Teilhabe durch Unterstützte Kommunikation. Chancen und Herausforderungen beim Einsatz im Gemeinwesen


Hausarbeit, 2016

26 Seiten, Note: 1,5

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Theoretische Grundlagen
I.1. Kommunikation
I.2. Bedeutsamkeit der KommunikationsparterInnen
I.3. Normalisierung, Isolation und Partizipation: Teilhabe am Gemeinwesen?

II. Praxisteil
II.1. Mit dem Talker beim Einkaufen
II.2. Teilhabe anhand des Partizipationsmodells

Fazit

Literatur

Anhang

Einleitung

„Der Wunsch nach Integration des Nicht-Normalen fordert etwas von der 'Normalität'. Es ist mein Bestreben zu untersuchen, was gesellschaftlich notwendig ist, um soziale Integration zu ermöglichen, die nicht auf Anpassung hinausläuft, bei der das Anderssein ausgelöscht wird. Die Frage ist, was eine derartige Integration von der normalen Gesellschaft, von ihren Institutionen und Bürgern fordert“(Kal, 2006, 29) 1

Was fordert der Einsatz von „Unterstützter Kommunikation“ (UK) im Alltag von der Gesellschaft? Inwiefern nehmen Bürger Kommunikationshilfen in der Öffentlichkeit an? Was bleibt den Nutzern bei gesellschaftlicher Nichtannahme verwehrt? Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil menschlichen Zusammenlebens und die Grundvoraussetzung sozialer Beziehungen. Sie ist allgegenwärtig, unumgänglich und meist verbunden mit Lautsprache. Menschen ohne Lautsprache benötigen deshalb Kommunikationshilfen, um die Möglichkeit zu erlangen, sich ausdrücken zu können. In dieser Arbeit möchte ich untersuchen, inwiefern die Teilhabe am Gemeinwesen mit Hilfe von UK möglich ist und was diese von allen Beteiligten fordert. Die Technik von UK und ihr Einsatz in der Therapie sind bereits weit fortgeschritten. Nun stellt sich mir die Frage, warum man folglich UK in der Öffentlichkeit so gut wie nie begegnet. Die Möglichkeiten sind vorhanden, was verhindert den Einsatz? Ich möchte die Vermutung belegen, dass die Teilhabe durch UK hauptsächlich an der Einstellung der Gesellschaft scheitert. Außerdem habe ich mich persönlich gefragt, in wie fern man heute als Nutzer von UK selbstständig den Alltag bewältigen kann und auf welche Herausforderungen man dabei trifft. Obwohl der später aufgeführte Blick der Literatur bezüglich der Bedeutsamkeit von (Unterstützter) Kommunikation vielversprechend wirkt, ist dieser meiner Meinung nach nicht auf die Realität übertragbar. Das Thema wurde zwar schon in der Geistig- und Mehrfachbehindertenpädagogik aufgeführt und diskutiert. Es ist, wie ich finde, allerdings noch zu fachspezifisch und damit unzureichend behandelt. Ziel soll sein, die Allgemeinheit in die Wichtigkeit von UK einzuführen und somit eine gesellschaftliche Anpassung hervorzurufen. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, das Thema zunehmend an die Gesellschaft heranzutragen und es zur Aufgabe der Öffentlichkeit zu machen. Mir ist durchaus bewusst, wie schwer und langsam der Fortschritt eines solchen Prozesses einzustufen ist. Trotzdem muss der Startpunkt gesetzt werden, damit man das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Ich werde darauf verzichten, spezifisch auf verschiedenen Formen von UK einzugehen. Die heutige Herausforderung liegt nämlich meiner Meinung nach weder in der Technik noch in der Beantragung und Beschaffung, sondern größtenteils in der Normalisierung im Alltag. Es wird zwar im Praxisteil nochmals auf individualisierte und bestens angepasste Kommunikationshilfen eingegangen, diese ansonsten aber als Grundvoraussetzung festgelegt.

Zuerst möchte ich die Wichtigkeit von Kommunikation anhand von Literatur erläutern. Danach wird auf die Bedeutsamkeit der GesprächspartnerInnen und ihr Verhalten eingegangen. Nun habe ich eine Basis zum Thema UK geschaffen. Im Folgenden werde ich genauer auf den Einsatz im Gemeinwesen anhand der Prinzipien der Normalisierung und Partizipation (Isolation) eingehen. Diese theoretischen Grundlagen werden dann später im Praxisteil aufgegriffen und auf Chancen und Herausforderungen beim Einsatz im Gemeinwesen untersucht. Außerdem werde ich in diesem Sinne persönliche Erfahrungen anhand des Partizipationsmodells reflektieren und im Hinblick auf mögliche Lösungen auswerten.

I. Theoretische Grundlagen

I.1. Kommunikation

Im Folgenden soll die bereits erwähnte Wichtigkeit von Kommunikation in unserer Gesellschaft und für den Einzelnen aufgeführt werden. Der Blick der Literatur auf Kommunikation wird hier auf das Themenfeld der UK übertragen.

„Kommunikation ist komplex, vielfältig und unentbehrlich für alle Menschen“ (Wachsmuth (Übers.), 2006, 14). Bei Wachsmuth (Übers.) wird sofort die zentrale Rolle von Kommunikation in unserer Gesellschaft klar. Außerdem fällt auf, dass es unterschiedliche Arten menschlicher Kommunikation gibt. Sei es Schrift, Lautsprache und Vokalisieren, Gestikulieren, Körpersprache oder anhand von Mimik, Gebärden, elektronischen/ nicht- elektronischen Hilfsmitteln – „Kommunikation ist multi-modal“ (Vgl. Wachsmuth (Übers.), 2006, 14) und von existentieller Bedeutung für uns alle. Ohne Kommunikation in ihren unterschiedlichen Formen ist ein menschliches Zusammenleben unmöglich. Auch Wilken betont die zwischenmenschliche Ebene, wenn sie von Kommunikation spricht. „Mit Kommunikation bezeichne[t] [sie] alle Verhaltensweisen und Ausdrucksformen mit denen wir mit anderen Menschen bewusst oder unbewusst in Beziehung treten. Kommunikation umfass[e] deshalb viel mehr als nur die verbale Sprache.“ (Wilken, 2014, 10). Es handelt sich also um eine Ausdrucksweise, die zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt erst möglich macht. „Kommunikation ist [zudem] ein menschliches Grundbedürfnis und subjektiv für Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Sie ist eine wesentliche Bedingung für soziale Partizipation und Selbstbestimmung und zudem eine wichtige Grundlage jeder Entwicklung.“(Wilken, 2014, 7). Es geht dabei also um eine bedeutende Form des sozialen Miteinanders und der eigenen Identität, auf welche alle Menschen ohne Ausnahme angewiesen sind.

Nun verbindet man aber Kommunikation fast immer mit verbaler Sprache. „Sprache bietet die Struktur für Kommunikation [und] ist die Grundlage für den Aufbau und den Erhalt sozialer Beziehungen [...]“ (Wachsmuth(Übers.), 2006, 15). Dank ihr verstehen wir Andere und machen uns im Gegenzug für diese verständlich. Wenn Sprache, Kommunikation und folglich soziale Interaktion nun aber so eng miteinander verknüpft sind, was passiert dann mit denjenigen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keinen Gebrauch von Lautsprache machen können?

Nach der bereits aufgeführten Wichtigkeit der Kommunikation für den Einzelnen Menschen und die Gesellschaft ist es mehr als naheliegend, dass solche Menschen Unterstützung bei der Kommunikation erhalten müssen. „Damit auch Menschen mit fehlender Lautsprache oder sehr stark eingeschränkten lautsprachlichen Fähigkeiten uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, benötigen sie [nämlich] alternative Kommunikationswege. Durch Unterstützte Kommunikation werden sie in die Lage versetzt, ihre Gedanken, Wünsche, Ideen und Meinungen zu äußern.“ (Ritterfeld, 2011, 9). Mit einer Unterstützung der Kommunikation soll eine Hilfestellung zur eigenständigen Kommunikation mit der Umwelt verfolgt werden, damit möglichst selbständig kommuniziert werden kann. Hierfür werden individuell angepasste und wirkungsvolle Systeme der UK benötigt.

Dabei bietet „Unterstützte Kommunikation [...] mehr als eine Sammlung methodischen Wissens [...], sie ist eine Haltung, die menschliche Begegnung möchte“ (Bollmeyer et al., 2011, 11). Diese Begegnung soll auf Augenhöhe geschehen und bedarf deshalb einer Normalisierung der UK in jeglichen Bereichen. „Ein Leben in Unabhängigkeit und das Gefühl von Autonomie verlangen erfolgreiche Interaktionen mit vielen verschiedenen Kommunikationspartnerinnen und -partnern“ (Wachsmuth(Übers.), 2006, S.15), weshalb eine individuelle und vor allem effektive Unterstützung der Kommunikation bei Menschen ohne Lautsprache von höchster Bedeutung ist. Dabei sind „die Kommunikationspartnerinnen und -partner […] entscheidend für jede Art der Kommunikation“ (Wachsmuth(Hrsg.), 2006, 14).

Im letzten Abschnitt wurde die soziale Wichtigkeit von Kommunikation und damit die Bedeutsamkeit der KommunikationspartnerInnen deutlich, worauf ich im nächsten Kapitel nun genauer eingehen möchte.

I.2. Bedeutsamkeit der KommunikationsparterInnen

Die Kommunikationsmöglichkeiten, die durch UK geboten werden, hängen seitens der Nutzer von UK von verschiedenen Faktoren ab. Offensichtlich spielt das Ausmaß der Behinderung, die gesammelten Erfahrungen mit UK und der aktuelle Zustand des Nutzers eine Rolle. Daneben wird der Erfolg eines unterstützten Dialoges von der Gesprächssituation, den Umständen, dem Ort, aber auch - wie bereits angesprochen - elementar von dem Gesprächspartner beeinflusst. Wie sollte sich also die lautsprachlich kommunizierende Person verhalten, um dem Nutzer von UK gerecht zu werden? (Vgl. Kristen, 2005, 21) Natürlich hängt das Verhalten der GesprächspartnerInnen davon ab, wie viele Vorkenntnisse bezüglich UK vorhanden sind. Die Entwicklungsstufe beider KommunikationspartnerInnen, die gegenseitige Beziehung zueinander und die Häufigkeit des gegenseitigen Kontaktes dürfen nicht vergessen werden. Je vertrauter das Gegenüber, desto erfolgreicher und schneller die Kommunikation. Da aber hier zunächst von UK im Alltag ausgegangen wird, soll die Kommunikation mit fremden Personen, meist ohne Vorerfahrungen, gelingen. Hierfür sollten GesprächsparterInnen zuhören und Interesse am Gesagten zeigen. Selbst bei lautsprachlich Kommunizierenden „[...] ist [es] etwas besonderes, Menschen zu finden, die ein aufrichtiges Interesse am Gegenüber haben.“ (Leber, 2010, 01.029.001). Die Situation eines Unterstützen Dialoges steigert das Interesse wohl kaum. Ist es folglich verwundernd, wenn manche Nutzer von UK selbst kein Interesse an Kommunikation haben? Deshalb soll an dieser Stelle auf die große Verantwortung der KommunikationspartnerInnen in der UK aufmerksam gemacht werden. Aufrichtiges Interesse und Aufgeschlossenheit ist die Grundvoraussetzung und höchste Priorität für gelingende Kommunikation. Außerdem sind die Nutzer auf die volle Aufmerksamkeit und Sensibilität ihres Gegenübers angewiesen. Blicke, Gesten und die kleinsten Gesichtsausdrücke können bei Menschen ohne Lautsprache bereits ein Zeichen von Kommunikation sein und verlangen nach Interpretation. Abgesehen davon ist UK stets mit viel Zeitaufwand verbunden. Trotzdem oder gerade deshalb sollten die KommunikationspartnerInnen die notwendige Geduld aufbringen können. Erfolgreiche Kommunikation hängt also vor allem in der UK von beiden GesprächspartnerInnen ab. Je weniger kompetent der Kommunikationspartner, desto größer die Abhängigkeit des Nutzers von der Gesellschaft. Doch genau diese Abhängigkeit soll durch UK verringert bzw. verhindert werden.

Bei bestimmten körperlichen Beeinträchtigungen ist eine gewisse Abhängigkeit von Bezugspersonen, vor allem aus pflegerischer Sicht, nicht zu leugnen. „[...] Körperliche Einschränkungen [...]bedeute[n] für die Betroffenen häufig einen reduzierten Austausch mit der Umwelt und in der Folge soziale Isolation und die Erfahrungen von extremer Abhängigkeit“(Kristen, 2005, 16). Diese Abhängigkeit sollte sich allerdings auf die nötigsten Bereiche beschränken, um die eben genannte soziale Isolation – worauf später nochmals eingegangen wird - zu verhindern. Leider trifft man stattdessen häufig auf das Problem der 'Erlernten Hilflosigkeit' (Wilken et al.(Kristen), 2014, 95), wie es Kristen beschreibt. Dabei handelt es sich um die demotivierte Haltung, die Menschen mit meist schweren körperlichen Einschränkungen entwickeln, wenn sie andauernd das Gefühl haben, hilflos und abhängig zu sein(vgl. Wilken et al. (Kristen), 2014, 95). Egal ob geprägt von Eltern oder von anderen Bezugspersonen, die 'Erlernte Hilflosigkeit' ist allen Beteiligten nur schwer wieder abzugewöhnen. Aus eigener Erfahrung könnte man dieses Phänomen auch auf gesellschaftliche Strukturen übertragen. Durch die ständige Unterschätzung von Menschen mit Beeinträchtigung in der Öffentlichkeit, haben diese das Interesse verloren und hören immer mehr auf, sich einzubringen. Dies bestätigt Österwitz indem er betont „[...] wenn Menschen mit Behinderung ständig unter fürsorglichen Bedingungen mit einem Maximum an äußerer Sicherheit und leider auch mit einem hohen Ausmaß an Fremdbestimmung des Alltags leben, dann werden Eigeninitiative, Selbstverantwortung und soziale Handlungskompetenz immer geringer.“ (Zwierlein, 1996, 204). Doch wie kann diese vorsätzliche Unterschätzung einer aufrichtigen Wertschätzung weichen? Ziel soll sein, dass beide KommunikationspartnerInnen innerhalb eines unterstützten Dialoges als gleichwertige GesprächspartnerInnen angesehen werden und ein allgemeines und vor allem gegenseitiges Interesse am Gegenüber ent- bzw. besteht . „Nichtbehinderte Menschen lassen sich durch Ausstrahlung und Aussehen behinderter Menschen manchmal irritieren[,] statt Sympathie können [folglich] Gefühle wie Mitleid entstehen.“ (Leber, 2010, 01.027.001) Mitleid gegenüber dem Anderen erzeugt allerdings keine gleichwertige Gesprächssituation, sondern Unterschätzung und schlimmstenfalls Ausgrenzung.

Außerdem sind meiner Meinung nach Gefühle wie Mitleid den Nutzern von UK gegenüber vollkommen überflüssig. Besonders wenn man beobachtet, wie gut viele Nutzer ihre Kommunikationshilfen beherrschen, sind offensichtlich Gefühle wie Respekt und Wertschätzung angebracht. Das ist aber wahrscheinlich ein Problem der Voreingenommenheit der Gesellschaft. Gefühle wie Mitleid entstehen meistens, wenn sämtliche Berührungspunkte behinderter und nichtbehinderter Menschen vermieden werden. Es entstehen Vorurteile und Berührungsängste seitens nichtbehinderter Menschen, welche nur schwer und manchmal gar nicht mehr aus den Köpfen verschwinden. Durch die eben aufgeführte Unterschätzung beeinträchtigter Menschen, werden diese teilweise nicht durch ihre vorhandenen oder nicht-vorhandenen Möglichkeiten, sondern von der Gesellschaft selbst behindert. Dies ist allerdings nur eines von vielen Beispielen, bei dem Menschen durch die Gesellschaft von Behinderung bedroht werden. Diesem Phänomen soll im nächsten Kapitel weiter nachgegangen werden. Nachdem nun die Wichtigkeit von Kommunikation und der jeweiligen KommunikationsparterInnen erläutert wurden, soll nun, ausgehend davon, außerdem auf den Einsatz von UK im Gemeinwesen eingegangen werden.

I.3. Normalisierung, Isolation und Partizipation: Teilhabe am Gemeinwesen?

Die oben beschriebene Abhängigkeit der Nutzer von UK von ihrem Gegenüber in eine Unabhängigkeit zu verwandeln, wäre bereits ein großer Fortschritt. Ziel ist es aber, UK in den heutigen gesellschaftlichen Strukturen zu normalisieren. Das Normalisierungsprinzip zielt darauf ab, Alltagsbedingungen von Menschen mit Beeinträchtigung in allen Lebensbereichen so normal wie möglich zu gestalten. Die Beschränkung von UK auf Pädagogik und Therapie ist nämlich unter keinen Umständen ausreichend. „Unterstützte Kommunikation zielt auf die Verbesserung der Kommunikation und die Erweiterung der kommunikativen Fähigkeiten eines Menschen im Alltag“ (Kristen, 2005, 16) ab. Es soll selbstverständlich sein, UK täglich und überall nutzen zu können. Diese Normalisierung fördert zunehmend die Selbstbestimmung beeinträchtigter Menschen und lässt sie zum gleichwertigen Mitglied in gesellschaftlichen Alltagssituationen werden. Indem man durch Kommunikationshilfen seine eigenen Wünsche, Erwartungen und Einstellungen ausdrücken kann, nimmt man an der Gesellschaft teil.

Der Blick auf Behinderung sollte also weg von der Krankheit an sich, hin zu den Auswirkungen der Krankheit auf den Alltag verlagert werden. Diese Veränderung der Klassifikation von Behinderung findet sich in der „International Classification of Functioning, Disability and Health“(ICF; deutsch: Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit) wieder. Die ICF „[...] will keine Klassifikation von Menschen sein, sondern der Etikettierung von Menschen entgegenwirken, Herabsetzungen und Stigmatisierungen vermeiden“(Meyer, 2004, 23; aus ICF Anhang 5, 159). Es geht hierbei nicht um Patienten, sondern um Menschen als Bürger (vgl. Meyer, 2004, 24). Im Sinne der ICF wird die rein medizinische und psychologische Sicht auf Beeinträchtigungen von einer ganzheitlichen Sichtweise abgelöst. Es stehen soziale Folgen von Beeinträchtigung und vor allem auch die individuellen Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ansichten unter der Berücksichtigung von Umweltfaktoren im Mittelpunkt (vgl. Meyer, 2004, 15).

Mit Hilfe dieser Sichtweise auf Behinderung und soziale Teilhabe möchte ich fortan die Begriffe der Isolation und Partizipation, bezogen auf UK, betrachten.

Als Isolation wird der Zustand einer Person beschrieben, „die als gesellschaftlich randständig, ausgegrenzt oder sogar räumlich weggeschlossen [gilt]“. Diese geht einher mit „geringstem sozialen Kontakt[] bzw. größter Distanz“(Dederich/Jantzen: Prosetzky, 2009, 87). Außerdem beschreibt Jantzen Isolation mitunter als Grund für die Herausbildung von Behinderung. Isolation führt demnach abhängig von verschiedenen Entwicklungen und dem Zustand der betreffenden Personen schlimmstenfalls zu einer „Zerstörung der Identität“. Behinderungen sind in diesem Kontext als „Defekte“ anzusehen, „die keine isolierenden Bedingungen sind“. Erst wenn diese Defekte dazu führen, dass „das Individuum in seinem Austausch mit seiner Umwelt behinder[t]“ (Dederich/Jantzen: Prosetzky, 2009, 87) wird, kommt es zu Isolation. Doch wie verhindert man folglich isolierende Prozesse in der Gesellschaft? Partizipation bildet den Gegenpol zu Isolation. Sie „ist der ausdrücklich auf die Gemeinschaft bezogene Akt individueller Selbstbestimmung“ (Dederich/Jantzen: Prosetzky, 2009, 88) und wird auch als Teilhabe bezeichnet. Bezogen auf UK verhindert Partizipation mit Hilfe von Kommunikationsmitteln Isolation und fördert individuelle Selbstbestimmung. „Partizipation an sozialen Ereignissen wird durch Kommunikation erleichtert beziehungsweise erst möglich“ (Lage, 2006, 184). Hierfür ist wiederum die Normalisierung von UK in der Gesellschaft als Grundvoraussetzung anzusehen. Wenn diese Basis geschaffen ist, kann der Bereich der UK seine voll Wirkung entfalten. Erst dann können beispielsweise auch Veränderungen und neue Entwicklungen bezüglich Hilfsmitteln angestrebt werden.

[...]


1 aus Kal, D. (2006): Gastfreundschaft. Das niederländische Konzept Kwartiermaken als Antwort auf Ausgrenzung psychiatrieerfahrener Menschen. Neumünster

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Teilhabe durch Unterstützte Kommunikation. Chancen und Herausforderungen beim Einsatz im Gemeinwesen
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Jahr
2016
Seiten
26
Katalognummer
V978613
ISBN (eBook)
9783346335531
ISBN (Buch)
9783346335548
Sprache
Deutsch
Schlagworte
teilhabe, unterstützte, kommunikation, chancen, herausforderungen, einsatz, gemeinwesen
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Teilhabe durch Unterstützte Kommunikation. Chancen und Herausforderungen beim Einsatz im Gemeinwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978613

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