Selbstdarstellung von Männern und Frauen im Internet


Seminararbeit, 2000

33 Seiten, Note: 1+


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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis Präambel

1. Einführung

2. Vorbereitungen des Referats und Vorbemerkungen technischer Art
2.1. Literaturdatenbanken
2.2. Das WWW
2.3. Zeitschriften, Links, Artikel

3. Das Internet als Medium: Entstehung und Definition
3.1. Entstehung des heute bekannten Internets
3.2. Definition und Struktur des Internets

4. Gesellschaftliche Bedeutung des Internets

5. Nutzer und Anbieter im Internet

6. Zeitversetzte Kommunikation vs. zeitgleiche Kommunikation
6.1. Zeitversetzte computervermittelte Kommunikation (CvK)
6.2. Dienste der zeitgleichen Kommunikation

7. Selbstdarstellung und Eindrucksbildung
7.1. Theorie der Selbstdarstellung und Eindrucksbildung
7.2. Variablen, welche die Selbstdarstellung beeinflussen

8. Studie - Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Gestaltung privater Homepages
8.1. Resultate
8.2. Auswertung

9. Verhalten in Kommunikation und Chat

9.1. Effekte der computervermittelten Kommunikation
9.2. Unterschiede im Bezug auf das Geschlecht

10. Fazit / Mögliche Diskussionspunkte

11. Schlussgedanke

12. Anhang

13. Literaturverzeichnis

Präambel

Die Selbstdarstellung von Männern und Frauen im Internet - Projektarbeit.

Ein anspruchsvolles Medium ist Gegenstand dieser Hausarbeit - das Internet. Nicht nur in der Werbung, im Beruf oder im alltäglichen Leben spielen Schlagworte wie Selbstdarstellung, Geschlechterrolle und stereotypes Verhalten eine nicht unerhebliche Rolle, sondern auch in diesem, sich rasant entwickelndem Kommunikationsmedium. Unser Anspruch an diese Arbeit ist es, nicht nur die Darstellung der Geschlechter in diesem Medium zu plakatieren, sondern diese gleichzeitig in diese historische Entwicklung des Internets und in die gesellschaftliche Bedeutung des Mediums einzubetten. Dabei wollen wir einen Einblick in die verschiedenen Kommunikationsarten vermitteln, deren Nutzungsmöglichkeiten für die Selbstdarstellung und Präsentation und uns am Rande auch kritisch damit auseinandersetzen.

1. Einführung

Ursprünglich hatte der Mensch eine andere Gestalt als die heute üblicherweise anzutreffende. Er war eine Kugel mit 4 Händen, vier Füßen, zwei Gesichtern, vier Ohren und zwei Geschlechtsteilen. Diese Kugel-Menschen hatten übermenschliche Kräfte und hochfliegende Pläne. Ihre Pläne gingen soweit, den Göttern ihren göttlichen Rang streitig zu machen und sich einen Zugang zum Götterhimmel zu verschaffen. Zeus selbst war schließlich aufgerufen, diesen Kugelmenschen entgegenzutreten. Er überlegte einige Zeit - Götter sind schließlich auch nur Menschen -, bis er schließlich eine geeignete Maßnahme als Gegenmittel fand: Alle Kugeln wurden in zwei Hälften zerschnitten. Sie verloren dadurch nicht nur an Stärke und Kraft, sondern gaben auch ihre hochfliegenden Pläne auf. Nun konnten die Kugelmenschen den Göttern nicht mehr gefährlich werden. Es gab keine Kugelmenschen mehr, nur noch einzelne Kugelhälften. Während die Götter zufrieden waren mit den Ergebnissen des erfolgreichen göttlichen Abwehrkampfes gegenüber menschlichem Hochmut, entwickelten die Kugelhälften ein sehnsüchtiges Verlangen nacheinander. Ein Verlangen danach, die andere - verlorene - Hälfte zu finden und wieder im ursprünglichen Zustand mit der anderen Hälfte zusammenzuwachsen. So ist seitdem jeder Mensch nur die Hälfte von einem Menschen und sucht nun beständig seine andere, passende, vielleicht sogar bessere Hälfte, um in einer Art von ,,Wiedervereinigung" den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen., damit zusammenwächst, was zusammengehört. (A. Retzer. Liebesgeschichten. In A. Fett (Hrsg.), Männer, Frauen, Süchte (S.140). Lambertus.)

Dies ist eine der ältesten Liebesgeschichten des Abendlandes. Der Aristophanes-Mythos von Platon.

Auf der Suche nach einem geschichtlich-zeitlichen Anfangspunkt für dieses Referat sind wir auf Platon gestoßen. Platon beschrieb so die Trennung der Geschlechter vor bereits über 2000 Jahren.

Es ist eher keine Liebesgeschichte, sondern eine Geschichte über die Liebe. Wie diese Liebe nach Platon zustande kommt, soll an dieser Stelle ebenfalls ausgeführt werden, da die Geschlechter eine wichtige Rolle spielen.

Platon als Philosoph - und daher in alten griechischen Zeiten auch fürs Psychotherapeutische und Psychiatrische zuständig - rechnet die Liebe dem Wahnsinn zu. Im Gegensatz zu den durch menschliche Krankheiten verursachten Wahnsinnsformen - heute würde man wahrscheinlich von körperlich begründbaren Psychosen sprechen -, zählt Platon jedoch die Liebe zu den göttlich verursachten Wahnsinnsformen. Im psychiatrischen Lehrgebäude Platons ist jede Seele zunächst göttlich. Sie besitzt ein Gefieder und durchfliegt immer in Begleitung eines anderen Gottes, d.h. einer ebenfalls gefiederten göttlichen Seele, das All. Da auch Götter nur Menschen sind, verliert die Seele bald ihr Gefieder und findet sich auf der Erde in einem menschlichen Körper wieder. Ein wahrlich bedauernswerter Zustand für göttliche Seelen. Trifft nun diese gefiederlose menschlich verkörperte Seele einen anderen Menschen, in dessen Körper die Seele eingeschlossen ist, mit der die eigene Seele als göttlicher Begleiter einst durchs All streifte, steht dem göttlichen Wahnsinn nichts mehr im Wege. Der göttliche Wahnsinn kann beginnen: Es ergreift die Seele eine gewaltige Aufregung, in der sie ihrer selbst nicht mehr mächtig ist. Es überkommt sie ein Schauer, eine Veränderung der Stimmung, Schweiß bricht aus, und es entsteht eine ungewohnte Hitze, die das Gefieder der Seele zum Keimen bringt und sie beflügelt, so dass es zu den bekannten erhebenden Levitationserlebnissen kommen kann, in denen Himmelfahrten und ein Schweben über den Wolken, wo die Freiheit ja bekanntlich grenzenlos sein soll, glaubwürdig berichtet werden, zumindest überzeugend, wenn auch häufig Physiker und Naturwissenschaftler zaghaft Einspruch erheben mögen. (A. Retzer. Liebesgeschichten. In A. Fett (Hrsg.), Männer, Frauen, Süchte (S.140). Lambertus.)

Interessant anzumerken dabei, daß bereits Platon keinen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht in Bezug auf die gegenseitige Anziehung machte.

Da sich unser Projektthema vordergründig auf viele technische Details bezieht, haben wir noch etwas in der näheren Vergangenheit nach einem ,,Basislager" für unsere Ausführungen gesucht. Und gefunden.

Lord George Gordon Byron. Zu seiner Zeit eine exzentrische Figur, ein erfolgreicher englischer Dichter. Nach Meyer´s Handbuch der Literatur ist er ein ,,Romantiker sowohl im Leben wie im Werk" (Meyer´s Handbuch der Literatur). Aber nicht er interessiert uns in Bezug auf das Thema dieser Hausarbeit.

Am 10. Dezember 1815 bringt Anna Isabella Lady Byron in London eine Tochter zur Welt - namens Ada Augusta. 2 Monate später trennen sich die Byrons. Ada Augusta lernt ihren Vater nie kennen. Er stirbt 1824.

Ada Augusta Lady Byron genießt eine strenge Erziehung durch ihre Mutter und lebt zurückgezogen bei ihr. Ein ehemaliger Cambridge-Professor wird ihr Hauslehrer. Zu Beginn der 30iger Jahre wird sie in die Londoner Gesellschaft und die wissenschaftlichen Zirkel eingeführt.

Mathematisch hochbegabt, und ambitioniert lernt sie Charles Babbage kennen. Er arbeitet zu dieser Zeit an der ,,Difference Engine" (einer Rechenmaschine). Ende der 30iger Jahre, verheiratet, Hausfrau, Mutter von 3 Kindern, beginnt sie einen Mathematik-Fernkurs mittels Briefkorrespondenz mit einem Londoner Mathematik-Professor.

Lady Byron arbeitet an der ,,Analytical Engine" zur Berechnung Bernouillscher Zahlen von Charles Babbage. Durch sie erfolgt eine Korrektur von Ungereimtheiten im schematischen Ablauf und damit die erste verbürgte Fehlerfindung in einem ,,Computerprogramm".

Eine weitere Zusammenarbeit Byron/Babbage auf einigen Gebieten der Umsetzung von Formeln in Funktionsschritte findet statt - heutzutage ,,Codierung" genannt. Die Eleganz ihrer Programmierung würde mancher EDV-Anlage des 20. Jahrhunderts zur Glorie gereichen.

Gebührende Würdigung fand das Genie der Engländerin in einer 1940 gebauten Rechenmaschine. Es gab in dieser Maschine noch keine Sprungbefehle, diese konnten erst später hinzugesetzt werden - die theoretischen Grundlagen dazu wurden bereits 1840 geschaffen!

Das mathematische Talent der Ada Augusta und die Ergebnisse ihrer Arbeit werden frühzeitig erkannt. Doch sie selbst erntet keinen Dank. Lange Jahre schreibt sie auf Anraten ihres Mannes unter dem Pseudonym A.A.L.. Umso größer dann das Erstaunen in der Fachwelt, daß sich hinter den großartigen Leistungen eine Frau verbarg.

1852 stirbt die Mathematikerin, in Geldnöten befindlich, an Krebs in London. 1976 setzt die computerbefasste Fachwelt Ada Augusta Countess of Lovelace ein Denkmal. Die ,,Green Language", eine französische Computersprache, entwickelt für das US-Militär, wird in ,,ADA" umbenannt.

Wenn also das US-Militär mit seiner umfänglichen EDV echtzeitlich ADA redet - eine französische Sprache mit englischem Wortschatz - dann schwingt bei jedem Befehl ein kleiner Anerkennungsimpuls mit, Erinnerungsbit an die wenig bekannte Tatsache, dass der erste Programmierer der Welt eine Frau war!

Thema dieses Referats ist die Selbstdarstellung von Frauen und Männern im Internet. Hierzu ist das Inhaltsverzeichnis noch einmal graphisch aufbereitet dargestellt.

TU Chemnitz

Fachgebiet Differentielle Psychologie

Proseminar Geschlechterrollen und geschlechtstypisches Verhalten Referenten: Michael Fox, Manuel Strahija-Prosche

Datum: 17.01. 2000

Selbstdarstellung von Männern und Frauen im Internet

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Handout des Referates

2. Vorbereitung des Referats und Vorbemerkungen technischer Art

Die Realisierung des Projekts an sich brachte Probleme mit sich, die sich in vielfältiger Art und Weise manifestierten. Zum Medium Internet gibt es im deutschsprachigen Raum wenig Forschungsergebnisse, die sich auf das Thema beziehen. Das Referat war zudem als Projektarbeit geplant und wir als Referenten mit einigen Artikeln, WWW-Links und Suchmöglichkeiten als Starthilfe ausgestattet. Hieraus ergab sich eine Einstiegsmöglichkeit, um in Literaturdatenbanken, im WWW, in der Bibliothek und in Zeitschriften mit der Recherche zu beginnen. Hierbei bezogen wir uns auf die deutsche Sprache als Standardsprache.

2.1. Literaturdatenbanken

Unsere erste Station waren dann auch die Literaturdatenbanken Psyndex und PsycLit in der Universitätsbibliothek. Die Suche erfolgte nach folgenden Kriterien:

1. Sucheingabe: Geschlechtsunterschiede
2. Sucheingabe: Selbstdarstellung
3. Sucheingabe: Internet
4. Sucheingabe: Männer und Frauen

Allein bei der Eingabe des Suchmerkmals -Geschlechtsunterschiede- werden 2434 Treffer angezeigt (vgl. Anhang, Grafik 1).

4 Suchergebnisse wurden bei einer ,,Und-Verknüpfung" von -Selbstdarstellung und Internet- gefunden (vgl. Anhang, Grafik 2).

Das Suchergebnis war in sofern wertvoll, als das die hier genannten Autoren einen Einstieg in die Thematik bedeuteten.

2.2. Das WWW

Das Internet als Informationsmedium bot eine unermessliche Fülle an Informationen zu unserem Thema. Dies wollen wir am Beispiel des Suchergebnisses eines Verzeichnisdienstes zeigen (vgl. Anhang, Grafik 3).

Allein von diesem deutschen Verzeichnisdienst (YAHOO) wurden 153 deutschsprachige Ergebnisse (Suchmerkmal -Geschlechtsunterschiede-) gefunden. Gleich der erste angezeigte Treffer ließ uns auf die Uni Bern aufmerksam werden. Unsere Literaturquellen beziehen sich zum Teil auf Projekte der Uni Bern.

2.3. Zeitschriften, Links, Artikel

Ebenso sind wir gestartet mit einigen Artikeln und auch Web-Links, die Wissenswertes zum Thema, Skurriles, Haarsträubendes enthielten. Hier fanden sich Informationen, um das Themenspektrum auszuloten, es einzugrenzen, ,,sehenswerte" Beispiele zu finden.

http://www.frauenland.de/ - Webring von Geschäftsfrauen für Geschäftsfrauen

http://www.frauen-ans-netz.de/index.html - bundesweite Initiative http://www.icf.de/hausfrau/mmm.shtml - Mütter mit Modem http://www.hausfrauenseite.de/ - selbstredend http://www.kfs.org/~kashka/ammd.html - All Men Must Die - Page http://www.gabnet.com/ - German Academic Brainpool

3. Das Internet als Medium: Entstehung und Definition

Dargestellt wurden bereits das Geschlechterverhältnis in der Antike und der Beginn der Programmierkunst.

Im Folgenden soll nun ein Überblick über das Medium Internet gegeben werden.

Wie wird das Internet heute definiert, wie ist es entstanden und welche Bedeutung hat es für die Gesellschaft und für die Psychologie?

3.1. Entstehung des heute bekannten Internets

Der historische Ursprung der Netzwerke reicht bis ins Jahr 1969 zurück (vgl. Abbildung 2). Die ARPA (Advanced Research Project Agency) begann 1969 nach dem Sputnikschock mit der Entwicklung eines Rechnernetzes genannt ARPANet. Es sollte einen möglichst störungsresistenten Datenaustausch zunächst im Militärwesen und dann auch in der Wissenschaft bieten. Es stellte sich jedoch bald heraus, daß dieses hauptsächlich zum Datentransfer (FTP-Dienst) errichtete Netzwerk in viel größerem Umfang auch zum Verschicken privater Mitteilungen über den Email-Dienst genutzt wurde.

Ein weiterer Meilenstein in der Entstehung des heute bekannten Internets war das 1973 ins Leben gerufene Internet Projekt. Die im Rahmen dieses Projektes eingeführte Protokollfamilie TCP/IP (Transmission Control Protocol / Internet Protocol) ermöglichte erstmals den Datenaustausch mit anderen Netzwerken, die im Lauf der Jahre entstanden sind. Eine wesentlich breiter gefächerte Vernetzung als sie mit den ursprünglichen ARPANet- Protokollen möglich war, entstand und immer mehr Organisationen schlossen ihre Rechnernetze an das nun ARPA Internet genannte Netzwerk an.

Seit etwa Mitte der 80er Jahre spricht man nun nicht mehr vom ARPA Internet, sondern nur noch vom Internet oder wie man es heute zunehmend hört, vom Netz.

Insbesondere seit 1985 ist ein sehr starker Zuwachs an Onlinern zu verzeichnen. Prognosen

der rasant ansteigenden Teilnehmerzahl im Internet gehen im Jahre 2002 von 27,3 Mio. allein in Deutschland aus (vgl. Abbildungen 3, 4,5).

Weitere Informationen zur Geschichte des Internet: http://www.isoc.org/internet/history/

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Nicola Döring Sozialpsychologie des Internet Hogrefe-Verlag 1999

Abbildung 3 - Netzteilnehmer bis 1985 (weltweit)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Nicola Döring Sozialpsychologie des Internet Hogrefe-Verlag 1999

Abbildung 4 - Netzteilnehmer ab 1986 (weltweit)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Stern 51 /1999

Abbildung 5 - Internetteilnehmer ab 1997 (Deutschland)

3.2. Definition und Struktur des Internet

Auch wenn eine exakte Definition des Internet strittig ist, so verdeutlicht doch folgende mögliche Definition, was das Internet heute darstellt, bzw. beinhaltet:

Das Internet ist einNetz der Netze, daß ganze Netzwerke zusammenfaßt. Einzelne Netze, sog. Intranets, wie z. B. die Netzwerke von Schulen, Unis oder Firmen, sind im Internet zu einer Ansammlung von Informationsressourcen vereint.

Man unterscheidet heute drei Hauptbereiche des Internet. Kern-Internet, Konsumenten- Internet und Matrix. Zum Kern-Internet gehören Anbieter von Dienst-Rechnern (Server) und Anbieter von öffentlichen und Teilöffentlichen Diensten wie FTP-Archiven oder Datenbanken. Teilnehmer des Konsumenten-Internet nutzen die angebotenen Dienste des Internet, bieten selbst aber keinen Dienst oder Zugriff auf ihren Rechner an. Ein Beispiel hierfür wären Firmenrechner die aus Sicherheitsgründen vor dem Zugriff durch Außenstehende geschützt sind.

Zur Matrix schließlich gehört jeder der Zugang zu öffentlichen Netzwerken hat und wenn die Möglichkeit Emails zu versenden, gegeben ist.

Das Internet besitzt eine Informationsfunktion und eine Kommunikationsfunktion, die sich in ein Bündel von Netzwerkdiensten gliedert. Die Wichtigsten hiervon sind WWW (WorldWide Web), Online Dienste und Mailboxdienste.

Das WWW ist ein dezentraler Dienst, bei dem es keinen bestimmten Anfang bzw. kein bestimmtes Ende gibt. Jede Seite ist über Links und jeweilige Adressen von jedem beliebigen Startpunkt aus erreichbar, alle Angebote stehen gleichberechtigt vernetzt nebeneinander.

Online Dienste wie AOL (America Online) oder T-Online sind geschlossene Netze, in die man sich über bestehende Knoten einwählt. Sie bieten dem WWW gegenüber ein eingeschränktes Angebot, garantieren allerdings auch eine höhere Datensicherheit.

Heutzutage fungieren die meisten Online Dienste auch als Internet Provider, d. h. sie ermöglichen ihren Kunden zusätzlich zu ihren Angeboten einen Zugang zum World Wide Web.

Mailboxdienste sind theoretisch vom Internet unabhängig. Sie ermöglichen das Versenden von Emails und das Lesen von Newsgroups. Die Einwahl erfolgt über die Telefonleitung wie auch bei den anderen Diensten. Allerdings ist hierfür kein Webbrowser (Programm zum Anzeigen von Internetseiten) notwendig, Mailboxdienste sind wie gesagt unabhängig von WWW oder Online Diensten, werden aber häufig parallel benutzt.

Das Internet bietet als Medium der Zukunft eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten, die sich rasant vermehren. Es ist somit offensichtlich, daß das Internet einen starken Einfluß auf soziale Strukturen, die Gesellschaft und das Individuum hat und zunehmend haben wird.

4. Gesellschaftliche Bedeutung des Internet

Das heute allen bekannte Internet ist, obgleich, wie in Abschnitt 3 erwähnt, die Vorläufer bis ins Jahr 1969 zurückgehen, hauptsächlich eine Entwicklung der Computerneuzeit. Erst seit ungefähr 1993 weist es eine starke kulturelle Präsenz auf, ist seitdem aber nicht mehr wegzudenken.

Weltweit wird das Medium Internet von Firmen, Schulen, Zeitschriften und zunehmend auch von Privatpersonen zur Information, Kommunikation oder Werbung etc. genutzt. Auch die altbekannten Medien Presse, Rundfunk und Fernsehen verweisen zunehmend auch auf die Angebote im Internet. In den USA beispielsweise läuft kaum noch ein Werbespot im Fernsehen, bei dem keine WWW-Adresse angegeben wird, die meisten bekannten Zeitschriften bieten bereits eine Online-Version im Internet an und Wirtschaftsunternehmen bringen immer mehr Werbung im Netz. Im Jahr 1996 wurde die Initiative ,,Schulen ans Netz" ins Leben gerufen, die die Internetanbindung von etwa 10.000 Schulen innerhalb von drei Jahren gewährleisten soll und seit das Internet auch für Privatpersonen rentabel ist, wird die Möglichkeit der persönlichen Kommunikation immer mehr genutzt. Kurzum, das Internet ist heutzutage potentiell in allen gesellschaftlichen Schichten von Bedeutung, in vielen wird es bereits täglich genutzt.

Was aber bringt ein derartiger Boom eines Mediums mit sich? Sicher sind nicht nur Vorteile mit dem Internet verbunden, doch spricht das anhaltende Wachstum auch gegen gänzlich negative Einflüsse.

Klar ist, daß die zunehmende Vernetzung zu einem strukturellen Wandel der Gesellschaft führt. Die moderne Industriegesellschaft verwandelt sich zunehmend in eine Informationsgesellschaft, bei der ein produktiver Umgang mit Information eine herausragende Rolle spielt. Einerseits wird dies als eine Gefahr für die lokale Wirtschaft und deren Arbeitsmärkte gesehen, andererseits bringen Informatisierung und die damit einhergehende Globalisierung auch neue Arbeitsplätze und Absatzmärkte mit sich. Weiterhin ist eine Individualisierung als Folge der zunehmenden Vernetzung festzustellen.

Oft als Kritikpunkt angesehen, der mit Argumenten wie einem Werteverfall, einer Überforderung oder einer Zersplitterung der Gesellschaft begründet wird, sehen andere die Individualisierung als eine positive Möglichkeit für ein vielfältigeres Bild an Lebensmodellen und ein Loskommen vom Zwang zur Einheitlichkeit. Für Manche mag das Netz eine Flucht aus dem Alltag sein, ja gar zu einer Scheinwelt werden, für einen Großteil aber bietet es eine Vielfalt an neuen Kontakt- und Entfaltungsmöglichkeiten.

Letztendlich ist es mit dem Internet wohl wie bei allem im Leben. Eine Mischung aus Pro und Contra, immer auch beeinflußt vom Nutzungsverhalten und der Persönlichkeit des Einzelnen, wobei die Frage, ob nun Vor- oder Nachteile überwiegen, wohl noch lange Anstoß zu Diskussionen sein wird.

5. Nutzer und Anbieter im Internet

Im Sinne der in Abschnitt 3.2. gemachten Unterscheidung zwischen der Kommunikations- und Informationsfunktion des Internets lässt sich eine Unterscheidung nach Nutzern und Anbietern schwer nachvollziehen. Das WWW kann mit einem Archiv oder einer Datenbank verglichen werden. Zur Information kann das WWW nach dem Push-Prinzip genutzt werden. Hierbei werden Informationen zu selbstdefinierten Themen automatisch auf dem Monitor eingespielt. Einschlägiger ist generell die Nutzung nach dem Pull-Prinzip. Top-Down-Suchen (gezieltes Suchen mit Indizes, Suchmaschinen, Linklisten), Bottom-Up-Finden (Suchziel wird im Zuge spontaner Suchbewegungen ggf. noch präzisiert oder modifiziert) sind hier nur 2 Möglichkeiten, nach denen vorgegangen werden kann. ,,Kommunikativ" wird das Internet z.B. durch die Diskursivierung von Informationsangeboten. In der Regel kann direkt von der Webseite aus eine Rückfrage oder ein Kommentar an den Seitenautor oder die Seitenautorin gesendet werden - im Gegensatz zu Druckerzeugnissen. Ebenfalls stellen Privatpersonen Informationen im WWW bereit. Dies sind zum einen Serviceleistungen für die Netzgemeinschaft, zum anderen persönliche Homepages. Beides trägt zur Netzpräsenz bei. Es existieren eine Reihe kostenloser, durch Werbung finanzierte, Web-Dienste, die helfen, Medienbrüche - und damit verbundene Kommunikationshürden - zu überwinden. Web- basierte Botschaften werden wahlweise weitergeleitet als postalischer Brief, als Telefax, als SMS auf ein Handy oder als Pager-Nachricht. Die Nutzung bzw. Bereitstellung erfolgt nun in einem Wechselspiel, sog. ,,Geben und Nehmen". Deswegen möchten wir nur Gruppen unterscheiden, die gleichzeitig Nutzer und Anbieter sind.

Dies wären im groben Wirtschaftsunternehmen und Staat (z.B. Homepage der Firma Jaguar - vgl. Anhang, Grafik 4), Schulen und Bildung (z.B. Initiative ,Schulen ans Netz' - vgl. Anhang,

Grafik 5, University of Oxford - vgl. Anhang, Grafik 6, Homepage der TU-Chemnitz - vgl. Anhang, Grafik 7) und private Anbieter.

Im privaten Bereich bieten Webringe ein breites Spektrum, um Forschung zu unserem Thema zu betreiben. Erstens wurden in der Studie auf die wir uns später beziehen, Homepages auf Webringe untersucht. Zweitens fanden wir selbst bei unserer Recherche viele anschauliche Beispielseiten und bekamen einen Einblick in unterschiedliche Themenbereiche ( http://www.hausfrauenseite.de , http://www.cyberwyber.de , http://www.männerseiten.de ).

6. Zeitversetzte (asynchrone) Kommunikation vs. zeitgleiche (synchrone) Kommunikation

Im Internet werden eine Reihe von Diensten und Anwendungen realisiert, die sich grob in 4 funktionale Gruppen einteilen lassen:

- Steuerung entfernter Rechner (Telnet-Basisdienst)
- Dateitransfer (FTP-Basisdienst)
- Zwischenmenschliche Kommunikation (Email-Basisdienst und andere Dienste)
- Informationspräsentation

Ausgehend von den drei ARPA-Net-Basisdiensten (zum ARPA-Net siehe Abschnitt 3) Telnet, FTP und Email, die noch heute eine zentrale Bedeutung im Internet haben, wurden zahlreiche weitere Dienste und Anwendungen entwickelt - insbesondere solche, die der Informationspräsentation und der zwischenmenschlichen Kommunikation dienen. Dabei ist zu beachten, dass die Technik selbst lediglich digitale Daten transportiert, die erst dann zu bedeutungsvollen Informationen oder sozialen Kommunikationsakten werden, wenn Menschen im wechselseitigen Bezug aufeinander aktiv mit ihren Gedanken, Gefühlen und Handlungen involviert sind. Uns interessieren in erster Linie die kommunikativen Internet- Dienste. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

- Zeitversetzte (asynchrone) Dienste
- Zeitgleiche (synchrone) Dienste

6.1. Zeitversetzte computervermittelte Kommunikation (CvK)

Ein von der persönlichen Begegnung deutlich abweichender interpersonaler Austausch (über Email usw.) wird als CvK, Computervermittelte Kommunikation, bezeichnet.

Wie ist CvK zu verstehen?

Die natürliche Grundform zwischenmenschlicher Kommunikation ist die face-to-face- Kommunikation. Kennzeichnend ist die körperliche Kopräsenz und der Austausch verbaler, paraverbaler und nonverbaler Botschaften. Bei der Rezeption, Produktion und Interpretation von Botschaften erfolgt der Einsatz aller Sinnesmodalitäten - Sehen, Hören, Riechen, Schmecken., Fühlen.

Kommunikationsmedien dagegen befreien die interpersonale Kommunikation von der Restriktion oder dem Vergnügen der Kopräsenz. Dies ermöglicht zum Beispiel den Kontakt zu räumlich weit entfernten Personen.

Bei zeitversetzter ( asynchroner) Telekommunikation werden die Botschaften aufgezeichnet oder aufgeschrieben, mit zeitlicher Verzögerung zur Zielperson transportiert bzw. für sie zum Abruf bereitgehalten und erst dann (vielleicht) rezipiert (Brief, Mail, Telefax).

Bei zeitgleicher (synchroner) Telekommunikation wird eine wechselseitige Kommunikationsverbindung hergestellt. Die Beteiligten sind also zur gleichen Zeit aktiv, unmittelbare Rückkopplung ist möglich (Telefonieren, Chatten).

Die Nutzung dieser Medien durch Privatpersonen zum Beispiel erfolgt überwiegend durch eine Mischung der synchronen und asynchronen Kommunikation. Man lernt sich beim Chatten kennen, besucht die Homepage des Chatpartners, telefoniert vielleicht sogar oder hält eine Videokonferenz ab.

6.1.1. Dienste der zeitversetzten (asynchronen) Kommunikation

Email,

ist der zeitversetzte Austausch von Textbotschaften im Internet. Voraussetzung für die Email- Kommunikation ist das Vorhandensein einer Email-Adresse, entsprechender Mailsoftware, einem Rechner und einem Internetzugang. Möglich sind die Anonymisierung und Verschlüsselung von Emails. Besondere Probleme bringt der Datenschutz im Mailverkehr mit sich, insbesondere die Vertraulichkeit (Schutz der Nachricht vor Einsichtnahme durch Unbefugte), die Unbeobachtetheit (Schutz der Kommunikationsumstände und der Information darüber, dass überhaupt Kommunikation stattgefunden hat), die Integrität der Nachricht (Schutz der Email vor Veränderung des Inhalts während der Übermittlung) und die Authentifizierbarkeit des Absenders (Schutz einer Email vor Veränderung der Absenderadresse). Ein effizientes Mittel zur Sicherstellung der eben genannten Mittel ist die Verschlüsselung von Botschaften (Kryptographie) samt elektronischer Unterschrift.

Expressive Darstellungsmittel in Emails sind Emoticons, ASCII-Art, Soundwörter, Aktionswörter und Disclaimer. Der Aufbau einer Mail erfolgt aus Header, Body und Signature. Der Aufbau und teilweise die Darstellungsmittel sind in dem nachfolgenden Beispiel einer Mail Dargestellt.

Mailinglisten,

sind ein schriftliches Forum zu einem definierten Thema. Nach dem Einschreiben in die Mailingliste können Emails in die Liste geschickt werden, außerdem erfolgt ein automatischer Erhalt aller Beiträge von Listenmitgliedern. Nach dem Push-Prinzip erfolgt ein passives Versorgtwerden mit Informationen.

Newsgroups,

sind ein schriftliches Austauschforum zu einem definierten Thema. Nach dem Pull-Prinzip erfolgt ein aktives Besorgen der Informationen von sogenannten Newsservern.

WWW-Seiten,

sind elektronische Dokumente, die Texte, Fotos, Grafiken u.a. enthalten. Diese Dokumente sind durch Verweise (Links) mit anderen Dokumenten verknüpft. Auf die Informations- und Kommunikationsfunktion des Internet wurde bereits aktiv in Abschnitt 4 eingegangen.

6.2. Dienste der zeitgleichen (synchronen) Kommunikation

Chat,

bedeutet das unmittelbare Erscheinen der Tastatureingaben auf dem Monitor einer anderen Person. Ein synchroner, textbasierter Dialog kommt zustande. Auf die Bedeutung von Nicknames, Akronyme und Emoting gehen in wir in Abschnitt 9 näher ein.

Ebenso an dieser Stelle sind die Internet-Telefonie und die Videokonferenz zu nennen, auf die wir aber nicht näher eingehen.

7. Selbstdarstellung und Eindrucksbildung

7.1. Theorie der Selbstdarstellung und Eindrucksbildung

Die Idee, die Selbstdarstellung von Personen im Internet zu untersuchen, stellte an uns auch zunächst einmal die Frage, was der Begriff Selbstdarstellung eigentlich bedeutet und nach welchen Kriterien wir zu suchen beginnen sollten. So galt es zunächst, sich ein Bild der Begriffe Selbstdarstellung und Identität zu machen und diese näher zu definieren.

Die Selbstdarstellung basiert in erster Linie auf den Identitätsmerkmalen der jeweiligen Person und der daraus resultierenden Selbstinterpretation. Unter Identitätsmerkmalen sind hierbei nicht nur die klassischen Angaben gemeint, wie sie auf Dokumenten und Ausweisen zu finden sind, sondern vielmehr die Persönlichkeitsattribute. Früher ab einem bestimmten Entwicklungsschritt als relativ starr betrachtet, wird heute ein dynamisches, sich veränderndes Modell der Identität in den Mittelpunkt gestellt. Die Identität, oder besser die individuelle Selbstinterpretation aufgrund der Identitätsmerkmale beinhaltet drei funktionale Ebenen selbstbezogener Inhalte.

Einerseits kognitiv-beschreibende, auf denen das Selbstkonzept beruht, also das selbstbezogene Wissen, erworben durch Selbstbeobachtung, weiterhin emotional-bewertende Inhalte, verantwortlich für das Selbstwertgefühl und schließlich konativ-handlungsleitende. Letztere bilden die Selbstwirksamkeit, die Überzeugung von der eigenen Handlungsfähigkeit. Als Identität werden nun alle subjektiv wichtigen Selbst-Aspekte dieser drei funktionalen Ebenen verstanden. Zusätzlich spielen potentielle Selbstinhalte, was aus einem werden könnte, eine Rolle.

Im Medium Internet begegnen einem vor allem sogenannte individuelle und kollektive Identitäten. Bei ersteren identifizieren sich die betroffenen Personen durch individuelle Besonderheiten, wie zum Beispiel körperliche Attribute oder Interessen. Bei kollektiven Identitäten findet eine Identifikation mit Merkmalen einer bestimmten sozialen Gruppe, beispielsweise Fußballfans, Anhänger einer best. Musikrichtung oder gar Sektenmitglieder, statt.

Die Selbstdarstellung ist die Darstellung der eigenen Identität, wie oben genannt natürlich subjektiv. Häufig richtet sich diese Darstellung der eigenen Identität nach subjektiven Normen, aber auch die Orientierung der Selbstdarstellung an Selbstansprüchen, wie z.B. bei der Eigenwerbung, ist nicht zu vernachlässigen.

Das Verhalten bei der Selbstdarstellung, wobei letztendlich jegliches Verhalten teilweise als eine gewisse Darstellung der eigenen Persönlichkeit und Identität angesehen werden kann, ist oft so gerichtet um bei den Anwesenden und denen welchen das Verhalten bekannt werden könnte einen günstigen Eindruck zu hinterlassen. Meistens ist dieser gewünschte Eindruck zielkonform , d.h. er muß nicht zwangsläufig positiv sein (in manchen Situationen kann es z.B. günstig sein, inkompetent oder unsympathisch zu erscheinen).

7.2. Variablen, welche die Selbstdarstellung beeinflussen

Insgesamt gibt es folgend sieben wichtigen Variablen, welche die Selbstdarstellung beeinflussen:

1. Öffentlichkeit

Die Wahrscheinlichkeit, inwiefern das Verhalten öffentlich bekannt ist oder werden kann hat einen starken Einfluß auf die Selbstdarstellung.

2. Adressat / Art des Publikums

Die Selbstdarstellung muß auf die Erwartungen und Interpretationsmöglichkeiten des Publikums abgestimmt sein, um erfolgreich zu sein.

3. Art des Kontaktes / der Beziehung

Je länger und intensiver der Kontakt zum Publikum ist, um so besser ist eine Abstimmung des Verhaltens möglich. Allerdings muß bei längeren Beziehungen auch das Selbstbild des Publikums beachtet werden.

4. Intention

Die gewählte Selbstdarstellung hängt vom beabsichtigten Ziel ab. Man unterscheidet in erster Linie defensive Zielsetzungen (negativen Eindruck verhindern) und assertive Zielsetzungen (positiven Eindruck erzeugen).

5. Inhaltsbereich

Die Selbstdarstellungsziele beziehen sich auf einen bestimmten Inhaltsbereich, der unter anderem relevant für die Überprüfbarkeit der Selbstdarstellung ist (z.B. Eigen- werbung durch Wissen in einem best. Bereich).

6. Selbstaufmerksamkeit

Die Selbstdarstellung hängt auch stark davon ab, wie sehr einem bewußt ist, daß er von anderen beobachtet oder beurteilt wird. Bei hoher externer Beobachtung ist ge- zielte Selbstdarstellung wahrscheinlicher (vgl. Self-Monitoring nach Snyder)

7. Selbstwirksamkeit der Selbstdarstellung

Eine Person muß davon überzeugt sein, den gewünschten Eindruck erfolgreich er- zeugen zu können.

Die Eindrucksbildung letztendlich basiert stark auf der eben beschriebenen Selbstdarstellung. Sie beschäftigt sich damit, wie sich die Menschen ein Bild voneinander machen, wobei die jeweilige Darstellung der eigenen Identität eine maßgebende Rolle spielt.

Bei der Einschätzung anderer Menschen urteilen wir zunächst oft aufgrund deren Selbstdarstellung, egal ob sie zutreffend ist oder nicht. Die Darstellung der Identität läßt sich aber nicht auf eine Täuschung der anderen reduzieren. Selbstdarstellung und Eindrucksbildung erfüllen auch wichtige prosoziale Funktionen, wie z. B. Konfliktvermeidung und soziale Unterstützung.

Im Gegensatz zur stereotypen Beurteilung kollektiver Identitäten wird durch die Präsentation der individuellen Identitäten und der daraus resultierenden Konstruktionsprozesse der Eindrucksbildung ein eher differenziertes Bild geschaffen.

Nachdem nun die theoretischen Aspekte unseres Referats geklärt sind, versuchen wir die Theorien auf das Medium Internet zu beziehen.

Bei einem Massenmedium wie dem Internet begegnet man häufig bestimmten Selbstdarstellungen, wobei natürlich insbesondere bei Personen die man nie persönlich

kennenlernt immer die Frage offen bleibt, inwiefern deren Selbstdarstellung der Wahrheit entspricht.

Eine erste Studie auf die wir zu diesem Punkt gestoßen sind, wurde 1996 von Buten durchgeführt. Von 316 zufällig ausgewählten Homepages wurden die Besitzer zum Wahrheitsgehalt der darauf gemachten Angaben befragt. Buten erhielt 121 auswertbare Antwortbögen, wobei hiervon 91% die Angabe machten auf ihrer Homepage umfangreich, wahrheitsgetreue Aussagen zu machen. Untersuchungen derselben Studie bezüglich den im Chat gemachten Aussagen führten zu ähnlichen Ergebnissen.

Im weiteren Verlauf des Projekts beschäftigten wir uns nun im Speziellen auch mit der Selbstdarstellung auf Homepages und im Chat.

8. Studie - Geschlechtsunterschiede in Bezug auf die Gestaltung privater Homepages

Absicht dieser Studie war es, herauszufinden, wie Frauen und Männer ihre Homepages im Netz präsentieren. Homepages nehmen im Internet die Funktion von Visitenkarten von Firmen oder Privatpersonen ein (Pantle, 1996). Uns interessieren ausschließlich private Seiten.

Der Begriff ,,Homepage" wird dabei aber nicht einheitlich verwendet. Zum Teil wird er nur für die erste Seite gebraucht, zum Teil werden damit alle Seiten (ganze Präsentation) bezeichnet. In dieser Arbeit bezieht sich der Begriff ,,Homepage" jeweils auf die ganze Präsentation.

Herausgefunden werden sollte, ob und welche Unterschiede es zwischen den Seiten von Frauen und Männern gibt, und ob sich bestimmte Regelmäßigkeiten manifestieren.

Dazu wurden unter anderem folgende Aussagen untersucht: Zum kommunikativen Verhalten:

- nach Herring (1994) lässt sich der männliche Online-Stil als dominant bis aggressiv beschreiben und enthält oft Behauptungen, Dispute, ausführliche und/oder häufige Selbstdarstellungen und ,,self-promotion"
- Demgegenüber ist der weibliche Online-Stil charakterisiert durch kommunikative Formen der Unterstützung, wie z.B. Anerkennung, Gesprächs- bzw. Beziehungsarbeit und das Einbringen neuer Ideen.
- Gemäss Pantle (1996) bieten Frauen eher ,,Mit-Mach-Möglichkeiten" an, z.B. Kurzgeschichten einzusenden, die dann auf der Homepage veröffentlicht werden.

Zu Netzverbindungen und Inhalte:

- Frauen im Netz sind immer noch in der Minderheit (Pantle, 1996)
- nach Schründer-Lenzen (1995) ist das Interesse der mathematisch hochbegabten Frauen auf geistig-kulturelle Aktivitäten gerichtet, wie Musik, Literatur, Theater und Ausstellungen.

Zur Selbstdarstellung:

- nach Schründer-Lenzen (1995) benutzen Männer die Sprache, um auf sich aufmerksam zu machen, während für Frauen die Sprache vermehrt eine kommunikative Funktion hat, d.h. sie setzen sie ein für Beziehungsarbeit. Fotos stellen einen weiteren Aspekt der Selbstdarstellung dar.

folgende Kriterien wurden untersucht: Länge des Lebenslaufes, Art, Anzahl, Größe der Fotos, Vorhandenseins eines Zählers

Explorative Fragestellungen:

Des weiteren wurden folgende Punkte bezüglich Geschlechtsunterschiede analysiert:

- Anzahl verwendeter Farben
- Anzahl Ebenen
- Gästebuch
- Aktualisierung der Homepage
- E-mail-Adresse, Privatadresse, Telefonnummer

Zu Animationen:

Gemäss Ausführungen von Turkle (1984) schätzen Frauen bei Computern spielerische Elemente wie z.B. Animationen, während für Männer der Anreiz der Animationen eher im technischen Bereich zu suchen ist.

Die Durchführung erfolgte durch Analyse der Homepages mittels eines Bewertungsbogens Untersucht wurden die Homepages von 60 Personen, 30 davon von Männern, 30 von Frauen.

8.1. RESULTATE

8.1.1. Gestaltung der Homepages

a) Anzahl Animationen: Zwei Drittel der Versuchspersonen, 18 Frauen und 22 Männer, verwendeten auf ihren Homepages Animationen. Bei diesen zeigt sich, dass Frauen mehr Animationen einsetzen (Abbildung 1). Der Geschlechtsunterschied ist nicht signifikant (t=1.55,p<0.13), zeigt jedoch eine Tendenz in die erwartete Richtung .
b) Farben: 55% der Personen verwendeten zwischen 2 und 4 Farben auf ihrer Homepage bezüglich Schrift und Hintergrund (Graphiken wurden nicht mitgezählt). 30% brauchten 5 bis 8 Farben, 15% mehr als 8 Farben. Die Geschlechtsunterschiede sind nicht signifikant (LR= 13.48,p< 0.20).
c) Anzahl externe Links: Frauen haben durchschnittlich mehr externe Links (d.h. Links, die nicht im gleichen Verzeichnis wie die Homepage liegen), wie Abbildung 2 verdeutlicht. Der Unterschied ist jedoch nicht signifikant (t=1.32,p< 0.19) .
d) Themen der externen Links:

Nach der Datenerhebung wurden die Themen in die folgenden 9 Kategorien zusammengefaßt (siehe Anhang):

1. Beruf : Bei 31.7% war der Beruf ein Thema der Links.
2. Freizeit (Sport, Hobbys, Vereine): Bei 48.3% der Personen war die Freizeit ein Thema der Links, und zwar häufiger bei den Frauen als bei den Männern. Die Differenz zwischen den Geschlechtern ist tendenziell zu erkennen, jedoch nicht signifikant (LR= 3.30,p< 0.069).
3. Unterhaltung, Medien, Kunst, Musik: Bei 60% der Personen ist dies ein Thema, nur die nächste Kategorie kam noch häufiger vor:
4. Internet, Computer: 61.7% der Personen hatten auf ihrer Homepage Links zu Computerthemen (Software, Suchmaschinen, Java, Chat usw.)
5. Reisen, Kultur: 25% der Personen hatten Links zu den Themen Reisen, Kultur, Völker, Tourismus.
6. Politik, Recht, Philosophie, Wissenschaft: Bei 11.7% waren diese Themen vertreten. Zu beachten ist, dass es bei vielen Providern und Universitäten untersagt ist, politische Propaganda zu veröffentlichen.
7. Religion, Esoterik: 2 Frauen hatten Links zu diesen Themen. Dies ist auch stichprobenbedingt, da auch Homepages aus einer Frauenliste berücksichtigt wurden, wo solche Themen vorherrschen.
8. Bekannte: 35% haben Links zu ihren Bekannten, 13 Frauen und 8 Männer. Somit konnte die Hypothese, dass Frauen mehr Links zu Bekannten haben, nicht bestätigt werden (LR= 1.85, p< 0.17) (vgl. Abbildung 9). Werden externe Links zum Thema 'Bekannte' angegeben?
9. Prominente: 18.3% haben Links zu Prominenten, 9 Frauen und 2 Männer, der Unterschied ist signifikant (LR= 5.82,p< 0.016) .

Werden externe Links zum Thema 'Prominente' angegeben?

e) Anzahl Ebenen: Die Mehrheit (31 von 60) hatten ihre Homepage in zwei Ebenen aufgebaut. 3 Personen hatten nur eine Ebene und 2 Personen sogar 6 Ebenen. Der Geschlechtsunterschied ist nicht signifikant (LR= 6.22,p< 0.29).

f) Gästebuch: 25% der Personen haben ein Gästebuch auf ihrer Homepage eingerichtet, 8 Männer und 7 Frauen.

g) Zähler: 32 von 60 Personen haben einen Zähler auf ihrer Homepage, der angibt, wie oft die Homepage schon besucht worden ist (inklusive der eigenen Besuche). Männer haben signifikant häufiger einen Zähler als Frauen (LR= 6.83,p< 0.009) (vgl. Abbildung 11).

Ist ein Zähler vorhanden?

h) Aktualisierung: 40% der Versuchspersonen machten auf der Homepage keine Angaben zur letzten Aktualisierung. Bei der Verteilung auf die Kategorien "im letzten halben Jahr", "vor einem Jahr" und "vor mehr als vor einem Jahr" ergaben sich keine signifikanten Unterschiede (LR=8.05,p< 0.09) zwischen den Geschlechtern.

8.1.2. Inhalte der Homepages

i) Foto

- Foto vorhanden: 42 von 60 Personen haben ein Foto von sich auf ihrer Homepage veröffentlicht, 22 Männer und 20 Frauen.
- Ebene, wo 1.Foto der Person erscheint : Von den 42 Personen, die ein Foto von sich auf der Homepage haben, haben es 18 Personen auf der 1.Ebene, 19 Personen auf der 2.Ebene und 5 Personen auf der 3. oder 4. Ebene. Es sind keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern festzustellen (LR= 2.09,p< 0.72).
- Grösse des 1.Fotos der Person: 22 haben ein kleines Foto (=Passfotogrösse), 15 ein mittelgrosses und 5 ein grosses Foto. Die Geschlechtsunterschiede sind nicht signifikant (LR= 3.9,p< 0.28).
- Art des 1.Fotos: 55% der Fotos, die zuerst auf der Homepage erscheinen, sind neutral (z.B. ein Passfoto), 30% passiv (die Person ist im Hintergrund), und 15% aktiv (die Person ist bei einer aktiven Tätigkeit abgebildet). Unterschiede zwischen Frauen und Männern gibt es fast keine (LR= 2.28,p< 0.52).
- Anzahl Fotos insgesamt: 22 Personen hatten 1 Foto und 13 Personen zwischen 2 und 5 Fotos. 6 Frauen und 1 Mann hatten mehr als 5 Fotos von sich auf der Homepage, dabei handelte es sich vor allem um Familienfotos, welche die Person zusammen mit Angehörigen oder Freunden zeigen (LR= 15.86p< 0.19).

j) Themen der Homepage:

Ähnlich wie bei den externen Links wurden die gefundenen Themen in 9 Kategorien zusammengefaßt (siehe Anhang):

1. Beruf: 23.3% der Personen hatten ihren Beruf als Thema der Homepage.
2. Freizeit, Haushalt: Bei 43.4% war ihre Freizeit oder der Haushalt ein Thema. Der Unterschied zwischen den Frauen (17) und Männern (9) ist signifikant (LR= 4.40p< 0.036).
3. Unterhaltung, Medien: Wie bei den externen Links war dies bei 60% der Personen ein Thema, bei 21 Frauen und 15 Männern (LR= 2.52,p< 0.11).
4. Internet, Computer, Technik: Bei 36.7% der Personen war dies ein Thema der Homepage.
5. Reisen, Kultur: Bei insgesamt 26.7% war dies ein Thema, bei 6 Frauen und 10 Männern von 60 Versuchspersonen.
6. Politik, Recht, Philosophie, Wissenschaft: 13.3% der Personen, je 4 Frauen und Männer, hatten dies als Thema. Beispiele: Frauenquote, humanitäre Organisationen, EU.
7. Religion, Esoterik: Dieses Thema fand man nur bei 4 Frauen (LR= 5.83,p< 0.016).
8. Eigene Person, Familie, Freunde: Bei einem Drittel der Personen (11 Frauen und 9 Männer) war dies speziell ein Thema, abgesehen davon, dass es in einer persönlichen Homepage sowieso um die eigene Person geht.
9. Interaktion: 15% haben irgendeine Form von Interaktionsmöglichkeiten auf ihrer Homepage: Fragen und Antworten, Wettbewerb, Quiz, Umfrage, Beratung.

Der Anteil von Frauen ist grösser (7 zu 2), doch die Hypothese, dass Frauen mehr Interaktionsmöglichkeiten auf ihren Homepages anbieten, kann nur tendenziell bestätigt werden (LR= 3.43,p< 0.064).

k) Lebenslauf: 22 Personen veröffentlichen gar keinen Lebenslauf, 8 Personen einen knappen mit nur wenig Zeilen, und je 15 Personen einen mittleren oder ausführlichen. Der Geschlechtsunterschied ist nicht signifikant (LR= 2.95,p< 0.40).

l) Interaktionsform

- Wird der Besucher direkt angesprochen?: 35 von 60 sprechen die Besucher auf der Homepage direkt an, 31 tun dies in den Themenbereichen der Homepage. Die Frauen stellen den grösseren Anteil, der Geschlechtsunterschied ist aber nicht signifikant.
- Schreib mir: 43 von 60 Versuchspersonen rufen auf ihren Homepages dazu auf, ihnen einen E-Mail zu schreiben, 23 Frauen und 20 Männer; der Unterschied ist nicht signifikant (LR= 0.74,p< 0.39).
- Gib Feedback: 21 Personen von 60 möchten gerne einen Kommentar zu ihrer Homepage haben, der Geschlechtsunterschied ist nicht signifikant (LR= 0.66,p< 0.42).
- Mach mit: 10 Personen von 60 riefen dazu auf bei etwas mitzumachen (z.B. Quiz, Wettbewerb) und zwar 8 Frauen und nur 2 Männer (LR= 4.58,p< 0.03). Diese signifikante Differenz zwischen den Geschlechtern bestätigt die Hypothese, dass die Frauen mehr Mit- Mach-Möglichkeiten auf ihren Homepages anbieten.

Wird der Besucher zum Mitmachen aufgefordert?

m) E-Mail Adresse/Private Adresse:

Fast alle Personen der Stichprobe verfügen über eine E-Mail Adresse, nur 2 Frauen gaben keine an. Die private Adresse, unter der sie erreichbar sind, gaben hingegen nur 8 von 60 Personen an. Die Telefonnummer wurde von 9 Personen angegeben, meistens diejenige des Büros.

8.3. Auswertung

8.3.1. Selbstdarstellung

Die Selbstdarstellung mittels Lebenslauf und Fotos ist bei Frauen und Männern sehr ähnlich. Entgegen den Erwartungen fanden sich kaum Unterschiede in bezug auf die Länge des Lebenslaufs, die Anzahl und Größe der Fotos oder die Darstellungsart (aktiv, neutral, passiv) auf den Fotos.

Die eigene Person als spezielles Thema der Homepage wird von Frauen und Männern etwa gleich oft gewählt. Sie publizieren zum Beispiel ihr Tagebuch oder ein Fotoalbum mit vielen Bildern von sich selber und Familie/Freunden.

6 Frauen (20%), aber nur 1 Mann haben mehr als 5 Fotos von sich im Internet, meistens handelt es sich um Familienfotos, auf denen die Person zusammen mit anderen abgebildet ist. Dagegen bestätigten sich die Annahmen in bezug auf die Häufigkeit von Zählern. Signifikant mehr Männer als Frauen haben einen Zähler, an dem man sehen kann, wie oft ihre Homepage schon besucht worden ist. Dabei werden auch die eigenen Besuche mitgezählt.

Möglicherweise haben Männer mehr Freude an der technischen Spielerei, oder wollen der Welt zeigen ,,Seht mal her, wie oft meine Page schon besucht worden ist". Somit kann ein Zähler mit vielen Hits ebenfalls zur Selbstbestätigung dienen.

8.3.2. Interaktion

Den Erwartungen nach pflegen Frauen einen kommunikativeren Online-Stil und bieten eher Möglichkeiten zu Interaktionen an. Dies konnte insofern bestätigt werden, dass signifikant mehr Frauen ,,Mit-Mach-Möglichkeiten" anbieten. Fast keine Unterschiede zeigten sich dagegen in den Kategorien ,,wird der Besucher direkt angesprochen?" und den Aufrufen, ein E-Mail zu schicken oder Feedback zu geben.

9. Verhalten in Kommunikation und Chat

Sehr schwierig war es, eine ähnliche Studie zum Verhalten und zu psychischen Geschlechtsunterschieden im Chat zu finden. Wir suchten in Datenbanken, Büchern über, das Internet und im Netz selber. Ein Hinweis auf eine solche Studie an der Uni Bern war das einzige Ergebnis. auf Anfrage beim Dekan für Psychologie an der Uni Bern erfuhren wir, daß eine Schriftliche Fassung dieser Studie nicht erhältlich ist.

Chats am Computer aufzuzeichnen und auszuwerten, überstieg unsere technischen Kompetenzen und hätte außerdem den zeitlichen Rahmen der Arbeit gesprengt.

Wir beschränkten uns also auf eine kurze Darstellung des Verhaltens von Männern und Frauen bei computervermittelter Kommunikation (CvK). Bezogen auf Kommunikation allgemein konnten wir einige Aspekte in der Literatur finden.

9.1. Effekte der Computervermittelten Kommunikation

Als erstes beschäftigten uns die häufig gestellten Prognosen über die Auswirkungen von CvK und die Möglichkeiten damit umzugehen.

Folgende Modelle sind häufig genannte mögliche Effekte zunehmender CvK:

1. Kanalreduktionsmodell

Das Kanalreduktionsmodell besagt, daß bei CvK die meisten Sinnesmodalitäten aus- geschlossen sind und es somit zu einer Verarmung der Kommunikation kommt.

2. Filtertheorien

In den Filtertheorien besteht, wie beim Kanalreduktionsmodell, die Grundannahme eines Informationsverlustes. Durch das Fehlen visueller und nonverbaler Hinweisreize, wird nur wenig über den psychosozialen Hintergrund der Kommunikationspartner bekannt. Es besteht jedoch die öfters genutzte Möglichkeit seinen Kommunikationspartner im Chat gegebenenfalls auf seine Homepage zu verweisen.

3. Simulationsmodell

Im Simulationsmodell wird die Möglichkeit kritisiert, daß es durch die Reduktion auf schriftliche Mitteilungen sehr leicht möglich wird Identitäten zu simulieren.

Obwohl laut der oben genannten Studie von Buten viele die Aussage machen im Chat und auf Homepages wahrheitsgetreue Angaben zu machen , gibt es auch Gegenstimmen.

In einer neuere Studie von Nicola Döring (1999) zum Gebrauch von sog. Nicknames im Chat fand man beispielsweise heraus, daß im Chat häufig das Geschlecht durch den Nickname maskiert ist und zwar bei Frauen signifikant öfter (vgl. Abbildung 13).

4. Theorie sozialer Informationsverarbeitung

Diese Theorie sieht die CvK eher positiv und geht davon aus, daß es nicht unbedingt zu einer Kommunikationsverarmumng kommen muß.

Vertreter dieser Theorie gehen davon aus, daß im Chat und bei CvK überhaupt, Nonverbales einfach anders ausgedrückt. Emoticons (vgl. Abbildung 14) und Aktionswörter aus der Comic-Sprache (z.B. ,,kicher" , ,,erschreck" ) werden verwendet um beispielsweise Stimmungen und Gefühle zu vermitteln.

Die Theorie sozialer Informationsverarbeitung sieht das Internet somit als neuen sozialen Handlungsraum.

5. Imaginationsmodell

Befürworter dieses Modells sehen einen Vorteil darin, daß das fehlen von nonverbalen Hinweisreizen das Vorstellungsvermögen der Kommunikationspartner anregt. Demzufolge kommt es eher zu einer Bereicherung als zu einer Verarmung der Kommunikation.

Eine hierbei oft verwendete Ausdrucksform sind sogenannte Akronyme (vgl. Abbildung 15).

Tabelle zum Gebrauch von Nicks im Chat

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Nicola Döring Sozialpsychologie des Internet Hogrefe-Verlag 1999

Abbildung 13 - Gebrauch von Nicknames im Chat

Beispiele für Emoticons

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle:Nicola Döring Sozialpsychologie des Internet Hogrefe-Verlag 1999

Abbildung 14 - Beispiele für Emoticons Nutzung von Akronymen in CvK

Quelle:Nicola Döring Sozialpsychologie des Internet Hogrefe-Verlag 1999

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15 - Beispiele für Akronyme

9.2. Unterschiede im Bezug auf das Geschlecht

Ähnlich wie bei den Homepages verschwinden auch bei der Kommunikation via Computer und Internet die meisten Geschlechtsunterschiede zunehmend.

Es finden sich jedoch noch vereinzelt signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

So schätzen Mädchen das Internet z. B. signifikant kritischer ein als Männer und geben auch an sich nicht so sehr für das neue Medium zu interessieren.

Vergleicht man die Geschlechter bei der Nutzung des Internets so ist einer der auffallendsten Unterschiede der hohe Stellenwert, den die Kommunikationsmöglichkeiten bei den Frauen einnehmen. Sie schätzen die Möglichkeit über das Internet soziale Kontakte zu pflegen signifikant wichtiger ein als Männer. So ist es auch klar, daß bei den Frauen das Chatten im Internet und das Versenden von Emails eine hohe Popularität genießt.

Interessant ist auch das Nutzungsverhalten von sogenannten Internet-Freaks. Unter Freaks versteht man Leute, die das Internet mehrmals wöchentlich bis täglich nutzen.

Die männlichen Freaks sind stark in der Gruppe der technisch-naturwissenschaftlich Interessierten vertreten. Die weiblichen Vielnutzer sind zwar nicht so sehr technikorientiert, Geschlechtsunterschiede bezüglich technisch-naturwissenschaftlicher Interessen verschwinden aber großteils. Allgemein verschwinden bei männlichen und weiblichen Freaks die meisten Geschlechtsunterschiede im Bezug auf das Internet. Der einzige auffallende Unterschied zwischen Männern und Frauen bei den Internet-Vielnutzern ist die Wichtigkeit der Kommunikation. Wie bei den Internetnutzern allgemein, ist auch bei den Freaks den Frauen die Kommunikationsmöglichkeit des Internets wichtiger als den Männern.

Mehr wichtige Geschlechtsunterschiede in der CvK konnten wir leider nicht finden. Die einzigen signifikanten Unterschieden waren die Studie von Nicola Döring zum Gebrauch von Nicknames und die Nutzung und Wichtigkeit der Kommunikationsmöglichkeiten.

10. Fazit / Mögliche Diskussionspunkte

Eine Mögliche Ursache für das zunehmende Verschwinden von Geschlechtsunterschieden im Internet wäre das Stereotyp, daß Naturwissenschaften, Computer und Internet eine Männerdomäne sind und sich viele entsprechend diesem Stereotyp verhalten. Eventuell sind die meisten der Frauen mit Internetzugang technisch und naturwissenschaftlich interessiert.

Bem sagt hierzu 1993 das Geschlecht sei eine der wichtigsten Kategorien aufgrund derer wir Informationen kategorisieren und verarbeiten. In einer Gesellschaft in der Internet und Computer den Männern zugeschrieben wird, liegt es nahe, daß sich viele Frauen entsprechend diesem Rollenbild verhalten, egal ob es der Realität entspricht oder nicht. Das biologische Geschlecht begünstigt somit die Ausprägung einer der sozialen Norm entsprechenden Geschlechtsrollenvorstellung.

Die Selbstwahrnehmung in Bezug auf die eigene typische oder weniger typische weibliche Geschlechtsrolle beeinflußt die wahrgenommene Kontrollüberzeugung in Hinblick auf das Internet.

11. Schlussgedanke

Zusammenfassend kann man sagen, daß das biologische Geschlecht vor allem dort von Bedeutung ist, wo es darum geht, auf der Basis der in der Gesellschaft bestehenden und der eigener Geschlechtsstereotype, ein Selbstkonzept zu konstruieren.

Das eigene biologische Geschlecht bildet hierbei den ersten Filter für die Informationsaufnahme.

Eins ist jedoch klar. Es ist in erster Linie nicht das biologische Geschlecht per se, das die Geschlechtsunterschiede in der Internetnutzung und auch in vielen anderen Bereichen bedingt, sondern die von der Gesellschaft gebildeten Normen und Stereotype und die dadurch entstehende individuelle Auffassung vom eigenen und vom anderen Geschlecht.

12. Anhang

13. Literaturverzeichnis

1. Döring, Nicola, Sozialpsychologie des Internet, 1999, Hogrefe, Verlag für Psychologie

2. Hoffmann, Uta, Computerfrauen - Welchen Anteil haben Frauen an der Computergeschichte und -arbeit?, 1987, Rainer Hampp Verlag

3. Klaus, Heinzgünther, Jenseits von Bits und Bytes, 1980, Verlag der Honeywell Bull AG, Köln

4. Kielholz, Annette, Jugendliche und Internet (Lizentiatsarbeit in Kinder- und Jugendpsychologie), 1998, Universität Bern

5. Fett, Anna (Hrsg.), Männer - Frauen - Süchte, Lambertus

6. Dubi, Miriam et al., Geschlechtsunterschiede im Bezug auf die Gestaltung privater Homepages (Seminararbeit), WS 1997/1998, Universität Bern

7. Kaby, Charlotte et al., Kommunikation im Chat - eine Inhaltsanalyse (Seminararbeit), WS 1997/1998, Universität Bern

8. Stern, Ausgabe 51/1999

9. Das Internet

33 von 33 Seiten

Details

Titel
Selbstdarstellung von Männern und Frauen im Internet
Veranstaltung
Proseminar Psychische Geschlechtsunterschiede und Geschlechtsrollenstereotype
Note
1+
Autoren
Jahr
2000
Seiten
33
Katalognummer
V97886
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde bei Frau Prof. Dr. Astrid Schuetz eingereicht. Viel Spass beim Lesen! [Die Abbildungen fehlen leider. die Red.]
Schlagworte
Selbstdarstellung, Männern, Frauen, Internet, Proseminar, Psychische, Geschlechtsunterschiede, Geschlechtsrollenstereotype
Arbeit zitieren
Michael Fox (Autor)Manuel Strahija-Prosche (Autor), 2000, Selbstdarstellung von Männern und Frauen im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97886

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