Im Verlauf der Hausarbeit wird das Medium "historischer Spielfilm" am Beispiel des Filmes von Ulla Wagner "Die Entdeckung der Currywurst" analysiert. Hierbei soll dargelegt werden, wie Filme erfolgreich einen Platz im Geschichtsunterricht finden können. Die Leitfrage dabei lautet, ob und wie fern Lehrenden trotz fiktiver Elemente im Film, objektive Geschichte im Rahmen des Unterrichts, geboten werden kann.
Im ersten Teil der Hausarbeit wird im Allgemeinen die Vereinbarkeit von Prinzipien und dem Medium Spielfilm erläutert. Anschließend folgt die Analyse des Spielfilmes und es wird dargestellt, durch welche inhaltlichen Elemente der Film die Entwicklung eines Geschichtsbewusstseins unterstützt. In der Schlussfolgerung werden die Ergebnisse zusammengefasst und ein Ausblick auf weiterführende Fragestellungen gegeben. Aufgrund der inhaltlichen Begrenzung beschränkt sich die Hausarbeit ausschließlich auf die im Film präsentierten Elemente, nicht auf die gleichnamige Novelle. Weiterhin wurde mit Hinblick auf das Kerncurriculum Hessen, Fach Geschichte, Bildungsabschluss Mittlere Reife, recherchiert. Thematisch passt der Spielfilm somit in Unterrichtseinheiten der Jahrgangsstufen 9 oder 10.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Prinzipienorientierter Geschichtsunterricht
2.1 Vorzüge des Spielfilmes
2.2 Kritik am Einsatz von Spielfilmen
3. Inhaltliche Schwerpunkte des Spielfilmes „Die Entdeckung der Currywurst“
3.1 Darstellung Hamburgs
3.2 Nationalsozialismus
3.3 Moralische Vorstellungen und Werte
4. Schlussfolgerung mit Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Potenzial des historischen Spielfilms „Die Entdeckung der Currywurst“ von Ulla Wagner für den Geschichtsunterricht. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie trotz fiktiver Elemente im Film objektive historische Sachverhalte vermittelt und die Entwicklung eines geschichtlichen Bewusstseins bei Lernenden gefördert werden kann.
- Didaktische Einbettung von Spielfilmen in den Geschichtsunterricht
- Analyse historischer Darstellungsweisen und ihrer Authentizität
- Förderung von Multiperspektivität und Urteilskompetenz
- Moralische Werthaltungen und Verdrängungsmechanismen in der Nachkriegszeit
- Praktische Anknüpfungspunkte für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung Hamburgs
Die Hansestadt Hamburg war eine der Großstädte Deutschlands, die besonders stark unter dem Zweiten Weltkrieg zu leiden hatte. Durch die Bombenangriffe wurden Großteile der Gebäude vollständig zerstört oder beschädigt. Weitaus mehr als 700.000 Bewohner verloren ihre Wohnungen und mussten fortan unter schwierigen Bedingungen um ihre Existenz kämpfen. Zwar wurde der Film „Die Entdeckung der Currywurst“ lange Zeit nach dem Krieg und Wiederaufbau gedreht und zeigt somit keine originalen Zustände der Schauplätze, zumal eine fiktive Geschichte abgespielt wird. So lassen sich jedoch Parallelen im Rahmen des Geschichtsunterrichtes ziehen. In jeglichen Szenen wird das zerbombte Hamburg gezeigt. Beispiele hierfür sind der Schutthaufen zu Beginn des Filmes, auf dem der Hauptcharakter Bremer sitzt (08:04), der Bombenalaram und das Versteck in den unterirdichen Bunkern (10:31), Feuer, Schutt und Asche nach den Bombenangriffen (12:19).
Diese visuelle Darstellung kann von der Lehrperson auf verschiedene Art und Weise didaktisch genutzt werden. Zum Einen können im vor- oder nachhinein Originalbilder gezeigt und analysiert werden und im Anschluss Vergleiche gezogen werden. Andererseits schulen solche Szenen das Vorstellungsvermögen der SuS, so dass sie sich besser in die damalige Zeit einfühlen können und somit auch gegenwertige Veränderungen erkennen und zur Interpretation der Veränderungen angeregt werden. Hamburg selbst wird zudem nach der Stunde Null durch die Westmacht Englands besetzt. Auch dies wird in dem Spielfilm thematisiert, so besetzten diese das Rathaus (59:10), sind auf den Straßen vertreten und helfen Frau Brücker bei dem Aufbau ihrer neuen Existenz (01:09:00). Weiterhin lassen sich aber auch weitere Gegebenheiten aus dem Film herausfiltern. So werden der entstandene Schwarzmarkt und Prostitution immer wieder aufgezeigt. Aufgrund des Mangels an Lebensmitteln muss Frau Brücker immer wieder Tauschgeschäfte abwickeln (04:07), sie erlernt das Kochen, da sie aus „nichts viel machen sollte“ (39:45). Durch diese Symbole innerhalb des Filmes werden Charakteristika der Kriegs und Nachkriegszeit deutlich gemacht. So war der Mangel an Lebensmittel und Mangelernährung ein weitaus bekanntes Problem, tatsächlich wurde aus all möglichen essbaren Substanzen Ersatz für Nahrung hergestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Medienkompetenz und historischem Lernen ein und definiert das Ziel, den Spielfilm „Die Entdeckung der Currywurst“ für den Unterricht zu analysieren.
2. Prinzipienorientierter Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel erläutert die methodischen Vorzüge des Medieneinsatzes, wie die Förderung von Wahrnehmung und Urteilskompetenz, setzt sich aber auch kritisch mit Gegenargumenten auseinander.
3. Inhaltliche Schwerpunkte des Spielfilmes „Die Entdeckung der Currywurst“: Hier werden die historischen Aspekte des Films, namentlich die Darstellung Hamburgs, die NS-Zeit und moralische Werthaltungen, im Kontext des Geschichtsunterrichts untersucht.
4. Schlussfolgerung mit Ausblick: Das Fazit resümiert, dass der Film trotz fiktiver Anteile ein wertvolles, authentisches Medium für einen kompetenzorientierten Unterricht darstellt.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Spielfilm, Medienkompetenz, Die Entdeckung der Currywurst, Historisches Lernen, Multiperspektivität, Nachkriegszeit, Zweiter Weltkrieg, Urteilskompetenz, Didaktik, Nationalsozialismus, Geschichtsbewusstsein, Filmanalyse, Handlungsorientierung, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Eignung des Spielfilms „Die Entdeckung der Currywurst“ als Medium für den Geschichtsunterricht und analysiert, inwieweit fiktionale Filme zur Vermittlung objektiver historischer Inhalte beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die medientheoretischen Grundlagen des Geschichtsunterrichts, die Visualisierung von Zerstörung und Alltag in der Nachkriegszeit, die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sowie die Vermittlung moralischer Werte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es zu klären, ob und wie Lehrende trotz der Fiktionalität des gewählten Films erfolgreich objektive historische Geschichte im Unterricht vermitteln können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine medienpädagogische und geschichtsdidaktische Analyse, die Fachliteratur mit der inhaltlichen Untersuchung spezifischer Schlüsselszenen des Spielfilms kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Diskussion über den Einsatz von Spielfilmen, die Analyse des Filmes hinsichtlich der Darstellung Hamburgs und des Nationalsozialismus sowie eine ethische Reflexion über moralische Vorstellungen der Akteure.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Kernbegriffe sind Geschichtsunterricht, Multiperspektivität, Urteilskompetenz, mediale Vermittlung von Geschichte und die Analyse historischer Spielfilme.
Wie kann der Film zur Förderung der Urteilskompetenz beitragen?
Durch die Analyse unterschiedlicher Charakterperspektiven im Film und die Diskussion über deren moralisches Handeln werden Schüler angeleitet, historische Ereignisse kritisch zu hinterfragen und zu beurteilen.
Welchen Stellenwert nimmt die Verdrängung der Vergangenheit im Film ein?
Der Film verdeutlicht exemplarisch, wie gesellschaftliche Akteure nach dem Krieg versuchten, ihr Leben weiterzuführen, ohne die Verbrechen der NS-Zeit und des Holocaust vollständig aufzuarbeiten, was als zentrales Lernziel für eine kritische Geschichtsbetrachtung dient.
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- Anonym (Author), 2017, Können Spielfilme objektive Geschichte vermitteln?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979990