Diese beiden Aspekte – Öffentliches und Privates – soll die vorliegende Arbeit am Beispiel von Att. 1,18 näher durchleuchten. Daher wird zum einen erläutert, wie Cicero in seinem Selbstverständnis als idealer Staatsmann die Ereignisse der im Untergang begriffenen res publica kommentiert sowie analysiert. Dabei begegnet man typisch ciceronischen Motiven wie der concordia ordinum und einigen großen Persönlichkeiten der römischen Republik wie Pompeius oder Cato. Zum anderen steht Ciceros persönlicher Gemütszustand im Mittelpunkt der Betrachtung, der durch die starke Sehnsucht nach seinem nach Athen ausgewanderten Vertrauten Atticus gekennzeichnet ist und Aussagen über die Freundschaft beider Männer ermöglicht. Bevor aber die zwei Themen Politik und Freundschaft im Hauptteil der Arbeit getrennt voneinander behandelt werden, erfolgt im Einführungskapitel sowohl eine Datierung des Briefes als auch ein Überblick über dessen Aufbau. Die anschließende thematische Interpretation konzentriert sich in erster Linie auf Att. 1,18. Allerdings ist für ein eingehendes Verständnis der untersuchten Teilaspekte ein Blick auf den Inhalt anderer, vor allem unmittelbar vorangehender sowie nachfolgender Briefe unerlässlich. Die Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse bildet den Abschluss der Arbeit, wobei ebenfalls die hier in der Einleitung angedeutete Frage nach der Authentizität, d.h. dem Gebrauchscharakter, der Cicero-Briefe aufgegriffen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Briefe des Cicero
2 Die Themen Politik und Freundschaft in Cic. Att. 1,18
2.1 Datierung und Aufbau des Briefes
2.2 Politik: Ciceros Kommentar zu den aktuellen Ereignissen
2.2.1 Die res publica in der Krise (§§2-4)
2.2.2 Die eponymen Konsuln Metellus und Afranius (§5)
2.2.3 Ciceros Beziehung zu Pompeius (§6)
2.2.4 Crassus, ceteri und Cato (§§6-7)
2.3 Freundschaft: Atticus‘ Unersetzlichkeit
2.3.1 Sehnsucht nach Atticus und die Vorzüge seiner Freundschaft (§§1-2)
2.3.2 Aufforderung zur baldigen Rückkehr nach Rom (§8)
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Briefes Cic. Att. 1,18 das Zusammenspiel von politischer Analyse und privater Korrespondenz in den Briefen Ciceros. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Cicero einerseits die krisenhafte Situation der römischen Republik kommentiert und andererseits seine enge persönliche Bindung zu seinem Vertrauten Atticus artikuliert, wobei die Frage nach der Authentizität und dem Charakter dieser Briefe als Ausgangspunkt dient.
- Politische Kommentierung der römischen Krise und Rolle der res publica.
- Analyse ciceronischer Motive wie der concordia ordinum.
- Untersuchung der persönlichen Freundschaft zu T. Pomponius Atticus.
- Beurteilung einflussreicher Persönlichkeiten der späten römischen Republik.
- Stilistische Untersuchung der Korrespondenz zwischen Öffentlichem und Privatem.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die res publica in der Krise (§§2-4)
Als Cicero auf die Politik zu sprechen kommt (vgl. in re publica vero, §2), wird seine Einschätzung der aktuellen Lage relativ schnell ersichtlich: Der Untergang der Republik stehe bevor, was Atticus nach Ciceros Berichterstattung der letzten Geschehnisse zwangsläufig bestätigen werde (vgl. iam exclames necesse est res Romanas diutius stare non posse)7. Besonders auffällig sind die vielen Begriffe aus der medizinischen Terminologie (vulnus, medicina, resecare, sanare), wodurch implizit der krisenhafte Zustand des Staates mit einem kranken Körper gleichgesetzt wird. Neben dieser Metaphorik finden sich außerdem dramatische Formulierungen (primus introitus, fabula Clodianae, locus, flare), die den gleichnishaften Charakter der Briefstelle verstärken.8 Wie schon in vielen vorherigen Briefen stellt das „Clodius-Drama“ (fabula Clodianae)9 auch in diesem Schreiben ein wichtiges Gesprächsthema dar, woran Cicero zum einen seine politische Wirksamkeit festmacht. In seiner ihm zugewiesenen Rolle als Sittenwächter (locus resecandae libidinis et coercendae iuventutis) habe er sich als „alleinige[r] Retter des Staates“10 erwiesen, indem er sich energisch mit voller Verstandeskraft sowie seinem ganzen Talent für dessen Heilung (sanandae civitatis) eingesetzt habe.11 Zum anderen nutzt Cicero die Gelegenheit, seine Motive klar zu stellen. Er werde nicht von persönlichen Hassgefühlen angeleitet (non odio adductus alicuius), sondern handle uneigennützig aus Hoffnung (sed spe) auf Fortbestand der Republik. Allerdings bleibt seine Zielsetzung realistisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Briefe des Cicero: Dieses Kapitel führt in die Briefsammlungen Ciceros ein und beleuchtet die Ambivalenz zwischen öffentlichem politischem Kommentar und privater Korrespondenz am Beispiel von Att. 1,18.
2 Die Themen Politik und Freundschaft in Cic. Att. 1,18: Der Hauptteil analysiert strukturiert die politische Kommentierung der Zeitereignisse, die Bewertung der politischen Akteure sowie die Bedeutung der Freundschaft zu Atticus.
2.1 Datierung und Aufbau des Briefes: Dieser Abschnitt widmet sich der chronologischen Einordnung des Schreibens und der formalen Gliederung in Rahmen- und Binnentext.
2.2 Politik: Ciceros Kommentar zu den aktuellen Ereignissen: Hier wird Ciceros Sicht auf die krisenhafte Republik, seine medizinische Metaphorik und seine Rolle als Staatsmann detailliert untersucht.
2.2.1 Die res publica in der Krise (§§2-4): Untersuchung von Ciceros Krisenwahrnehmung, des Clodius-Dramas und seiner Bemühungen zur Heilung des Staates.
2.2.2 Die eponymen Konsuln Metellus und Afranius (§5): Analyse der differenzierten Bewertung der amtierenden Konsuln durch Cicero.
2.2.3 Ciceros Beziehung zu Pompeius (§6): Betrachtung von Ciceros ambivalenter Haltung gegenüber Pompeius und dessen Rolle im Kontext der neuen Agrargesetzgebung.
2.2.4 Crassus, ceteri und Cato (§§6-7): Bewertung der Passivität von Crassus, der Kritik an den sogenannten Optimaten und der unzeitgemäßen Haltung Catos.
2.3 Freundschaft: Atticus‘ Unersetzlichkeit: Dieses Kapitel thematisiert die private Dimension des Briefes und die besondere Funktion des Freundschaftsdienstes von Atticus.
2.3.1 Sehnsucht nach Atticus und die Vorzüge seiner Freundschaft (§§1-2): Analyse der emotionalen Sehnsuchtsbekundungen und der Definition idealer Freundschaft bei Cicero.
2.3.2 Aufforderung zur baldigen Rückkehr nach Rom (§8): Untersuchung der rhetorischen Strategien und Argumentationsmuster, mit denen Cicero Atticus zur Rückkehr nach Rom bewegt.
3 Fazit: Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse über die politischen und persönlichen Aspekte des Briefes sowie eine abschließende Einordnung von Ciceros Selbstdarstellung.
Schlüsselwörter
Cicero, Atticus, Politik, Freundschaft, res publica, concordia ordinum, spätrömische Republik, Briefkultur, Selbstdarstellung, Clodius-Prozess, Staatsmann, Korrespondenz, römische Geschichte, Antike, soziale Bindungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht einen spezifischen Brief Ciceros (Att. 1,18), um das Wechselverhältnis zwischen den politischen Analysen des Autors und seiner privaten Korrespondenz mit seinem Vertrauten Atticus zu beleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die politische Krise der ausgehenden römischen Republik, die Rolle Ciceros als idealer Staatsmann und die Bedeutung tiefer, privater Männerfreundschaft in einer politisch unruhigen Zeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, anhand des Briefes Att. 1,18 aufzuzeigen, wie Cicero Politik und persönliche Freundschaft getrennt, aber in gegenseitiger Durchdringung thematisiert, und dabei eine positive Selbstdarstellung als Vollblutpolitiker verfolgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine textnahe philologische Interpretation, die den Brief in seinen historischen Kontext einbettet und mit zeitgenössischen Quellen sowie moderner Sekundärliteratur vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst wird Ciceros Kommentar zu aktuellen politischen Ereignissen und Akteuren analysiert, danach seine Ausführungen zu Atticus als unersetzlichem Vertrauten und Freund.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Cicero, Atticus, Politik, Freundschaft, res publica, concordia ordinum und Selbstdarstellung.
Warum spielt die medizinische Metaphorik in Ciceros Schreiben eine so große Rolle?
Cicero nutzt medizinische Begriffe (wie Wunden, Heilung, Chirurg), um den krisenhaften Zustand der römischen Republik als kranken Körper darzustellen, für den er sich in seiner Rolle als Staatsmann als Arzt und Retter inszeniert.
Wie bewertet Cicero die Rolle von Pompeius im Brief?
Cicero zeigt eine ambivalente Haltung: Einerseits kritisiert er das zögerliche Verhalten und die fehlende Initiative von Pompeius, andererseits strebt er eine politische Zusammenarbeit (amicitia) an, um Pompeius als Schutzfaktor für die Stabilität des Staates zu gewinnen.
Welche Bedeutung hat das "Clodius-Drama" für den Brief?
Das Clodius-Drama dient Cicero als Ausgangspunkt für seine Kritik an der korrupten Justiz und als Anlass, seine eigene politische Wirksamkeit als Sittenwächter und Verteidiger der Ordnung hervorzuheben.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Die Briefe des Cicero. Politik und Freundschaft in Cic. Att. 1,18, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978276