Die Phantastik ist eine der umstrittensten Literaturgattungen unserer Zeit. Der Beginn ihrer Entstehung wird von den meisten Forschern in der Zeit der Romantik angesetzt, als sich die Menschen der dunklen Nachtseite der menschlichen Seele in Literatur und Kunst zuwandten. Seit dem versuchen Literaturforscher eine Definition dieses Genres zu geben. Besonders die Franzosen sind auf diesem Gebiet weit vorgedrungen. Die Phantastik oder das Phantastische bedeutet immer etwas Unerwartetes, ein Auftauchen neuer, fremder Welten, das Ineinanderdringen zweier Sphären, von denen die eine uns, den Lesern und den Helden, unbekannt ist. Schließlich begann sich die Phantastik auch in der Literatur für Kinder und Jugendliche auszuweiten. Dabei wandelte sie sich aber von der erschreckenden, grauenerregenden Literatur zu einer kindgerechten Lektüre. Wir sehen heute bedeutende Unterschiede zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur. Es ist an der Zeit gerade die Lektüre jüngerer Leser zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen zu machen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Begriffes Phantastik
3. Die kognitive und moralische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen
3.1 Das Entwicklungsmodell von Piaget
3.2 Das Entwicklungsmodell von Kohlberg
3.3 Das Entwicklungsmodell nach Erikson
4. Untersuchung ausgewählter Kinderbücher auf phantastische Elemente hin
4.1 Märchenhaft – phantastische Bücher
4.1.1 Die Geschichte und Herkunft der Märchen
4.1.2 Merkmale herkömmlicher Märchen im Vergleich mit Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren
4.1.3 Das Phantastische in Die Brüder Löwenherz
4.2 Komisch – phantastische Bücher
4.2.1 Phantastik und Komik
4.2.2 Komik in der phantastischen Kinderliteratur am Beispiel von Paul Maars Sams
4.2.3 Surrealismus und Nonsens als Möglichkeit der Komik in phantastischen Kinderbüchern
4.3 Realistisch – phantastische Bücher
4.3.1 Der Gurkenkönig als Problemliteratur
4.3.2 Das Phantastische und das Realistische und die Funktion des Phantastischen in Der Gurkenkönig
5. Untersuchung ausgewählter Jugendbücher auf phantastische Elemente hin
5.1 Abenteuer – Phantastik
5.1.1 Das Reisemotiv in Märchenmond als phantastisches Motiv
5.1.2 Gut und Böse als zentrales Element phantastischer Jugendliteratur und seine Funktion
5.2 Fantasy – Phantastik
5.2.1 Unterschiede zwischen Fantasy und Phantasik
5.2.2 Die Narnia Chroniken als phantastische Literatur oder Fantasy?
5.2.3 Der religiös – philosophische Aspekt in den Narnia – Chroniken Literatur für Erwachsene?
5.3 Unheimlich – düstere Phantastik
5.3.1 Der Sagengehalt von Preußlers Jugendroman Krabat
5.3.2 Die Funktion des Phantastischen – die Auseinandersetzung des jugendlichen Lesers mit der Entwicklung und dem Tod
5.3.3 Krabat als jugendlich – erwachsene Phantastik
6. Versuch einer Definition von Phantastik in Kinder- und Jugendliteratur
6.1 Die Veränderung der Funktion phantastischer Elemente in der Kinder- und Jugendliteratur zur Erwachsenenliteratur hin
6.2 Der Begriff der phantastischen Kinder- und Jugendliteratur
7. Schlussbemerkung
8. Literaturverzeichnis
8.1 Quellen:
8.1.1 Kinderliteratur
8.1.2 Jugendliteratur:
8.2 Forschung:
8.2.1 Kinder- und Jugendliteratur:
8.2.2 Zur kognitiven und moralischen Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen:
8.2.3 Zur Definition von Phantastik:
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht phantastische Elemente in der Kinder- und Jugendliteratur und vergleicht diese mit der Phantastik in der Literatur für Erwachsene. Ziel ist es, zu analysieren, ob sich die Funktionen und Ausprägungen phantastischer Literatur je nach Altersgruppe unterscheiden und welche Rolle die kognitive sowie moralische Entwicklung der Leser dabei spielt.
- Vergleichende Analyse phantastischer Literatur zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur.
- Einfluss der kognitiven Entwicklungstheorien (nach Piaget, Kohlberg und Erikson) auf das Verständnis phantastischer Texte.
- Untersuchung verschiedener Spielarten der Phantastik: Märchenhaft, Komisch, Realistisch, Fantasy und Unheimlich-Düster.
- Erörterung der pädagogischen, emanzipatorischen und kompensatorischen Funktionen von Phantastik für junge Leser.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit klassischer Phantastik-Definitionen (z. B. nach Todorov) auf Kinder- und Jugendliteratur.
Auszug aus dem Buch
Die Phantastik als umstrittene Literaturgattung
Die Phantastik ist eine der umstrittensten Literaturgattungen unserer Zeit. Der Beginn ihrer Entstehung wird von den meisten Forschern in der Zeit der Romantik angesetzt, als sich die Menschen der dunklen Nachtseite der menschlichen Seele in Literatur und Kunst zuwandten. Seit dem versuchen Literaturforscher eine Definition dieses Genres zu geben. Besonders die Franzosen sind auf diesem Gebiet weit vorgedrungen. Die Phantastik oder das Phantastische bedeutet immer etwas Unerwartetes, ein Auftauchen neuer, fremder Welten, das Ineinanderdringen zweier Sphären, von denen die eine uns, den Lesern und den Helden, unbekannt ist. Schließlich begann sich die Phantastik auch in der Literatur für Kinder und Jugendliche auszuweiten. Dabei wandelte sie sich aber von der erschreckenden, grauenerregenden Literatur zu einer kindgerechten Lektüre. Wir sehen heute bedeutende Unterschiede zwischen Kinder- und Jugendliteratur sowie Erwachsenenliteratur. Es ist an der Zeit gerade die Lektüre jüngerer Leser zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchungen zu machen.
Es ist eine Aufgabe der Kinder- und Jugendliteraturforschung zu untersuchen, ob die Genres der Kinder- und Jugendliteratur dieselben sind wie die Genres der Erwachsenenliteratur. Wie so oft wird auch das Phantastische in der Kinder- und Jugendliteratur vernachlässigt und als „trivial“ abgetan. Doch die jungen Leser von heute sind die erwachsenen Leser und Autoren von morgen. Es muss daher interessieren, was Kinder und Jugendlichen heute lesen, was sie zum Gegenstand und Inhalt ihrer jungen Leben machen. Die Forschung zur Kinder und Jungendliteratur hat erst in den letzten Jahren wirklich Aufwind bekommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literaturwissenschaftliche Relevanz der Phantastik in der Kinder- und Jugendliteratur und begründet die Notwendigkeit, diese Gattung unabhängig von Erwachsenenliteratur zu erforschen.
2. Definition des Begriffes Phantastik: Dieses Kapitel erarbeitet einen Phantastikbegriff basierend auf existierenden Definitionen, wobei der Fokus insbesondere auf der Konfrontation verschiedener Welten liegt.
3. Die kognitive und moralische Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen: Hier werden die Entwicklungsmodelle von Piaget, Kohlberg und Erikson vorgestellt, um den psychologischen Hintergrund zu schaffen, vor dem junge Leser Literatur rezipieren.
4. Untersuchung ausgewählter Kinderbücher auf phantastische Elemente hin: Eine konkrete Analyse anhand von Beispielen (u.a. Lindgren, Maar, Nöstlinger), unterteilt in märchenhafte, komische und realistisch-phantastische Kinderbücher.
5. Untersuchung ausgewählter Jugendbücher auf phantastische Elemente hin: Dieses Kapitel überträgt die Analyse auf Jugendliteratur (Hohlbein, Lewis, Preußler) und betrachtet dabei Abenteuer-Phantastik, Fantasy und unheimlich-düstere Strömungen.
6. Versuch einer Definition von Phantastik in Kinder- und Jugendliteratur: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt, um ein spezifisches Verständnis von Phantastik für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche zu formulieren.
7. Schlussbemerkung: Ein Fazit, das die Notwendigkeit weiterer Forschung betont und die Bedeutung der Phantastik für die Verständigung zwischen Generationen hervorhebt.
8. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der analysierten Primärtexte und der herangezogenen wissenschaftlichen Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Phantastik, Kinderliteratur, Jugendliteratur, Kinder- und Jugendliteraturforschung, kognitive Entwicklung, moralisches Urteil, Märchen, Fantasy, Surrealismus, Nonsens, Problemliteratur, Rezeption, Doppeladressiertheit, Phantasie, Gattungsdefinition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht phantastische Elemente in der Kinder- und Jugendliteratur und stellt diese der Erwachsenenliteratur gegenüber, um Besonderheiten in Funktion und Rezeption aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst die literaturwissenschaftliche Definition der Phantastik, entwicklungspsychologische Aspekte bei Kindern und Jugendlichen sowie die Analyse spezifischer Kinder- und Jugendbuchgenres.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, ob phantastische Literatur für junge Leser anderen Gesetzmäßigkeiten folgt als Literatur für Erwachsene und welche Rolle die kindliche Entwicklung dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt durch entwicklungstheoretische Modelle von Piaget, Kohlberg und Erikson, um die Funktion phantastischer Texte in verschiedenen Altersstufen zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die konkrete Untersuchung ausgewählter Kinder- und Jugendbücher, wobei nach thematischen Clustern wie märchenhafter, komischer oder realistisch-phantastischer Literatur unterschieden wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Phantastik, kognitive Entwicklung, Doppeladressiertheit, Empathie und Emanzipation im Kontext der kindlichen Leser.
Wie unterscheiden sich die Anforderungen an Phantastik in Kinderbüchern von denen in Jugendbüchern?
Während in der Kinderliteratur oft der spielerische und unterstützende Charakter (Phantasie als Helfer) überwiegt, ist die Jugendliteratur häufig stärker vom Ernst der Lebens- und Sinnsuche sowie einem komplexeren Verständnis der Realität geprägt.
Welche besondere Rolle spielen Begriffe wie „Surrealismus“ und „Nonsens“?
Sie dienen als Ausdrucksformen des Komischen, die Kindern helfen, Normverletzungen spielerisch zu begegnen und so eine Distanz zur autoritären Umwelt oder zu eigenen Ängsten aufzubauen.
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- MA Julia Mann (Author), 2002, Phantastische Elemente der Kinder- und Jugendliteratur im Vergleich zur Erwachsenenliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9779