geht eher darum, die weitere Verlandung zu stoppen und den See in seinem heutigen Umfang zu erhalten. Aber vor allem muss den Menschen in der betroffenen Region geholfen werden, mit den Folgen der Katastrophe fertig zu werden.

Die Folgen der Desertifikation und Verlandung wurden erst begriffen, als es schon zu spät war. Man suchte nach Möglichkeiten der Rettung des Sees. Zum Teil sind diese jedoch absolut utopisch:

- Auftauen des Eises im Pamirgebirge und Ableitung des Wassers in den Aralsee
- Auflösung aller Wüstenstauseen
- Umleitung der sibirischen Flüsse nach Süden in den Aralsee · Bau eines Kanals vom Kaspischen Meer zum Aralsee · Umleitung eines Teils der Wolga über den Fluss Ural
- Auspumpen des Issyk-Kul-Sees in Kirgistan (nahe der chinesischen Grenze) zur Wiederauffüllung des Aralsees Sinnvoller erscheinen dagegen Maßnahmen zur Speisung des Sees in Verbindung mit Wassersparen. Seit 1986 wird dem See über die Abflüsse aus der Bewässerung gezielt wieder Wasser zugeführt. Als Wasserstraßen dafür dienen die langen Kanäle, die beispielsweise von Samarkand aus Wasser sammeln und in den Aralsee transportieren. Ziel ist es, dem See auf diese Weise im Jahr 2000 wieder 15 km3, im Jahr 2005 sogar 20 km3Wasser zuzuführen. Bei einem Vergleich zwischen Zufuhr und Verdunstung erkennt man jedoch schnell, daß die Bilanz selbst unter den genannten Bedingungen im Jahr 2005 für den Aralsee noch immer ein Defizit von 10 km3Wasser aufweist. Die Folge: das Austrocknen und die damit verbundene Wüstenbildung gehen weiter - werden bestenfalls zeitlich verzögert. Zudem bringt das zugeführte Wasser dem Aralsee weitere Pestizidrückstände, Salz, Entlaubungsmittel usw. 110 km3/Jahr Wasser stehen im Einzugsgebiet des Aralsees zur Verteilung an. Der überwiegende Teil wird zur Bewässerung landwirtschaftlicher Felder verwendet. Wie Wissenschaftler feststellten, ließe sich der Verbrauch des dafür benötigten Wassers einfach nur durch Wassersparen relativ problemlos um 30 - 50% reduzieren. Dazu müssten:

- unrentable, extensiv genutzte landwirtschaftliche Gebiete aufgegeben
- mehr als eine Million Hektar Reis- und Baumwollanbaufläche stillgelegt (Karakalpakien/Usbekistan z. B. hat eine Kürzung der Baumwollfelder auf 40 % der Ausgangsgröße angekündigt) oder durch anspruchslosere Pflanzen (Weizen, Sorghum-Hirse) ersetzt
- die Qualität und Trassenführung der Bewässerungskanäle optimiert
- neue Verfahren der Bewässerung (unterirdisch bzw. Tröpfchenbewässerung) eingeführt
- keine neuen, zusätzlichen Bewässerungsprojekte mehr in Angriff genommen werden.

Auch eine Besteuerung der Wasserentnahme erscheint in diesem Zusammenhang hilfreich, da durch die gigantischen Bewässerungsprojekte der Umgang mit dem kostbaren Gut in der Bevölkerung häufig schludrig und schlampig geworden ist. Das eingesparte Wasser könnte zumindest teilweise zur Speisung des Sees verwendet werden.

2.4 Zusammenfassung und Ausblick

Aus dem früher viertgrößten See der Welt ist durch anthropogene Veränderungen ein Gewässer entstanden, daß im Begriff ist, ganz von der Landkarte zu verschwinden. Mit den umfassenden Bewässerungsmaßnahmen, die zu Sowjetzeiten eingeleitet wurden um die Anbaufläche für Baumwolle und Reis zu erhöhen, nahmen die Probleme ihren Lauf. Die dem Amu-Darja und Syr-Darja entzogenen Wassermengen sind so groß, dass sie ihrer Funktion als Wasserlieferant des Aralsees nur noch in ungenügender Art und Weise erfüllen können. Obwohl der Aralsee keinen Abfluss besitzt, wird die Wassermenge des Sees ständig reduziert. Die Ursache dafür liegt in einer hohen Verdunstungsrate, die den hohen Temperaturen im Gebiet des Gewässers geschuldet ist. Die Zuflüsse Amu-Darja und Syr-Darja sind im Rahmen natürlicher Schwankungen in der Lage gewesen, diesen Wasserverlust auszugleichen. Die damit einhergehende Verlandung des Sees und die Desertifikation des Umlandes sind nicht mehr rückgängig zu machen. Mit der Verringerung der Bewässerungsfläche und der Rekonstruktion der verbleibenden Bewässerungssysteme ist man bestenfalls in der Lage, den See auf seinem heutigen Größenniveau zu manifestieren. Neben den genannten Maßnahmen zur Wassereinsparung wäre sicher auch eine Veränderung der Bewässerungsmethoden eine gute Möglichkeit, den Zuflüssen des Aralsees genügend Wasser zu belassen, um den See zu erhalten. Gut dafür geeignet wäre beispielsweise eine Unterflurbewässerung. Damit wird das Wasser direkt an die Pflanzen gebracht. Bei der derzeitigen Überstaubewässerung wird ein großer Teil des Wassers verdunstet, ist also nicht pflanzenverfügbar und damit verschwendet. Das damit einhergehende Problem der Bodenversalzung würde auf diese Weise ebenfalls gelöst.

Ein usbekisches Sprichwort sagt: Wo das Wasser endet, endet auch die Welt. Treffender könnte man wahrscheinlich den Niedergang des Aralsees und seines Umlandes kaum beschreiben, war er doch einst der viertgrößte See der Erde. Heute bleibt hauptsächlich ein Bild dieser Katastrophe in unserer Erinnerung: Verrostete Schiffe, die auf einem sandigen Horizont liegen, der sich ins unermessliche erstreckt. An zahlreichen Stränden von Meeren mit Gezeiten bietet sich bei Niedrigwasser das gleiche Bild von aufgelaufenen Schiffen, die auf die Flut warten. Nur hier, am Aralsee, hat sich das Wasser zurückgezogen und ist niemals zurückgekehrt... (Létolle/ Mainguet, 1996).

3 Der Negev - ein Extremraum

3.1 Gebietscharakteristik

- Geographie:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Negev ist ein Extremraum im Süden des Staates Israel. Dieses

Wüstengebiet ist etwa so groß wie Schleßwig Holsteins (etwa 125 000km²) und nimmt ca. 60% der Fläche Israels ein, aber nur rd. 7% der Bevölkerung. Diese verteilt sich im wesentlichen im nördlichen Sektor. Die Negev wird im Süden durch das Rote Meer, im Westen durch die Halbinsel Sinai und im Osten durch das Arava-Tal abgegrenzt. Sie liegt im sogenannten subtropischen Winterregenklima. Dieses ist gekennzeichnet durch große jährliche Niederschlagsschwankungen, geringe Niederschläge an wenigen Tagen, die entweder ungenutzt ins Meer abfließen, schnell in das tiefliegende Grundwasser versickern oder bei den hohen Temperaturen schnell verdunsten. Nur etwa ein Drittel des Wassers aus Niederschlägen kann tatsächlich genutzt werden. Des weiteren fällt in mehr als der Hälfte der Nächte Tau, der wiederum gesammelt und für die Bewässerung eingesetzt wird. Es herrschen sehr hohe Temperaturen (Elath: Jahresmitteltemperatur 25°C, Niederschlag 35mm/a). Abb.6: Geographie Israels

3.2 Wasserwirtschaft und Bewässerungstechniken

Israel ist ein Land der Extreme. Dennoch machen sich sehr viele Menschen Gedanken über ihre Zukunft. Zum einen steht für viele die Frage im Raum: ,,Wie sieht morgen die politische Situation in meinem Land aus?" Für die Mehrheit der Bevölkerung steht jedoch das tägliche Überleben im Vordergrund. Die Regierung steht hinter all diesen Menschen und bewilligte schon vor langer Zeit große Projekte, um die Situation der Bevölkerung zu verbessern. Das größte Problem der Israelis ist eine ausreichende Versorgung der Menschen mit dem Hauptnahrungsmittel - dem Wasser. Um dieses Problem zu lösen, wird jeder Tropfen Wasser gesammelt und genutzt. Das örtlich vorhandene Wasser wird in Zisternen (Ablaufregenwasser) gesammelt. Ebenfalls werden Brackwasser und fossile Wässer genutzt. Der Nachteil der Grundwassernutzung besteht in der Unwiederbringbarkeit dieses Wassers. Diese Mengen reichen jedoch bei weitem nicht aus, so dass zusätzliches Wasser bereitgestellt werden muss. Dies wird durch Meerwasserentsalzungsanlagen und durch Herleitung des Wassers über Pipelines in das betreffende Gebiet erreicht.

Der Wasserverbrauch, der die Grundversorgung bis auf das Äußerste beansprucht, hat den Bau eines komplizierten Systems der Wasserspeicherung und Wasserverteilung sowie die Suche nach zusätzlichen Wasserquellen notwendig gemacht. Diese Suche nach Wasser begleitet die Entwicklung des Landes seit den 30er Jahren. So mussten Wege gefunden werden, Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen in die Trockengebiete des Landes zu bringen, unkonventionelle Lösungen durchgesetzt und neue Methoden experimentell erforscht werden. Die Probleme werden in einer Anzahl innovativer Ansätze gelöst, darunter durch wassersparende landwirtschaftliche Technologien, Wolkenbehandlung und Nutzung von aufbereiteten Abwässern. Gegenwärtig verbraucht Israel mehr als 95 Prozent seines Frischwasserbestandes. In Zukunft werden weitaus höhere Wassermengen benötigt (siehe Tabelle1). Der landesweite Verbrauch lag 1994 bei nahezu 2.000 Millionen Kubikmeter. Die Differenz zwischen dem Verbrauch und den 1.700 Millionen Kubikmeter des Wassergrundbestandes wurde durch ein zusätzliches Abpumpen des Grundwassers und die Nutzung aufbereiteter Abwässer zur Bewässerung ausgeglichen. Das zusätzliche Abpumpen des Grundwassers erzeugte ein Defizit, das letztlich wieder aufgefüllt werden muss. Eine Reihe von Trockenjahren in den 80er Jahren führte zusätzlich dazu, daß das Defizit eine Höhe erreichte, die dem Verbrauch eines gesamten Jahres entsprach. Nachfolgende Maßnahmen zum sparsamen Umgang mit Wasser und intensives Auffüllen der wassertragenden Schichten haben das Problem unter Kontrolle halten können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab.1: Israels Wasserverbrauch

Ein umfangreiches Wasserverteilungssystem ermöglicht es dem Land, den Schwierigkeiten der Wasserversorgung in den verschiedenen Regionen zu begegnen. Das Verteilersystem erstreckte sich anfangs auf regionale Wasserwerke, die rasch zu überregionalen Systemen ausgebaut wurden und sich schließlich zu einem landesweiten Netz entwickelten, dessen Zentrum durch den National Water Carrier, also gewissermaßen die Nationale Wasserleitung, gebildet wird. Das Netz des National Water Carrier wurde in zehnjähriger Arbeit konstruiert. Die Leitung bringt Wasser aus den Regionen im Norden und Zentrum in den mitteltrockenen Süden. Eingesetzt werden dabei gigantische Röhrensysteme, Aquädukte, Reservoirs, Tunnelanlagen, Staudämme und Pumpstationen. Die meisten der ehemals unabhängigen Wasserwerke wurden an den National Water Carrier angeschlossen. Entstanden ist ein Netz, das sich von Metulla im Norden bis nach Elat im Süden und vom Jordan bis zum Mittelmeer erstreckt.

Das System, das als eines der entwickeltesten und flexibelsten der Welt gilt, liefert heute innerhalb einer Stunde die im Jahre 1937 insgesamt erzielte Wassermenge und in einem Tag die Gesamtwassermenge der Produktion von 1948. Das 6.500 Kilometer lange Röhrennetz erreicht alle Orte des Landes und deckt jedes Bedürfnis.

Das Wasser wird also in jedem Fall optimal bereitgestellt. Dies nutzt allerdings wenig, wenn es nicht ebenso sinnvoll eingesetzt wird. Die Israelis wendeten für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen die Verfahren der Tröpfchenbewässerung und der Sturzwasserlandwirtschaft an. Des weiteren erfahren große Flächen eine Einzeleindeichung der Pflanzenparzellen. Hier wird besonders der niederfallende Tau zur Wässerung der Pflanzen genutzt. Ebenso werden viele Flächen in Gewächshäusern bewirtschaftet. Die Pflanzen werden dabei über Hydroponik ernährt. Das so zugeführte Wasser wird zum Teil wieder verdunstet, kann jedoch wegen der geschlossenen Gewächshauswand nicht entweichen. Es kondensiert an den Wänden und regnet von dort wieder ab. Das Wasser geht also nicht verloren, sondern wird in diesem selbständigen Kreislauf stets den Pflanzen zur Verfügung gestellt. Spezielle Methoden der Bodenbearbeitung und die Verwendung gereinigter Abwässer komplettieren die Anstrengungen einer optimalen Wasserwirtschaft.

3.3 Auswirkungen

Diese Maßnahmen der Umgestaltung der Landwirtschaft führten zu einer starken Erhöhung der Erträge. Die Tabelle 2 zeigt einen Vergleich zwischen 1948 und 1972. Die landwirtschaftliche Fläche wurde verdreifacht, die bewässerte Fläche versechsfacht. Sämtliche Erträge wurden in diesen 24 Jahren um den Faktor Zehn erhöht. Die Landwirtschaft bringt ca. 20% des Exporterlöses in die Staatskassen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Vergleich der Erträge von 1948 und 1972

Die Wirtschaftskarte zeigt die Ansiedlung der Industrie- und Landwirtschaftsflächen. Deutlich zu erkennen ist die Zentralität der Wirtschaft am Küstengürtel. Das schmale Gebiet zwischen Totem Meer und der ägyptischen Grenze (grünes Band) wird auch als Besiedlungsgrenze angesehen. Südlich dieser gedachten Linie existieren nur sehr wenige Siedlungen. In naher Zukunft sollen in diesen Gebieten verstärkt Industriezentren entstehen. Unter anderem sollen diese besonders der luftverschmutzende Industrie dienen, da in dieser Einöde die Umweltverschmutzung am geringsten wäre (Y. Karmon, 1983).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Wirtschaft in Israel (aus: Der Brockhaus in 15 Bänden, Bd.7)

3.4 Zusammenfassung

Die Urbarmachung der Wüste Negev und die Transformation dieser menschenleeren Gegend in ein Gebiet mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung war eine der größten Leistungen der israelischen Entwicklungspolitik. Die Planer machten sicherlich auch Fehler, lernten aus ihnen und entwickelten neue Gedankengänge: Eine städtische Besiedlung der Wüste ist wichtiger als die Landwirtschaft. Ländliche Siedlungen sollten nur in solchen Gebieten errichtet werden, in denen örtliche Wasservorkommen existieren. Damit vermeidet man lange Transportwege und damit eine unnötige Verdunstung des ohnehin kargen Vorrates an Wasser. Ein Beispiel: Es ist leichter, die städtische Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, als eine Fläche unter gleichen klimatischen Bedingungen so zu bewirtschaften (zu bewässern), dass sie die gleiche Anzahl Menschen mit genügend Nahrung versorgen kann. Der Ausbau des Wasserverteilungssystems ist noch immer der wichtigste Punkt in der Eroberung der Wüste. Der Bau der Industriezentren soll die Menschen in die kargen Gebiete locken. Gelingt dieser Plan und gelingt es, den Friedensprozess erfolgreich zu beenden, wird nicht nur die Wüste Negev in neuem Glanz erstrahlen, sondern der gesamte Staat Israel.

Die folgenden Bilder sollen einen Eindruck über die Nutzung des Negev geben (aus Karmon, 1983):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.8: Erdbeerfeld

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Abb.9: Fischteiche im Beth'Shean-Tal

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Abb.10: Eine

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.11: Berge in der Wüste Negev (© MS Encarta 99)

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Details

Titel
Bewässerung am Aralsee und im Negev
Hochschule
Technische Universität Bergakademie Freiberg
Veranstaltung
Oberseminar Geoökologie
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V97787
Dateigröße
884 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieses Referat ist der 5.Teil eines zusammenhängenden Themenkomplexes. Bei der hier zu sehenden Version sind sämtliche Abbildungen im GIF-Format eingefügt. Damit ist die Qualität entsprechend eingeschränkt. Eine bessere Qualität ist auf Anfrage bei mir erhältlich (ca.29MB ungepackt oder 13MB als ZIP-file).
Schlagworte
Bewässerung, Aralsee, Negev, Oberseminar, Geoökologie
Arbeit zitieren
Sandra Neumann (Autor), 2000, Bewässerung am Aralsee und im Negev, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97787

Kommentare

  • Gast am 20.8.2001

    Super.

    Hallo! Sehr guut!
    Tolle kompakte Informationen mit denen
    man was anfangen kann!

    Gruss C.

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