Der Bildungsbegriff bei Aristoteles


Seminararbeit, 1998
20 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1. Das Leben des Aristoteles

2. Die Werke des Aristoteles

3. Gesellschaft und Staat
3.1. Der Staat als Ganzes
3.2. Das gute Leben
3.3. Gesetz und Herrschaft
3.4. Der ideale Staat
3.5. Erziehung und Unterricht
3.6. Zusammenfassung

4. Die Grundlagen der Paideia
4.1. Die Paideia in der aristotelischen Literatur
4.2. Das Werden und die Natur
4.3. Das „Worumwillen“ der Paideia
4.3.1. Logos
4.4. Das „Wohin“ der Paideia
4.4.1. Ethos
4.4.2. Die Seelenteile des Logos und das Aletheuein
4.5. Das „Woraus“ der Paideia
4.6. Das „Wodurch“ der Paideia
4.7. Zusammenfassung

5. Eigener Kommentar

6. Literaturliste

1. Das Leben des Aristoteles

Aristoteles wurde im Jahre 384 v. Chr. in Stagira auf der Chalkidike (Nordgriechenland) geboren. Sein Vater Nikomachus war Leibarzt unter dem makedonischen König Amyntas II. Seine Mutter Phaistis entstammte ebenfalls einer ärztlichen Familie. Vom Leben des jungen Aristoteles ist nichts überliefert.

Mit 18 Jahren tritt Aristoteles in die Akademie Platons in Athen ein, die zu dieser Zeit ein Mittelpunkt wissenschaftlicher Forschung war. Schon bald erkennt der Lehrer Platon die ungewöhnliche Begabung seines Schülers und führt mit ihm oft ausgedehnte Gespräche über philosophische, politische und naturwissenschaftliche Themen. Aristoteles verbringt dort fast zwei Jahrzehnte, erst als Schüler, später selbst als Lehrer. Aristoteles wird von seinem Lehrer Platon stark in seinem eigenen Denken beeinflußt, allerdings entwickelt er während dieser Zeit auch eigene Gedankengänge, die die Theorien Platons kritisieren. Eine Reihe von bedeutsamen Arbeiten machen ihn in ganz Griechenland bekannt.

Nach dem Tode Platons im Jahre 347 v. Chr. verläßt Aristoteles die Akademie in Athen und geht nach Assos (an der kleinasiatischen Küste) an den Hof des Fürsten Hermeias, eines ehemaligen Mitschülers. Dort geht er im Kreis Gleichgesinnter weiterhin seinen Studien nach und entwickelt immer mehr eine kritische Selbständigkeit. Nach zwei Jahren verläßt er den Hof und geht auf die nahe Insel Lesbos zu seinem Freund und Schüler Theophrast. Im Jahre 342 v. Chr. wird Aristoteles schließlich von König Phillip II von Makedonien an dessen Hof berufen um die Erziehung seines vierzehnjährigen Sohnes Alexander zu übernehmen. Aristoteles nimmt an und leitet die Erziehung von Alexander bis zu dessen Thronbesteigung im Jahre 336 v. Chr.

Nach dem Regierungsantritt von „Alexander dem Großen“ geht Aristoteles zurück nach Athen und gründet dort seine eigene Schule, das „Lykeion“. In den schattigen Baumgängen des Lyzeums pflegt er mit seinen Schülern philosophierend auf und ab zu wandeln. Deshalb nannte man sie auch „Peripatetiker“ (Umherwandelnde). Hier betreibt er zwölf Jahre lang intensive Forschungen, und lehrt zahlreichen jungen Männern Philosophie und Logik, Geometrie, Physik, Botanik, Zoologie, Astronomie, Politik und viele andere Fächer mit denen er sich befaßt. Außerdem schreibt er in dieser Zeit seine wichtigsten philosophischen und naturwissenschaftlichen Werke. Alexander der Große unterstützt seinen ehemaligen Lehrer, stellt ihm nicht nur wissenschaftliche Hilfsmittel zur Verfügung, sondern ermöglicht ihm auch die Zusammenstellung einer großen Bibliothek. Nach Alexanders Tod im Jahre 323 v. Chr. muß Aristoteles Athen verlassen, da man ihm seine guten Beziehungen zu den verhaßten Makedoniern vorwirft. Der Gottlosigkeit angeklagt flieht er nach Chalkis auf Euböa, der Heimat seiner mütterlichen Familie, wo er schließlich im Jahre 322 v. Chr. nach kurzer Krankheit im Alter von 62 Jahren verstirbt.

2. Die Werke des Aristoteles

Es wird behauptet, daß Aristoteles etwa 1000 Bücher verfaßt habe. Davon sind uns jedoch nur 47 erhalten, und auch diese sind teilweise nicht vollständig. Von seinen Werken kann man keines absolut datieren. Sie wurden aber wohl schon bald nach seinem Tod erstmalig in einem Schriftenverzeichnis zusammengestellt. Andronikus von Rhodos brachte im ersten Jahrhundert v. Chr. eine überarbeitete Form der aristotelischen Schriften heraus, die alle wichtigen Untersuchungen des Aristoteles in systematischer Weise anordnet:

Am Anfang stehen logische Abhandlungen (die Kategorien, Über die Formen sprachlichen Ausdrucks, Topik, die erste Analytik, die zweite Analytik und die sophistischen Überlegungen), dann kommt eine lange Reihe von Arbeiten über die Natur (die Physik, Über den Himmel, Vom Entstehen und Vergehen, Wetterkunde, Über die Seele, die große Tiergeschichte und kleine zoologische Aufsätze), dann kommen die metaphysischen Bücher (die Lehre von den ersten Gründen des Seienden überhaupt) und zuletzt Arbeiten zu praktischen Themen (die Nikomachische Ethik, die Eudemische Ethik und die Große Ethik sowie die Rhetorik und Poetik).

Da diese Texte wie schon gesagt, erst nach dem Tode des Aristoteles bearbeitet und in dieser Reihenfolge zusammengestellt wurden, darf man nicht vergessen, daß Aristoteles selbst sie keinesfalls in genau dieser Abfolge geschrieben hat.

Die vielen Schriften, Ausarbeitungen und Vorlesungen des Aristoteles wurden in zwei Schriftarten aufgeteilt:

1) die esoterischen Schriften, die sich ausschließlich streng philosophisch an den engen Schülerkreis richteten
2) die exoterischen Schriften, die für die breite Öffentlichkeit bestimmt waren.

3. Gesellschaft und Staat

3.1. Der Staat als Ganzes

Die Erziehungsziele von Aristoteles sind sehr eng verknüpft mit seiner Vorstellung von einem Staatsleben. In dieser Hinsicht unterscheidet er sich kaum von seinem ehemaligen Lehrmeister Platon, da auch bei ihm die Staatstheorie (Gesetzesstaat) eng mit der Erziehungslehre verknüpft ist. Aristoteles hat sehr konkrete Vorstellungen, wie ein idealer Staat aufgebaut sein soll. Er beschreibt einen Wunschstaat, der zwar einen Idealzustand darstellt, aber nicht als ein bloßes Phantasiegebilde abgestempelt werden darf (Ingemar Düring, 1966, S.478). Sein Entwurf des schlechthin besten Staates gründet in der Vorstellung, daß jeder Staatsbürger seine ihm eigene Aufgabe in einer Gemeinschaft zu erfüllen hat. Der Staat ist dabei ein Ganzes, der Staatsbürger ein Teil von ihm. Die Bürger des Staates bilden also aus vielen Teilen (d. h. Individuen) das Ganze, nämlich den Staat. Für Aristoteles ist ein Ganzes ein Ganzes, wenn erstens keines von seinen Teilen fehlt, zweitens alle Teile ein Ganzes ergeben. Das Ganze ist daher ursprünglicher als das Einzelne (Paul Egger, 1989, S.167).

Der Idealstaat, der jetzt näher beschrieben werden soll, besitzt als Richtmaß für alle Bürger die Tugend. Erst der, der die Tugend besitzt, nämlich Weisheit, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit, kann das „Leben als Vollbürger“ (bios politikos) erreichen (Düring, S.481). Als Vollbürger ist jeder dazu verpflichtet, sein Möglichstes für das Gemeinwesen zu tun, d. h. sich voll und ganz in den Dienst der Polis zu stellen.

Dazu benötigt er schole. Schole wird gewöhnlich als Muße übersetzt. Muße in diesem Sinn bedeutet allerdings nicht etwa Nichts-Tun oder Erholung, sondern wird gedeutet als die Zeit , über die der jeweilige Mensch selbst verfügt. Muße ist daher eher eine höchst anstrengende dynamische Tätigkeit, die sich um ihrer selbst Willen vollzieht. Schole dient also der Polis. Schole besitzt nur der, der über seine Zeit frei verfügt, d. H. der, welcher auch ein freier Mann ist.

Aristoteles teilt die Bevölkerung in Gesellschaftsklassen ein, wonach nur diejenigen, die durch ihre Tugenden schole besitzen, Bürger mit politischem Recht werden können. Dazu gehören die, z. B. die Priester und Richter, die vermögend sind, und sich nicht mit niederen Arbeiten, wie z. B. Handwerker und Kaufleute, beschäftigen (Düring, S.480).

Da, wie oben schon einmal erwähnt, der Staat ein Ganzes und das Individuum der zugehörige Teil ist, verhält sich der Staat auch so wie der Staatsbürger. Beide streben das gleiche Endziel an, das in dem guten Leben und der Glückseligkeit besteht. Die schole schließt all dieses in sich ein.

3.2. Das gute Leben

Das gute Leben als ein Endziel kann von Staat und Individuum nur erreicht werden, wenn beide sich auch gut verhalten, sprich Gutes tun.

Um überhaupt gut im Sinne von Aristoteles zu sein bedarf es bei Aristoteles dreier Dinge, nämlich:

1) Naturanlage
2) Gewöhnung
3) Belehrung

Diese Dinge sind nach Aristoteles Voraussetzung, um überhaupt Mensch zu sein. Zuallererst ist es daher notwendig als Mensch geboren zu sein,

d. h. von Natur Mensch zu sein. Der Mensch hat von Natur die Eignungen für etwas, z. B. ist er von Natur aus geeignet zu sehen, da er Augen besitzt. Die Verwirklichung aber ist erst das eigentliche Sehen. Alles was über die Naturanlage hinausgeht, ist Sache der Erziehung.

Die Gewöhnung als Teil der Erziehung beginnt bereits mit der Geburt. Sie ist in der Lage, die Naturanlage des Menschen zu verändern; sowohl zum Besseren als auch zum Schlechteren hin. Sie wird durch ständige Übung und Arbeit erreicht. Mit der Gewöhnung wird eine „gute“ Haltung verfestigt, die als Fundament eine Grundvoraussetzung der Belehrung darstellt. Daher muß man von der Geburt eines Kindes an alles dafür tun es in die Richtung zu lenken das Gute zu tun.

Naturanlage, Gewöhnung und Belehrung müssen miteinander im Einklang stehen und bilden so einen wesentlichen Teil der Paideia (Edmund Braun, 1974,S. 161).

3.3. Gesetz und Herrschaft

Die wichtigste Aufgabe der Polis ist es, die Erziehung der Jugend von Beginn an in die richtigen Bahnen zu lenken. Damit dieses gelingt, steht für Aristoteles außer Frage, daß ein Staatswesen auch ein Gesetz haben muß, das die Frage der Erziehung regelt. Um einen Staat zu bilden, bei dem alle Bürger als Teil eines Ganzen funktionieren, muß demnach von Beginn an (Geburt) festgelegt sein, wie das Leben in der Polis für den Einzelnen abzulaufen hat, bzw. welche Aufgaben und Funktionen er erfüllen soll. Dies soll nun vom Gesetz geregelt werden. Problematisch ist hierbei aber, daß der „Wunschstaat“ des Aristoteles von Bürgern bewohnt wird, die alle die Tugend besitzen und somit in der Polis auch alle gleichberechtigt sind. Da im Staat alle Menschen gleich, d .h. gleichwertig sind ist zunächst unklar, wer nun wen regieren soll, denn für alle Gleichen gilt auch Gleiches, so daß dementsprechend keiner über den anderen herrschen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Bildungsbegriff bei Aristoteles
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Bildungsbegriffe aus der Zeit von Platon bis Augustinus
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
20
Katalognummer
V9805
ISBN (eBook)
9783638164160
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsbegriff, Aristoteles, Bildungsbegriffe, Zeit, Platon, Augustinus
Arbeit zitieren
Sven Szalies (Autor), 1998, Der Bildungsbegriff bei Aristoteles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9805

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Bildungsbegriff bei Aristoteles


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden