Lernen am Film. Echter Gewinn oder Zeitverschwendung? "Fack ju, Göhte" als Lerngegenstand im Deutschunterricht


Seminararbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Audiovisuelle Medien als Unterrichtsgegenstand
2.1 Filmgattungen
2.2 Rechtslage und Jugendschutz

3. Didaktische Analyse und Medienkompetenz
3.1 Vorteile der Arbeit mit (Spiel-)Filmen
3.2 Kritik an der Arbeit mit (Spiel-)Filmen

4. „Fack Ju, Göhte“: Lerngegenstand im Deutschunterricht
4.2 Filminhalt
4.3 Filmkritik

5. Inhaltliche und didaktische Analyse der Schwerpunkte
5.1 Lernziele des Deutschunterrichts
5.2 Sprachwandel und Jugend
5.3 Lehrerrolle
5.4 Kriminalität

6. Schlussfolgerung mit Ausblick

Medien- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wer heute noch Lehrer wird, der muss doch wahnsinnig zu sein“. Dies ist ein Zitat aus der deutschsprachigen Schulkomödie „Fack Ju, Göhte“, eine Produktion aus dem Jahr 2013, geführt unter der Regie von Bora Tagtekin. Doch wie schaffte es gerade dieser, doch wohl an vielen Stellen überzogene Film, zu seinem großen Erfolg? Es ist wohlmöglich eine Mischung aus Ironie, Humor und Ernsthaftigkeit, welche den Film durchdringen. So sind Vandalismus, Drogen und Gewalt an Schulen aktuelle Problematiken, die durchaus auch in der gesellschaftlichen Diskussion stehen. Ebenso bilden Sprachverfall und Sprachvereinfachung eine Thematik, mit der sich nicht nur Sprachwissenschaftler, sondern vor allem auch die Deutschdidaktiker beschäftigen. Im Allgemeinem gehören Filme zu den Leitmedien des 21. Jahrhunderts. Sie erfuhren während des letzten Jahrhunderts nicht nur aufgrund des digitalen Wandels an Bedeutung für Kinder, Jugendliche, und Erwachsene, so wuchs durch technische Möglichkeiten auch der Unterhaltungswert und zudem erleichtert das Internet den Zugang zu unzähligen Produktionen. Visuelle Medien sind zudem mittlerweile fester Bestandteil der schulischen Curricula. Die Medienkompetenz, welche SuS1 dazu befähigen soll, reflektiv, kritisch und bewusst mit verschiedenen Medien umgehen zu können (LRP Hessen 2015) soll mehr und mehr gefördert werden. Dennoch ist der Film als Unterrichtsgegenstand noch oft mit Vorurteilen behaftet. Aktuell beschäftigen sich nicht nur Literaturdidaktiker wie Leupner, Saupe und Richter (2016) im Fach Deutsch mit der Medienkompetenz und insbesondere der Rolle des Filmes. Bereits Baacke (1996) und Barsch (2006) setzten sich früh mit der Medienpädagogik und Medienerziehung auseinander. Schulische und somit mediale Bildung ist in Deutschland Ländersache. Aufgrund dessen, dass sich die vorliegende Arbeit mit dem hessischen Kerncurricula beschäftigt, soll an dieser Stelle auch das Lehrwerk für Lehrpersonen der Landesrundfunkanstalt Hessen in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium „ Understanding Media “ (2018) hervorgehoben werden. Dieses bietet umfangreiches Material inklusiver weiterführender Literatur zur Förderung von Medienkompetenz. Für die vorliegende Arbeit seien außerdem die Beiträge Eva Neulands zu nennen, die sich der Jugendsprachforschung widmet (2016).

Im Rahmen der folgenden Arbeit soll entlang der Fragestellung, ob und inwiefern (Spiel-filme) Beitrag zu einem kompetenzorientierten Deutschunterricht leisten können, der Film „Fack Ju, Göhte“ näher untersucht werden. Dabei werden zunächst Filme als Unterrichtsgegenstände als solche vorgestellt, verschiedene Gattungen benannt und rechtliche Vorschriften dargelegt. Darauffolgend werden die Vorteile, aber auch die Nachteile der Arbeit mit Spielfilmen präsentiert. Im zweiten Teil der Arbeit gilt der Fokus schließlich dem Film „Fack Ju, Göhte“. Dieser wird in seinem Inhalt zusammengefasst, kritisch bewertet und zuletzt werden einzelne, inhaltliche Themenfelder didaktisch und methodisch aufgearbeitet. In der Schlussbetrachtung wird schließlich eine Antwort auf die Frage gegeben, ob durch die Spielfilmarbeit nun tatsächlich ein Kompetenzzuwachs bei SuS geleistet werden kann oder ob es, wie so oft behauptet, nur Zeitverschwendung ist.

2. Audiovisuelle Medien als Unterrichtsgegenstand

Medienerziehung, Medienkompetenz, Understanding media. Im digitalen Zeitalter wird diesen Begriffen immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich ist die Lebenswelt der Jugendlichen maßgeblich durch die Einflüsse verschiedener, aber insbesondere jenen der „neuen Medien“ geprägt. Zwangsläufig entwickelte sich daher auch in der schulischen Bildung ein Verständnis von „neuen Medien“ und der Erwerb von Medienkompetenz rückt als ein neues Lernziel in die Curricula und Lehrpläne deutscher Schulen. Es gilt einen kompetenten Umgang mit Medien zu fördern, was wiederum bedeutet, dass SuS die verschiedenen Formen von Medien kennenlernen und sich mit diesen reflektiv und kritisch auseinandersetzen können (vgl. Barsch 2006, S. 67). Wie bereits aus der Einleitung ersichtlich wurde, setzt sich die vorliegende Arbeit mit dem Medium „Spielfilm“ als Unterrichtsgegenstand auseinander. Daher scheint es wichtig, den Spielfilm zunächst einmal von weiteren Filmgattungen zu differenzieren. Ebenso nicht außer Acht zu lassen sind rechtliche Vorschriften und der Jugendschutz, welchen ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Diese Informationen sind von Bedeutung, da sie im späteren Verlauf ein leichteres Begreifen des Unterrichtgegenstands „Spielfilm“ ermöglichen.

2.1 Filmgattungen

Ein Film kann grundsätzlich in verschiedenen Formen erscheinend und ist grundsätzlich auch in diesen zum Kompetenzerwerb einsetzbar. Dabei gilt es jedoch zunächst einmal die Gattung des Filmes zu bestimmen, um das Medium im Anschluss kriterienorientiert erkennen, analysieren und bewerten lassen zu können. In der Mediendidaktik Deutsch werden Filme und jegliche Formen der audiovisuellen Medien insgesamt als „kulturelle Phänomene“ (vgl. Frederking, Kammer & Maiwald 2008, S.141) angesehen. Vor allem der Spielfilm, als eines des am häufigsten genutzten Medium im Fach Deutsch und gleichzeitig Hauptgegenstand der vorliegenden Arbeit, bietet kulturelle und ästhetische Aspekte. Oft in Form des Kinofilms, werden Spielfilme in der Regel auch als Kunstfilme bezeichnet, welche kommerziell und für ein breiteres Publikum ausgerichtet sind. Bereits in der Vergangenheit konstruierte sich die kulturelle Bedeutung von Spielfilmen unter anderem in der Abbildung von Realität. Die Spielfilme erwecken bei dem Zuschauen eine Wirklichkeitsillusion (vgl. Maiwald 2005, S. 25ff.). Im Laufe der Zeit entwickelten sich zudem die technischen Möglichkeiten weiter und so entstanden auch neue Genres und Settings, die Filme nun noch attraktiver für das breite Publikum machten. Das Ziel dieser Filme blieb jedoch durchaus unverändert. Ihre Betrachtung soll Emotionen auslösen, der Zuschauer soll sich mit dem Inhalt identifizieren, Zu- oder auch Abneigung entwickeln (vgl. Medienstelle RPA 2015). Ein Spielfilm kann hierbei eine rein fiktive Geschichte sein oder auf wahren Ereignissen basieren. Zu den Spielfilmen zählen neben dem Kinofilm auch verschiedene Untergattungen. Im Schulunterricht könnten dabei besonders Literaturverfilmungen, Historische Filme oder die Verfilmung von Märchen interessant sein. Doch zählen auch Actionfilme, Animationsfilme oder Science-Fiction zur Gattung des Spielfilmes, dessen Dauer im Gegensatz zum Kurzfilm durchschnittlich 90 – 120 Minuten beträgt (vgl. Kammerer & Kesper 2014, S.7ff.). Ebenso Gegenstand in der schulischen Bildung ist der Dokumentarfilm. Dokumentarfilme lassen sich vor allem dadurch identifizieren, als dass sie Ereignisse oder auch Zustände der Gegenwart festhalten, wobei auch nachgestellte Biographien der Gattung zugeordnet werden. Jedoch sollten dabei jegliche fiktiven Elemente ausgelassen werden. Im Kontext Fernsehen können dokumentarische Werke aber auch Nachrichten oder Reportagen sein. Der Dokumentarfilm selbst, lässt sich ebenso wie der Spielfilm in verschiedene Genres differenzieren, wobei zu den Bekanntesten Natur-/Tier- oder Geschichtsdokumentationen zählen (vgl. ebd.). Vorwiegend werden Dokumentare daher in naturwissenschaftlichen Schulfächern oder in den Fächern der Gesellschaftslehre gezeigt. Zu audiovisuellen Medien in der Schule zählen jedoch nicht nur die typischen Formen wie der Spiel- oder Dokumentarfilm, sondern durchaus auch das heterogene Feld des Fernsehens mit einer breiten Vielfalt an vielfältigen, medialen Programmen. Unterschieden werden diese hauptsächlich in informative (Nachrichten, Dokumentationen), performative (Casting- /Spieleshow, Reality-Formate) oder fiktionale Angebote (Serien). Doch auch Werbespots und Kurzfilme fallen in häufig in dieses Format (vgl. Frederking; Krammer & Maiwald 2008, S.48). Webvideos, worunter unter anderem Musikvideoclips, aber auch sogenannte „Lernvideos“ zählen, sollen abschließend als ein weiteres und sehr junges Filmmedium zusammengefasst werden, auf welches an dieser Stelle der Seminararbeit jedoch nicht näher eingegangen wird. Grundsätzlich bietet jegliche Form von Film-/Videodokumenten das Angebot zur Auseinandersetzung im Deutschunterricht, da sie sich als Text erfassen und analysieren lassen (vgl. KMK Hessen 2016).

2.2 Rechtslage und Jugendschutz

Nachdem nun die verschiedenen Filmgattungen vorgestellt wurden, wird nun eine grundlegende Gemeinsamkeit dieser thematisiert. Gemeint sei an dieser Stelle eine legale Nutzung von Filmdokumenten im Rahmen von Schulunterricht. So könnte angenommen werden, dass es hierfür klare Regelungen und Hinweise für Lehrpersonen gibt, dies ist jedoch nicht der Fall. So herrscht im Land Hessen zwar grundsätzlich eine Lehrmittelfreiheit, was bedeutet, dass es Lehrpersonen durchaus gestattet ist mit verschiedenen Medien im Rahmen des Unterrichts zu arbeiten, dennoch gilt diese Verordnung nach allgemeinen Prinzipien und enthält keine explizite Information über die Verwendung von Film oder Video (vgl. SchbZVO, HE 2018). Die Frage nach legalen Nutzungsmöglichkeiten ist daher durchaus relevant. Der legalste Weg sei hierbei eine Exkursion ins Kino. Doch auch die Nutzung von bereits lizensierten Angeboten oder Filmen, die als „Freie Inhalte“ gekennzeichnet sind, ist möglich. Eine weitere, jedoch möglicherweise mit Zeitaufwand verbundene Möglichkeit, kann die Einholung einer schriftlichen Genehmigung der Urheber sein. Seit Mai 2018 ist es, nach §60a UrhG, zudem erlaubt bis zu 15% Filmausschnitte auch ohne Lizenz legal im Unterricht zu verwenden. Doch aufgepasst, auch wenn Lehrpersonen meinen könnten, wo kein Kläger, dort kein Richter, sollte das Urheberrecht nicht nur aufgrund von rechtlichen Konsequenzen beachtet werden, sondern vor allem auch um die Arbeit der Darsteller und Produzenten zu würdigen (vgl. Initiative Filme im Unterricht 2018). Ein ebenso mit rechtlichen Konsequenzen behaftetes Feld ist zudem der Jugendschutz. Im klassischen Sinne handelt es sich bei dem Klassenzimmer zwar nicht um einen öffentlichen Raum, dennoch unterliegt die Vorführung unkontrollierter Filme im Rahmen des Unterrichts einem rechtlichen Verbot. Dies bedeutet, dass vorzuführende Filme entweder durch die Oberste Landesbehörde erlaubt wurden oder sich der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) unterzogen. Die FSK gibt Filme dann für die Altersgruppen 0, 6, 12, 16, 18 frei. Hierbei ist die Vorführung von Filmen mit der Freigabe 0 und 6 im Unterricht grundsätzlich unbedenklich. Bei den Altersangaben 12 und 16 sollten jedoch die SuS das entsprechende Alter erreicht haben. In Einzelfällen kann jedoch auch eine Erlaubnis durch die Erziehungsberechtigten eingeholt werden. Indizierte oder nicht gekennzeichnete Filme dürfen den SuS nicht zugänglich gemacht werden (vgl. USK Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle 2016).

3. Didaktische Analyse und Medienkompetenz

Bisher tauchte mehrmals der Begriff Medienkompetenz auf, dennoch wurde diese noch nicht näher bestimmt. Dies liegt vor allem daran, dass es eine einheitliche und klare Definition weder im Forschungsfeld der Mediendidaktik, noch der breiter umfassenden Literaturdidaktik gibt. Schließlich lassen sich Medien nicht nur auf eine Dimension reduzieren. So unterscheiden sie sich zunächst einmal in ihrer Form, beispielsweise Text oder Bild. Und weiterhin auch zwischen Print- oder, zum Beispiel, elektronischen Medien. Ein Film ist also ein Medium und dasselbe gilt auch für das Flugblatt aus dem 15. Jahrhundert. Dies hat zur Folge, dass es auch unterschiedliche Rezeptionsmuster und Analysverfahren gibt, welche wiederum erst im Laufe der schulischen, aber auch privaten Bildung erlernt werden müssen (vgl. Leupner, Saupe, Richter 2016, S.133). Doch bezieht sich die Medienkompetenz nun also auf Fähigkeiten wie „Wie bediene ich einen DVD-Player?“ oder handelt es sich um die Fähigkeiten Medien inhaltlich reflektiv zu betrachten. Beides soll an dieser Stelle richtig sein. Es sei daher nochmals zu betonen, dass die Medienpädagogik, oder auch Medienerziehung, ein breites Feld umfasst, welches sich stets entwickelte und noch immer weiter entwickeln wird. (vgl. Maiwald 2005, S.16f.). Nach einer der ältesten Definitionen der Medienkompetenz des Pädagogen Baackes, umfasst die Medienkompetenz beispielsweise nicht nur die Anwendung und Gestaltung, sondern auch Medienkunde und vor allem einen kritischen Umgang mit Medien (1996, S.120). Groeben wiederum erweiterte diese Definition noch um das Erkennen von Rezeptionsmustern, Entwicklung der Genussfähigkeit, aber auch der Selektion und Partizipation, sowie eine an den Mediengebrauch anschließende Kommunikation (2002, S. 165ff.). Im Zuge der medialen Entwicklungen ist es bereits jetzt absehbar, dass Medien und die Medienkompetenz auch in der nahen Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.

3.1 Vorteile der Arbeit mit (Spiel-)Filmen

Ein führender Vorteil im Rahmen der Arbeit mit dem Spielfilm als Unterrichtsgegenstand, bemisst sich vor allem im Zugriff auf die filmischen Quellen und Darstellungen. Insbesondere durch den digitalen Wandel und neue Präsentationsmedien, ist die Beschaffung für Lehrpersonen einfacher geworden. Sei es auf einer VHS-Kassette, DVD, USB-Stick oder gar als Stream, übertragen mithilfe von Beamer; verschiedene Verfahren ermöglichen es den Lehrpersonen, den Klassenraum zu einem Kinosaal umzufunktionieren (vgl. Handro & Köhler 2015, S. 124). Weiterhin sind audiovisuelle Medien, und besonders der Spielfilm, Bestandteile der Lebenswelt von SuS. In Zeiten von Netflix, Sky und Youtube, ist es schließlich auch für Kinder und Jugendliche noch leichter möglich an Filmmaterial zu gelangen. Zwar besuchen im Jahr 2019 deutlich weniger Menschen das Kino, dennoch steigen die Umsätze der Filmbranche immer wieder, welches nicht zuletzt auch aufgrund der steigenden Streaming-Angebote zu Stande kommt (vgl. Wüpper 2019). Spielfilme bieten zudem grundsätzlich Grundlage zur Diskussion, sie können Emotionen auslösen und bedienen, im Gegensatz zu reinem Text, gleich mehrere Wahrnehmungskanäle. Die bewegten Bilder fangen die Blicke, Geräusche rufen Erinnerungen hervor und mit den Darstellern können sich nicht nur Kinder und Jugendliche oftmals identifizieren. Einige dienen gar als Vorbilder oder Kindheitshelden. Wenn auch nicht aktiv, so werden eine passive Aufmerksamkeit und Meinungsbildung zu einem Film entwickelt. Zudem kann der Film als eine Art Zusammenfügung von Zeichen angesehen werden. Ein Zeichengefüge, welches als Ganzes eine Aussage an den Rezipienten, also an den Zuschauer vermittelt. Jene muss jedoch zunächst dekodiert werden und diese Fähigkeit ist nicht nur im Fach Deutsch, sondern in jeglichen Unterrichtsfächern als Schlüsselkompetenz zu betrachten (vgl. Almut Wehen 2012, S.12ff.). Qualitative Spielfilme besitzen zusätzlich zu den bereits genannten Vorzügen ein hohes Bildungspotential, so sind es komplexe Kunstwerke, die in ihrem Rezeptionsprozess oftmals sehr anspruchsvoll sein können. Gemeinsamkeiten mit literarischen Werken lassen sich erkennen und auch ein Film besitzt Handlungslücken, welche durch das Weltwissen von SuS ergänzt werden müssen (vgl. Leubner, Saupe & Richter 2016, S. 134ff.). Außerdem bietet auch das kulturelle Handlungsfeld, auf welchem ein Film basiert, viele Möglichkeiten zur didaktischen Aufbereitung. So können Spielfilme nicht nur inhaltlich, sprachlich, oder in ihrer Ästhetik analysiert werden, sondern es kann durchaus auch ein Fokus auf Filmproduktionen oder die Filmwirtschaft gelegt werden. Welche Funktionen und welche Wirkung hat ein Spielfilm politisch oder gesellschaftlich? In der Filmgeschichte können Vergleiche zu früher und heute gezogen werden (vgl. Paudrach 2014, S. 175f.). Spielfilmarbeit besitzt interkulturelles Potential sein, so ermöglichen verschiedene Rollen im Film Identifikation mit Charakteren oder auch einen Perspektivwechsel. Sprachaufmerksamkeit kann gezielt trainiert werden, indem SuS darum gebeten werden explizit auf die Verwendung und Wirkung von Sprache zu achten. Die erzieherische Funktion bemisst sich daran, dass eine eigene Urteilsbildung gefördert werden kann (vgl. Efthimiadou 2015). Mit Betrachtung der Kerncurricula für das Fach Deutsch bedient Spielfilmarbeit zudem mehrere Kompetenzfelder und insbesondere die selbst angefertigte Filmkritik und Filmanalyse sind Bestandteile des selbstständigen Lernens und als Lernziel der gymnasialen Oberstufe in Hessen (KMK 2016).

3.2 Kritik an der Arbeit mit (Spiel-)Filmen

Bisher vermitteln die Vorzüge der Spielfilmarbeit ein sehr positives Bild und dennoch sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass durchaus auch Schwierigkeiten entstehen können und es ebenso viele kritische Stimmen gibt. So lautet ein häufig genannter Mythos, Filme seien nur Lückenfüller für ungeplante Stunden oder die letzte Einheit vor den Ferien. Viel noch mehr gebe es aber auch keine nennenswerten Studien, die über den Lehr-/Lerneffekt im Rahmen der Arbeit mit Filmen Auskunft geben. Es könne also empirisch nicht belegt werden, ob und inwiefern Kompetenzen durch Filmarbeit gefördert werden (vgl. Almut Wehen 2012). Außerdem wird häufig kritisiert, dass es Spielefilmen an Objektivität fehle. So versuche die Filmbranche, besonders im Rahmen der Hollywoodproduktionen, ausschließlich den höchsten Gewinn erzielen, Heldengeschichten und Fiktion rücken hierbei in den Fokus und die Realität verliere an Bedeutung. Dies gelte sowohl für historische Spielfilme, als auch für Literaturverfilmungen. So könne es hier leicht zu Verfälschungen kommen (vgl. Novikova 2013, S. 42ff.). Weiterhin erfährt die Arbeit mit Filmen, auch aufgrund des Vorurteils als Lückenfüller, nur geringe Wertschätzung und Aufmerksamkeit. So passiere Rezeption von Film nur passiv, Bilder und Rollen würden übernommen werden ohne dass SuS Anstrengungen wie bei dem Lesen von Texten aufbringen müssten. Im Anschluss an dieses geringe Interesse an der Thematik ist es zudem schwierig an dem Lehrplan angepasstes Lehr-/ Lernmaterial zu gelangen (vgl. Handro & Köhler, S. 123). Dies wiederum hat zur Folge, dass Lehrpersonen selbst einen hohen Arbeitsaufwand aufbringen müssten, damit der Film didaktisch, methodisch und vor allem kompetenzorientiert aufgebarbeitet werden kann. Gerade auch die finale Form von Filmarbeit, einer prozessorientierten Spielfilmarbeit, ist komplex und bedarf einem hohen Arbeitsaufwand seitens Lehrpersonen und SuS (vgl. Nolle 2002, S.177f.). Der Arbeitsaufwand für Lehrpersonen wird zudem maximiert durch die gründlichen Vorüberlegungen der Filmauswahl und auch der Planung der Aufarbeitung. Immerhin muss der Film nur rechtlich legal erhältlich sein, auch der Jugendschutz muss beachtet werden, Alter und Medienerfahrungen der Gruppe analysiert werden, Interessen der SuS erkannt und der Film an den Lehrplan angeknüpft werden. Eine kritische Auseinandersetzung durch Lehrperson mit einem Spielfilm wird vor allem auch dann nötig, wenn dieser in der Gesellschaft stark diskutierte Themenfelder behandelt, beispielsweise kulturelle oder religiöse Diskussionen anregt. Die Spielfilmarbeit nimmt also nicht nur mehrere Schulstunden zur Aufarbeitung ein, sondern auch viel Zeit für die Vorbereitung. Eine Abwägung, ob sich dieser Aufwand lohnt, ist daher von Nöten. (vgl. Wörther 2005, S. 11).

[...]


1 Im Verlauf der vorliegenden Arbeit wird die Bezeichnung Schülerinnen und Schüler durch SuS abgekürzt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Lernen am Film. Echter Gewinn oder Zeitverschwendung? "Fack ju, Göhte" als Lerngegenstand im Deutschunterricht
Hochschule
Universität Kassel
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V979991
ISBN (eBook)
9783346330949
ISBN (Buch)
9783346330956
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Deutsch, Fack Ju, Göthe, Film im Deutschunterricht, Medienkompetenz
Arbeit zitieren
Theresa Dcv (Autor), 2019, Lernen am Film. Echter Gewinn oder Zeitverschwendung? "Fack ju, Göhte" als Lerngegenstand im Deutschunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/979991

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