Das Ziel der Ausarbeitung ist es, aufzulisten, weshalb es didaktisch weniger praktikabel ist, Diktate schreiben zu lassen. Daran anschließend sollen Alternativen vorgestellt werden, die für didaktisch und pädagogisch sinnvoller erachtet werden. Vorab soll der Begriff „Schriftspracherwerb“ definiert und näher erläutert werden. Weiterhin soll auf die Notwendigkeit des Diktates eingegangen werden; es sollen Überlegungen angestellt werden, ob überhaupt Diktate geschrieben werden müssen. Abschließend wird ein Fazit zur Notwendigkeit des Diktates und dessen Alternativ gegeben.
Diktate existieren seit über 150 Jahren und finden immer wieder den Weg in viele Klassenzimmer. Fraglich ist dabei, ob Diktate eine alt bewerte Methode sind, die zurecht ihre lange Dauer aufweisen. Bei meiner Recherche erlangte ich Einsicht in die (fatalen) Folgen von Diktaten und verstand nicht, weshalb sie noch Einzug in den Lernplan erhielten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was verbirgt sich hinter den Begriff Schriftspracherwerb?
3. Weshalb sind Diktate kontraproduktiv?
3.1 Didaktische Argumente
3.2 Lernpsychologische Argumente
3.3 Empirische Argumente
4. Diktatdiktatur
5. Alternativmöglichkeiten
5.1 Klassische Diktatalternativen
5.2 Eigendiktate
5.3 Freie Schreiben
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die pädagogische Sinnhaftigkeit von Diktaten als Methode zur Rechtschreibförderung und beleuchtet kritisch, warum diese in modernen Bildungskontexten zunehmend als kontraproduktiv angesehen werden.
- Kritische Auseinandersetzung mit der jahrhundertalten Tradition des Diktierens im Unterricht.
- Analyse der didaktischen, lernpsychologischen und empirischen Nachteile des Diktats.
- Untersuchung der rechtlichen Grundlagen und der unterschiedlichen Handhabung in den Bundesländern.
- Vorstellung innovativer Alternativmethoden zur Förderung der Schreibkompetenz.
- Betonung der Eigenverantwortung und intrinsischen Motivation als Schlüssel zum Schriftspracherwerb.
Auszug aus dem Buch
3.2 Lernpsychologische Argumente
Stellen Sie sich eine Grundschulklasse vor, die gerade ein Diktat schreibt. Eventuell stellen Sie sich Trennwände zwischen den Schüler/-innen vor. Vielleicht sehen Sie die Lehrerin, wie sie diktierend durch das Klassenzimmer schlendert und über die Schultern der Kinder schaut – eventuell verdreht sie gelegentlich die Augen oder seufzt vor Ernüchterung. Es ist ganz ruhig in der Klasse. Man hört entweder die Lehrkraft diktieren oder die Uhr ticken. Gegebenenfalls erkennen sie in Ihrer Vorstellung das ein oder andere Kind, das sich die Haare rauft oder sehen Schüler/-innen, die den gleichen ernüchterten Blick, wie die Lehrkraft tragen.
Womöglich trifft diese Beschreibung nicht Ihre Vorstellung eines Diktates. Vielleicht sehen Sie nur strahlende Kinder vor sich, die mit Lust und Laune die Diktate niederschreiben. Aber ohne Zweifel ist das Diktat für manch ein Kind purer Stress. Die Produktion von Stresshormonen wirkt sich dabei auf das Abrufen von Informationen aus (vgl. Schymanski 2015, S.116). Ob ein/-e Schüler/-innen bei einem bestimmten Wort den Fehler gemacht hat aus Unwissen oder aus Nervosität gemacht hat, lässt sich hiermit schlecht differenzieren (vgl. Spitta 2000, S. 92).
Bei diesen Überlegungen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Diktate eine Prüfungsleistung darstellen (können), die üblicherweise benotet werden. Die Motivation, fehlerfreie Sätze zu schreiben, liegt womöglich weniger am inneren Abtrieb (bspw. die Verbesserung der eigenen Rechtschreibleistung), als viel eher daran, eine gute Note zu erhalten. Die extrinsische Motivation stünde hiermit im Vordergrund (vgl. a.a.O.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Tradition des Diktats und stellt die kritische Forschungsfrage nach dessen didaktischem Nutzen.
2. Was verbirgt sich hinter den Begriff Schriftspracherwerb?: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen des Schriftspracherwerbs, insbesondere die Bedeutung des inneren Lexikons und des Regelwissens.
3. Weshalb sind Diktate kontraproduktiv?: Hier werden didaktische, lernpsychologische und empirische Argumente zusammengetragen, die gegen den Einsatz von Diktaten sprechen.
4. Diktatdiktatur: Dieses Kapitel untersucht die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Diktatpflicht in den verschiedenen deutschen Bundesländern.
5. Alternativmöglichkeiten: Es werden verschiedene Ansätze wie Dosendiktate, Eigendiktate und das freie Schreiben als zielführende Alternativen vorgestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und appelliert an Lehrkräfte, Diktate kritisch zu hinterfragen und modernere Methoden zu priorisieren.
Schlüsselwörter
Diktat, Schriftspracherwerb, Rechtschreibung, Grundschule, Lernpsychologie, Didaktik, Eigendiktat, Freies Schreiben, Fehlerkultur, Motivation, Phonem-Graphem-Korrespondenz, inneres Lexikon, Bildungsplan, Leistungsbewertung, Schreibkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich kritisch mit der traditionellen Methode des Diktats im Grundschulunterricht und beleuchtet, weshalb diese zur Förderung der Rechtschreibung ineffektiv sein kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Prozessen des Schriftspracherwerbs, der Kritik an der aktuellen Diktatkultur sowie der Entwicklung motivierender und effektiver Alternativmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Diktate oft stressbelastet und wenig nachhaltig sind, und stattdessen Methoden zu fördern, die auf Eigenverantwortung und intrinsischer Motivation basieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der didaktische, lernpsychologische und empirische Erkenntnisse renommierter Fachautoren zusammengeführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Rechtschreibentwicklung, diskutiert Kontraargumente gegen Diktate, prüft die rechtliche Situation in Deutschland und stellt praxisnahe Alternativen vor.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Die zentralen Begriffe sind Diktat, Schriftspracherwerb, Lernmotivation, Fehlerkultur und pädagogische Didaktik.
Warum wird das "innere Lexikon" in der Arbeit so hervorgehoben?
Das innere Lexikon ist für den Schriftspracherwerb entscheidend, da es gespeicherte Schreibschemata umfasst, statt nur isolierte Wortbilder auswendig zu lernen.
Was unterscheidet das Eigendiktat von einem klassischen Diktat?
Beim Eigendiktat wählen die Kinder selbst Themen und Wörter aus, bei denen sie sich sicher fühlen, was Stress reduziert und das Bewusstsein für die eigene Schreibfähigkeit stärkt.
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- Anonym (Author), 2019, Das Schreiben eines Diktats. Vor-, Nachteile und Alternativen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979500