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Das Cantilever-Argument. Globale Bewegungsfreiheit als "logische Erweiterung" der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit

Titel: Das Cantilever-Argument. Globale Bewegungsfreiheit als "logische Erweiterung" der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit

Bachelorarbeit , 2018 , 37 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Jeremias Düring (Autor:in)

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Frage nach den Herausforderungen globaler Migrationsbewegungen entfachte in den letzten Jahren auch in der politischen Philosophie einige heiß geführte Debatten. Gestritten wurde dabei beispielsweise um ein Wahlrecht für Ausländerinnen und Ausländer oder ein Bleiberecht für irreguläre Migrantinnen und Migranten. Besonders ausführlich wurde auf dem Feld der Migrationsethik außerdem über die Frage diskutiert, ob aus Gründen wie der individuellen Freiheit oder der globalen Verteilungsgerechtigkeit ein Menschenrecht auf globale Bewegungsfreiheit moralisch geboten sei. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Rechtfertigungsversuche für die Forderung unternommen, globale Bewegungsfreiheit in die Liste der in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankerten Rechte aufzunehmen.

Joseph Carens, der in seinem 1987 erschienenen Aufsatz Fremde und Bürger: Wes- halb Grenzen offen sein sollten erstmals die Forderung nach globaler Bewegungsfreiheit artikulierte, verlässt sich in seiner jüngsten Monografie The Ethics of Immigrati- on besonders auf den als „Cantilever-Argument“ bezeichneten Analogieschluss von innerstaatlicher auf zwischenstaatliche bzw. globale Bewegungsfreiheit. Im Zuge dieser Arbeit werde ich untersuchen, ob das Cantilever-Argument hält, was sich Carens von ihm verspricht. Lassen sich die bisher vorgebrachten Einwände gegen den Analogieschluss entkräften? Ist globale Bewegungsfreiheit tatsächlich – wie Carens behauptet – die „logische Erweiterung“ der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Globale Bewegungsfreiheit und Versuche zu ihrer Rechtfertigung

3. Das Cantilever-Argument

4. Einwände gegen das Cantilever-Argument

4.1 Die Adequacy-Objection

4.2 Menschenrecht im weiten Sinn

4.3 Auf den globalen Fall nicht übertragbare Rechtfertigungsgründe

5. Analogieschlüsse und logische Notwendigkeit

6. Fazit

7. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Validität des sogenannten "Cantilever-Arguments", mit dem Joseph Carens ein Menschenrecht auf globale Bewegungsfreiheit als logische Erweiterung der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit rechtfertigt. Ziel ist es zu prüfen, ob der Analogieschluss den erhobenen Anspruch auf logische Notwendigkeit erfüllen kann oder ob er als induktives Verfahren lediglich Plausibilität beanspruchen darf.

  • Migration und globale Bewegungsfreiheit
  • Politischer Liberalismus und individuelle Autonomie
  • Struktur und Logik von Analogieschlüssen
  • Rechtfertigungsstrategien für Menschenrechte
  • Kritische Auseinandersetzung mit der "Adequacy-Objection"

Auszug aus dem Buch

3. Das Cantilever-Argument

Der englische Begriff „cantilever“ kann mit „Ausleger“ oder „Freiträger“ ins Deutsche übersetzt werden. Beim Cantilever-Argument wird an das Fundament des bereits geltenden Menschenrechtes auf innerstaatliche Bewegungsfreiheit der passende Ausleger in Form einer globalen Erweiterung dieses Rechtes angebracht. Die Vorteile liegen auf der Hand. Wie bereits erwähnt, kann so der Rückgriff auf umstrittene Theorien wie einen globalen Schleier des Nichtwissens oder einen utilitaristischen Nutzenkalkül vermieden werden. Außerdem stehen die Gegner eines Menschenrechts auf globale Bewegungsfreiheit vor zwei nahezu unlösbaren Problemen: Sie sind entweder in der durchaus verzwickten Beweispflicht, substanzielle Unterschiede zwischen beiden Arten der Bewegungsfreiheit aufzuzeigen, oder sie müssen dem Recht auf innerstaatliche Bewegungsfreiheit selbst den Status eines Menschenrechts absprechen. Da Letzteres kaum eine zufriedenstellende Option sein kann und Ersteres Carens zufolge nicht möglich ist, bleibt aus Konsistenzgründen nur noch die Möglichkeit übrig, globale Bewegungsfreiheit als Menschenrecht anzuerkennen.

Die Basis für Carens’ Ausleger ist das unter Artikel 13.1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte aufgeführte Recht auf innerstaatliche Bewegungsfreiheit: „Jeder hat das Recht, sich innerhalb eines Staates frei zu bewegen und seinen Aufenthaltsort frei zu wählen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der globalen Migrationsethik und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich des Cantilever-Arguments von Joseph Carens.

2. Globale Bewegungsfreiheit und Versuche zu ihrer Rechtfertigung: Bestimmung der Merkmale des Menschenrechts auf globale Bewegungsfreiheit und Einordnung in den theoretischen Diskurs.

3. Das Cantilever-Argument: Analyse der Struktur des Analogieschlusses, der die innerstaatliche Bewegungsfreiheit als Fundament für die globale Ausweitung nutzt.

4. Einwände gegen das Cantilever-Argument: Kritische Diskussion verschiedener Einwandstypen, darunter die Adequacy-Objection und Probleme der Übertragbarkeit von Rechtfertigungsgründen.

4.1 Die Adequacy-Objection: Detaillierte Untersuchung des Einwands, dass Bewegungsfreiheit kein unbegrenztes Recht auf alle Optionen, sondern nur auf ein angemessenes Maß bietet.

4.2 Menschenrecht im weiten Sinn: Analyse von Matthias Hoeschs Position, globale Bewegungsfreiheit nur als Menschenrecht in einem weiten Sinne einzustufen.

4.3 Auf den globalen Fall nicht übertragbare Rechtfertigungsgründe: Untersuchung der Kritik, dass spezifische Begründungen für innerstaatliche Mobilität nicht auf den globalen Kontext übertragbar sind.

5. Analogieschlüsse und logische Notwendigkeit: Eigene philosophische Bewertung der logischen Form des Cantilever-Arguments und Zurückweisung der behaupteten deduktiven Notwendigkeit.

6. Fazit: Zusammenfassende Verneinung der Frage, ob das Cantilever-Argument eine logische Erweiterung darstellt, sowie Ausblick auf eigenständige Begründungsstrategien.

7. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Globale Bewegungsfreiheit, Cantilever-Argument, Joseph Carens, Migrationsethik, Innerstaatliche Bewegungsfreiheit, Analogie, Menschenrecht, Politische Philosophie, Individuelle Autonomie, Adequacy-Objection, Rechtfertigung, Offene Grenzen, Politische Gleichheit, Induktives Schlussverfahren, Gerechtigkeitstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das sogenannte "Cantilever-Argument" von Joseph Carens, das versucht, ein Menschenrecht auf globale Bewegungsfreiheit mittels eines Analogieschlusses aus der bereits anerkannten innerstaatlichen Bewegungsfreiheit abzuleiten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören die Migrationsethik, die philosophische Rechtfertigung von Grundrechten sowie die logische Untersuchung von Analogieschlüssen im politischen Kontext.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, ob globale Bewegungsfreiheit tatsächlich als "logische Erweiterung" der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit gelten kann und ob das Cantilever-Argument einer kritischen logischen Überprüfung standhält.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine philosophisch-analytische Methode angewendet, die die logische Struktur von Argumenten rekonstruiert, auf ihre Präsuppositionen prüft und gegen alternative Einwände diskutiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die Struktur des Cantilever-Arguments rekonstruiert, anschließend werden wesentliche Einwände (wie die Adequacy-Objection und Hoeschs Kritik) diskutiert, bevor die logische Notwendigkeit der Analogie selbst widerlegt wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind globale Bewegungsfreiheit, Cantilever-Argument, Analogie, Menschenrecht, Autonomie und Migrationsethik.

Warum hält der Autor das Cantilever-Argument für problematisch?

Der Autor argumentiert, dass das Cantilever-Argument formale Schwächen aufweist, da es als induktiver Analogieschluss keine "logische Notwendigkeit" begründen kann, sondern lediglich Plausibilität erzeugt.

Was versteht man unter der "Adequacy-Objection" im Kontext dieser Arbeit?

Sie bezeichnet den Einwand von David Miller, dass ein Anspruch auf Bewegungsfreiheit lediglich den Zugang zu einem "angemessenen" Umfang an Optionen schützt, anstatt ein Recht auf das volle Spektrum weltweiter Wahlmöglichkeiten zu gewährleisten.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Cantilever-Argument. Globale Bewegungsfreiheit als "logische Erweiterung" der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit
Hochschule
Universität Münster
Note
1,0
Autor
Jeremias Düring (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
37
Katalognummer
V979855
ISBN (eBook)
9783346332172
ISBN (Buch)
9783346332189
Sprache
Deutsch
Schlagworte
cantilever-argument globale bewegungsfreiheit erweiterung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jeremias Düring (Autor:in), 2018, Das Cantilever-Argument. Globale Bewegungsfreiheit als "logische Erweiterung" der innerstaatlichen Bewegungsfreiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979855
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Leseprobe aus  37  Seiten
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