In dieser Arbeit werde ich die Thematik des Spiels im Spiel behandeln, und besonders auf die Werke "Die verkehrte Welt" und "Der gestiefelte Kater" von Ludwig Tieck eingehen, wobei der Schwerpunkt auf der "verkehrten Welt" liegen wird.
Durch die Erläuterung des Gebrauchs von Illusion und Desillusion in Tiecks Werken versuche ich, den Charakter des Spiels im Spiel zu erklären.
Ferner werden auch "Die Vögel" von Aristophanes und drei Stücke von Shakespeare ( "Hamlet", "Ein Sommernachtstraum" und "Wie es euch gefällt") mit in die Arbeit einbezogen und deren Spiel im Spiel - Aspekte zur Bekräftigung und Erläuterung dargestellt. Die Wahl hierbei fiel auf diese zwei Autoren, da sie mir ihren Werken stark Einfluß auf den romantischen Tieck genommen haben.
Ebenso wird in der Arbeit auf den Topos Welttheater eingegangen, insbesondere die Bedeutung des Welttheaters im Barock, um die Funktion des Spiels im Spiel zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Illusion und Desillusion als Werkzeug des Spiels im Spiel
2.1 Der 3. Akt der „verkehrten Welt“ als Besonderheit des Spiels im Spiel
2.1.1. Erklärung zum Schema des 3. Aktes
2.1.2 Erklärung des Schemas zum 3. Akt
3 Tieck unter dem Einfluß des Aristophanes
4 Tieck und Shakespeare in Bezug auf die Spiel im Spiel – Thematik
5 Wirklichkeit im Spiel als Illusionsdurchbrechung in Tiecks „verkehrter Welt“ und dem „gestiefelten Kater“
5.1 Vermischung von Realität und Spiel
6 Alles ist nur Spiel
6.1 Theatrum mundi“ – das große Welttheater
6.1.1 Gott als richtender Zuschauer des Welttheaters
7 Der Narr im Spiel im Spiel
Schluß
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Thematik des „Spiels im Spiel“ in den Werken Ludwig Tiecks, wobei der Fokus auf „Die verkehrte Welt“ und „Der gestiefelte Kater“ liegt. Ziel ist es, durch die Analyse der eingesetzten Illusion und Desillusion den Charakter dieser dramatischen Struktur zu ergründen und die Einflüsse von Aristophanes und Shakespeare auf Tiecks romantisches Theater zu verdeutlichen.
- Die Funktion und Wirkung von Illusion und Desillusion im dramatischen Werk.
- Die Rezeption und Transformation antiker sowie elisabethanischer Traditionen des „Spiels im Spiel“.
- Der Topos des „Welttheaters“ als Mittel zur Darstellung barocker Vergänglichkeit.
- Die Rolle des Narren als Medium der philosophischen Erkenntnis innerhalb der Spielstruktur.
- Die Auflösung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion sowie zwischen Publikum und Schauspielern.
Auszug aus dem Buch
2.1 Der 3. Akt der „verkehrten Welt“ als Besonderheit des Spiels im Spiel
Im 3. Akt treibt Tieck das Spiel mit dem Wechsel der Ebenen auf die Spitze und potenziert diese Ebenen bis ins vierfache, um sie dann wieder alle zusammen fallen zu lassen.
Er läßt ein Stück im Stück aufführen, worin wieder ein Schauspiel dargestellt wird. Die Spiel im Spiel – Struktur wird nun mehrfach potenziert. Die Anzahl der Sphären, auf denen die Akteure aktiv sind nimmt in erheblichen Maße zu. Während die einfache Spiel im Spiel – Struktur einmal nur eine Ebene hinzufügt und somit Theater im Theater entsteht beläßt es Tieck nicht nur dabei. Die Spieler und die Zuschauer sind nun auf insgesamt vier Ebenen in Aktion. Die Grenzen zwischen den einzelnen Schauplätzen sind nicht immer klar ersichtlich und durch die jeweiligen Kommentare und Eingriffe der anderen Ebenen nicht leicht zu unterscheiden.
Das folgende Schema soll helfen die Vorgänge auf (und vor ) der Bühne während des 3. Aktes verständlicher zu machen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Thematik des Spiels im Spiel mit Fokus auf Tiecks Werke sowie der Einbeziehung von Aristophanes, Shakespeare und dem Topos des Welttheaters.
2. Illusion und Desillusion als Werkzeug des Spiels im Spiel: Untersuchung der Technik der Fiktionsdurchbrechung, mit der Tieck die Illusion beim Publikum gezielt verhindert.
2.1 Der 3. Akt der „verkehrten Welt“ als Besonderheit des Spiels im Spiel: Analyse der extremen Potenzierung der Spielebenen im 3. Akt, die das Theater in den Vordergrund stellt.
2.1.1. Erklärung zum Schema des 3. Aktes: Grafische Veranschaulichung der verschiedenen aktiven Spielebenen.
2.1.2 Erklärung des Schemas zum 3. Akt: Detaillierte Erläuterung der Rollenwechsel und der Interaktion zwischen den Akteuren auf den verschiedenen Ebenen.
3 Tieck unter dem Einfluß des Aristophanes: Gegenüberstellung von Tiecks „Die verkehrte Welt“ und Aristophanes „Die Vögel“ hinsichtlich des selbstreflexiven Theaterscherzes.
4 Tieck und Shakespeare in Bezug auf die Spiel im Spiel – Thematik: Vergleich der Shakespeare’schen Tradition des Spiels im Spiel mit der Ausprägung bei Tieck.
5 Wirklichkeit im Spiel als Illusionsdurchbrechung in Tiecks „verkehrter Welt“ und dem „gestiefelten Kater“: Beschreibung, wie Maschinist und Regiefiguren das Geschehen als bloßes Theater entlarven.
5.1 Vermischung von Realität und Spiel: Erörterung der Verwischung der Grenzen zwischen Publikum und Schauspieler im Spielverlauf.
6 Alles ist nur Spiel: Reflexion über die Existenz aller Beteiligten als Spieler innerhalb eines größeren, womöglich göttlichen Kontextes.
6.1 Theatrum mundi“ – das große Welttheater: Einordnung der Welttheatermetapher und der barocken Vorstellung der Vergänglichkeit in Tiecks Werk.
6.1.1 Gott als richtender Zuschauer des Welttheaters: Betrachtung der göttlichen Instanz als Regisseur und Kritiker des menschlichen Spiels.
7 Der Narr im Spiel im Spiel: Analyse der Narrenfigur, die unter ihrer Maske die Wahrheit über die Spielstruktur erkennt und artikuliert.
Schlüsselwörter
Spiel im Spiel, Ludwig Tieck, Die verkehrte Welt, Der gestiefelte Kater, Illusion, Desillusion, Fiktionsdurchbrechung, Theatrum mundi, Welttheater, Aristophanes, Shakespeare, Barock, Narrenfigur, Metatheater, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit behandelt die Thematik des „Spiels im Spiel“ und untersucht, wie Ludwig Tieck durch dieses Strukturprinzip die Grenzen zwischen Fiktion und Realität in seinen Werken aufhebt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Verwendung von Illusion und Desillusion, der Einfluss antiker und elisabethanischer Dramatik auf Tieck sowie der philosophische Topos des Welttheaters.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Charakter des „Spiels im Spiel“ bei Tieck zu erklären und zu zeigen, wie dieser Mechanismus dazu dient, das Theater als solches zu reflektieren und ironisch zu thematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer textnahen literaturwissenschaftlichen Analyse von Tiecks Dramen sowie einem komparatistischen Vergleich mit Werken von Aristophanes und Shakespeare.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen der Fiktionsdurchbrechung, die Komplexität der Spielebenen (insbesondere im 3. Akt der „verkehrten Welt“) sowie die Rolle der Narrenfiguren als Wahrheitsträger.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Spiel im Spiel, Illusion, Desillusion, Metatheater, Welttheater und Narrenfigur.
Warum spielt der 3. Akt der „verkehrten Welt“ eine so zentrale Rolle?
In diesem Akt treibt Tieck die Ebenenverschachtelung auf die Spitze, sodass Akteure und Zuschauer ihre Rollen tauschen und die Grenzen der verschiedenen Bühnenebenen für den Zuschauer kaum noch unterscheidbar werden.
Welche Funktion hat die Narrenfigur im Kontext des „Spiels im Spiel“?
Der Narr ist in der Arbeit als der eigentlich Weise identifiziert, da er sich seiner Rolle bewusst ist und unter der Maske des Hanswursts das gesamte Spielgeschehen kritisch und philosophisch durchschaut.
- Quote paper
- MA Julia Mann (Author), 1999, Zur Funktion des Spiels im Spiel in "Die verkehrte Welt" und "Der gestiefelte Kater" von Ludwig Tieck, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9782