Wissensmanagement. Ein modernes Instrument zur Steigerung der Pflegequalität in der Altenpflege


Bachelorarbeit, 2020

72 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung und Ausgangslage
1.1 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit
1.3 Aktueller Forschungsstand
1.4 Gesellschaftliche Entwicklungen und Entwicklungen der Arbeitswelt
1.4.1 Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft
1.4.2 Wertewandel innerhalb der Gesellschaft
1.4.3 Digitalisierung in der Arbeitswelt
1.5 Aktuelle Situation in der Pflege
1.5.1 Belastungen und Herausforderungen des Pflegeberufs
1.5.2 Professionalisierungsbestrebungen des Pflegeberufs

2 Theoretische Grundlagen des Wissensmanagements
2.1 Der Begriff des Wissens
2.2 Der Begriff des Wissensmanagements
2.3 Bedeutung des Wissensmanagements
2.4 Die Bausteine des Wissensmanagements nach Probst et al
2.5 Voraussetzungen zur Etablierung des Wissensmanagements

3 Ergebnisse der Literaturanalyse
3.1 Originäre Aufgabe der Pflege
3.2 Pflegewissenschaft
3.3 Wissensmanagement in der Altenpflege
3.3.1 Aktueller Stand des Wissensmanagements in der Altenpflege
3.3.2 Problematik des Wissensmanagements in der Altenpflege
3.3.3 Die Rolle der Führung im Prozess des Wissensmanagements
3.3.4 Die Rolle der Digitalisierung in Bezug auf das Wissens- management
3.4 Auswirkungen des Wissensmanagements auf die Pflegequalität
3.4.1 Möglicher Profit für die Einrichtungen der Altenpflege
3.4.2 Möglicher Profit für die Pflegekräfte
3.4.3 Erhalt und Steigerung der Qualität in der Pflege
3.5 Ausgewählte Instrumente des Wissensmanagements in der Altenpflege
3.5.1 E-Learning
3.5.2 Blended Learning
3.5.3 Serious Games

4 Schlussbetrachtung
4.1 Methodenkritische Betrachtungen
4.2 Diskussion der Ergebnisse
4.3 Zusammenfassung der Schlussfolgerungen
4.4 Ausblick

Literaturverzeichnis

Gesetzesverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Veränderungen der Bewohner*innen in der Altenpflege

Abb. 2: Wissenstreppe nach North

Abb. 3: Der Bezug zwischen Informations-, Wissens- und Kompetenzmanagement

Abb. 4: Drei Triebkräfte steigern die Bedeutung der Ressource Wissen

Abb. 5: Wissensbausteine nach Probst

Abb. 6: TOM-Modell nach Bullinger

Abb. 7: Kriterien zur Schaffung von Lernförderlichkeit

Abb. 8: Zusammenhang zwischen neuen Technologien und Wissensmanagement

Abb. 9: Zürcher Pflege-Qualitätsmodell

Abkürzungsverzeichnis

bspw. beispielsweise

SGB Sozialgesetzbuch

u. a. unter anderem

usw. und so weiter

vgl. vergleiche

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit das generische Maskulinum verwendet. Dieses bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen.

„Wo ist die Weisheit, die wir im Wissen verloren haben? Wo ist das Wissen, das wir in der Information verloren haben?“ (T. S. Elliot 1934)

1 Einleitung und Ausgangslage

Die berufliche Altenpflege in Deutschland steht aktuell vor großen Herausforderungen. Diese Herausforderungen ergeben sich durch verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen. Allen voran ist hier der demografische Wandel zu benennen.

Weitere gesellschaftliche Entwicklungen, die sich unmittelbar auf das Berufsfeld der Pflege auswirken, sind die Globalisierung, der Wertewandel, der rasante technische Fortschritt, die Digitalisierung und die immer schneller vonstattengehende Wissensvermehrung.

Des Weiteren sind die Unternehmen in der Altenpflege einem enormen Konkurrenzkampf um qualifizierte Pflegefachkräfte ausgesetzt. Der Fachkräftemangel betrifft die ambulanten sowie die stationären Einrichtungen der Altenpflege.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen ist die professionelle Altenpflege dazu aufgerufen, die Qualität der eigenen Arbeit nachzuweisen und zu verbessern, um diesen Herausforderungen und den politisch sowie gesellschaftlich geforderten Qualitätsanforderungen gerecht werden zu können.

Es bedarf hochqualifizierter Pflegekräfte, deren Wissen und Kompetenzen beständig weiterentwickelt werden, um mit den beschriebenen komplexen Anforderungen, Erwartungen und Rahmenbedingungen professionell umgehen zu können.

Ein Ansatz, der zur Lösung dieser Problematik beitragen könnte, ist das Wissensmanagement. Wissen hat sich innerhalb der heutigen Arbeitswelt zu einer erfolgsentscheidenden Ressource entwickelt.

Das Wissensmanagement hat es sich zur Aufgabe gemacht, mittels geeigneter Instrumente das Wissen innerhalb eines Unternehmens zu identifizieren, zu entwickeln, zu nutzen und zu bewahren.

Da die Pflege zu den wissensintensiven Dienstleistungen zählt, kommt der Weiterentwicklung des Wissens der Pflegekräfte eine besondere Bedeutung zu.

1.1 Zielsetzung und Forschungsfrage

Das Ziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, die möglichen Auswirkungen eines angewandten Wissensmanagements auf die Pflegequalität in der Altenpflege aufzuzeigen. Darüber hinaus soll der mögliche Nutzen des Wissensmanagements für die Einrichtungen in der Altenpflege sowie für die Pflegefachkräfte dargestellt werden.

Die der Arbeit zugrunde liegende Forschungsfrage lautet:

Stellt das Wissensmanagement einen geeigneten Ansatz dar, um die Pflegequalität in der Altenpflege vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen steigern zu können?

1.2 Methodik und Aufbau der Arbeit

Diese Bachelorarbeit stellt eine reine literaturgestützte Arbeit dar. Es wurde eine Analyse der aktuellen, vorrangig deutschsprachigen, Literatur zu den Themen des Wissensmanagements im Allgemeinen sowie in der Altenpflege im Besonderen vorgenommen. Des Weiteren wurden themenrelevante gesellschaftliche Entwicklungen sowie Entwicklungen der Arbeitswelt untersucht; hier besonders die Entwicklungen und Herausforderungen in Bezug auf die Altenpflege.

Als Quellen der Literaturrecherche dienten vorrangig Printmedien in Form von Fachbüchern (Monographien, Sammelbände) und Fachzeitschriften. Diese wurden durch Internetquellen ergänzt.

Als Instrument der Recherche dienten u. a. der Hochschulkatalog der Universitätsbibliothek Siegen und Google Scholar zur allgemeinen Literaturrecherche wissenschaftlicher Dokumente sowie die Suchmaschine Google zur Auffindung zitierfähiger Internetquellen. Des Weiteren wurden einschlägige Homepages anerkannter Fachgesellschaften und Institutionen des Gesundheitswesens als Quellen verwendet.

Die zugrunde gelegte Literatur bezieht sich auf den Zeitraum von 2000–2019. Um die neuesten Entwicklungen darstellen zu können, wurden aktuelle Quellen verwendet.

Für die Darstellung des themenrelevanten Grundlagenwissens wurden auch ältere Quellen verwendet.

Die relevante Literatur wurde mittels folgender Auswahl an Schlagworten ermittelt: Aktuelle Herausforderungen in der Pflege, Fachkräftemangel in der Pflege, Professionalisierung in der Pflege, Aufgaben der Pflege, gesetzliche Grundlagen der Pflege, Qualität in der Pflege, Qualitätsprüfungsrichtlinien, Pflege 4.0, Wissen, Wissensmanagement, Wissensmanagement in der Altenpflege, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel, E-Learning, Serious Games, Blended Learning usw.

Auf die Einleitung folgen im ersten Kapitel Zielsetzung und Forschungsfrage, Methodik und Aufbau der Arbeit sowie der aktuelle Forschungstand. Daran anschließend werden aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, die Entwicklungen der Arbeitswelt sowie die aktuelle Situation in der Pflege betrachtet.

Im zweiten Kapitel werden die Grundlagen des Wissensmanagements vorgestellt. Das Wissensmanagement im Zusammenhang mit der Altenpflege sowie dessen mögliche Auswirkungen auf die Pflegequalität, werden innerhalb des dritten Kapitels untersucht. Daran schließt sich die Vorstellung ausgewählter Instrumente des Wissensmanagements für die Altenpflege an.

Den Abschluss der Arbeit bilden die methodenkritischen Betrachtungen, die Diskussion der Ergebnisse, die Zusammenfassung der Schlussfolgerungen und der Ausblick.

1.3 Aktueller Forschungsstand

Wissensmanagement ist in der modernen Arbeitswelt ein viel beachtetes Thema. Diesbezüglich liegt eine ausreichende Zahl an Veröffentlichungen vor.

Auf das Gesundheitswesen und die Pflege bezogen gibt es eine deutlich geringere Anzahl an Studien und Veröffentlichungen zur Thematik. Die wenigen Veröffentlichungen beziehen sich auf das Setting der Krankenhäuser.

Für die Altenpflege im Speziellen liegen kaum deutschsprachige Publikationen, in Bezug auf die Thematik des Wissensmanagements, vor. Die wenigen Publikationen, die vorliegen, beschränken sich auf die Darstellung jeweils nur einzelner Instrumente des Wissensmanagements.

Zur Thematik der Qualität in der Pflege hingegen wurde in den letzten Jahren umfangreich geforscht und publiziert. Als Beispiel einer umfassenden Untersuchung ist hier der Pflegereport 2018, herausgegeben von Greß et al., zu nennen.

Mehrere Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen den Qualifikationen des Pflegepersonals und den Versorgungsergebnissen bei den Patienten.

Zu nennen sind hier bspw. die Untersuchung von Hassler „Qualitätsmessung in der Pflege“ (vgl. Hassler 2019: 59) sowie eine von Aiken et al. an der University of Pennsylvania School of Nursing erstellte Studie, die den Zusammenhang zwischen dem Qualifikationsmix des Pflegepersonals und der Patientensterblichkeit untersucht (vgl. Aiken et al. 2016: 565).

Die Frage, ob das Wissensmanagement, dazu beitragen könnte, die Pflegequalität in der Altenpflege zu steigern, wurde bislang kaum untersucht.

An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an. Die Erkenntnisse des Wissensmanagements sollen mit den An- und Herausforderungen der modernen professionellen Pflege, vor dem Hintergrund der gesetzlichen Qualitätsvorgaben, in Zusammenhang gesetzt werden, um so die Frage, ob das Wissensmanagement die Qualität in der Altenpflege steigern kann, zu beantworten.

1.4 Gesellschaftliche Entwicklungen und Entwicklungen der Arbeitswelt

Die Globalisierung, die Digitalisierung, die zunehmende soziale Ungleichheit und die Herausforderungen durch den demographischen Wandel sind vier große gesellschaftliche Trends, die auch die Arbeitswelt maßgeblich beeinflussen (vgl. Bertelsmann Stiftung 2015: 7).

Über diese Trends hinaus stellen der Wettbewerbs- und Innovationsdruck und die immer schneller fortschreitende technische Entwicklung große Herausforderungen für die Unternehmen dar. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, sind die Unternehmen gefordert, innovative, kreative und fortschrittliche Lösungen zu entwickeln.

Die komplexen Bedingungen der heutigen Arbeitswelt verlangen von den Beschäftigten ein hohes Maß an Flexibilität, die Fähigkeit zum Umgang mit technischen Lösungen, die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen sowie die Fähigkeit, mit Druck durch eine hohe Arbeitsbelastung umgehen zu können.

1.4.1 Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft

Die Gesellschaft hat sich, bedingt durch die enormen technischen Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologie, von einer Industriegesellschaft zu einer Wissensgesellschaft entwickelt. Diese Entwicklung lässt sich seit den 1980er-Jahren beobachten (vgl. Willke 2018: 7).

Wissen und Informationen stellen in der heutigen Wirtschaft einen erfolgsentscheidenden Produktionsfaktor dar (vgl. Arnold 2012). „Wertschöpfung durch Einbau von Intelligenz“, so beschreibt Willke diese Entwicklung in einem Satz (Willke 2018: 8).

Die traditionellen Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital wurden durch einen vierten Produktionsfaktor ergänzt, den Produktionsfaktor Wissen.

Wissensintensive Dienstleistungen nehmen einen immer größer werdenden Raum in der Arbeitswelt ein (vgl. Arnold 2012). Dadurch ergeben sich für die Arbeitnehmer erhöhte Kommunikations- und Lernanforderungen (vgl. Reinmann 2009: 6).

Folgende Aspekte prägen den Begriff der Wissensgesellschaft:

- Digitale Informationstechnologien sind entscheidender Bestandteil der Gesellschaft
- Die Mitglieder der Gesellschaft verbringen einen großen Teil ihrer Zeit mit Informationsverarbeitung
- Wissen ist eine ökonomische Ressource
- Ein steigender Anteil des Bruttosozialprodukts geht auf wissensintensive Innovationen zurück
- Der Anteil der Wissensarbeitenden in der Arbeitswelt nimmt zu (vgl. Hasler-Roumois 2007: 15)

1.4.2 Wertewandel innerhalb der Gesellschaft

Traditionelle Werte wie Fleiß, Pünktlichkeit und Traditionsbewusstsein wurden abgelöst durch Werte wie Individualität, Selbstverwirklichung und persönlicher Erfolg. Diese stellen die aktuellen Werte der sogenannten Generationen Y und Z dar. Als Generation Y werden die Geburtenjahrgänge zwischen 1980 und 1998 bezeichnet, Generation Z bezieht sich auf die Geburtenjahrgänge von 1998 bis heute (vgl. Ingold 2016: 4).

Die Generation Y ist die zahlenmäßig größte Gruppe auf dem Arbeitsmarkt, was deren große Bedeutung ausmacht. Die Generation Z ist die zukünftige Generation, die in die Arbeitswelt eintreten wird.

Besondere Merkmale der Generation Y stellen ihre Flexibilität, ihr Selbstbewusstsein, ihre Leistungsorientierung, ihre hohe Globalität und ihr gezielter Umgang mit Informationen dar (vgl. Schulenburg 2016: 10).

Die Generation Y legt großen Wert auf die Möglichkeit zur individuellen Entwicklung im Rahmen ihres Arbeitsverhältnisses. Sie wünscht sich eine Arbeitsaufgabe, die Sinn ergibt sowie eine interessante Herausforderung darstellt. Flexible Arbeitszeiten und eine flexible Arbeitsgestaltung sind für sie sehr wichtig (vgl. Abbasi 2017: 36–37).

Die Generation Z ist mit den modernen Medien der Informations- und Kommunikationstechnik aufgewachsen und pflegt einen selbstverständlichen Umgang damit. Diese Generation ist es gewohnt, sich selbstständig und schnell Informationen anzueignen. Eine strikte Trennung von Berufs- und Privatleben ist für diese Generation selbstverständlich.

Lernbereitschaft und das Bewusstsein der Wichtigkeit des Wissenserwerbs zeichnen diese Generation aus (vgl. Ingold 2016: 12).

1.4.3 Digitalisierung in der Arbeitswelt

Mit dem Begriff der Digitalisierung sind verschiedene Bedeutungen verknüpft. Zum einen bedeutet Digitalisierung die Transformation von analogen Daten in digitale Daten.

Des Weiteren ist es der Begriff des „digitalen Wandels“, dem zunehmend Bedeutung zukommt (vgl. Gabler Wirtschaftslexikon 2020).

Veränderungsprozesse in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur werden durch die rasante Weiterentwicklung digitaler Technologien vorangetrieben.

Diese Veränderungsprozesse werden als digitaler Wandel oder digitale Revolution bezeichnet.

Die Gesellschaft befindet sich im sogenannten Informationszeitalter, das gekennzeichnet ist durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, die die Verarbeitung und Weiterleitung großer und komplexer Mengen an Daten ermöglichen. Die analoge Produktion von Gütern verliert gegenüber der Informationstechnologie immer mehr an Bedeutung.

Die heutige Arbeitswelt ist direkt mit diesen technologischen Entwicklungen befasst. Prozesse beschleunigen und verändern sich durch den immer weiter verbreiteten Einsatz der Informationstechnologie. Maschinen, Menschen und Abläufe werden mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie miteinander vernetzt (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Bundesministerium für Bildung und Forschung 2020).

Dieser Vorgang wird auch als Industrie 4.0 oder die vierte industrielle Revolution bezeichnet. Körperliche Arbeiten werden zunehmend an Bedeutung verlieren und durch kognitive Leistungen abgelöst werden (vgl. Deppe 2019).

Es werden zunehmend hochqualifizierte Fachkräfte benötigt, die diese Prozesse steuern und weiterentwickeln. Da die technische Entwicklung mit rasanter Geschwindigkeit fortschreitet, sind die Beschäftigten dazu aufgefordert, ihr Wissen ständig weiterzuentwickeln und sich dieser Entwicklung anzupassen.

Lebenslanges Lernen ist ein Konzept, das Antwort auf die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt gibt.

Der digitale Wandel verändert auch die Arbeitswelt der Altenpflege. Neue Technologien sollen die Arbeit der Pflegekräfte erleichtern.

EDV-Programme unterstützen die Pflegekräfte, um den gestiegenen Anforderungen an die Pflegedokumentation gerecht werden zu können. Aktuell wird darüber hinaus in einigen Einrichtungen der Einsatz von Pflegerobotern getestet. Diese sollen die Interaktionen zwischen Pflegekräften und Pflegebedürftigen unterstützen.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung dahingehend, dass zukünftig immer mehr pflegebedürftige Menschen immer weniger Pflegekräften gegenüberstehen werden, sind sich Experten sicher, dass die Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle in der Pflege einnehmen wird, um die Versorgung sicherzustellen (vgl. Lücke 2018).

1.5 Aktuelle Situation in der Pflege

Der folgende Abschnitt wird sich mit den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen des Pflegeberufes beschäftigen. Hierzu werden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf den Pflegeberuf dargestellt sowie die sich dadurch ergebenden Belastungen für die Pflegekräfte. Weiterhin werden die Personalsituation in der Altenpflege betrachtet sowie die Anforderungen an die Pflegequalität in Form der Qualitätsprüfungsrichtlinien für die vollstationäre Altenpflege.

1.5.1 Belastungen und Herausforderungen des Pflegeberufs

Deutschland befindet sich seit vielen Jahren in einem demografischen Wandel, was u. a. durch sinkende Geburtenraten auf der eine Seite und eine steigende Lebenserwartung auf der anderen Seite gekennzeichnet ist.

Die Altenpflege ist von diesen demografischen Entwicklungen in doppelter Hinsicht betroffen. Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen wird aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung zunehmen. Demgegenüber sinkt die Anzahl der Pflegekräfte aufgrund des Rückgangs der Anzahl der erwerbstätigen Personen

Der demografische Wandel beeinflusst auch die Patientenklientel. Als Folge der stetig steigenden Lebenserwartung nimmt die Zahl multimorbider, chronisch oder demenziell erkrankter Menschen kontinuierlich zu (vgl. Schmidt 2013: 122).

Besonders die steigende Anzahl der an Demenz erkrankten Menschen stellt eine große Herausforderung für die professionelle Altenpflege dar. Das Erkrankungsbild der Demenz gehört zu einer der folgenreichsten und häufigsten Erkrankungen des höheren Alters (vgl. Becker 2012: 19).

Im Rahmen einer bundesweiten Befragung von Leitungskräften zur Situation der Pflege und Patientenversorgung in der stationären Langzeitpflege in Deutschland, berichteten 82 % der befragten Einrichtungen von einer Zunahme an komplexen medizinischen Problemlagen der pflegebedürftigen Menschen (vgl. Isforth et al. 2018: 1).

Das Ergebnis der Befragung zeigt, dass durchschnittlich zwei von drei in der stationären Langzeitpflege versorgten Menschen an kognitiven Störungen wie z. B. einer Demenz leiden (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Veränderungen der Bewohner*innen in der Altenpflege

Quelle: Isforth et al. 2018: 57

Bedingt durch die beschriebenen Veränderungen der Krankheitsbilder und der Patientenklientel, verändern sich auch die Aufgaben der Pflege. Prävention, Gesundheitsförderung, gerontopsychiatrische Begleitung sowie Patienten- und Angehörigenedukation rücken zunehmend in den Fokus pflegerischer Aufgaben (vgl. Schaeffer, Wingenfeld 2014: 9).

Als Folge der aktuellen Situation in der Altenpflege ergibt sich, dass eine Pflegekraft vielfältigen Belastungen ausgesetzt ist. Auf der einen Seite stehen die physischen Belastungen durch schweres Heben und Tragen von Patienten, langes Stehen und Gehen. Auf der anderen Seite stehen die psychischen Belastungen durch den Umgang mit zunehmend dementiell erkrankten Patienten, die Begleitung von Patienten mit schweren Krankheitsverläufen und den Umgang mit existenziellen Erfahrungen wie Sterben und Tod.

Um den zunehmend erschwerten Bedingungen in der Altenpflege gerecht zu werden, wird von den Pflegekräften ein hoher persönlicher Einsatz und eine große Verantwortungsbereitschaft verlangt. Flexibilität, Fach-, Methoden- und Sozialkompetenz sowie die ständige Weiterentwicklung des eigenen Fachwissens sind nur einige Aspekte, die von einer Pflegekraft verlangt werden.

Einen weiteren Belastungsfaktor stellen die organisationalen Rahmenbedingungen, wie das Arbeiten im Schicht- und Wochenenddienst und der Personalmangel, dar.

Auch der akute Fachkräftemangel stellt eine weitere besondere Herausforderung und Belastung für die Pflegekräfte dar.

In der Altenpflege stehen aktuell 100 gemeldeten freien Stellen lediglich 19 Arbeitslose gegenüber. Im Vergleich dazu standen vor fünf Jahren 100 freien Stellen noch 38 Arbeitslose gegenüber (vgl. Bundesagentur für Arbeit 2020: 15).

In keinem anderen europäischen Land ist die Relation von Pflegekraft zu Patienten so schlecht wie in Deutschland (Höhmann et. al. 2016: 73).

Der Bedarf an Pflegefachkräften in der Altenpflege nimmt auch zukünftig, aufgrund der Zunahme der Pflegebedürftigkeit, weiter zu.

Die Pflegepraxis ist gekennzeichnet durch hochkomplexe Arbeitssituationen, Zeitdruck, Arbeitsverdichtung und den Anspruch, Entscheidungen von großer Tragweite eigenverantwortlich treffen zu müssen (vgl. Smerdka-Arhelger 2012: 138).

Pflegekräfte bewegen sich in dem Spannungsfeld zwischen der Zunahme von Pflegebedürftigkeit, Personalnot und gleichzeitig der politischen Forderung, die Qualität in der Pflege stetig zu erhöhen.

1.5.2 Professionalisierungsbestrebungen des Pflegeberufs

Veränderte Herausforderungen in der Pflege haben zu höheren Qualifikationsanforderungen der Pflegekräfte geführt (vgl. Gerlach 2012: 11).

Seit den 1980er-Jahren wurden in Deutschland erste Pflegestudiengänge eingerichtet und die Akademisierung der Pflege begann sich mit diesem Schritt zu etablieren.

Aktuell gibt es in Deutschland ca. 150 verschiedene Pflegestudiengänge. Die meisten Studienangebote beziehen sich allerdings auf Management- oder Lehrtätigkeiten.

Erst durch die Einrichtung von dualen Studiengängen, die die Wissenschaft mit der Praxis verzahnen, wird Wissen direkt in die Pflegepraxis getragen (vgl. Friesacher 2013).

Im Jahr 2012 empfahl der Wissenschaftsrat 10–20 % der in der Praxis Pflegenden mittels eines Bachelorabschlusses zu qualifizieren. In der Realität sind aktuell allerdings nur 0,5 % der praktisch Pflegenden, bezogen auf alle Sparten der Pflege, mittels eines Bachelorabschlusses qualifiziert (vgl. Millich 2016).

Laut Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck vom Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen verlangen die komplexen und anspruchsvollen Versorgungssituationen in der Pflege nach wissenschaftlich begründeten Herangehensweisen. Dies ließe sich allerdings nur mittels einer hochschulischen Erstausbildung bewältigen (vgl. Millich 2016)

Darmann-Finck konnte einen positiven Zusammenhang zwischen dem Anteil der Pflegekräfte mit Bachelorabschluss am Gesamtpflegepersonal und einer Abnahme negativer pflegerischer Versorgungsergebnisse belegen (vgl. Darmann-Finck 2018: 166).

Ein Ziel der Pflegewissenschaft ist es, vermehrt professionelle Handlungskompetenz für die Praxis zu entwickeln. Allerdings gelingt dieser Transfer von Wissenschaft zu Praxis bisher nur begrenzt (vgl. Bohnet-Joschko 2016: 265, 267).

Ein weiteres Ziel der Professionalisierung der Pflege ist es, die Pflegeberufe für die aktuellen und potenziellen Beschäftigten attraktiver zu gestalten (vgl. Hülsken-Giesler 2017: 6). Dies stellt ein immens wichtiges Ziel vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels in der Pflege dar.

Folgende Aspekte stehen für ein fortschreitende Professionalisierung in der Pflege:

1. Reflexion und Theoretisierung

Auf Basis der Praxisreflexion werden Pflegemodelle- und Konzepte entworfen, die den Gegenstandsbereich der Pflege definieren sollen.

2. Standardisierung

Einführung der Expertenstandards, Pflegeprozessstandards sowie Qualitätsstandards.

3. Modernisierung

Arbeitsbedingungen- und Abläufe werden an moderne Anforderungen angepasst.

4. Berufspolitisierung

Die Pflegeausbildung wird bundeseinheitlich geregelt. Bildung einer Pflegekammer.

5. Akademisierung

Etablierung von Pflegestudiengängen und Pflegewissenschaft- und Forschung. (vgl. Korecic 2013: 62)

In Bezug auf die Altenpflege im Speziellen, gestalten sich die Professionalisierungsbestrebungen besonders schwierig. Gründe dafür sind u. a. in der beruflichen Tradition der Altenpflege zu suchen.

Die Altenpflege ist erst seit ca. 20 Jahren ein vollwertig anerkannter Ausbildungsberuf mit einem eigenen Curriculum. Vor dieser Zeit wurde der Beruf durch angelernte Hilfskräfte ausgeübt. Ein weiteres Hemmnis für die Professionalisierung liegt in der geringen gesellschaftlichen Anerkennung des Altenpflegeberufs sowie in den Arbeitsbedingungen begründet (vgl. Dangendorf et al. 2017: 168).

Aktuell verfügen weniger als ein halbes Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege über ein pflegebezogenes Fachhochschul- oder Universitätsstudium (vgl. aerzteblatt.de 2019).

2 Theoretische Grundlagen des Wissensmanagements

Das folgende Kapitel setzt sich mit der Thematik des Wissens und des Wissensmanagements auseinander.

Die Begrifflichkeiten Wissen und Wissensmanagement sollen definiert, außerdem die Bedeutung und die Ziele des Wissensmanagements dargelegt sowie bedeutende Modelle aus dem Bereich des Wissensmanagements vorgestellt werden. Des Weiteren werden Voraussetzungen sowie Barrieren bei der Etablierung eines erfolgreichen Wissensmanagements beleuchtet.

2.1 Der Begriff des Wissens

Der Begriff des Wissens wird von Probst et al. folgendermaßen definiert:

„Wissen bezeichnet die Gesamtheit der Kenntnisse und Fähigkeiten, die Individuen zur Lösung von Problemen einsetzen. Dies umfasst sowohl theoretische Erkenntnisse als auch praktische Alltagsregeln und Handlungsanweisungen. Wissen stützt sich auf Daten und Informationen, ist im Gegensatz zu diesen jedoch immer an Personen gebunden. Es wird von Individuen konstruiert und repräsentiert deren Erwartungen über Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge“. (Probst et al. 2012: 23)

Jener Aspekt des Wissens, welcher aus Daten und Informationen generiert wird, wird auch von North in der Wissenstreppe aufgegriffen. Die Wissenstreppe nach North stellt anschaulich die Entwicklung von einzelnen Zeichen und Daten hin zu Wissen und schlussendlich zu Wettbewerbsfähigkeit dar.

Einzelne Zeichen werden mittels Regeln zu Daten zusammengefasst. Diesen Daten werden bestimmte Bedeutungen verliehen, wodurch die Daten in Informationen verwandelt werden.

Diese Informationen werden mit vergangen Ereignissen oder Erfahrungen in einen Kontext gesetzt und werden somit zu Wissen. Wissen entsteht also durch Informationen, die miteinander in Verbindung gebracht werden.

Wissen stellt nur dann für ein Unternehmen einen Wert dar, wenn es in der Praxis umgesetzt wird und Handlungen daraus erfolgen. Kompetenz zeigt sich, wenn Wissen problemorientiert umgesetzt wird.

Die Kompetenzen der Beschäftigten können für ein Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen (vgl. North 2016: 37).

Anhand der Wissenstreppe nach North wird ersichtlich, in welchem Zusammenhang das Wissen der Mitarbeiter mit dem unternehmerischen Erfolg steht (s. Abb. 2). In der heutigen Wissensgesellschaft stellt das Wissen eine erfolgsrelevante Ressource dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Wissenstreppe nach North

Quelle: Wissensentwicklung 2019, in Anlehnung an North 1998

2.2 Der Begriff des Wissensmanagements

Bereits in den 1980er-Jahren kam die Thematik des Wissensmanagements innerhalb der Unternehmen auf, da das betriebliche Wissen als eine erfolgsentscheidende Ressource erkannt wurde (vgl. Erlach 2013: 2).

Bis zu dieser Zeit wurde das Wissensmanagement als reines Informationsmanagement verstanden, wobei es darum ging, die Flut an Informationen zu verwalten.

Im Rahmen des modernen Wissensmanagements werden Informationen vernetzt und neues Wissen generiert (s. Abb. 3). Durch diesen Prozess entstehen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten der Beschäftigten.

Die dadurch neu entstandenen Fähigkeiten und Fertigkeiten werden mittels des Kompetenzmanagements mit dem Handlungswissen der Beschäftigten verknüpft (vgl. Forschungsinstitut Betriebliche Bildung 2020).

Wissensmanagement dient dazu, relevantes Wissen zu erkennen, das vorhandene Wissen eines Unternehmens zu identifizieren sowie dieses vorhandene Wissen entsprechend den gegebenen Anforderungen weiterzuentwickeln, zu verteilen und zu bewahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Der Bezug zwischen Informations-, Wissens- und Kompetenzmanagement

Quelle: Forschungsinstitut Betriebliche Bildung 2020, in Anlehnung an Reinmann-Rothmeier, 2001

2.3 Bedeutung des Wissensmanagements

Seit den 1980er-Jahren bis heute hat das Wissensmanagement aufgrund der stetigen Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie und der damit einhergehenden zunehmenden Menge und Komplexität des Wissens einen enormen Bedeutungszuwachs erfahren (vgl. Erlach 2013: 8).

Neben der Verwaltung und Verteilung des Wissens steht heute die Entwicklung des Wissens der Beschäftigten im Vordergrund.

Aufgrund der hoch technologisierten Informations- und Kommunikationsprozesse erfolgt die Wissensverarbeitung in immer kürzer werdenden Zeiträumen, was bedeutet, dass Wissen schnell veraltet. Wissen wird damit innerhalb der Informations- und Wissensgesellschaft zu einer knappen und damit sehr wertvollen Ressource.

Arbeit findet heute vermehrt in vernetzten globalen Strukturen statt. Leistungen der Menschen und der Maschinen verbinden und ergänzen sich zunehmend. Durch die veränderten globalen Strukturen und die Digitalisierung entstehen vermehrt neuartige Dienstleistungen, die Qualität der angebotenen Leistungen steigt (vgl. Sauter 2015: 9). North stellte diese Zusammenhänge in einer anschaulichen Grafik dar (s. Abb. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Drei Triebkräfte steigern die Bedeutung der Ressource Wissen

Quelle: North 2016: 13

[...]

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Details

Titel
Wissensmanagement. Ein modernes Instrument zur Steigerung der Pflegequalität in der Altenpflege
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Studienzentrum Bonn)
Veranstaltung
Gesundheits- und Sozialmanagement
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
72
Katalognummer
V979539
ISBN (eBook)
9783346321855
ISBN (Buch)
9783346321862
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissensmanagement, instrument, steigerung, pflegequalität, altenpflege
Arbeit zitieren
Stephanie Mülln (Autor), 2020, Wissensmanagement. Ein modernes Instrument zur Steigerung der Pflegequalität in der Altenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979539

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