Unihoc-ein neues Spiel an unserer Schule


Seminararbeit, 1998

8 Seiten, Note: 1,0


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Carsten Buse

Unihoc-ein neues Spiel an unserer Schule

Thematik

1.1 Thema der dokumentierten Unterrichtsreihe

Mitte der Siebzigerjahre erschienen zum ersten Mal Kunststoffstöcke und Lochbälle in den deutschen Turnhallen. Das Material kam aus Schweden, wo zu dieser Zeit schon Turniere und auch Meisterschaften organisiert wurden.

Sehr schnell etablierte sich dieses Sportspiel auch in Deutschland. Vor allem im Schulsport stieg jenes neue Spiel, mit seinen individuellen Regeln, rasch auf.

Die Verwandtschaft zum Eishockey, aber nur mit minimaler Ausrüstung und relativ wenig Körperkontakt, schien viele anzusprechen. Erst einige Jahre später entstand das erste Regelwerk und machte das Spiel Unihockey oder Unihoc zur Sportart. Das große Potential von begeisterten Unihoc-Spielern hatte zur Folge, daß es bald zu einer offiziellen Meisterschaft in einem eigenen Verband (SUHV: Schweizerischer Unihockey Verband) kam. 1985 wurde eine erste Saison mit 22 Vereinen, 1991 eine Saison mit 207 Vereinen in Gruppenspielen mit 503 Teams, 1993 eine Saison mit 250 Vereinen in Gruppenspielen mit 645 Teams durchgeführt.

Betrachtet man diese Zahlen, so kann man für den Zeitraum 1994 bis 1998 mit einer nochmaligen Erhöhung der Mannschaften rechnen.

Für den Schulsport ist noch viel Pionierarbeit zu leisten, denn bei vielen Lehrern fehlt die notwendige Aus- und Weiterbildung in dem Bereich. Das ist schade, denn gerade, weil das Unihocspielen in die Richtung der Trendsportart Streethockey geht, ist die Chance groß, Schüler auch außerhalb der Schule sportlich aktiv werden zu lassen.

1.1.1 Gründe für die Auswahl des Sportspieles Unihoc aus sonderpädagogischer Sichtweise

Nach Ansicht des Verfassers ist Unihoc ein sehr geeignetes Spiel für die SfG, denn es kommt dem geistigbehinderten Schüler in seinem Lernverhalten besonders entgegen. Folgende Gründe sind hier zu nennen:

- jeder kann mitmachen
- Unihoc kann praktisch ohne Vorkenntnisse sofort gespielt werden
- Unihoc gilt als Alternative zum Hockey, das in seiner Spielart viel komplexer ist
- die wenigen Regeln sind einfach zu erlernen und zu behalten
- das leichte Spielmaterial birgt fast keine Gefahren in sich
- soziale Lernziele sind einfach zu realisieren (Koedukation, Fair play)
- der Spielstock besitzt als Armverlängerung ein großes Aktionsfeld (jeder kann mitmachen)
- die Besonderheit des Balles verleiht dem Spiel einen unberechenbaren Charakter (jeder Spieler wird "irgendwie" miteinbezogen)
- spezifische Eigenschaften wie Kraft oder Körpergröße bringen keine Vorteile
- der Lerneffekt in der direkten Anwendung ist sehr groß (Schüler haben ein Erfolgserlebnis)
- Unihoc besitzt einen hohen Freizeit- und Integrationswert (Trendsport Streethockey
- Unihoc übt einen ursprünglichen Reiz aus, weil ein Ball mit Hilfe eines Spielgerätes getrieben wird
- Unihoc kann in der Halle aber auch draußen gespielt werden
- sportspezifische Fähigkeiten (z.B. Schnelligkeit, Ausdauer, Gewandtheit, Koordination) werden spielerisch, kombiniert geschult

1.2 Sachanalytische Aspekte des Sportspiels Unihockey

1.2.1 Curriculare Einordnung des Unterrichtsgegenstandes

Unihoc ist dem Bereich der "Großen Spiele" zuzuordnen, deren grundlegende Fertigkeiten und Fähigkeiten durch "vorbereitende Einheiten" in Unter- und Mittelstufe vermitteln werden sollten.

Die "Großen Spiele" sind in drei Gruppen eingeteilt:

1. Rückschlagspiel: z.B. Badminton, Volleyball
2. Wurfspiele: Basketball, Handball
3. Torschuß- bzw. Zielschußspiele: Fußball, Hockey.

Demnach ist das Mannschaftsspiel Unihoc also dem Bereich der Torschußspiele einzustufen. Desweiteren kann Unihoc als Freizeitsport angesehen werden, da es nicht nur in der Sporthalle gespielt werden kann, sondern auch auf der Straße im Freien ( --> Streethockey) oder auf einer Wiese.

1.2.2 Ziel des Sportspiels Unihockey

Beim Unihoc soll ein leichter Plastik-Lochball mit dem Kunststoffstock in ein relativ kleines Tor befördert werden. Die Gegenspieler versuchen, dies regelgerecht zu vereiteln. In Abweichung zu anderen Hockeyspielformen darf der Ball mit dem Fuß gestoppt und sich selbst einmal vorgelegt werden. Die Bande darf angespielt werden, so daß man indirekte Pässe schlagen kann oder den Gegner so umspielt. Die Ecken der Banden sind abgerundet, so daß man den Ball in den bespielbaren Hintertorraum passen kann, der taktisch gesehen eine wichtige Funktion hat.

1.2.3 Varianten des Unihockey-Spiels

Unihoc hat sich in vier wesentliche Trends entwickelt, die hauptsächlich in der Spielfeldgröße und Spielerzahl verschieden sind. Der Spielgedanke, die Grundregeln und die Ausrüstung bleiben allerdings gleich.

Die Kleinfeld-Variante ist die bestimmende Spielform, die in normalen Schulsporthallen mit kleinen Toren und einem Torraum gespielt wird, der nicht betreten werden darf. Ausgemachte Spielerzahl ist 4:4 ohne Torwart, wobei stets zwei weibliche und zwei männliche Spieler auf dem Feld sein sollen.

Diese Modifikation ist vorallem im Schulsport vertreten und kann leicht den örtlichen Umständen angepaßt werden. So kann z.B. auch 3:3 und ohne Torraum gespielt werden. Die Großfeld-Variante wird vorherrschend im Vereinssport gespielt. Grundvoraussetzung ist eine Dreifeldhalle. Hier wird mit 6:6 Spielern inkl. Torwart auf ein größeres Tor gespielt. Der Torwart spielt ohne Stock.

Die Court-Variante zeigt sich in kommerziellen Sportanlagen für Freizeitsportler. Dort wird in Squash-Courts ohne Hintertorraum gespielt. In Einzelcourts kann 1:1 oder 2:2 gespielt werden.

Die On-Road-Variante (Streethockey) wird auf allen denkbaren Freiflächen gespielt. Dazu wurden besondere Stöcke entwickelt, die den Ansprüchen des Untergrundes angepaßt wurden.

1.2.4 Material

Die Spielidee, die zum Unihoc geführt hat, beruht auf dem Spielmaterial: dem elastischen, leichten Kunststoffstock und dem gelochten, rund 20 g schweren Ball. Alle Tests mit schwereren Bällen, Pucks oder versteiften Stockstielen verzerren das Spiel und bringen überflüssige Gefahrenmomente mit sich.

Spielstock

Das derzeitig verfügbare Stockmaterial läßt sich gut verwenden für Spielern bis zu einer Körpergröße von etwa 1,95 m (Schaftlänge 92 cm). Die Idealgröße für ungekürzte Stöcke liegt bei etwa 1,85 m.

Im Schulsport ist es folglich unabdingbar, daß verschiedene Stockgrößen zur Verfügung stehen. Eine ideale Stiellänge begünstigt die Ballführung und verringert die Reichweite, was im Defensivspiel zu mehr Laufarbeit zwingt. Die destruktive Spielweise wird eingeschränkt und für konstruktive Aktionen ist mehr Platz verfügbar.

Die häufigsten Stockschäden treten beim Übergang von Stil zur Schaufel auf. Wird der Stil an dieser Stelle mit starkem Klebeband umwickelt, erhöht sich die Lebensdauer beträchtlich. Drei Stocklängen haben sich als praktikabel erwiesen (vgl. Welten/Bühler 1992):

Bälle

Der Kunststoff-Lochball ist normiert auf 72 mm Durchmesser mit 26 runden Löchern von 10 mm Durchmesser, ist in vielfältigen Farben käuflich, darf aber nicht mehr als 23 g wiegen.

Tore

Da die Normalturnhalle das Spielen nach Kleinfeldregeln zuläßt, ist es empfehlenswert auch Tore in der Originalgröße (H 120 cm; B 180 cm; T 60 cm), mit abgerundeten Ecken anzuschaffen.

Banden

Im Schulsport genügt es meist, die Spielfeldecken mit Langbänken abzugrenzen.

Spielfeld

Bild 1 zeigt die wichtigsten Markierungen und Dimensionen des Unihoc-Kleinfeldes. Für das Spiel in der Schule ist die Lage der Tore - sie stehen auf der Volleyballgrundlinie -, die Torräume und Anspielpunkt von Bedeutung.

Bild 1: Unihoc-Kleinfeld

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2.5 Grundfertigkeiten technisch - taktisch

Beim Unihoc sowie auch bei anderen Sportspielen werden technische und taktische Fertigkeiten benötigt.

Technische Fertigkeiten:

Es wird unterschieden zwischen

- Fertigkeiten mit Ball
- Fertigkeiten ohne Ball.

Die Grundfertigkeiten ohne Ball betreffen einerseits die sportartspezifischen Konditionsfaktoren (Startschnelligkeit, Gewandtheit, Koordination etc.) und andererseits die Körperhaltung, die sich an der Spielhandlung orientiert, sowie die Ballabnahme (mit Ballgewinn oder Wegschlagen) (s. Bühler/Welten, 1993).

Die Grundfertigkeiten mit Ball sind

- Ballführung und Umspielformen
- Ballabgabe
- Ballannahme
- Ballmitnahme.

Ballführung und Umspielformen

Der Stil der Ballführung (ob einhändig oder mit beidhändigem Griff) ist vom Spielzweck abhängig. Dabei kommt der Griffhöhe (Abstand zwischen Griff- und Führhand) entscheidender Wert zu; denn sie verändert die Reichweite des Stockes, bringt den Ball näher zum Körper oder weiter weg.

Alle zusätzlichen Folgehandlungen (Lauf fortsetzen, Dribbling, Passen, schießen) und deren Resultate sind in diesem Kontext zu sehen.

Es gibt zwei unterschiedliche Griffhaltungen:

Bild 2: enger Griff Bild 3: weiter Griff

(aus Bühler/Welten, 1993) (aus Bühler/Welten, 1993)

Daraus ergeben sich zwangsläufig die

Bild 4: offene Ballführung und die Bild 5: verdeckte Ballführung (aus Bühler/Welten, 1993) (aus Bühler/Welten,1993)

Alle Formen, wie ein Gegenspieler umspielt werden kann, lassen sich durch zwei Hauptmerkmale charakterisieren:

Beim seitlichen Umspielen bleibt der Ball in Reichweite und wird lediglich von der einen auf die andere Schaufelseite geschoben.

Beim Vorbeischieben wird der Ball durch den Aktionsbereich des Gegners gespielt und dann unter Kontrolle gebracht.

Bild 7: Vorbeischieben (aus Bühler/Welten, 1993)

Ballabgabe

Die Ballabgabe umfaßt alle Formen des Passens und Schießens.

Grundsätzlich lassen sich drei Grobformen unterscheiden, die der Ballbeschleunigung dienen:

- Schlagschuß: Der Stock wird in einer Ausholbewegung vom Boden weggehoben. Beim Schlagen beschreibt die Schaufel einen Bogen und trifft Ball und Boden gleichzeitig (s. Bühler/Welten, 1993).

Bild 8: Schlagschuß (aus Bühler/Welten, 1993)

Bild 9: Schiebeschlag, Schlagpaß (aus Bühler/Welten, 1993)

- Schiebeschlag, Schlagpaß: Die Ausholbewegung wird mit Bodenkontakt ausgeführt. Auch beim Schlag gleitet die Schaufel am Boden (s. Bühler/Welten, 1993).
- Gezogener Schuß, Schlenzpaß: Der Ball wird an der Schaufel geführt. Die Ballabgabe

erfolgt nach der Beschleunigungsphase (s. Bühler/Welten, 1993).

Bild 10: Gezogener Schuß, Schlenzpaß (aus Bühler/Welten, 1993)

Entscheidend für Schußstärke, Präzision und Halten des Gleichgewichts (Folgeaktionen!) ist die Lage des Balles in bezug auf die Körperposition (Fußstellung). Alle Ballabgaben werden in einer Vorschrittstellung ausgeführt. Beim Schießen ist sie größer als beim Passen, um eine weite Ausholbewegung und somit einen längeren Beschleunigungsweg zu gewährleisten (s. Bühler/Welten, 1993).

Für Links- bzw. Rechtsausleger gelten folgende (Fuß-, Ball) Positionen, die auf Bild 11 und 12 zu sehen sind.

Bild 11: Linksausleger (aus Bühler/Welten, 1993) Vorhand Rückhand

Bild 12: Rechtsausleger (aus Bühler/Welten, 1993) Vorhand Rückhand

Ballannahme

Unter Ballannahme sind alle technischen Fertigkeiten gemeint, mit denen hoch und flach gespielte Bälle unter Kontrolle gebracht werden können. Entscheidend ist letztlich, daß der Ball kurzzeitig zur Ruhe kommt, um dann für die Eigenaktion parat zu sein.

Das erfolgreiche Ballannehmen ist stark von der Vorbereitungsphase abhängig:

- Der Oberkörper dreht sich in Ballrichtung ab.
- Die Führhand zeigt in Ballrichtung.
- Die Schaufel steht rechtwinklig zum erwarteten Ballweg (s. Bühler/Welten, 1993).

Bild 13 (aus Bühler/Welten, 1993):

Die Endphase ist mit einem "verkehrten" Schlenzpaß zu vergleichen:

- Die Schaufel steht rechtwinklig zum Ball.
- Sie nimmt die Laufrichtung des Balles auf.
- Die Mitannahmebewegung nimmt dem Ball das Tempo.
- Der Winkel Schaufel - Ball wird immer kleiner.
- Der Ball kommt zur Ruhe (s. Bühler/Welten, 1993).

Bild 14 (aus Bühler/Welten, 1993):

Auf der Rückhandseite ist die Annahme auf frontale Zuspiele ungemein schwierig. Die Schaufel kann dabei nur in Ballrichtung gedreht werden, wenn sich der Führarm unter dem Griffarm kreuzt, was zu einer sehr unbequemen und schwierigen Position führt. Eine weitere Schwierigkeit geht von der Schaufelkrümmung aus, die ja immer die Vorhandseite begünstigt: Das Überdecken des Balles in der Endphase kann nur erreicht werden, wenn der Führarm extrem nach unten gedrückt wird (s. Bühler/Welten, 1993).

Ballmitnahme

Bei der Ballmitnahme wird der Ball nicht gestoppt, sondern nur abgelenkt (ruhende Bälle mitgenommen) und so in die Eigenaktion überführt. Wenn ein Paß steil in die Laufrichtung gespielt wird, ist die Mitnahme am einfachsten, aber auch frontale Zuspiele können so - mit überdeckter Schaufelstellung - angenommen werden.

Insbesondere auf dem Kleinfeld ist die Ballmitnahme die häufigste Form, wie der Ball unter Kontrolle gebracht wird und in Eigenaktion übergeht (s. Bühler/Welten, 1993).

Taktische Grundfertigkeiten

Taktische Fähigkeiten werden unterteilt in die Individualtaktik und Mannschaftstaktik.

Zur individualtaktischen Grundfertigkeit gehören das Freilaufen, das Spiel hinter dem Tor, das Umspielen (mit und ohne Bande) und der Zweikampf.

Die mannschaftstaktischen Grundfertigkeiten enthalten das Umsetzen einer Spieleinstellung, Spielzüge und Spielsysteme (s. Franke-Thiele, o.J.).

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Unihoc-ein neues Spiel an unserer Schule
Note
1,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
8
Katalognummer
V97850
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In der 2.Examensarbeit wird eine theoretische Grundlage zum spielgemäßen Konzept dieser Unterrichtsreihe mit geistigbehinderten OberstufenschülerInnen dargestellt und im Praxisteil didaktisch methodisch umgesetzt. Einige Bilder fehlen!
Schlagworte
Unihoc-ein, Spiel, Schule
Arbeit zitieren
Carsten Buse (Autor), 1998, Unihoc-ein neues Spiel an unserer Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97850

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