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Implikaturen - Entstehung und Typen einer Implikatur

Title: Implikaturen - Entstehung und Typen einer Implikatur

Term Paper (Advanced seminar) , 1999 , 19 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: MA Julia Mann (Author)

Didactics for the subject German - Pedagogy, Linguistics
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Oft verstehen wir bei einem Sprechakt etwas anderes, als wirklich gesagt wurde. Wir implizieren eine weitere Bedeutung neben der rein semantischen in das Gesagte. Zum Beispiel bei Witzen ist das oft der Fall:
Ein Mann reibt an einer Flasche und ein Dschinnie erscheint und sagt ihm, daß er einen Wunsch frei hätte. Darauf sagt der Mann: ,,Ich wünsche mit eine Autobahn von hier nach Hawaii." ,,Das ist zu schwierig," sagt der Dschinnie. Darauf sagt der Mann:" Dann erkläre mir die Frauen." Der Dschinnie erwidert: ,,Zwei- oder dreispurige Autobahn?"
Der Hörer versteht jetzt wahrscheinlich, daß Die Erklärung der Frauen weitaus schwieriger sein muß, als eine Autobahn zu bauen. Aber wieso versteht er das? Denn genau das hat der Dschinnie nicht explizit behauptet. Würde er nur von dem Gesagten ausgehen, wäre der Witz nicht komisch. Also impliziert er eine andere Bedeutung, um den witzigen Gehalt des Sprechaktes zu erkennen.
In der Pragmatik sagt man allerdings nicht implizieren oder Implikation, sondern man spricht von implikatieren oder der Implikatur. Die pragmatische Implikatur ist hier von der semantischen Implikation, die die einfache logische Schlußfolgerung aufgrund der rein wörtlichen Bedeutung von etwas gesagtem darstellt, abzugrenzen.
Der Hörer implikatiert also einen propositionalen Gehalt. Wie kann er das so einfach machen? In dieser Arbeit versuche ich den Vorgang einer Implikatur deutlich zu machen. Es werden die verschiedenen Typen der Implikatur erläutert, und erklärt, wie eine Implikatur entstehen kann. Als Literatur hierzu wird hauptsächlich P. Grice und J. Meibauer, sowie ferner Davis, Levinson und Authenrieth hinzugezogen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Kooperationsprinzip nach Grice und die Konversationsmaximen

2.1. Der Schlußprozeß

2.2. Implikatur durch Verletzung der Maximen

2.3. Implikatur durch Befolgung der Maximen

3. Ersetzen oder Umstellen der Maximen

3.1. Die Modalitätsmaxime und ihre Sonderstellung

3.2. Eine fünfte Maxime?

4. konversationell oder konventionell

4.1. Typen der konversationellen Implikatur

4.2. konventionelle Implikatur

5. & oder UND

6. Schluß

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Seminararbeit untersucht den Vorgang der Entstehung von Implikaturen in Sprechakten. Ziel ist es, die verschiedenen Typen von Implikaturen zu erläutern und zu verdeutlichen, wie diese im Kommunikationsprozess zwischen Sprecher und Hörer entstehen, wobei die Theorien von P. Grice als zentrale Grundlage dienen.

  • Das Kooperationsprinzip und die Konversationsmaximen nach Paul Grice
  • Die Analyse des Schlussprozesses bei der Interpretation von Implikaturen
  • Unterscheidung zwischen der Verletzung und der Befolgung von Maximen
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Modalitätsmaxime und möglichen Erweiterungen
  • Differenzierung zwischen konversationellen und konventionellen Implikaturen
  • Semantische und pragmatische Analyse von Konjunktionen wie "UND"

Auszug aus dem Buch

2.1. Schlußprozeß

Um nun auf eine Implikatur schließen lassen zu können, muß der Sprecher diese Maximen befolgen, oder, was meistens häufiger vorkommt, er muß sie brechen. Hat er das nun getan, ist es an dem Hörer dieses auch zu begreifen. Dafür braucht er einen Schlußprozeß. Dieser baut sich wie folgt auf:

1. wenn eine Verletzung, bzw. eine Befolgung der Maximen vorliegt, muß sich der Hörer fragen: wieso hat der Sprecher jetzt gerade diesen Wortlaut benutzt? Was möchte er mir damit sagen? Dieses Hinterfragen entsteht natürlich wesentlich leichter durch die Verletzung der Maximen. Man wird schneller darauf aufmerksam, daß etwas nicht stimmt, daß der Sprecher scheinbar etwas falsch gemacht hat. Wenn ich vom kooperativen Sprecher ausgehe, dann muß ich ja sowieso annehmen, er hat die Maximen befolgt, demzufolge fällt es eher auf, wenn er sie verletzt.

2. Der Hörer weiß also, daß der Sprecher etwas damit erreichen will. Nun braucht der Hörer ein gewisses Kontextwissen, das der Sprecher auch besitzt um zu begreifen, was der Sprecher eventuell implikatieren wollte. Worauf sich der Sprecher also bezieht. Dann kann er auch darauf schließen, was die Implikatur sein sollte.

3. Als dritter Schritt setzt man voraus, daß der Sprecher möchte, daß ich die Implikatur erkenne, er denkt also, daß ich das auch schaffen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Implikaturen anhand von Beispielen und Abgrenzung der pragmatischen Implikatur von der semantischen Implikation.

2. Das Kooperationsprinzip nach Grice und die Konversationsmaximen: Vorstellung der vier grice’schen Maximen (Quantität, Qualität, Relevanz, Modalität) und deren Bedeutung für das kooperative Handeln.

2.1. Der Schlußprozeß: Erläuterung der kognitiven Schritte, die ein Hörer vollzieht, um eine Implikatur zu erschließen.

2.2. Implikatur durch Verletzung der Maximen: Analyse, wie das bewusste Brechen von Maximen (z.B. durch Tautologien oder Ironie) zur Entstehung von Implikaturen führt.

2.3. Implikatur durch Befolgung der Maximen: Untersuchung von Implikaturen, die trotz Einhaltung der Maximen entstehen, etwa durch spezielle Betonung oder skalare Implikaturen.

3. Ersetzen oder Umstellen der Maximen: Diskussion über die Struktur der grice’schen Maximen und die Frage, ob die Modalitätsmaxime durch andere Maximen ersetzt oder neu gewichtet werden kann.

3.1. Die Modalitätsmaxime und ihre Sonderstellung: Detaillierte Analyse der Modalitätsmaxime und ihres Verhältnisses zu den anderen Maximen.

3.2. Eine fünfte Maxime?: Kritische Prüfung, ob Höflichkeit als eigene Maxime in das System von Grice aufgenommen werden sollte.

4. konversationell oder konventionell: Abgrenzung der beiden zentralen Implikaturentypen und Darstellung der Kriterien nach Meibauer.

4.1. Typen der konversationellen Implikatur: Unterteilung in partikularisierte und generalisierte konversationelle Implikaturen.

4.2. konventionelle Implikatur: Kurze Betrachtung von Implikaturen, die auf der Bedeutung einzelner Wörter beruhen.

5. & oder UND: Untersuchung der verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten der Konjunktion "UND" und ihrer Rolle bei der Entstehung von Implikaturen.

6. Schluß: Zusammenfassendes Fazit über den Status der Implikaturentheorie in der Pragmatik und deren Herausforderungen bei der Modellierung von Sprache.

Schlüsselwörter

Implikatur, Pragmatik, Paul Grice, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen, Schlussprozess, Kontextwissen, Tautologie, Ironie, konversationelle Implikatur, konventionelle Implikatur, Skalare Implikatur, Modalitätsmaxime, Höflichkeit, Semantik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Disziplin der Pragmatik, insbesondere mit der Theorie der Implikaturen, und untersucht, wie Sprecher über das Gesagte hinaus Bedeutung vermitteln.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Kooperationsprinzip von Paul Grice, die verschiedenen Konversationsmaximen, der kognitive Prozess des Schließens auf eine Implikatur sowie die Unterscheidung zwischen konversationellen und konventionellen Implikaturen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, den Entstehungsprozess von Implikaturen transparent zu machen und die Anwendbarkeit sowie die Grenzen der grice’schen Theorie kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse. Dabei werden die Konzepte von Grice, Meibauer und anderen Forschern analysiert und anhand von sprachlichen Beispielen auf ihre Plausibilität geprüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie durch das Befolgen oder Verletzen von Maximen Bedeutungen erzeugt werden, diskutiert die Sonderstellung der Modalitätsmaxime und untersucht die semantischen Nuancen von Konjunktionen wie "UND".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Implikatur, Pragmatik, Kooperationsprinzip, Konversationsmaximen und die Unterscheidung von konversationellen und konventionellen Mustern.

Wie wird das Konzept der Höflichkeit in der Arbeit bewertet?

Die Autorin diskutiert die Möglichkeit einer fünften "Höflichkeitsmaxime", äußert jedoch Skepsis, da Höflichkeit stark kulturell bedingt ist und das Kooperationsprinzip idealerweise eine moralisch neutrale Basis darstellen sollte.

Warum ist die Analyse der Konjunktion "UND" so wichtig?

Das Beispiel "UND" dient dazu, die Grenzen einer rein formalistischen Interpretation aufzuzeigen. Die Autorin verdeutlicht, dass "UND" im Sprachgebrauch häufig weitere pragmatische Bedeutungen wie Gleichzeitigkeit oder zeitliche Abfolge ("und dann") impliziert, die durch das Kooperationsprinzip erklärt werden müssen.

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Details

Title
Implikaturen - Entstehung und Typen einer Implikatur
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Course
Hauptseminar Pragmatik
Grade
2,7
Author
MA Julia Mann (Author)
Publication Year
1999
Pages
19
Catalog Number
V9783
ISBN (eBook)
9783638163972
ISBN (Book)
9783638787284
Language
German
Tags
Implikaturen Entstehung Typen Implikatur Hauptseminar Pragmatik
Product Safety
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Quote paper
MA Julia Mann (Author), 1999, Implikaturen - Entstehung und Typen einer Implikatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9783
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