Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt


Seminararbeit, 1998

25 Seiten, Note: gut


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Historische und politische Voraussetzungen:
1.1 Das gespaltene Verhältnis der SPD zur Wohlfahrtspflege
1.2 Politische Voraussetzungen für Frauen

2. Biographie: Marie Juchacz, geb. Gohlke

3. Die Kinderschutzkommissionen und die Kriegsfürsorge als Vorläufer der Arbeiterwohlfahrt ..

4. Die Gründung der AWO in der Weimarer Republik
4.1 Aufbau der Organisation Arbeiterwohlfahrt
4.2 Aufgaben und Arbeitsziele
4.3 Ehrenamtliche Arbeit
4.3.1 Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in den kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen
4.3.2 Ehrenamtliche Arbeit in den Wohlfahrtsverwaltungen
4.4 Schulung qualifizierter SozialarbeiterInnen
4.5 Ehrenamtliche Arbeit in den Wohlfahrtsämtern

5. Die Arbeiterwohlfahrt vor und während des Nationalsozialismus
5.1 Arbeit im Exil

6. Die Reorganisation der Arbeiterwohlfahrt nach dem II. Weltkrieg
6.1 Umwandlung in ein Dienstleistungsunternehmen
6.2 Die AWO Stand 1994

7. Frauenpolitik durch Wohlfahrtspflege ?
7.1 Kritische Anmerkungen:

8. Literaturverzeichnis:

Vorwort

Bei der Entscheidung für das Thema “ Marie Juchacz und die Arbeiter- wohlfahrt”, im Zusammenhang der Geschichte der Sozialarbeit als Beruf, war für mich ausschlaggebend , daß es eine Frau war, die diese Organisa- tion gegründet hat

Beim Durchsehen der Literatur, nahm ich zudem das Besondere einer vorerst rein weiblichen Organisation wahr.

Durch die Lektüre von Christiane Eiffert: “Frauenpolitik und Wohlfahrts- pflege” wurde ich auf den Zusammenhang zwischen der Durchsetzung emanzipatorischer Fragen und der Leistung praktischer Arbeit aufmerk- sam. Bei der vorliegenden Hausarbeit handelt es sich um eine Zusam- menfassung gelesener Literatur. Es ging mir darum, eine Übersicht der Arbeiterwohlfahrt von der Weimarer Republik bis zum Nationalsozialis- mus, die Exilbemühungen von Marie Juchacz zu beschreiben, sowie den Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart.

Die Seite 24 ist der Versuch einer Kurzzusammenfassung der Analyse von Christiane Eiffert und deren Beschreibung der Grenzen der Politisierung von Frauen durch die Wohlfahrtsarbeit.

1. Historische und politische Voraussetzungen:

Um 1300 gab es die Armenpflege nur auf der Grundlage der Schutzpflichten des Grundherren für seine Bauern, der Schutzpflichten des Hausherren (-vaters) für seine Angehörigen und seine Hausangestellten. Außerdem kümmerten sich die Klöster und Orden um die Armen. Im 16. Jahrhundert begannen die Städte den Bau von Armenhäusern und Hospitälern. Es wurde jedoch nur Ortsansässigen Hilfe, in Form von elementarem Notbedarf, gewährt.

In einer Zeit einschneidender Umwälzungen in ganz Europa (Wechsel von feudalistischer zur kapitalistischen Wirtschaftsweise), veränderten sich die Arbeits- und Produktionsbedingungen. Die Bevölkerung nahm zu und mußte mobiler werden. Der Schutz des Einzelnen ging durch den Um- wandlungsprozeß verloren. Die Folge des Industrialisierungsprozesses war, daß große Teile der Bevölkerung verarmten. Der liberale Rechtsstaat entstand, der sich nicht in die Wirtschaft und die Privatheit der Familie einmischen wollte.

Armut galt immer als selbstverschuldet. Viele bürgerliche Hilfsvereine entstanden. 1850 wurde die öffentliche Armenpflege intensiviert. 1870/71 trat das Unterstützungswohnsitzgesetz in Kraft.

Eine systematische Armenfürsorge wurde durch ehrenamtliche Tätigkeit organisiert. Das Elberfelder System war die erste privat organisierte Für- sorge, fand jedoch ohne Einschaltung der Arbeiterschaft statt. Die sozialistischen Ideen von Karl Marx (1818-1883) fanden wachsende Verbreitung. 1878 wurden die Sozialistengesetze durch Bismarck erlas- sen:

Verbot der Sozialisten (für 12 Jahre) bis 1890. Die Massennotstände zur Zeit der Industrialisierung und die ersten Arbeiterbewegungen zwangen den Staat zu erster Sozialpolitik.

1883 - 1889 Ausbau der Sozialversicherungsgesetze: Krankenversicherung, Unfallversicherungsgesetz und das Gesetz über die Invaliditäts- und Altersversicherung der Arbeiter

1.1 Das gespaltene VerhÄltnis der SPD zur Wohlfahrtspflege

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das prole- tarische Selbstbewußtsein der Arbeiter. Die Sozialdemokratie wollte die Arbeiter gesellschaftlich befreien. Sie wollten den Kapitalismus beseitigen und einen sozialistischen Staat errichten, denn nur in einem sozialisti- schen Staat verschwinde der Gegensatz zwischen Besitzenden und Nicht- besitzenden. Für die SPD verschärfte die Armenpflege (und das Elberfel- der System) die Klassengegensätze. “Die kranke Welt ist nicht zu kurie- ren, ohne daß die Privilegien und Interessen der herrschenden Klasse in Frage gestellt werden“.1 Sie kritisierten die Sozialversicherung Bismarcks, da sie mit den Ursachen des sozialen Notstandes nichts zu tun haben, dieselben gar nicht berühren und folglich den Namen Sozialreform mit Un- recht führen 2 Erste Auseinandersetzungen mit der Wohlfahrtspflege gab es durch Clara Zetkin in der sozialdemokratischen Zeitschrift “Gleichheit“, die jedoch hauptsächlich politische Agitation gegen die bürgerlichen Frau- en betrieb. Bourgeoise Wohltätigkeit, die mit der Miene des Gönners ge- währt werde, degradiere und entehre. “ 3

Die SPD forderte erstmals Rechtsanspruch auf Hilfen, im Rahmen eines gleichen Rechts für alle. Wohlfahrtspflege sei Aufgabe des Staates.

1.2 Politische Voraussetzungen für Frauen

Bis 1908 war das Preuß. Vereinsgesetz in Kraft, das Frauen und Jugendlichen unter 18 Jahren politische Aktivitäten im Rahmen von Vereinen verbot. Proletarische Veranstaltungen wurden schärfer überwacht als die von bürgerlichen Frauen. Deshalb tarnten sich die Frauen als Lesezirkel oder Handarbeitskreise. 1908 wurde das Vereinsverbot für Frauen auf- gehoben. Viele Arbeiterinnen wurden Mitglieder der SPD.

Erst 1918 bekamen Frauen das aktive und passive Wahlrecht.

2. Biographie: Marie Juchacz, geb. Gohlke

Geboren am 15.3.1879 in Landsberg in der preuß. Provinz Brandenburg (heute: Polen), war sie die Tochter eines verarmten Zimmermanns und einer Tagelöhnerin, sie besuchte die Volksschule in Landsberg, war zwei Jahre lang Arbeiterin in einer Netzfabrik und um sich die Ausbildung als Schneiderin finanzieren zu können, arbeitete sie zwei Jahre lang als Wärterin in einer Landesirrenanstalt. Während der Ausbildung lernte sie ihren Mann Schneidermeister Juchacz kennen, es folgte die Heirat, zwei Kinder, kurze Zeit später ließen sie sich scheiden.

1906 ging sie, siebenundzwanzigjährig, mit zwei kleinen Kindern und ihrer neun Jahre jüngeren Schwester Elisabeth nach Berlin, wegen der besseren Existenzmöglichkeiten und um sich der sozial- demokratischen Bewegung anzuschließen, die sie schon als Jugendliche durch ihren älteren Bruder kennengelernt hatte, der sie in Berlin aufnahm. Heimarbeit als Näherinnen hielt die beiden Schwestern mit ihren Kindern über Wasser. Sie suchten und fanden Kontakt zu Frauen- und Mädchen- bildungsvereinen (Zweig der Sozialdemokraten). Die Lektüre des “Vor- wärts “und anderer sozialistischer Literatur empfanden die beiden Schwestern neben der stupiden Heimarbeit als neuen Lebenswert. Marie und ihre Schwester Elisabeth fielen in den Versammlungen der Berliner Arbeiterinnen früh als begabte Rednerinnen auf. Zunächst waren sie ge- heime Mitglieder in der SPD.

1907 wurde M. Juchacz zur Vorsitzenden des “ Vereins für Frauen und Mädchen der arbeitenden Klasse “ gewählt. 1911 gingen die Schwestern gemeinsam auf Versammlungsreise. 1913 wurde Marie Juchacz das Amt der hauptamtlichen Parteisekretärin in der preußischen Rheinprovinz (Köln) angeboten. Ihre Hauptaufgabe bestand darin Frauen für die Partei zu werben. Die Schwester regte neue Arbeit auf dem Gebiet der Kinderfür- sorge an. Es entstanden die ersten Kinderschutzkommissionen. Der Beginn des ersten Weltkrieges rückte andere Aufgaben in den Vordergrund. Die Kriegsfürsorge entstand. Die Schwestern arbeiteten aktiv im “Ernährungsausschuß “. 1917 wurde Marie Juchacz durch Fried- rich Ebert in den SPD-Parteivorstand nach Berlin berufen. 1919 wurde sie in die verfassunggebende Nationalversammlung gewählt. Im Februar 1919 betritt Marie Juchacz als erste Frau die Rednerbühne eines deutschen Parlaments. 1919 gründete sie die AWO.

Parteiarbeit:

Marie Juchacz war Frauensekretärin der SPD, Vorsitzende der Arbeiter- wohlfahrt und Reichstagsabgeordnete. Für sie war im Parlament die Für- sorgepolitik vorrangige Aufgabe, sie setzte sich jedoch ebenso für die Rechte unehelicher Kinder, die Jugendhilfe und den Jugendschutz ein, beschäftigte sich mit der Reform des § 218 des StGB, des Mütter- und Wöchnerinnenschutzes und setzte sich für die Gleichberechtigung für Frauen und Männer ein.

1933 floh sie ins Saarland, über einen Aufenthalt in Mulhouse (Elsaß) beantragte sie 1941 ein Ausreisevisum der französischen Regierung. Über die französische Antilleninsel Martinique reiste sie nach Nordamerika. Am 29. 5. 1941 erreichte sie New York, 62 jährig, mittellos und ohne Sprachkenntnisse. Die Aufnahme für ein Jahr in einem Heim für Quäker erleichterte ihr den Neubeginn. Sie wurde Mitglied der deutschsprachigen Sektion “Solidarität” des Workmen`Circle und übernahm den Vorsitz. 1945/46 gründete sie mit Freunden in New Y- ork die Arbeiterwohlfahrt USA. Da sich durch die Währungsreform 1948 die Lebensverhältnisse in Westdeutschland verbesserten, kehrte sie am 2.2.1949 in die soeben gegründete Bundesrepublik Deutschland zurück.

1949 wurde Marie Juchacz zur Ehrenvorsitzenden der AWO ernannt. Sie nahm an allen zentralen Vorstandssitzungen, Arbeitstagungen und Fachkonferenzen teil, sofern sie nicht durch Krankheit daran gehindert wurde. Gestorben ist sie am 28.1.1956 in Düsseldorf.

3. Die Kinderschutzkommissionen und die Kriegsfürsorge als Vorläufer der Arbeiterwohlfahrt

Seit 1903 war ein Kinderschutzgesetz in Kraft, das viele sozialdemo- kra- tisch orientierte Frauen veranlaßte, Kinderschutzkommissionen zu grün- den. Ihre Aufgabe war die Kontrolle der Bestimmungen des Gesetzes, die sie “ mit viel Einsatzbereitschaft, viel Zeitaufwand und be- eindruckender Beständigkeit bewältigten. Da blieb es nicht aus, daß Mitarbeiterinnen Kindesmißhandlungen, und das Elend der Proletarierfamilien, Ursache für Kinderarbeit und Kindernot, in neuer dramatischer Deutlichkeit wahrnah- men”.4 Sie fertigten darüber Berichte an und trugen ihre Informationen an die Partei und die zuständigen Aufsichtsbehörden weiter. Im Jahre 1911 gab es an 135 Orten Kinderschutzkommissionen über deren Tätigkeit die

“Gleichheit “ ständig berichtete. Oft wurde die Not der Familien durch die Einhaltung des Nachtarbeitsverbots für Kinder noch verschlimmert. Die Mitarbeiterinnen sahen ein, daß das Verfassen von Berichten nicht genüg- te. Sie halfen mit Hilfe bürgerlicher Wohlfahrtsvereine und eigenen Geld- und Sachleistungen.

Außerdem wurden seit 1909 Kinderferiengruppen und Wanderungen in den Stadtparks der größeren bis mittleren Städte veranstaltet. Jedes Kind, wurde mitgenommen, ohne Voraussetzung einer Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit der Eltern.

Die Arbeit der Kinderschutzkommissionen glich sich unmerklich der der bürgerlichen “Liebestätigkeit” an.

Im Nachhinein sehen viele in den Kinderschutzkommissionen die Vorgängerorganisationen der Arbeiterwohlfahrt.

Kurz nach Beginn des ersten Weltkrieges veröffentlichte Luise Zietz (SPD Vorstandsmitglied) den Plan der “Hilfsaktion der Proletarierinnen“, der die Frauen an die Fürsorgefront schickte. Vorerst war keine Rede mehr von der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Marie Juchacz schlug sogar eine Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Frauenverbänden vor. Die Gründung des “Nationialen Frauendienstes“, lief zwar nicht kon- fliktfrei ab, wurde jedoch von Marie Juchacz als wirkungsvoll empfunden, da ihnen selbst, als proletarische Gruppierung, nicht die gleichen Hilfsmit- tel zur Verfügung gestanden hätten. Sie arbeiteten vielfach mit den Stadt- verwaltungen zusammen und die Sozialdemokratinnen wurden aus Man- gel an Arbeitskräften nicht mehr abgewiesen. Trotz des Gefühls “einer zentnerschweren Last, die auf sie drückte, wo immer sie war “5 trennte sich Marie Juchacz nicht von der SPD, die der Bewilligung von Kriegskre- diten zugestimmt hatte. Sie initiierte in Köln Beratungsstellen für Kriegs- hinterbliebene, Hauspflege für Kranke und Invalide, Kindergärten, Volks- küchen, Suppenanstalten, Wärmehallen, Heimarbeitsplätze für Soldaten- frauen und Zusatzunterstützung für Kriegsfamilien. Daraus resultierte der Gedanke den bürgerlichen Institutionen eine der Sozialdemokratie unterstehenden Fürsorgeorganisation entgegenzustellen, die einem neuen Denkansatz folgen sollte: Das Übel sollte an der Wurzel angepackt werden, es sollte Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.

4. Die Gründung der AWO in der Weimarer Republik

Bei Kriegsende wurden die Kommissionen der Kriegsfürsorge aufgelöst, die einen Rechtsanspruch auf das Existenzminimum hinterließen, der nicht mehr rückgängig zu machen war.

Marie Juchacz wurde zu den Sitzungen des “ Deutschen Zentralausschuß für Auslandshilfe e. V.”, der für die Verteilung ausländischer Spenden zuständig war, zwar eingeladen, jedoch nur als Persönlichkeit der Sozialdemokratie. So wurde dringend eine eigene Wohlfahrtsorganisation gebraucht, um mehr Anerkennung und Einfluß in die Entwicklung der Gesetzgebung und Verwaltung zu erhalten und die Möglichkeit zu bekommen die finanzielle Unterstützung, die der Staat erstmals freien Wohlfahrtsvereinen gewährte, in Anspruch nehmen zu können.

Für Marie Juchacz war die Arbeiterwohlfahrt nichts anderes als “die Zusammenfassung aller seit Jahren auf diesem Gebiet wirkenden Kräfte “.6 Sie forderte eine Änderung des Begriffes Armut und die Schaffung eines Rechtsanspruchs auf Hilfe in Notlagen. Wohlfahrtspflege sei Aufgabe des Staates, dessen Glieder die Menschen seien.

Eine weitere Überlegung Marie Juchacz´ war, daß bis zu diesem Zeitpunkt nur wenige Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen in der Sozialdemokratie organisiert waren. Sie wollte die seit langem geleistete Arbeit von Frauen einem gesellschaftlich anerkanntem Politikbereich zuordnen und dadurch mehr Frauen für die Parteiarbeit werben.

Während der Weimarer Republik verstand sich die Arbeiterwohlfahrt als eine Organisation für Wohlfahrtsarbeit und Wohlfahrtspolitik, die die Inte- ressen der Arbeiterschaft gegenüber den Bestrebungen der bürgerlichen Wohlfahrtsorganisationen vertrat. Gleichzeitig sollte die Politisierung der Frauen und die Frauenpolitik gefördert werden, indem sie den Arbeiterinnen Arbeitserleichterungen wie die Unterbringung ihrer Kinder ermöglichte. Am 13.12.1919 erhielt Marie Juchacz die Zustimmung des Parteiausschusses der SPD zur Gründung der Arbeiterwohlfahrt.

4.1 Aufbau der Organisation Arbeiterwohlfahrt

Marie Juchacz legte einen Organisationsplan vor. Eine Zentralinstanz sollte für Wohlfahrtsausschüsse sorgen, die aus Personen bestehen, die in der kommunalen Wohlfahrtspflege und in halbamtlichen oder amtlichen Wohlfahrtsvereinen tätig sind, auch Gewerkschaftsvertreter wurden aufge- fordert mitzuarbeiten. Finanziert wurde der Aufbau der AWO von dem so- zialdemokratischen Vorsitzenden des ADGB (Allgemeiner Deutscher Ge- werkschaftsbund) Moritz Schlesinger, der Mitbegründer der “Deutschen Wohlfahrtsstelle” zur Verteilung ausländischer Spenden und geschäftsfüh- render zweiter Leiter der Reichszentralstelle für Kriegs- und Zivilgefangene war. Er durfte zweckgebundene Beihilfen an Wohlfahrtsorganisationen vergeben. Da die Finanzierung nach dem “Bettenschlüssel” vergeben wur- de und die AWO noch keine Betten haben konnte, vergab er die Mittel als Vorschuß zur Schaffung der Voraussetzungen. Der Hauptausschuß der Arbeiterwohlfahrt wurde am 13. Dezember 1919 eingerichtet. Er bestand aus einem geschäftsführenden Ausschuß und einem Beirat.

1. Der geschäftsführende Ausschuß bestand aus Marie Juchacz, die den Vorsitz innehatte, den Vertretern des Parteivorstandes der SPD, der Frauensekretärin des ADGB, Moritz Schlesinger und eines Vertreters des Verbandes der Krankenkasse, außerdem der Direktor des Neuköllner Jugendamtes und Hedwig Wachenheim, die Frauenreferentin bei der Reichszentrale für Heimatdienst war.

2. Dem Beirat, gehörten Sachverständige aller Arbeitsgebiete der Wohl- fahrtspflege an, Vertreter verschiedener Arbeiterorganisationen und Reichs- und Landtagsabgeordnete, die mit ihren Bezirken engen Kontakt hielten. Zusätzlich wurden noch Sachverständige befreundeter großer Wohlfahrtsorganisationen um ihre Mitarbeit gebeten.

32 Bezirksausschüsse waren dem Hauptausschuß angeschlossen, die im gesamten Reichsgebiet verteilt waren und die Aufgabe hatten, Kreis- und Ortsausschüsse zu bilden.

Im Geschäftsbericht des Parteivorstandes berichtete Marie Juchacz, daß die AWO “keine rein weibliche” Organisation, daß jedoch Frauen die “Hauptträgerinnen der Bewegung” seien.

Der Aufbau der Organisation kam jedoch nur langsam in Gang, da die fi- nanzielle Unterstützung durch die Partei nicht einheitlich geregelt war. In Breslau wurde von jedem Mitgliedsbeitrag einen Pfennig an die AWO weitergegeben, in Hessen mußte erst 1929 von jedem SPD-Mitglied pro Vierteljahr eine Mitgliedsmarke der AWO gekauft werden. Seit 1925 wurde regelmäßig eine eigene Lotterie veranstaltet und Arbeiter- Wohlfahrtsmarken verkauft, um soziale Dienste zu finanzieren. Die Ortsausschüsse mußten sich als Vereine eintragen lassen, um die behördliche Anerkennung zu erhalten. Dies war die Voraussetzung, um in der öffentlichen Wohlfahrtspflege mitarbeiten zu können. Der Hauptauss- chuß wurde ebenso ein eingetragener Verein, weil er die rechtliche Mög- lichkeit erwerben mußte, Eigentümer von Heimen werden zu können.

4.2 Aufgaben und Arbeitsziele

Die vorläufigen Richtlinien von 1920 waren bis 1933 gültig. Sie wurden von Marie Juchacz in der zweiten Reichskonferenz 1924 als zwar kurz, je- doch tolerant charakterisiert, da sie durch ihre Offenheit den lokalen Orga- nisationen bei der Realisierung ihrer Aufgaben individuellen Spielraum lie-ßen. Sie enthielten keine klare Aussage über die besonderen Inhalte so- zial- demokratischer Wohlfahrtspflege. Inhalt der Richtlinien war:

- Mitgestaltung der Arbeiter in deröffentlichen Wohlfahrtspflege
- Förderung der gesetzl. Regelungen und deren sachgemäße Ausführung
- Zusammenfassung aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Werbung und Schulung neuer MitarbeiterInnen
- Vertretung der Arbeiterinteressen bei der Besetzung von ehrenamtlichen und hauptberuflichen Stellen in der Wohlfahrtspflege

Es fällt auf, daß die Arbeiterwohlfahrt nie ein eigenständiges Programm formuliert hat, obwohl mehrere Versuche dazu unternommen wurden. Als erste betonte Siddy Wronsky, ein Mitglied des Beirats des Haupt- aus- schusses, daß sich die öffentliche Wohlfahrtspflege für die Erwerbsunfä- higen einsetzen solle. Die Hilfe von Mensch zu Mensch sei eine morali- sche Verpflichtung. Helene Simon sprach auf der ersten Reichskonferenz 1921 von einer sozialpolitischen Notwendigkeit, um Klassenarmut zu ver- hüten. Die Aufgabe der Wohlfahrtspflege sei es, alle Menschen, die kei- nen Lohn empfingen zu versorgen, und die anderen wieder zu befähigen, arbeiten zu gehen. Fortan galt die praktische Arbeit der AWO als Über- gangslösung, als eine Ergänzung der Sozialpolitik bis der Staat in der La- ge sei, seine Aufgabe zu erfüllen. Daraus ergab sich ein Widerspruch für die Arbeiterfrauen, die in ihrer Familienarbeit korrigiert, und gleichzeitig zu Lohnempfängerinnen gemacht werden sollten. Es fehlte ein in sich schlüssiges wohlfahrtspolitisches Programm, und so war die Arbeiterwohl- fahrt darauf angewiesen, “die Vorstellungen der “bürgerlichen“ Sozialre- former zu übernehmen.”7

4.3 Ehrenamtliche Arbeit

Die Solidarität der Sozialdemokraten untereinander war selbstverständlich, da sie auf einer gemeinsamen Sozialmoral basierte. Das zeigte sich besonders in schweren Zeiten, da gerade dann die Anzahl der AWOMitglieder enorm anstieg.

4.3.1 Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer in den kommunalen Wohl- fahrtseinrichtungen

Die beiden großen konfessionellen Wohlfahrtsverbände Caritas und die Innere Mission wollten die ehrenamtlichen Aufgaben der Arbeiterwohlfahrt auf die Betreuung von Konfessionslosen beschränken und sie aus der öf- fentlichen Jugendwohlfahrt so gut wie ausschließen, was in überwiegend katholischen Gegenden auch gelang. Aus Mangel an ehrenamtlichen Hilfskräften wurden die AWO Mitglieder jedoch in anderen Bereichen durchaus begrüßt. Sie übernahmen unentgeltlich weiterhin Aufgaben in den Volksküchen, in Mütterberatungs- und Säuglingsfürsorgestellen, or- ganisierten Nahrungsmittelzuteilungen, die Hauspflege und die AWO Näh- stuben, sammelten Geld für städtische Kinderheime und übernahmen de- ren Bewirtschaftung. Die früheren Kinderschutzfrauen begannen erneut mit der örtlichen Kindererholungspflege, mit Ausflügen in den Sommerferien. Dabei legten sie großen Wert auf gute Verpflegung der Kinder. Die Hilfs- mittel für die AWO-Kindererholungsfürsorge sammelten und spendeten die Mitglieder der Partei, der Gewerkschaften und anderer sozialdemo- kratischer Organisationen. Zusätzlich wurden Kindererholungs- verschickungen organisiert. Durch die internationalen Beziehungen der Sozialdemokraten war es sogar möglich, die Kinder zu Familien von Genossen ins Ausland zu verschicken.

4.3.2 Ehrenamtliche Arbeit in den Wohlfahrtsverwaltungen

Die Anzahl der ehrenamtlichen Tätigkeiten in den Wohlfahrtsämtern hing von der Stärke der SPD in den Bezirken ab und von der Anzahl der Mit- glieder, die in der Wohlfahrtspflege geschult und über genügend Frei- zeit verfügten, um ehrenamtlich tätig werden zu können. Die Frauen waren unterrepräsentiert, da sie nicht die nötige Vorbildung und politische Er- fahrung mitbrachten. Die Männer waren oft Schöffen am Jugendgericht.

4.4 Schulung qualifizierter SozialarbeiterInnen

Marie Juchacz hielt viel von ehrenamtlicher Tätigkeit, dennoch forderte sie schon 1919 die Einführung von Kursen für die Schulung qualifizierter So- zialarbeiter. Schulungseinrichtungen wie die moderne soziale Frauen- schule in Berlin-Schöneberg unter der Leitung Alice Salomons waren fi- nanziell und wegen der strengen Vorbildungsvorschriften für Arbeiterinnen nicht offen. Deshalb wurden 1920 halbjährige Sonderlehrgänge in Berlin, Köln, München und Hamburg mit Hilfe von überkonfessionellen Wohl- fahrtsschulen eingerichtet. Zusätzlich wurden die Frauen noch in viermo- natigen Nachschulungskursen ausgebildet, die vom preußischen Wohl- fahtsministerium gefördert wurden. Ein großer Beitrag des HA der AWO war es, die Bestimmungen zur Aufnahme zu lockern und den Arbeiterin- nen zu ermöglichen an der Vollausbildung teilzunehmen, indem sie ihnen die Möglichkeit boten, in Vorbereitungskursen einen gleichwertigen Abschluß für Mittelschulreife, die schulwissenschaftliche Prüfung, zu errei- chen. Auch für junge Männer, die fast alle aus der Arbeiterjugend stamm- ten, wurde ein 1 1/4 Jahr dauernder Kursus in der Hochschule für Politik eingerichtet. Durch die staatliche Regelung des Berufsbildes zählte die praktische Erfahrung inzwischen nichts mehr, ohne die staatliche Aner- kennung. 1928 eröffnete der Hauptausschuß seine eigene Wohlfahrts- schule in Berlin. Aufnahmevoraussetzungen waren: Zugehörigkeit zur Ar- beiterschaft, die schulwissenschaftliche Prüfung, die Eignung für Arbeit neben der Schule, der Nachweis über Mitarbeit an öffentlichen Aufgaben und ein einjähriges Praktikum in einer Einrichtung der AWO. Die Ausbil- dung fand erst spät nachmittags oder abends statt, um den Schülerinnen eine gleichzeitige Erwerbstätigkeit zu ermöglichen. Dennoch mußten viele Auszubildenden staatliche Stipendien vom preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt und Darlehen des Hauptausschusses in Anspruch neh- men. Der Stipendienfond des Hauptausschusses wurde seit 1925 aus den Einnahmen einer jährlich stattfindenden Lotterie finanziert. 1928 brachte der HA “Das kleine Lehrbuch” heraus, das bis zum Verbot der AWO 9 Bände umfasste.

Im Sommer 1933 wurde die AWO verboten und die Wohlfahrtsschule geschlossen.

4.5 Ehrenamtliche Arbeit in den WohlfahrtsÄmtern

Im Oktober 1920 richtete der Hauptausschuß der AWO den ersten Lehr- gang zur Vorbereitung auf die Tätigkeit in den kommunalen Wohl- fahrtsausschüssen ein. Die Aufklärungs- und Schulungskurse für die eh- renamtlichen MitarbeiterInnen wurden, um die Kosten gering zu halten, verschieden gehandhabt. Zusammen mit der Volkshochschule, im Rah- men ihres Bildungswesens der Partei und in Abendkursen wurden die Lehrgänge in Zusammenarbeit mit sozialen Frauenschulen veranstaltet. Außerdem wurden die Frauenkonferenzen der SPD dazu genutzt, um über Wohlfahrtspflege und deren Gesetzgebung zu informieren, was sehr sinn- voll war, denn an den Schulungen beteiligten sich überwiegend Frauen.

In der Zeitschrift “Die Genossin” wurden unregelmäßig Einführungen in den Aufgabenbereich einer Fürsorgerin gedruckt, bis 1929 der Haup- tausschuß der AWO die Zeitschrift “Die Arbeiterwohlfahrt” herausgab, die auch Fragen der Praxis erörterte. Richtige Lehrgänge für Anfänger und Fortgeschrittene wurden entwickelt. In den Anfängerkursen wurden die Wohlfahrtsgesetze vorgestellt, die Strukturen kommunaler Selbstverwal- tung und praktische Arbeitsabläufe der ehrenamtlichen PflegerInnen. In den Fortgeschrittenenkursen wurden Reformvorschläge vorgestellt, z.B. die Reform der Fürsorgeerziehung. Doch das alles war für den Hauptauss- chuß nicht ausreichend. Seit 1924 gab es Schulungs- vorschläge, etwas später Schulungsmappen für die AWO-Ausschüsse, die der AWO Haup- tausschuß zusammengestellt hatte. Dadurch veränderten sich die Themen und Zielgruppen der Schulungen. Trotz allem gab es in der Weimarer Re- publik kaum staatlich anerkannte Wohlfahrtspflegerinnen. Diese wurden von den kommunalen Wohlfahrtsbehörden nur für die Betreuung und Bera- tung der Klienten bestimmt, also nur die praktische Arbeit. Die fachlichen und administrativen Aufgaben blieben streng hierarchisch unterteilt den übergeordneten sozialdemokratischen Kommunalpolitikern vorbehalten.

5. Die Arbeiterwohlfahrt vor und während des National- sozialismus

Der Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 brachte eine stetig steigende Arbeitslosenzahl von 6 Millionen im Winter 1931/32. Da die Arbeitslosen- versicherung nur ein halbes Jahr, später 20 Wochen und zuletzt nur noch 6 Wochen bezahlte und durch die Notverordnungen nur noch ein “notwen- diges Existenzminimum” von der Wohlfahrt gewährt wurde, wurde wieder die materielle Überlebenshilfe zur Hauptaufgabe der Arbeiterwohlfahrt. Die Fortbildungskurse für freiwillige Mitarbeiter wurden fortgeführt. Die Zahl der ehrenamtlichen Mitglieder stieg 1930 bis 1932 von 114 000 auf 135 000. Marie Juchacz appellierte 1932 in ihrer letzten Rede im Reichstag, (als einzige Frau) direkt an die deutschen Frauen: “ Es ist genug des Elends, es ist genug des Bluts ! [...] Wir erheben als Mütter Anklage gegen die Volksverderber, die heute unsere Söhne [...] zum Brudermord anstiften und sich nicht scheuen werden sie morgen in einen völkerverderbenden Krieg hineinzutreiben. [...] “ Am Ende der Rede forderte sie die Wählerinnen auf “ den Kampf aufzunehmen für Frieden und Freiheit, für Frauenrecht und Frauenwürde, gegen den Todfeind: den Faschismus .“

Der Hauptausschuß gab 1932 eine verbindliche Anweisung heraus zum Boykott der Winterhilfe bei Beteiligung der Nationalsozialisten. 1933 be- gann mit der Machtergreifung Hitlers die Verfolgung politisch Anders- den- kender. Mit den Einnahmen des im Herbst 1932 durchgeführten Solidari- tätsaufrufs, unterstützte die AWO die Opfer der Nationalsozialisten. Der Hauptausschuß beschloß die Gründung einer Tarnorganisation, die die Fortsetzung der Unterstützung politisch Verfolgter weiterhin sicherstellen sollte, mit Geld des Hauptausschusses. Im Mai 1933 übernahm ein Natio- nalsozialist die Führung des Hauptausschusses. In ganz Deutschland wurden die Geschäftsstellen der AWO besetzt, die Verantwortlichen ver- haftet, die Bankguthaben konfisziert und die Einrichtungen besetzt. Eine einzige Ausgabe der Zeitschrift “Arbeiterwohlfahrt” erschien mit dem Ha- kenkreuz. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Arbeiterwohlfahrt ver- weigerten die Zusammenarbeit mit der “Deutschen Arbeitsfront”. Die Organisation wurde verboten und löste sich auf.

Die Arbeiterwohlfahrt wurde als einziger Verband der freien Wohlfahrts- pflege 1933 verboten. Durch Spenden unterstützten einige Mitglieder die Familien von Verfolgten, Flüchtlinge fanden Unterschlupf und Gefangene wurden betreut, doch die illegal aufgebaute Fürsorge wurde durch zahlrei- che Verhaftungen aufgelöst. Die Tarnorganisation, “ Deutsch- Ausländisches Jugendhilfswerk e.V.” unterstützte Familien, die Berufsver- bot hatten. Sie verschickten Kinder in die Schweiz oder in politisch zuver- lässige Heime. Durch Finanzhilfe der Quäker konnte die Arbeit bis 1936 fortgesetzt werden.

Bei ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten 1933, zählte die Arbeiter- wohlfahrt 2600 Ortsausschüsse mit 1414 Beratungsstellen und mehr als 135 000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Nationalsozialisten übernahmen Hunderte von vorbildlich arbeitenden Einrichtungen : 11 AWO Häuser, 8 Lehrlingsheime, 47 Jugend-Klubheime, Klubräume und Werkstätten für erwerbslose Jugendliche,10 Erwachse- nenerholungsheime, darunter 6 Mütterheime, 15 Kindererholungsheime, 5 Heime für durch- reisende Wanderer und Obdachlose, 2 Erziehungshei- me, darunter auch den Immenhof, 1200 Nähstuben mit 4000 Nähmaschi- nen,51Kinderkrippen, Kindergärten und -tagesstätten, 6 gemeinnützig ar- beitende Wirtschaftsbetriebe (z.B. die Schwerbehindertenwerkstätten in Altona, Waschanstalten und 1 Sackfabrik, eine große Anzahl fester Ein- richtungen der örtlichen Kindererholungsfürsorge, Altentagesstätten und Wärmestuben.

5.1 Arbeit im Exil

Durch die Mitgliedschaft in der 1941 gegründeten Untergruppe “Solidarität” im Workmen´s Circle in New York konnten die deutschen Emigranten, darunter auch Marie Juchacz, schon vor dem Kriegsende sammeln und vorerst individuelle Hilfspakete an Freunde verschicken. Zunächst durften keine Hilfssendungen in die deutschen Besatzungszonen verschickt wer- den, dennoch konnte die “Solidarität” dieses Verbot schon Ende 1945 mit Hilfe des Schweizer Arbeiterhilfswerks und Freunden in Schweden umge- hen. Um weitere Paketsendungen finanzieren zu können, versuchte Marie Juchacz zwischen den zerstrittenen Exilgruppen in den USA zu vermitteln und trat 1945 der neugegründeten “Arbeiterwohlfahrt New York” bei. Sie schlossen sich der “Labour Leage of Human Rights” an. Sie sammelten Hilfsgüter, die alle für die Arbeiterwohlfahrt in den westlichen Besatzungs- zonen bestimmt wurden. Um die Sammlungen erweitern zu können, grün- deten sie die AWO USA nach Weimarer Vorbild. Daraufhin trafen Spen- den aus sozialdemokratischen Emigrantenkreisen ein. Doch Marie Ju- chacz unterstützte die westdeutschen AWO Verbände auch politisch, in- dem sie ihnen riet, ein gutes Verhältnis zu den Gewerkschaften aufzubau- en, um den Zugang zu US-Gewerkschaftspenden zu erleichtern. Durch ihre vielfältigen Kontakte hatte sie großen Einfluß auf die Reorganisation der AWO in Westdeutschland, half 1946 auch bei der Vermögensrücker- stattung durch Übermittlung von Unterlagen. Als Marie Juchacz 1949 in die Bundesrepublik zurückkehrte, brachen die Beziehungen zur AWO USA ab.

6. Die Reorganisation der Arbeiterwohlfahrt nach dem II. Weltkrieg

Unmittelbar nach Kriegsende entstanden in den westlichen Besatzungs- zonen spontan auf Initiative ehemaliger Helferinnen und Helfer die ersten neuen Gruppen der Arbeiterwohlfahrt. In der sowjetischen Besatzungszone konnten die Ausschüsse nicht mehr eingerichtet werden. Die örtlichen Ausschüsse und Vereine im Westen, die überwiegend aus Frauen be- standen, schlossen sich nach und nach zu Kreis- und Bezirksausschüssen zusammen. Die formelle Neugründung des Hauptausschusses fand 1946 als selbständige Organisation der freien Wohlfahrtspflege statt, da nur unabhängige Wohlfahrtsorganisationen ausländische Spenden erhielten. Sie blieben jedoch der Sozialdemokratie nahestehend. Die Richtlinien der Weimarer Zeit wurden 1947 um zwei Punkte verändert:

1. Öffnung der Mitgliedschaft für Nichtsozialdemokraten,

2. Die freie Wohlfahrtspflege wurde explizit in die Aufgaben der AWO in- tegriert, was in der Weimarer Zeit unmöglich gewesen wäre. Dies ermöglichte die Zusammenarbeit mit der 1948 gemeinsam gegrün- deten “Arbeitgemeinschaft der Spitzenverbände der freien Wohlfahrt”. Die- se war durch die Währungsreform 1948 notwendig geworden, um die Auf- rechterhaltung ihrer Einrichtungen zu gewährleisten. Daran beteiligt waren die christlichen Verbände, das Rote Kreuz und die AWO. Die Hauptaufga- be der AG war es neue finanzielle Hilfen zu organisieren. 1949 wurde die Arbeitsgemeinschaft von der neuen Bundesregierung zur Beurteilung von Wohlfahrtsgesetzen berufen. Durch die Mitarbeit in der AG der Spitzenver- bände erlang die AWO mehr Ansehen und konnte ihre öffentliche Finan- zierung erheblich verbessern.

Es gab zwar noch Stimmen, die an das alte Ziel der Mitarbeit der Mitglie- der in den Kommunalverwaltungen erinnerten, jedoch wurde die AWO ab 1950 zusehends zu einer Institution, die “nur” soziale Aufgaben erfüllte. Spätestens seit den 50iger Jahren war die Werbung von Nachwuchs da- durch erschwert, daß die Jugendlichen nicht einer Solidargemeinschaft angehörten, sondern dem Individualisierungsdruck des “Wirtschafts- wunders” unterworfen wurden.

6.1 Umwandlung in ein Dienstleistungsunternehmen mit neuen Arbeitsschwerpunkten

Bis zur Währungsreform 1948 war die Verteilung der ausländischen Lie- besgaben, die Wirtschaftsfürsorge, der größte Aufgabenbereich der AWO- Ausschüsse. Die gleich nach Kriegsende wieder eingerichteten Nähstuben wurden mehr oder weniger aus Materialmangel nur für Auftragsarbeiten und gleichzeitig für Beratungsgespräche und Spendenausgaben genutzt, dadurch standen sie nicht mehr wie früher allen Frauen offen, sondern be- kamen den Charakter einer Fürsorgestelle. Viele Nähstuben verwandelten sich nach der Währungsreform in Bildungseinrichtungen für erwerbslose Frauen und Mädchen.

Der “Bettenschlüssel”, der wieder eingeführt wurde, um ausländische Spenden zu verteilen, führte dazu, daß die AWO-Ausschüsse nach dem II. Weltkrieg mehr eigene Einrichtungen als jemals zuvor einrichteten. Durch das Recht auch auf Wiedergutmachung, daß die Geschäftsführerin des Hauptausschusses Lotte Lemke einklagte, wurden auch leerstehende militärische und ehemalige NS-Gebäude, die die Militärregierungen den Ausschüssen anboten, von der AWO übernommen. Durch die Verknüp- fung der Heime mit gleichzeitig dort stattfindender Berufsausbildung, konn- ten die Personalkosten relativ gering gehalten werden.

Mit Beginn der staatlichen Zuschüsse für als notwendig erachtete Projek- te, begann die AWO mit einer “Subventionspolitik”, die eine Verschiebung der Arbeitsschwerpunkte mit sich brachte. Auf Betreiben der Landesregie- rungen wurden 1947 Heime für Heimkehrer, 1950 Alters- und Flüchtlings- heime eingerichtet und 1951 Jugendwohnheime und Mütter- genesungs- heime. Der Anteil der öffentlichen Finanzierung betrug 1958/59 schon 69,6 %. Damit ging unmerklich der Gedanke der Arbeiterselbsthilfe unter, an dessen Stelle der Leitbegriff der Humanität trat. Schon 1953 kritisierte Ma- rie Juchacz, daß durch die staatlichen Subventionen die AWO ihre Unab- hängigkeit verliere. Durch die Übernahme von Heimen wurde dringend qualifiziertes Personal benötigt. Die Sonderlehrgänge und Ausbildungs- stätten sollten vermehrt auch Männern geöffnet werden. Diese nahmen das Angebot an, weigerten sich jedoch, längerfristig in den AWO Heimen zu arbeiten, weil sie dort keine Aufstiegschanchen sahen.

6.2 Die AWO Stand 1994

Die AWO ist heute einer der sechs anerkannten Spitzenverbände. Sie ist Mitglied in der “Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege”. Die Richtlinie 1989 war: Demokratischer Sozialismus (Verbandsstatut), die Ziele: Freie Entfaltung der Individuen, Freiheit, Gerechtigkeit und Tole- ranz. Die Arbeiterwohlfahrt hat 640 000 Mitglieder, davon arbeiten 100 000 ehrenamtlich, über 62 000 hauptamtliche MitarbeiterInnen sind seit 1994 flächendeckend mit einerJahreslohnsumme von 2,5 Mrd. DM in allen Bundesländern tätig.

Der Verband besteht aus 43 Landes- und Bezirksverbänden, 503 Kreisund 3879 Ortsverbänden.

Die Organe auf Bundesebene sind: Die Bundeskonferenz mit 440 Delegierten, sie tagt alle 4 Jahre, der Bundesausschuß hat 98 Mitglieder, der Bundesvorstand 17 Mitglieder.

Das Arbeitsfeld besteht aus allen Bereichen der Hilfe von Mensch zu Mensch (Selbstaussage der AWO).

Das Jugendwerk ist als Jugendverband der AWO angeschlossen.

Von den 7580 Einrichtungen und Diensten sind ca. 50% in der Altenhilfe tätig, die übrigen verteilen sich fast gleichmäßig auf die

- Kinder- und Jugendhilfe
- Gesundheitshilfe, einschließlich der Behindertenhilfe
- Erholungshilfen und Kuren
- Familienhilfe, einschließlich der ambulanten sozialen Hilfe Die Arbeiterwohlfahrt bringt drei eigene Publikationen heraus:

2 monatliche Zeitschriften: “ Theorie und Praxis der sozialen Arbeit” und “sozialprisma” und das “Jahrbuch der Arbeiterwohlfahrt”. Die AWO arbeitet eng mit dem Institut für Sozialarbeit und dem Sozialpädagogischen Institut Berlin zusammen.

Durch die Mitgliedschaft der AWO im Internationalen Arbeiter-Hilfswerk, das aus 16 Organisationen aus 13 verschiedenen Ländern zusammenge- setzt ist, ergeben sich die Hilfsmaßnahmen bei politischen und sozialen Konflikten (z.B. Nicaragua), sowie internationale Not- und Aufbauhilfe.

Die Finanzquellen:

An eigenen Mitteln hat die AWO jährlich etwa 24 Mio. DM durch Mitgliedsbeiträge zur Verfügung, dazu kommen Geld- und Sachspenden, Haus- und Straßensammlungen, Förderkreise und -vereine, den Verkauf von Wohlfahrtsbriefmarken, Darlehen und ehrenamtliche Leistungen. Zuwendungen und Zuschüsse:

Schenkungen, Zuwendungen aus Stiftungen, Zuwendungen aus Lotterien (z. B. Aktion Sorgenkind), Fernsehlotterien und Fördermittel der öffentli- chen Hand

Leistungsentgelte:

Leistungsentgelte, z.B. Pflegesätze und Dienstleistungen, machen den größten Anteil des Budgets der AWO aus.

Gerade in diesem Bereich wächst die Kritik an den Wohlfahrtverbänden. Der Organisationsforscher Hubert Oppl kritisiert, ihre Pflegesätze seien zu hoch, würden sie wirtschaftlicher arbeiten, “könnten in den sozialen Kas- sen über 15 Mrd. DM jährlich eingespart werden”.8 Auch andere Kritiker beanstanden die Praktiken der Wohlfahrtkonzerne. Sie arbeiteten unwirt- schaftlich und ineffizient und seien auf Wettbewerb nicht eingerichtet. Durch die Überalterung in den Vereinen und Verbänden seien Innovatio- nen nicht durchsetzbar. “Wenn nicht wesentliche Änderungen im Mana- gement schnell durchgesetzt werden, droht der Zusammenbruch”9. Den- noch hätten Wohlfahrtsverbände stets Rückendeckung durch die enge Verflechtung von Wohlfahrt und Politik. Der schleswig-holsteinische Rech- nungshof wies in seinem Jahresbericht 1994 auf seltsame Abrechnungs- praktiken und alarmierende Geldverschwendung der sozialen Dienste hin, in Höhe von 13 Mio. DM. Immer mehr Sozialarbeiter kreierten immer diffe- renziertere Beratungsstellen, um nach einem Jahr zu ihrem eigenen Chef zu werden. Doch statt zu helfen, würden die Sozialarbeiter in den Hoch- schulen zu Theoretikern ausgebildet.

7. Frauenpolitik durch Wohlfahrtspflege ?

Nach dem I. Weltkrieg führten viele sozialdemokratische Frauen ihre ört- lich anfallenden Anliegen weiter fort. So kam es dazu, daß sich die Arbei- terwohlfahrt auch der Fürsorge annahm, was jedoch von der SPD nicht gern gesehen wurde. Die lokal organisierten Hilfsaktionen der Sozialde- mokratinnen wurden jedoch als Aktivität der AWO-Ausschüsse besser un- terstützt. Es fand eine rege Teilnahme anderer sozialdemokratischer Organisationen statt. Aber diese Arbeit verschaffte den Frauen nicht, die von Marie Juchacz anvisierte, politische Bedeutung in der SPD. Nur in Krisensituationen wurde die “über-familiare Hausarbeit”9 der AWO-Ausschüsse positiv bewertet. Die Sozialdemokraten hielten an einer hierarchischen Trennung der Arbeitsgebiete fest, so daß nur wenige der vielen ausgebildeten Frauen die Chance bekamen, in der öffentlichen Verwaltung zu arbeiten und eine parteipolitische Karriere zu beginnen.

Sozialdemokratische Politik lief nicht darauf hinaus, die Stellung der Frau in der Gesellschaft zu verbessern, sondern nur auf die Sicherung der Ver- sorgung von Familien in Krisenzeiten. Wie in der Weimarer Republik, wur- den den Frauen nach dem II. Weltkrieg von der SPD wieder die wohl- fahrtspflegerischen Aufgaben zugewiesen. Diese Arbeit wurde als humani- täre Arbeit gewürdigt, jedoch der enorme Beitrag zum Wiederaufbau der SPD übersehen. Es gab noch Stimmen, die an das alte Ziel der Mitarbeit der Mitglieder in den Kommunalverwaltungen erinnerten, jedoch wurde die AWO zusehends zu einer Institution, die soziale Aufgaben erfüllte. Der Versuch der sozialdemokratischen Frauen, den eigenen Wohlfahrtsver- band als Instrument ihrer Frauenpolitik zu nutzen, war zum Scheitern ver- urteilt. Stattdessen übernahmen sie den Versuch der bürgerlichen Frauen, die ehrenamtliche soziale Mütterlichkeit zu professionalisieren. Für die So- zialdemokratinnen jedoch schloß die geistige Mütterlichkeit, die Möglich- keit ihrer sozialistischen Selbstverwirklichung mit ein.

7.1 Kritische Anmerkungen:

In ihrer Rede vom 19. Februar 1919 vor der Verfassungsgebenden Natio- nalversammlung in Weimar sagte Marie Juchacz selbstbewußt: “Ich möch- te hier feststellen, [...], daß wir deutsche Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Re- gierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit; sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.”10. Sie umriß (in ihrer Rede), wie sie sich die politische Arbeit der nun mit aktivem und passivem Wahlrecht ausgestatteten Frauen vorstellte: “Wir Frauen werden mit ganz besonderen Eifer tätig sein auf dem Gebiete des Schulwesens, auf dem Gebiete der allgemeinen Volksbildung [...].Die gesamte Sozialpolitik überhaupt, einschließlich des Mutterschutzes, der Säuglings- oder Kinderfürsorge, wird im weitesten Sinne Spezialgebiet der Frauen sein müssen.[...].11 Heute verurteilen viele Frauen die ersten Sozia- listinnen, die Frauen ausdrücklich die Sozialpolitik und ein be- sonderes Interesse auf dem Gebiet des Allgemeinwohls zugewiesen haben, und damit den Männern die Verantwortung und das Interesse für diesen Be- reich abnahmen. “Doch, wer so urteilt, vergißt, woher die meisten jener Frauen gekommen waren und welche Aufgaben sich ihnen aus eigenem Erleben als vordringlich stellten. Das Sein bestimmte das Bewußtsein von Frauen wie Marie Juchacz. Hinzu kam die [...] oft vergessene oder nicht mehr bekannte Tatsache, daß der Bereich der Sozialpolitik lange Zeit der einzige war, in dem Frauen gewisse politische Aktivitäten entfalten konn- ten”.12 Marie Juchacz beschränkte sich politisch auf das, was ihr am Her- zen lag, übersah jedoch nicht die Hürden, die Frauen kaum überwinden konnten. “Die Zurückhaltung der Frauen dem öffentlichen Leben gegen- über ist sicher zu einem Teil darauf zurück- zuführen, daß sie bei ihrem Eintritt eine ganze Menge fühlbarer Schranken und Hemmungen vorfin- det”13 und die Herr schenden Regeln nicht kennt.

8. Literaturverzeichnis:

AWO-Bundesverband (Hg.): AWO, o.J.

AWO-Bezirkverband Hessen-Nord e.V: Geschäftsbericht 1992-1993

Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege e.V.:

Gesamtstatistik der Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege, Bonn 1994

Dertinger, Antje: Ein Abgang in einer gewissen Einsamkeit und

Tristesse, Frankfurter Rundschau vom 3.12.1994 (Archiv der dt. Frauenbewegung)

Eifert, Christiane: Frauenpolitik und Wohlfahrtspflege, Campus Verlag, 1993

Hering, Sabine: Durch Frauen wie Marie Juchacz wurde eine Tradition geschaffen, Sozial Extra 1989 37

Lembke, Lotte: 50 Jahre Arbeiterwohlfahrt, Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e. V., Bonn 1969

Monat, Anneliese: Sozialdemokratie und Wohlfahrtspflege,

W. Kohlhammer GmbH Stuttgart 1961

Schmid, Josef: Wohlfahrtsverbände in modernen Wohlfahrtsstaaten, Leske + Budrich, Opladen 1996

Schneider, Dieter (Hg.): Sie waren die ersten, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main o.J.

Der Spiegel 52/ vom 25.12.95: Wohltätigkeit; Konzerne unterm Kreuz

[...]


1 Bebel, August: Die Frau und der Sozialismus, 10. Auflage 1891, S. 258

Zitat nach: Monat, A. S. 4

2 Aufruf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zur ersten Reichs- tagswahl unter dem Sozialistengesetz, Zitat nach: Monat, A. S.3

3 Die Sozialdemokratie im deutschen Reichstag, S. 159, Zitat nach: Monat, A. S. 7

4 Schneider, Dieter (Hg.). S. 223

5 Dertinger, Antje, Zitat nach: Juchacz, Marie

6 Schneider, Dieter: S. 224, Zitat nach Juchacz, Marie

7 Sachße, Chr./Tennstedt, Fl.: Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Bd. 2, Stuttgart, Berlin ,Köln, Mainz 1988, Zitat nach: Eifert, Chr. S. 52

8 Oppl, Hubert, Organisationsforscher: Zitat nach: Der Spiegel S. 41

9 Der Spiegel S. 49

9 Eifert, Chr. S. 125

10 Juchacz, Marie: Rede vom 19.2.1919, Zitat nach: Schneider, Dieter S. 214

11 Ebda

12 Ebda S.215

13 Juchacz,Marie:Das Führerinnenproblem,in Genossin, 3, 1926,S.187-189,208-210 Zitat nach: Eiffert, Chr. S. 66

25 von 25 Seiten

Details

Titel
Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Soziale Arbeit in Deutschland
Note
gut
Autor
Jahr
1998
Seiten
25
Katalognummer
V98005
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Von der Gründung der Arbeiterwohlfahrt in der Weimarer Republik. der Zeit der AWO im Nationalsozialismus bis zum heutigen Dienstleistungsunternehmen
Schlagworte
Marie, Juchacz, Arbeiterwohlfahrt, Soziale, Arbeit, Deutschland
Arbeit zitieren
Simone Mikeler (Autor), 1998, Marie Juchacz und die Arbeiterwohlfahrt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98005

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