Inwiefern kann in der heutigen deutschen Gesellschaft Kapitalismus als Kultur angesehen werden?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002
16 Seiten, Note: gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Kultur
2.1. Kultur als Verhaltensweisen in alten Gesellschaften
2.2. Entstehung der Kulturen in der Kultur eines Volkes
2.3. Folgen der Entstehung der Kulturen

3. Kapitalismus
3.1. Was ist Kapitalismus?
3.2. Kritische Gedanken zum Kapitalismus
3.3. Wesentliche Merkmale des Kapitalismus und seine Auswirkungen auf den Menschen oder: Der Drang nach Kapital
3.3.1 Wohlstand als Macht
3.3.2 Ist Kapital Wohlstand?
3.3.3 Der Drang nach Kapital

4. Fazit: Kapitalismus als Kultur

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll dargestellt werden, inwiefern in der heutigen deutschen Gesellschaft der Kapitalismus als Kultur angesehen werden kann. Zu diesem Zweck werden zunächst die wohl gängigsten und bekanntesten Bedeutungen des Kulturbegriffes herausgearbeitet. Danach soll auf die Geschichte eingegangen werden, in deren Verlauf sich innerhalb einer Kultur mehrere schichtspezifische Kulturen herausgebildet haben. Dazu werden Gründe und Folgen für die Teilung der Gesellschaft genannt. Des weiteren wird der Begriff des Kapitalismus dargestellt. Hierbei soll kurz seine Entstehung skizziert, seine Auswirkungen auf den Menschen und die Gesellschaft beschrieben und danach soll eine Verbindung zwischen dem Streben nach Macht, Wohlstand und dem Kapital geschaffen werden. Im Anschluss soll die Frage geklärt werden, ob Kapitalismus als Kultur angesehen werden kann.

2. Begriff der Kultur

Im heutigen Sprachgebrauch findet man viele verborgene Bedeutungen des Wortes „Kultur“. Daher sollen an dieser Stelle die fünf wesentlichsten Bedeutungen nach D. Claessens genannt werden, bevor auf die Entstehung der Kulturen innerhalb einer Kultur eingegangen wird.

Die wohl bekannteste Bedeutung ist sicherlich, dass der Begriff der Kultur von kultivieren abgeleitet wurde. In diesem Zusammenhang wird das Bestellen bzw. Bearbeiten eines Feldes gemeint (Agrikultur).

Die zweite Bedeutung des Kulturbegriffes findet sich im allgemeinen Sprachgebrauch, wenn man von einem kultivierten Menschen spricht. Man meint in diesem Fall, dass der Mensch den eigenen (Ideal-)Vorstellungen entspricht, sich danach benimmt und diese auch darstellen kann. In der Vergangenheit wurden mit dieser Bezeichnung meistens Menschen der nach oben orientierten Mittelschicht oder der Oberschicht gemeint. In diesem Zusammenhang entstanden auch der Begriff der „gebildeten Zuverlässigkeit“, welcher im deutschen Sprachgebrauch eng mit dem Begriff „vornehm“ verbunden ist. Dieser bildet den Gegensatz zu dem Begriff „gemein“ im Sinne von einfach, welcher oft den unteren Bevölkerungsschichten zugeschrieben wurde.

Eine weitere Bedeutung von Kultur ist an den Begriff der Zivilisation gekoppelt. Dieser wurde aus dem Lateinischen von Bürger Europas abgeleitet (lat. Civis) und beschreibt die „Verbürgerlichung“ der Gesellschaft, mit der man sich von der Kultur der „Wilden“ versuchte abzuheben. Im heutigen Sprachgebrauch findet man zwei Bedeutungen des Zivilisationsbegriffes, welcher schon sehr früh mit der technischen Überlegenheit der „Weißen“ verbunden wurde. Dieser Ausdruck wird einerseits im Sinne einer fortgeschrittenen technischen Kultur verwendet, so sind z.B. im französischen die gesamten überlegenen Verhaltensweisen eines Volkes damit gemeint. Andererseits meint man im deutschen Sprachgebrauch auch die Bezeichnung von Oberflächlichem gegenüber der Tiefe der eigentlichen (Gemüts-)Kultur.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein wertneutraler Begriff der Kultur in den USA entwickelt. Dieser besagt, dass jeder kleine Stamm oder jedes Naturvolk eine eigene Kultur hat. Der Kulturbegriff an sich wird also nicht mehr nur für Europäer oder deren Abkömmlinge gebraucht, sondern man neutralisierte ihn und gestand jedem menschlichem Verband, der in sich gleichmäßige anerkannte Verhaltensweisen entwickelte, den Begriff Kultur zu.

Ein neuwertender Kulturbegriff liefert uns nun die fünfte Bedeutung des Begriffes. Er bemisst eine Kultur danach, was sie unter den heute möglichen Umständen (bei unseren Möglichkeiten der Entfaltung und Organisation von Produktivkräften) für alle Menschen leisten müsste und leistet. (vgl. Cleassens, D. 1992, S. 22f)

2.1. Kultur als Verhaltensweisen in alten Gesellschaften

Es stellt sich nun die Frage, wie mehrere Kulturen innerhalb einer Kultur entstehen konnten. An dieser Stelle ist eine Begriffsdefinition notwendig. Kultur kommt aus dem lateinischen (lat. colere) und bedeutet pflegen. Hauptsächlich wurde damit die Land- und Bodenpflege gemeint. Dieser Sinngehalt hat sich in dem Wort Agrikultur (lat. ager = Acker) weiter erhalten. Um nun zu verstehen wie es zu der Teilung der Kultur kam, muss man auf die Vergangenheit eingehen. In fast allen alten Kulturen wurden religiöse sakrale Handlungen vollzogen um eine ausreichende und zufriedenstellende Ernte sicher zu stellen (Götteranbetung, Opferriten). Mit Kultur wurde also anfangs einerseits die Gesamtheit der Verhaltensweisen bezeichnet, die die Verbindung zu den Göttern, später im Judentum und dann im Christentum zu Gott erhalten sollte. Andererseits wurde der gesamte Ausdruck der Verhaltens- und Lebensweise eines Volkes als Kultur betrachtet.

Die Lebensweise einer sich zusammengehörigen Bevölkerung eines Volkes hängt im wesentlichen von den natürlichen und künstlichen Kräften ab, die es in seinen Dienst stellen kann (vgl. Claessens, 1973, S.25). Gemeint sind hierbei z.B. die Beherrschung der Natur, Organisation der menschlichen Arbeitskraft/Produktivkräfte und Entwicklung von Technologien. Da der Erfolg der Arbeit von dem Wohlwollen der Götter abhing und damit auch von der Einhaltung der religiösen Zeremonien waren Lebensrhythmus, Kult (sakrale Handlungen) und Arbeit eng miteinander verwoben: Kultur ist hier also das gesamte Instrumentarium des Lebens, denn alle Verhaltensweisen sind kultisch bedingt da sie Kultur reproduzieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Inwiefern kann in der heutigen deutschen Gesellschaft Kapitalismus als Kultur angesehen werden?
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich Pädagogik)
Veranstaltung
Pädagogik zwischen Natur und Kultur
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
16
Katalognummer
V9801
ISBN (eBook)
9783638164139
ISBN (Buch)
9783640318889
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inwiefern, Gesellschaft, Kapitalismus, Kultur, Pädagogik, Natur
Arbeit zitieren
Kathrin Schneider (Autor), 2002, Inwiefern kann in der heutigen deutschen Gesellschaft Kapitalismus als Kultur angesehen werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9801

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