Pervitin und Leistungssport. Entwicklung und Vermarktung des Pervitins im Nationalsozialismus


Bachelorarbeit, 2015

59 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Pervitin und Leistungssport

I. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quellenlage und Forschungsstand

3. Ein historischer Überblick – Die Rolle von Stimulanzien als Dopingmittel

4. Die Entwicklung und Vermarktung von Pervitin in den 1930er Jahren

5. Die Erforschung von Pervitin unter dem Aspekt der Leistungssteigerung im Nationalsozialismus
5.1 Lehmann, Straub & Szakáll – Beobachtungen am Fahrradergometer
5.2 Heyrodt & Weißenstein – Experiment mit einem Langstreckenläufer
5.3 Pellmont & Staub – Vergleichende Untersuchungen
5.4 Reflexion der Studien

6. Die Panzerschokolade – Pervitin in der deutschen Wehrmacht

7. Die Wunderpille – Pervitin als Dopingmittel im Leistungssport
7.1 Die Genese des Pervitins als leistungssteigerndes Mittel im Nachkriegssport
7.2 Fallbeispiele des Pervitindopings

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

I. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 (Seite 14): Clasing, D. (2005). Doping und seine Wirkstoffe. Verbotene Arzneimittel im Sport. Balingen: Spitta. (S. 64)

Abbildung 2 (Seite 16): Kemper, W.-R. (2002). Pervitin – Die Endsieg-Droge? Wach und Leistungsstark durch Methamphetamin. In W. Pieper (Hrsg.), Nazis on Speed. Drogen im 3. Reich, Bd. 1. Löhrbach: The Grüne Kraft. (S. 121)

Abbildung 3 (Seite 24): Lehmann, G., Straub, H. & Szakáll, A. (1939). Pervitin als leistungssteigerndes Mittel. Arbeitsphysiologie, 10 (6). (S. 681)

Abbildung 4 (Seite 27): Heyrodt, H., & Weißenstein, H. (1940). Über künstliche Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit. VI. Über Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit durch Pervitin. Naunyns-Schmiedebergs Arch. Exper. Path. 195. (S. 274)

Abbildung 5 (Seite 30): Pellmont, B. (1941). Vergleichende Untersuchungen über die Wirkung von Coramin, Coffein und Pervitin auf psychische und physische Leistung des ermüdeten und nichtermüdeten Menschen. Arch, exper. Path. u. Pharmakol, 199. (S. 283)

Abbildung 6 (Seite 35): Kemper, W.-R. (2002). Pervitin – Die Endsieg-Droge? Wach und Leistungsstark durch Methamphetamin. In W. Pieper (Hrsg.), Nazis on Speed. Drogen im 3. Reich, Bd. 1. Löhrbach: The Grüne Kraft. (S. 126)

1. Einleitung

Die Geschichte der Stimulanzien als Dopingmittel ist untrennbar mit den Substanzen Amphetamin und Methamphetamin verbunden. „Für den Sportler sind diese aromatischen Amine die traumhaft schöne Doping-substanz“ konstatierte bereits 1941 der Baseler Mediziner Prof. Dr. Staub. „Wir warten auf neue Weltbestleistungen, Marke Benzedrin oder Pervitin“ (1941, S. 175). Beide Substanzen sind heutzutage vor allem im Drogenmilieu verbreitet und unter Namen wie Speed (Amphetamin) und Crystal Meth (Methamphetamin) bekannt.1 Weniger vertraut ist man hingegen mit ihrer Entstehungsgeschichte und ihrem Einsatz als Dopingmittel im Sport des letzten Jahrhunderts. Auch in der Dopingforschung sind seriöse Studien über die Verbreitung von Aufputschmittel im Leistungssport rar. „Dieses Thema ist ein Steinbruch der deutschen Sporthistoriographie“, so Eggers in seiner Einleitung zur Dopinggeschichte (2013, S. 47).2

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich thematisch jedoch mit diesem Steinbruch deutscher Dopinggeschichte. Sie setzt dabei den Fokus auf das im Nationalsozialismus synthetisierte Methamphetamin und untersucht dabei chronologisch verschiedene Aspekte seiner Geschichte. Unter dem Markennamen Pervitin machte das Methamphetamin in den Dreißigerjahren überall im Deutschen Reich und später auch in den besetzten Ländern Europas Karriere (vgl. Ohler, 2015, S. 17). Ziel der Arbeit ist es unter anderem, die Entwicklung des deutschen Präparats detailliert zu analysieren und dieses in den historischen Kontext einzuordnen. Des Weiteren wird auf die damalige Erforschung des Mittels unter dem Aspekt der Leistungsfähigkeit eingegangen. Die zentrale Frage, welche im Mittelpunkt der weiteren Analysen steht, ist, in welchen Bereichen Pervitin eingesetzt, beziehungsweise konsumiert wurde. Der Einsatz als Dopingmittel im Leistungssport steht hierbei besonders im Vordergrund.

Bevor sich jedoch detailliert mit den einzelnen Aspekten der Pervitingeschichte auseinandergesetzt werden kann, ist es erforderlich eine historische Basis zu schaffen. Hierzu zählt auch ein summarischer Überblick über den historischen Einsatz von Stimulanzien und die wissenschaftliche Auslotung des menschlichen Leistungspotenzials. Dieser Teil erhebt dabei nicht den Anspruch, die Historie in ihrer Vollständigkeit abzubilden. Vielmehr soll ein Eindruck über die damalige Entwicklung der Dopingpraktiken und Dopingmentalität, sowie über den Kenntnisstand der Sportmedizin erworben werden. Anhand dieser Aspekte wird anschließend die Synthese des Methamphetamins und dessen Gebrauch im Sport sinnvoll erörtert und eingeordnet. Diesem Kapitel mit einleitendem Charakter folgt in Kapitel 4 eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Vermarktung des Pervitins im Nationalsozialismus. Hierbei wird auch auf die chemische Zusammensetzung des Präparats eingegangen. Die Erforschung der Stimulanz und seine möglichen Effekte auf den Menschen sind Thema des 5. Kapitels. Im Zentrum der Analysen steht hierbei die Frage, inwieweit Pervitin von den Zeitgenossen als mögliches leistungssteigerndes Mittel erkannt wurde und ob bereits Bezüge zum Sport hergestellt wurden. Als Quellen stehen hierfür diverse Pervitinstudien aus der Zeit des Nationalsozialismus zur Verfügung. Bei der Aufarbeitung dieser Historie muss sich der Blick zwangsläufig auch auf fachfremde Gebiete, wie die der Wehr- und Arbeitsphysiologie, erstrecken, da sich diese intensiv mit der pharmakologischen Leistungssteigerung des Menschen beschäftigten. Der Einsatz von Pervitin als leistungssteigerndes Mittel ist Thema der nachfolgenden zwei Kapitel. Hier wird wiederum chronologisch vorgegangen. Somit behandelt Kapitel 6 den Gebrauch und gezielten Einsatz von Pervitin im Zweiten Weltkrieg und geht auf die Bedeutung des Präparats für das Militär ein. Zentral ist es hierbei einen Einblick in die Mentalität des Konsums von Aufputschmitteln zu erlangen. Im nachfolgenden 7. Kapitel wird schlussendlich der Einsatz von Pervitin im Sport analysiert. Hier wird der Versuch unternommen, Umfang und Einsatz des Pervitindopings zu ermitteln und einzugrenzen, wobei exemplarisch einige Dopingfälle vorgestellt werden. Zuletzt steht ein Fazit, welches die Ergebnisse dieser Arbeit resümiert.

2. Quellenlage und Forschungsstand

Quellenlage und Forschungsstand des in der Arbeit vorgestellten Themas zeichnen sich beide als lückenhaft aus. So ist die Quellenlage zur Dopinghistorie beispielsweise oft nur über Beschlüsse, Gesetze und Verordnungen sowie Ereignisse aus der Dopingpraxis von Athleten nur schwer rekonstruierbar. Aufschlussreich sind hierbei oft Presse- und Zeitschriftenartikel, welche sich, bedingt durch die zumeist im Verborgenen stattfindende Dopingpraxis, häufig als einzige schriftlichen Quellen darstellen (vgl. Reinhold, 2010, S. 362).3 Modellhaft hierfür sind Artikel der Zeitschrift für Sportmedizin. So veröffentlichte beispielsweise der Göttinger Pharmakologe Lendle im Jahr 1957 eine Abhandlung über „Stimulantia – Exciantia (Dopingmittel)“ und geht in dieser auch auf Weckamine wie das Pervitin ein (S. 22). Die Studien, welche sich mit der Erforschung des Pervitins während des Nationalsozialismus, aber auch in der Zeit darüber hinaus, auseinandersetzen, erlauben hingegen einen detaillierten Einblick in die damaligen Forschungsergebnisse. Teilweise liefern diese Studien auch Informationen bezüglich einer Verbreitung von Pervitin als Dopingmittel im Leistungssport und geben zudem Aufschluss über vergleichende Dopingpraktiken. Der Forschungsstand betreffend des Dopings mit Stimulanzien, insbesondere während des Nachkriegssports in Deutschland, ist insgesamt überschaubar und wird von Eggers zu Recht als „Steinbruch“ der Sporthistoriografie betitelt (2013, S. 47). Oft fehlt bei den verwendeten Quellen zudem eine angemessene historische Kontextualisierung. Dies liegt speziell daran, dass die Begriffe Doping und Anti-Doping ein modernes Konstrukt des 20. Jahrhunderts sind. Es ist daher kaum verwunderlich, so Reinhold, dass vergangene Epochen den Gebrauch von leistungssteigernden Mitteln mit anderen Augen betrachteten und daher „sowohl deskriptiv als auch normativ zu anderen Urteilen gelangten, als wir heute“ (2010, S. 363). Trotz der Anzahl an Studien über die Wirkungsweise des Pervitins und der Hinweise über den gezielten Einsatz in Militär und Sport, fehlt bislang eine Gesamtdarstellung zur Geschichte des Methamphetamins als Dopingmittel. Detaillierten Einblick, jedoch lediglich auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränkt, liefert indes das in jüngster Zeit erschienene Buch von Norman Ohler „Der totale Rausch – Drogen im Dritten Reich“ (2015). Auch wenn diese Abhandlung sich nicht mit der Zeit nach 1945 auseinandersetzt, so kann doch Kenntnis über die Mentalität und Sozialisation von Aufputschmitteln, insbesondere Pervitin, in der deutschen Gesellschaft, sowie des Militärs, gewonnen werden. Über den gezielten Einsatz im Nachkriegssport informiert indes beispielsweise Eggers in seinen – nicht unumstrittenen – Enthüllungen zum legendären Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft in Bern 1954 (vgl. 2005, S. 102 ff.). Einen umfassenderen Überblick des aktuellen Forschungsstandes, betreffend des bundesdeutschen Dopings im Nachkriegssport, erhält man außerdem durch den Forschungsberichts der Humboldt-Universität zu Berlin (vgl. Spitzer, Eggers, Schnell & Wisniewska, 2013).

3. Ein historischer Überblick – Die Rolle von Stimulanzien als Dopingmittel

Die Geschichte der Stimulanzien ist keine Erscheinung, welche nur den Zeitgeist des 20. und 21. Jahrhunderts betrifft. Sie beginnt bereits in der Antike. Schon Philostratos und Galen berichten von pflanzlichen Extrakten, die vor Wettkämpfen, wie etwa den Olympischen Spielen, von Athleten zur Stimulation genutzt wurde. Diese Berichte über die Einnahme von Kräutern, Pilzen, Stierhoden und Anderem gehen auf das 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Mit der Einnahme sollte eine Verbesserung der Wettkampfleistung erzielt werden. Über die genaue Zusammensetzung dieser Präparate und ihrer Wirkung ist jedoch nichts überliefert (vgl. Schänzer & Thevis, 2007, S. 631; Prokop, 1970, S. 125). Schon zum damaligen Zeitpunkt gab es jedoch kritische Stimmen antiker Autoren, welche auf die gesundheitlichen Risiken und den hohen Grad an Spezialisierung der Athleten hinwiesen (vgl. Baltrusch, 1997, S. 519 f.). Die Kritik ist somit wohl genauso alt wie der Konsum selbst. Berichte über stimulierende Substanzen gibt es auch aus dem süd- und mittelamerikanischen Raum. So erzählen spanische Chroniken über erstaunliche Laufleistungen der Inka, die durch das Kauen von Cocablättern in der Lage gewesen seien, über 1500km lange Strecken in nur fünf Tagen zurückzulegen. Die Uto-Azteken der Sierra Madre im nördlichen Mexiko sollen hingegen eine strychninähnliche Stimulanz aus der Peyowurzel für ausdauernde Läufe – bis zu 72 Stunden – verwendet haben.4 Auch aus Westafrika sind stimulierende Pflanzen, wie etwa die Cola acuminata bekannt (vgl. Prokop, 1970, S. 125).

Das Bestreben des Menschen, seine körperliche Konstitution durch das Einnehmen bestimmter Substanzen zu verbessern, lässt sich in der Menschheitsgeschichte, wie oben aufgezeigt, weit zurückverfolgen. Es ist ein globales Phänomen und findet sich in vielen Kulturen wieder. Diese Praxis des Dopens – wobei man in diesem Kontext noch von keinem Doping im heutigen Sinn sprechen kann – begann in Europa historisch zunächst mit dem Pferderennsport. Die Verabreichung von Stimulanzien an Rennpferde soll in England bereits 1666 verboten worden sein (vgl. Jütte, 2008, S. 312 f.). Die Dopingpraxis als auch das Dopingverbot, sowie die damit einhergehenden Kontrollverfahren und Tests, bezogen sich somit zunächst auf den Pferdesport. Erst langsam wurden diese Verfahren auf den Menschen und Sportsmann übertragen, wobei sie als erstes in den Ausdauersportarten Anwendung fanden. Vor allem im immer populärer werdenden Radsport der 1880er Jahre kamen immer mehr Medikamente und stimulierende Substanzen zum Einsatz, um die gewaltigen Strapazen durchstehen zu können (vgl. Reinhold, 2010, S. 364). Bei dieser Praxis gab es weder bei den Ärzten, noch bei den Athleten oder den organisierenden Vereinen und Verbänden ein Unrechtsbewusstsein (vgl. Krüger, 2006, S. 329). Der selbstverständliche Gebrauch von aufputschenden, leistungssteigernden und schmerzstillenden Mitteln wurde keineswegs als anstößig oder unsportlich angesehen. So fanden sich in den Radsportzeitschriften Anzeigen, welche für bewährte und neu entwickelte leistungssteigernde Präparate Reklame machten (vgl. Rabenstein, 1991, S. 171-175.). Verwendet wurden anscheinend vorwiegend kokainhaltige Substanzen und Getränke, aber auch Alkoholkombinationen sowie Koffein, Nikotin, Nitroglycerin und Strychnin (vgl. Krüger, 2006, S. 330). Bekanntes Beispiel eines wohl mit Strychnin gedopten Marathonläufers ist der disqualifizierte Olympiasieger von 1908 Dorando Pietri (vgl. Dimeo, 2007, S. 27).5 Bei dem 1893 verstorbenen englischen Radrennfahrer und Steherweltmeister Jimmy Michael sollen sogar Injektionsstiche gefunden worden seien. Um 1900 häuften sich zunehmend die Berichte über sogenannte Wundermittel und ungewöhnliche Todesfälle bei Radrennfahrern. Die Verbreitung des Drogen- und Medikamentenkonsums wuchs zudem mit steigenden Siegesprämien. So soll der deutsche Radrennfahrer Willy Arend in den Jahren von 1896 bis 1903 die gewaltige Summe von 78 000 Goldmark allein bei Steherrennen erhalten haben (vgl. Krüger, 2006, S. 330-332). Ein Motiv, welches den Medikamentenmissbrauch unter ambitionierten Sportlern wohl weiter verbreitete. In der Professionalisierung des Sports sehen zumindest Bette und Schimank eine wesentliche Ursache für die Entstehung der Dopingproblematik (vgl. Bette & Schimank, 2006, S. 328 f.).

Der Leistungssport war jedoch bei weitem nicht der einzige gesellschaftliche Bereich, in welchem stimulierende Drogen genommen wurden. Vor allem bei Schriftstellern, Musikern, Künstlern und Malern war der Gebrauch von ihnen bis weit in die Goldenen Zwanziger beliebt (vgl. Hobermann, 1994, S. 133 f.). Aber auch Soldaten fanden an ihrer Wirkung gefallen. Überwiegend Jagdflieger sollen während des Ersten Weltkrieges Kokain genommen haben, um die Strapazen und langen Flüge besser verkraften zu können. Hermann Göring, welcher ebenfalls Jagdflieger im Ersten Weltkrieg war, gilt wohl als prominentester Konsument (vgl. Kemper, 2002, S. 130 f.).

Um die Jahrhundertwende wurde die Verwendung von Pharmaka zur Leistungssteigerung de facto immer häufiger und überstieg allmählich ihre rein medizinische Rolle. Die Vorstellung, dass der menschliche Organismus auf wissenschaftliche Weise modifiziert werden könne, übte eine bis dato nicht dagewesene Faszination auf viele Naturwissenschaftler und Mediziner aus. Die Auslotung des menschlichen Leistungspotenzials und die Strategien, um dessen Grenzen weiter hinausschieben zu können, stellte gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Schwerpunkt der naturwissenschaftlichen Forschung dar. Die sportliche Leistung an sich war für die Wissenschaftler jedoch eher von geringerem Interesse, zumal sich der Sport noch in einer Frühphase seiner Entwicklung befand. Für die Leistungsphysiologen gab es zudem keinen relevanten Unterschied zwischen einem Langstreckengeher und einem marschierenden Soldaten (vgl. Hobermann, 1994, S. 79 f. & S. 133 f.). Die etwaige Steigerung des menschlichen Potenzials, hinsichtlich einer verbesserten physischen und psychischen Konstitution, stellt somit die Schnittstelle zwischen der Wehr- und Arbeitsphysiologie einerseits und der Sportmedizin andererseits her. Sie blieb bis weit ins 20. Jahrhundert hinein bestehen und lässt sich auch bei der Erforschung des Pervitins, in den dreißiger und vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts, wiederfinden.

Bei den Experimenten der Physiologen wurden die verschiedensten Stimulanzien erprobt. Gemeinhin auch als Aufputschmittel bezeichnet, bilden sie die klassischen Dopingmittel, welche während oder kurz vor dem Wettkampf eingenommen werden (vgl. Clasing, 2010, S. 63).6 Das Wissen darüber, wie die unterschiedlichen Stimulanzien wirkten und wie man sie am Besten im Sport einsetzen sollte, steckte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert allerdings noch in den Kinderschuhen (vgl. Dimeo, 2007, S. 9). Einer der ersten Sportmediziner, welcher sich mit dem Phänomen der leistungssteigernden Stimulanzien bei Sportlern beschäftigte, war Philippe Tissié. Im Juni 1893 untersuchte er den 24-Stunden-Radfahrer Stéphane hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit auf dem Fahrrad. Die verabreichten Mittel waren hierbei Tee mit Milch, Minzwasser, Limonade, Rum, Rum mit Milch und Champagner (vgl. Hobermann, 1994, S. 98 & S. 150). Ein weiterer Pionier der Sportmedizin war der deutsche Arzt Herbert Herxheimer. So leitete er bereits zu Beginn der 1920er Jahre Versuche mit 100m-Sprintern an, um mögliche leistungssteigernde Effekte durch die Einnahme von Koffein und Alkohol nachzuweisen (vgl. Herxheimer, 1922a, S. 143 & 1922b, S. 1339). Keine 10 Jahre später erschien in der Zeitschrift Arbeitsphysiologie ein Artikel aus der Universitätsklinik in Königsberg über den Einfluss von Kokain auf die Muskelarbeit. Thiel und Essig hatten durch Versuche am Fahrradergometer eine „hochgradige Steigerung der körperlichen Arbeitsfähigkeit“ durch die Einnahme von Kokain festgestellt (1930, S. 297). Gegen Ende der 1930er Jahre wurden gar Experimente mit Cola und Kaffee durchgeführt. Klein stellte beispielsweise fest, dass Kaffee, mit einer Dosierung von 250mg Koffein, eine Leistungsverbesserung im 100m-Lauf bei über 75% seiner Versuchspersonen hervorrief (vgl. Klein, 1938, S. 204-207).

Die Anzahl an Substanzen, welche den Medizinern und Sportenthusiasten damals zur Verfügung standen, wuchs in rasantem Tempo und beschränkte sich schnell nicht mehr nur auf Pflanzenextrakte oder Alkohol. Bereits 1859 gelang dem Göttinger Chemiker Albert Niemann die Reinherstellung des Kokains, wobei dessen Vermarktung nur wenige Jahre später werbewirksam vorangetrieben wurde (vgl. Rabenstein, 1991, S. 171). Die Erstsynthese des Amphetamins erfolgte knapp 20 Jahre später an der Humboldt-Universität zu Berlin. Da sich Edeleano, der Entwickler der chemischen Substanz, jedoch nicht für dessen pharmakologische Wirkung interessierte, blieb das Ausmaß des zentralanaleptischen Effektes verborgen.7 Das wissenschaftliche Interesse richtete sich daher in den folgenden Jahrzehnten vorwiegend auf andere kreislaufwirksamere Derivate des Grundstoffes Adrenalin. Chen und Schmidt gelang es, im Zuge dieser Entwicklung, 1924 das Ephedrin als solches wieder zu entdecken.8 Seine positive Wirkung auf die geschwollene Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes machten es zudem zu einem wichtigen Therapeutikum der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte. Aufgrund der Entdeckung galt es nun auch von anderen Adrenalinabkömmlingen den sympathicomimetischen Effekt auf die Schleimhaut des Nasen-Rachen-Raumes zu studieren und so wurde das Amphetamin wieder in die Untersuchungsreihen einbezogen. Angesichts seiner ebenfalls starken Wirkung und der Tatsache, dass es flüssig und flüchtig war, nahm es insofern eine Sonderstellung ein. Bei der Behandlung der Nasenschleimhaut konnte es einfach in Dampfform in die Nase eingeblasen werden (vgl. Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 2 f.). Nach der Anwendung an Patienten wurde schnell auch der psychisch-stimulierende Effekt erkannt. „Patienten, die nachmittags behandelt wurden, fühlten sich hinterher besonders frisch, leistungsfähig, unternehmend und konnten häufig in der auf die Behandlung folgende Nacht nicht schlafen“ (Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 3). In den Vereinigten Staaten wurde das Inhalationsmedikament, welches aber auch in Tablettenform verkauft wurde, ab 1932 rezeptfrei unter dem Markennamen Benzedrin verkauft (vgl. Kemper, 2002, S. 123).9 In weiten Kreisen der amerikanischen Bevölkerung verbreitete sich die Wirkung des Mittels auf die geistige Leistungsfähigkeit so schnell, dass es einen regelrechten Run gab. Vor allem bei Studenten ersetzte die neuartige Stimulanz die bisher erprobten Mittel wie Kaffee, Tee oder Koffein (vgl. Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 3). Es ist nur mehr als wahrscheinlich, dass sich das Amphetamin auch schnell im Sport großer Beliebtheit erfreute.10 Es wird in Beckmanns Sportlexikon von 1933 jedoch noch nicht explizit als Dopingmittel aufgeführt (vgl. 1933, S. 709).

Die Erforschung der Stimulanzien – welche auch als Weckamine bezeichnet werden – führte schließlich Ende der 1930er Jahren zur Synthese eines neuen Stoffes, dem Methamphetamin (vgl. Roth, 1985, S. 167; Kemper, 2002, S. 124). Seine Erforschung und Entwicklung, sowie sein Einsatz in Gesellschaft, Militär und Sport sind Thema der nachfolgenden Kapitel. Vereinfacht lässt sich jedoch an dieser Stelle sagen, dass die Entwicklung von Methamphetamin – zunächst vor allem in Deutschland – teilweise erhebliche Effekte auf die eben genannten Bereiche ausübte. Während des Zweiten Weltkrieges kam es auf deutscher Seite vor allem bei Nachtflügen und Dauermärschen zum Einsatz (vgl. Prokop, 1970, S. 126). Nach dem Kriegsende wurde es hingegen massiv im Sport verwendet. Friedrich betitelte es gar als „Prototypen“ des Dopingmittels der 1950er Jahre (1955, S. 21). Auch neuere Forschungen kommen zu dem Ergebnis, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Pervitin und Amphetamin und deren Einnahme nahtlos in der frühen Bundesrepublik fortgesetzt wurde. Laut dem 2013 erschienenen Forschungsbericht der Humboldt-Universität zu Berlin beschäftigte sich die deutsche Sportmedizin intensiv mit der Frage, inwieweit Pervitin und andere Dopingsubstanzen zu einer Leistungssteigerung führen könnten (vgl. Spitzer et al., 2013, S. 17). Ein Beispiel hierfür ist die medizinische Dissertation „Die Wirkung von Dopingmitteln auf den Kreislauf und die körperliche Leistung“ von Oskar Wegener (1954). Die Anwendung der Weckamine im Sport stand hierbei wohl in der Tradition des Konsums während des Zweiten Weltkrieges (vgl. Spitzer et al., 2013, S. 17). Aufgrund des Medikamentenmissbrauchs kam es in der Nachkriegszeit immer wieder zu Todesfällen im Sport, wobei diese gegen Ende der 1960er Jahre stark zunahmen. Prominente Beispiele hierfür sind der Radsportler Tom Simpson, der französische Fußballer Louis Quadri und der deutsche Boxer Jupp Elze (vgl. Reinhold, 2010, S. 366).11

Die Verbreitung von Aufputschmitteln im Sport führte jedoch zu einer zeitgleichen gegenläufigen Bewegung. Immer häufiger wurden Stimulanzien auch mit Abhängigkeit, sowie gesundheitlichen und sozialen Problemen in Verbindung gebracht und als Folge dessen stigmatisiert und stereotypisiert. Dass die eingenommenen Drogen nicht nur im positiven Kontext von Produktivität, Effizienz und Rationalisierung gesehen wurden, zeigen auch die mit der Zeit aufkommenden Dopingbestimmungen (vgl. Krüger & Reinhold, 2011, S. 233 f.). Als erster internationaler Fachverband nahm 1928 der Internationale Leichtathletikverband eine Dopingklausel in sein Regelwerk auf (vgl. Figura, 2009, S. 105). Die Bemühungen der einzelnen Sportorganisationen Doping zu verbieten und zu bekämpfen stiegen jedoch erst in den frühen 1950er Jahren zunehmend an. Die ersten Kontrollen und Verbote bezogen sich hierbei auf Stimulanzien.12 Neben diesen klassischen Dopingmitteln entwickelte sich ab den 1950er Jahren eine neue Form der medikamentösen Leistungssteigerung, welche den Sport und das Doping deutlich verändern sollte. Die Einnahme von synthetisch hergestellten androgenen und anabolen Steroiden verbreitete sich als erstes unter Bodybuildern und Gewichthebern. Als 1958 das erste amerikanische Steroid Dianabol auf den Mark kam, dehnte sich der Konsum jedoch auch auf zahlreiche andere Sportarten im Kraft- und Schnellkraftbereich aus (vgl. Reinhold, 2010, S. 365-370). Singler und Treutlein gehen sogar von einer flächendeckenden Verwendung in bestimmten Disziplinen und Sportarten aus (vgl. 2000, S. 186 f.).

Trotz der neuen Dopingsubstanz war der Gebrauch von Methamphetamin und anderen Stimulanzien im Sport jedoch weiterhin gegeben. Bei den Dopingkontrollen des IOC entfielen 1989 weltweit 508 positive Befunde auf Stimulanzien (vgl. Clasing, 2010, S. 69). Die Rolle von Stimulanzien im Sport hat sich jedoch vor allem in den letzten Jahrzehnten nochmals stark gewandelt.13 Dazu führte vor allem die Einnahme immer neuerer, effektiverer und schwerer aufspürbarer Dopingmittel wie EPO, das Designersteroid THG oder Gendoping (vgl. Reinhold, 2010, S. 372). Die Einnahme von Methamphetamin hat sich mittlerweile vom Sport entfernt und hat, wie die Zeitung Die Welt betitelt: „die Mitte der Gesellschaft erreicht“ (Bewarder, 3. Juli 2014). Mittlerweile unter dem Namen Crystal Meth bekannt, hat sich der Konsum der Droge allein in Deutschland in den Jahren von 2011 bis 2014 wohl verzehnfacht (vgl. Wallrodt, 8. Dezember 2014).

4. Die Entwicklung und Vermarktung von Pervitin in den 1930er Jahren

Dieses Kapitel untersucht detailliert die Entwicklungsgeschichte des Pervitins in Deutschland und dessen Markteinführung durch die Temmler-Werke. In diesem Zusammenhang wird auch seine chemische Zusammensetzung besprochen und in Relation zu anderen stimulierenden Substanzen gestellt. Beschäftigt man sich mit der Entwicklung und Erforschung leistungssteigernder Substanzen im Nationalsozialismus, so muss unweigerlich auch auf den Paradigmenwechsel der deutschen Medizin hingewiesen werden. Die Relevanz der sportmedizinischen Tätigkeit verlagerte sich ab 1933 umgehend in Richtung Dienst- und Wehrsport und wurde Teil einer spezifischen Leistungsmedizin (vgl. Arndt, 2012, S. 156). Auf diese wird im letzten Teil des Kapitels Bezug genommen.

Im Jahr 1937 meldeten Werner Dobke und Friedrich Keil das Patent mit der Nummer 767.186, Klasse 12q, Gruppe 3 beim Reichspatentamt an. Der Titel lautete „Verfahren zur Herstellung von Aminen“. Die Patentierung erfolgte am 31. Oktober (Reichspatentamt, Nr. 767.186, 1937). Begonnen hatte in Deutschland die Auseinandersetzung mit Substanzen aus der Klasse der Phenylalkylamine bereits ab dem Jahre 1934.14 In dessen Verlauf gelang es schließlich den beiden Chemikern der Temmler-Werke das 1-Phenyl-2-Methylaminopropan zu synthetisieren, welches später unter dem Namen Pervitin in Umlauf kommen würde.15 Maßgeblich beteiligt an diesem Verfahren war wohl auch Temmlers Chefchemiker Dr. Fritz Hauschild (vgl. Ohler, 2015, S. 49). Abgebildet ist die chemische Formel der Substanz in Abbildung 1, wobei sie sich insofern vom Benzedrin – 1-Phenyl-2-Aminopropan – unterscheidet, als dass sie eine am Stickstoff eingeführte Methylgruppe besitzt. Gleich ist ihnen die im Gegensatz zum Adrenalin und Ephedrin fehlende OH-Gruppe (vgl. Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 4). Durch seine molekulare Struktur, welche dem körpereigenem Botenstoff Adrenalin ähnlich ist, kann das Methamphetamin ohne Probleme die Blut-Hirn-Schranke passieren.16 Die Wirkung entsteht dadurch, dass die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin ausgeschüttet werden, wodurch die Hirnzellen untereinander in erregte Kommunikation geraten. Der Konsument fühlt sich schlagartig hellwach und empfindet eine Energieerhöhung. Dem Umstand geschuldet, dass nicht nur Neurotransmitter ausgeschüttet werden, sondern auch ihre Wiederaufnahme blockiert wird, hält die Methamphetaminwirkung oftmals über zwölf Stunden an. Die Wirkung liegt dabei weit über der von Amphetamin (vgl. Ohler, 2015, S. 51).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Die chemischen Formeln von Noradrenalin und Adrenalin, sowie die synthetisierten Derivate Amphetamin, Methamphetamin und Ephedrin (Clasing, 2010, S. 64).

Als Fritz Hauschild 1937 zu den Temmler-Werken nach Berlin wechselte, begann er die Substanz genauer zu erforschen. Der Chemie und Pharmakologie der Phenylalkylamine war auch seine Habilitationsschrift 1939 gewidmet (vgl. Meyer, 2005, S. 469). Schon im September 1938 erschien in der Klinischen Wochenschrift ein Artikel Hauschilds aus dem Pharmakologischen Laboratorium der Temmler-Werke. Die Überschrift lautete „Tierexperimentelles über eine peroral wirksame zentralanaleptische Substanz mit peripherer Kreislaufwirkung“ (Hauschild, 1938, S. 1257). Während dieser Tierversuche wurde die stimulierende Wirkung des Pervitins von Hauschild rasch erkannt. Er vermerkte wie folgt:

„Das allgemeine Vergiftungsbild des Pervitins wird bei allen Tierarten von eigenartigen zentralen Erscheinungen beherrscht. 1-2 Minuten nach Verabreichung der letalen Dosis, z. B. bei der Ratte, werden die Tiere unruhig, laufen aufgeregt hin und her, putzen sich und beschnuppern alles. Diese Erregung wird immer hochgradiger, die Tiere haben dauernd etwas zu tun, sie drehen sich ‚tanzend’ oft stundenlang im Kreis“ (1938, S. 1257).

[...]


1 Beide Stoffe sind heute weltweit illegal beziehungsweise streng reglementiert. Methamphetamin gilt mit annähernd einhundert Millionen Konsumenten als eine der beliebtesten Drogen der Gegenwart. Die Tendenz ist steigend (vgl. Ohler, 2015, S. 17).

2 Eggers bezieht sich hier vor allem auf die Phase bis zu Beginn der 1960er Jahre. Er verweist zudem auf die Dysbalance innerhalb der Dopingforschung und vermerkt, dass die historische Erforschung des Anabolika-Doping um ein vielfaches Mehr zum Gegenstand wissenschaftlicher Analysen gemacht wurde.

3 Die DDR stellt hier, aufgrund des staatlich organisierten Dopings und der damit einhergehenden Dokumentation, einen Sonderfall dar (vgl. Reinhold, 2010, S. 362).

4 Strychnin wurde unter anderem als Stimulanz gebraucht, um das zentrale Nervensystem anzuregen, weshalb es bei den Olympischen Spielen 1972 in München auf der Dopingliste landete (vgl. Schänzer & Thevis, 2007, S. 632). Die Einnahme von Strychnin bei Sportlern fand jedoch nachweislich noch in den 1990er Jahren statt (vgl. Clasing, 2010, S. 68).

5 Disqualifiziert wurde Pietri jedoch nicht wegen der Einnahme von Strychnin, sondern aufgrund von fremder Hilfe während des Laufes.

6 Im Gegensatz hierzu stehen beispielsweise Hormonpräparate wie Anabolika, welche meist dauerhaft während der Trainingszyklen konsumiert werden und das Training in Form von Muskelaufbau und Regeneration unterstützen sollen. Vor dem Wettkampf werden diese Stoffe zumeist abgesetzt um einem positiven Dopingnachweis bei Wettkampfkontrollen zu entgehen (vgl. Clasing, 2010, S. 19 f.).

7 Die englischen Physiologen Barger und Dale machten 1910 ebenfalls Untersuchungen mit Amphetamin. Da sie diese jedoch an narkotisierten Tieren vornahmen, konnten auch hier keine zentralerregenden Effekte beobachtet werden (vgl. Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 2 f).

8 Das Ephedrin wurde bereits im Jahr 1887 von Nagai Nagayoshi hergestellt. Im selben Jahr also wie das Amphetamin. Auch wenn das Ephedrin zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Analeptikum erkannt wurde, gewann es für die Medizin noch keine wesentliche Bedeutung (vgl. Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 3).

9 Benzedrin wurde erst 1941 unter dem Narcotic Drugs Act gestellt. Es fiel somit unter die Kontrolle des Federal Bureau of Narcotic (vgl. Kemper, 2002, S. 123).

10 Eggers gibt in seiner Arbeit über die „Geschichtliche[n] Aspekte in der präanabolen Phase“ sogar an, dass Benzedrin bereits seit Anfang der 1930er Jahre im Leistungssport Verwendung fand (2013, S. 49). Ohler gibt zudem an, dass Benzedrin in den Olympischen Spiele 1936 Anwendung fand und als legales Dopingmittel fungierte (vgl. 2015, S. 49).

11 Doping und Medikamentenmissbrauch müssen hierbei nicht unbedingt die einzigen Ursachen für die genannten Todesfälle darstellen. Sie stehen jedoch oft in Interaktion miteinander.

12 Die Dopingliste des IOC von 1967 beinhaltete fast ausschließlich klassische Dopingmittel, wobei die ersten Kontrollen bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko stattfanden. Anabolika kam erst 1974 auf die Liste und wurde bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal zum ersten Mal kontrolliert. Bis zu dem Zeitpunkt war keine Nachweismethode bekannt gewesen (vgl. Reinhold, 2010, S. 369 f.).

13 Stimulanzien spielen jedoch auch nach wie vor eine Rolle im Leistungssport, wobei sich der Konsum nicht nur auf Ausdauersportarten beschränkt. So wurde beispielsweise der jamaikanische Sprinter Yohan Blake, kurz vor der WM 2009, positiv auf das Stimulanz 4-Methyl-2-hexanamin getestet. Weitere Dopingsünder, welche positiv auf Amphetamin getestet werden, sind der ehemaligen Weltmeister Asafa Powell und sein Konkurrent Justin Gatlin (vgl. Sportschau, 17. August 2015).

14 Beispiele hierfür sind Adrenalin und Ephedrin (vgl. Kemper, 2002, S. 124).

15 In der Literatur werden teilweise auch Fritz Hauschild und Hermann Temmler als Mitentwickler genannt (vgl. Meyer, 2004, S. 468; Bonhoff & Lewrenz, 1954, S. 4; Kemper, 2002, S. 124). Auf dem Patentantrag stehen als Erfinder jedoch nur die beiden Chemiker Dobke und Keil (vgl. Reichspatentamt, Nr. 767.186, 1937). Ohler nennt beispielsweise lediglich Hauschild als Entdecker des Syntheseverfahrens (vgl. 2015, S. 50).

16 Die Blut-Hirn-Schranke trennt die Blutgefäße, in denen das Blut durch ein dichtes Netzwerk aus Kapillaren in das Gehirn gelangt, von dem Raum, der die direkte Umgebung für die Neuronen und Gliazellen darstellt. Ihre Aufgabe ist unter anderem die selektive Versorgung des Gehirns mit Substanzen aus dem Blut über spezifische Transportsysteme (vgl. Aigner, Wolf & Gassen, 1997, S. 25 f.).

Ende der Leseprobe aus 59 Seiten

Details

Titel
Pervitin und Leistungssport. Entwicklung und Vermarktung des Pervitins im Nationalsozialismus
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Sportwissenschaften)
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
59
Katalognummer
V980062
ISBN (eBook)
9783346331779
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Doping, Geschichte, Pervitin, Aufputschmittel, Stimulanzien, Sport
Arbeit zitieren
Mattis Tipke (Autor), 2015, Pervitin und Leistungssport. Entwicklung und Vermarktung des Pervitins im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980062

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