Schnitzler, Arthur - Der Reigen


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten


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Autor: Thomas Steiner

Reigen - Arthur Schnitzler

Gattung: Schauspiel in 10 Szenen

Ort, Zeit: Wien, um die Jahrhundertwende (1900)

Personen: Dirne, Soldat, Stubenmädchen, junge Herr, junge Frau, Ehegatte, süße Mädel, Dichter, Schauspielerin, Graf Kurzinhalt: Der Reigen erzählt von Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, die aufeinander treffen, und ihrer körperlichen Befriedigung nachgehen.

Langinhalt: In den zehn Szenen des Reigens begegnen einander Dirne und Soldat, Soldat und Stubenmädchen, Stubenmädchen und junger Herr, junger Herr und junge Frau, junge Frau und ihr Gatte, dieser Gatte und das süße Mädel und der Dichter, der Dichter und die Schauspielerin, die Schauspielerin und der Graf und der Graf und die Dirne der ersten Szene, vollziehen den Geschlechtsakt und trennen sich. Diese Dialoge sind bloße Verständigungen, die von Szene zu Szene komplizierter werden. Man ist gesprächig, ohne ein Gespräch zu führen. Mit mehr oder weniger Beredsamkeit, darin Brutalität, Sentimentalität, Begierde und Koketterie schwingen, wird das stumme Tun vorbereitet und abgeschlossen. Das Unaussprechliche hat Schnitzler mit der Sprache umschrieben, die Szenen leben aus der Sprache, die Sprache entlarvt die Sprechenden in ihrer Verlogenheit. Keiner ist ehrlich, denn jeder hat vor dem andern Partner seine zweite Szene zu verbergen (selbst die Dirne versucht, die Illusion der Ausschließlichkeit zu erwecken). Jeder spielt das Spiel der Verstellungen, der Vorhaltungen und scheinbaren Vorbehalte, die Beteuerungen sind nie ernst, sie widerlegen sich durch die zweite Szene. Keiner ist dem andern treu - sonst wäre der Reigen nicht möglich. Alle sind bewusst nicht treu. Treue versichern nicht einmal die Eheleute einander. Die Paare finden nach gesellschaftlichen Regeln zueinander, die Gesellschaft hat die Möglichkeit bereitgestellt: Tanz und Volkspark, Absteigequartier und Chambre separée, Hotel und Bordell, Liebelei und Ehe. Alles dient nur einem Zweck.

literarische Epoche:

Gegenströmung zum Naturalismus

Dekadenzdichtung (= Dichtung, welche den sittlichen Verfall der Gesellschaft widerspiegelt)

Thema: Doppelmoral der Gesellschaft sittlicher Verfall

Charakterisierung:

Die Personen sind keine Typen, aber ihr Verhalten - als Triebleben - ist typisch für den Stand oder die Stellung, in der sie sich befinden. Nicht die Dirne verhält sich so, aber eine Dirne kann sich so verhalten. Die Figuren haben keine Namen, nur Standes- und Berufsbezeichnungen. Sie nehmen andauernd Rücksicht auf diese gesellschaftliche und berufliche Verankerung Kein Glied dieser Kette ist austauschbar, ohne das ganze zu zerstören. Der Zyklus ist in sich geschlossen. Nichts im Reigen ist zufällig oder umkehrbar.

Interpretation:

Schnitzlers Reigen ist als Zyklus von 10 Einaktern konstruiert, in denen 10 Figuren auftauchen. Sie sind keine ausgeprägten Individuen, sondern repräsentative Vertreter ihrer sozialen Schicht. Deshalb haben sie auch keine ausgeprägten Namen.

Wichtig ist, dass der Reigen durch alle sozialen Schichten der Gesellschaft führt.

Zehnmal wiederholt sich Werbung, Lockung, Paarung, Befriedigung und Ernüchterung. Die in sich geschlossenen Episoden sind dadurch verknüpft, dass jeweils einer der beiden Akteure im nächsten Akt auf einen neuen Partner trifft, bis sich der Kreis wieder schließt (Graf und Dirne).

Die im Reigen vorkommenden Ereignisse zeigen, dass allen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht und ihrem sozialen Status ein verlangen zukommt, das keineswegs immer auf Liebe und Ehe abzielt. Man erkennt weiters, dass derjenige Partner den Ton angibt, der sich in der überlegenen Position befindet.

Man kann auch erkennen, dass die Reihenfolge der Szenen den sozialen Möglichkeiten folgt, über welche die Figuren verfügen. Die einzige Ausnahme ist der Graf, denn er verkehrt ganz natürlich sowohl mit der Schauspielerin als auch mit der Dirne. Das um seinen Stand besorgte Bürgertum beschränkt sich auf die ,,süßen Mädel".

Die Szenen mit dem Aufstieg im sozialen Umfeld verlängern sich. Das hat mit den längeren Umständen zu tun, die man sich in gehoberen Schichten macht. Es verlängern sich die Gespräche und die Charakteren werden genauer dargestellt. Aber die Flüchtigkeit nach dem nächsten Partner zeigt sich bei allen Figuren sehr schnell.

Die Beziehung zwischen Mann und Frau verlaufen nicht harmonisch. Die Frau wechselt von anfänglicher Ablehnung zu Anhänglichkeit und der Mann von sinnlicher Erregung zu kalter Ablehnung. Die Gespräche vor und nach der geschlechtlichen Vereinigung zeigen die Unmöglichkeit einer gemeinsamen glücklichen Beziehungen auf. Es herrscht totale Beziehungs- und Liebesunfähigkeit. Die männlichen Figuren sind so charakterisiert, dass sie auf emotionale Beziehungen zugunsten der sexuellen verzichten.

Im Moment der körperlichen Vereinigung wird die sozial Schwächere vom Reicheren, wie beim Beispiel Stubenmädchen - junger Herr, ausgenutzt und benutzt. Der junge Herr vertreibt sich den langweiligen Nachmittag, indem er das Stubenmädchen verführt. Doch tritt auch eine Ausnahmefigur in Erscheinung, nämlich die Schauspielerin. Sie ist eine typische ,,femme fatale" - ohne Rücksicht auf andere, erotisch, aber zerstörerisch und unabhängig.

Die 5. Szene unterscheidet sich von den anderen, denn hier wird der ehelichen Geschlechtsakt vollzogen. Das Gespräch, der sich betrügenden Ehepartnern, zeigt die in der Gesellschaft herrschende Doppelmoral. Mann und Frau werden unterschiedlich erzogen. Der Mann hat Recht auf Abenteuer und sexuelle Erfahrungen, die Frau muss auf ihre sexuellen Erfahrungen verzichten. Liebe und Lust sind getrennt. Die Gesellschaft ist damit einverstanden. Schnitzler provoziert in der Szene, wo junger Herr und junge Frau zusammentreffen, und dieser versagt. Dieses Thema war eines der tabuisierten dieser Zeit.

Jede Szene läuft gewissermaßen gleich ab. Anfangs drängt alles nach der körperlichen Vereinigung. Die Frauen sind es meistens die vor dem Akt keine Zeit haben. Der Soldat ist eine Ausnahme. Er wird verführt (1. Szene). Nach dem Geschlechtsakt sind es die Männer, die keine Zeit haben, und die Frauen bereuen ihre Tat.

Alle Frauenäußern die Angst, dass plötzlich eine dritte Person in Erscheinung treten kann, nur die Schauspielerin nicht. Hier ist es der Graf der Angst hat entdeckt zu werden (9.Szene) Zu bedenken ist, dass keine Figur Angst vor Krankheiten hat, oder moralische Bedenken ausspricht, sondern nur Angst haben entdeckt zu werden.

In jeder Szene sind es die Männer, die Beantwortungen persönlicher Fragen ablehnen oder Es zeigt sich auch, dass die Männer diejenigen sind, welche Komplimente machen. Die einzige Ausnahme ist die Schauspielerin, auch sie macht den Männern Komplimente (femme fatale). Sehr häufig werden die Partner eifersüchtig aufeinander, außer die Dirne. Ihr ist es egal, ob ihr Partner mit anderen gleichermaßen verkehrt oder nicht.

Es fällt auch auf, dass viele Frauen lieber im Dunkeln mit den Männer verkehren. Dies könnte für die Schamhaftigkeit stehen. Außerdem verbirgt sich auch die Identität der Partner. Sie scheint ja nicht wichtig zu sein, wie der Reigen zeigt. Die Sexualpartner scheinen ersetzbar zu sein. Die sexuelle Befriedigung wird ohne innere Teilnahme am anderen erlebt.

Autor: Arthur Schnitzler wurde am 15.05.1862 in Wien geboren. Schon als Neunjähriger versuchte er seine ersten Dramen zu schreiben, studierte aber dennoch nach dem Abitur Medizin. Nach der Assistenzarztzeit in der allgemeinen Poliklinik seines Vaters in Wien eröffnete er nach dessen Tod eine Privatpraxis. Aber schon als sehr junger Mediziner( mit 24 Jahren), schrieb er für Zeitschriften. Zwei Jahre später folgte dann sein erstes Bühnenmanuskript, 1893 die erste Uraufführung und 1895 das erste Buch, das den Namen "Sterben" trägt und bei dem Verlag "Fischer" in Berlin erschienen ist. Daraufhin verfasste Arthur Schnitzler elf weitere Erzählungen, wobei die "Traumnovelle" als zehntes Werk im Jahre 1925 in mehreren Ausgaben in der "Dame", einer Berliner Zeitschrift, erschien.1926 wurde dann die "Traumnovelle" in Form eines Buches beim Fischer Verlag herausgebracht. Arthur Schnitzler gilt als kultivierter, sensibler Erzähler der genussfreudigen Wiener Gesellschaft um die Jahrhundertwende. Er ist dem männlichen Besitzdenken verfallen. Dies erklärt, dass er sich in seinen Werken durchgängig auf die Seite des Mannes stellt und sich mit seinen Figuren teilweise identifizieren kann.

Die individuelle Gestalt in all ihren Charaktereigenschaften bildet stets den Mittelpunkt seiner Werke. Die Traumnovelle gilt als ein außergewöhnliches Werk Schnitzlers, da sie als einzige nicht mit der persönlichen Katastrophe einer Gestalt, dem Ende einer menschlichen Beziehung oder mit Resignation endet.

Arthur Schnitzler starb am 21.10.1931 in Wien, welches er, abgesehen von Reisen nie verlassen hat.

Werke:

Dramen:

- Anatol (1888 - 1891) · Freiwild (1892 - 1896)

- Das Vermächtnis (1897 - 1898)

- Der Schleier der Beatrice (1899 - 1900) · Zwischenspiel (1905 - 1909)

- Das Wort (1926 - 1927) · und viele mehr

erzählepische Werke:

- Sterben (1880 - 1892)

- Frau Berta Garlan (1899 - 1900) · Der Weg ins Freie (1908) · Flucht in die Finsternis (1917) · Ich (1926 - 1931)

- Doktor Gräsler, Badearzt (1914) · und viele mehr

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Details

Titel
Schnitzler, Arthur - Der Reigen
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V98035
Dateigröße
362 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schnitzler, Arthur, Reigen
Arbeit zitieren
Thomas Steiner (Autor), 2000, Schnitzler, Arthur - Der Reigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98035

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