Die Nation of Islam. Subalternität und die Konstruktion eines schwarzen Islam


Masterarbeit, 2016

54 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Nation of Islam - ein Überblick
2.1. Gesellschaftlicher Hintergrund

3. Subalternität als Instrument
3.1. Definition des Begriffs
3.2. Kontextualisierung des Begriffs

4. Ein schwarzer Islam? Islamisches Verständnis der NOI
4.1. Die Konstruktion einer Religion
4.2. Der Begriff der Nation: Warum Nation of Islam?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Masterarbeit beschäftigt sich mit der afroamerikanischen Organisation Nation of Islam im Rahmen einer subalternen Definition nach Antonio Gramsci. Der italienische Gesellschaftstheoretiker und Marxist entwickelte im Gefängnis ein Theoriemodell, nach welchem subalterne Klassen in hegemonialen Gesellschaftsformen erkenntlich gemacht werden können. Die Nation of Islam als afroamerikanische Bewegung unter dem religiösen Banner des Islam erweist sich hierfür als prädestiniert, da sie zentrale Faktoren des Subalternen in sich trägt. Ich stelle die These auf, dass die Nation of Islam aufgrund ihrer subalternen Position innerhalb der amerikanischen Gesellschaft den Islam instrumentalisiert und bewusst für sich genutzt hat, um sich politisch und gesellschaftlich zu artikulieren. Im Kontext rassistischer Diskurse und weißer Herrschaftsdominanz, kurz vor und während der Gründung der Nation of Islam in Amerika, beleuchtet die Arbeit die gesellschaftliche Stellung des Afroamerikaners und untersucht, wie dadurch in der Organisation selbst Machtpolitik betrieben wurde und bestimmte politische Zwecke verfolgt wurden. Der Islam als Gegenreligion zum weißen Christentum Amerikas erwies sich für den Gründer der Nation of Islam als am geeignetsten. Warum das so ist, wird im Verlauf der Arbeit klargestellt.

Um Subalternität in ihrer Relevanz für die Arbeit zu begreifen, wird der Begriff selbst untersucht und anhand verschiedener Literatur, die zur Verfügung steht, kontextualisiert. Das Theoriemodell des Subalternen in seinem gesamten Spektrum zu analysieren, ist aufgrund der Länge dieser Arbeit nicht möglich. Deshalb beschränke ich mich hier auf Kernaspekte, die nach Gramsci Subalternität definieren. Diese Kernaspekte werden der Nation of Islam angepasst und es wird daraus geschlussfolgert, inwieweit man bei dieser afroamerikanischen Organisation von Subalternität sprechen kann.

Die islamische Religion als Instrument einer schwarzen Rebellion und als Mittel zur Selbstidentifikation spielt, wenn man von der Nation of Islam spricht, eine entscheidende Rolle. Wie wird der Islam konstruiert und was ist die theologische Ideologie dieser nationalistischen Organisation? Diese Fragen werden gesondert beantwortet und im Rahmen schwarzer Historie betrachtet. Die Geschichte der afroamerikanischen Bevölkerung kurz vor der Gründung der Nation of Islam zu erklären, ist entscheidend, um dem Leser das Ausmaß des Rassismus, mit dem der Afroamerikaner konfrontiert war, erkenntlich zu machen. Auch um zu erklären, wie es möglich ist, dass eine solch extreme Version des schwarzen Nationalismus so erfolgreich werden konnte. Aus diesem Grund konnotiert die Arbeit den gesellschaftlichen Hintergrund in besonderem Maße, nachdem ein Augenmerk auf die ersten Führungsmitglieder und ihre Doktrin gelegt wird. Die Arbeit betrachtet Zeit und Raum, in welchen sich die Nation of Islam gegründet hat und verortet deren Akteure und ideologische Sichtweisen entsprechend. Das bedeutet, dass die NOI (Nation of Islam) sich immer wieder aus dem Kontext ihrer Zeit artikuliert und kein Zufallsprodukt der Geschichte ist. Die Akteure haben klare politische Visionen und begründen diese in einem islamischen Gewand. Die subalterne Position ist für die Ideologie der NOI von enormer Relevanz und fungiert als Mittel zum Zweck. Dies wird im Verlauf der Arbeit klargestellt.

Um meine These zu stützen, habe ich die folgende methodische Herangehensweise gewählt. Die Inhalte der Kapitel werden systematisch behandelt, sodass sich im Fazit die These der Arbeit selbst erklärt und für den Leser einleuchtend ist. Je nach thematischem Bezug wird verschiedene Literatur benutzt und werden teilweise Autoren inhaltlich verglichen oder gegenüber gestellt. Vor allem beim Begriff des Subalternen erwies sich eine Eingrenzung besonders schwierig. Das theoretische Modell umfasst viele soziologische Bereiche und dementsprechend existiert eine ungeheure Fülle an Literatur, die nicht nur den Begriff selbst erfasst, sondern auch die jeweiligen Theorien der Autoren stützt, sodass vieles den Rahmen dieser Arbeit gesprengt hätte. Aus diesem Grund beruft sich die Arbeit auf einige ausgewählte Werke verschiedener Autoren die über das Konzept Gramscis geschrieben haben. Gramsci entwickelte sein Konzept in den sogenannten Gefängnisheften, die gegenwärtig lediglich zu Teilen ins Englische übersetzt wurden und ansonsten nur auf Italienisch existieren. Deshalb fokussiert sich vorliegende Arbeit im analytischen Teil auf die Sekundärliteratur, die über das subalterne Konzept vorhanden ist. Besonderes Augenmerk wird hier auf die Dissertation von Marcus E. Green gelegt. In seiner Dissertation Gramscis Concept of Subaltern Social Groups erarbeitet Green detailliert die Definition subalterner Klassen, abgeleitet aus dem Originalwerk. Um die NOI in ihrer Ideologie zu begreifen und in einen subalternen Kontext zu bringen, ist die Arbeit Greens von besonderer Hilfe. Aber auch Auszüge aus Arbeiten Spivaks und anderen aktuellen Theoretikern, die sich mit postkolonialen Strukturen und Subalternität befassen, werden für die Arbeit genutzt. Im Rahmen der Recherchen dieser Arbeit war es interessant zu erfahren, ob das Arabische einen Begriff für Subalternität kennt und wie man sie ausdrücken kann. Im Gespräch mit meiner damaligen Arabischlehrerin an der Freien Universität Berlin, Bouchra Laun, stieß ich auf die arabische Definition, angelehnt an Gramsci: at-tahmis al-igtimä'yya. Nach Sichtung im Hans Wehr Wörterbuch kann man nur ableitend dem Arabischen eine Definition der Subalternität zuordnen. Von der Wurzel h-m-s abgeleitet, findet man die Definition einer sich am Rande befindlichen, marginalisierten Gruppe. 1 Diese Definition kommt der Gramscis sehr nahe.

Die NOI als Forschungsgegenstand zu nutzen, ohne eine ernsthafte Feldstudie zu betreiben, kann sich als schwierig erweisen, da zwar Literatur über die Organisation existiert, jedoch das Selbstverständnis der Mitglieder sich den gegenwärtigen Zuständen anpasst. Auch können Ideologien bestimmter Mitglieder mit anderen Mitgliedern kollidieren. Als prominentestes Beispiel lässt sich hier die Diskrepanz von Malcolm X, einem ehemaligen, bedeutenden Mitglied der NOI und Symbol einer schwarzen Rebellion mit Elijah Muhammad, dem Führer der Organisation bis in die 1970er Jahre, anführen. Malcolm X hatte eine aggressive, politische Grundeinstellung, die dem ehemaligen Führer der NOI widerstrebte, sodass Malcolm schließlich aus der Organisation verbannt wurde.2 Doch ist es für meine Zwecke absolut ausreichend, sich auf bereits vorhandene Literatur über die NOI zu berufen, da der Zeitraum der Gründung betrachtet wird und im Kontext der subalternen Theorie nach Gramsci auf die ideologischen Inhalte eingegangen wird. Hier konnte ich mich vor allem auf die Arbeit Katrin Simons Die Erben des Malcolm X- Afroamerikanische Muslime zwischen Widerstand und Anpassung und auf verschiedene Werke Mattias Gardells über die NOI stützen.

Im Kontext meiner Untersuchungen eröffneten sich immer mehr Ideen und Denkanstöße, die zu untersuchen interessant wären. Der Einfluss der NOI auf die afroamerikanische Gesellschaft seit ihrer Gründung war enorm. Viele junge, afroamerikanische Musiker berufen sich in ihren Texten inhaltlich auf die NOI und sind ideologisch von dieser Organisation geprägt. Die Arbeit Katy Khans The Influence of the Nation of Islam on African American Singers untersucht einige der Künstler, die sich in Amerika nach 9/11 als schwarze Muslime definieren. Die Inhalte als weiterführenden Gedanken subalterner Klassen in der Gegenwart in dieser Arbeit mitzuberücksichtigen, wäre interessant gewesen, jedoch ausschweifend und zu umfangreich. Auch konnte nicht auf die gegenwärtige Situation der NOI eingegangen werden. Wie verortet sich die NOI im Kontext amerikanischer Umstände in der Gegenwart?

Die Arbeit kann auf eine Fülle an Literatur zurückgreifen, selektiert jedoch stark, um in den quantitativen Rahmen zu passen, sodass schließlich fundiert auf die These eingegangen wird. Begrifflichkeiten wie Nationalismus und Nation werden im Kapitel 4.2. beleuchtet und in ihrer Wichtigkeit für die NOI erklärt.

2. Die Nation of Islam - ein Überblick

Bevor Subalternität in ihrer Relevanz für die Arbeit näher betrachtet wird und untersucht wird, in welcher Form die NOI eine subalterne Bewegung darstellt, wird im Folgenden zunächst die Organisation selbst betrachtet und versucht, ihre Ideologie im Kontext afroamerikanischer Geschichte und schwarzen Selbstverständnisses wiederzugegeben.

Afroamerikaner tragen bis in die Gegenwart die Bürde, um ihre Anerkennung vollwertige Mitglieder in der amerikanischen Gesellschaft zu kämpfen. Amerika ist für Afroamerikaner kein gewolltes, selbst gewähltes Einwanderungsland, das es für andere Minderheiten gewesen ist. Für einen Großteil der Afroamerikaner ist ihre eigene Geschichte in Bezug auf Amerika von einem Tenor des Leides, Schmerzes und der verbundenen Sklaverei in der Geschichte gekennzeichnet.3 Dieser Faktor ist entscheidend für die Selbstidentifikation des afroamerikanischen Individuums. Aber auch die Reflexion und Interaktion mit dem weißen Amerika ist aufgrund der schwarzen Historie problematisch. Durch historische Ausgrenzung wird ein gesellschaftlicher Zustand kreiert, der es ermöglicht, Identitäten durch Rassifizierung zu konstruieren.4 Diese Konstruktion wird vorrangig durch die weiße Mehrheitsgesellschaft geschaffen und fungiert somit als Ausgrenzungsmechanismus. Diese Ausgrenzung war entscheidend für die Herausbildung eines schwarzen Nationalismus, welche eine signifikante Basis in der Ideologie der NOI ist.5 Die Hochphase des Black Nationalism definiert Wilson J. Moses in den Jahren 1850­1925.6 Nach der Inhaftierung des Gründers der UNIA (Universal Negro Improvement Association) Marcus Garvey entwickelte sich der schwarze Nationalismus dahingehend, dass eine religiöse Komponente stetig relevanter wurde. Verschiedenste religiös­nationalistische Bewegungen entstanden, wobei sich die NOI am erfolgreichsten etablieren konnte.7 Wie Mattias Gardell betont, ist der klassische schwarze Nationalismus absolutistisch, zivilisatorisch, elitär und auf christlich-humanistische Werte gegründet.8 Man suchte somit die Freiheit der schwarzen Bevölkerung in der Anlehnung an europäische Werte und Zivilisationsvorstellungen. Die NOI agierte konträr zu diesen Vorstellungen, da für sie die Anlehnung an das Christentum bedeutete, die Religion zu rechtfertigen, die von den Unterdrückern (Weißen) als Instrument der Sklaverei benutzt wurde. Schwarzer Nationalismus basiert auf einer Vorstellung zeitgenössischer Ideen und Kategorisierungen von Rasse. Somit hat auch für schwarze Nationalisten jede Rasse ihre spezifische Kennung, welche sie von anderen Rassen unterscheidet und prägend für ihren Charakter ist. Diese Prägung nimmt Einfluss auf die Geschichte der jeweiligen Ethnie.9

Rasse war für die schwarzen Nationalisten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts sehr stark geprägt vom europäischen und vor allem deutschen Diskurs der „Rassentheorie“. Die Arbeiten des Biologen Gregor Johann Mendel waren mitunter der Grund, weshalb Rasse als etwas Organisches angesehen wurde. Rasse beinhaltete romantische Vorstellungen von spirituellen, psychologischen und kulturellen Besonderheiten, die je nach Rasse ausschlaggebend für diese waren. Somit konnte anhand der Rasse bestimmt werden, zumindest wurde es so innerhalb der Rassendiskurse suggeriert und angenommen, welche jeweilige gesellschaftliche Zukunft die Mitglieder der bestimmten Rassen haben werden. Es wurde also ein kollektives Schicksal kreiert, dessen Kriterien durch die Rasse definiert wurden.10 Doch hier tritt die Frage auf, wer definiert und wozu? Auch wenn schwarze Nationalisten zu Beginn des 19. Jahrhunderts von europäischen Diskursen und Ideen für ihre eigenen Ideologien beeinflusst waren, so ist die Grundkonstruktion der Rassenideologien doch aus einer anderen, dominanteren Gesellschaftsposition entstanden. Dies ist relevant zu berücksichtigen, da vor dem Auftreten der NOI lediglich Konzepte von Rasse innerhalb der afroamerikanischen Nationalisten existierten, die von gesellschaftlich dominanten Gruppen (Weiße) adaptiert und für eigene Ziele umformuliert wurden. Im Kern waren sie sehr ähnlich bis identisch. Die Idee der Blackness ist somit selbst als das Resultat der Auferlegung bestimmter von der Whiteness definierter Züge zu verstehen und ist somit konstruiert.11 Auf diesen Aspekt wird die Arbeit im weiteren Verlauf noch näher eingehen, da er im Kontext des Subalternen eine entscheidende Rolle spielt. Im 1897 erschienenen Essay von W.E.B. Du Bois12 klassifiziert der schwarze Nationalist acht verschiedene Rassen weltweit durch Sprache, Religion, Geografie und Geschichte. Die Rassen die er definiert hat sind die Slaven Osteuropas, die Teutonen Mitteleuropas, die Engländer Großbritanniens und Amerikas, die romanischen Nationen West und Südeuropas, die Negros Afrikas und Amerikas, die semitischen Völker Westasiens und Nordafrikas, die Hindus Zentralasiens und die mongolischen Völker Ostasiens.13 Durch diese Definitionen war es möglich, den schwarzen Nationalismus als Lösung anzubieten, da durch ihn Selbstidentifikation geschaffen werden konnte.14 Die Rassifizierung (Rassenbildung) ist ein Prozess, bei welchem Kategorien geschaffen werden, die eine Gesellschaft in die Dichotomie Schwarz­Weiß teilen, wodurch soziale, historische und kulturelle Aspekte der jeweiligen Mitglieder der Gruppen konstruiert werden.15 Der Konstrukteur muss folglich autoritäre Instanz sein und bestimmen, was unter die jeweiligen Kategorien fällt. Die subalterne Position wird automatisch von denen eingenommen über die bestimmt wird. Aus dieser Position heraus ist ein nationalistisches Weltbild und eine im selben Maße rassistische Ideologie, wie sie beispielsweise von der NOI vertreten wird, ein Reflex gegebener Umstände aus denen heraus sie agieren.

Aufgrund der Sklaverei erfuhren die Afroamerikanern einen, wie Dawn-Marie Gibson es nennt, Kulturgenozid, der es nicht ermöglichte, ihre Religion und kulturellen Werte an kommende Generationen weiterzuvererben.16 Der Islam in seiner traditionellen afrikanischen Form konnte im Amerika des beginnenden 20. Jahrhunderts demnach nicht überleben.17 Was genau Gibson hier mit dem Terminus traditionell meint, bleibt unklar, dennoch wird im Kontext der Geschichte der Sklaverei klar, dass damit ein Auszug afrikanischer Muslime von ihren religiösen und kulturellen Wurzeln gemeint ist, der durch die Sklavenhalter und ihr Monopol der Kontrolle und einer verbundenen Christianisierung der schwarzen Sklaven erschaffen wurde. Um Konformität zu erzielen, war es den Sklavenhaltern wichtig, die religiösen Praktiken zu kontrollieren, auch der Druck der britischen Regierung und christlicher Missionarsgesellschaften im 18. Jahrhundert auf die Sklavenhalter verstärkte nur die Entwurzelung der Afroamerikaner.18 Die „Black Church“ als einzige Institution, die für die schwarze Bevölkerung einen Rückzugsort darstellte, war nur so lange für die weißen Herrscher und Sklavenhalter irrelevant, wie die religiösen Inhalte und Praktiken keine Bedrohung für die herrschaftliche Dominanz der Weißen waren. Getrieben von humanistischen Werten und einer Doktrin der Nächstenliebe wurde die weiße Dominanz hingenommen und die Black Church propagierte ein defensives Verhalten in Bezug auf die Sklaverei und die Ausbeutung des Schwarzen in Amerika. Bis in die 1960er Jahre war die Black Church eine der wichtigsten Institutionen in der afroamerikanischen Gesellschaft.19 Aber auch gegenwärtig ist die Black Church von Bedeutung in vielen Städten Amerikas, in denen Afroamerikaner leben und sich soziale Brennpunkte und Ghettos gebildet haben. Entstanden im Kontext der Sklaverei, als Protest gegen rassische Unterdrückung und zur Entfaltung religiöser und spiritueller Bedürfnisse der schwarzen Bevölkerung, kann man die Black Church als subalterne Institution betrachten, die im Zuge einer Gegenöffentlichkeit geschaffen wurde, in welcher Afroamerikaner die Möglichkeit haben, schwarze Identität zu formen und auszuhandeln.20 1930 wurde die Nation of Islam im Kontext der Great Migration gegründet. Der Auszug von Afroamerikanern aus dem Süden Amerikas in den Norden in der Zeit von 1910 bis 1950 veränderte die amerikanische Gesellschaft tiefergehend auf sozioökonomischer und demografischer Ebene. Der formative Erfolg der NOI hatte viel mit den sozialen Gegebenheiten zu tun, die zur Gründungszeit in Amerika vorherrschend waren. Aufgrund ökonomischer Krisen und der immer größer werdenden Entfremdung der schwarzen Bevölkerung von der Black Church konnte die NOI sich immer stärker manifestieren. Zwischen 1910 und 1920 beispielsweise stieg die Anzahl der schwarzen Bevölkerung in Detroit von 6000 auf 41000 und in Chicago von 44000 auf 109000.21 Diese Migrationswellen schafften immer mehr Konkurrenz innerhalb der Arbeitswelt und trugen maßgeblich dazu bei, dass eine immer stärker werdende Segregation innerhalb der weißen und schwarzen Bevölkerung stattfand. Die afroamerikanische Bevölkerung aus dem Süden beeinflusste zudem die religiöse Landschaft, da sich nun verschiedenste religiöse Gruppen und Institutionen etablierten, sowohl auf christlicher als auch auf islamischer Seite. Die Black Church verlor immer mehr Anhänger, da sie keine Antwort auf die sozialen Bedürfnisse und Fragen der schwarzen Bevölkerung hatte. Auch der Mangel an Bildung innerhalb der Black Communities führte dazu, dass sich religiöse Institutionen schneller etablierten als wirtschaftliche oder politische und ihre spirituellen Führer durch religiöse Kulte und Praktiken einen großen Teil der eigenen Bevölkerung ausbeuteten bzw. sich an ihnen bereicherten.22 Als Beispiel kann man hier Father Devine anführen, der das Peace Mission Movement führte oder Daddy Grace, der der Kopf des United House of Prayer for all People war.23 Diese Personen verkauften ihre religiösen Botschaften teilweise auf der Straße (peddling religion), was sich als durchaus lukratives Geschäftsmodell innerhalb der von sozialen Spannungen und wirtschaftlichen Krisen heimgesuchten afroamerikanischen Bevölkerung herausstellte.

In diesem Szenario von religiösen und sozialen Spannungen fand Fard Muhammad fruchtbaren Boden, um seine Ideologie der NOI zu propagieren. Es ist nicht viel über die Herkunft des Gründers der NOI bekannt. Mattias Gardell datiert das erste Auftreten Fard Muhammads in den schwarzen Ghettos Detroits auf den 4. Juli 1930.24 Auf welcher Grundlage der Autor das Datum so exakt bestimmen kann, bleibt unklar. Katrin Simon spezifiziert dieses Datum, indem sie ausführt, dass am 4. Juli 1930 der Muslim Cult of Islam gegründet wurde, welcher im Verlauf zur Nation of Islam werden sollte. Wallace D. Fard Muhammad wurde nach Angaben der NOI im Jahre 1877 in Mekka geboren. Er sei der Messias der Schwarzen mit einer göttlichen Mission, nämlich die Afroamerikaner zu ihren eigentlichen Wurzeln zurückzuführen und sie aus dem Joch und der Unterdrückung durch die Weißen zu befreien. Er sei das ausführende Instrument Gottes, der das ausgewählte Volk (Afrikaner) wieder zurückhaben wollte, um sie von der Sklaverei des blonden, blauäugigen Teufels zu erlösen.25 Seine für ihn festgelegte Aufgabe bestand darin, dass die Schwarzen Amerikas zu ihrer natürlichen Religion, dem Islam, zurückkehrten, Arabisch erlernten und sich an die von der NOI gemachten Regeln der Lebensführung hielten, um letztendlich die Erlösung Gottes durch Rückführung in das Heilige Land in Mekka zu erfahren. Dort wäre das schwarze Volk keinem Leid mehr ausgesetzt und sie würden ihr natürliches Leben als Könige wieder aufnehmen.26 Um diese Erlösung zu erlangen, müssten die Afroamerikaner sich den von der NOI aufgestellten Regeln anpassen und beispielsweise aufhören, ungesunde Nahrung zu sich zu nehmen, lediglich einmal täglich essen, um der Lebensführung der Stammesmitglieder der Shabazz, welche nach Vorstellung der NOI der Ursprungsstamm der Afroamerikaner ist, bevor die Weißen diese der Sklaverei aussetzten, gerecht zu werden.

Es gibt zahlreiche nicht beweisbare Theorien über die Herkunft Fard Muhammads und auch die Literatur, die über ihn existiert, lässt keine genaue Antwort zu. Einige Autoren wie Arna Bontemps, Jack Conroy oder Clifton E. Marsh gehen davon aus, dass Fard Muhammad vor Gründung der NOI ein Mitglied des Moorish Science Tempels war, der versuchte, den ehemaligen Führer der Organisation Noble Drew Ali hinrichten zu lassen, um selbst Leiter der Organisation zu werden. Erklärt wird diese Theorie jedoch nicht. Eine andere Mutmaßung ist, dass Fard dieselbe Identität hat, wie der 1930 verschwundene schwarze Rabbi Arnold Josiah Ford. Ford war Anhänger des Black Judaism, einer religiösen Strömung, die davon ausgeht, dass das schwarze Volk aufhören muss, das Christentum zu preisen. Denn die Ursprünge und die Erlösung für die Afroamerikaner seien auf dem schwarzen Pfad der Kabbalah zu finden, einer mystischen Abzweigung des Judentums. In der Vorstellung der Anhänger wurde Babylon mit den Vereinigten Staaten gleichgesetzt.27 Die Organisation kollabierte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten, Ford konvertierte zum Islam und verließ die USA, um nach Äthiopien zu gehen. Howard Brotz geht davon aus, dass Ford eine neue Identität annahm, da er voraussah, dass das Judentum keine echte Alternative für das schwarze Volk in Amerika anbot und vielmehr eine neue Organisation gegründet haben soll, nämlich die NOI. Dies würde seiner Meinung nach auch die Konversion zum Islam erklären. Der Autor Mattias Gardell geht jedoch darauf ein und betont, dass diese These wie auch andere Autoren meinen, kein authentisches Fundament hat. Wie soll die führende Persönlichkeit einer religiös-nationalistischen Bewegung einfach die Identität wechseln, ohne dabei erkannt zu werden? Diese Theorie ergibt für die Autoren keinen Sinn und ist auch für denjenigen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt, schwer überzeugend.28 Auch die dritte Theorie über die Herkunft Fard Muhammads ist suspekt und undurchsichtig. Aufgrund der steigenden Relevanz der NOI in den 1930er und 1940er Jahren wurde das FBI auf die Organisation aufmerksam und begann mit den Untersuchungen zur Herkunft Fards. Die sogenannte Fard-is-a-Fraud These erklärt, dass Fard Muhammad mit eigentlichem Namen Wallace Dodd heißt und am 26. Februar 1891 in Neuseeland geboren ist. Das Spektakuläre an der These ist, dass die Akten des FBI Wallace Dodd als weiß klassifizieren. Er ist 1913 nach Amerika immigriert und kam 1933 ins Gefängnis.29 Im Jahre 1934 verschwand Fard und hinterließ ein Mysterium.

Vor allem für seine Anhänger ist dieses geschaffene Mysterium um die Identität Fards nur eine Bestätigung seiner angeblichen Göttlichkeit. Für diese ist Fard unanfechtbar Gott, Allah, gekommen, um das schwarze Volk vom Joch seines Exils zu befreien. Halb schwarz und halb weiß ist es für ihn möglich, sich problemlos zwischen seinen Anhängern und seinen Feinden zu bewegen, um seine Botschaft durchzusetzen.30

Elijah Poole ist eine weitere relevante Persönlichkeit, die eine erhebliche Rolle zur Zeit der Gründung der NOI gespielt hat. 1923 im Zuge der Great Migration zog Elijah Poole mit seiner Frau nach Detroit in der Hoffnung, einen Teil des Wirtschaftsbooms im Norden Amerikas für sich nutzen zu können. Hohe Arbeitslosenzahlen im Süden durch den Einsatz von Maschinen auf dem Land, starker Rassismus, ein Neuaufleben des Ku-Klux- Klans und die Jim-Crow Gesetze, die eine Rassentrennung gesetzlich manifestierten, schafften eine feindliche Lebenssituation für die schwarze Bevölkerung. Elijah Poole zog in den Norden und wurde schnell Mitglied der UNIA. 1931 kam Elijah Poole mit Master Farad Muhammad in Kontakt, nachdem er eine seiner Predigten besucht hatte. Fasziniert und zutiefst von dessen Göttlichkeit überzeugt, trat Poole an Fard Muhammad heran und es bildete sich eine besondere Verbindung der beiden Akteure. Für einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren kollaborierten die beiden eng miteinander und Fard Muhammad unterrichtete Elijah Poole in allen relevanten Lehren, die für die Nation of Islam von Bedeutung sind.31 32 Die psychologische Komponente muss beachtet werden bzw. der starke Einfluss den diese Begegnung auf Elijah Poole gehabt hat: Aus dem Süden Amerikas aufgrund rassischer und wirtschaftlicher Diskriminierung in den Norden immigriert, um sich Gott selbst anzuschließen, der in Master Fard Muhammad personifiziert sein soll. Schließlich eingeführt in die heiligen Lehren der NOI wurde Elijah Poole umbenannt in Elijah Kareem und stieg zum administrativen Kopf der NOI auf. Eine sehr eindrucksvolle Laufbahn, die erst im gesellschaftlichen Kontext ihre eigentliche Faszination entfaltete. Fard Muhammad baute seine Organisation so auf, dass es den hochrangigen Mitgliedern möglich war, Führungspersonen innerhalb ihres Kreises auszuwählen. Fard Muhammad ernannte Elijah Kareem zum höchsten Minister der Organisation (Supreme Minister), was ihn automatisch zu einem Gesandten Gottes (Propheten) gemacht hat. Er nannte sich von nun an Elijah Muhammad 31 Fard Muhammad verschwand 1934, nachdem er noch zweimal aufgrund der Durchführung okkulter Praktiken verhaftet wurde. Er hinterließ ein Mysterium, welches jedoch durch Elijah Muhammad teilweise enthüllt wurde, indem er verkündete, dass Allah (Fard Muhammad) nun endlich zu dem Ort zurückgekehrt sei, wo er das Schicksal des schwarzen Mannes bestimmt hatte und ihn Elijah Muhammad zum Propheten ernannt hatte, der die Nation of Islam durch die kommende von Problemen und Turbulenzen durchdrungene Zeit führen sollte.33 Der selbsternannte Prophet starb am 25. Februar 1975 an den Folgen eines Herzfehlers.

Sein Nachfolger wurde sein Sohn Wallace D. Muhammad. Dieser änderte die Richtung der NOI drastisch. Im Oktober 1961 wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt.34 Im Gefängnis las er sunnitisch islamische Bücher und ihm fiel eine immer größer werdende Dissonanz mit den Lehren der NOI auf. Dies war für ihn der Anfang, die Doktrin der NOI neu zu interpretieren und die Anhänger der NOI auf einen sunnitischen Kurs zu bringen. In kürzester Zeit islamisierte er die Nation auf religiöser, organisatorischer und politischer Ebene.35 Um dieses Ziel zu erreichen, erklärte er, dass jeder seiner Schritte in Richtung Veränderung eine Erfüllung des Willens seines Vaters sei und dass die spezielle Botschaft zur Zeit seines Vaters nur deshalb von Notwendigkeit war, weil der schwarze Mann sich am Boden der amerikanischen Gesellschaft befunden hatte. Doch nun sei es Zeit, die Schriften der NOI neu zu lesen, indem man den Bezug zum heiligen Koran selbst wagte und die Mitglieder versuchten, sich aus dem Paradigma bzw. aus dem Stigma zu befreien, eine kleine Nation zu sein. Wallace Muhammad griff das Gotteskonzept der Nation selbst an und hinterfragte diese Vorstellung. Die Idee, dass Gott kein abstraktes Wesen ist, sondern the black man himself, war für ihn nicht einleuchtend. Der Teufel war der weiße Mann und kein Engel oder Feuerwesen und Armageddon sah so aus, dass der weiße Mann in einer physischen Schlacht vernichtet werden muss, sodass das Reich Gottes (Paradies) sich auf Erden manifestiert.

Für Wallace Muhammad waren diese Vorstellungen irrational und er betonte, dass der schwarze Mann sich aus diesen Vorstellungen heraus auf mentaler und spiritueller Ebene emanzipieren muss, dies vor allem gewaltfrei mit der Kraft des Wortes.36 Schwarz und Weiß waren für ihn nur Begriffe, die eine geistige Attitüde überlieferten, aber kein biologisches Grundkriterium zur Exklusion von Menschen. Die Mentalität des Weißen geht somit nicht auf die eigentliche Hautfarbe zurück, sondern vielmehr auf die falsche Vorstellung seiner Überlegenheit. Wenn er also vom „weißen Teufel“ spreche, so meine er nicht den Weißen an sich, sondern vielmehr den Geist der diese negativen Zustände geschaffen hat.37 Schwarz und Weiß sind somit nur Symbole für ein bestimmtes Verhalten. Geht man mit Mentalitäten um, dann ist es effektiver, sich der Mittel zu bedienen, die einen Sieg bzw. eine Gleichstellung der rassischen Parteien fordern. Dieses Mittel konnte für Muhammad nur die korrekte Anwendung religiösen Wissens sein und eine Entdämonisierung des Weißen. Dies war aber zugleich nur möglich, wenn man den schwarzen Mann entgöttert. Die Vorstellung, dass der schwarze Mann Gott sei, war insofern inkorrekt, als damit gemeint ist, dass der schwarze Mann sein eigener Schöpfer der Umstände, in denen er lebt, sein kann. Mattias Gardell führt hier einen interessanten Vergleich an, auf den ich noch eingehender im Abschnitt über die Schaffung einer Nation in der Nation eingehen werde. Er vergleicht die islamische Botschaft Muhammads ibn Abdullahs (gestorben 632 n. Chr.) mit der seines Vaters Elijah Muhammads, indem er den Rückschluss zieht, dass Gott die abschließende Botschaft über Mohammed im Koran manifestiert hat. Dieser letzte Prophet hat nach seinem Tod eine Richtlinie hinterlassen, nach welcher das Individuum ergo die Gesellschaft in der Lage ist, eine höhere mentale Stufe zu erreichen. Für Wallace D. Muhammad war der schwarze Mann in Amerika ebenso in der Lage, eine höhere Stufe zu erreichen und sein eigenes Schicksal zu bestimmen, indem er sich an die Lehren seines Vaters hält, jedoch von dem symbolischen Dogma, das gelehrt wird löst.

Auch auf organisatorischer Ebene folgten gravierende Änderungen, die einen deutlichen Unterschied zu den alten Strukturen der NOI aufwiesen. Das monatliche Journal Muslim Speaks, welches von der NOI heraus gegeben wurde, beinhaltete deutlich stärker sunnitische islamische Inhalte und führte in die konventionellen Praktiken des sunnitischen Islam ein. Das Gebet, das Fasten, die Almosengabe und andere Grundpraktiken wurden den Mitgliedern der NOI vermittelt und es wurde ein immer stärkerer Kurs in Richtung Orthodoxie angesteuert. Bis 1975 unterschied sich die NOI im Großen und Ganzen nicht von anderen sunnitischen Vereinen weltweit. Den gravierendsten Kurswechsel machte Wallace im Juni 1975, indem er es möglich machte, dass Weiße die Möglichkeit hatten, die NOI politisch zu unterstützen. Dies aber nur unter der Prämisse, dass sie ihre Hautfarbe vor allem auf geistiger Ebene abgelegt hatten. Es ging Wallace Muhammad nicht um die white-skinned people, sondern vielmehr um die white-minded people. Denn wie oben beschrieben, war für Wallace eine Entdämonisierung des Weißen nur möglich, wenn man die Mechanismen bekämpft, die der Grund für ein rassistisches Denken sind. Dies wurde natürlich nicht einfach so hingenommen, denn dieser Schritt wurde von einigen höheren Mitgliedern der NOI als Verrat an den Grundwerten der Organisation gesehen.

Um einen Aufruhr innerhalb der Nation zu verhindern, wurde der militärische Kader der NOI, die Fruit of Islam, aufgelöst. Die Fruit of Islam war für die disziplinäre Ausbildung der Mitglieder verantwortlich. Auch dienten sie dem Schutz hoher Mitglieder der Nation of Islam. Das Problem war nur, dass sich der militärische Kader zu einer Nation in der Nation entwickelt hatte und seine Macht nicht mehr ausreichend einsetzte, um die NOI in die Richtung zu steuern, die eine Entwicklung im Sinne von Wallace Muhammad möglich gemacht hätte. Die Fruit of Islam hatte sich zu einer destruktiven Abzweigung der NOI entwickelt.38 Wallace beschrieb die Mitglieder der Fruit of Islam als Hooligans ohne Moralvorstellung, die nur vorgeben, Revoluzzer zu sein. Ihre Revolution richtet sich an die eigenen Leute und Führungsmitglieder, die der Nation of Islam eine Zukunft zeigen.39

Der Islamisierungsprozess Wallace Muhammads umfasste so gut wie alle Abteilungen der Organisation und wurde vor allem von denen, die es betraf, mit Skepsis betrachtet. 1976 änderte Wallace den Namen der Organisation in World Community of al- Islam. Die Zeitschrift Muhammad Speaks wurde zu Bilalian News, in Anlehnung an Bilal Ibn Rabäh, den ersten schwarzen Gefährten des Propheten Mohammed. Bis in die achtziger Jahre änderte sich der Name der Zeitschrift mehrmals, bis sie schließlich ihren Namen Muslim Journal erhielt. Die Temples wurden zu Masjids umbenannt, die Minister wurden Imame und die Mitglieder sollten sich islamische Namen zulegen. Alle Abbildungen, die einen rassistischen Hintergrund hatten wurden entfernt, um klarzustellen, dass die neue NOI (WCIW) keine radikale Vereinigung ist, die den Rassismus fördert, sondern eine Religion lehrt, die für alle Menschen zugänglich ist und sich in die internationale, islamische Gemeinschaft einfügt. Imam Warithuddin Muhammad, wie sich Wallace Muhammad im Zuge seiner Reformen nannte, schaffte schrittweise die radikalen Ideen seines Vaters ab und versuchte, sich und seine Mitglieder dahingehend zu steuern, dass sie sich als Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft sehen und nicht als gesonderte Nation in der Nation. 1977 schaffte Imam Muhammad diesen Grundsatz der alten NOI seines Vaters ab und setzte damit ein unverkennbares Zeichen in seiner Politik. Imam Muhammad starb im Jahre 2008 und hinterließ eine Organisation, die in einem Großteil der islamischen Welt akzeptiert wird. Heute trägt die Organisation den Titel Muslim American Society und ist die größte islamische Organisation in Nordamerika.40

Im Zuge der Reformen bildeten sich natürlich Splittergruppen und Mitglieder sind ausgetreten, weil sie es als Verrat an den Werten und dem Erbe Elijah Muhammads ansahen, welche Richtung sein Sohn mit der NOI ansteuerte. Für Louis Farrakhan waren diese Reformen nicht akzeptabel und deshalb ließ er die alten Werte der NOI wieder auferstehen, indem er die Organisation nach altem Muster wiederbelebte.

Farrakhan wurde 1933 als Louis Eugene Walcott geboren. Nach Eintritt in die NOI stieg er schnell zum Minister auf und widmete sein Leben der Ideologie der Nation im Sinne Elijah Muhammads. In seiner politischen Handlungsfähigkeit während der Islamisierungsprozesse Wallace Muhammads behindert und unzufrieden mit diesen nahm er einige Einladungen zu Besuchen in Afrika und der Karibik an und machte sich ein Bild von der schwarzen Bevölkerung und den Lebensumständen in den jeweiligen Ländern. Ihm fiel auf, dass egal, wo er sich aufhielt, die schwarze Bevölkerung, selbst in islamischen Ländern, am Grunde der Gesellschaft vegetierte und konfrontiert war mit Rassismus, Armut und Vorurteilen.41 Diese Realität war für ihn ein Grund, die Islamisierungsprozesse nicht zu akzeptieren, da er der Meinung war, dass ausschließlich der Islam keinen Ausweg für den schwarzen Mann darstellt. Er würde weiterhin mit Rassismus und Vorurteilen zu kämpfen haben. Die einzige Lösung für Farrakhan ist eine schwarze Nation im Sinne Elijah Muhammads. Im September 1977 fand er sich mit einigen anderen Anhängern zusammen und ließ die Nation ganz im Sinne Elijah Muhammads wiederbeleben.42 Bis in die Gegenwart ist Farrakhan der alten Linie der NOI treu geblieben.

2.1. Gesellschaftlicher Hintergrund

Im Folgenden wird auf den gesellschaftlichen Hintergrund zur Zeit der Entstehung der NOI eingegangen. Die sozialen und politischen Umstände zu verstehen, ist von fundamentaler Bedeutung, um die Doktrin der Nation of Islam zu erfassen. Sklaverei in der Historie und die Dominanz der weißen Herrschaft führten zur Genese einer radikalen, schwarzen Ideologie, deren Wurzeln sich nur kontextualisiert erfassen lassen.

Die Afrikaner, die ab dem 17. Jahrhundert in Amerika als Sklaven gehalten wurden, verloren den Bezug zu ihren Wurzeln. Dies geschah aufgrund der kompletten Enteignung ihrer komplexen afrikanischen Kultur durch die weißen Sklavenhalter. Diejenigen, die in Amerika ankamen, repräsentierten eine vielfältige Kultur und entstammten oft einer fortschrittlichen Zivilisation, doch wurde systematisch versucht, Afrikaner ihrer Herkunft zu berauben.43 August Meier und Elliot M. Rudwick beschreiben sehr deutlich in ihrem Buch From Plantation to Ghetto die kulturelle Vielfalt die die Afrikaner mitbrachten. Sie sagen, dass zwar einerseits egalitäre Werte der amerikanischen Demokratie von der schwarzen Bevölkerung adaptiert wurden, jedoch Ideologien und Institutionen im Kontrast standen, da die Schwarzen dem Umstand ausgesetzt waren, dass die Demokratie und die wirtschaftlichen Möglichkeiten im Vergleich zur weißen Herrschaftsschicht eine Exklusion aus der amerikanischen Mainstreamgesellschaft erzeugten. Zwar mit dem Wunsch, vollwertige Mitglieder der Gesellschaft zu werden, jedoch aus der breiten Gesellschaft ausgeschlossen, wurden die Schwarzen zu einer getrennten ethnischen Gruppe innerhalb der Gesellschaft.44 Alphonso Pinkney zitiert in seinem Buch Black Americans den Soziologen Franklin Frazier, der beschreibt, wie einfach und dennoch effektiv der Kulturbezug der Afrikaner zunichtegemacht wurde. Das Familiensystem wurde zerstört, indem der Sklave von seinen Angehörigen und Freunden getrennt wurde. Es war unmöglich für ihn, eine Beziehung zu ihnen aufrechtzuerhalten, da die Mitglieder oft auf verschiedene Plantagen und Farmen der Sklavenhalter verfrachtet wurden. Ein weiteres Problem war, dass zu Beginn der Sklaverei oft vorrangig junge Männer aus Afrika verschleppt wurden. Unmündig, da unfähig die Sprache zu verstehen und der Willkür des Sklavenbesitzers ausgesetzt, wurde mit der Zeit das kulturelle Erbe bzw. der kulturelle Hintergrund des Sklaven unbedeutend.45 Sklaven wurde verboten, ihre Religion zu praktizieren und meist waren sie gezwungen, die Religion des Sklavenhalters anzunehmen.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Sklaverei zu einem ernsthaften Problem für die Vereinigten Staaten geworden, da es immer mehr Menschen sie verurteilten. Vor allem im Norden Amerikas etablierte sich ein anti-slavery movement. Dieses entstand, weil der Afroamerikaner im Norden Amerikas kein sozialer und wirtschaftlicher Faktor von besonderer Relevanz war. Außerdem war die Sklaverei im Norden nicht in demselben Ausmaß etabliert wie im Süden. Auch existierte eine Stimmung bzw. ein Bewusstsein, dass die Werte des Nordens, die politisch verankert waren, für Freiheit und Toleranz stehen sollten und nicht für das Gegenteil.46 Es entstand bei Teilen der Bevölkerung eine Aversion gegen die Sklaverei und auch auf politischer Ebene wurde das Thema diskutiert und versucht, einen besseren Umgang mit den Sklaven zu finden. Trotzdem wurde die Sklaverei noch nicht abgeschafft und auch wenn es Abolutionsbewegungen gab, so waren trotz anderer Werte im Norden und einer anderen Haltung zur Sklaverei, die Gegner dieser Bewegungen in der Mehrheit, aus Angst, dass eine Befreiung von mehreren Millionen Sklaven eine Bedrohung für die weiße Gesellschaft darstellen könnte.

Zu Beginn des Bürgerkriegs 1861 meldeten sich viele Schwarze zum Militärdienst, wurden jedoch oft abgelehnt. Es herrschte zu Anfang eine Angst, dass, wenn sich Schwarze verpflichten, bei diesen die Erwartung bestünde, dass sie danach freikommen würden und zum anderen entstand die Befürchtung, dass sich Schwarze bewaffnen. Auch die Vorstellung, dass ein schwarzer Soldat denselben Status hat wie ein weißer Soldat ließ einen Militärdienst zu Beginn des Bürgerkriegs für Schwarze nicht zu. Pinkney betont, dass ohne schwarze Soldaten der Norden den Krieg wahrscheinlich nicht gewonnen hätte. Insgesamt waren 300 000 schwarze Soldaten in den Krieg involviert und mussten etwa 68000 Verluste auf sich nehmen. Trotz allem war der Sold von schwarzen und weißen Soldaten drastisch unterschiedlich und diskriminierend. So verdiente ein weißer Soldat 13 Dollar im Monat als Sold und 3,50 Dollar wurde ihm für Kleidung zugeschrieben. Ein schwarzer Soldat selben Ranges verdiente sieben Dollar und drei Dollar für Kleidung.47 Andere Fakten stellt Charles Eric Lincoln dar. Er schreibt in seinem Buch, dass der Sold 1863 durch den Kongress gleichgestellt wurde und dass lediglich 200 000 Schwarze der Union am Krieg beteiligt waren. 38 000 verloren ihr Leben und 22 Afroamerikanern wurde die Medal of Honor verliehen.48

Am 1. Januar 1863 verkündete Präsident Lincoln die formelle Befreiung aller Sklaven. Zu dieser Zeit existierten vier Millionen Sklaven in den Südstaaten und viele wussten aus ihrer jahrelangen untergeordneten Position heraus nicht, wie damit umgegangen werden sollte. Einige verließen die Plantagen und Farmen, doch ein Großteil der Sklaven war überfordert mit der neuen Freiheit. Auch die Sklavenhalter und die weiße Bevölkerung waren mit der Proklamation Lincolns nicht einverstanden und es bildeten sich regelrechte Patrouillen, die bewaffnet durch das Land fuhren und freie Schwarze ermordeten. Auch die Sklavenhalter hielten viele Sklaven mit brutaler Gewalt zurück, die Plantagen zu verlassen. Die Lage für die Schwarzen wurde immer dramatischer, als Lincoln 1865 ermordet wurde. Sein Nachfolger Andrew Johnson tat nichts gegen die rassische Diskriminierung, mit welcher die schwarze Bevölkerung vor allem im Süden konfrontiert war. Lincoln wollte, nachdem der Norden den Bürgerkrieg gewonnen hatte, wenigstens Federal Agencies schaffen die sich um die Belange der schwarzen Bevölkerung kümmerten, während ein Rekonstruktionsplan der Nation erarbeitet wurde. Dieser Plan sollte eine politische Integration des Südens an den Norden ermöglichen, wobei auch hier Lincoln nur aus der weißen Position heraus agieren wollte. Andrew Johnson fuhr zwar mit den Visionen seines Vorgängers fort, den Süden politisch und wirtschaftlich an den Norden zu binden, doch überhörte er dabei komplett die politische Stimme der schwarzen Bevölkerung. 1868 wurden Afroamerikaner gemäß dem 14. Artikel der Verfassung zu Mitgliedern der Vereinigten Staaten gezählt, jedoch etablierten sich im selben Zuge, als Protest dieses Gesetzes, die Black Codes in den Südstaaten. Diese schafften ein Kontrollsystem auf der Grundlage sozialer, wirtschaftlicher und politischer Diskriminierung gegenüber der schwarzen, formell freien Bevölkerung. Der Civil Rights Act, der durch den Kongress 1866 beschlossen wurde, löste diese Codes jedoch schnell auf. Dennoch darf die ideologische Komponente, die dadurch weiter in den Köpfen der weißen Bevölkerung manifestiert wurde, nicht außer Acht gelassen werden. Der Kongress beharrte auf der Position, dass gemäß der Verfassung der Süden die Verantwortung trage, auch Schwarze politisch partizipieren zu lassen. Zwischen 1896 und 1880 hielten 22 Afroamerikaner Positionen im Repräsentantenhaus inne.49

Um den Zustand der Schwarzen Amerikas vor der Gründung der NOI noch prägnanter zu beschreiben ist das Zitat Pinkneys passend, der die Institutionalisierung der White Supremacy kurz und direkt wiedergibt:

From 1877 to 1954 virtually all the events pertaining to black people in the United States adversly affected their status. While this period of more than seven decades saw profound changes in the society as a whole, the Afro-American's status remained relatively fixed. Americans persisted in their prejudiced attitudes toward blacks, and these attitudes were translated into acts of segregation and discrimination were not required by law, they became deeply ingrained in the mores [...] They had been relegated to a caste position in society, and no black, no matter what his or her level of achievement, could expect to be accorded treatment equal to that of a white person. 50

Ein Rassismus, der zwar nicht gesetzlich verankert ist, jedoch in den Fundamenten der weißen Mehrheitsgesellschaft verwurzelt ist, ließ für den Afroamerikaner keine Gleichstellung in allen Aspekten des Lebens in der amerikanischen Zivilgesellschaft zu. Die Rasse wurde zum ausschlaggebenden Faktor. Dies wurde unterstützt durch einige sehr fragwürdige juristische Entscheidungen die zum Ende des 19. Jahrhunderts fielen. 1883 erklärte der Supreme Court den Civil Rights Act von 1875 als nicht verfassungsgemäß. Dieses Gesetz gewährte zumindest formell eine Gleichstellung jeder Ethnie in der amerikanischen Gesellschaft und diejenigen die wider das Gesetz handelten, machten sich strafbar. Wer beispielsweise als Lokalbesitzer Schwarzen den Zugang verwehrte, verletzte das Gesetz. Die Aufhebung dieses Gesetzes war ein gravierender Einschnitt in der Gleichstellung der Schwarzen. Weitere Entscheidungen der juristischen Kammer in den USA manifestierten nur die Segregation der Schwarzen von den Weißen in der Öffentlichkeit, ohne dass dies als verfassungswidrig angesehen wurde. 1896 hat der Supreme Court entschieden, dass eine Separation von Weißen und Schwarzen in öffentlichen Einrichtungen nicht verfassungswidrig sei.51 Diese Implementierungen weißer Dominanz wurden in den Vereinigten Staaten als seperate but equal bekannt und festigten das Fundament für die rassische Diskriminierung, unter der die schwarze Bevölkerung zur Zeit vor und nach der Gründung der NOI zu leiden hatte.

Die Dominanz weißer Herrschaft in den Vereinigten Staaten etablierte sich rasend weiter. Die Jim Crow Gesetze, die zwar schon seit dem Fall der Konföderierten existierten, aber sich um die Jahrhundertwende herum wie ein Geschwür im Süden verbreiteten, erzeugten eine immer stärkere subordinäre Position der Schwarzen. Die Separation von Schwarz und Weiß in öffentlichen Räumen wie Schulen, Parks, Theatern, Telefonzellen, Wohnsiedlungen und sogar auf Friedhöfen ließ für Schwarze sehr wenig bis keine Möglichkeiten zu, sich gesellschaftlich halbwegs gleichgestellt zu positionieren. Auch rassistische Organisationen wie der Ku-Klux-Klan und andere geheime Organisationen wie die Knights of the White Camellia machten ein Leben im Süden für Schwarze zum Albtraum. Lynchmorde im Namen weißer Dominanz an schwarzen Kriminellen, wobei es hier lediglich ausreichte, schwarz zu sein, um als kriminell eingestuft zu werden und auch Morde an Verrätern der weißen Rasse, die mit der schwarzen Bevölkerung sympathisierten, waren Ziel der Verfolgung dieser Organisationen.52 Es existierten regelrechte Lynchfeste als Genre eines Zeitvertreibes, der sogar in den örtlichen Zeitungen veröffentlicht wurde.53 Gewalt und Mord überschwemmten den Süden und für einen Großteil der schwarzen Bevölkerung gab es nur noch den Ausweg auszuwandern.

Die Great Migration war unter anderem das Resultat dieser rassischen Verfolgung, der die schwarze Bevölkerung im Süden ausgesetzt war. Aber nicht nur rassische Diskriminierung, Verfolgung und Mord, sondern auch die Suche nach wirtschaftlicher Verbesserung der Lebenssituation trieben zwischen 1910 und 1970 etwa 6,5 Millionen Schwarze aus dem Süden in die industriellen Städte des Nordens.54 Das Problem, mit dem die schwarzen Migranten nun konfrontiert waren, war facettenreicher. Im Süden aufgrund ihrer Hautfarbe unterdrückt und dementsprechend in eine untergeordnete gesellschaftliche Position gezwungen, kämpfte man nun mit mangelnder Bildung und der Konkurrenz weißer Immigranten aus Europa. Ein weiterer Umstand der die Migration forderte, war, dass 1915 und 1916 die Baumwollplantagen von Parasiten befallen wurden. Diese bewirkten, dass große Teile der Ernte nicht eingetragen werden konnten, da sie nicht brauchbar waren.55 Auch die Technisierung dieses Prozesses machte menschliche Arbeitskraft in diesem Bereich nichtig.

In Verbindung mit dem Ersten Weltkrieg entstand eine regelrechte Einwanderungsflut schwarzer Migranten in den Norden der USA. Allein zwischen 1910 und 1920 immigrierten über eine halbe Million und nach der Etablierung der Mechanisierung auf Baumwollplantagen in den 1940er Jahren noch etwa fünf Millionen Schwarze aus den Südstaaten.56 Dadurch, dass aufgrund des Krieges die Verbindung zu Europa bezüglich der europäischen Einwanderung getrennt war, ließen viele weiße Industrielle aus dem Norden schwarze Arbeiter aus dem Süden direkt einfahren. Schwarze wurden rekrutiert und ihnen wurden Versprechungen auf ein neues Leben in Freiheit und einem gewissen Grad an Wohlstand gemacht. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde der Schwarze vom Weißen „gebraucht“, zumindest wurde das suggeriert.57

Diese Migrationswellen blieben natürlich nicht folgenlos, was den rassistischen Kontext der USA kurz vor Gründung der NOI angeht. Die Rassengewalt in den nördlichen Staaten zwischen 1910 und 1920 nahm stark zu und die enorme Nachfrage nach schwarzer Arbeitskraft in den Fabriken schaffte eine Konkurrenz zwischen weißen und schwarzen Arbeitern. Mehr denn je fühlten sich weiße Arbeiter herausgefordert und gleichzeitig bedroht von der immer größer werdenden schwarzen Bevölkerung. Ein wiederbelebter Ku- Klux-Klan etablierte sich im Norden und trat für eine pan-weiße Solidarität ein und eine vertiefte Vorstellung rassischer Trennung. Ziel waren vor allem Juden, Katholiken und die schwarze Bevölkerung.58 Folglich entstand eine schwarz-weiße Segregation ähnlich den Mustern in den Südstaaten. Gardell betont, dass die schwarzen Ghettos erzeugt wurden durch die Konstruktion institutionalisierter Praktiken, die durch die legale und illegale Gesetzgebung der White Supremacy zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein rassisches Vakuum schafften. Weiße und Schwarze waren somit jeweils unter sich und nicht gemischt, sodass sich bis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges schwarze Ghettos in den meisten Nordstaaten entwickelt haben.59

Keine andere Stadt in den USA ist kurz vor der Gründung der NOI von größerer Bedeutung als Detroit. Bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges existierte in Detroit eine facettenreiche muslimische Landschaft, auch wenn diese sich in einem Kontext aus Xenophobie, anti-schwarzem und anti-asiatischem Rassismus, der Schaffung orientalischer Stereotypen, Vorurteilen und einer wirtschaftlichen Depression befand.60 Der Moorish Science Temple, Ahmadiyya Gemeinden und andere Gruppierungen waren zur Zeit der Great Migration bereits etabliert und hatten eine lebhafte Anhängerschaft, die gewillt war, als Teil der amerikanischen Gesellschaft zu leben. Bereits vor 1930 existierten multiethnische Allianzen, die politische Ideologien eines Pan-Afrikanismus und Pan­Islamismus vertraten. Einige schlossen sich sogar im Kontext der sozialen, wirtschaftlichen und politischen Unruhen, denen Amerika ausgesetzt war, zusammen und gründeten als Beispiel die UIS (Universal Islamic Society) im Jahre 1925. Hier wurde auf die Bedürfnisse der islamischen Minderheiten eingegangen und ein subalternes Bewusstsein geschaffen.61 Die Problematik bestand jedoch darin, dass die amerikanische Rassifizierung für Schwarze keinen Status zuließ, der einen sozialen Aufstieg, wenn gar eine Gleichstellung mit Weißen oder aber auch anderen Minderheiten, die einen anderen Status, der höher gestellt war als die der schwarzen Minoritäten, gewährleistete. Deshalb konnten die Resultate bestimmter Diskurse, die innerhalb der Moscheen geführt wurden, nicht in die amerikanische Realität transportiert werden. Innerhalb der muslimischen Gesellschaften in Detroit existierte eine lebhafte Schaffung bestimmter religiöser Orte, die es ermöglichten, die Religion auszuüben. Die Wissenschaftlerin Sally Howell erklärt, dass die islamischen Netzwerke in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Detroit stärker ausgeprägt waren, als man in der Wissenschaft bisher angenommen hatte:

These networks were much stronger in Detroit than current research would suggest. Far from being an era of religious and political apathy among immigrants, the 1920s were a decade in which muslims from many backgrounds sought to develop viable religious institutions, and viable means of representing their faith to others, in a rapidly changing environment. The vitality of Muslim organizational life in the 1920s contradicted the image of Muslims promulgated by Detroit's nativists, who believed Islam should be prevented from taking root in the city62

Durch Schaffung von Feindbildern wurde ein anti-muslimischer Diskurs geschaffen, der sich auf die gesetzführende und gebende Gewalt ausbreitete und verhindern sollte, dass Muslime sich stärker in der Stadt institutionalisieren konnten. Durch Filme, Artikel und Bücher wurde ein amerikanischer Orientalismus erschaffen, der zu einem, wie Howell es nennt, Sozialdarwinismus geführt hat, der Muslime und den Islam als feindliche Gegenreligion zum Christentum platziert hatte und Muslime aus der weißen, christlichen Mainstreamgesellschaft ausschloss.63 Wichtig zu beachten sind auch die globalen Kontexte, in denen sich diese Gruppierungen bewegten. Das Osmanische Reich wurde aufgelöst und es existierte ein medial geschaffenes Bild vom „Muslim“. Ein orientalistischer Diskurs wurde erzeugt und alles, was in irgendeiner Weise damit in Verbindung gebracht werden konnte, als fremd und nicht amerikanisch klassifiziert. Dazu zählte auch die schwarze Bevölkerung.

Kurz vor Gründung der NOI im Jahre 1929 brach die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zusammen und die Great Depression führte zu einer noch größeren Arbeitslosigkeit unter der schwarzen Bevölkerung. Dies lag daran, weil mindere Jobs, die normalerweise von weißen Arbeitnehmern abgelehnt wurden, jetzt ohne zu zögern von diesen angenommen wurden, da die weiße Bevölkerung ebenso von der Weltwirtschaftskrise betroffen war wie die Schwarzen. Doch im Kontext der Diskriminierung und des Rassismus waren die schwarzen Minderheiten von vorneherein stärker von Arbeitslosigkeit betroffen, da Jobs, die übrig waren eher den Weißen zufielen.64

Es lässt sich also zusammenfassen, dass die schwarze Bevölkerung der USA auch nach der Migration in den Norden weiterhin starkem Rassismus und einer Diskriminierung unterlag, die erzeugt wurde durch die weiße Mainstreamgesellschaft. Politische und daraus resultierende gesellschaftliche Faktoren ließen den Schwarzen in den USA keine Gleichstellung zukommen und hielten sie permanent in einer untergeordneten Position, sei es auf sozialer, politischer oder wirtschaftlicher Ebene. Auch die spirituelle Suche des schwarzen Individuums unterlag dem Kontext seiner Sozialisierung und der jahrhundertelangen Suche nach Identität.

Doch wurde in den 20er Jahren langsam eine Gegenbewegung aktiv und die Post­Weltkrieg Dekade erlebte neben dem starken Wachstum der UNIA (man schätzt zur Höchstphase eine Mitgliederzahl von etwa sechs Millionen) von Marcus Garvey auch eine sogenannte Negro-Renaissance.65 Bücher, Magazine, Zeitungen, Schriften verschiedener Art und vor allem Musik wurde innerhalb der schwarzen Ghettos besonders publiziert und ein schwarzes Bewusstsein angefangen zu kreieren. Dennoch blieb die schwarze Bevölkerung in allen Aspekten der amerikanischen Gesellschaft in untergeordneter Position und konnte sich nicht aus dem Kreislauf von Rassismus und Diskriminierung befreien.

3. Subalternität als Instrument

Gesellschaftliche Diskurse und die mediale Schaffung von bestimmten Bildern bezüglich der Muslime und Immigranten gepaart mit den oben genannten Entwicklungen rassistischer Weißer, die ihre Ideologien durchsetzen wollten, machten den Schwarzen und anderen muslimischen Migranten schnell deutlich, dass derselbe Kontext, aus dem vor allem Schwarze aus dem Süden flohen, in den 20er Jahren wiederbelebt wurde bzw. parallel mitexistierte. Die Möglichkeiten, sich somit als vollwertig zu verstehen, blieb denjenigen verschlossen, die nicht dem amerikanischen Rassenschemata entsprachen. Schwarze waren somit automatisch in einer subalternen Position.

Die folgenden Abschnitte behandeln den Begriff Subalternität und kontextualisieren diesen in seiner Relevanz für die Arbeit. Wie kann es für eine Organisation wie die Nation of Islam möglich sein, die untergeordnete Rolle der schwarzen Bevölkerung der USA für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und, sofern man überhaupt in der Lage dazu ist, seine politischen und gesellschaftlichen Ziele zu artikulieren, ist man dann überhaupt subaltern? Um das zu klären, müssen erst der Begriff selbst und seine Entstehung analysiert werden. Die Arbeit legt hier den Fokus auf die Ausformulierung des Begriffs nach Antonio Gramsci, da er als Begründer dieser Theorie gilt und alle anderen Arbeiten bezüglich der Subalternität auf seiner Definition aufbauen, wenngleich sie anders kontextualisiert sind.

3.1. Definition des Begriffs

Antonio Gramsci gilt als Begründer der Definition des Subalternen. Er wurde 1891 in Italien geboren und verstarb 1937 in Rom. Gramsci war Marxist und ein politischer Aktivist gegen das faschistische Regime Mussolinis in Italien. 1926 wurde der Revoluzzer Gramsci aufgrund seines Aktivismus verhaftet und 1928 wurden er und 21 weitere Mitglieder der kommunistischen Partei Italiens zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Gramsci galt als direkte Bedrohung für das damalige faschistische Regime. Im Gefängnis begann er, an den Gefängnisheften zu arbeiten. In 29 Heften, fragmentiert, ungeordnet und auf etwa 3000 handschriftlich geschriebenen Seiten entwickelt Gramsci ein Konzept, welches es möglich macht, marginalisierte Gruppen innerhalb einer Gesellschaft aufgrund ihrer subalternen Position erkennbar zu machen. In einem hegemonialen Kontext analysiert er sozio-politische Beziehungen in bestimmten Perioden der italienischen Geschichte.66 Es ist fast unmöglich, exakte Definitionen und Aussagen bezüglich der Gefängnishefte zu treffen und es gibt keine komplette systematische, wissenschaftliche Analyse von Gramscis Konzept bezüglich subalterner Gruppen. Lediglich Ausschnitte wurden genutzt.67 Nach Marcus E. Green gibt es drei Gründe, warum eine systematische Analyse in der heutigen Wissenschaft bezüglich des Konzeptes subalterner Gruppen nach Gramsci noch nicht existiert. Die erste Edition der Gefängnishefte, die 1949, elf Jahre nach seinem Tod publiziert wurde, enthielt bei weitem nicht alle verfassten Abschnitte Gramscis und es wurde vor allem kein besonderes Augenmerk auf das Notebook 25 gelegt, indem Gramsci näher auf das Konzept subalterner Gruppen eingeht. Der zweite Punkt ist, dass ein Großteil der englischsprachigen Wissenschaftler sich auf die 1971 erschienenen Teilübersetzungen von Quintin Hoare und Geoffrey Nowell stützen, welche zwar der Systematik des italienischen Originals folgen, jedoch auch hier unvollständig sind, da sie nur an Teilen der Gefängnishefte arbeiteten. Der dritte Punkt ist der, dass die Subaltern Studies zwar auf Gramscis Arbeiten aufbauen, jedoch Gramscis Konzept des Subalternen mit anderen Theoriemodellen vermischt wurde. Es wurde versucht, weniger die essentiellen Aspekte von Gramscis Gedanken in Bezug auf subalterne Gruppen zu erfassen, sondern es wurde vielmehr mit anderen Perspektiven kombiniert.68

Das Konzept des Subalternen erscheint bei Gramsci zum ersten Mal 1930 in seinem Notebook 3, welches er 1934 ausarbeitete. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Gramsci das Wort „subaltern“ lediglich als Euphemismus für „Proletariat“ oder „Arbeiterklasse“ nutzte. Gramsci war kein Philosoph im herkömmlichen Sinne. Die Thesen, die er in seinen Gefängnisheften thematisiert hat, zeigen eine politisch­pädagogische Denkstruktur und greifen verschiedene Themen entlang dieser auf. Für Gramsci entwickelt sich politische Hegemonie vor allem auch durch die pädagogische Wechselwirkung von Lehrenden und Lernenden. Das bedeutet, dass gegenhegemoniale Veränderungen in einer Gesellschaft notwendigerweise an einen pädagogischen Prozess kollektiver Selbstbildung gebunden sind, in welchem es für subalterne Klassen möglich ist, ihre Geschichte selbst zu bestimmen.69 Für Gramsci ringen auf Hegemonie basierende Herrschaftsformen stets um eine ausgewogene Wechselwirkung des Zwangs und Konsenses: Die >normale< Ausübung der Hegemonie auf dem klassisch gewordenen Feld des parlamentarischen Regimes zeichnet sich durch eine Kombination von Zwang und Konsens aus, die sich die Waage halten, ohne dass der Zwang den Konsens zu sehr überwiegt, sondern im Gegenteil vom Konsens der Mehrheit, [...] getragen erscheint.70

Gramsci meint damit, dass hegemoniale Regierungen nicht wie angenommen ihre Herrschaft durch Gewalt legitimieren, sondern vielmehr ein im Kontext des Kapitalismus bestehender öffentlicher Raum geschaffen wird, wo politische und kulturelle Sinnstiftung betrieben werden. Es wird ein gesellschaftlicher Konsens aufgebaut, der jedoch von der hegemonialen Gruppe kreiert wird und somit ihre Werte und Normen als führend durchsetzt. Führung vergesellschaftlicht sich somit und setzt ihre moralischen, politischen und kulturellen Werte durch. Jede hegemoniale Führung, die ihr Handeln legitimieren will, muss somit diejenigen, die sie regiert, in Richtung der Annahme ihrer Werte und Politstrukturen erziehen. Nach Gramsci ist damit nicht ein Schüler-Lehrer-Verhältnis zu verstehen, sondern vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Strukturverhältnis, was sich in Macht und Herrschaftsbeziehungen ausdrückt.71 Hito Steyerl geht in der Einleitung seines Buches Spricht die Subalterne deutsch? auf die berühmte Arbeit Spivaks Can the subaltern speak? ein und verdeutlicht, was Gramsci mit der pädagogischen Komponente meint und wie dadurch subalterne Gruppen geschaffen werden. Es wird durch die Gewalt von Diskursen das koloniale Subjekt als etwas „Anderes“ konstituiert, was zu einer hierarchischen Wissensproduktion führt, die bestimmte Formen von Wissen, die wider den hegemonialen Interessen stehen, illegitimiert und dadurch eine Wissensdominanz schafft.72 Dieser Mechanismus wird nach Spivak als The subaltern cannot speak bezeichnet, da, selbst wenn subalterne Gruppen versuchen aus diesen hegemonialen Strukturen auszubrechen, sie nicht in der Lage sind sich zu artikulieren. Mit Artikulation ist nicht ausschließlich die sprachliche, sondern vielmehr eine politische und kulturelle Komponente gemeint.

Dieser manipulative Mechanismus der Schaffung gezielter Hegemonien wird besonders deutlich, wenn man sich post-koloniale Gesellschaften anschaut und analysiert, wie gezielt Wissen durch die Kolonialisten vermittelt und umgeschrieben wurde. Rodriguez erklärt den pädagogischen Aspekt, den Gramsci in seinen Gefängnisheften als Leitmotiv in Bezug auf postkoloniale Gesellschaften nutzt und sagt, dass die Kolonialmächte als Profiteure der Ausbeutung durch Gewalt Beachtung finden, jedoch nicht als Wissensproduzenten die späteren Realitäten durch Wissenstradierung kreiert haben. Kolonialisten haben durch ihre nachhaltige Macht in der Ausbildung und Prägung nicht nur von Institutionen der Zivilgesellschaft, aber auch von Weltanschauungen, Selbstverständnissen und Selbstverhältnissen einen fundamentalen Beitrag geleistet, der ihre hegemoniale Macht gefestigt hat. Neben territorialer Annektierung, welche einhergeht mit einem Genozid an der indigenen Bevölkerung, wurde automatisch die Kolonie selbst neu definiert. Dies geschah durch Schrift-, Wissens- und Kulturtradierung der Kolonialisten. Die gewaltsame Aneignung wurde somit institutionalisiert und Hegemonie durch den pädagogischen Aspekt der Kolonialisierung erzeugt, sodass dadurch Subalterne hervorgebracht werden.73 „Kolonie“ als Begriff selbst ist somit nur das Produkt einer, wie Rodriguez es nennt, historisch-politischen Konstellation und erwachsen aus einer westlichen Wissenschaft.74

Erst durch Kolonien und ihre subalternen Klassen, die demnach nur die Resultate der Hegemonialpolitik sind, kann sich eine Kolonialmacht als solche definieren. Dies geschieht nach Spivak durch die Repräsentation. Die Gesellschaftstheoretikerin Spivak lehnt sich an Gramsci an und beschreibt das Wort subaltern als die Unterwerfung einer sozialen Gruppe durch die hegemonialen Gruppen.75 Gramsci benutzt das Wort subaltern in mindestens zwei Bedeutungen. Einmal, um das industrielle Proletariat im Kontext der Bourgeoisie und die stille Annahme der hegemonialen Machtverteilung innerhalb der Zivilgesellschaft zu definieren und zum anderen, um die Beziehung zwischen Domination und Subordination zu beschreiben. Hier betrachtet er besonders die Unmöglichkeit subordinärer Gruppen, sich aus der Machtdominanz und den institutionalisierten Ideologien der Herrscherklassen zu befreien, auch wenn es gewollt ist.76 Spivak führt diese

Idee weiter, kontextualisiert diese in Bezug auf Genderunterschiede und geht davon aus, dass durch Repräsentationstechniken der hegemonialen Klasse die Stimme der subalternen Frau verstummt, selbst wenn sie sich zu Wort meldet: So the subaltern cannot speak means that even when the subaltern makes an effort to the death to speak, she ist not able to be heard and speaking and hearing complete the speech act.77

3.2. Kontextualisierung des Begriffs

Um die Ideologie der NOI zu begreifen und ihren Erfolg, sich als eine politische und religiöse Organisation zu etablieren, muss der Begriff der Subalternität in den Kontext Amerikas zur Gründungszeit der Nation of Islam übertragen werden. Hier ist es relevant zu betrachten, welche Auswirkungen die White Supremacy auf die Ideologie der NOI hatte und wie sich die Nation im Kontext der Rassendiskurse artikuliert hat.

Wie oben beschrieben wird, geht Gramsci davon aus, dass die Ideologie der Hegemonie durch soziale und politische Räume der Sinnstiftung manifestiert wird. Die Form des Regierens findet somit pädagogisch vermittelt statt, indem die Institutionalisierung einer bestimmten Ideologie als Instrument zur pädagogischen Vermittlung fungiert.

Das pädagogische Verhältnis [...] existiert in der ganzen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit und für jedes Individuum in Bezug auf andere Individuen, zwischen Intellektuellen und nicht-intellektuellen Schichten, zwischen Regierenden und Regierten, zwischen Eliten und Anhängern, zwischen Führenden und Geführten [...]. Jedes Verhältnis von >Hegemonie< ist notwendigerweise ein pädagogisches Verhältnis [...].78

Der Rassismus, mit dem die schwarze Bevölkerung seit jeher bis in die Gegenwart konfrontiert ist, kann als eben dieses pädagogische Instrument der weißen Hegemoniebildung angesehen werden, da Rassismus im Kontext der White Supremacy institutionalisiert wurde. Die Rassenfrage war und ist von zentraler Bedeutung in der amerikanischen Gesellschaft, da hier die Rasse als Merkmal zur Kategorisierung dient.79 Die Institutionalisierung des Rassismus, die Afroamerikaner in eine subalterne Position drängt, wird getragen von der politischen Struktur Amerikas und dem gesetzlich manifestierten Umgang mit sogenannten Minderheiten. Der Prozess der Rassifizierung dient der Etablierung einer Hegemonie, einer Kategorisierung von Menschen, die innerhalb dieses Systems als Nicht-Weiß angesehen werden. Durch diese Stigmatisierung aufgrund von Hautfarben werden Randgruppen geschaffen, die automatisch in eine gesellschaftliche Subalterne forciert werden. Nach Hunter ist Rasse in den USA kein biologisches Merkmal, sondern ein soziales Konzept, was gesellschaftliche Exklusion und Segregation durch Diskriminierung erzeugt.80 Systeme rassischer Diskriminierung operieren auf zwei Arten, nach Hunter ist es auf erster Ebene die schlichte Einteilung in Black, Latino, Asian etc. Dadurch wird ein gesellschaftlicher Zustand geschaffen, der Menschen oberflächlich in Stereotypen einteilt und durch diejenigen, die diese Einteilung definieren, auf allen Ebenen des sozialen und gesellschaftlichen Lebens ausschließt.

Regardless of physical appearance, African Americans of all skin tones are subject to certain kinds of discrimination, denigration, and second-class citizenship, simply because they are African American. Racism in this form is systemic and has both ideological and material consequences.81

Die zweite Ebene des Systems ist die Definition des sogenannten Colorism. Bei dieser Kategorisierung wird die mehrheitliche gesellschaftliche Akzeptanz durch den Stärkegrad des Hautfarbtones definiert. Das bedeutet, dass ein Afroamerikaner der einen helleren Hautton hat als jemand mit einem dunkleren Hautton, gesellschaftlich akzeptierter ist als umgekehrt. Die Person mit dunklerer Haut ist deutlich stärker mit Rassismus und Diskriminierung konfrontiert.82 Das Fundament des Colorism liegt in den Wurzeln der europäischen Kolonialisten und der amerikanischen Sklavenhalter. Die Ideologien beider Akteure haben von Beginn an eine weiße Herrschaftsdominanz gefördert und gesetzlich verankert. Beispielhaft dafür sind die in Punkt 2.1. skizzierten Gesetze (Jim Crow), die im Verlauf der amerikanischen Historie erlassen wurden und den Umgang mit der schwarzen Bevölkerung Amerikas aufzeigen. Durch historische Ausgrenzung wurde ein gesellschaftlicher Zustand erzeugt, der eine Dichotomie in schwarz-weiß geschaffen hat. Diese Dichotomie trug maßgeblich zu einer subalternen Position der Afroamerikaner in den USA bei und hat sich im kollektiven Gedächtnis verankert. Dadurch wird Macht kreiert. Wie Katrin Simon in ihrer Dissertation beschreibt, erleichtert Whiteness das Leben in den USA [...] dahingehend, dass gesellschaftliche und soziale Privilegien für diejenigen entstehen, die in das Rassenschemata derjenigen passen, die diese Rassenkategorien erschaffen haben [...] Individuen und Gruppen streben somit danach, selbst als weiß zu gelten und sich selbst als weiß zu definieren.83 Dominanz und Ideologie werden institutionalisiert, dadurch Hegemonie erzeugt und letztendlich subalterne Gruppen. Vor allem Schwarze können sich aus diesem Rassensystem nicht lösen, da der Hautfarbton, um im Kontext der Whiteness in den USA privilegiert zu werden, bei der Mehrheit der afroamerikanischen Bevölkerung nicht ausreichend hell ist um als weiß klassifiziert zu werden. Somit wird die afroamerikanische Bevölkerung in den USA von allen anderen Ethnien im System der Rassifizierung dominiert.

Diese Farbhierarchie hat sich in Amerika zu Zeiten der Sklaverei besonders entwickelt. Sklavenhalter haben Sklaven aufgrund ihres Hauttones kategorisiert und dementsprechend die Sklaven mit einem helleren Hautton teilweise privilegiert, indem sie diese als Hausangestellte beschäftigten. Manche erlernten sogar das Schreiben und Lesen und es bildete sich eine kleine Elite heraus, welche später im Rahmen der schwarzen Gemeinschaften Lehrer, Priester, Geschäftsleute oder Künstler wurden.84 Bis in die Gegenwart sind diese Kategorisierungsmuster im amerikanischen Alltag von besonderer Relevanz. Umfragen haben ergeben, dass Mexikaner und Afroamerikaner mit hellerem Hautton mehr verdienen als ihr Gegenüber mit dunklerem Hautton. Die Unterschiede in der Bezahlung sind extrem drastisch. So verdient beispielsweise ein Latino, der im Rassifizierungssystem als weiß verstanden wird, fast doppelt so viel wie derjenige, der als schwarz klassifiziert wird. Doch was man bezüglich dieser Umfrage kritisch hinterfragen muss, ist, um welche Art von Arbeit es sich handelt und ob beide Personen dieselbe Arbeit verrichten. Darauf geht Hunter nicht spezifisch genug ein. Klarer wird die Diskriminierung, wenn man die Arbeitslosenquoten innerhalb der Migranten betrachtet. So sind Blacks und Latinos mit einem dunkleren Hautton deutlich stärker von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen als diejenigen mit hellerer Haut.85 Dies bestätigt, dass Rasse als Machtinstrument kein historisches Phänomen ist, sondern gezielt im Rahmen der White Supremacy instrumentalisiert wird, um Hegemonie und Subalternität zu erzeugen.

Virtually all of our findings parallel those that occurred before the civil rights movement. These facts suggest that the effects of skin tone are not only historical curiosities from a legacy of slavery and racism, but present-day mechanisms that influence who gets what in America.86

Für Gramsci war die zentrale Frage, inwiefern es für subalterne Klassen möglich ist, sich aus ihrer untergeordneten Position zu befreien und autonom eigene Macht zu erzeugen, welche es ermöglicht, ihren gesellschaftlichen Zustand selbst zu erschaffen.87 Seiner Meinung nach sind Menschen die Protagonisten der Geschichte und formen Gesellschaft, Geschichte und sich selbst im Kontext ihrer nicht selbstständig gewählten Umstände, in die sie hineingeboren werden.

In Gramsci's view, humans are the agents and protagonists of history. As they act, they transform society, history, and themselves. However, humans are not born into conditions of their choice.88

Die Prämisse für Gramsci ist demnach eine ernsthaft fundierte Auseinandersetzung der subalternen Klassen mit ihrer Historie im Kontext der geschafften Gegenwart. Also ein erster Schritt in Richtung Selbstidentifikation, welche im Verlauf zu einer Selbstbestimmung führen kann. Dies ist jedoch nur möglich, indem man einen hohen Grad an intellektueller Wirklichkeit schafft. Das bedeutet, dass abstrakte Gesetze und spekulative Konzepte nicht in der Lage sind, Wirklichkeit zu definieren. Gramsci fordert, sich empirisch mit Historie auseinanderzusetzen. Um fundiert sozial aktiv zu werden, ist dies der Impuls für weiteres Wirken. Der politische und soziale Zustand subalterner Gruppen wird nach Analyse der Historizität demnach durch die menschliche Praxis erzeugt. Subalternität existiert nicht in sich selbst, sondern in Relation zu historischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umständen.89 Subalterne Klassen werden somit durch politische, ökonomische und soziale Organisationen und Institutionen, die eine dominante Position haben, aufgrund ihrer in der jeweiligen Geschichte etablierten Machtposition, am Leben erhalten. Anders formuliert wird Subalternität in der Gegenwart

durch historische Prozesse und Wechselwirkungen der dominanten Klassen erzeugt. Die Subalterne nährt sich von den ungleichen Machtstellungen in historischen Prozessen.

Der Staat definiert sich nach Gramsci in politischer Gesellschaft und Zivilgesellschaft. Die politische Sphäre im Staat ist diejenige, die repräsentiert wird durch ihre gesetzausführenden und gebenden Organe wie Regierung, Polizei, Militär und den bürokratischen Apparat. Die Zivilgesellschaft ist ein Ensemble aus Organisationen wie der Kirche, den Medien, kulturellen Vereinen und politischen Parteien.90 Nach Gramsci unterliegen beide Gesellschaften einer ökonomischen Superstruktur. Durch diesen Umstand repräsentieren die Organisationen der Zivilgesellschaft die Interessen der herrschenden Klasse und nicht die der subalternen Klassen. Die Zivilgesellschaft konstituiert sich demnach als Bereich ausgeführter Hegemonien durch die institutionalisierte Implementierung der Ideologien herrschender Gruppen und Klassen.

Der Staat agiert als eine institutionalisierte Formation von Macht, in der es der Zivilgesellschaft möglich ist, sich selbst frei zu entfalten. Dies ist aber gekoppelt an Konformität und einen kollektiven Druck. Bezieht man diesen Aspekt auf die Afroamerikaner, so dient die institutionalisierte Dichotomie von weiß und schwarz lediglich einer Anpassung der schwarzen Bevölkerung an die von whiteness definierten Werte. Dies bedeutet also, um der sozialen subordinären Position zu entfliehen, muss der Afroamerikaner sich dem anpassen, was ihm von der dominanten Gruppe aufgezwungen wird, sodass er sich den gesellschaftlichen Privilegien annähern kann. Er wird diese jedoch nicht erreichen, da, wie Katrin Simon erwähnt, aus diesem Widerspruch die dominante Gruppe ihre Macht festigt.91 Simon sagt, dass die Integration der Afroamerikaner und die Zunahme eines schwarzen Nationalismus parallel verlaufen, jedoch das Resultat von Fremdzuschreibungen sind.92 Fremdzuschreibungen die durch diejenigen definiert werden, die für die institutionalisierte Exklusion und die daraus resultierende gesellschaftliche Segregation verantwortlich sind. Die Nation of Islam ist ein Paradebeispiel für eben diesen Kampf, sich aus der subalternen Stellung zu lösen, die resultiert aus der Historie und dem Umgang mit den Afroamerikanern durch hegemoniale Strukturen in der weißen Mehrheitsgesellschaft Amerikas.

Für Gramsci gibt es Möglichkeiten, sich aus der Hegemonie und der subalternen Stellung zu lösen. Durch Kontrolle der Macht innerhalb des Zivilstaates ist es für die herrschenden Klassen möglich, Hegemonie zu schaffen. Der Grund, dass subalterne Klassen sich nicht aus diesen Machtstrukturen befreien können, ist der, dass sie nicht in der Lage sind, sich zu vereinen und einen Staat im Staat zu schaffen. Das bedeutet koexistierende Organisationen, die für die politischen Rechte der subalternen Klassen eintreten. Er führt es soweit, dass selbst revolutionäre Parteien nötig sind, um dieses Ziel zu erreichen. [...] An example in this instance would be a revolutionary party that attempts to transform the state and its correlating social relations. The phases illustrate the point that the relationship of class to the structure is a political process in which dominant and subaltern groups develop political positions and vie for state power93

Innerhalb dieser Organisation oder Partei ist es fundamental, um seine Ziele zu erreichen, dass Homogenität, ein bestimmter Grad an Bewusstsein, Entwicklung und Führung vorhanden ist. Es muss intellektuelle Hegemonie geschaffen werden. Dies entsteht, wenn die Mitglieder den universalen Prinzipien der Organisation oder der Partei folgen und die Organisation es durch ihre Prinzipien schafft, dass subalterne Klassen sich mit ihren Interessen artikulieren können. Nach Green entsteht dadurch eine Krise in der Autorität dominanter Klassen, da die subalterne Klasse durch ihre intellektuelle Hegemonie nicht mehr den politischen und ideologischen Werten der dominanten Klassen verpflichtet ist.94 Wenn dieser Verlust an Autorität der herrschenden Klasse zu einer Bedrohung wird, ist es möglich, dass diese versucht, durch Gewalt ihre Macht zurückzuerlangen. Betrachtet man die Afroamerikaner und die NOI im Kontext dieser Aussagen, sind deutliche Parallelen vorhanden, die der Definition von subalternen Gruppen entsprechen. Diese Aussage wird die Arbeit in den folgenden Kapiteln näher untersuchen.

4. Ein schwarzer Islam? Islamisches Verständnis der NOI

Das islamische Verständnis der Nation of Islam hat sich, wie bereits skizziert wurde, im Verlauf der Jahrzehnte seit der Gründung teilweise verändert und den sozialen Umständen angepasst. Vor allem der Prozess der Orthodoxierung der NOI durch Wallace Muhammad trug maßgeblich dazu bei, dass die Nation of Islam auch in den arabisch-islamischen Ländern weltweit zumindest als ernsthafte Bewegung verstanden wird, auch wenn diese von der sunnitischen Mehrheit im theologischen Kontext abgelehnt wird.

Betrachtet man das islamische Selbstverständnis der NOI, so muss dieses im Rahmen der amerikanischen Geschichte angeschaut werden. Die ersten islamischen Bewegungen in den USA entstanden zur Zeit der Jim Crow Ära.95 Einer Zeit geprägt von rassistischer Segregation, Diskriminierung, fanatischem Nationalismus und gesellschaftlichen Extremen. Diese Umstände waren für die ideologische Entwicklung der Nation of Islam von großer Bedeutung. Ganz anders als bei Muslimen aus islamischen Ländern ist die alleinige Emanzipation als schwarzer Muslim innerhalb des rassistischen Kontexts der USA, zur Zeit der Gründung der NOI, ein rebellischer Akt und wird erzeugt durch soziale Ungerechtigkeiten. Es wird versucht, eine Gegenbewegung und Gegenidentifikation zu schaffen, die im Kontrast zu dem oktroyierten Selbstbild und der gesellschaftlichen Stellung steht, die das Resultat der Sklaverei und des Kolonialismus sind. Es wird versucht, die verankerten Hegemonien zu brechen, um sich aus der niederen Gesellschaftsposition zu emanzipieren. Um diesen Zustand zu definieren nutzt Akom hier den Begriff der Culture of Opposition.96 Die Kulturen des Gegensatzes dienen einem partiellen Rückzug aus den jeweiligen Gesellschaften, die geprägt sind von den vorherrschenden institutionalisierten Hegemonien. Zu Beginn der NOI waren das mitunter Rassismus, Ausbeutung und die Segregation mit allen ihren Auswirkungen. Eine Gegenkultur zu schaffen, bedeutet automatisch, eine neue Sphäre zu erschaffen, in der es möglich ist, Zuflucht aus der subalternen Position zu finden. Ironischerweise erleichtert demnach gesellschaftliche und politische Segregation die Herausbildung einer Organisation wie der NOI.97

Der Gründer Wallace D. Fard predigte in den schwarzen Ghettos Detroits genau das, was zur Zeit der Weltwirtschaftskrise innerhalb der schwarzen Ghettos gehört werden wollte und Anklang fand. Die schwarze Vorherrschaft (Black Supremacy) ist das

Leitmotiv der Nation of Islam. Diese Vorherrschaft beinhaltet die absolute Loslösung von den Weißen auf religiöser, politischer, kultureller und sozialer Ebene.98

Es existieren keine Anhaltspunkte, die Rückschlüsse darüber liefern, auf welche authentischen, islamischen theologischen Quellen und Referenzen sich Fard berufen hat. Er klassifizierte seine eigene rassistische Ideologie mit dem Banner des Islam und propagierte eine entstellte Version der islamischen Theologie. Fard erklärte, dass er der Mahdi (islamische Messias) sei, der, sofern man sich seiner Doktrin unterwirft, dass schwarze Volk von dem Joch des weißen Mannes befreien würde. Er nannte die Weißen blauäugige Teufel oder Satan und bildete mit seiner religiösen Doktrin eine Opposition in der amerikanischen Gesellschaft. Fard wird von seinen Anhängern als Allah selbst und als absolute personifizierte Gottesgestalt auf Erden angesehen. In Mekka geboren, ist er die Erlösung für den schwarzen Mann und in der Lage, die Schwarzen Amerikas aus dem Joch des weißen Teufels zu befreien. Ihm wird nachgesagt, dass sein Verschwinden im Jahre 1934 ein Rückzug nach Mekka war, wo er für einen Zeitraum von 440 Jahren leben würde.99 Was danach passieren sollte, war unklar. Um Fard zu beschreiben werden von seinen Anhängern die quranischen Definitionen von Gott benutzt. So trug Elijah Muhammad dazu bei, dass man Fard als das höchste Wesen oder den Herrn der Himmel und Welten betitelt.100 Dies sind Betitelungen, die dem islamischen Gottesverständnis zu Grunde liegen und den Monotheismus bekunden. Das Gottesverständnis der NOI ist antropomorphistisch. Das bedeutet, dass Gott in menschlicher Gestalt auf Erden wandelt. In Bezug auf die NOI ist ihr Gott demnach ein schwarzer Mann. Elijah Muhammad lehnt die Idee eines nicht-materiellen Gottes ab, da er behauptet, dass die Vorstellung eines immateriellen Gottes als Betrugsvorstellung von den Weißen erzeugt wurde. Elijah Muhammad sieht es als unlogisch an, dass ein Geist ohne Körper existieren kann. Gott muss eine menschliche Form haben, da er ohne Luft, Wasser und Nahrung nicht bestehen kann. Nach Elijah Muhammad ist der Gebrauch des Personalpronomens „er“ in Bezug auf

Gott ein Indiz dafür, dass Gott zwangsläufig menschlich und männlichen Geschlechts ist101

Ansari betont in seiner Arbeit, dass die Gottesvorstellung der Nation of Islam stark an die christliche Gottesvorstellung angelehnt ist und in der Zeit der Gründung der NOI aus dem christlichen Kontext Nordamerikas gewachsen ist. Um die Nation of Islam in ihrer Religion zu begreifen, sollte die Abhandlung Supreme Wisdom von Fard Muhammad untersucht werden. Das Supreme Wisdom ist eine Ausführung über die ideologischen Grundlagen der NOI. Fard Muhammad verfasste in kurzen Lektionen die theologischen und organisatorischen Konzepte der NOI und legte anhand dieser fest, was der Islam in der NOI ist und was es bedeutet, ein Black Muslim zu sein. Durch Fragen und die jeweiligen Antworten stellt Fard in seiner Abhandlung seine islamische Gottesvorstellung vor und erklärt im ersten Punkt der ersten Lektion, dass der schwarze Mann Gott ist:

The original man is the Asiatic Black man; the Maker; the Owner; the Cream of the planet Earth - Father of Civilization, God of the Universe. 102

Die Lektionen müssen von den Mitgliedern auswendig gelernt und internalisiert werden, sodass die Doktrin stetig abrufbar ist. Die Nation of Islam geht davon aus, dass von allen Nationen auf der Welt die schwarze Nation selbsterschaffen ist und die Vorfahren der Schwarzen den Himmel und die Erde erschaffen haben. Auch das Leben und die Teufel (Weißen) wurden von ihnen erschaffen. Die Schwarzen sind Nachfahren des ersten schwarzen Gottes und dementsprechend selbst Götter, jedoch ist einer von diesen Göttern das höchste Wesen (Supreme Being). Alle schwarzen Menschen sind nach Vorstellung der NOI also Allah. Der Unterschied zu dem einen ausgewählten Wesen ist der, dass diese bestimmte Gottesperson Wissen, Weisheit und Kraft am stärksten in sich vereint hat und dementsprechend davon Gebrauch machen kann, wie es ihm beliebt. Dies macht ihn zum höchsten Wesen, dem gefolgt werden muss, zu einem Messias für die Schwarzen.103 Der Doktrin der NOI zufolge gehört die Welt den schwarzen Menschen und Allah als höchstes Wesen, ist personifiziert in Fard Muhammad. Nach Vorstellung der NOI entstand das höchste schwarze Wesen vor 76 Milliarden Jahren. Sein Ursprung entstammt dem Universum selbst und seine Selbstschöpfung dauerte sechs Milliarden Jahre. Das höchste Wesen erschuf sich selbst aus der dunklen Materie des Universums und dem schwarzen des Wassers.104 Vor der Schöpfung der Welt existierte der schwarze Mann bereits und er war ein Krieger, der im Kampf gegen die Dunkelheit die Sonne schuf. Die Sonne symbolisiert Freiheit und Kreativität und das Feuer die Wahrheit. Er formte Leben auf der Erde und ließ zu, dass die Planeten um die Sonne kreisen müssen. Diesen Vorgang nannte er „Sonnensystem“. Alles, was im Universum existiert, wurde nach Vorstellung der NOI erschaffen aus dem schwarzen Intellekt (Divine Wisdom). Es gibt keinen höheren Intellekt als den des Menschen, da der Geist der göttlichen Weisheit sich nur im Fleisch manifestieren kann. Dementsprechend ist Man God and God is Man. 105 Der schwarze Mann hat schon immer existiert, um die schwarze Rasse zu einer Nation von Königen zu machen (Nation of Gods), abstammend vom dem einen höchsten Wesen. Es gibt auch sogenannte Helfer, die dem einen hohen Wesen zur Seite stehen. Ein Konzil von 24 „Imamen“, „Göttern“ und schwarzen Wissenschaftlern. Ihre Zahl wird immer dieselbe sein, jedoch werden diese ausgetauscht, da kein Gott ewig leben wird. Auch können niemals zwei Götter zur selben Zeit existent sein.106 Die weiße Rasse ist, nach Vorstellung der NOI, das Produkt eines schwarzen Wissenschaftlers mit dem Namen Yakub. Dieser lebte vor etwa 6000 Jahren und manipulierte im Zuge seines Größenwahns die Gene der Schwarzen. Aus den Hybriden formte sich die weiße Rasse.107

Nach Vorstellung der NOI ist Elijah Muhammad der Prophet Fard Muhammads, gesandt, um die Botschaft des schwarzen Islam weiter zu tragen. Paradoxerweise akzeptiert die Nation of Islam Mohammed Ibn Abdullah und alle vorherigen Propheten nach orthodoxer islamischer Tradition, doch wurde das theologische Konzept an die Ideologie der NOI angepasst und somit Elijah Muhammad als Prophet konstruiert.108 Die Vorstellung der NOI bezüglich des Prophetentums Elijah Muhammads geht sogar soweit, dass Elijah Muhammad in der Reihe aller anderen Propheten als noch höher gestellt angesehen wird. Dies, weil Elijah Muhammad direkten Kontakt mit Allah selbst (Fard Muhammad) gehabt hat und in die geheimen Lehren eingeführt wurde, sodass es ihm möglich war, höheres Wissen und Weisheit zu erlangen.

Die religiöse Doktrin dieser schwarzen Bewegung beinhaltet des Weiteren einen kosmologischen Aspekt, der vor allem zu Beginn der Bewegung sehr attraktiv auf die schwarze Bevölkerung gewirkt hat. Der Millenarismus ist ein Kernaspekt, der die NOI für die Schwarzen in hohem Maße interessant gemacht hat. Im Kontext oben genannter rassischer Verfolgung und der Diskriminierung ausgesetzt, ist der Glaube an eine immanente, ultimative, kollektive und absolute Erlösung für die Schwarzen ein zentraler Grund, sich der NOI anzuschließen.109 Der Millenarismus ist in verschiedenen Kontexten anwendbar und ist der Glaube an ein Utopia auf Erden, das einen Herrschaftsumbruch zur Folge hat. Bezugnehmend auf die NOI also einen Fall der weißen Welt und ihrer unterdrückenden politischen Institutionen. Ein apokalyptisches Szenario, aus dem sich eine schwarze Nation erhebt und in Frieden herrschen wird.110 Der Glaube an ein Ende der Unterdrückerherrschaft und der Versprechung einer perfekten Zukunft macht den Millenarismus vor allem für diejenigen anziehend, die sich in gesellschaftlichen Unterpositionen befinden. Aus subalternen Stellungen heraus ist es schwer, individuell aktiv zu werden und sich daraus zu lösen, im Kollektiv jedoch kann nach Martha F. Lee in Richtung einer alternativen Zukunft gedacht werden. Es wird ein Mythos der „Auserwähltheit“ geschaffen und gleichzeitig wird dadurch das Individuum zumindest gedanklich aus seiner subalternen Rolle herausgeholt. Gruppen am Rande der Gesellschaft leiden an Armut, sind politisch machtlos und es ist fast unmöglich, gesellschaftlich aufzusteigen. Daraus bildet sich eine individuelle Depression in der oftmals die Religion und der Kollektivismus, der durch Religion vermittelt wird, als Ventil genutzt wird.111

Sherman Jackson benutzt im Kontext des schwarzen Islam den Begriff des Eudämonismus. Dieser impliziert die Erfüllung des Glücks des Einzelnen oder des Kollektives für den Willen Gottes. Im Sinne des schwarzen Islam ist es im Rahmen des Begriffs irrelevant, ob die religiösen Lehren einen theologischen Sinn ergeben. Was zählt, ist die positive Erfüllung der weltlichen Interessen. Der schwarze Islam steht für eben diese Erfüllung der kollektiven Bedürfnisse subalterner Afroamerikaner und positioniert sich als eine Religion, die aufgrund konkreter historischer Umstände gewachsen ist. Eine theologische Richtigkeit ist für die Anhänger dieser dementsprechend zweitrangig.112

Dieses Verständnis von Religion unterscheidet sich demnach nicht von säkularen Bewegungen oder Utopien. Gepaart mit dem millenaristischen Aspekt der NOI, kann leicht die religiöse Ideologie in die politische Sphäre adaptiert werden.113

Und genau das ist das Besondere am schwarzen Islam der NOI . Afroamerikaner, die sich geistig in diesen Bereichen bewegen, sehen sich selbst als Produkt der White Supremacy. Sie wurden erzeugt durch die Kräfte von Hegemonien und dadurch in die Subalterne gedrängt. Der Islam dient als Werkzeug des geistigen, sozialen und politischen Ausbruchs und einer Emanzipation des Schwarzen in der weißen Hegemonie. Theologische Richtigkeit ist demnach nicht zentraler Punkt der Bewegung und theologische Inhalte werden an politische und soziale Umstände angepasst, um zweck- und zielorientiert zu sein.114

4.1. Die Konstruktion einer Religion

Im Folgenden untersucht die Arbeit exemplarisch, wie die NOI den Islam konstruiert hat, um ihre Interessen zu verwirklichen. Betrachtet man den schwarzen Islam der NOI und vergleicht diesen mit orthodoxen islamischen Konzepten und Vorstellungen, finden sich Parallelen, die jedoch entstellt und angepasst wurden, um den politischen Zwecken der NOI gerecht zu werden.

Ein Beispiel ist hier der Mythos um Yakub. Im Rahmen der Schöpfungsgeschichte benutzt die NOI quranische Erzählungen der Schöpfungsgeschichte und formuliert diese in ihrem Sinne um. Nach den Lehren der NOI wurde im Jahre 8400 des originalen Kalenders, also vor etwa 6000 Jahren, ein Junge aus den Reihen der originalen Menschen geboren. Im Alter von sechs Jahren spielte dieser Junge mit zwei metallischen Stücken im Sand und ihm fiel auf, dass diese magnetisch waren. Er blickte seinem Onkel in die Augen und sagte ihm, dass er Menschen bzw. eine Schöpfung hervorbringen wird, die über ihn herrschen wird (weiße Menschen). Der Onkel fragte, warum er denn etwas erschaffen will, was Blut vergießen wird und Unheil anrichtet auf Erden? Der kleine Junge Yakub erwiderte mit den Worten, dass er etwas weiß, was sein Onkel nicht weiß.115 Diese Geschichte wurde von der NOI exakt aus dem Quran entnommen, lediglich die Protagonisten ersetzt. In Sure 2 Vers 30 wird auf die Entstehung Adams eingegangen.116 In diesem quranischen Abschnitt wird beschrieben, wie Gott einen Nachfolger auf der Erde einsetzen möchte, und die Engel Gott selbst fragen, wieso er denn jemanden einsetzen möchte, der Unheil anrichtet und Blut vergießt? Gott antwortet, indem er sagt, dass er weiß, was die Engel nicht wissen.117 Eine direkte Analogie zu der Geschichte Yakubs der Nation of Islam, jedoch abgeändert auf die schwarze Rasse, um ihre eigene Doktrin zu festigen.

Gardell geht in seinem Buch Louis Farrakhan and the Nation of Islam auf einen weiteren Mechanismus zur Konstruktion eines schwarzen Islams innerhalb der Yakubgeschichte ein, welcher nicht unerwähnt bleiben kann. Durch den geschaffenen Mythos um Yakub, dem schwarzen und blasphemischen Wissenschaftler, der die weiße Rasse in mehreren Etappen gezüchtet hat, konnte eine Abgrenzung konstruiert werden. Yakub war sozusagen der Gegenspieler des höchsten Wesens und kreierte in Genversuchen die weiße Gegenrasse. Diese ist in ihren Eigenschaften das genaue Gegenteil der schwarzen Rasse: böse und feindselig.118 Durch diesen Mechanismus positioniert sich die Doktrin der NOI als gut und friedlich. Der schwarze, originale Mensch als Gegenstück zum Weißen, der lediglich als krankes und dreckiges Resultat aus dem Reagenzglas angesehen wird. Den Lehren der Nation of Islam zufolge gab Gott dem Bösen 6000 Jahre lang die Herrschaft über die Welt. Das Böse regierte mit der Hilfe der weißen Rasse. Nach der NOI-Doktrin ist es nun an der Zeit der bösen Herrschaft ein Ende zu setzen und zur ursprünglichen Religion des schwarzen Mannes zurückzukehren. Dies ist nach Vorstellung der NOI der Islam.119

Auffallend an der NOI ist, dass sie als afroamerikanische Organisation, aus ihrer subalternen Stellung heraus, stetig den Fremdheitsaspekt betont. Diese Fremdheit wird instrumentalisiert, um zweckorientiert zu handeln. Durch den Wunsch der Schaffung einer schwarzen Nation in der amerikanischen Nation wird ein Absonderungsmechanismus suggeriert. Denn, wenn man eine Nation in der Nation gründen will, muss das Gefühl bestehen, fremd zu sein. Diese Fremdartigkeit weist wiederum Parallelen zur islamischen Vorstellung eines Kalifats auf, in welchem ein „puristischer Islam“ praktiziert und gelebt werden kann. Aus diesem Grunde berufen sich beispielsweise heutzutage salafistische Strömungen und Gruppierungen auf die frühe Zeit nach der Gründung des ersten islamischen Staates durch Mohammed Ibn Abdullah in Medina im Jahre 622/623 n. Chr. Nach deren Ideologie kann der „wahre“ Islam nur in einer Umgebung praktiziert werden, die abseits jeglichen Einflusses, vor allem sogenannter „westlicher“ Ideologien, steht. Fremdheit wird somit zum Instrument und wirkt anziehend auf die Anhänger.

Fard Muhammad hinterließ mit seinem Verschwinden 1934 ein Mysterium, welches auch dazu verhalf, den Islam für die eigenen Zwecke zu konstruieren. Kurz nach dem Verschwinden Fard Muhammads verkündete Elijah Muhammad, dass Fard kein Prophet gewesen sei, sondern Gott selbst, der nun zurückgekehrt sei ins Himmelreich und Elijah Muhammad zum Propheten auserwählt habe. Dieser soll die Nation of Islam durch die kommende Zeit führen. Elijah Muhammad wurde angefeindet und seine Frau Clara Muhammad war die Erste, die ihrem Mann glaubte und die Treue schenkte. Auch als Elijah Muhammad ins Gefängnis kam, fungierte seine Frau als Vermittlerin zwischen dem selbsternannten Propheten und seinen Anhängern für die Lehren der NOI. Die Hauptzentrale der NOI war zu Beginn in Chicago, doch Elijah Muhammad wurde aufgrund von Anfeindungen dazu genötigt, nach Washington D.C. umzuziehen.120

Durch diese Begebenheiten lassen sich historische, islamische Parallelen für die Zwecke der NOI konstruieren. Als im Jahre 610 n. Chr. der Prophet Mohammed nach islamischer Tradition seine erste Offenbarung erhielt, war Khadija, seine Frau, die erste, die ihm Glauben schenkte. Von nun an, über einen Zeitraum vom etwa 23 Jahren, erhielt Mohammed in Abständen immer wieder Offenbarungen. Der propagierte Monotheismus in der Botschaft Mohammeds führte dazu, dass der Götzenkult, welcher in Mekka zu seiner Zeit sehr lukrativ war, angeprangert wurde. Die Herrscher Mekkas fühlten sich von der Botschaft bedroht und Mohammed hatte mit starken Anfeindungen zu kämpfen. Diese führten so weit, dass er um sein Leben fürchten musste und genötigt war, mit einer kleinen Schar von Anhängern aus der Stadt zu ziehen. Der Auszug aus Mekka nach Medina markiert einen Wendepunkt in der islamischen Tradition, da dort der erste islamische Staat gegründet wurde und die frühe islamische Gemeinschaft ihre Religion frei praktizieren konnte. Mohammed verkündete seine Botschaft erst einmal an jüngere Männer innerhalb der mekkanischen Gesellschaft.121

Auch hier wird die Parallele deutlich und betont die Glorifizierung des Fremdheitsaspektes innerhalb der NOI. Der Afroamerikaner als Besitzer der eigenen Wahrheit wird gezwungen, sich den Feinden (Weißen) der Nation zu stellen und auszuziehen. Schwarz und in subalterner Position zu sein wird somit ausgenutzt, um politisch aktiv zu werden bzw. politische und gesellschaftliche Ziele zu erreichen. Erst durch eine Vereinigung der schwarzen Rasse ist es nach Vorstellung der NOI möglich, sich aus der weißen Vorherrschaft zu befreien. Diese Vereinigung muss stattfinden durch Selbstbewusstsein und dem Wissen um Gott. Dadurch wird die weiße Herrschaft fallen und das auserwählte Volk wird in Frieden existieren können.122 Im orthodoxen Islam ist der Glaube an das Jenseits und ein Leben nach dem physischen Tod ein zentrales Element. Der Glaube, dass Gott am Tag des Gerichts über die Menschen richten wird und die Gläubigen Lohn und die Ungläubigen Strafe erhalten, wird in vielen Quranversen thematisiert. In der schwarzen Theologie der NOI wird dieser Glaubensaspekt ihrer Ideologie angepasst. Das Jenseits ist für die NOI das Leben nach der weißen Vorherrschaft. Nachdem der „weiße Teufel“ mit seiner erschaffenen „Welt der Sünde“ vernichtet wurde, kann Frieden und Gerechtigkeit existieren und Allah (Supreme Being) kann über das schwarze Reich herrschen.123 Eine deutliche Dichotomie wird geschaffen. Die weiße und schwarze Rasse stehen sich in diesem kosmischen Kontext unversöhnlich gegenüber, wobei die Werte der Weißen als komplett anders dargestellt werden.

Eine Konstruktion der Religion wird auch in der namentlichen Identität der NOI- Anhänger deutlich. Vor allem der Name Muhammed wird immer wieder bei den Anhängern gewählt, allen voran dem Gründer Fard Muhammed und seinem Nachfolger Elijah Muhammed, um einen Bezug zum Mohammed der orthodox islamischen Tradition herzustellen. Ähnlich dem Buchstaben X (bspw. Malcolm X), der vielen der Mitglieder der NOI als Abgrenzungsmechanismus zu ihrem Sklavennamen dient, wird mit dem Bezug auf Mohammed eine islamische Identität konstruiert.

Die Konstruktion der Religion durch die NOI dient der Organisation eines höheren Zwecks, der Schaffung einer eigenständigen schwarzen Nation. Welche Aspekte diese Nation innerhalb der Nation ausmachen, wird im folgenden Kapitel untersucht.

4.2. Der Begriff der Nation: Warum Nation of Islam?

Um sich selbst abzugrenzen und sich zu lösen aus der weißen Vorherrschaft, ist es nach Vorstellung der NOI unabdingbar, eine eigene schwarze Nation zu schaffen. Ähnlich der Vorstellung Gramscis, sich aus seiner subalternen Stellung zu befreien, indem man die subalterne Klasse organisiert und ihre Ideologie konträr der Ideologie der Herrscherklasse gegenüberstellt, agiert auch die NOI in ihrem Fordern nach Selbstbestimmung durch eine eigene Nation.

Eine Nation ist eine Vereinigung von Menschen unter bestimmten Voraussetzungen. Diese Voraussetzungen sind Kriterien, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichen. Basierend auf Sprache, Geschichte, Kultur, Schicksal und Religion entwickeln sich ein Gemeinschaftsgefühl und ein gewisser Grad an nationaler Loyalität unter den Anhängern. In Verbindung mit dem Drang nach politischer Autorität entsteht eine Nation. Ein weiterer relevanter Aspekt für eine Nation ist der territoriale. Eine Nation kann sich selbst erst als solche definieren, wenn sie ein bestimmtes Territorium für sich beanspruchen kann, in welchem es möglich ist, politisch autonom zu agieren.124

Der Nationalismus als Ideologie ist für das Bestehen von Nationen prioritär, da dieser das Fundament der ideologischen Einstellung seiner Mitglieder ausmacht. Eine gesunde Nation ohne Nationalismus ist in sich nicht tragbar, da durch Nationalismus oben genannte Kriterien erst idealisiert werden und zum Fortbestehen der Nation selbst genutzt werden können. Der Nationalismus postuliert einen einheitlichen Charakter der Nation und schafft ein nationales Bewusstsein und Identität. Im Rahmen der NOI spielt jedoch ein weiterer Aspekt eine besondere Rolle. Der religiöse Nationalismus ist kennzeichnend für den Drang nach politischer Autonomie innerhalb der Organisation.

Religiöser Nationalismus richtet seine Anhänger dahingehend aus, dass durch ihn ein Bewusstsein geschaffen wird, welches das Gefühl von Auserwähltheit kreiert. Das bedeutet, dass religiöse Nationalisten sich als göttliche Kreationen ansehen, deren Recht es ist, sich durch eine autonome Nation politisch und religiös selbst zu definieren. Die autoritäre Instanz sind gottgemachte Gesetze. Nationen sind demnach gottgeschaffene Territorien, aus denen exklusive Rechte für die Anhänger resultieren.125 Mitglieder der Nation, gepaart mit einer religiösen Ideologie verstehen sich demnach als Reflexion des Göttlichen, sozusagen als Gottes ausführendes Instrument.

Die Mitglieder der NOI werden oft als separatistisch charakterisiert, da sie einen komplett unabhängigen Staat im Staate fordern, der eine schwarze Wirtschaft beinhaltet.126 Die NOI glaubt, dass wirtschaftliche Unabhängigkeit dazu führt, dass alle anderen Aspekte von freier Selbstbestimmung ermöglicht werden. Die Organisation konnotiert ihre Forderungen in einem religiösen Gewand und versucht dadurch, den Afroamerikaner im Rahmen eines neuen, eigenen Selbstverständnisses zu positionieren. Durch die Forderung nach einer Abspaltung von der weißen Gesellschaft Amerikas oppositioniert sich die NOI in radikaler Weise. Eine komplette Separation von der weißen Gesellschaft Amerikas und die Etablierung einer schwarzen Vorherrschaft und schwarzen Einheit gegen weißen Rassismus sind kennzeichnend für die nationale Ideologie der NOI. Dies kann nach Vorstellung der Organisation erreicht werden durch eine ethische Vorstellung harter Arbeit, Selbstaufopferung, einen asketischen Lebensstil und eine Ernsthaftigkeit im Wesenszug zur Verwirklichung gesetzter Ziele.127

Mitglieder der NOI sehen sich selbst als in Amerika lebend, aber nicht als Teil der amerikanischen Gesellschaft. Eine politische Partizipation im Zusammenwirken mit der weißen Gesellschaft ist demnach nicht möglich. Eine Integration also nicht machbar. Das ehemalige, prominente Mitglied der NOI, Malcolm X, fasst die Haltung zur amerikanischen Politik im folgenden Zitat kurz und prägnant zusammen:

The same government that you go abroad to fight for and die for is the government that is in a conspiracy to deprive you of your voting rights, deprive you of your economic opportunities, deprive you of decent housing, deprive you of decent education [...] This so- called democracy has failed the Negro. And all these white liberals have definitely failed the Negro.128

Martha F. Lee beschreibt in ihrer Arbeit, wie sich die Doktrin der NOI paradoxerweise mit Werten von weißen Protestanten überschneidet. Die NOI verlangt harte Arbeit, Sparsamkeit und eine strikte moralische Haltung, um den Fall Babylons (weißes Amerika) herbeizuführen. Nach Lee definiert sich ein guter Muslim der NOI also anhand der Adaptierung weißer Werte.129 Ähnliche Wertevorstellungen lassen sich bei der protestantischen Bewegung der Amish oder bei den Mormonen finden. Auch diese Glaubensgemeinschaften leben in gesonderten Territorien und spalten sich von den Werten und Ideologien des Landes, in dem sie leben, ab.

Die Schwarzen Amerikas benötigen nach der Aussage Elijah Muhammads einen souveränen Staat. Dieser kann sich entweder in Nordamerika oder in Afrika befinden. Durch diese permanente Forderung der NOI in Kombination mit dem geschaffenen Mythos in der Theologie der NOI wird ein sentimentaler Zustand eines Nationalbewusstseins geschaffen. Die NOI schaffte es außerdem, ein Netz mit verschiedenster Infrastruktur zu errichten. Dadurch wurde mit der Zeit ein wirtschaftliches Imperium geschaffen. So besitzt die NOI Bäckereien, Restaurants, Reinigungen, Cafés, eine Fezfabrik, Bekleidungsgeschäfte, Immobilien, Supermärkte, verschiedene Banken, Transportsysteme etc. Auch die Muhammad Farms dienen der ökonomischen Lösung aus der amerikanischen Gesellschaft. Gegründet wurden sie in den 1960er Jahren durch Elijah Muhammad. Auf ihnen werden beispielsweise Gemüse und Getreide angebaut und in verschiedene Bundestaaten exportiert. Die NOI besitzt mehrere tausend Hektar Land in verschiedenen Teilen Amerikas.

Von weiterer zentraler Bedeutung ist die Bildung. Um der weißen Vorherrschaft zu entkommen, die der Meinung der NOI entsprechend in den Schulen Amerikas subtil vermittelt wird, hat die NOI eigene Schulen im Land. In diesen wird das schwarze Bewusstsein propagiert und die Kinder werden umerzogen. Unterrichtet werden die Schüler in Arabisch, Mathematik, Physik, schwarzer Geschichte und im Islam.130

Die Nation of Islam partizipiert stark in missionarischen Tätigkeiten, vor allem in den Gefängnissen Amerikas, um die schwarze Bevölkerung aus ihrer subalternen Lage innerhalb der amerikanischen Gesellschaft zu befreien. Gefordert wird von den männlichen Mitgliedern der Organisation, dass diese strikte Verhaltensregeln anerkennen und sich von Alkohol, Drogen, Glücksspiel und einem ausschweifenden Lebensstil fern halten. Die Frauen unterliegen der klassischen Rollenverteilung chauvinistischer Gesellschaften und ihr höchstes Ziel sollte sein, dass sie ihre Pflichten als Frau verinnerlichen und diesen nachkommen.131

Die Vorstellung einer Nation unterliegt bei der NOI unbewusst den Ausführungen Gramscis, sich als subalterne Klasse zu organisieren und selbst zu bestimmen. Die NOI hat als afroamerikanische Organisation dieselben Strukturen wie normale Nationalstaaten, jedoch im kleineren Ausmaß. Doch erschafft die NOI durch ihre Ideologie im selben Maße Hegemonie als Reflex zur Hegemonie, in der die Organisation entstand.

5. Fazit

Um der subalternen Stellung aufgrund von Hegemonien zu entkommen und sich politisch zu artikulieren, ist es nach Gramsci Prämisse, dass sich die subalterne Klasse organisiert. Dies funktioniert nicht durch militärische Interventionen, sondern der Krieg muss vielmehr metaphorisch verstanden werden, als ein Krieg innerhalb der Zivilgesellschaft und der institutionalisierten Hegemonie. Das bedeutet, dass ein hegemonialer Kampf gegen die Herrschaftsdominanz stattfindet, in welchem man eine Gegenhegemonie schafft. Die Kultur, Konzeption, Führung und alles, was Herrschaft ausdrückt, muss in Kontrast zu der eigenen Ideologie gesetzt werden, sodass aus diesem Zustand heraus politische Motivation entsteht.132 Das Ziel ist, dass durch die Gegenkonstruktion genügend Kraft aus der Zivilgesellschaft geschöpft werden kann, um einen Umsturz der bestehenden Hegemonie zu erzwingen. Politische, kulturelle und zivile Strukturen werden mit der eigenen Ideologie sozusagen infiltriert und schrittweise ohnmächtig gemacht. Der Fokus liegt bei Gramsci ganz klar auf einer intellektuellen Revolution, vielmehr als auf einer bewaffneten.

Ein Kampf der Positionen ist bei der NOI eindeutig zu erkennen. Ein Aspekt, der sich jedoch bei Gramsci unterscheidet, ist die religiöse Komponente die in der NOI- Ideologie zentrale Bedeutung hat. Die Afroamerikaner wurden durch die Institutionalisierung rassistischer Strukturen in eine subalterne Position gezwungen, aus der heraus die Religion instrumentalisiert wurde. Muslime hatten vor allem zur Gründungszeit der NOI keine religiöse Führung. Der Glaube war dezentralisiert und hing mit seinen Praktiken und Inhalten von Faktoren wie der Region oder der Ausübung bestimmter Sekten ab. Bis in die Gegenwart kennt der Islam keine zentrale Autorität, welche die theologischen Inhalte auf globaler Ebene bestimmt. Meinungen von Rechtsschulen etc. variieren und können für bestimmte Zwecke verändert werden. Ein Beispiel dafür ist Saudi-Arabien und seine wahhabitische Ideologie. Saudi-Arabien gilt zwar als Hüter der heiligen Stätte, jedoch wird die theologische Ideologie des Landes in großen Teilen der Welt sowohl von Muslimen als auch Nicht-Muslimen stark kritisiert.

Genau aus dieser dezentralen Position der islamischen Religion und ihrer theologischen Führer heraus können Organisationen wie die NOI ihre ideologische Kraft schöpfen. Sie passen Religion den sozialen Umständen an. Die Instrumentalisierung einer Religion hilft dabei, das politische Ziel zu erreichen. Vor allem zur Zeit der NOI- Gründung fiel es Fard Muhammad leicht, in den Straßen Detroits für „seinen Islam“ zu werben. Islamisches Wissen über die theologischen Grundinhalte war innerhalb der schwarzen Gemeinden fast nicht vorhanden und gesellschaftliche Kontexte wie der Rassismus, der Bildungsmangel und die Arbeitslosigkeit ließen nicht zu, dass das schwarze Individuum sich ernsthaft damit auseinandersetzte. Vielmehr wurde nach einem Führer gesucht, der für die Belange der schwarzen Bevölkerung eintritt und es ermöglicht, dass der Afroamerikaner aus der subalternen Position heraus kommt. Fard Muhammad und die NOI antworteten auf die Bedürfnisse der Afroamerikaner in einem rassistischen und ungerechten Kontext weißer Vorherrschaft.

Die Antwort Fard Muhammads war das Gegenstück zur weißen Hegemonie, in der das schwarze Individuum bestehen musste. Die NOI antwortete auf Extremismus mit Extremismus. Da jedoch Hegemonie sich sublimer äußert, muss sich auch die Gegenbewegung sublim artikulieren. Das Extreme war somit nicht die Artikulation von Forderungen durch Gewalt, sondern ganz dem Muster Gramscis entsprechend, die Schaffung einer Gegenideologie. Dies geschah in der Kreation eines schwarzen Nationalismus und einer schwarzen Theologie mit extremen Zügen. Die Stigmatisierung des Weißen zum Teufel und dem Bösen auf der Welt sind Formen der Extreme und auch die komplette Absonderung des Schwarzen vom Weißen in der NOI-Ideologie sind Resultate der Extreme, mit denen die afroamerikanische Bevölkerung vor und während der Gründung konfrontiert war.

Der Aufbau der NOI durch den Fokus auf Religion, Bildung und der Wahrung eines schwarzen Selbstverständnisses sind Mechanismen, die es erlauben, dass schrittweise die manifestierte Hegemonie der amerikanischen Zivilgesellschaft umgestürzt wird. Durch die Konzentration des Afroamerikaners auf sein „Anderssein“ wird „das Andere“ konstruiert. Der Konstrukteur ist in dem Fall ein Führer aus der Subalterne selbst. Die subalterne Schicht agiert somit als Gegenakteur, um sich zu artikulieren. Die NOI kann ganz klar als ein solcher Akteur verstanden werden.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die bewusste Konstruktion des Islam durch die NOI zu verdeutlichen und zu beschreiben, dass die Instrumentalisierung der Religion aufgrund der subalternen Position des Afroamerikaners so fruchtbaren Boden fand. Die Umstände im amerikanischen Gesellschaftskontext trugen dazu bei, dass sich eine Bewegung wie die NOI etablieren konnte. Dabei musste auf verschiedene Aspekte gesondert geachtet werden. Die koloniale Historie und der gesellschaftliche Hintergrund spielen eine enorme Rolle, da die NOI diese für ihre eigene Selbstwahrnehmung als Schwarze in Amerika genutzt hat. Aber auch die ideologischen Inhalte der NOI-Führung unterschieden sich im Laufe der Zeit, sodass sich Diskrepanzen entwickelten, die erst einmal durchleuchtet werden mussten, bevor auf Subalternität eingegangen werden konnte. Es wird jedem Leser bewusst sein, was Klassengesellschaften sind. Doch ist der hegemoniale Rahmen, der diese erst möglich macht, von entscheidender Bedeutung. Im Verlauf der Arbeit wurde klar, dass Hegemonien immer wieder neue Hegemonien fordern. Die Entstehung einer Ideologie wie die der NOI lässt sich auf ungerechte Machtverhältnisse in Gesellschaften zurückführen und die gezielte Etablierung von Machtstrukturen zugunsten der Herrschenden. Was die NOI betrifft, so entsprang ihre Genese ganz dem Muster Gramscis von subalternen Klassen. Die NOI ist eindeutig eine subalterne Bewegung, die aus ihrer Position heraus versucht hat, sich politisch zu äußern. Im Gewand eines konstruierten Islam wurde in bestehender Hegemonie die Organisation zu einem politischen Gegenspieler geformt. Aber auch die Religion Islam wurde Mittel zum Zweck und zum Gegner eines weißen Amerika glorifiziert. Die islamische Religion wurde als Ursprungsreligion des Schwarzen in Amerika gepriesen und fungierte somit als Werkzeug zur Identitätsschaffung und gleichzeitig als Absonderungsmechanismus.

Diese Untersuchung zeigt, dass in der NOI gezielt durch Religion abgegrenzt wurde, nachdem diese theologisch umkonstruiert wurde. Die subalterne Position fungierte ebenso wie der Islam als Mittel für die politischen Ziele der Konstrukteure. Die Bildung einer eigenen Nation als hegemonialer Gegenblock war und ist das, wonach Anhänger der Organisation streben. Islamische Prinzipien und orthodox-islamische Grundinhalte sind für die Konstrukteure deshalb sekundär relevant.

Interessanterweise wurde im Verlauf der Recherchen nicht klar, ob Fard Muhammad sich von Beginn an als die personifizierte Gottesgestalt bezeichnete, oder ob dies erst nach Gründung der Organisation stattfand. Wenn das klargestellt werden würde, könnte man die Behauptung der bewussten Konstruktion des Islam durch die NOI teilweise abschwächen und die theologische Ideologie der NOI anhand einer psychischen Komponente des Gründers heraus begründen. Das heißt, wenn das der Fall wäre, ist die bewusste Schaffung einer politischen Bewegung bzw. Artikulation zweitrangig und die individuelle, theologische Emanzipation des Gründers und seine religiöse Ideologie wären vorrangig. So bleibt die NOI jedoch primär eine politische Bewegung in religiösem Gewand.

Abschließend kann gesagt werden, dass die NOI mit ihren gegenwärtig zwei bis drei Millionen Anhängern133 entstanden ist aus einem kolonialen Klima, gepaart mit rassistischen Spannungen und ökonomischen Krisen. Ein schwarzer Nationalismus und ein schwarzer Islam boten sich als Ausweg für den Afroamerikaner an. Die charismatischen Führer und prominenten Mitglieder trugen nur noch mehr dazu bei, dass sich die afroamerikanische Organisation stetig als ernstzunehmende Gegenbewegung innerhalb weißer Vorherrschaft etablieren konnte. Ob die NOI es mit ihrer Ideologie nochmals schafft, dieses besondere Augenmerk in der amerikanischen Gesellschaft zu erzeugen wie in den 40er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, kann nicht so leicht beantwortet werden, da sich die gesellschaftlichen Umstände verändert haben. Rassismus gegenüber Schwarzen in Amerika ist ein immer aktuelles Thema und auch die Musik und vor allem Hip Hop- Szene ist stark geprägt von der NOI und ihrer Ideologie.

Die Kurswechsel und die Rückführung in ursprüngliche Muster innerhalb der Organisation zeigen auf, dass trotz der radikalen Ideologie der NOI der Afroamerikaner stetig auf der Suche nach Identität sein wird und dass die Antwort auf Rassismus nicht Rassismus und religiöser Nationalismus sein kann. Organisationen wie die NOI bieten lediglich kurzzeitig die Möglichkeit eines Aufschreis in subalternen Gesellschaften, aber sie können keine Lösung für hegemoniale Machtstrukturen anbieten oder diese gar sprengen, da sie automatisch selbst zu einer neuen Hegemonie werden, welche dieselben negativen Begleiterscheinungen mit sich trägt.

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2 Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 71.

3 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 8 f.

4 ; Ebd. S. 29 f.

5 ; Mattias, Gardell: In the Name of Elijah Muhammad, Louis Farrakhan and the Nation of Islam, S. 11.

6 ; Ebd.

7 ; Ebd.

8 ; Ebd.

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10 ; Ebd.

11 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 35 f.

12 ; W.E.B, Du Bois: The Conversation of Races.

13 ; Ebd. S. 12.

14 ; Mattias, Gardell: In the Name of Elijah Muhammad, Louis Farrakhan and the Nation of Islam, S. 12.

15 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 30 f.

16 ; Dawn-Marie, Gibson: A History of The Nation of Islam, S. 1.

17 ; Ebd.

18 ; Ebd. S. 5.

19 ; Ebd. S. 6.

20 ; Priscilla, McCutcheon: Food, Faith and the everyday struggle for black urban community, S. 387.

21 ; Dawn-Marie, Gibson: A History of The Nation of Islam, S. 14.

22 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 63.

23 ; Dawn-Marie, Gibson: A History of The Nation of Islam, S.15.

24 ; Mattias, Gardell: Countdown to Armageddon, S. 36.

25 ; Ebd.

26 ; Ebd.

27 ; Ebd.

28 ; Ebd.

29 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 68.

30 ; Mattias, Gardell: Countdown to Armageddon, S. 38.

31 ; Mattias, Gardell: In the Name of Elijah Muhammad, S. 50 f.

32 ; Mattias, Gardell: In the Name of Elijah Muhammad, S. 57.

33 ; Ebd. S. 58.

34 ; Wallace verweigerte die Einberufung in die U.S. Army.

35 ; Ebd. S. 102.

36 ; Ebd. S. 103 f.

37 ; Ebd.

38 ; Ebd. S. 109.

39 ; Ebd.

40 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 72.

41 ; Mattias, Gardell: In the Name of Elijah Muhammad, S. 123.

42 ; Ebd.

43 ; Alphonso, Pinkney: Black Americans, S. 6.

44 ; August, Meier: From Plantation to Ghetto, S. 2 f.

45 ; Alphonso, Pinkney: Black Americans, S. 6 f.

46 ;; Charles E. Lincoln: The Negro Pilgrimage in America, S. 34.

47 ; Alphonso, Pinkney: Black Americans, S. 16 f.

48 ;; Charles E. Lincoln: The Negro Pilgrimage in America, S. 60.

49 ; Ebd. S. 65.

50 ; Alphonso, Pinkney: Black Americans, S. 23.

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52 ; Mattias, Gardell: Gods of the Blood: S. 40 f.

53 ; Ebd.

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55 ; Charles E. Lincoln: The Negro Pilgrimage in America, S. 84.

56 ; Mattias, Gardell: Gods of the Blood, S. 41.

57 ; Charles E. Lincoln: The Negro Pilgrimage in America, S. 85.

58 ; Ebd.

59 ; Mattias, Gardell: Gods of the Blood, S. 41.

60 ;; Sally, Howell: Old Islam in Detroit, S. 2.

61 ; Ebd. S 64.

62 ; Ebd. S. 64.

63 ; Ebd. S. 66.

64 ; Charles E. Lincoln: The Negro Pilgrimage in America, S. 95.

65 ; Alphonso, Pinkney: Black Americans, S.28.

66 ; Marcus, Green: Gramsci's Concept of Subaltern Social Groups, S. 1.

67 ; Ebd.

68 ; Ebd. S. 7.

69 ; Andreas, Merkens: Die Regierten von den Regierenden intellektuell unabhängig machen, S. 157.

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72 ; Hito, Steyerl: Spricht die Subalterne deutsch?, S. 7.

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76 ; Partha, Chaterjee: Empire and Nation, S. 290.

77 ; Hito, Steyerl: Spricht die Subalterne deutsch?, S. 26.

78 ; Andreas, Merkens: : Die Regierten von den Regierenden intellektuell unabhängig machen, S. 159.

79 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 22.

80 ; Margaret, Hunter: The Persistent Problem of Colorism, S. 237.

81 ; Ebd.

82 ; Ebd. S. 238.

83 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 33.

84 ; Margaret, Hunter: The Persistent Problem of Colorism, S. 239.

85 ; Ebd.

86 ; Ebd.

87 ; Marcus, Green: Gramsci's Concept of Subaltern Social Groups, S. 147.

88 ; Ebd. S. 174.

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90 ; Marcus, Green: Gramsci's Concept of Subaltern Social Groups, S. 198 f.

91 ; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 34 f.

92 ; Ebd.

93 ; Marcus, Green: Gramsci's Concept of Subaltern Social Groups, S. 222.

94 ; Ebd. S. 224.

95 ; Antwi, Akom: Reexamining Resistance as Oppositional Behavior: The Nation of Islam and the Creation of a Black Achievement Ideology, S. 307.

96 ; Ebd.

97 ; Ebd.

98 ; Zafar, Ansari: Black Muslim Theology, S. 139.

99 ; Ebd. S. 140.

100 ;; Ebd.

101 ;; Ebd. S. 143.

102 ;; Vgl. Supreme Wisdom von Fard Muhammad Lektion 1.

103 ;; Zafar, Ansari: Black Muslim Theology, S. 145.

104 ;; Mattias, Gardell: Minister Farrakhan and the Nation of Islam, S. 119.

105 ;; Ebd.

106 ;; Ebd.

107 ;; Katrin, Simon: Die Erben des Malcolm X, S. 76.

108 ;; Zafar, Ansari: Black Muslim Theology, S. 145.

109 ;; Martha F. Lee: The Nation of Islam, S. 2.

110 ;; Ebd.

111 ;; Ebd. S. 4 f.

112 ;; Sherman, Jackson: Islam and the Blackamerican, S. 171 f.

113 ;; Martha F. Lee: The Nation of Islam, S. 4.

114 ;; Vgl. Jackson S. 171 ff.

115 ;; Mattias, Gardell: Minister Farrakhan and the Nation of Islam, S. 121.

116 ;; Vgl. Abu Ja'far Muhammad b. Jarir Al-Tabari: The Commentary on the Qur'an, S. 206 f.

117 ;; Vgl. dazu Rudi Paret: Der Koran, S. 15.

118 ;; Vgl. Mattias, Gardell, S. 124.

119 ;; Ebd.

120 ;; Mattias, Gardell: Minister Farrakhan and the Nation of Islam, S. 58.

121 ;; Vgl. Gudrun, Krämer: Geschichte des Islam, S. 22 ff.

122 ;; Mattias, Gardell: Minister Farrakhan and the Nation of Islam, S. 59.

123 ;; Zafar, Ansari: Black Muslim Theology, S. 156 f.

124 ;; Ebd. S. 8.

125 ;; Ebd.

126 ;; G. Llewellyn Watson: Social Structure and Social Movements: The Black Muslims in the U. S. A. and the Ras-Tafarians in Jamaica, S. 193.

127 ;; Ebd. S. 194.

128 ;; Ebd.

129 ;; Martha F. Lee: The Nation of Islam, S. 93.

130 ;; Mattias, Gardell: Minister Farrakhan and the Nation of Islam, S. 61.

131 ;; Ebd.

132 ;; Vgl. Green S. 216.

133 ;; Vgl. Lincoln, Eric.

54 von 54 Seiten

Details

Titel
Die Nation of Islam. Subalternität und die Konstruktion eines schwarzen Islam
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Islamwissenschaft)
Autor
Jahr
2016
Seiten
54
Katalognummer
V980739
ISBN (Buch)
9783346335753
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islam, nation of islam, gramsci, subalternität, schwarzer islam, black muslim, islam in america, islam in amerika, noi, racism, rassismus, extremismus, nationalismus, fundamentalismus, extremism, nationalism, fundamentalism
Arbeit zitieren
Hani Dabbour (Autor), 2016, Die Nation of Islam. Subalternität und die Konstruktion eines schwarzen Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980739

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