Psychologische Aspekte religiöser Erlebnisse


Seminararbeit, 2000
20 Seiten

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Hjalmar Sundéns Rollentheorie
Fragestellung
Konzepte der Wahrnehmungspsychologie
Das Rollenkonzept
Das Angebot religiöser Rollen
Referenzsysteme und Phasenwechesel
Religiöse Erfahrung und „die Wirklichkeit“
Kritikpunkte an Sundéns Theorie

Die Attributionstheorie
Annahmen der Attributionstheorie
Das Bedürfnis nach Sinn, Kontrolle und Selbstwertgefühl
Profane oder religiöse Attributionen
Merkmale des Attributors
Kontext des Attributors
Merkmale des Ereignisses
Kontext des Ereignisses
Beurteilung der Attributionstheorie

Schlusswort

Literaturverzeichnis

VORWORT

Religiöse Erfahrungen sind schon von alters her ein Thema, das den Menschen faszi- niert und beschäftigt. Solche Erfahrungen lassen sich überall in der Literatur wiederfin- den, sie wurden von allen möglichen Menschen an den unterschiedlichsten Orten und Zeiten erlebt, aufgeschrieben, weitererzählt oder auch für sich behalten. Möglicherweise haben einige uns nahestehenden Personen von solchen Erlebnissen berichtet, ja viel- leicht haben auch sogar wir selber schon etwas erlebt, dass sich als ein solches spirituel- les Erlebnis deuten liesse.

Für einige Menschen sind religiöse Erfahrungen ein erstrebenswertes Ziel und einzig wahrer Ausdruck von Religiosität. Nur diese Erfahrungen ermöglichen es den Praktizie- renden, das grundlegende Wesen ihrer Religion zu verstehen und im Leben zu verwirk- lichen. Gleichzeitig werden sie durch religiöse Erfahrungen in ihrem Glauben bestätigt und der Entscheid, den religiösen Weg weiter zu verfolgen, erscheint als richtig. Für andere wiederum sind religiöse Erfahrungen ein Zeichen menschlicher Selbst- Täuschung und Unreife, ja sie verstehen Religion an sich als ein Versuch, sich der Ei- genverantwortung zu entziehen. Ihrer Meinung nach übergeben sich die Anhänger einer Religion der Führung einer höheren Macht um dem Wunsch nach Sicherheit und Ge- borgenheit zu entsprechen, was letztlich aber eine Illusion sei. Wie auch immer religiö- se Erfahrungen nun gewertet werden, ihr Auftreten ist dennoch eine „psychologische Tatsache“ (C.G. Jung, 1973, S. 98) die zu untersuchen von grossem Interesse ist.

Es gibt viele verschiedene Zugangswege auf denen man sich religiösen Erfahrungen nähern kann. Entsprechend dieser verschiedenen Zugänge wird die Wahl des Weges letztendlich Einfluss auf die Fragestellung, Untersuchungsmethoden, Ergebnisse und auch Interpretationen derer nehmen. So werden wir zu unterschiedlichen Ansichten kommen, wenn wir religiöse Erfahrungen etwa im theologischen oder wenn wir sie im psychologischen Sinn zu erfassen versuchen. Und wenn wir nun das Thema psychologisch verstehen wollen, so wird auch hier die Art und Weise, wie wir an den Gegenstand herangehen, von unserem Hintergrund, unserem Referenzsystem bestimmt.

In folgendem möchte ich v.a. mit Hjalmar Sundéns Rollentheorie religiöser Erfahrungen arbeiten, die uns die Fragestellung nach den psychologischen Hintergründen dieser Erfahrungen näherbringt. Weiter werde ich versuchen, attributionstheoretische Ansätze als Ergänzung zu Sundéns Theorie darzustellen und Probleme, Kritiken und weiterführende Fragestellungen zu erörtern.

HJALMAR SUNDÉNS ROLLENTHEORIE

Hjalmar Sundén (geb. 1908) war Professor für Religionspsychologie an der Universi- tät Uppsala 1967 - 1975. In seinen frühen Jahren widmete er sich der Religionsge- schichte und der Theologie, war Pfarrer und nahm diverse Lehraufträge an. Er schrieb seine Dissertation über den französischen Philosophen Henri Bergson, wofür er zum Doktor der Theologie promoviert wurde. Sundén lehrte Christentumskunde und Philo- sophie an einem Schwedischen Gymnasium und arbeitete darauf als Lektor an der Staatlichen Polizeischule in Stockholm, wo er Allgemeine Psychologie und „Aussagen- psychologie“ unterrichtete. 1959 veröffentlichte er das Buch „Die Religion und die Rol- len“ worauf er mit der Vertretung der Religionspsychologie an der Universität in Stock- holm betraut wurde. Später wurde er Dozent für Religionsgeschichte und Religionspsy- chologie in Uppsala, wo er dann 1967 eine persönliche Professur für Religionspsycho- logie erhielt. In seiner sogenannten Rollentheorie entwickelte Sundén einen Weg, um die Struktur und die Dynamik religiöser Erfahrungen darzustellen und auch zu erklären. Diese Theorie gibt uns nicht nur die Möglichkeit solche Erlebnisse als ein Faktum zu akzeptieren, sie gibt uns auch das nötige Werkzeug um zu verstehen, unter welchen Voraussetzungen solche Erfahrungen möglich sind und wie sie im Detail aussehen kön- nen.

Fragestellung

Eine Theorie versucht eine vorgegebene Fragestellung (z.B. die Erklärung bestimmter Phänomene) so gut wie möglich zu beantworten. So wird man Sundéns Theorie als eine mögliche Antwort auf seine selbstgestellte Frage „Inwiefern ist eine religiöse Erlebnis- welt psychologisch möglich?“ (Sundén, 1982, S. 33) verstehen. Dieser Fragestellung wird in den folgenden Abschnitten versucht, näher zu kommen. Dabei werden im Spe- ziellen zwei Felder der Psychologie miteinbezogen: Die Wahrnehmungspsychologie und die Sozialpsychologie.

Konzepte der Wahrnehmungspsychologie

Sundén rezipiert aus der Wahrnehmungspsychologie den selektiven Charakter der Wahrnehmung und die Organisation dieser Selektivität. Er geht davon aus, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nicht der objektiven Realität entspricht. Unser Bewusst- sein nimmt Aussenreize nicht einfach passiv wahr, es wählt aktiv zwischen den ver- schiedenen Stimuli aus, misst ihnen unterschiedliche Wichtigkeit zu und interpretiert die erhaltenen Informationen in einer dem Kontext entsprechenden Art und Weise. Es „kann konstatiert werden, dass Wahrnehmung mit Hilfe des Sehvermögens niemals ein photographisches Registrieren von vorhandenen Gegenständen und Situationen ist. Ein Deutungsmoment gehört zu jeder Wahrnehmung“ (Sundén, 1982, S. 33). Trifft ein Sti- mulus ein, wird ein Muster gesucht, in das sein Inhalt einfügbar ist. Dieser Prozess ist nicht vom Individuum bewusst beeinflussbar, „erst das Resultat wird bewusst, indem das gefundene Muster den Wahrnehmungsinhalt strukturiert und den Stimuli, die den Organismus beeinflussen, einen Sinn gibt“ (Sundén, 1982, S. 36). Wahrnehmung ist also ein Interpretationsprozess und das strukturierende Instrument nennt Sundén Muster. Dieser Prozess ist aber nicht nur ein mechanischer Ablauf von Mustersuche und Strukturierung, auch motivationale Variablen (Sundén spricht von Bedürfnis und Bereitschaft) spielen bei der Wahrnehmung mit.

Das Rollenkonzept

Aus der Sozialpsychologie entnimmt Sundén folgende Definition der Rolle: „Eine Rolle ist ein Verhaltensmodell, das zu einer bestimmten Position hinleitet, die der ein- zelne einnimmt in einem interaktionellen Ensemble (einem interaktionellen System)“ (A.M. Rochblave, 1962, zitiert nach Sundén, 1982, S. 37f.). Eine Rolle vermag aber nicht nur ein bestimmtes Verhalten zu charakterisieren, sie führt den Rolleninhaber auch dazu, sein Gegenüber, den Partner, in einer bestimmten Weise wahrzunehmen. Die Rolle des Partners wird zu einem Muster, das dem Wahrnehmungsinhalt Struktur zu geben vermag. Sundén geht davon aus, dass jeder, der eine Rolle annimmt, gleichzeitig auch die Rolle des Partners übernimmt. Als Sohn etwa werde ich mich gegenüber mei- nem Vater auf bestimmte Weise verhalten, gleichzeitig erwarte ich aber auch ein ent- sprechendes Verhalten meines Vaters mir gegenüber. Bezogen auf die Religionen heisst das, dass wir z.B. gegenüber Gott eine Rolle annehmen können (role-taking), zugleich aber auch Erwartungen haben, wie Gott sich gegenüber uns verhalten wird (role- adoption). Wenn wir also eine Rolle annehmen, in der wir in Interaktion mit Gott ste- hen, so wird das unsere Wahrnehmung in höchstem Masse beeinflussen, die Rolle des göttlichen Partners wird augenblicklich zum Wahrnehmungsmuster oder Referenzsys- tem des Individuums. Das, was sich ereignet und geschieht kann als Gottes Handeln erlebt werden und der umgebende Raum wir von nun an nicht mehr als neutraler Raum erlebt werden, sondern nur als eine göttliche Gegenwart (vgl. Sundén, 1982, S. 38).

Das Angebot religiöser Rollen

In allen Religionen und religiösen Schriften finden wir ein reiches Angebot an religiö- sen Rollen. „Es gibt grosse religiöse Traditionen, die mit ihren Mythen und Ritualen dem Menschen Rollen bereitstellen, die in das interaktionelle System Gott - Mensch, Götter - Menschen, Geiser - Menschen usw. hineingehören“ (Sundén, 1982, S. 48). Damit ist auch gleichzeitig der Begriff religiöse Rolle definiert, nämlich ein interaktio- nelles System Gott (oder ‚das Andere‘)/Mensch. In der Bibel gibt es unzählige Beispiele von Rollen - so gibt es z.B. die Rollen von Adam und Eva, Moses, Abrahm, die 12 Jün- ger Jesu und viele andere mehr. Auf der anderen Seite wird aber immer auch die Rolle Gottes dargestellt, in der Gott mit seinen Geschöpfen interagiert. Identifiziert ein Mensch sich mit einer Rolle, bedeutet das, „ dass er die in der biblischen Situation ge- gebene menschliche Rolleübernimmt; aber in demselben Augenblick wird die in der biblischen Situation gegebene Rolle „ Gott “ sein Wahrnehmungsmuster, was dazu führt, dass seine eigene Situation sichändert. Er nimmt sie in einer neuen Weise wahr “ (Sun- dén, 1982, S. 38). Die Kenntnis der verschieden religiösen Rollen, sei es nun im christ- lichen, hinduistischen, buddhistischen oder in einem anderen Kontext, ermöglicht es uns, uns mit ihnen zu identifizieren und gleichzeitig die Geschehnisse und das uns Um- gebende als göttliche Gegenwart zu erleben. Die Kenntnis dieser Rollen ist notwendige Voraussetzung für jegliche religiösen Erlebnisse. Fehlt uns das Wissen über diese Rol- len, können wir, so Sundén, keine derartigen Erfahrungen machen. „Solange sich ein Mensch das Wort nicht aneignet und Christus und Gott durch das Wort nicht kennenge- lernt hat und auch nicht gelernt hat, diese Rollen anzunehmen, solange kann er Christus oder Gott nicht erleben. Das Wort ist somit sowohl für den Theologen als auch für den Psychologen die absolute Voraussetzung für das christliche Gotteserlebnis“ (Sundén, 1975, S. 52f.). Entsprechend definiert er Religion als „ eine Beziehung des Dialogs mit dem Dasein als Totalität. Aber diese Relation wird durch Rollen strukturiert, und ohne Rollen verschwindet sie “ (Sundén, 1982, S. 46).

Referenzsysteme und Phasenwechesel

Bei der Wahrnehmung und der Beurteilung unserer Umgebung benutzen wir, wie o- ben beschrieben, ein Referenzsystem. Sundén spricht von zwei solchen Bezugssyste- men, ein wissenschaftlich-technisches und ein religiöses Referenzsystem. Wir können unsere Umwelt als ein hochkomplexes System physikalischer Abläufe verstehen, die sich ausschliesslich auf naturwissenschaftlichem Weg erklären lassen. Oder aber wir verstehen die Welt als Gottes Schöpfung, durch die wir Gott und uns als Teil der Schöp- fung wahrnehmen können. Dabei lässt sich abwechslungsweise das eine oder andere Paradigma als Bezugssystem heranziehen, nicht aber beide zur gleichen Zeit: „Wenn man das technische Bezugssystem verwendet, kommt kein Gotteserlebnis zustande, wie auch kein technisches Erleben auftritt, wenn das religiöse System die Einstellung be- stimmt“ (Sundén, 1982, S. 44). Wir können also vom einen zum anderen Bezugssystem wechseln; man spricht dann von Restrukturierung oder Phasenwechsel. Unger (vgl. Un- ger, 1976, S. 15ff.) stellt in seiner Übersicht dar, um welche Arten von Prozessen es sich bei diesen Phasenwechsel handeln kann. Er spricht von ‚intentionalizing‘, ‚totali- zing‘ und ‚mechanizing‘. Zum einen meint er den Wechsel von einem profanen, me- chanischen und durch den Zufall bestimmten, zu einem religiösen, von göttlicher Inten- tion gekennzeichnetem Weltbild (intentionalizing) und vice versa (mechanizing). Und zum anderen spricht er vom Wechsel von einer Vielfalt als Ausdruck der mechanisch funktionierenden Welt (multiplicity as mechanical occurence) zu einer Totalität, in der unsere gesamte Umgebung als (von Gott durchdrungene) Einheit wahrgenommen und entsprechend struktuiert wird (totalizing). Es ist nicht ganz klar unter welchen Bedin- gungen ein solcher Phasenwechsel stattfindet, es scheint aber so, dass in Situationen, in denen uns das aktuelles Referenzsystem nicht mehr adäquat erscheint, wir einen solchen Wechsel vornehmen. Befinden wir uns etwa im üblichen profanen Bezugssystem und etwas für uns unerklärliches oder einfach übermächtiges widerfährt uns (z.B. ein tod- geweihter Mensch, der sich innert kürzester Zeit von seine Krankheit erholt), so kann es durchaus sein, dass wir vom profanen in ein religiöses Referenzsystem überwechseln und das Phänomen als Zeichen Gottes interpretieren. Sundén spricht auch von Zeiten der Gefahr, in denen ein Phasenwechsel besonders auftritt. So bringt er das Beispiel einer Gruppe katholischer Priester, die bei einem Autounfall in höchstem Masse me- chanisch bzw. profan agierten und nicht etwa religiös (worüber die Priester ziemlich erstaunt waren). Oder er fügt eine weitere Anekdote an, in der bei einem Brand in Karlstad (Schweden) der Bischof fluchte und löschte und der Landrat betete und weinte (vgl. Sundén, 1975, S. 48). Gemäss Wikström (vgl. Wikström, 1987, S. 394) geht es der Rollentheorie nicht darum, zu sagen, dass jemand ein Anzahl von Bezugsrahmen zur Verfügung parat haben würde, die er dann in bestimmten Situationen aktiv suchen und einsetzen würde. Es geht mehr um eine (akkumulierte) generelle Partnerrolle, die einen gewissen Zustand von Bereitschaft (‚readiness‘ oder ‚set‘) evoziere, auf Grund dessen man die Begebenheiten der oben genannten Totalität, Ganzheit oder Intentionalität bzw. Gott zuschreiben würde.

Religiöse Erfahrung und „die Wirklichkeit“

Natürlich ist es nicht die Aufgabe dieser Arbeit, die Frage nach der Wirklichkeit bzw. Realität (wie auch immer man diese Begriffe definieren mag) religiöser Erfahrungen ins Detail zu verfolgen, sie soll ja primär über die psychologischen Hintergründe dieser Erlebnisse Auskunft geben. Dennoch ist diese Frage von persönlichem Interesse und wird in folgendem Abschnitt etwas ausgeführt. Die Frage soll gestattet sein, ob wir reli- giöse Erfahrungen als ein der Realität entsprechendes Ereignis oder als Illusion verste- hen müssen (vgl. auch Unger, 1976, S. 30f.). Denn wenn wir unsere Umwelt einmal durch eine profane und ein anderes Mal durch eine religiöse Brille wahrnehmen können (und wir somit total unterschiedliche Eindrücke erhalten), so lässt sich die berechtigte Frage stellen, was denn nun von alledem wirklich und was Einbildung, Illusion ist. Ana- log Sundéns Beispiel von einem Polizisten, der sich auf der Jagd nach einem Verbre- cher befindet und in einer scheinbar gefährlichen Situation eine Gewehrmündung wahr- nimmt, wo in Wirklichkeit nur ein Flaschenhals vorhanden ist (vgl. Sundén, 1982, S. 35f.), könnte man meinen, dass ein Mensch, der eine religiöse Erfahrung macht, sich in ähnlicher Weise vielleicht nur etwas einbildet, was gar nicht da ist. Nun, bei dieser Fra- gestellung geht es wohl vor allem darum, wie man Wirklichkeit definiert. Sundén macht dazu folgende Aussage: „Die wirkliche, sichere Welt, auf die man sich verlassen kann, besteht aus Bezugssystemen, die von ganzen Gruppen umfasst werden. (...) Versteht man etwas und wird man verstanden, so handelt es sich um etwas Wirkliches, dann sind die Wahrnehmungsinhalte gedeutet und mittels derjenigen Systeme ergänzt worden, welche die ganze Gruppe gemeinsam hat“ (Sundén, 1966, S. 87). Dies und das oben erläuterte Konzept der Rollenübernahme gilt auch gleich als Erklärung dafür, warum es im Kontext der verschiedenen Religionstraditionen zu ähnlichen religiösen Erfahrungen und zu einem gewissen Konsens über solche Erfahrungen und die ‚wahre Existenz Got- tes‘ gekommen ist und kommen kann. „Zieht man in Betracht, dass die Rolle kodifiziert ist und dass sie als Wahrnehmungsmuster darum von Generation zu Generation, von Einzelmensch zu Einzelmensch funktionieren konnte, dann begreift man, dass das Got- teserlebnis reproduzierbar ist, was von den Illusionen nicht gilt, dahingegen von der Erfahrung“ (Sundén, 1982, S. 38f.). Ähnliche spirituelle Erfahrungen werden dadurch gemacht, indem Religionsanhänger die gleichen Referenzsysteme (z.B. die Bibel) ver- wenden, und die Erfahrungen, die vor diesem Hintergrund gemacht werden, können ausgetauscht werden, womit das sich ein bisheriges Gottesbild bestätigen lässt. Sundén zieht eine klare Linie zwischen Erfahrung und Illusion, wobei letztere im Gegensatz zum ersteren nicht reproduzierbar ist. Er spricht weiter in Bezug auf Erfahrung auch von Voraussagen machen und von Bestätigung: Es gibt „religiöse Erfahrung im glei- chen Sinne (...), wie es Erfahrungen gibt, auf die sich Physiker und Chemiker berufen. Erfahrungen zu haben, bedeutet vorwegnehmen, vorgreifen zu können. Wenn wir Vor- aussagen machen können in bezug auf das, was unter gewissen Bedingungen geschehen wird und dies wirklich eintrifft, dann sind wir der Auffassung, damit eine Erfahrung gemacht zu haben. Wir sind von der Erfahrung anderer ausgegangen, aber wenn unsere Voraussage bestätigt wird, so wird diese Erfahrung zu unserer eigenen Erfahrung“ (Sundén, 1975, S. 33). Diese Antworten auf die Wirklichkeit religiöser Erfahrung kann man zwar in gewissem Sinne akzeptieren, ob sie aber zufriedenstellend ist bedürfte aber noch weiterführender Diskussionen.

Kritikpunkte an Sundéns Theorie

Unger kritisiert in seiner Arbeit (vgl. Unger, 1976, S. 32) drei Punkte: Erstens bemän- gelt er die ungenügende Präzision und Systematisierung von Sundéns Rollentheorie, insbesondere betreffend der verwendeten Begriffe. Zweitens kritisiert er die schwache empirische Belegung seines Ansatzes (die aber mittlerweile durch diverse Arbeiten ergänzt wurde, vgl. van der Lans, 1987, S. 401 - 412) und drittens die enge Definition von religiöser Erfahrung als blosse Form von Wahrnehmung - Erfahrungen von Gott sei nur eine unter vielen anderen möglichen Formen religiöser Erfahrung.

Gemäss Stifoss-Hanssen (vgl. Stifoss-Hanssen, 1995, S. 106ff.) gibt es weitere Kritik- punkte anderer Autoren, die hier erwähnt werden sollen. Ein Punkt trifft das im obigen Abschnitt ersichtliche Problem der Apologetik. Sundén scheint Religiosität in einen wissenschaftlichen Rahmen bringen zu wollen, wo religiöse Erfahrungen als reprodu- zierbar und überprüfbar beschrieben und somit von Illusionen abgegrenzt werden kön- nen. Er unterscheidet nicht zwischen philosophischen und psychologischen Problemen und „seine Theorie wird zur Lösung von Problemen herangezogen, für die sie nicht konstruiert sein kann: religiöse Erfahrung ist nicht nur reale Erfahrung sondern auch eine Erfahrung von etwas Realem“ (Stifoss-Hannsen, 1995, S. 109, meine Überset- zung). Diese Aussage lässt sich vor dem Hintergrund Sundéns Rollentheorie nicht hal- ten. Dennoch kann das psychologische Problem der religiösen Erfahrung mittels der Theorie gelöst werden - religiöse Erfahrung ist eine reale Erfahrung.

DIE ATTRIBUTIONSTHEORIE

Die Rollentheorie, die v.a. auf den Grundlagen der Wahrnehmungs- und der Sozialpsychologie aufbaut, lässt sich hervorragend auf religiöse Erfahrungen anwenden und sie hilft uns, religiöse Sozialisation und religiöses Verhalten zu verstehen. Auf der anderen Seite begegnen wir einigen Problemen, wenn es darum geht, Kognitionen und im Speziellen den emotionalen Aspekt mit einzubeziehen. Hier sollen uns die Konzepte der Attributionstheorie weiterhelfen, mit denen sich die Rollentheorie ergänzen lässt und die wir im folgenden diskutieren werden.

Annahmen der Attributionstheorie

Die Hauptannahme der Attributionstheorie, die im religionspsychologischen Kontext v.a. durch Spilka et al. (vgl. Spilka, Shaver, & Kirkpatrick, 1985, S. 1 - 20) vertreten wird, ist die Idee, dass es grundlegend für die menschliche Natur sei, nach (sinnvollen) Erklärungen oder Ursachen für die Ereignisse des Lebens zu suchen. Die Religion wird dabei als ein Mittel verstanden, das dem Menschen dabei hilft, Erklärungen zu finden. Daneben gibt es aber noch andere alternative, säkulare Erklärungsmodelle, mit denen Ereignisse gedeutet werden können und es hängt von der beurteilenden Person und dem Kontext ab, welches Modell zur Interpretation herangezogen wird. Diese Sichtweise lässt sich sehr gut mit Sundéns Konzept des profanen und religiösen Referenzrahmens und dem Phasenwechsel in Verbindung bringen. Die Attributionstheorie gibt uns Aus- kunft darüber, nach welchen Kriterien ein bestimmtes Erklärungsmodell (profan od. religiös) ausgewählt bzw. ein Phasenwechsel vorgenommen wird. Im Gegensatz zur Rollentheorie, die hinsichtlich spiritueller Erlebnisse den Aspekt des sozialen Lernens und der Perzeption betont, legt die Attributionstheorie grösseren Wert auf die kognitive Komponente religiöser Erfahrungen.

Das Bedürfnis nach Sinn, Kontrolle und Selbstwertgefühl

Attributionen sind nach Spilka et al. (1985) motiviert durch das Bedürfnis nach Sinn, Kontrolle und Selbstwertgefühl. Sie werden dann vorgenommen, wenn Ereignisse oder Erfahrungen die Befriedigung dieses Bedürfnis bedrohen. Das Ziel der Attributionen wird dann sein, den Bedürfnissen in genügendem Mass wieder zu entsprechen. Religio- nen sind in der Lage, solche Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn ich mich selber als ein Partner Gottes oder als Gottes Geschöpf sehen kann, so wird das meinem Leben Sinn geben und meinen Selbstwert steigern. Im Zusammenhang mit Sundéns Rollentheorie könnte man auch sagen, dass es bei der Rollenübernahme darum geht, den Wunsch nach Kontrolle zu befriedigen. Denn wenn ich mich als Partner Gottes verstehe, mein Leben in Gottes Hand lege und auf seine wohlwollende Intention vertraue, so wird mir das ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle geben (vgl. Spilka et al., 1985, S. 3ff., Wikström, 1987, S. 395f., Stifoss-Hanssen, 1995, S. 111f.).

Profane oder religiöse Attributionen

Das Individuum verwendet gemäss Spilka et al. zwei Bezugssystem, um die Welt zu erklären, ein religiöses und ein profanes. Als Antwort auf die Fragestellung, warum Menschen überhaupt religiöse Attributionen vornehmen können, geben sie als Begrün- dung an, dass diese von den Kulturen einfach passend zu Verfügung gestellt werden. Weiter sind kausale Attributionen gemäss den Autoren „eine Funktion der Interaktion zwischen vorrangigen Erwartungen und Überzeugungen (Schemata) und verschiedenen umweltbedingten Einflüssen und Hinweisreizen“ (Spilka et al., 1985, S. 9, meine Über- setzung). Diese von den Autoren vertretene Sichtweise entspricht ziemlich genau dem Ansatz Sundéns in Bezug auf das Konzept der Rollenübernahme.

Doch welche Mechanismen spielen nun eine Rolle, wenn es darum geht, das eine oder andere Bezugssystem einzusetzen? Die Attributionstheorie gibt vier Hauptfaktoren vor, unter deren Einfluss die Entscheidung für ein religiöses oder ein non-religiöses Erklä- rungsmodell getroffen wird: charakteristische Merkmale des Attributors, Kontext des Attributors, Merkmale des Ereignisses und der Kontext des Ereignisses. Jeder dieser Faktoren umfasst die Aspekte der Suche nach Sinn, Kontrolle und Selbstwertgefühl.

Spilka et al. schlagen folgendes Modell der Attribution vor: Ein Attributor trifft auf eine Situation mit einer allgemeinen Prädisposition, mit oder ohne religiösen Referenz- rahmen die Situation zu beurteilen. Der Kontext beeinflusst dann die Neigung des Attri- butors in die eine oder andere Richtung. Das Resultat dieses Einflusses ist ein Verfüg- barkeitsniveau für jedes der beiden Bezugssysteme, so, dass dasjenige System als erstes bevorzugt wird, dessen Verfügbarkeit grösser ist. Betrachtet der Attributor dann das Ereignis im Zusammenhang mit dem Kontext des Ereignisses und ermöglicht das vor- herrschende Bezugssystem eine befriedigende Erklärung, so wird dieses System folg- lich verwendet. Ermöglicht das System keine akzeptable Erklärung, wird der Attributor dazu neigen, auf das andere Referenzsystem überzuwechseln (vgl. Spilka et al., 1985, S. 9). Im Folgenden werden die vier oben genannten Einflussfaktoren nochmals näher im Detail betrachtet.

Merkmale des Attributors

Sundéns legt in seinem Ansatz besonders Wert auf die Aspekte des Attributors, seine Sozialisation und die Pflege (cultivation) der religiösen Sprache durch das Bibelstudi- um, Teilnahme an religiösen Treffen und durch private Gebete und Meditation (vgl. Wikström, 1987, S. 396). Nach Spilka et al. haben verschiedene Studien die Bedeutung sozialer Variablen (im Sinne von Erziehung und Bildung) als Grundlage für eine mögli- che Rollenübernahme als Gottes Partner und entsprechende Erfahrungen der Nähe Got- tes belegt. Insofern könnte man sagen, dass ein religiöser Hintergrund den Zugang zu religiösen Attributionen eher erleichtert. Ein Aspekt der erwähnten sozialen Variablen ist die religiöse Sprache. In Experimenten wurde gezeigt, dass die Sprache eine not- wendige Voraussetzung darstellt, um meditative Erfahrungen religiösen oder mysti- schen Erlebnissen zuschreiben zu können (vgl. Spilka et al., 1985, S. 9). Rollenüber- nahme und -aufnahme sind abhängig von der Verfügbarkeit religiöser Sprache. Weiter wird die Wirksamkeit religiöser oder non-religiöser Referenzsysteme, betreffend der Kontrollierbarkeit von Situationen, Einfluss auf eine entsprechende Attribution ausüben. Und ausserdem beeinflusst die relative Wichtigkeit religiöser oder non-religiöser Bezugssysteme als Quelle für das Selbstwertgefühl die Neigung, sich für die eine oder andere Sichtweise zu entscheiden.

Kontext des Attributors

Das aktuelle Setting, in dem wir uns aufhalten, beeinflusst unsere Attributionen. Be- finden wir uns etwas in einer religiösen (z.B. Kirche) oder einer klar nicht-religiösen Umgebung (z.B. Labor), so wird das Einfluss auf die Verfügbarkeit des entsprechenden Referenzsystems nehmen. Auch bestimmen die Meinungen anderer Personen (für oder wider religiöse bzw. profane Weltanschauung) unsere Attributionen mit. Dies liesse sich auch mit Aspekten der Konformität, der Gruppenzugehörigkeit oder des Gruppen- zwangs in Verbindung bringen.

Wurden religiöse oder non-religiöse Attributionen in vergangenen Situationen als wirksam erlebt (s.o.), so entscheidet das mitunter auch darüber, ob wir die eine oder andere Sichtweise im aktuellen Kontext vorziehen. Das gleiche gilt auch für Beobach- tungen, die wir bei anderen Menschen gemacht haben. Als weitere Variable wird der Kontext des Attributors im Sinne einer Bedrohung des individuellen Selbstwertes ge- nannt. Erscheint uns eine profane (z.B. ‚inkompetent, unintelligent‘) oder religiöse (z.B. ‚unmoralisch, sündhaft‘) Attribution als bedrohlich für unser Selbstwertgefühl, werden wir uns v.a. in negativen Situationen für das andere Referenzsystem entscheiden. An- ders formuliert werden wir also jenes Bezugssystem bevorzugen, das im aktuellen Kon- text unserem Selbstwert am meisten dienlich ist.

Merkmale des Ereignisses

Abhängig davon, wie sich eine Situation oder ein Ereigniss in unser aktuelles Bezugs- system eingliedern lässt, wird die eine oder (wenn das System nicht mehr als passend empfunden wird) die andere Sichtweise bevorzugt. Wiederum sind Aspekte der Kon- trollierbarkeit und des Einflusses auf den Selbstwert entscheidend dafür, welches Sys- tem gewählt wird.

Insbesondere in Situationen intensivsten Stresses oder in Situationen, in denen der üb- liche weltliche Referenzrahmen nicht mehr adäquat erscheint, kann der Rollenübernah- meprozess und entsprechende Attributionen einsetzten. Ein Phasenübergang tritt meist dann auf, wenn das bisherige sinnstiftende Bezugssystem und das Selbstvertrauen stark in Frage gestellt wird. In Momenten der extremen Einsamkeit und Hilflosigkeit scheint die religiöse Rolle als das alternative Paradigma. Aussagen von Betroffenen wie etwa ‚Ich fühlte seine Hand‘, ihre neu gestaltete Selbstwahrnehmung ‚Ich bin Sein geliebtes Geschöpf‘ und die dabei von ihnen gefühlte Erleichterung bestätigen die Aussage, dass derartige Rollenübernahmen bzw. Phasenwechsel besonders dann vorgenommen wer- den, wenn die Situation als bedrohend und selbstwertgefährdend erlebt werden (vgl. dazu Wikström, 1987, S. 397).

Kontext des Ereignisses

Wie auch schon beim Kontext des Attibutors ist auch hier das aktuelle Setting eines erlebten Ereignisses für eine religiöse oder non-religiöse Attribution entscheidend. Ein in einem religiösen Kontext erlebtes Ereignis werden wir anders interpretieren, als wenn wir demselben in einer profanen Umgebung begegnet wären. Erleidet ein Mann eine Herzattacke während eines Gottesdienstes oder passiert ihm dies auf dem Golfkurs, so würde das Ereignis möglicherweise unterschiedlich gedeutet werden. Auch beim Kon- text des Ereignisses wirken Kontrolle und Selbstwertgefühl auf die Betrachtungsweise ein.

Beurteilung der Attributionstheorie

Die Attributionstheorie gibt uns einen guten Überblick über jene Prozesse, die Ein- fluss darauf nehmen, welches der beiden Referenzsysteme - religiös oder profan - wir in bestimmten Situationen anwenden. Diese Theorie lässt sich sehr gut in Sundéns Rollen- theorie einfügen und vermittelt tieferes Verständnis in Bezug auf religiöse Erfahrungen.

Die Vorteile der Attributionstheorie lassen sich speziell anhand der gut strukturierten Beschreibung kognitiver Prozesse und der Betonung der Wichtigkeit dieser Prozesse bei religiösen Erfahrung zeigen. Ihre Beschränkung andererseits liegt in ihren Erklärungsmöglichkeiten, z.B. bleiben religiöse Schriften und ihre reiche Symbolwelt ungeklärt (vgl. Stifoss-Hanssen, 1995, S. 112).

SCHLUSSWORT

Sundéns Modell gibt uns einen umfangreichen Einblick in die psychologischen Pro- zesse, die religiöse Erfahrungen überhaupt möglich machen. Basierend auf den Konzep- ten der Perzeption und der Rollentheorie wird auf verständliche und plausible Weise erklärt, warum gewisse Situationen religiös interpretiert und erlebt werden können und wie es innerhalb einer Gemeinschaft von Menschen immer wieder zu ähnlichen Erleb- nissen kommen konnte und kann. Dies macht uns gleichzeitig auch klar, warum religiö- se Erfahrungen für viele Menschen schon immer von grossem Interesse waren, sind sie doch über die Jahrhunderte an den verschiedensten Orten aufgetreten und wurde darüber philosophiert und ausgetauscht.

Auch wenn mir das meiste der Theorie Sundéns ziemlich einleuchtend erscheint und ich mir über die psychologischen Hintergründe spiritueller Erfahrungen im Klaren bin, sehe ich eine der Hauptschwierigkeiten in der Frage, die Bezug auf „die Wirklichkeit“ nimmt (s.o.). Sicher, dies ist eine höchst philosophische Frage, die im Rahmen dieser Arbeit nicht Vorrang haben darf, dennoch ist sie von persönlichem Interesse und soll hier nochmals kommentiert werden. Jenen Menschen, die eine religiöse Erfahrung ge- macht haben (zu denen ich nicht zähle), ist es nicht bloss wichtig, eine reale Erfahrung gemacht zu haben, sondern eine Erfahrung von etwas Realem, gemacht zu haben. Sun- déns Theorie kann, wie schon oben erwähnt, auf dieses Problem keine Antwort geben. Die Wirklichkeit zu definieren als jene Sichtweise, die von den meisten Menschen ge- teilt wird, dünkt mich nicht besonders einleuchtend. Denn es erscheint mir nicht sinn- voller, statt einer individuellen Illusion, einer kollektiven Illusion (d.h. ähnliche, gleiche spirituelle Erlebnisse, die Sundén dann aber als Erfahrungen bezeichnet, weil sie repro- duzierbar seien) mehr ‚Wirklichkeit‘ zuzugestehen. Weiter lässt sich die etwas spitzfin- dige Frage stellen, ob für religiöse Erfahrungen die Religionen erst „erfunden“ werden mussten und nur dank dieser Erfindungen (Bibel, Koran oder auch andere, mündlich überlieferte Religionen) es Menschen möglich ist, ähnliche (oder überhaupt) religiöse Erlebnisse zu haben. Denn gemäss Sundén ist ja das Wissen um religiöse Inhalte not- wendige Voraussetzung für religiöse Erlebnisse. Oder hat es doch irgendwann mal eine Ur-Erfahrung gegeben (bzw. gibt es sie immer noch), in der ein Mensch die Unmittel- barkeit Gottes erlebt hat (bzw. erlebt), ohne eine entsprechende Rolle in den heiligen Texten zu kennen?

Die Attributionstheorie gibt uns verschiedene Erklärungen dafür, welche kognitiven Mittel und welche anderen Einflüsse uns in der Wahl eines religiösen oder profanen Referenzsystems beeinflussen. Dabei spielen v.a. die Aspekte der Suche nach Sinn, der Kontrollierbarkeit und des Selbstwertes eine grosse Rolle. Die Theorie bringt somit zum Ausdruck, was für viele Menschen ziemlich naheliegend erscheint, oder um mit StifossHanssen zu sprechen: „mal abgesehen davon, dass man das Gefühl haben könnte, sie vermittle einige Binsenwahrheiten (...)“ (Stifoss-Hannsen, 1987, S. 112, meine Übersetzung). Dennoch bringt sie psychologische Hintergründe religiöser Erfahrungen bzw. Attributionen in einen Rahmen, der eine fruchtbare Basis für weiterführende theoretische Überlegungen und empirische Untersuchungen darstellt.

Im Ganzen blicke ich auf eine überaus interessante Arbeit zurück und ich habe einige spannende Einblicke in die Psychologie der Religion erhalten. Auch wenn ich zwei einleuchtende Modelle der Psychologie religiöser Erfahrungen kennengelernt habe, habe ich mich, wie oben ersichtlich, am einen oder anderen Gesichtspunkt der verwendeten Theorien gestossen. Dies lässt aber mit Sicherheit keine Enttäuschung oder Desinteresse zurück, sondern vielmehr die Neugier, dieses Thema weiter zu verfolgen um neue Erkenntnisse und Einsichten zu gewinnen.

LITERATURVERZEICHNIS

Jung, Carl Gustav (1973). Psychologie und Religion. In: ders.: Gesammelte Werke. Bd.11. Olten: Walter Verlag.

Spilka, B., Shaver, P. & Kirkpatrick, L.A. (1985). A general attribution theory for the psychology of religion. Journal for the Scientific Study of Religion, 24, S. 1 - 20.

Stifoss-Hanssen, H. (1995). Roles Constitute Religious Experience. Fiction and Fact in Hjalmar Sundén’s Role Theory, Attribution Theory and Psychodynamic Theory. In: Holm, N.G. & Belzen, J.A. (Eds.). Sundén’s Role Theory - an Impetus to Contemporary Psychology of Religion. Abo: Abo Akademis (Religionsvetenskapliga skrifter nr 27). S. 105 - 127.

Sundén, H. (1966). Die Religion und die Rollen. Berlin: Alfred Töpelmann. (Schwedische Erstausgabe 1959: „Religionen och rollerna“).

Sundén, H. (1975). Gott erfahren. Das Rollenangebot der Religionen. Gütersloh: Gü- tersloher Verlagshaus. (Schwedische Erstausgabe 1961: „Människan och Religionen“).

Sundén, H. (1982). Religionspsychologie: Probleme und Methoden. Stuttgart: Calwer. (Schwedische Erstausgabe 1977: „Religionspsykologi. Problem och methoder“).

Unger, Johan (1976). On Religious Experience. A Psychological Study. Uppsala: U- niversity of Uppsala.

Van der Lans, J. (1987). The value of Sundéns role-theory demonstrated and tested with respect to religious experiences in meditation. Journal for the Scientific Study of Religion, 26, S. 401 - 412.

Wikström, O. (1987). Attribution, Roles and Religion: A Theoretical Analysis of Sundén’s Role Theory of Religion and the Attributional Approach to Religious Experience. Journal for the Scientific Study of Religion, 26, S. 390 - 400.

20 von 20 Seiten

Details

Titel
Psychologische Aspekte religiöser Erlebnisse
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V97970
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologische, Aspekte, Erlebnisse
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Pascal Krapf (Autor), 2000, Psychologische Aspekte religiöser Erlebnisse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97970

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Titel: Psychologische Aspekte religiöser Erlebnisse


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