Hoffmann, E.T.A. - Der goldne Topf


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

7 Seiten


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Autor: Adrian Weber

Der goldne Topf

Das Zeitalter der Romantik

Ich habe das Buch "der goldne Topf" von E.T.A. Hoffmann gelesen. Es ist aus der Zeit der Romantik und darum gebe ich hier zuerst ein kleiner Überblick über die Romantik:

Die Zeit zwischen 1795 und 1830 wird als Epoche der Romantik bezeichnet. Wobei gesagt werden muss, dass natürlich keine genaue Grenze gezogen werden kann. Die vorhergehende Epoche, die Klassik und die nachgehende, die Biedermeier und Vormärz Zeit überlappen teilweise stark mit der Romantik.

Die Romantik ist eine zum Gefühlvollen, Wunderbaren, Märchenhaften, Unendlichen, Innerlichen und Phantastischen neigende Weltdarstellung.

Die Romantiker versuchen einerseits den Bruch zwischen Endlichem und Unendlichem, zwischen Natur und Geist und zwischen Bedingtem und Unbedingtem zu überwinden. Darum ist das höchste Ziel der romantischen Kunst die Seele inmitten des Endlichen eins werden zu lassen mit dem Unendlichen. Dieses Streben ist eigentlich eine gesteigerte Fortsetzung des Streben nach einer Harmonie der Klassik, wie das bereits am Freitag von Ursula erwähnt wurde.

Nach der romantischen Auffassung her lässt sich das nur verwirklichen, wenn die Gesellschaft zu einer allumfassenden Einheit wird, die über die unendliche Natur regiert.

Jeder muss diese Einheit zunächst selber erfahren und von dieser Einheit aufgenommen

werden. Diese Erfahrungen werden gemacht, wenn das Unterbewusste der Menschen entdeckt worden ist; z.B. im Traum, in Sehnsucht, in der Seele und den Geheimnissen der Mythen. Einerseits entsteht sehnsüchtiges Streben nach der unendliche Natur, andererseits eine Versenkung ins eigene Innere.

Dieses Gefühl der allumfassenden Einheit ruft im Romantiker Gefühle des Einsseins und der Verschmelzung hervor, die oft auch in sexuellen Erlebnissen gesucht werden.

Die Gegner der Romantik sind die beschränkten Alltagsmenschen. Ihnen fehlt der Sinn für die höhere Wirklichkeit der inneren Welt.

Dass die Romantik eine problematische Zeit war, wird schnell einmal klar: die Romantiker dachten ihre Zeit sei die Endzeit, sie litten an der Gleichgültigkeit gegenüber deräusseren Welt und an der Unfähigkeit etwas zu verwirklichen.

Der Autor

Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann wurde im Jahre 1776 in Königsberg, das nordöstlich von Berlin liegt, geboren. Er schloss das Jura Studium ab und arbeitete zuerst am Gerichtshof, bis er später in Berlin wegen seiner Arbeitslosigkeit verarmte. In dieser Zeit begann sein dichterisches Schaffen. Schlussendlich fand er eine Stelle beim Theater und hier gelang ihm sein künstlerischer Durchbruch, indem er sich als Direktionsgehilfe, Komponist und Bühnenbildner betätigte. Mit 37 Jahren wurde er Direktor einer Theatergruppe, die in Dresden und Leipzig auftrat. Mit 43 Jahren erkrankte er zum ersten Mal ernsthaft und drei Jahre später starb er.

Aus seinen Tätigkeiten kann man sehen, dass Hoffmannäusserst vielseitig war. Nebst als Dichter betätigte er sich auch als Komponist und Maler. Zu Ehren von seinem musikalischen Idol Mozart nannte er sich statt Wilhelm nun Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, kurz E.T.A. Hoffmann.

Sein Leben bewegte sich in Gegensätzen: so wie er einerseits als gewissenhafter Beamte wirkte, so war er andererseits ein fanatischer Künstler. In seinen dichterischen Werken verband er einen ausserordentlichen Wirklichkeitssinn mit ausschweifender romantischer Phantasie. Ihm war das lächerlich groteske und unheimliche ebenso vertraut wie die realistische Alltagswelt.

Zum Inhalt

"Ein Märchen aus der neuen Zeit" nennt Hoffmann dieses Werk. Damit will er den Unterschied betonen zu den Haus- und Kindermärchen, die etwa zur gleichen Zeit von den

Brüdern Grimm und anderen Autoren aufgezeichnet wurden. Denn solche spielen sich alle in längst vergangenen Zeiten. Hoffmann wollte aber etwas anderes schaffen: ein Märchen, (Zitat) "feenhaft und wunderbar, aber keck ins gewöhnliche Leben tretend und seine Gestalten ergreifend soll das Ganze werden."

Als erstes muss ich vorausschicken, dass ich niemals alles interessante weitergeben kann, denn das Buch ist sehr vielseitig. Ich denke, ich habe erst ein Bruchteil von dem entdeckt, was es zu entdecken gäbe, und genau das ist das spannende am Buch, dass immer wieder neues entdeckt werden kann. So gäbe es auch verschiedenste Themen über die ich hier referieren könnte. Mein ausgewähltes Thema ist nun das folgende: Die Entwicklung von zwei gegensätzlichen Welten von Menschen und Mächten. Durch das ganze Märchen zieht sich dieser Urgegensatz mit seinen Verkörperungen, die sich gegenüberstehen. Auf der einen Seite Archivarius und auf der anderen das Äpfelweib, das sind die feindlichen Pole von Innen und Aussen; von hohen Geistesträumen und niedrigem, widrigem Alltag. Zwischen diesen Polen müssen die übrigen Figuren während dem Stück ihre Positionen finden. Wobei hauptsächlich von Anselmus, als Hauptperson, berichtet wird.

Das Märchen erzählt uns, welchen Wandel er durchgemacht hat: Nur durch stete Bewährung in seinem Leben gegenüber dem widrigen Alltag konnte er sein Ziel erreichen, nämlich ein Leben im paradiesischen Wunderland Atlantis.

Die Abenteuer des Studenten Anselmus spielen sich in Dresden ab, das der Autor selber kannte, und beginnen am Himmelfahrtstag eines vergangenen Jahres. Der Leser ist von Beginn weg mitten in der Geschichte. Es beginnt mit einem ganz realistisch und bildhaft erzähltem, alltäglichem Vorfall, der Anselmus nicht besser charakterisieren könnte: Anselmus, halb rennend und halb träumend, rannte auf dem Markt in einen Korb voller Äpfel einer alten hässlichen Marktfrau. Anselmus war der geborene Pechvogel.

Vielleicht erinnert sich noch jemand von Euch an den charakterisierenden Satz, den ich im Klassenlager für ihn ausgewählt habe: (Zitat) "Bin ich denn ein einziges Mal ins Kollegium, oder wo man mich sonst hinbeschieden, zu rechter Zeit gekommen? Was half es, dass ich eine halbe Stunde vorher ausging und mich vor der Tür hinstellte, den Drücker in der Hand? Denn

so wie ich mit dem Glockenschlag aufdrücken wollte, goss mir der Satan ein Waschbecken ü ber den Kopf, oder liess mich mit einem Heraustretenden zusammenrennen, dass ich in tausend Händel verwickelt wurde und darüber alles versäumte."

Anselmus flüchtete aus der Menschenmenge der Elbe entlang und liess sich unter einem Holunderbaum nieder. Da sah und hörte er zum ersten Mal die drei goldgrüne Schlänglein, die sich um die Zweige gewickelt hatten und sich der Abendsonne entgegenstreckten. Plötzlich sah er, wie ein Schlänglein sich zu ihm hinunter streckte. Ihm fuhr es wie ein elektrischer Schlag durch den ganzen Körper. Er blickte in die dunkelblauen, sehnsüchtigen Augen des Schlängleins und von da an hatte er ein nie gekanntes Gefühl der höchsten Seligkeit und des tiefsten Schmerzes, der seine Brust zersprengen wollte.

Ihr seht, die Geschichte ist nun gerade ein paar Seiten alt und wir haben schon die gegenüberstehenden Mächten kennengelernt, doch der Leser merkt erst später, wie hintergründig diese Szene eigentlich ist.

Der Registrator Heerbrand und der Konrektor Paulmann sind es, die Anselmus eines Abends auf eine Arbeit als Manuskripten - Kopierer bei Archivarius Lindhorst aufmerksam machen. Anselmus erfährt noch mehr über Archivarius und seine Arbeit für ihn und beschliesst jedenfalls zu vereinbarter Stunde bei Archivarius zu sein.

An diesem Abend trifft Anselmus auch zum ersten Mal Paulmanns Tochter Veronika, und er bemerkt, (Zitat) "wie Veronika recht schöne dunkelblaue Augen habe, ohne dass ihm jedoch jenes wunderbare Augenpaar, das er in dem Holunderbaum geschaut, in die Gedanken kam." (s.19 z.14). Veronika ihrerseits hat auch ein Auge auf den Anselmus geworfen. Nun sollte eigentlich klar sein, in welchen Zwist Anselmus bald kommt; wem schenkt er seine Liebe? Dem Schlänglein oder Paulmanns Tochter Veronika? Die Liebe war ein Thema für Anselmus, wo beide Welten auf einander trafen.

So trat Anselmus die Stelle bei Archivarius an. Als eines Tages der Registrator, der Konrektor und Anselmus bei Archivarius versammelt waren, erzählte dieser allen Ernstes von einer Welt in der anfangs die Lilie und der Jüngling Phosphorus regierten. Seine Freunde brachen in schallendes Gelächter aus. Für die Herren Registrator und Konrektor waren das unterhaltsame Geschichten, doch dem Studenten Anselmus wurde es ganz unheimlich zumute und er lebte innerlich in diesen Geschichten mit. Seit diesem Abend fühlte Anselmus etwas in seinem

Innersten regen und die Sehnsucht verursachen, welche dem Menschen ein anderes höheres Sein verspricht. Und es schien als habe Anselmus endlich jemanden gefunden habe, bei dem er sich aussprechen kann. So machte er es dann auch und es geschieht eine überraschende Steigerung: Voller Selbstvertrauen erklärt Archivarius dem Anselmus, dass diese drei goldgrünen Schlänglein seine Töchtern seien und es sei klar, dass Anselmus sich in die jüngste mit den blauen Augen verliebt hatte, die Serpentina heisse. Jetzt wird dem Leser klar, auf welcher Seite Archivarius stand.

Die Ereignisse beginnen sich jetzt fast zu überstürzen: Anselmus fühlte sich bei Archivarius arbeitend immer näher zu Serpentina hingezogen je mehr er Manuskripte mit seltsamsten Zeichen und Formen bei Archivarius abschrieb. In der Mitte seines Arbeitszimmers stand ein goldener Topf, den Anselmus sehr gerne betrachtete. Es spiegelten sich Tausende von Formen in ihm und vor allem sah er auch immer wieder seine holde Serpentina.

Währenddessen machte sich Veronika immer noch viele Hoffnungen in Anselmus, und vor allem hoffte sie, dass er Hofrat würde, dann würde sie nämlich die Frau Hofrätin werden. Weil sie kaum warten konnte, ging sie zum Äpfelweib. Von ihr wollte sie wissen, ob sie jemals den Anselmus zur Heirat bekommen würde. Doch die Hexe war gar nicht gut auf den Anselmus zu sprechen, da ja dieser ihre Äpfel umgestossen hatte. Was sie dazu auch noch wütend machte, war dass er die grüne Schlange liebte.

Die Alte sah aber nun plötzlich eine gute Möglichkeit dem Archivarius, ihrem grössten Feind, eins auszuwischen und sie versprach Veronika mit all ihren Kräften zu versuchen, den Anselmus in ihr Ehebett zu bringen.

Das alles nahm so seinen weiteren Verlauf, bis es zum eigentlichen Höhepunkt zwischen dem Äpfelweib, der Hexe, und Archivarius, dem Salamander, kommt: Die alte Hexe erschien bei Archivarius und wollte den goldnen Topf stehlen. Nun kam Archivarius und er trug ein heftiger Kampf mit der Hexe aus - Hoffmann erzählt das uns bis ins Detail genau in allen Formen und Farben - Archivarius siegte über sie und Anselmus fiel befreit in die Armen seiner Serpentina.

Nun ist es klar; Veronika bekommt Anselmus nicht. Aber einen Hofrat bekommt sie trotzdem, nämlich den Registrator Heerbrand, der eben unterdessen Hofrat ist. So hat die Veronika ihr Ziel erreicht: (Zitat) "Es ist doch eine göttliche Frau, die Frau Hofrätin Heerbrand" Und Anselmus hat auch sein Ziel erreicht: (Zitat) "das Höchste ist erfüllt: gibt es denn eine Seligkeit, die der unsrigen gleicht?"

Nun sind für den Leser die beiden feindlichen Mächte klar geworden, wie ich sie auf dem Blatt dargestellt habe. Ich habe es als sehr spannend empfunden diese Entwicklung im Buch mit zu verfolgen.

Bereits erwähnt habe ich den goldnen Topf, der ja dem Märchen den Namen gegeben hat, nun muss ich aber auch noch etwas mehr von ihm erzählen: Im paradiesischen Wunderland Atlantis herrschte der Geisterfürst Phosphorus. Der Salamander, sein Liebling, spazierte einmal im prächtigen Garten umher und wurde von der Liebe zur grünen Schlange, die Tochter der Lilie, ergriffen. Phosphorus verbot dem Salamander aber diese grüne Schlange zu heiraten. Der Salamander beachtete das Verbot nicht und umarmte die grüne Schlange voll glühenden Verlangens. Sie zerfiel jedoch sofort in Asche und der Wahnsinn ergriff den Salamander. Da rannte er durch den Garten, verwüstete vieles und wurde darum von Phosphorus auf die Erde hinab verbannt. Der Salamander war auf der Erde nun den Archivarius und falls er für seine drei Töchter je einen heiratswilligen Jüngling finden würde, wäre Archivarius wieder in seinem Heimatland aufgenommen. Jede Tochter erhielt nun einen goldnen Topf, in dessen Glanze das wundervolle Atlantis widerspiegelt.

Hoffmann benützt in solchen Abschnitten eine sehr starke Symbolik und kreiert aus verschiedensten Religionen und Mythen das Land Atlantis. Der Salamander steht für einen unbeherrschten Sinnestrieb; sein Trieb war stärker als der Gehorsam zum Herrscher. Hoffmann hat auch Elemente aus der Sündenfall Geschichte, die wir aus der Bibel kennen, genommen. Daneben vermischt er aber auch stark mit magisch - heidnischen Elementen.

Meiner Meinung nach hat das Buch an Aktualität kaum etwas eingebüsst. Die Geschichte ist zwar romantisch eingepackt, weil Hoffmann zu dieser Zeit gelebt hat und von ihr sicher auch beeinflusst wurde. Aber ich denke, Hoffmann geht es um mehr. Er will zeigen, dass die Menschen seit immer auf der Suche nach der Befriedigung ihrer Sehnsüchte sind und er zeigt auch, dass diese nicht von allen am gleichen Ort gesucht wird. Seine eigene Meinung, wo die Erfüllung zu suchen ist, lässt Hoffmann aber vermutlich bewusst weg und er will uns auf gar keinen Fall eine Lösung geben. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass er selbst an Atlantis glaubt. Was das Buch ebenfalls aktuell macht, ist dass er wenig von den gesellschaftlichen Normen und Werthaltungen von damals beschreibt. Es hat praktisch keinen politischen Hintergrund.

Ich finde es ein überzeugendes Buch, weil es eben so vielseitig ist. Hoffmann braucht eine relativ einfach verständliche Sprache und was fasziniert, ist wie er vieles in Details und mit sonderbarsten Vergleichen beschreibt. Der Zugang zum Buch ist am Anfang noch etwas schwer, weil es eben viel surrealistisches beinhaltet. Es braucht schon eine gewisse Zeit, bis man sich in der Geschichte zurecht findet. Ein weiteres Merkmal von Hoffmanns Schreibstil ist, wie er zwischendurch den Leser direkt anspricht so wie z.B. in der zwölften und letzten Kapiteln. Er hatte plötzlich ganz unerwartet ein Brief von Archivarius Lindhorst bekommen, wo Archivarius ihn einlud zu sich zu kommen um dort die letzte Vigilie zu schreiben. Der Autor geht und taucht noch einmal ein in die farbenreiche, fremde Welt von Atlantis und sieht am Schluss noch einmal Anselmus auf seinem Rittergut in Atlantis.

Hoffmann findet dann auch einen überraschenden Schluss, den wir gleich jetzt lesen wollen.

(s.138-139)

6 von 7 Seiten

Details

Titel
Hoffmann, E.T.A. - Der goldne Topf
Autor
Jahr
2000
Seiten
7
Katalognummer
V98041
ISBN (eBook)
9783638964920
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hoffmann, Topf
Arbeit zitieren
Adrian Weber (Autor:in), 2000, Hoffmann, E.T.A. - Der goldne Topf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/98041

Kommentare

  • Gast am 24.9.2001

    zu kurz.

    Interpretatioin nicht ausführlich genug!

  • Gast am 30.4.2001

    Danke !.

    Das hat mir geholfen.
    Es ist kein leichtes Buch, vor allem wenn einem die Romantik im Blut fehlt.

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Titel: Hoffmann, E.T.A. - Der goldne Topf



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