Hintergründe zur Berichterstattung der Financial Times über die Wirecard AG und ihr Effekt auf den Aktienkurs


Hausarbeit, 2020

29 Seiten, Note: 8,4 von 10


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Glossar

1. Einführung

2. Projektbeschreibung
2.1 Problemstellung und Beschreibung des Auftrags
2.2 Ziele der Untersuchung
2.3 Vorgehensweise bei der Durchführung des Auftrags

3. Vorwürfe der Financial Times und Reaktion der Wirecard AG (Phase 1)

4. Der Einfluss der Berichterstattung auf den Aktienkurs der Wirecard AG

5. Zusammenhang zwischen Spekulanten und der Financial Times

6. Vorwürfe der Financial Times und Reaktion der Wirecard AG (Phase 2)

7. Ergebnisse der Sonderprüfung von KPMG

8. Zusammenfassung der zwei Phasen im Hinblick auf den Kursverlauf

9. Ergebnisse und Schlussfolgerungen

10. Empfehlungen und kritische Würdigung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung

Wirecard wurde 1999 in Aschheim bei München gegründet und bietet Lösungen in der Zahlungsabwicklung an. Vor allem hat sich das Unternehmen auf Zahlungsströme spezialisiert, die bei Käufen und Verkäufen im Internet entstehen.

Seit Januar 2019 wirft die Financial Times der Wirecard AG vor, Bilanzen in den Jahren 2016 bis 2018 gefälscht und Gewinne zu hoch ausgewiesen zu haben. Die Berichte der Financial Times sind eines der meist diskutierten Themen an den deutschen Börsen, weil der Verdacht aufkam, dass die Anschuldigungen nur erhoben wurden, um von fallenden Kursen der Aktie profitieren zu können. Ob die Anschuldigungen gerechtfertigt sind oder nicht, kann bis heute nicht abschließend geklärt werden, da Untersuchungen noch ausstehen. Vor allem für Marktteilnehmer ist die Lage schwer einzuschätzen.

Das Ziel der Projektarbeit ist es den Einfluss der negativen Berichterstattung im Hinblick auf den Aktienkurs der Wirecard AG zu ermitteln. Außerdem wird der Verdacht der Marktmanipulation diskutiert.

Die wichtigsten Berichte der Financial Times werden zusammengefasst. Anschließend wird beobachtet, wie Aktionäre im Hinblick auf den Kursverlauf reagieren.

Nachdem ersten Bericht der Financial Times vom 30. Januar 2019, verlor die Aktie der Wirecard AG innerhalb von zwei Tagen über 30% an Wert. Der Börsenwert verringerte sich in nur neun Tagen um fast 7 Mrd. €. Die starke Volatilität der Aktie zeigt, dass die negativen Berichte der Financial Times, eine negative Wirkung auf den Aktienkurs der Wirecard AG genommen hat.

Des Weiteren sollte der Verdacht der Marktmanipulation diskutiert werden. Der Staatsanwaltschaft München liegt eine Tonbandaufzeichnung vor, die den Verdacht einer Marktmanipulation erhärten würde. Auf der Tonbandaufzeichnung sollen Spekulanten mit Insiderwissen geprahlt haben. Zudem sind auffällig hohe Leerverkaufspositionen in der Zeit der negativen Berichterstattung gebildet worden. Im Februar 2019 wurden 14% des Grundkapitals der Wirecard AG leer verkauft, obwohl nur Anschuldigungen ohne Beweise veröffentlicht wurden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Autor der Financial Times und Leerverkaufspositionsinhabern dauern noch an, daher bleibt gespannt abzuwarten, zu welchem Ergebnis diese führen.

Wirecard sollte die Kommunikation mit seinen Aktionären verbessern und mehr Transparenz schaffen. Die Anschuldigungen der Financial Times hätten besser von Wirecard wiederlegt werden können, somit wären Anleger vermutlich weniger verunsichert gewesen und hätten die Aktie nicht verkauft. Anhand des Beispiels von Wirecard, ist erkennbar, wie stark der Parameter Nachrichten, Einfluss auf den Aktienkurs hat. Wichtig ist, dass Marktteilnehmer vor allem ihr Blickfeld für besondere Umstände von Aktienschwankungen erweitern und auch in ihre Anlagestrategie einfließen lassen.

Vorwort

Die folgende Recherche ist eine Projektarbeit im Rahmen des vierten Semesters des Studiengangs International Finance & Control an der Fontys International Business School in Venlo, Niederlande. Die Arbeit wurde für das Learning Arrangement HLA 15 Research angefertigt.

Ich habe den Research Bericht als Thema so ausgewählt und formuliert, weil ich Hintergründe und Effekte negativer Berichterstattung auf Reputation und Aktienkursentwicklungen eines börsennotierten Unternehmens exemplarisch aufdecken will. Marktteilnehmer bekommen Einblicke in die suspekten Zusammenhänge von Enthüllungsjournalismus, Short-Seller Positionen und schwankenden Aktienkursen der Wirecard AG. Das erweiterte Blickfeld des Lesers führt in vergleichbaren Fällen möglicherweise zu veränderten Anlagestrategien auf dem Aktienmarkt. Dem Verfasser liegt aber fern, ein Empfehlungsschreiben für Anleger zu präsentieren.

Einen Dank möchte ich an dieser Stelle meinem Dozenten Björn Roosen widmen, der mir bei der Betreuung der Projektarbeit zur Seite stand.

Glossar

Round Tripping Transaktionen1:

Ein Unternehmen verkauft ein Vermögensgegenstand und vereinbart, dass der Vermögensgegenstand zu einem späteren Zeitpunkt zurückgekauft wird. Das Ziel dieser Buchhaltungstechnik ist es, Umsätze für einen bestimmten Zeitraum aufzublähen, sowohl beim Verkäufer als auch beim Käufer.

Xetra2:

Handelsplatz der Frankfurter Wertpapierbörse.

1. Einführung

Die Berichterstattung der Financial Times über die Wirecard AG ist derzeit eines der meist diskutierten Themen an der Börse. Seit fast eineinhalb Jahren wirft die Financial Times der Wirecard AG Bilanzfälschung vor. Wirecard ist eines der am schnellst wachsenden Unternehmen in Deutschland. Obwohl erst 1999 gegründet, hat es zeitweise eine höhere Marktkapitalisierung als die Deutsche Bank. Das Unternehmen aus Aschheim bei München bietet Lösungen in der Online-Zahlungsabwicklung an. Mydays oder O2 gehören zu den zahlreichen Kooperationen des Konzerns. Vor allem profitiert das Unternehmen vom wachsenden E-Commerce Handel auf der ganzen Welt. Die Branche erlebt einen regelrechten Boom. Jeder Konsument kann global innerhalb von Sekunden Waren oder Dienstleistungen kaufen oder verkaufen. Auf die Geldströme, die dabei entstehen, ist das Unternehmen spezialisiert.

Zu Beginn des Research-Berichts stehen Vorwürfe der Financial Times gegen die Wirecard AG im Blickpunkt. Dabei werden die wichtigsten Artikel der Financial Times in zeitlicher Abfolge und die Reaktion der Wirecard AG dargestellt. Es gibt zwei Phasen der Berichterstattung, in der die Financial Times innerhalb kürzester Zeit Artikel veröffentlichte. Die erste Phase bezieht sich auf die Berichterstattung Anfang 2019, die zweite Phase setzt Ende 2019 ein. Nach jeder Phase wird untersucht, wie der Kurs der Wirecard Aktie auf die Berichterstattung reagiert.

Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt in der ersten Phase, weil in dieser Zeit eine hohe Dichte an Informationen und Anschuldigungen erhoben wurden.

Ein besonderes Augenmerk gilt auch der Frage, wer von fallenden Kursen der Wirecard Aktie profitieren konnte. Dazu wird analysiert, wie sich Leerverkaufspositionen in den jeweiligen Phasen verändern und ob ein Zusammenhang zwischen Leerverkaufspositionsinhabern und den Autoren der Financial Times erkennbar ist.

Es stellen sich folgende Projektfragen:

Welche negativen Einflüsse haben die Berichte der Financial Times auf den Aktienkurs der Wirecard AG und kann man diese Einflüsse messbar machen?

Welche Gründe kann es für diese Berichterstattung geben?

Wer profitiert davon?

Wie geht das Unternehmen Wirecard mit den Vorwürfen um?

Welche Schlussfolgerungen lassen sich für Marktteilnehmer ziehen?

Kritische Würdigung

Die Komplexität des Themas lässt eine eindeutige Klärung der Hintergründe nicht zu. Die Aktualität der Ereignisse zeigt sich in der gegenwärtigen Medienpräsenz, Untersuchungen stehen noch aus. Eine abschließende Einschätzung ist aufgrund eines „schwebenden Ermittlungserfahrens“ noch nicht möglich.

2. Projektbeschreibung

2.1 Problemstellung und Beschreibung des Auftrags

Das im Deutschen Aktien Index gelistete Unternehmen Wirecard entwickelt sich seit seiner Gründung rasant und erweist sich als profitable Geschäftsidee. Der positiven Entwicklung droht nach 20-jährigem Bestehen nun eine Bewährungsprobe besonderen Ausmaßes. Negative Schlagzeilen über unternehmerische Machenschaften in der Fachpresse zeigen Wirkung. Seit Januar 2019 wirft ein Journalist der Financial Times der Wirecard AG vor, Bilanzen gefälscht und Gewinne zu hoch ausgewiesen zu haben.

Die britische Zeitung beruft sich auf interne Dokumente, die von Whistleblowern zugespielt wurden. Die Dokumente sind bis heute nicht verifiziert. Ob die Anschuldigungen gerechtfertigt sind oder nicht, ist nicht abschließend geklärt. Untersuchungen stehen noch aus. Vor allem für Marktteilnehmer ist die Lage unsicher und schwer einzuschätzen.

Um Hintergründe aufzudecken und Schlussfolgerungen ziehen zu können werden schwerpunktmäßig die Zusammenhänge zwischen der Berichterstattung der Financial Times und dem Aktienkurs der Wirecard AG zu untersuchen sein. Dazu wird die Entwicklung vor und nach der Berichterstattung des Aktienkurses in Augenschein genommen und analysiert. Anschließend steht die Einschätzung aus, inwiefern die Berichterstattung einen messbaren Einfluss auf den Börsenkurs hat.

2.2 Ziele der Untersuchung

Hintergründe und Effekte negativer Berichterstattung auf Reputation und Aktienkursentwicklungen eines börsennotierten Unternehmens sollen exemplarisch aufgedeckt werden,

der Verdacht der Marktmanipulation soll diskutiert werden,

Marktteilnehmer sollen ihr Blickfeld für besondere Umstände von Aktienschwankungen erweitern und in ihre Anlagestrategie einbeziehen können

2.3 Vorgehensweise bei der Durchführung des Auftrags

Die inhaltlich wichtigsten Absätze der Artikel der Financial Times und die Reaktion der Wirecard AG werden in einer zeitlichen Abfolge dargestellt. Als Quellen dienen dazu die Internetseiten der Financial Times und der Wirecard AG.

Für die Kursanalyse wird auf die Darstellung der Nachrichtenagentur Reuters zurückgegriffen.

Berücksichtigung finden außerdem mögliche Zusammenhänge zwischen Spekulanten und der Financial Times. Nach der detaillierten Darstellung der Faktenlage im Hauptteil mit ersten analytischen Ansätzen soll die abschließende Einschätzung in Kapitel „Ergebnis und Schlussfolgerung“ erfolgen.

3. Vorwürfe der Financial Times und Reaktion der Wirecard AG (Phase 1)

Phase 1: 30. Januar 2019 bis 07. Februar 2019

Financial Times 30. Januar 2019

Ein leitender Mitarbeiter von Wirecard wird verdächtigt, gefälschte und rückdatierte Verträge in einer Reihe verdächtiger Transaktionen verwendet zu haben. Dies ginge aus einer internen Präsentation hervor, die der Financial Times vorliege. Außerdem wird der Mitarbeiter beschuldigt, Konten gefälscht und gegen das Geldwäschegesetz verstoßen zu haben. (vgl. McCrum & Palma, 2019).

Laut der Financial Times wurden die Transaktionen von Edo Kurniawan in Auftrag gegeben und bewilligt. „According to the presentation and other documents seen as part of a Financial Times investigation, the transactions were ordered by Edo Kurniawan, who is responsible for the payments group’s accounting in the Asia-Pacific region“ (McCrum & Palma, 2019).

Die Financial Times bezieht sich auf eine Präsentation mit dem Titel „Project Tiger Summary“ vom 07. Mai 2018. In der Präsentation vor den vier obersten Führungskräften des Unternehmens, unter der Leitung von Herrn Braun (Vorstandsvorsitzender Wirecard AG), wurden sieben verdächtige Transaktionen mit einem Gegenwert von 37 Millionen Euro thematisiert. Dieses Geld soll zwischen mehreren Tochterunternehmen von Wirecard und externen Unternehmen unerlaubt gebucht worden sein. Nach dem der Vorstand auf die fraglichen Buchungen hingewiesen worden ist, veranlasste Wirecard eine unabhängige externe Sonderprüfung und beauftragte die Anwaltskanzlei Rajah & Tann. „Based on interviews with the employee making the allegations, Rajah & Tann documented the allegations and reviewed submitted documents. Subsequently, Rajah & Tann was mandated on 18 May 2018 to perform a full investigation.“ (Wirecard, 2019).

„The Project Tiger document was prepared by a Wirecard compliance officer for a presentation to the company’s four most senior executives, led by Mr Braun, on May 8. It sets out, in graphic form, how about €37m appeared to have been moved in and out of Wirecard subsidiaries and external businesses, across seven sets of complex transactions, flagged as suspicious.“ (McCrum & Palma, 2019).

Des Weiteren ist die Rede von sog. Round Tripping Transaktionen1. Eine illegale Buchhaltungstechnik die Vermögenspositionen von Tochterunternehmen der Wirecard AG über Dritte, als Umsätze in andere Wirecard Tochterunternehmen eingegangen sind. (vgl. McCrum & Palma, 2019)

„Money seems to have been routed from Wirecard businesses in Hong Kong and Singapore to those it owned in India — named Hermes and GI Technology — via external companies.“ (McCrum & Palma, 2019).

Die Präsentation, die der Financial Times vorliegt, stammte von einem internen Mitarbeiter. Der Name des Whistleblowers wird in dem Artikel nicht genannt.

Wirecard 31. Januar 2019

Wirecard reagierte einen Tag nach der Veröffentlichung des Artikels und wies die Vorwürfe zurück. Aus den internen Audits habe es keine Feststellungen gegeben, die den Bericht der Financial Times bestätigen würden. Der Journalist soll mit Fehlinformationen versorgt worden sein, so die Sprecherin von Wirecard.

„No material compliance findings as to the governance and accounting practices of any Wirecard subsidiary nor the personal conduct of Mr. Kurniawan have resulted from our continuous internal and external audit activities. It is clear that the journalist has been provided with misinformation and that before the publication of the article there had been increased short activities on the capital market side.“ (Wirecard, 2019).

Financial Times 01. Februar 2019

Nur zwei Tage nach Veröffentlichung des ersten Artikels der Financial Times, legt die britische Zeitung mit einem weiteren Bericht nach. Dem Journalisten sollen Auszüge aus dem vorläufigen Prüfbericht von Rajah & Tann vorliegen, die von Wirecard am 18. Mai 2018 nach der Präsentation beauftragt wurden.

Aus dem vorläufigen Prüfungsbericht soll folgendes hervorgegangen sein: „The preliminary lawyers report said: On the face of the evidence uncovered so far, these acts appear to bear out at the very least serious offences of forgery and/or of falsification of accounts/documents under section 477A of Singapore’s Penal Code. As these acts were intentional, there are reasons to suspect that they may have been carried out to conceal other misdeeds, such as cheating, criminal breach of trust, corruption and/or money laundering.“ (McCrum & Palma, 2019)”

Die Dokumente aus dem vorläufigen Prüfungsbericht von Rajah & Tann würden also bestätigen, dass es einen begründeten Verdacht der Geldwäsche gegenüber Tochterunternehmen der Wirecard AG gäbe. Da die Transaktionen vorsätzlich begangen wurden sollen, ist sogar die Rede von Betrug, Korruption und krimineller Untreue.

In einem weiteren Abschnitt des FT Berichts heißt es, dass Anwälte von Rajah & Tann Beweise dafür gefunden hätten, dass Vereinbarungen bzw. Verträge in Millionenhöhe gefälscht worden seien, um Gewinnziele zu erreichen und Regulierungsbehörden in die Irre zu führen.

„The lawyers uncovered evidence that at least a dozen agreements for sums in the millions of euros appeared to have been falsified.“ (McCrum & Palma, 2019).

Außerdem beschreibt ein Whistleblower in den internen Dokumenten detaillierter die Round Tripping Transaktionen, die in Indien stattgefunden haben sollen.

„A whistleblower cited in the report described “round-tripping” schemes designed to support Wirecard businesses in India, by routing company money to them through third parties as if the cash came from genuine customers. According to the lawyers’ preliminary report, the purpose of the one of the schemes was to enable the Indian business to hit profit targets.“ (McCrum & Palma, 2019).

Wirecard 02. Januar 2019

Wirecard dementiert die Vorwürfe am 02. Januar in einem kurzen Statement und stellt klar, dass es zu keinem Fehlverhalten einer oder mehrerer Mitarbeiter gekommen ist.

„It is untrue that Rajah & Tann Singapore LLP has ever uncovered any findings of material misconduct of any Wirecard employee in matters of accounting practices.“ (Wirecard, 2019).

Wirecard 04. Februar 2019

Wirecard nahm am 04. Februar 2019 eine ausführlichere Stellung zu den Vorwürfen um Edo Kurniawan: „In April 2018, a member of Wirecard's team in Singapore raised concerns to our local legal and compliance department about alleged actions of a member of Wirecard's finance team in Singapore. The allegations related to potential compliance breaches in the area of accounting for the period 2015-2018 totalling revenues of EUR 6.9m and costs of EUR 4.1m as well as an internal transfer of software intellectual property valued at EUR 2.6m.“ (Wirecard, 2019).

Nach Bekanntwerden der möglichen Compliance-Verstöße wurde ein internes Audit durch Rajah & Tann von Wirecard angeordnet. Dieses führte zu dem Ergebnis, das die Vorwürfe unbegründet waren. „This internal investigation found no evidence to support the allegations and concluded that they were unfounded.“ (Wirecard, 2019).

Die Prüfung steht kurz vor dem Abschluss, doch bisher wurden keine Feststellungen zu kriminellen Fehlverhalten gefunden. Die Vorwürfe der Financial Times scheinen also unbegründet zu sein. Das geht aus dem u. g. Internal Compliance Review von Rajah & Tann hervor.

Abbildung 1: Internal Compliance Review von Rajah & Tann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wirecard 2019

Financial Times 07. Februar 2019

Unbeeindruckt vom Wirecard Statement folgte am 07. Februar 2019 der dritte Bericht der Financial Times. In diesem Artikel nehmen die beiden Journalisten Dan McCrum und Stefania Palma zwei Bereichsleiter der Buchhaltung und Finanzen ins Visier. Die Financial Times bezieht sich detaillierter auf den ihr vorliegenden Vorbericht der Anwaltskanzlei Rajah & Tann. Die besagten Dokumente, die von der Financial Times eingesehen wurden, belasten die beiden Bereichsleiter Stephan von Erffs und Thorsten Holten. Beide sollen von den Round Tripping Transaktionen um Edo Kurniawan gewusst haben.

„In isolation, Mr Kurniawan’s scheme might have appeared to be the act of a rogue employee in the provincial outpost of a little known financial group. But the account of what happened, in a preliminary report on the investigation by one of Asia’s most eminent legal firms, indicated it was part of a pattern of book-padding across Wirecard’s Asian operations over several years. Documents seen by the Financial Times show two senior executives in the Munich head office had at least some awareness of the round-tripping scheme: Thorsten Holten and Stephan von Erffa, respectively the company’s head of treasury and head of accounting.“ (McCrum & Palma, 2019).

Durch die neuen Anschuldigungen sind diesmal nicht nur Mitarbeiter aus dem Asien-Pazifik Geschäft betroffen, sondern auch hohe Manager aus der Hauptverwaltung von Wirecard in Aschheim.

In dem Artikel wurden die Vorwürfe aus dem ersten Bericht erneut aufgegriffen. Die Journalisten berufen sich wieder auf den vorläufigen Bericht von Rajah & Tann: „On May 4 R&T submitted a preliminary report, running to 30 pages of bombshell allegations: evidence in the documents of “forgery and/or of falsification of accounts”, as well as reasons to suspect “cheating, criminal breach of trust, corruption and/or money laundering” in multiple jurisdictions.“ (McCrum & Palma, 2019).

Laut Wirecard wurde die Anwaltskanzlei erst am 18. Mai 2018 zu einer Sonderprüfung beauftragt. Wenn Wirecard erst am 18. Mai 2018 Rajah & Tann beauftragt haben soll, wie kann dann ein vorläufiger Bericht schon am 04. Mai 2018 der Financial Times vorliegen?

Wirecard 07. Februar 2019

Wirecard reagierte auf den Bericht der FT. Die unabhängige Anwaltskanzlei Rajah & Tann habe keine Feststellungen über ein Fehlverhalten gefunden. Die Anschuldigungen aus dem Artikel seien falsch und entsprechen nicht der Wahrheit.

„Nothing about the article published today is true.„“ (Wirecard, 2019).

Zusammenfassung

Die Autoren der Financial Times haben scheinbar Beweise vorliegen, die den Verdacht der Bilanzfälschung begründen. Der vorläufige Prüfungsbericht von Rajah & Tann, der Financial Times vorliegt, stimmt aber inhaltlich nicht mit dem Prüfungsbericht von Rajah & Tann überein, den Wirecard als Reaktion vorlegt.

Financial Times Prüfungsbericht: Enthält Feststellungen Wirecards Prüfungsbericht: Enthält keine Feststellungen Interessierte Beobachter des Geschehens haben am Ende offene Fragen, die zu Verwirrung und Verunsicherung bei Aktionären führen können.

Wie kann der vorläufige Bericht von Rajah & Tann schon am 04. Mai 2018 der Financial Times vorliegen, wenn Rajah & Tann erst am 18. Mai 2018 zu einer Sonderprüfung beauftragt wurden?

Wie kann es sein, dass der Prüfungsbericht der Financial Times Feststellungen enthält und der Prüfungsbericht von Wirecard keine Feststellungen enthält? Wie kann es zu derartigen Unstimmigkeiten kommen?

Wie reagieren die Anleger auf die undurchsichtige Lage nach den Anschuldigungen?

4. Der Einfluss der Berichterstattung auf den Aktienkurs der Wirecard AG

Im Folgenden wird untersucht, welchen Einfluss die Berichterstattung der Financial Times auf den Börsenwert der Wirecard AG hatte. Dazu wird der Börsenkurs der Wirecard AG innerhalb der Zeit analysiert, in der die ersten Artikel der Financial Times veröffentlicht wurden.

[...]


1 Erläuterung im Glossar

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Hintergründe zur Berichterstattung der Financial Times über die Wirecard AG und ihr Effekt auf den Aktienkurs
Note
8,4 von 10
Autor
Jahr
2020
Seiten
29
Katalognummer
V980728
ISBN (eBook)
9783346335289
ISBN (Buch)
9783346335296
Sprache
Deutsch
Schlagworte
hintergründe, berichterstattung, financial, times, wirecard, effekt, aktienkurs
Arbeit zitieren
Lennard Greven (Autor), 2020, Hintergründe zur Berichterstattung der Financial Times über die Wirecard AG und ihr Effekt auf den Aktienkurs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980728

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